M 72
! Nachdruck üerbo'.en.!
44
meinen Arm.
meines Vater» an
Um die Lehrer in landwirtschaftlichen Dingen, soweit sie in Fortbildungsschulen zu lehren sind, auf dem laufenden zu erhalten und weiter auszubilden, wäre es vielleicht nicht un- angebracht, Kurse bei oen landwirtschaftlichen Winterschulen einzurichten. Diese Kurse würden allen Fortbildungslehrern leicht zugänglich sein, während dieKurse an den Landwirtschaftsschulen für die meisten zu weit gelegen sind. (Abg. Meyenschein: Sehr richtig!) Es sollte kern brauchbar schonendes Mittel unversucht bleiben, um das immer mehr als wichtig hervortretende Fortbildungsschulwesen zu heben. Die Beschlüsse des Landesökonomiekollegiums, welche auf eine kräftige Förderung dieses Zweiges der Fürsorge für unsere ländliche Jugend abzielen und sich dahin zusammenfassen lassen: kein spezieller
Rede des Landtagsabgeordneten Geh. RegierumMat von Negelein zum Landwirtschaftsetat.
(Stenographischer Bericht.)
Meine Herren, das Königlich preußische Landesökonomiekollegium hat in seiner letzten Tagung im Februar des Jahres sich unter anderem mit dem ländlichen Fortbildungsschulwesen befaßt. Das Ergebnis der Verhandlungen scheint mir so bedeutsam, daß es mit gestattet sei, an dieser Stelle ein wenig näher darauf einzugehen.
Die früher von dem Landesökonomiekolle- aium gefaßten Beschlüsse von 1890 und 1895 wurden einer Prüfung und eingehenden Erörterung unterzogen. Dabei wurde die Frage, ob in den ländlichen Fortbildungsschulen Fachunterricht zu erteilen sei, verneint. Schon bei der Beratung des Gesetzes vom 8. August 1904 über den Besuckszwang in den ländlichen Fortbildungsschulen der Provinz Hessen-Nassau wurde hier in der vom Hohen Hause eingesetzten Kommission landwirtschaftlicher Fachunterricht nicht als erstrebenswert bezeichnet; wenigstens kam die gegenteilige Meinung damals nicht nur zur vollen Geltung. Ich glaube auch Grund zu der Annahme zu haben, daß seitdem in den meisten Fortbildungsschulen kein eigentlicher Fachunterricht erteilt worden ist. Hierzu würde auch den Lehrern, die meistens dem Stande der Dolksschullehrer entnommen sind, die nötige Fachausbildung gefehlt haben. Aber es ist dankenswert, daß eine Körperschaft mit so großer Sachkenntnis wie das Landesökonomiekollegium in dieser für den Ausbau und das Wesen unserer ländlichen Fortbildungsschulen entscheidenden Frage jetzt völlige Klarheit geschaffen hat. „Spezieller Fachunterricht in jeder Form soll ausgeschlossen sein." Durch diesen Ausspruch ist das Ziel der ländlichen Fortbildungsschule fest abgesteckt. Der Ausschluß des Fachunterrichts rst schon deshalb erforderlich, weil die ländlichen Fortbildungsschulen von jungen Leuten aus verschiedenen Berufen besucht werden. Der Unterrichtsstoff soll nach der An»cht des Landesökono- miekollegiums allen jungen Leuten auf dem Lairde in gleicher Weise zugänglich und dienlich sein; er darf also nicht einseitig auf einen bestimmten Beruf zugeschnitten sein. Gewiß werden die ländlichen Fortbildungsschulen als eine gute Vorbereitung für den späteren Besuch der landwirtschaftlichen Winterschulen gelten können, aber nur in dem Sinne daß die Fortbild- ungsschüler im allgemeinen besser ausgebildet in diese landwirtschaftlichen Fachschulen eintreten und dadurch bessere Erfolge erzielen als andere, die seit dem Verlassen der Volksschule ihre Bildung nicht mehr vervollständigt haben. Der Hauptzweck der ländlichen Fortbildungsschulen ist die Erweiterung des allgemeinen Wissens, die Ausbildung des Verstandes, damit die
und ihrer Lösung noch nicht näher gerückt waren. Die Schulen, welche zwei Jabrr-hut- hindurch wenig zahlreich blieben, haben sich in den letzten zehn bis zwölf Jahren ganz außerordentlich vermehrt; in vielen Gemeinden sind sie zu einer ständigen Einrichtung geworden. Auch die Gesetzgebung hat sich mit ihnen beschäftigt und den Vesuchszwang grundsätzlich gebilligt, wenn auch diese Maßregel erst in einer einzigen Provrnz Eingang gefunden hat; jedoch ist in Aussicht genommen, sie in nächster Zeit auch noch in einer oder zwei anderen Provinzen einzuführen. Dre ländlichen-Fortbildungsschulen haben sich in der öffentlichen Meinung durchaerungen. Ihre vorteilhafte Einwirkung auf die geistige und sittliche Hebung der jungen Leute auf dem Lande wird wohl jetzt von niemand mehr verkannt. Für sie entfalten die Staats- und Kreisbehörden sowie die Gemeinden eine lebhafte Fürsorge. Für ihren Fortbestand, ihre weitere günstige Entwicklung und Verbreitung ist die Grundlage geschaffen. Aber manches muß noch geschehen, um die ländliche Fortbildungsschule so weit emporzuheben, daß sie in vollstem Matze wirksam
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
Marburg
Mittwoch. 25. März 1908
„Den er Ihnen heute Nachmittag machte. Dann bilden wir eine Familie, und alles Unrecht, alle Schuld ist dann gesühnt. Ich werde dann wieder einen Bruder haben, den ich ebenso lieb haben werde, wie den armen Lothar."
Ich wagte ihr nicht in die Augen zu sehen.
„Ich kann Ihr Bruder nicht werden, Amal- gunde," sagte ich leise.
Sie sah mich erstaunt und erschrocken an, dann wandte sich ihr Blick hilfesuchend nach dem Platze, wo die Eräfin-Witwe gestanden. Doch diese hatte still das Zimmer verlassen.
„Sie können mich nicht als Schwester lieb haben?" fragte sie stammelnd. „Haben wir nicht stets gute Freundschaft gehalten?"
„Ja, Amalgunde, und diese Freundschaft soll stets zwischen uns bestehen bleiben! Aber eine solche Freundschaft duldet keine Lüge zwischen uns, keine neue Schuld soll zwischen uns treten, wir haben genug an der alten Schuld zu trägem Und eine Schuld lüde ich auf mich, wollt- ich das neue Leben, welches wir beide beg.üneir sollen, mit einer Lüge belasten. Amalgunde, gedenken Sie jener Stunde, wo wir an dem Grabe meines Vaters standen! Was ich damals nicht auszusprechen wagte, nicht aussprechen durfte, was Sie aber in dem Blick meiner Augem m dem Beben meiner Stimme erkennen mutzten, heute mutz es ausgesprochen werden damit e» klar wird zwischen uns. Ich liebe Sie, Amal* -unbe, aber nicht wie ein Bruder ferne Schwe«
Man abonniert auf die täglich erscheinende Ober h essische y e 11 u n a“ bei allen Postämtern und unfern Zertungsstellen m Kirchhain und Wetter jowie bei uns---r Exp-dition -MarÜ21 — Der Bezugspreis betragt durch die Post 2^a Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
। im Winter zu später Abendstunde, sozusagen I bei Nackt und Nebel. Über Land retten, UN. Artz I bildungsschulen zu besichtigen. Hohe Anetten« I nung dem, der das tut! Aber es kann von nie* | mand verlangt werden. Die jetzt vielfach nahe* I zu bedeutungslose Schulaufsicht könnte belebt I werden, wenn den Kreisschulinspektoren Tage.
1 gelder und Reisekosten oder vielleicht eine I Dienstaufwandentschädigung bewilligt wird mit I der Verpflichtung, die ländlichen Forrbildungs* I schulen zu besichtigen und ihre Förderung ernst« I lich sich angelegen sein zu lassen. Eine ent» I sprechende Dienstanweisung in bezug auf die I Anforderungen, die bei den Besichtigungen zum I Nutzen der Schulen geltend zu machen sind, wäre I hinzuzufügen. Es ist zu hoffen, daß hierdurch I der Fortbildungsschulunterricht eine neue An* I regnng und nachhaltige Förderung erfahren I könnte. Die Mittel dazu wären nicht uner« I schwinglich. Der Staatszuschutz für die land* I lichen Fortbildungsschulen brauchte nicht allzu erheblich erhöht zu werden; auch könnte ja zu« nächst in einigen BeMken der Anfang gemacht werden, wo die Fortbildungsschulen etwas dichter gesät find, gewissermaßen, um ohne große Kosten eine Probe anzustellen und Erfahrungen zu sammeln. Ich nehme an, daß eine solche Ordnung der Aufsicht mit den Leitsätzen des Landesökonomiekollegiums in Einklang zu bringen ist. Denn es handelt sich bei den Kreisschulinspek« toren um staatlich besoldete Beamte, die ihre Bezüge für die Aufsicht über die ländlichen Fortbildungsschulen ebenfalls aus der Staats- lasse empfangen würden. Eine weitere Förder. ung könnte meines Erachtens das ländliche Fortbildungsschulwesen erfahren, wenn, wie der Raiffeisenverband im Regierungsbezirk Cassel es anstrebt, Wiederholungskurse für die Lehrer an den Fortbildungsschulen in der Art eingerichtet werden, daß sie für die Lehrer leicht zu erreichen sind z. V. in der Hauptstadt des Regierungs» bezi'rks oder abwechselnd in anderen passend gelegenen Orten des Bezirks. Die Unterweisung könnte im Fortbildungsunterricht bewährten Kräften übertragen werden. Hierbei wäre dann das Hauptgewicht auf die pädagogische Ausbildung zu legen, die sehr wichtig ist, (Abg. Meyen* schein: Sehr richtig!) da die Schüler über dre in der Volksschule angewandte Pädagogik bereits hinausgewachsen stnd.
werde.
In den Schulen, wo der Besuchszwang bereits besteht, ist zwar dafür gesorgt, datz die Schüler von der ersten Woche des Winterhalbjahres bis zur letzten die Unterrichtsstunden regelmäßig besuchen. Aber eine ausreichende Gewähr dafür, wie der Unterricht betrieben wird welche Gegenstände er betrifft, in welchen Grenzen et sich bewegt, ist noch nicht gegeben; bas bleibt, wenn auch allgemeine Lehtplane ober Grunbzüge dafür ausgegeben sind, doch wesentlich noch dem Gutdünken bet Lehtet überlassen. Daher ist bie Forderung des Landesökonomiekollegiums, für jede Schule einen Lehrplan aufzustellen, vollkommen gerechtfertigt. Vielfach ist das noch nicht geschehen; man wird aber damit ernstlich vorgehen müssen.
Ebenso wichtig wäre eine wirksame Aufsicht. Zur Aufsicht sind jetzt schon bestimmt der Orts- schulinspektor und der Kreisschulinspettor. Diese Bestimmung wird — und ich glaube damit niemandem zu nahe zu treten — im ganzen wohl kaum eine erhebliche Bedeutung erlangt haben. Das Landesökonomiekollegium hält staatlich besoldete Beamte für erforderlich. Der Wortlaut bet Leitsätze läßt vermuten, batz besonbere Beamte gemeint sink» bie eigens für bie Aufsicht bet länblichen Fortbildungsschulen angestellt roerben. Wenn bas richtig ist — bem Gedanken an sich ist dutchaus nicht entgegenzutreten —, so fürchte ich, daß wir vielleicht noch lange auf solche Beamte werden warten müssen, da bie Beschaffung bet nötigen Mittel zu ihrer Be- solbung wahrscheinlich auf Schwierigkeiten stoßen wird. Wie kann da geholfen werden? Die Ausfichtsorgane sind, wie ich schon sagte, vorhanden, es müßte ihnen nut das rechte Leben die rechte Wirksamkeit eingeflößt werden. Die Aufsicht über die ländlichen Fortbildungsschulen ist erschwert durch die Art, wie der Unterricht sich vollzieht. Wer wird wohl, wie ine Verhältnisse jetzt liegen, ohne eine Vergütung, ohne Ersatz der Auslagen sich veranlaßt suhlen,
^.Weshalb verläßt Du Deinen Platz?" fragte die Gräfin. ~
„Weil ich dem Enkel der unglücklichen Frau den ihm gebührenden Platz nicht rauben will," entgegnete sie leise.
„Ich habe Eundokar hergeführt," fuhr die Gräfin fort, „weil ich mit dachte, daß Du ihm manches zu sagen haben wirst, und daß hier angesichts der Mutter seines Vaters bet richtige Ort i|t"
Amalgunde senkte die Augen und eine tiefe Glut übetflammte ihr Antlitz. Dann erhob sie plötzlich die Augen mit bittendem Ausdruck zu mir und streckte mir die Hände entgegen.
„Verzeihen Sie mir, Gundokat . . . ich tat Ihnen bitteres Unrecht. . . Erotzmama hat mir alles gesagt, ich bitte, verzeihen Sie mein Ungestüm ..." „ ,
„Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen, Amalgunde," entgegnete ich bewegt. „Der Verdacht, daß ich unredlich, unaufrichtig gegen Sie und die Ihrigen gehandelt, kam nicht aus Ihrem edlen Hetzen, ein unedler, rachsüchtiger Mensch der feine Lust an Streit und Zwietracht hat, träufelte ihn in Ihre Seele.“
Die weiße Frau von Oldensloe.
Original-Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Selbst wenn es einen Ausweg aus diesem Labyrinth gab, selbst wenn ich auf alles verzichtete und die Vergangenheit ein Geheimnis bleiben sollte, gingen unsere Lebenswege auseinander. Die Vergangenheit stand wie ein Gespenst zwischen uns, das immer in jenen Augenblicken fein grinsendes Haupt erheben wurde, wenn sich unsere Herzen einander wieder nähern wollten. Die Vergangenheit wat die gespenstische weiße Frau, bie unglückverkiinbend ihre Hände über unser Leben ausbreitete. Da gab es keine Versöhnung! Die Vergangenheit war nuqt auszulöschen, bie weiße Frau fanb keine Ruhe, keinen Frieden — ber Fluch der alten Schuw lastete auf uns allen und erdrückte unser Gluck.
In solchen düsteren Grübeleien versunken, hatte ich nicht bemertt, daß die Eräfin-Witwe durch die Türe, welche in die Bibliothek führte, eingetreten war. Als sie mich anrebete, fuhr ich erschreckt empor.
„grau Gräfin — Sie hier?"
„Ich bin gekommen, um Ihnen in Ihrem Kummer zur Seite zu stehen," sprach sie mit fanftet Stimme.
„Wie sehnte ich mich bamach, Ihnen mein Herz auszuschütten," aber ich glaubte, auch Sie hätten mich verworfen."
„Wie können Sie daran denken? Weiß ich Nicht alles? Kenne ich nicht alle Ihre Gedanke»? Sind Sie nicht mein lieber Sohn geworden?"
JD meine Mutter .. .*
jungen Leute befähigt werden, später mit I größerer Einsicht and tieferem llrMl d-n Ausgaben, die der'Beruf und bas Leben ihnen stellen, entgegenzutreten. Hierzu ist fein spezieller Fachunterricht weber in ber Landwirtschaft noch in einem anderen Fach erforderlich.
Wenn nun eigentlicher Fachunterricht ausgeschlossen bleibt, so ist damit keineswegs gesagt, daß der ländliche Hauptberuf, die Landwirtschaft in bem Fortbilbungsschulunterricht gar keine Berücksichtigung finben soll; ber Unterricht wirb Gelegenheit genug bieten, bie lanbwirt- schaftlichen Verhältnisse geniigenb in Betracht zu ziehen. Das Lanbesökonomiekollegium hat auch nickt unterlassen, Leitsätze aufzustellen, wie ber Unterricht in den Fortbildungsschulen zu handhaben sei. Wenn ber Unterricht einerseits nicht einem speziellen Fache zugewanbt sein bars, so soll er anbererfeits nicht bloß in einer Fortsetzung bes Elementarunterrichts bestehen; er soll sich nach Form unb Inhalt scharf von ihm unterscheiben unb Rücksicht nehmen auf bie wirtschaftlichen Vorgänge unb ben Schülern bie Kenntnis im Staatswesen, ber Gliederung ber Behörden usw. vermitteln; batz auch bie Hauptzweige bes Elemenrarunterrichts, ber Unterricht im Deutschen unb im Rechnen, nicht entbehrt werben können, ist selbstverstänblich; nur muß ber Stoff unb bie Art seiner Behandlung entsprechend den reiferen Jahren der Schüler über das Ziel der Volksschule hinausgehen.
Mit diesen knappen Andeutungen kann der Inhalt des ländlichen Fottbildungsfchulunter- richts natürlich nicht erschöpft sein. Bei dem Unterricht im Deutschen, vielleicht auch der Naturkunde und in der Kenntnis des Staats« wesens — in den erwähnten Leitsätzen ist hierfür ein besonderes Wort geprägt: in ber ,Mr- gerfunbe“ — läßt sich manches Wissensgebiet berühren unb in den Gesichtskreis der Schüler einführen. Aber cs darf dabei nicht zu vielseitig verfahren werden. Daher empfiehlt das Landesökonomiekollegium die Aufstellung von Lehrplänen für jede einzelne Schule, die den Lernstoff genauer umgrenzen.
Durch die Verhandlungen des Landesokono- miekollegiums zog sich die Befürchtung hindurch, es möchte an den ländlichen Fortbildungsschulen des Guten zu viel gelehrt werden. Deshalb wurde ferner die Durchführung einer geeigneten Aufsicht empfohlen. Nicht etwa in der Absicht, um die Lehrer zu ihrer Pflicht anzuhalten; im Gegenteil, dem Eifer und dem guten Willen der Lehrer wurde volle Anerkennung gezollt. Es soll gerade dem Uebereifer gewehrt werden, damit nicht Gegenstände in die unterrichtliche Behandlung hineingelangen, die sich dem ländlichen Fortbildungsschulunterricht nicht anpassen.
Meine Herren, obgleich ländliche Fortbildungsschulen seit dem grundlegenden Ministerial- erlatz von 1876 nun schon seit mehr als 30 Jahren bestehen, möchte ich sagen, befinden wir uns mehr oder weniger noch in den Anfängen ihrer Entwicklung. Die Schulen waren im großen unb ganzen bisher sich selbst überlassen. Das mochte sein Gutes haben, solange bei bem Fortbildungsunterricht noch viele Fragen offen
~3a, nenne mich so . . . aber wenn Du mein Sohn sein willst, dann hättest Du mir voll vertrauen sollen! Weshalb hast Du mir nichts von Deiner Liebe zu Amalgunben gesagt?"
Wie konnte ich? Würbe es nicht wie Eigennutz" unb Selbstsucht geklungen haben, ja, wie eine bunkle Drohung?"
Die Gräfin lächelte. „Die Dichter haben recht, wenn sie den Verliebten die klare Ueber- legung absprechen," entgegnete sie. „Wie hätte alles ganz anders kommen können! Aber jetzt komm, die arme Edith verlangt nach Dir. Laß uns zu ihr gehen." ,
Ich folgte ihr durch das Archiv in das alte Schloß und in die Wohnung meiner Großmutter.
Im Vorzimmer trat uns die Pflegerin ent- gegen.
„Was macht unsere Kranke?" fragte die Gräfin. .... ,,
„Sie hatte einen sehr unruhigen, bösen Tag, entgegnete die Pflegerin. „Erst seitdem Com- tesse Amalgunde bei ihr ist, ist sie ruhiger geworden, unb jetzt ist sie entschlummert.
Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen. „Amalgunbe ist bei ihr?" fragte ich erstaunt.
3a“ entgegnete bie Gräfin mit leichtem Lächeln, „ich habe sie selbst zu Edith geführt. Und nun tritt ein.“ .
Sie öffnete die Tür und etn lieblicher Anblick bot sich mir dar. Das Zimmer war durch eine Ampel sanft erleuchtet. Auf einem Ruhebett lag Edith, von leichten Dttken umhullt, in sanftem Schlummer. Reben ihr satz Amalgunde auf einem niedrigen Tabouret und hielt bie fjanb ber Schlafenben in beiben Hauben.
Als sie uns eintreten sah, überflutete eine leichte Röte ihr blasses Gesicht. Sie erhob stch, inbem sie die Hand Ediths sanft auf die Decke zurücklegte und tret von dem Lager zurück.
Di« Jnsertionsqebühr betragt für bie 7gespaltene Zeile
oder deren Kaum "15 Pfennig, für Reklamen fo Pfennig. — in
Druck und »erlag: Joh. Avg. Koch, Umversttätsbuchdruckei^ 1 C ”
Inhaber Dr. L.H'itzeroth, Marburg, Markt21. — Telephon55
„Ich danke Ihnen, Eundokar ... ach, ich bin jetzt so froh — so glücklich... jetzt werde ich Ihre arme Großmutter pflegen! Sehen Sie, wir haben schon Freundschaft miteinander geschlossen, und sie liebt mich schon und nennt mich ihr liebes ■ gunde aber majt wie ein wuu« Töchterchen. Unb auch Sie find mir nicht mehr ster nein, viel tiefer, viel inniger, mit einer böse, Eundokar?" heißen Sehnsucht — und es würde ein Der«
,Mie könnte ich, Amalgunde?" I brechen fein, wollte ich mit dieser Liebe im Her«
Und nicht wahr," fuhr sie fort und legte in zen Ihnen die Hand als Bruder reichen. Das ist ihrer alten vertraulichen Weise die Hand auf I das Eeheimnis meines $erjens, nur b efe - jeüt nehmen Sie den Vorschlag I verhängnisvolle Stunde entschleiern konnte. Un» in>« I nun sprechen Sie mein Urteil..."
Melchen Vorschlag?" I. (Fortsetzung folgt)