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Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessiscke Bettung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in «irchhalnund Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Sonntag. 29. März 1908.
Di« JnfertionSgebühr beträgt tot btt 7gefpaltene Zeile ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Bug. Koch, Unwersttätsbuchdruckttei Inhaber Dr. ». Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
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Rückblick.
Sei der Ankunft in Venedig ist unserem Kaiserpaar durch den befreundeten König von Italien, die staatlichen und städtischen Behörden ein außerordentlich ehrenvoller und glänzender Empfang bereitet worden. Ohne daß der Kaiserretse nach dem Mittelmeer und der Monarchenbegegnung irgend ein besonderer po- Mischet Anlaß zugrundeläge, so erwächst ihre hohe politische Bedeutung doch allein schon aus den wichtigen Fragen und Strömungen, die heute die Völker Südeuropas in Bewegung setzen. Während des Aufenthaltes in dem neuerwobenen Achilleion auf Korfu, der Schöpfung der unvergeßlichen Kaiserin Elisabeth von Oesterreich-Ungarw der erst in den ersten Tagen der kommenden Woche seinen Anfang nimmt, wird das Kiserpaar von der griechischen Königs- familie begrüßt werden beim Ausflug nach der gegenüberliegenden türkischen Küstenlandschaft der Kaiser von hohen türkischen Würdenträgern. Oesterreichische Kriegsschiffe werden ihm die Admiralsehren erweisen und auf der Rückreise soll dann in Wien eine Begegnung mit dem Kaiser Franz Zosef den Abschluß der Südland- fahrt bilden.
Nach Wiederherstellung der Oeffentltchkeit im Reichstage hat Fürst Bülow Gelegenheit genommen, über äußere und innere Politik seine Stimme zu erheben. In der Donnerstagsttzung sprach er über die Agitation gegen dasLandtags- wahlrecht. Auf seine formelle Erklärung vom 10. Januar im Abgeordnetenhause war ja, wie bekannt, eine wüste Hetze auch gegen seine Person erfolgt, die ihn wohl veranlaßt haben mag, nochmals das Wort zu ergreifen. Mit Geschick wies er das Ansinnen, von Reichs wegen sich in die Verfassungsfragen der Einzelstaaten zu mischen, ab und wandte sich dann den praktischen Folgen der Einführung des Reichstags- Wahlrechtes zu. Er geißelte sehr richtig die Ansicht derer, die in jeder Kritik des Reichstagswahlrechtes etwas Unerhörtes sehen, einen Angriff usw., während sie selbst das ebenso verfassungsmäßige Landtagswahlrecht nach Herzenslust als unsinnig bezeichnen.
Er verkannte nicht, daß das Landtagswahlrecht Mängel habe, er will aber nicht den Teufel mit Beelzebub austreiben. Er trat den Hoffnungen des Liberalismus entgegen, der durch die rote Flut, die das Reichstagswahlrecht in den Einzelstaaten mit sich bringen würde, hierdurch das gelobte Land der längst verlorenen, aber trotz des „schlechten" Wahlrechtes besessenen liberalen Machtherrlichkeit zu erreichen hoffen und erntete stürmischen Beifall, als er ausführte:
„Die Melodie kenne ich, die Theorie kenne ich, sie ist mir auch in Frankreich begegnet, wo man sie die Theorie de la mer rouge nannte, die Theorie des Roten Meeres, erst kommt der Radikalismus, dann aber kommt das gelobte Land, worinnsn Milch und Honig fleußt! Ja, so liegt's doch vielleicht nicht, was nicht zu Moses und Aaron zugehört, das pflegt im Roten Meere zu ersaufen."
Jede Aenderung des Landtagswahlrechtes darf und kann in der Tat nur in bet Weise geschehen. daß durch sie der Schwerpunkt der polt- tischen Macht nicht aus dem Mittelstände verschoben wird, sondern erst recht noch mehr hineinverlegt wird. Was würde z. B. die Folge der Einführung des Reichstagswahl- rechtes in Sachsen, dem gelobten Lande der Sozialdemokratie, anders sein, al» ein Ausschluß des Einfluß des Bürgertums? Und so sehr der Freisinn theoretisch sich für diese Aenderung einsetzt, praktisch zeigt er klugerweise in den Kommunen wenia Neigung, die Herrschaft an die Sozialdemokratie abzutreten. Vor einigen Tagen erst ist in Lübeck im Stadtparlament ein solcher Antrag von der liberalen Mehrheit glatt abgelehnt worden und in Berlin enb anderen Städten, wo bet Freisinn bie Mehrheit hat, würde es nicht andere sein. Welcher Grund aber ließe sich finden, für den Landtag zuzugestehen, was man für die Kommunen verwehrt. Richt einer! Hier handelt es sich um dieselben Interessen, um dieselben Verhältnisse, was man von Reich und Einzelstaat nicht sagen kann. Was die ganze Agitation aber für die Sozialdemokratie bedeutet, hat bet JEouc-rts" erst neulich offen ausgesprochen: Neue Mitglieder der Partei zuzu- Mren. Die Worte des „Vorwärts": „So wird die Wahlrechtsbewegung, wenn ste al» ein Stück proletarischen Klassenkampfe» geführt wird, im
Erstes Blatt.
mer weitete Schichten des ausgebeuteten Volkes aufrütteln und ste zugleich der Partei be» klassenbewußten Proletariats zuführen" sollten doch manchen Kreisen zu benken geben.
Gegen bie Annahme be» Kompromißantrages bet Vereinsgesetzkommission im Plenum machen sich von verschiedenen Seiten Bedenken geltend. Der Ostmarkenverein und nattonale Blätter, wie bie „Rh.-Westf. Ztg." z. B„ wandten sich gegen die Verschlechterung des § 7 und der Demokrat Prof. Quidde hält eine außerordentliche demokratische Zusammenkunft für notwendig, um gegen die „Vergewaltigung" der edlen Polen zu protestieren und gleichfalls um Ablehnung des § 7 des Vereinsgesetzes zu bitten. Die auch von dieser Seite anerkannten Zugeständnisse nach links, die das Gesetz enthält, würde man so gut sein, einzustecken. Wie wir bereits mitteilten, haben eine Reihe von Sozialliberalem wie von Eerlach, Barth usw., eine ähnliche Eingabe an die freisinnige Fraktion auf Ablehnung des § 7 gemacht. Die „Freis. Ztg.,, hatte in dem Aufrus die Bildung einer neuen Partei gewittert. Die gesamte große Presse — von denen wir hier bloß „Tägl. Rdsch." „Leipz. R. Nacht.", „Nationalttg.", „D. Tgsztg." anführen wollen — wie auch die Provinzpresse von einiger Bedeutung hat offenbar diesen Schritt der bekannten Herren für so selbstverständlich gehalten, daß sie durch die Nachricht nicht weitet überrascht wurde und sie registrierte. Auch jetzt noch schreibt die „Freis. Ztg." von den gleichfalls freisinnigen Unterzeichnern:
„In dem Eingänge der Adresse geben die Verfasser selbst zu, daß der hier unternommene Schritt ungewöhnlich sei. Das ist richtig. Aber auf das Formelle soll gar nicht einmal so viel Gewicht gelegt werden, wie vielmehr darauf, daß sich hier ein geringer Bruchteil der Freisinnigen Vereinigung herausnimmt, unfehlbar zu bestimmen, was freisinnige Grundsätze sind. Freilich, wenn man die Namen Barth, Breitscheid, v. Eerlach unter dem Aufruf liest, dann wundert man sich über nichts mehr, höchstens noch darüber, daß die Unterzeichner nicht sofort ihren Austritt erklären."
Die rechtsstehenden Parteien haben kein Interesse an dem Selbstzersetzungsprozeß innerhalb des Freisinns. War es doch längst klar, daß die Phrasen von der „liberalen Einigung" eben nichts als Phrasen sind. Wundern darf man sich nur, daß dieser innerlich gespaltene Freisinn nicht mehr und nicht weniger verlangt, als daß der Reichswagen im Kurse der Blockpolitik in fteisinnigem Gleise fährt. Es bleibt abzuwarten, welchen Einfluß diese Treibereien auf die schließlich abzustimmenden Frattions- mitglieder hat. Wir glauben, daß der tatsächliche polittsche Einfluß dieser linksliberalen agitatorischen Kräfte zu gering ist. um bie Annahme in Frage zu stellen. Andererseits ist der wenn auch nicht unberechtigte Einspruch nationaler Kreise in diesem Augenblicke nicht polittsch klug gedacht. Das Gesetz wird auch in dieser Form immerhin gute Dienste tun können.
Die Kaisertage in Venedig.
Der Kaiser, die Kaiserin, Fürst Fürstenberg und Gefolge machten gestern Vormittag von zehn Uhr ab eine Eondelfahrt durch die Lagunen und Kanäle. In der ersten Gondel nahmen mit den Majestäten Fürst Fürstenberg und Graf Jacini Platz. Das Wetter ist schön. Auch Prinz August Wilhelm und Prinzessin Vittoria Luise machten eine Gondelfahrt. Zur Mittagstafel war Graf Mont» geladen.
Der Kaiser nahm gestern Nachmittag den Tee bei bet Gräfin Pakadopulo, zu bet er sich auf einem Rudergig begab, ein. Die Kaiserin unternahm mit dem Prinzen August Wilhelm und bet Prinzessin Viktoria Luise einen Ausflug in Gon- beln nach bem Lido.
M Deutsches Reich.
— Fürst Bülow in Wien. Fürst Bülow wird nach einer Meldung des „Neuen Wiener Tageblatt" am Sonntag früh zum Gegenbesuch für Aehrenthal in Wien eintrefsen. Der Aufenthalt Bülows wird zwei Tage dauern. Am Montag wird der deutsche Reichskanzler vo» Kaiser Franz Joses in Sonderaudienz empfangen. Minister v. Aehrenthal und Botschafter v. Tschirschky geben zu Ehren de» Fürsten Bülow ein Din« bezw. ein Frühstück. In Begleitung de» Reichs« kanzlers kommen Gesandter v. Flotow und Geh. Reg.-Rat Schefer. Am Dienstag kehrt der Fürst dirett nach Berlin zurück. — Zu dem bevorstehenden Besuche de» Fürste» Bülow schreibt das ,Meue Wien« Tageblatts Mit aufrichtig
Genugtuung wird man in unserer Stadt den Besuch de» Fürsten Bülow, b« hier ja kein Frember ist, unb bet seit langem schon wissen muß, wie viele unb mit herzliche Sympathien man ihm in bet alten Kaisetstadt an bet Donau entgegenbringt, begrüßen. Diese Sympathien gelten ihm selbst, jte,gelten ihm als ersten Ratgeber seines mit unserem Monarchen so eng befreunbe- ten Kaiserlichen Herrn, sie gelten ihm al» treusten und überzeugtesten Interpreten de» die drei Großmächte, Deutschland, vstetteich-llngatn und Italien umfassenden den europäischen Frieden verbürgenden Bündnisses.
— Tagung der Deutschen Kolonialgesellschast. Die diesjährige Sommertagung der Deutschen Kolonialgesellschaft findet am 11. Juni und folgende Tage in Bremen statt.
— Das Höfegesetz in Hannover. Dem Hetten- hause ist der Gesetzentwurf bett, da» Höferecht in der Provinz Hannover zugegangen und zwar bis auf einen Punkt in der Fassung, die der 41. hannoversche Provinziallandtag am 22. Februar 1908 mit allen gegen 5 Stimmen gebilligt hat. Die Aendetungen umfassen zunächst Zusätze, die wegen der Umgestaltung des allgemeinen bürgerlichen Rechtes notwendig oder erwünscht erscheinen, um eine ungünstige Rückwirkung de» neuen Rechte» auf den Erfolg des Höfegesetzes abzuwenden. Sie sollen den sonderrechtlichen Zweck des Höfegesetzes, die Erhaltung de» ungeteilten Hofes in wirtschaftlicher Selbständigkeit und in der Familie des Eigentümers noch vollständiger und sicherer erreichen und zweifelhafte Fragen regeln bezw. die Fassung verdeutlichen. Nach der allgemeinen ehelichen Gütergemeinschaft, die das B. E. B. brachte, wird z. B. der überlebende Ehegatte nicht, wie nach manchen in Hannover bis dahin geltenden Eü- terrechten, Alleineigentümer des ehelichen Ee- famtgutes, sondern setzt mit den gemeinschaftlichen Abkömmlingen die Gütergemeinschaft fort, bleibt also, wenn zum Eesamtgut ein Hof gehört, nur Miteigentümer des Hofes und daher ist bei seinem Tode die Anwendung des Höfegesetzes ausgeschlossen. Ebenso wird durch die neuen Bestimmungen über da» gesetzliche Erbrecht und das Pflichtteilsrecht des Ehegatten der Anerbe in einer die Erhaltng des Hofes gefährdenden Weisen beschwert. Dem wird nun durch Gesetz abgeholfen. Für manche der Neuerungen des Entwurfes hat das Gesetz bett, das Anerbenrecht bei Landgütern in der Provinz Westfalen vom 2. Juli 1898 als Vorbild gedient.
Ausloui.
** Die internationale Zucketkonfetenz wurde von der belgischen Regierung auf Veranlassung der italienischen Regierung zu einer Konferenz in Brüssel zusammenberufen. Nach der „Agence Havas" und nach bem „Reuterschen Bureau" glaubt bie italienische Regierung, daß sich in Italien, welches nach ben Bestimmungen bet Internationalen Zuckerkonvention von gewissen Verpflichtungen befreit ist, solange e» keinen Zucker exportiert, das Bedürfnis nach der Ausfuhr von Zucker fühlbar machen werde. Bevor die auf fünf Jahre erneute Konvention abgelaufen ist und, um eine Regelung der sich hieraus ergebenden Fragen herbeizuführen, hat ste bie belgische Regierung um bir Einberufung bet Zuckerkommisfion ersucht.
** Jauräs. Paris, 27. März. (Deputiertenkammer.) In bet heutigen Verhandlung übet die von der Regierung für bie militärischen Operationen in Marokko geforderten außerordentlichen Kredits verlangte Jaurös, daß dem Parlament von allen Attenstücken Kenntnis gegeben werde, die sich auf bas von bet französischen Artillerie unter ben marokkanischen Frauen unb Kindern angerichtete Blutbad, das fic^zpm 15. b. Mts. ereignet habe, bezögen. Kriegsminister Picquart entgegnete, daß diese von ben Zeitungen über das Ereignis gebrachten Meldungen auf ganz ungenauen Informationen beruhten. Jauräs wiederholte demgegenüb«, datz die französische Artillerie von den Höhen auf bie unverteidigte Ansiedelung, bie 80 Kilometer von bet Küste entfernt liege, ein Feuer eröffnete, und datz die Ueberlebenden durch bie französischen Bajonette gefallen seien. Gegen biese Darstellung erhoben Picquatt und Elemenceau entrüsteten Protest. Doumer tief Jaurö» zu: „Es gibt keinen humaneren Eoldattn als ben französischen k" (Beifall.) Kriegsminifter Picquart et» klärte, er setze Jauttz» Worten bie be» General» d'Amsbe entgegen. Ministerpräsident Cie» meneea^ bemerkt» gegenüber Jaurtz^ datz
d'Amade ben Befehl erteilt habe, das Feuer einzustellen, und so Frauen unb Kinder rettete. Jaurtzs meinte dagegen, daß bie Intervention des Generals zu spät kam.
Stadtverordneten - Sitzung.
(Fottsetzung au» bem britten Blatt.)
Run kam bie wichtigste Sache bet Tagesordnung, Aenderung bet Wegeüberführung am Bahnhof-Süd betitelt, an die Reihe. Der Stadt» verordnetenvorsteher gab hierzu zunächst an der Hand eines umfangreichen Aktenmaterials eingehende Mitteilungen über die bis dato geführten Vorverhandlungen. Schon vor Jahren sind seitens des Kreises Verhandlungen mit dem Eisenbahnfiskus angebahnt worden, um eine Güterabfertigung am Südbahnhof einzurichten. Die Bemühungen sind damals völlig gescheitert, da der Eisenbahnfisku» nichts dazu bezahlen wollte. Am 4. Mai 1905 hat der Magistrat eine Eingabe an die Regierung gemacht und auf die Gefährlichkeit des Ueberganges hingewiesen. Es haben dann wieder Erwägungen stattgefunden. Später lehnten die städtischen Behörden die Ueberführung ab mit der Maßgabe, daß die Stadt nur in Verhandlungen eintrete, wenn die Kreisbahn bis zum Nordbahnhof durchgefühtt und die Güter am Südbahnhof direkt von und nach bet Kreisbahn verladen werden können. Anfangs dieses Jahres wurden die Verhandlun» gen wieder ausgenommen. Der Eisenbahnprä» sident hat erklärt, datz die Bahn die Ueberführung baut wenn die Stadt den Bau der Rampen und den Erunderwerb übernimmt, von einet Fortführung der Kreisbahn nach dem Nordbahnhof könne niemals die Rede sein. Die Anlage am Südbahnhof kostet 125 000 M, zugleich will der Fiskus aber auch am Ncrdbahnhof eine Ueberführung anlegen, deren Kosten sich auf 175 000 J*. stellen. Der Erunderwerb erfordett hier 59 000 JUL. Es haben dann Kommissions» sttznngen stattgefunden, deren Protokolle eben» falls verlesen wurden. Die Ermittelungen be» Ueberganasverkehrs der Kreisbahn haben er» ceben, datz in 1905 täglich 5y2 Waggons unb 400 Kilo Stückgüter befördert wurden. Für die Kreisbahn ist bie Regelung des Güterverkehr» sehr wichtig, ba erst dann eine Weiterführung der Bahn ins Auge gefaßt werden kann. Es ist auch ermittelt worden, wie der Verkehr auf der Eüterverladestelle Süd sich gestaltet. In 1905 sind in Waggon 267 246 Zentner und an Stückgütern 48 331 Zentner ein- bezw. ausgefühtt werden Der Transpott eines Waggons Gütet von Nord nach Süd verursacht 10 J*. Mehrkosten, zusammen 12 000 JL mehr, dazu kommt noch die Bahnfracht von Süd nach Nord. Der Magistrat hat dann am 14. Februar beschlossen, unter der Voraussetzung, daß Kreis und Kommunalver- band die Hälfte beitragen, die Kosten zum Erunderwerb am Süd- und Nordbahnhof zu bewilligen. In Anschluß an die Verlesung dieser Akten wurde bas Resultat einer Vorbesprechung bet Kreistagsmitglieder mitgeteilt, die dahin tesulttett daß man dem Fiskus eine bestimmte Summe zur Verfügung stellt und die Eisenbahn am Südbahnhof alle Arbeiten übernimmt unb eine Eüterverlabestelle errichtet.
Zu bet Diskussion meldete sich eine ganze Anzahl Redner. Stadtv. Storck war erstaunt darüber, daß die Eisenbahn Nord und Süd vet- quicke. So könne man bie Vorlage nicht an« nehmen, er meine, man möge dem Eisenbahnfiskus eine bestimmte Summe zu bet Anlage am Südbahnhof geben. Die von der Eisenbahn vorgebrachten Ziffern könne man nicht nachrechnen. Stadtv. Schäfer war gegen jede Ueberführung, ba diese für bas Publikum unb bie Fuhrleute unangenehm seien. Für bie Oberstadt sei bie Anlage zwar ein Vorteil, aber et gebe doch zu bedenken, welche Schwierigkeiten eine Ueberführung am Südbahnhof den Fuhrwerken bereite. Das Bedürfnis und die Gefahr fei im Süden unb im Norden nicht zu grotz. Warum lege man denn auch ben Eüterbahnhof am Südbahnhof nicht auf bie Stadtseite, da wäre wenigstens Platz. Die von bet Eisenbahn angebrachte Unmöglichkeit einer solchen Anlage erkenne et nicht an, das müsse technisch möglich sein, ebenso wie es in Cölbe und Sarnau möglich'sei. Jedenfalls dürfe man sich auf uttge- wisse Zahlen nicht einlassen, es würde Btt Stadt 100 000 Jl und mehr kosten.
Stadtv. Hering wat für die Anlage am S^ bahnhof, hält ober den Beitrag zu hoch. Die Ei- senbcchn möge die Kosten bezahlen Stadtv. Dr Mauermann schloß sich an, glaubte aber doch, daß man wegen bet Güterverladestelle ein Opfer bringen müsse. Man möge sich auf eine be- stimmte Summe einigen. Stadtv. Rohde meinte, bie Annahme der Vorlage würde dadurch sehr er» schwett, datz bie Eisenbahn Bedingungen damit verknüpfe. Man möge sich nicht auf eine lieber, sthrung feftlegen, einem Beitrag zur Eüietve»