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April 1908 ab angenommen. Nach weiterer un­wesentlicher Debatte führte Abg. Dr. Roeficke llons.) beim Kapitel Reichsgesunbheitsamt Be­schwerde über die noch immer nicht erfolgte Vorlage eines Entwurfes zum neuen Weingesetz. Ähnlich äußerte sich Abg. Baumann (Zentr). Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg erwiderte, der Weingesetzentwurf liege bereits dem Bun­desrate vor. Auf Ausführungen der Abgg Se- vering, Zubeil, und Lehmann (Soz.) erklärte Direktor Casper, die Verordnungen zur Verhüt­ung gesundheitlicher Schädigungen in indu­striellen Betrieben seien ausreichende. Vizepra- ident Kaempf stellte die von den Abgeordneten durch Erheben von den Plätzen bekundete Ehrung des verstorbenen Bürgermeisters von Hamburg, Dr Mönckeberg, fest, sowie die Billigung, dem Senat die Teilnahme des Reichstages auszu­drücken. Darauf bewegten sich die weiteren Re­ben nur noch im Rahmen unwesentlicher Erör­terungen.

v. Djiembowoki empfahl Setzhaftmachung der Landarbeiter al» Gegenmittel gegen die Ent­völkerung de« Ostens. Oberbürgermeister Wilms-Posen bat, die Ostmarkenpolitik stetig fortzusetzen. Prof. Loening-Halle bezeichnete da» preußische Wahlrecht als ungerecht und unwahr, währei d Dr. v. vurgsdorff es verteidigte. Das Bismarcksche Wort vom elendesten aller Wahl­systeme sei aus de« Zusammenhang gerissen. Dersel!^ Liberalismus, der dem Fürsten Bis­marck das Leben so sauer gemacht habe, wolle stch jetzt aus ihn berufen. Vor 1800 Jahren hat Plinius darauf htngewiesen, daß Gleichmacherei zur größten Ungleichheit führen könne. Daraus möge man lerne«. (Beifall.) Die Eeneraldis- kussion schließt.

Der Kaiser in Venedig.

öenebig, 28. März. Der Kaiser besuchte heute nachmittag das Arsenal. Der Kaiser machte dann noch eine Fahrt nach dem Lido. Die Kaiserin besuchte mit dem Prinzen August Wilhelm und der Prinzessin Viktoria Luise das Kloster San Lanaro und die Glasfabrik auf Mürano. Die Nachricht italienischer Blätter, daß beim Einsteigen in ein Boot Eeneraladju- tant Graf Hülsen-Häseler ins Wasser gefallen sein soll, ist unwahr. Weder dem Grafen noch eirem anderen Mitglied« des Gefolge» ist itgenb etwas zugestoßen.

Rom, 28. März. Wie die hiesigen Blätter melden, hat der König dem Prinzen August Wilhelm den Annunciatorden verliehen.

V e n e d i g, 29. März. Der deutsche Kaiser und die Kaiserin unternehmen heute vormittag eine lange Eondelfahrt durch die Stadt. Prinz August Wilhelm und die Prinzessin Viktoria Luise machten einen Spaziergang. Der Kaiser hielt an Bord derHohenzollern" Gottesdienst ab und hörte später die Vorträge der Chefs des Militär- und Marinekabinetts. sowie des Geh. Regierungsrats von Berg vom Zivilkabinett. Nachmittags machte der Kaiser Besuche bei der Gräfin Mocegino, geborene Prinzessin v. Win- disch-Grätz, und bei der Gräfin Brandolin. Die Kaiserin und Prinz August Wilhelm, sowie die Prinzessin Viktoria Luise besuchten das Museo Civico. Das Wetter ist kühl, bei starkem Regen. Für die Abendtafel sind geladenK. u. K. Käm­merer Graf Nostiz und Gemahlin. Die Weiter­fahrt nach Syrakus erfolgt voraussichtlich mor­gen nachmittag 2 Uhr. Gestern abend hörten die Majestäten eine Serenade von Volkssängern an, welche auf Gondeln vor derHohenzollern" erschienen waren.

bereut Ihr es beide noch, einen Menschen wie meinen Albert zurückgewiesen zu haben."

Er hatte sich wieder mehr und mehr in Zorn geredet und fuhr jetzt hastig fort:

Einstweilen soll jener Mann, der übrigens schon verheiratet war und auch ein Töchterchen besitzt, Schriftsteller geworden sein. Gelesen hat man freilich noch nichts von ihm. Er hat sich in der Nähe von Neunlinden ein kleines, bescheidenes Häuschen gemietet; dort lebt er mit einer alten Wirtschafterin, schreibt Romane und wattet auf bessere Zeiten. Da kannst Du Dir wohl denken, daß ihm eine Frau mit einem Milliönchen sehr willkommen wäre. Und mit dem verkehrt Deine Tochter dort draußen. So, nun weißt Du alles, ich habe richts mehr zu sagen!"--

Albert Stolze machte eine tiefe, linkische Verbeugung, während sein Vater hastig der Türe zustrebte. Reinau sah den beiden grimmig nach. Dann lachte er laut und zornig auf.

Nun hab ich Euch erkannt," rief er mit dem Fuße stampfend.Elende Berechnung führte Euch her! Mein Geld wolltet Ihr haben, um damit Euren höchst mangelhaften Finanzen aufzuhelfen! Diesem Menschen hätte ich meine Maja ohnehin nicht gegeben! Schöne Freund­schaft das! Mich reut es fast, daß ich die beiden Heuchler nicht hinauswerfen ließ!"

Unmutig schritt er auf dem weichen Teppich, bet das Zimmer bedeckte, hin und her.

Es ist alles Lüge und Verleumdung," mur­melte er dann,Wie kann ich mich nur so auf- regcn wegen nichts! Maja ist ein Kind, was weiß fo ein kleines Mädchen von der Welt! Indessen, wenn chr so ein Windbeutel den Kopf verdrehte

Wieder stampfte er mit dem Fuße auf.

Hergott, die Geschichte geht mir im Kopfe herum und läßt mich nicht zur Ruhe kommen l"

iR-rchvrua UHtoiSn.i

Die Freundinnen.

Herrisches Reich.

Der Reichskanzler in Wien. . Wien, 29. März. Reichskanzler Fürst Bülow ttaf in Be­gleitung des Gesandten v. Flotow und des Geh.

Marburg

Dienstag. 31. März 1908.

Bestellungen

für das zweite Quartal 1998

- auf die

Oberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in K cr ). hain, Neustadt und Wetter, sowie k\ allen Postanstalten und Landbriesträgern ent- gegengenommen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth.

(Fortsetzung.)

Er kam nicht weiter. Reinau war mit einem Satze dicht an der Seite des Sprechers und um­spannte wie mit eisernen Klammern sein Hand­gelenk.

Und was zischelt man?" schrie er aufgeregt, während auf seiner Stirn die Zornesader schwoll.

Heraus damit, ich will es wissen, alles!"

Laß mich los, Du tust mir ja weh!" tief bet Angegriffene, während Albert seinem Vater bei­zuspringen suchte.

Rede!" donnerte Reinau mit wütender Stimme, so daß die beiden beinahe ängstlich wurden.

Es ist vielleicht nur ein leeres Geschwätz," versuchte Stolze einzulenken.Es wird so viel geklatscht, ich habe vorhin im Zorn gespro­chen, laß mich, ich weiß nichts, vergiß, was ich sagte, Fräulein Maja tut gewiß nichts Unrechtes, und wir, na, wir werden uns doch nicht streiten wollen, find ja alte Freunde!"

Reinau hielt die Hand des Sprechers noch immer fest umspannt.

Du verlässest mein Haus nicht, bis Du alles gesagt hast. Also rede! Glaubst Du, ich lasse mein Kind durch Dich verdächtigen? Wenn Du nichts weißt, dann---

Er vollendete den Satz nicht, aber Stolze mochte in den haßfunkelnden Augen seines alten Freundes" nichts Gutes lesen, er fühlte, » er jetzt reden müsse und begann nur zö­gernd:

Aus den Parlamenten.

tz" Deutscher Reichstag.

Der Reichstag setzte am Sonnabend die dritte Lesung des Etats des Reichsamts des In­nern fort. Auf die Ausführungen des Abg. Graf Carmer-Ziesewitz (kons.), der sich im In­teresse der ländlichen Bevölkerung gegen eine weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe in offenen Verkaufsstellen aussprach, erwiderte Staatssekretär ». Bethmann-Hollweg, er habe deswegen zunächst ein Rundschreiben an dis Regierungen erlassen, um erst festgestellt zu sehen, inwieweit den Angestellten in offenen Ladengeschäften eine erweiterte Sonntagsruhe verschafft werden könne. Abg. Becker (Zentr.) klagte über eine zu t/gorose Behandlung der Rcntenanträge, berührte die Frage der Arbeits- fammetn, deren Einrichtung er empfahl, ver­breitete stch bann über die Unfallberufsgenossen­schaften, und bezeichnete dabei eine Reform des llnfallverficherungsgesetzes dringlicher als eine Reform des Krankenversicherungsgesetzes. Abg. Hoch (Soz.) bestritt daß innerhalb der See­berufsgenossenschaft die Fürsorge für das Wohl der Arbeitet zugenommen habe, und führte die Zahl der Unfälle auf eine Zunahme der Ver­stöße gegen die Unfallverhütungsvorschriften zurück. Abg. Eiesberts (Ztr.) hielt ein brauch­bares Verfahren zu Feststälung der Invalidität für wünschenswert. Besser müsse auch für das Wohnungswesen der ledigen Arbeiter gesorgt werden. Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg erkannte die Notwendigkeit einer Lösung der Wohnungsfrage an und hielt eine praktische Fürsorge auf diesem Gebiet für segensreicher als den Erlaß eines Wohnungsgesetzes vom Reiche oder von den Einzelstaaten. Abg. Heck- fcher (frs. Vgg.) wies die Vorwürfe des Abg. Hoch gegen die Seeberufsgenossenschaftrn zurück. Auf die deutschen Schifssosfiziere blicke selbst das Ausland mit Vertrauen, und dieses begründete Vertrauen sollte man nicht erschüttern. Abg. Stadthagen (Soz.) verbreitete sich, wie bereits in der zweiten Lesung, über den Legitimations­zwang für ausländische Arbeiter und bezeich­nete denselben erneut als gesetz- und verfassungs­widrig. Darauf wurde ein Antrag Dr. Arendt (Rp.) auf Besserstellung der dem Reichsamt des Innern unterstellten mittleren Beamten vom 1.

Reg»Rates Scheefer um 7 Uhr 37 Min. auf dem Nordwestbahnhof ein und wurde von dem Bot­schafter v. Tschirschky und sämtlichen Herren der Botschaft empfangen. Der Reichskanzler begab sich mittels Automobils in das Palais der beut« schen Botschaft in der Metternichgasse, wo er Wohnung nahm. Das zahlreich vor dem Bahn- h«f angesammelte Publikum begrüßte den Reichskanzler lebhaft. Fürst Bülow stattete vor­mittags Besuche bei dem Minister des Aeußern, Freiherrn v. Aehrenthal, sowie anderen offi­ziellen Persönlichkeiten ab und nahm um 1 Uhr an einem intimen Frühstück auf der deutschen Botschaft teil.

Englischer Besuch beim Eroßhetzog von Hesse«. Darmstadt, 28. März. Heute abend um 6y2 Uhr fand im Neuen Palais zu Ehren der Anwesenheit des Prinzen und der Prinzessin von Wales durch Herren und Damen der Gesell- schäft di« Aufführung eines englischen Einakters The Drumse of Dube von Austin Strong statt, bet kürzlich für eine Hoffestlichkeit einstudiert worben war und bei dessen Aufführung auch der Eroßherzog mitwirkte. Um 8y2 Uhr war Diner in der englischen Gesandtschaft. Darmstadt, 29. März. Nach dem Gottesdienst in oer Hof­kirche besichtigten der Prinz und die Prinzessin von Wales das grotzherzogliche Residenzschlotz und verweilten dort 1% Stunden. Nachmittag» unternahm das Prinzenpaar mit dem Eroß­hetzog und bet Großherzogin gemeinsam eine Spazierfahrt.

Hill-Tower. Man ist jetzt allgemein davon Überzeugt, daß die Gerüchte übet die Ablehnung Hills vom Botschafterposten in Deutschland, di« völlig aus der Luft gegriffen sind, auf persönliche Jnttiguen amerikanischer Kreise zurückzuführen ist. Ein Berliner Telegramm derKöln. Ztg. zu den Nachrichten über ein angebliches in­korrektes Verhalten des amerikanischen Bot­schafters Tower besagt: Die Achtung vor der Stellung des Botschafters eines befreundeten Landes macht es zur Pflicht, mit der Aneignung derartiger Vorwürfe in Deutschland äußerst vor­sichtig zu verfahren. Es wird uns von hiesiger amtlicher Stelle versichert, daß kein Grund vor- liegt, die Loyalität Towers bei der ganzen An- gelegenheit Hill in Zweifel zu ziehen.

Ei« deutsch-französischer Wirtschaftsverein. Frankfurt a. M., 2» März. Unter dem Vorsts des Stadttats Heinrich Flinfch, Vorsitzenden b* Handelsvertragsoeteins, tagte heute hier eir auch von auswärts sehr zahlreich beschickte 930 sammlung, welche im Anschluß an Me kürzlich er­folgte Gründung eines Comitö Fr--Alleman7 die Bildung einesDeutsch-französischen Wirt- schaftsvereins" beschloß. Der Verein bezweckt die Pflege und Förderung der deutsch-französischen Beziehungen auf wirtschaftlichem und wirt­schaftspolitischem Gebiet im Zusammenwirken

Plötzlich schien et zu einen* Entschluß ge, kommen zu fein. Et klingelte so heftig, daß ee durch das ganze Haus fchaltte.

Rasch sofort anspannen!" befähl et dem bestürzt h'etbeieilenden Dienet.Ich will aus« fahren aber sputet Euch, den Kutscher brauche ich nicht!"

Der Diener stürzte davon und in ganz kurzer Zeit war alles bereit.

Die Dienerschaft steckte verwundert die Kopfe zusammen. So aufgeregt hatte man den sonst so ruhigen Herrn noch selten gesehen.

n.

Inzwischen fuhr Maja ohne eine Ahnung von dem über ihrem Haupte sich zusammen- ziehenden Gewitter seelenvergnügt in ihrem leichten Wägelchen dahin. Das Ziel ihrer Fahrt kam bereits in Sicht.

Auf einer steilen Anhohe lag das alte Her- tenschloß mit seinem hohen, spitzigen Giebeldach seiner in der Sonne blitzenden Fensterreihe mit den grün gestrichenen hölzernen Läden. Es war ein langgestrecktes, zweistöckiges Gebäude, rings umgeben von alten Linden, deren Laub teilweise schon gelb gefärbt war. Malerisch verstreut lagen am Fuße des Berges die sauberer Hauser des Dorfes mit ihrer kleinen Kirche. Das Ganze gewährte einen hübschen, freundlichen Anblick und schon vor weitern vernahm man bas Bim­meln bet Glocken unb Glöckchen, welches von ben weidenben Kühen und Ziegen ausging. Sonst herrschte tiefe Ruhe und Stille ringsum. Nur der Wind raschelte leise in dem gelben Laub der Bäume und von ganz fern her drang das Bellen mehrerer Hunde. Bläulicher Rauch drang hie und da aus einem der Schornsteine unb stieg kerzengerade in die Höhe.

(Fortsetzung folgt.)

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische yettUna bei allen Postärnr-rn und unfern Zeitungsstellen rn M 77 sirchhakn mw Wetter sowiebe- un-^r Expedition -Markt 21.

' - Der Bezugspreis beträgt burd) dr« P,st 2,25 Mk. (ohne

Bestellgeld), bet unfern ZeitungSstelle» und der Expedrtron 2 Mk.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus führte am Sonnabend die erste Lesung der Eisenbahn­anleihevorlage zu Ende. Zur Besprechung stan­den noch Zugverbindungen, für die Redner aller Patteien zahlreiche Wünsche üblicher Natur vor­trugen Einiges Aufsehen erregte eine Erklär­ung des Abg. Kirsch (Zentr.), der entgegen einer Versicherung seines Fraktionsgenossen Frhrn. v. Wolff-Metternich bestritt, daß der größere Teil des Zentrums Vertrauen zum Oberpräsi- benten der Rheinprovinz habe. Zur Geschäfts­ordnung bedauerte Abg. v. Hobrecht (natl.), daß die Staatsregierung über den Termin des Schlusses bet Legislaturpcriobe noch keine Mit­teilung gemacht habe. Präsident v. Kroecher er­widerte er werde schriftlich bei der Regierung um Auskunft ersuchen. Am Schluß der Berat­ung faate Eisenbahnminister Breitenbach Prüf­ung aller Wünsche auf anderweitige Zugver- bindungen zu. Die Vorlage ging an die Bud- getkommission. Damit war die Tagesordnung erschöpft.

Herrenhaus.

Das Herrenhaus begann am Sonn­abend die Etatsberatung. Erster Redner war Geh. Kommerzienrat v. Mendelssohn-Berlin, der vor einer Ueberlastung des Anleihemarktes warnte. Auch Finanzminister Frhr. v. Rhein­babe« widerriet einer unbegrenzten Inanspruch­nahme des Staatskredits. Graf Mirbach be­tonte, eine Erhöhung der Einkommensteuer werde für den Osten unerträglich sein, und for- dette die Regierung auf, am bestehenden preußi­schen Wahlrecht festzuhalten. Herr v. Koscielski richtete schroffe Angriffe gegen die Ostmarken­politik der Regierung und kündigte für seine Freunde Ablehnung des gesamten Etats an. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben erneuerte das Geständnis seiner Ueberzeugung, die Ost­markenpolitik der Regierung werde zur Stärk­ung des Deutschtums im Osten führen. Dr.

Wenn Du es durchaus wissen willst, mei­netwegen! Man erzählt sich, daß Deine Tochter nur deshalb so oft nach Neunlinden fähtt, weil, nun weil sie dort nicht nur eine Freundin, sondern auch einen Freund besitzt--

Aha, machte Reinau,deshalb hattet Ihr es wohl so eilig, um Maja zu werben, Ihr woll­tet Euch den fetten Bissen nicht entgehen lassen, Ihr dachtet, es könnte Euch ein anderer zuvor- kommen!"

Du tust meinem Sohn sehr unrecht," ver­sicherte Stolze gekränkt, er liebt Deine Tochter wirklich."

Za, ja, ich weiß," nickte Reinau,aber nun erzähle weiter. Du hast Dich ja wahrscheinlich ganz genau erkundigt, was meine Maja in Neunlinden treibt!"

Stolze versuchte noch immer einzulenken.

Vielleicht ist es auch bloß Zufall, daß Deine Tochter auf dem Wege öfters mit einem Manne zusammentraf, wie gesagt, ich weiß weiter nichts, Du kennst ja so gut wie ich die Klatsch­basen unserer Stadt!"

»Ich bitte, weiche mir nicht aus!" rief Rei­nau noch immer aufgeregt.Wer unb was ist bet Mann, von bem Du sprachst, unb wie kommt berselbe nach Neunlinben?

Es soll ein ehemaliger Offizier sein, der Schulden halber den Abschied nehmen mußte, doch Du kannst stolz fein! Wie man hört, ist der Mann aus altadeligem Geschlecht unb des­halb auf Neunlinden hoch angesehen. Na, und wenn er Schulden hat. Du kannst sie ja be­zahlen! Was liegt dem reichen Reinau an ein paar Hunderttausenden, wenn er dafür einen adeligen Schwiegersohn haben kann! Ein Bür­gerlicher ist ihm unb dem gnädigen Fräulein Tochter doch längst nicht mehr gut genug, wie ich ja nut zu deutlich gemerkt hab«. Aber vielleicht

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