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MchsW ZeimH mit dem Ereisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain Ml» »en -Sri In gen:Mer-rischer Anzeiger",z-mdwirtschofiliche Kett«,,« m» »Zllnstriertr« Sonntngsblntt".

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Man abonniert auf di« täglich erscheinendeOberhessisch« Zeitung" bei ollen Postämtern und unfern ZeitungSstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Mittwoch. 25. Mürz 1908.

Di« Insertinnsgebübr beträgt für die 7gefpaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag r Job. Bug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C.Hitzeroth, Marburg, Markt21. Telephon55.

43. Jahrg.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 24.

Erftes Blatt.

Aus de» Parlamente«.

M" Preußischer Landtag.

F"' Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus befaßte sich am Mon- tzag zunächst mit Stadtkreiserweiterungen und erledigte danach die dritte Lesung des Quellen­schutzgesetzes. Die Vorlage wurde nach kurzer Erörterung, an der sich die Abg. Lusensky (nat.- 1163, Linz (Ztr.), Holtschke (kons.), Krause-Wal­denburg (freikons.), Schmidt-Warburg (Ztr.) und andere beteiligten, gegen die Stimmen der Freisinnigen und eines Teils des Zentrums an­genommen. Gegen die gleiche Minderheit ent­schied das Haus, daß eine Verfasiungsänderung dicht vorliege, eine nochmalige Abstimmung nach 21 Tagen also nicht notwendig sei. Bei der ersten und zweiten Lesung des Hebammengesetzes er­klärte Abg. Burchard (kons.) die Zustimmung seiner Parteifreunde zu den Zielen der Vorlage und begrüßte die in Aussicht genommene Unter­stützung leistungsschwacher Verbände und Kom­munen. Kultusminister Holle stimmte dem Ver­langen des Abg. Münsterberg (freis. Vgg.) zu, wonach junge Hebammen zunächst den Bezirks­hebammen als Assistentinnen beigegeben werden sollen. Zur Resolution Dr. Heisig (Ztr.), nach welcher den Hebammen die aus Mittellosigkeit der Klienten herrührenden Honorarverluste aus öffentlichen Mitteln ersetzt werden sollen, fragte Präsident v. Kröcher, ob Ueberweisung an die Budgetkommission beantragt werde. Da dies nicht geschah, erklärte der Präsident unter Hei­terkeit des Hauses die Angelegenheit für er­ledigt. Zu den Anträgen Aronsohn (srs. Vp.) betr. Aenderung des Wahlrechts zum Kreistage «nd v. Böhlendorff-Kölpin (kons.) betr. Abände­rung der Kreisordnung für die sechs alten preu­ßischen Provinzen, welche auf Antrag des Abg. Eyßling (frs. Vp.) gemeinschaftlich beraten wur­den, bemerkte dieser, daß die Stadtgemeinden bei Zusammensetzung der Kreistage dem platten Lande gegenüber erheblich benachteiligt seien. Vielleicht würde die Eemeindekommisflon, der er beide Anträge zu überweisen bitte, eine gedeih­liche Lösung finden. Nachdem der Abg. v. Böh­lendorff-Kölpin (kons.) seinen Antrag, der keine Aenderung der Grundlagen der Kreisordnung bezwecke, begründet und desien Annahme empfoh­len hatte, beantragte Abg. Schnlze-Pelkum (kons.) ebenfalls die Ueberweisung beider An­träge an die Gemeindekommission. Gegen eine einschneidende Aenderung des Kreistagswahl­rechts hätten seine politischen Freunde die stärk­sten Bedenken. (Sehr richtig?) Die gewünschte Aenderung könnte im Westen sogar vielfach einen weiteren Zurückgang des städtischen Ein­flusses herbeiführen. Man müsse nicht überall einen Gegensatz zwischen Stadt und Land, Eroß- und Kleingrundbesitz konstruieren. (Beifall.) Die Vorlage wurde der Eemeindekommission überwissen. Debattelos erfolgte dann die lleber- weisung des Antrages Winckler (kons.) betr. die Wegeordnung für die Provinz Sachsen, an eine Kommission von 14 Mitgliedern. Das Haus vertagte sich auf Dienstag, vormittags 11 Uhr: Eisenbahnanleihegesetz. Schluß 4V> Uhr.

Deutsches Reich.

Deutscher Reichstag. Am Bundesrats- tische: Reichskanzler Fürst Bülow, v. Bethmann- Hollweg, v. Tirpitz, v. Schoen, Dr. Nieberding, Krätke und Dernburg. Haus und Tribünen find gut besetzt. Zur Beratung steht der Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei. Nach fünfstündiger Debatte wurde die Weiterberat­ung auf morgen 1 Uhr vertagt. Fürst Bülow hat noch nicht gesprochen.

Veränderungen in der Armee. Prinz Friedrich Karl von Hessen, Oberstleutnant beim Stabe des Infanterie-Regiments Nr. 81, wurde unter Beförderung zum Oberst zum Komman­deur dieses Regimentes ernannt. Oberstleut­nant v. Mnhlenfels in der Schutztruppe für Südwestafrika scheidet unter Beförderung zum Oberst aus dieser Schutztruppe aus und wird in der Armee als Kommandeur des Infanterie- Regiments Rr 161 angestellt.

Erhöhung der Steuer auf Wanderlager. Die Landtagsabgeordneten Dr. Frenay und

Molthan haben in der zweiten hessischen Kam­mer den Antrag eingebracht, die Regierung möge eine Gesetzesvorlage unterbreiten, durch die das Gesetz betreffend die Besteuerung des Gewerbebetriebes im Umherziehen dahin ge­ändert wird, daß der für Wanderlager be­stimmte Steuersatz wesentlich erhöht und die eingehende Steuer ganz oder zum überwiegen­den Teil den Gemeinden überlassen wird.

Amtliches Wahlergebnis. Bei der am 19. März im ersten Hannoverschen Wahlkreise ver­anstalteten Reichstagsersatzwahl wurden, wie jetzt amtlich richtig gestellt wird, 22 269 Stim­men abgegeben. Es erhielten Domänenpächter Fegter (Freisinnige Vereinigung) 8422 Stim­men, Rechtsanwalt Eroeneveld (Deutschsozial) 6346 Stimmen, Oberbürgermeister Fürbringer (Nationalliberal) 4581 Stimmen und Buch­druckereibesitzer Hug (Sozialdemokrat) 2916 Stimmen. Zersplittert sind vier Stimmen.

Reichstag und Presse. Die Journa­listenversammlung ist noch nicht zu einem Abschluß gekommen. Die Kommission, die gestern mit dem Präsidenten unterhandelte, kam dahin überein, daß heute in der Plenarsitzung eine Erklärung von dem Abgeordneten Eroeber erfolgt, in welcher dieser mit dem Ausdruck des Bedauerns die Beleidigung zurücknimmt. Hie­rauf soll der Präsident eine Erklärung der Jour­nalistentribüne verlesen, daß Störungen von­seiten der Tribüne niemals den Charakter oder die Absicht einer Demonstration gegen den Reichstag, einzelne Parteien oder Personen ge­habt haben nd solche Störungen selbstverständlich von den Tribünenjournalisten für unzulässig er­achtet und nach Möglichkeit ferngehalten wür­den. Der Abgeordnete Eroeber dürfte jedoch hierauf nicht eingehen. Er hat vielmehr eine Erklärung seinerseits aufgestellt, welche mehr eine Anklageschrift als eine Entschuldigung ist. Wenn er diese heute verliest, würde sie von den Journalisten als eine nicht zureichende Entschul­digung angesehen. Die Journalisten veranstal­teten gestern im Laufe des Nachmittags eine neue Sitzung und meiden vorläufig die Tribüne. Die nachmittags abgehaltene Versammlung der Reichstagsjournalisten beschloß, bis auf weiteres sich zu vertagen. Ein weiterer Beschluß wurde nicht gefaßt. Die Journalisten stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß ihrerseits keinerlei Schritte dem Reichstage gegenüber zu unterneh­men seien. Im Laufe des Tages ist noch eine große Reihe von Sympathiedkundgebungen aus dem Reiche und aus dem Auslands eingegangen. Die Entstehung des ganzen Streites wurde in der letzten Versammlung eingehend festgestellt. Der freisinnige Abgeordnete Müller-Meiningen hat die Aeußerung des Abg. Eroeber gehört und hat dann auf der Tribüne Mitteilung davon ge­macht. Der Wortlaut des Groeberschen Zwischen­rufes wurde auf Wunsch der Tribünenjourna­listen mit Hilfe eines Kollegen von der Zen­trumspresse durch direkte Nachfrage bei dem Abg. Eroeber festgestellt. Richtig ist, daß der Abg. Dr. Müller-Meiningen sejne Mitteilung durchaus nicht in denunziatorischer Form gemacht hat. In der Debatte wurde festgestellt, daß der Abg. Dr. Müller-Meiningen in seinem Schreiben die Tat­sache nicht bestreite, daß er erst das Zentrum und den Abg. Groeber auf das angebliche Lachen auf der Journalistentribüne aufmerksam gemacht habe. Ein Brief des Abgeordneten Müller- Meiningen lag dieser Verhandlung zugrunde, in dem er sich mit der Darstellung der Germania befaßt. Er schreibt dort: Danach bin ich an allem schuld, denn ich hätte die Sache brühwarm auf der Journalistenttibüne mitgeteilt, und mit die­serDenunziation" natürlicherweise auf der Tribüne große Erregung hervorgerufen. Die ganze Darstellung ist von A bis Z erlogen. Ich habe die Tribüne nicht betreten. Ich wieder­hole, der Herr der Presse, der zu mir kam, war bereits von der Aeußerung unterrichtet und bat mich lediglich, gegen die allgemeine Beleidigung aufzutreten! Das ganze Gespräch dauerte eine halbe Minute, da ich sofort wieder in den Saal eilen mußte, wo ich jede Minute aufgerufen wer­den konnte. Die Pressevertreter haben denn auch die angebotene weitere Vermittelung des Herrn Dr. Müller-Meiningen dankend abgelehnt. Die Germania" will übrigens den Abg. Müller- Meiningen verklagen.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betreffend die Abänderung des Gesetzes über das Telegraphenwesen des deutschen Rei­ches vom 7. März 1908, ferner eine Bekannt­machung betreffend die Vorlegungslisten für Auslandsscheck vom 19. März 1908 und eine Be­kanntmachung betreffend die Abrechnungsstellen im Scheckverkehr vom 19. März 1906.

Deutscher Besuch in England. Das deutsche Komitee zum Studium ausländischer städtischer Einrichtungen hat die Vettreter süddeutscher Stadtverwaltungen zu einer Reise nach London eingeladen, beginnend am 18. Mai. Aus Stutt­gart ist Oberbürgermeister Gauß eingeladen.

Zur Miidchenschulreform. Wie dieBerl. R. N." hören, ist in dem Reformplane für die Mädchenschulen nach erfolgter Umarbeitung im wesentlichen das ursprüngliche Projekt wieder­hergestellt werden. Die nach diesem Plan er­richteten Mädchenschulen dürften sich folgender­maßen gestalten:Die Grundlage bildet die zehnklasstge höhere Töchterschule, auf die ein dreijähriges Lyzeum aufgesetzt wird, das die Vorbereitung zum Lehrinnen-Examen bildet. An dieses soll sich noch ein viertes Unterrichts­jahr zur praktischen Vorbereitung für den Lehr­beruf anschließen. Das Lyzeum dürste auch für den Haushaltungsunterricht einen wahlfreien Kursus enthalten. Für diejenigen Schülerinnen, die sich dem Universitätsstudium zuwenden wollen, werden sich sechsjährige Gymnasial- und Realgymnafialkurse an die siebente Klasse an­gliedern, während sich fünfjährige Oberreal­schulkurse infolge des Fehlens von Latein und Griechisch an die achte Klasse anschließen sollen.

§ 100 q der Gewerbeordnung bestimmt bekanntlich, daß die Innungen ihre Mitglieder in der Festsetzung der Preise ihrer Waren oder Leistungen oder in der Annahme von Kunden nicht beschränken. Der Reichstag, der diese Be­stimmung eingefügt hat, wollte dadurchver­hüten, daß den Jnnungsmitgliedern durch Jnnungsbeschlüsse einschränkende Bestimmungen auferlegt werden, welche die Bildung von Rin­gen ermöglichen". Gegenseitige Vereinbarungen werden dadurch nicht beschränkt. Auch für die freien Innungen enthält das Gesetz eine solche Einschränkung nicht. Die Aufhebung jenes Ver­botes für die Zwangsinnungen wird neuerdings durch eine Reichstagsresolution gefordert. Die amtliche Denkschrift überdie Wirkungen des Handwerkergesetzes" (Carl Heymanns Verlag, 1908) gibt nun Auskunft darüber, wieviel freie Innungen Vorschriften über die Preise von Waren und Leistungen bezw. über die Annahme von Kunden getroffen haben. Solche Beschränk­ungen haben von den 8147 freien Innungen 189 (2,3 Prozent) getroffen. Von den Fachinnungen sind das 103 und zwar 27 für Bäcker, 42 für Fleischer, 8 für Stellmacher, 5 für Schmiede, von den Innungen verwandter Gewerbe 49 für Barbiere, Friseure und Heilgehilfen, 4 Bäcker- und Konditottnnungen, im übrigen nur verein­zelte Innungen der einzelnen Branchen. Be­standen haben solche einschränkenden Bestimm­ungen bei 175, wurden aber wieder aufgehoben und zwar bei 103 Fachinnungen, darunter 24 Bäcker-, 31 Fleischer-, 12 Schmiede-, 7 Töpfer- innungen, und bei 75 Innungen verwandter Ge­werbe. Als Grund der Beseitigung solcher Vor­schriften wird hauptsächlich die Nichtbeachtung der Beschlüsse durch die Mitglieder angegeben. Ein klares Bild läßt sich bei dem geringen Um­fang der praktischen Erprobung solcher Festsetz­ungen aus diesem Material über die Nützlichkeit oder Schädlichkeit des 8 100 q unseres Erachtens nicht gewinnen.

Eine Streitfrage. Bei der Prüfung eines Antrages auf anderweite Festsetzung der Pen­sion eines Eemeindeschullehrers ist die Frage zur Entscheidung gekommen, ob die Bewachung von Kriegsgefangenen unter den Begriff der kriegerischen Operationen im eigenen Lande fällt. Im Einverständnis mit dem Finanz- und dem Kriegsminister hat nämlich der Kultus­minister entschieden, daß dies nicht der Fall sei. Ein Eemeindeschullehrer hatte daraus, daß er während der Zeit seiner Einberufung zur Fahne vom Dezember 1870 bis März 1871 in Stral­sund und Spandau als Wächter von französischen Kriegsgefangenen verwendet worden war, eine Kriegsteilnehmerschaft herleiten wollen und demgemäß eine anderweite Festsetzung seiner Pension in Antrag gebracht. Der Antrag ist der obigen Entscheidung gemäß abgelehnt worden.

Von der Expedition gegen Simon Copper wird aus Deutsch-Südwestaftika weiter amtlich gemeldet: Die Werst Simon Coppers wurde da­durch aufgefunden, daß man der Spur einer Bande folgte, die am 8. März eine deutsche Pa­trouille am Auob überfallen hatte. In dem Gefecht am 16. März stand der ganze Orlog Simon Coppers und Lambetts mit über 200 Mann und mehr al» 100 Gewehren unserem Kamelreiterkorps gegenüber. Der Gegner ver­lor zwei Eroßleute, darunter einen Bruder Simon Coppers. Der infolge der großen An­strengungen und Entbehrungen sehr geschwächte Zustand der Kamele, sowie Mangel an Wasser verboten eine weitergehende Verfolgung; auch machte sich die Nähe der englischen Grenze hin- dernd geltend.

Die ®eneraÖow«tifpoe der Gewerkschaften Deutschland, bat ihren Bermögensstand um rund 94 000 .Ä im Jahre 1907 vermehren können

bei einer Eesamteinnahme von 574 943.87 JL Die Ausgabe, deren Hauptposten Agitation und Verwaltung mit rund 130 000 -ü find, hat rund 226 000 M beansprucht. Ein besonderes Konto ist für Streiks und Aussperrungen eröffnet. Ob­wohl die Eeneralkommission nur in Ausnahme­fällen hierbei einspttngt, hat sie doch über 200 000 M noch dafür verausgabt. Ein nicht unerheblicher Bettag davon ist ins Ausland ge­wandert, nach Bulgarien 6 000 «M, nach Nor­wegen 10 000 <M, nach Ungarn 3 000 »M, an- das Streikkomitee der Textilarbeiter in Lodz 29 557.20 cU und an die Bäcker in Warschau 1210. Die Abrechnung zeigt, wie gut es diese antikapitalisttsche" Vereinigung versteht, nach kapitalistischen Grundsätzen zu arbeiten.

Die deutschen Parteien der Provinz Posen, der Bund der Landwirte, der konserva­tive Zentralverein, die freisinnigen Bezirksver, bände Posen und Bromberg, der Verband der Vereine deutscher Katholiken und der Ostmar- kenverein haben vor der letzten Reichstagswahl, im Januar 1907, ein Kompromiß für die Reichs- und Landtagswahlen zu gemeinsamem Vor­gehen geschlossen und einen gemeinsamen Wahl­aufruf erlassen. Dies Kompromiß, auf Grund des gegenwärtigen Besitzstandes, gilt also auch für die bevorstehende Landtagswahl. Beson­dere Verhanlungen haben jetzt wegen der Land­tagswahlen nicht stattgefunden, da es ihrer gai nicht bedarf.

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* Bon König Manuel IT. Lissabon, 23. März. Die Meldung eines Madrider Blattes, daß sich die Slrrnmunbe des Königs von Portu­gal verschlimmert habe und die Aerzte von Am­putation sprechen, entbehrt jeder Begründung.

* * Simplon-Konferenz. Paris, 23. März. Aus Bern wird berichtet, daß die Verhand­lungen der französisch-schweizerischen Simplon- Konferenz bis zum August vertagt wurden, und zwar infolge der Weigerung des Bundesrates, den Vorschlag betreffend eine Eisenbahnlinie Moutier-Eranges zu erörtern. Man hege ange­sichts der Vertagung die Besorgnis, daß die Re­gelung der Frage der französischen Zufahrts­linien zum Simplon auf überaus große Schwie­rigkeiten stoßen werde.

* * Ein Finanzskandal in Frankreich. Paris, 23. März. Der Finanzier Röchelte wurde heute verhaftet. Vor seinem Bureau in der Rue Blanche, das geschlossen ist, versammelte sich eine großen Menschenmenge. Der Zutritt wurde von der Polizei verhindert. Die Verhaftung ver­ursachte an der Börse eine Bewegung, welche auf die von Rochette an der Börft eingeführten Werte starken Druck ausübte Der 32jährige Spekulant Rochette hatte in* Laufe weniger Jahre über ein Dutzend industrieller und finan­zieller Unternehmungen gegründet, darunter eine Banque Franco-Espagnole und eine Marok­kanische Fischereigesellschaft, für welch letztere er auch einige politische Persönlichkeiten zu gewin­nen wußte. Rochette soll für mehr als 80 Mill. Frcs. Aktien ausgegeben haben, deren Kurse er durch Veröffentlichung gefälschter Ausweise und Reklamen außerordentlich in die Höhe zu trei­ben verstand und von denen mehrere heute eine fast vollständige Entwertung erfahren haben. Unter den Geschädigten befinden sich Tausende von kleinen Sparern, welche Rochette durch eigens von ihm ausaeaebenen Finanzblätter an- zulocken wußte. Rochette war in seiner Jugend Kellner in einem Bahnhofsrestaurant gewesen. Seine Verhaftung erfolgte unter der Beschuldig­ung des Vertrauensbruches, der Veruntreuung und des Betruges.

* * Bon der russischen Marine. Petersburg, 23. März. Auf kaiserlichen Befehl wird eine außerordentliche Besichtigung aller russischen Kriegshäfen und Küstenbefestigungen in der Ostsee und im Schwarzen Meere stattfinden. Mehrere Admiräle sind zur Vornahme dieser Besichttgung, die innerhalb von zehn Tagen be­endet sein muß, gestern abgereist.

* * von Haiti. Port-au-Prince, 23. März. General Firmin und andere Revolutionäre, die sich in das französische Konsulat zu Eonaives ge­flüchtet hatten, haben fich gestern anf dem fron« zöfischen KreuzerD'Estt^es" eingeschifst, der nach Saint Thomas abging.

* * Aus Makedonien. Konstant'nopel, 23. März General Robilant ist den Machten, der P^or.e und den hiesigen Botschaften Ottens Ita­liens als Kandidat für den durch brn Tod bee Generals Degiorgis erledigten Poster des Een- darmeriekornmandanten von Macedortten nott- ftziert worden.