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zweites Blatt

Deutsches Reich

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heißen.)

kamen wir gewöhnlich

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diteur und Weinhändler; Wilhelm Trapp, Schuhmachermeister (Turner von 1848); Georg Seng, Sekretär; Wilhelm Brauer, Kaufmann; Heinrich Bernhard, Friseur; Wilhelm Sckneider, Bäcker; Jean Seidel, Zinngießer; Ludwig Müller, Schlossermeister; Philipp Fröhlich, Ex­pedient; Ludwig Rumpf, Sekretär; Heinrich Baum, Weißbinder; Karl Keim, Sattler; Fried­rich Koburger, Schuhmachermeifter; Georg Lapp, Schuhmachermeister; Heinrich Heuer, Kürschner; Wilhelm Lang, Schreiner; Fritz Schlüter, Expe­dient; Nikolaus Eckhard. Univ.-Diener; Daniel Textor, Sekretär. Als Zöglinge traten ein: Otto Pabst und H. Meckel, damals 15 Jahre alt.

In einer folgenden Versammlung wurden Satzungen entworfen und als Vorstand gewählt: K. Heuser, als Sprecher; W. Trapp, als Turn- wart; El. Schneider, als Säckelwart; E. Seng, als Schriftwart, und L. Müller als Zeugwart.

Der Verein wurde in vier Riegen eingeteilt, denen W. Schneider, H. Bernhard, W. Brauer

Schwurgericht.

(2. Verhandlungstag.)

)( Marburg, 24. März.

nehmigten Lohntarifen Beschäftigung zu ver­schaffen, und daß, wenn es an einer paffenden, dem Arbeitslosen paffenden und genehmen Ar­beitsgelegenheit fehle, die Lokalbehörde zum Un­terhalt der betreffenden Person verpflichtet wäre Der Minister untersuchte dann die finan­zielle Tragweite derartiger Bestimmungen, die natürlich ein ernsthaftes Eingehen auf eine so beschaffene Arbeitslosenfürsorge von vornherein ausschlietzt, und zeigt dann, daß eine starke Ent­völkerung des platten Landes die unvermeidliche Folge fern würde, wenn in den Städten jedem Arbeitslosen ein Verdienst von 28 bis 30 Schilling in der Woche geboten würde, während in der Landwirtschaft 15 bis 16 Schilling Lohn gezahlt werden. Der englische Minister hätte noch weiter gehen können. Wenn jeder Beschäf­tigungslose das Recht auf Arbeit oder Unter­halt hat, wird wahrscheinlich das eigene Be­mühen, Arbeitsgelegenheit zu finden und sich für die Anforderungen der Arbeitgeber durch ge­eignete Vorbereitung und Ausbildung tauglich zu machen, immer seltener werden. Auch aus diesem Grunde würde also die Arbeirslosigkeit eher größer als geringer werden. Genug, man braucht nur diese einfachen Wirkungen einer Ar- beitslosensürsorge im Sinne des englischen Ge­setzentwurfes ins Auge zu fasten um sich sagen zu müffen, daß die ganze Aktion keinerlei ernsten Hintergrund hatte, sondern lediglich aus agita­torische und politische Wirkung berechnet war. Die letztere ist denn auch tatsächlich eingetreten, indem sich in der liberalen Fraktion eine Spalt­ung zwischen den gemäßigten und den radikalen Elementen vollzogen hat.

Arsslarid.

** Arbeitslosenversicherungen in England. Der Schwierigkeiten und Gefahren einer Ar­beitslosenfürsorge war sich das englische Unter­haus voll bewußt, als es den von der fozialisti-

Die Reichsschuldenkommisfio« hat ihren Bericht über die Verwaltung des Schulden­wesens des Deutschen Reiches, über ihre Tätig­keit in Ansehung der ihr übertragenen Aufsicht über die Verwaltung: a) des Reichs-Jnvaliden- fonds und b) des Fonds zur Errichtung des Reichstagsgebäudes; über den Hinterbliebenen- Versicherungsfonds, über den Reichskriegsschatz und über die An- und Ausfertigung, Einziehung und Vernichtung der von der Reichsbank auszu­gebenden Banknoten erstattet. Bis zum Schluffe des Monats Februar 1908 beliefen sich die in das Reichsschuldbuch eingetragenen Buch­forderungen auf 631 194 200 M in 8479 Konten, gegen die am Schluffe des Monats Januar 1907 eingetragene 603181800 <M in 8090 Konten, mehr 28 012 400 M und 389 Konten. Seit Er­stattung des letzten Berichtes sind 27162 Schuld­verschreibungen über 37,13 Mill. Mark vernich­tet. Am Schlüsse des Rechnungsjahres 1906 be­trug der Echuldbestand 4 313,5 Mill. Mark. Da­von waren unverzinslich 390 Mill. Mark Schatz­anweisungen und 120 Mill. Reichskaffenscheine. Die verzinsliche Schuld setzt sich aus 1860 Mill. Mark 3V> prozentiger, 1783,5 Mill. Mark 3 pro- zentiger ' und 160 Mill. Mark 3y? prozentiger Schatzanweisungen zusammen. Für die Ver­zinsung dieser Schuld war eine Sollausgabe von 132,1 Mill. Mark angesetzt, von der 123,4 Mill. Mark als dauernde bezeichnet wurden. Die Ist­ausgabe war 1906: 120,6 Mill. Mark.

Der Unterbringung von Fiirsorgezöglin- gen an Bord von Seeschiffen, wie sie in letzter Zeit vielfach empfohlen ist, wird aus Inter­essentenkreisen stark widersprochen. Dem Hin­weise darauf, daß durch den strengen Geist und die harte Berufstätigkeit eine bessernde Wirk­ung auf die jungen Leute ausgeübt werden würde, wird entgegengehalten, daß nach der Seemannsordnung die den Seeleuten gewähtte Selbständigkeit und freie Bewegung jede dau­ernde Einwirkung seitens der Vorgesetzten aus­schließt und daß die sozialen und sittlichen Ver- hältniffe vieler Hafenplätze die nicht gefestigten jungen Leute neuen erheblichen Gefahren aus­setzen würden. Es wird ferner geltend gemacht, daß wohl kein anderer Beruf, so hohe Anforder­ungen an Charatter und Disziplin stellt, wie der des Seemannes, indem ost von diesen Eigen­schaften allein die Sicherheit von zahlreichen Menschenleben und von großen Werten abhängt. Die Jntereffentenkreise versprechen sich deshalb von der Heberweisung von Fürsorgezöglingen an den Seemannsberuf keinen günstigen Erfolg, befürchten vielmehr eine empfindliche Schädig­ung der bisherigen guten Verhältniffe an Bord der deutschen Seeschiffe. Wenn diese Anschau­ung, wie es den Anschein hat, die der Mehrzahl der deutschen Seeschifsahrtintereffenten ist, so hat die Idee der Unterbringung von Fürsorge­zöglingen an Bord von Seeschiffen wenig Aus­sicht auf Verwirklichung.

Die Turnvereine in Marburg.

'' Eine Erinnerung von L. Müller, r (Fortsetzung.)

Zehn Jahre der Reaktion, welche diesem Trauerspiele folgten, es war wohl die ärmste Zeit, welche man in Kurheffen erlebt hat, waren vergangen und mit ihnen war das Hasten- pflua'che Regiment verschwunden. Ein frischer Wind begann sich in Deutschland zu erheben, als im Jahre 1860 der Herzog Ernst von Koburg- Gotha die Erlaubnis erteilte, daß in Koburgs Mauern dasErste Deutsche Turnfest" ab,ge- halten werden durfte.

Die begeisterten Reden, welche auf diesem Feste gehalten wurden, gaben den Männern, die es besucht hatten, nach der Rückkehr in ihre Hei­mat Veranlassung, das Samenkorn weiter zu pflanzen und zur Reife zu bringen. So ging es auch dem Sattler Karl Heuser nach seiner Rück­kehr nach Marburg von dem Koburger Turn­feste. Heuser lud anfangs Juli 1860 eine An­zahl seiner Bekannten abends zu einem Spazier­gang in den Dammelsberg ein, lauter Leute, von denen der jüngste über 20 Jahre zählte. Dort angekommen, teilte er uns seine Erlebniffe in Koburg mit und stimmte uns für die Gründ­ung eines Turnvereins. Roch an demselben Abend wurden Hebungen im Weit- und Hoch­sprung vorgenommen. Einige Tage später fan­den wir uns da wieder zusammen, das nächste

Mal gingen wir auf den Kämpfrasen und turn­ten und zwar an der Stelle, vo eben das Kam­mergebäude steht. Es war dieses am 28. Juli 1860, als wir uns nach beendeten Turnübungen in das obere Dörrsche Lokal begaben und den XetnDereijt gründeten.

, Anwesend waren bei der Gründung: Karl iumvu wn hcu,u9|iiiw Heuser, Sattlermeister; Elaudi Schneider, Spe- Samstag abends uns versammelten, zusammen.

Hebet die neue Gestaltung der Flotten­vereins weiß dieAugsburger Abendzeitung" zu melden: In Dresden fand vor einigen Tagen eine vertrauliche Besprechung zwischen Vertre­tern der Landesverbände des Deutschen Flotten­vereins statt. Es waren mit Ausnahme dreier Verbände, der von Ostpreußen, Westpreußen und Posen, sämtliche vertreten. Auch Bayern hatte zwei Delegierte entsandt. Die Verbandsvertre­ter einigten sich dahin, der Hauptversammlung in Danzig das Präsidium vorzuschlagen, in dem kein einziger Herr des früheren Präsidiums ver­treten sei. Dabei wird für die Stelle des ersten Präsidenten an Fürst Salms Stelle Großadmi­ral v. Köster vorgeschlagen, für den ersten Vize­präsidenten Generalleutnant z. D. v. Lieber­mann in Caffel, für den zweiten Vizepräsidenten Kommerzienrat Körner in Nürnberg; für den ersten geschäftsfübrenden Vorsitzenden an Gene­ral Keims Stelle Konteradmiral z. D. Siegel, der frühere Marineattache in Paris, für den stellvertretenden Vorsitzenden Geheimrat Micha­elis in Breslau.

Abnahme der Arbeitslosigkeit. Wie das , Reichs-Arbeitsblatt" mitteilt, zeigt sich bei den an das Kaiserliche Statistische Amt berichtenden Krankenkaffen eine Zunahme derBeschäftigungs- ziffer vom 1. Februar auf den 1. März von 59 755 Personen gegenüber einer Zunahme im gleichen Monate des Vorjahres von 59 905 Per­sonen. Allerdings war die Abnahme der Be­schäftigungsziffer, die der Monat Januar dieses Jahres gebracht hatte, viel stärker als im Vor­jahre. Die Berichte der Arbeitsnachweise lasten sich im allgemeinen nicht ungünstig aus, insbe­sondere ist auch in Berlin eine Besserung einge- treten. Ebenso entlastete die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Arbeitskräften zum Teil den gewerblichen Arbeitsmartt.

Revolutionäre ohne Höschen. Berlin, 21. März. In einem BlättchenFür unsere Kin­der", das dieGenossin" Klara Zetkin als Bei­lage zurGleichheit" heransgibt, findet sich fol­gendeKindergeschichte":Ich erinnere mich an ein Ereignis, das ich in Warschau erlebt habe. Eine große Menge Kinder zog mit einer roten Fahne durch die Straßen, und sie sangen revolutionäre Lieder. Gar kleine Kinderchen waren es, die meisten ohne Höschen oder Jacke bloß im Hemdchen. Ein Schuß fällt hinter ihnen. Einen Moment stehen di- Kinder wie angewurzelt.Genossen, kommt, wir müffen dahin zurück!" Ein kleinerAnführer" ruft es. Und die ganze kleine Schar kehrt um und marschiert festen Schrittes zurück, dorthin, von wo sie den Schuß gehört hatten. Es zeigte sich, daß der Schuß nur der Schreckschuß eines Hausmanns war. Aber die Kinder erschraken nicht." Nun wird die Säuglingsorganisatton nicht lange mehr auf sich warten kaffen!

und I. Seidel als Vorturner zugeteilt unftben. Die Turnübungen fanden Montag und Donners­tag Abend von 8 Uhr an auf dem Kämpfrasen statt. Der Verein wuchs und gedieh und das Turnen wurde mit regem Eifer betrieben. Schon am 20. August, dem Geburtstage des Kurfürsten, hatten wir die notwendigsten Turngeräte und einen Klettermast aufgestellt, auf dem wir zum ersten Mal, ohne gestört zu werden, die von der Polizei verbotene schvarz-rot-goldene Fahne aufhißten. Nach beendetem Turnen begaben wir uns in das am Kämpftasen gelegene Schützen- Haus, in deffen Saal wir uns bei Bier, Gesang von Turnerliedern und gehaltener Rede ver­gnügten. Heber Politik zu sprechen war im Verein verboten. Nach beendeter Turnstunde

(Fortsetzung der Verhandlung gegen Balzer und Cappel aus Neustadt, wegen Körperver­letzung mit tötlichem Erfolg.) Ein Zeuge namens Rathmann traf in der Nacht den in feiner Nähe wohnenden Balzer. Der letzter« forderte ihn aus, ihn dock zu begleiten, et würde verfolgt. Bald zu Hause angelangt, hatten fie sich getrennt und als et (Rathmann) in seiner Wohnung gewesen sei, habe Balzet dreimal Hülfe gerufen. Es seien auch einige Leute weg- gelaufen, und Karl Balzer (der Bruder) had« im Hemd aus dem Fenster gesehen und gerufen: Der Kerl (sein Bruder) läßt sich vor fernem Hause totschlagen!" Er habe dann noch ein« Zeit lang gelauert, es sei aber niemand au« dem Balzerschen Hause gekommen. Dre drei Brüder und die Mutter des Angeklagten Balzer schilderten übereinstimmend, wie bet letzter« vor der Türe geschlagen worben sei. Es hab« in bet Nacht niemanb mehr bas Haus verlassen. Im Verlaufe bet weiteren Zeugenvernehmung würbe auch erwähnt, daß ein Mann namens Lemmer, bet nicht als Zeuge geladen war.ein« Aeußerung getan habe, baß et in der Nacht habet gewesen und gesehen habe, wie bet Keßler ge­stochen worden sei. Der ärztliche Sachverständig« gab eingehend über die Verletzungen des Keßler Auskunft. Der Tod sei infolge des Messerstiche« etngetreten. Nachdem die Verhandlung brs gegen 3 Hhr nachmittags sich hingezogen hatte, wurde auf Antrag beschloffen, einen tm Gesang- nis zu Butzbach befindlichen Mann namens Altenbrand vernehmen zu laffen und die zwer weiteren Zeugen Josef Kappel und Josef Lenw mer aus Neustadt zu laden. Dre Verhandlung wurde deshalb ausgesetzt und soll am nächsten Donnerstag fortgesetzt werden.

(In unserem gestrigen Bericht ist bei der Schilderung derSchöffengerichtsverhandlung bet - Name Kappel zweimal genannt worben, selbst- tebenb muß es bas erstemal Heinrich Balze«

Marburg nnd Umgegend.

(Nachdruck aller Ottginaiartikel ist gemäß 8 IS de« Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

.Oberheff. Ztg' gestattet.)

Marburg. 25. März.

Militärisches. Für Mannschaften der Fest», arttllerie wird bie vorgeschriebene geringste Größe von 1,62 Meter auf 1,60 unb für Mann-^ schäften bet Fußartillerie von 1,67 auf 1,64 Meter herabgesetzt. 1

* Für Gewerbetreibende. Die Nrchtbefolg- ung der Verpflichtung bet Gewerbeunternehmer, ihren Arbeitern unter 18 Jahren, die eine von bet Eemeinbebehörbe ober vom Staate als Fort- bilbungsschule anerkannte Unterrichtsanstalt be­suchen, hierzu die erforberlichenfalls von bet zu« ständigen Behörde festzusetzende Zeit zu gewäh­ren (8 120 Abs. 1 der Eew.-O.), konnte vor Er­

ichen Fraktion mit Unterstützung des radikalen Flügels der liberalen Parteien eingebrachten Antrag ablehnte, bet das Recht auf Arbeit bezw. öffentlichen Unterhalt gesetzlich festlegen sollte. Die Vorlage enthielt im wesentlichen folgende Bestimmungen: Die lokalen Arbeitslosenbehör- ben, die aus dem Rat jeder Grafschaft und jeder Stadt gebildet find, sollen verpflichtet fein, jedem Arbeiter, bet sich als beschäftigungslos i r, einschreiben läßt, Beschäftigung zu verschaffen. I k Ist keine Arbeitsgelegenheit vorhanden so soll der Beschäftigungslose unb bie von rhm ab­hängigen Personen auf Kosten bet Gemeinde unterhalten werben. Sein dieser Pflicht sollen die lokalen Arbeitslosenbehörben nur bann ent« bunben fein, wenn fie dem Beschäftigungslosen Arbeitsgelegenheit unter Bedingungen verschaf­fen, die nicht schlechter find als bie in bem be­treffenden Bezirk vorhandenen. Diesem unge­heuerlichen Ansinnen hat nicht nut bet Schatz- kanzlet Asquith, dieser in Vertretung des schwer erkrankten Premierministers, sondern auch der Arbeitsminister John Burns, der selbst aus bet Arbeiterbevölkerung hervorgegangen ist, dre Gründe der Vernunft unb das Gebot der Rück­sichtnahme auf die tatsächlichen Verhältniffe ent­gegengehalten. John Burns stellte zunächst fest, daß nach dem Gesetzentwurf jede lokale Behörde gezwungen sein würde, jeder unbeschäftigten Person männlichen und weiblichen Geschlechts zu den von den Gewerkschaften aufgestellten und ge-

führer, die Vorturner wurden zu Rottenführer ernannt. . t ...

Im Jahre 1861 ließ der Vorstand Legittma-, tionskarten anfertigen, um seinen scheidenden Mitgliedern den Eintritt in anderen Turn«j vereinen zu erleichtern. Die Empfehlung lautete:

Inhaber dieses N. R., Mitglied des hiesigen Turnvereins, wird allen deutschen Turngemeiu« den zur Aufnahme empfohlen, mit dem Erbieten der vollkommensten Erwiderung.

Marburg, Februar 1861. if:;

Der Vorstand des Turnvereins.

Heuser, C. Schneidet, Seng, W. Schneider, Müller.« -

1861 erhielten wir von der Stadt die süd­westliche Ecke vom Kämpftasen zum Turnplatz, ungefähr bis zum Steigerturm, eingeräumt. Der Kaufmann Bang borgte uns eine Eipsbude, di« wir im Renihof holten und zum Gerätehaus auf­schlugen, ebenso wurde ein Hochgerüst, Barren und Reck neu aufgeschlagen. In der großen Halle im Ledererschen Garten feierten wir am 28. Juli 1861 unser erstes Stiftungsfest. Abend« war Tanz im Freien vor der Halle. Die Frauen und Jungfrauen hatten dem Turnverein eine Fahne gestiftet, die am 1. September 1861 bem Verein auf bem Turnplatz von Frl. Textor über­reicht würbe. Der Turner Lehrer Muller hielt die Weiherede. B. Schmidt wurde Fahnen­träger A. Nicolai unb Wilh. Niberehe Fahnen­begleiter. Nach Beendigung bet Festlichkeiten auf dem Turnplatz fand abends im Hotel: Pfeiffer ein gtoßarttger Ball statt. Unter bet Gallerte des Saales befand sich zwischen Stein» gruppen ein Springbrunnen, dessen Waffer mit Eau de Cologne vermischt war, wonach bet gauD» Saal duftet«. ,, . 4U

*»» IlFottsetzung folgte

Marburg 43.Jahrg.

42 73 Donnerst-«. 26. März 1908.

Bestellgeld), bei unfern

Im Herbst 1860 nahm unser Turnwart Wilh. Trapp Abschied von uns für immer er wanderte nach Amerika aus. Der Verein überreichte ihm zum Andenken ein Stammbuch, in bas wir uns alle einschrieben. Das Amt eines Turnwarts übernahm nun Wilh. Schneider unb besten Stelle als Vorturner D. Textot.

Für bas Sßinterturnen richteten wir uns in Ermangelung einer Turnhalle in bet Schneider­sitzen Scheuet häuslich ein. Am 26. Dezember 1860 brannte unser erster Weihnachtsbaum bei Claudi Schneider am Grün, der damals eine Weinwirtschaft hatte. Am 25. Januar 1861 feierten wir unser erstes Wintervergnügen im Matkeesschen Saale durch einen Turnerball, wo in weißen Hosen, Jacken und bem damals üblichen gestickten Turnergürtel getanzt wurde. Die Erlaubnis zu einem solchen Vergnügen zu erhalten, war mit Schwiettgkeiten verknüpft, denn die kurhessische Partei erkannte den Turn­verein als solchen nicht an. Es mußte jedesmal ein Verzeichnis sämtlicher Teilnehmer bet der Polizei eingereicht werden. Folgendes ist bie Abschrift einer Gestattung zu einem Turnerball:

Dem L. Müller dahier und Konsorten wird gestattet, nächsten Sonntag den 26. b. M. abends tm Hotel Pfeiffer einen Ball zu halten, wobei 10 inländische Musikanten aufspielen dürfen.

Marburg, den 20. Januar 1862 Stempel 1 rt. 20 Sgt.

Kurfürst!. Polizei-Direktion. Sunkel."

Dis Aachen - Münchener Feuerversicherung hatte der Stadt eine Spritze zum Geschenk ge­macht, da cs aber an Bedienungsmannschaft mangelte übernahm der Turnverein diese Spritze und gründete am 23. Februar 1861 die Turner­feuerwehr. Obmann war K. Heuser, L. Müller wurde Spritzenmeister unb B. Schmidt Schlauch-