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JMS 71 Airchh a!n und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. _ -tnno Druck und Verlag: Iah. Ang. Koch, Universttatsbuchdruckeret M ö
1 — Der Bezugspreis beträgt durch die Vost 2,25 ML (ohne Dienstag 24. März 1908. Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg,'Markt21. — Telephon55-
Bestellgeld», bei unfern ZeitnngSstellen und der Expedition 2 ML n _____
Umschau im Auslände.
Der englische Minister des Auswärtigen, Sir Edward Grey, der erst im Unterhause eine durchgreifende Justizreform, sowie die Einsetzung eines Generalgouverneurs in Mazedonien forderte, sodann dieses Verlangen auch in einer an die Mächte gerichteten Note formulierte, hat damit in die ohnehin recht schwierige Lage im Orient neue Zersplitterung und Verwirrung htneingetragen. Selbst eine Kollektivnote würde die Pforte, die sich ja bereitwillig zu Verwaltungsreformen und zur Einrichtung eines abendländischen Gendarmeriekorps in Mazedonien verstanden hat, schwerlich dazu bestimmen, dem unruhigen Lande einen eigenen Generalgouver- »eur zu geben und es damit zu einem zweiten Kreta, ja zu etwas Schlimmerem zu machen, da nicht bloß ein einziges christliches Volk, sondern ihrer drei oder vier Anspruch auf Mazedonien erheben. Doch ist nichts unwahrscheinlicher, als daß der britische Vorschlag von den Mächten als geeignete Grundlage zu einer Kollektivnote anerkannt wird. Das Deutsche Reich hat sich zunächst zu keiner Eegenäußerung entschloßen, es will, wie in allen Orientfragen, im Hintergrund -leiben und zunächst abwarten, wie Oesterreich- Lngarn und Rußland sich dazu äußern. Nunmehr gewinnt es den Anschein, daß diese beiden Mächte sich keineswegs der Haltung Englands anschließen, sondern sich untereinander über Gegenvorschläge verständigen werden, was als Zeichen der Fortdauer des österreich-russischen Einvernehmens ja mit besonderer Freude zu begrüßen wäre.
Italien, das sich bisher auffallend in das Fahrwasier der britischen Politik begeben hatte »nd dadurch in einen merklichen Gegensatz zu Oesterreich-Ungarn geraten war, hat seit der letzten großen Rede Tittonis seinen alten Platz wieder eingenommen und dementsprechend beginnen denn auch die einflußreichsten Blätter Roms den abenteuerlichen Signalen Englands Mißtrauen und Abneigung entgegenzusetzen. — Am 25. März trifft das deutsche Kaiserpaar mit dem Prinzen August Wilhelm und der Prinzessin Viktoria Luise in Venedig ein und es darf wohl gehofft werden, daß es dem als lebhaften Bewunderer Italiens bekannten Herrscher gelingen wird, im vertrauten Gespräch mit dem von Tittoni begleiteten König von Italien — als Vertreter unseres Auswärtigen Amtes wird der Gesandte Frhr. v. Jenisch anwesend sein — gewiße Grundlinien für eine gemeinsame Orientpolittk der Mächte des Dreibuydes mit Erfolg zu befürworten. „
Während die auswärtige Politik Oesterreich- Ungarns unter dem Frhrn. v. Aehrenthal wieder einen frischen, unternehmenden Zug angenommen hat, krankt die innere an den alten Uebeln. Erfreulich ist, daß wenigstens die deutschen Parteien der westlichen Reichshälfte sich wieder enger zusammenzuschließen beginnen. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Oesterreich und Ungarn in der Frage der Rekrutenvermehrung und der Offiziersgehälter dauern an. In Ungarn hat der neugewählte Kroatische Landtag mit leidenschaftlichen Beschimpfungen des Banns Baron Rauch, der als „Lakai Un-
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Die weiße Frau von Oldensloe.
Original-Roman von O. E l st e r.
(Fortsetzung.)
Auf meinem Zimmer fand ich folgenden Brief:
„Mein lieber Neffe und Stiefsohn!
Obgleich Du mich im Zorn verlaßen und jeden Verkehr mit mir abgebrochen hast, habe ich mir doch genug verwandtschaftliches Gefühl für Dich bewahrt, um für Deine Zukunft zu sorgen. Du hast mir verboten, über das Geheimnis Deiner Abstammung zu sprechen. Du hast mir sogar gedroht und ich muß gestehen, daß ich eine Zett lang so ärgerlich über Dein Betragen war, daß ich beschloß, mich gar nicht mehr mit der Angelegenheit zu befaßen. Nach und nach aber kam mir zum Bewußtsein, daß Deine Drohungen nur leere Worte waren, denn wolltest Du Deine Drohung wahr machen, dann würde ja gerade der Zweck, jenes Geheimnis nicht der Oeffent- ltchkeit preiszugeben, vereitelt. Ich dachte auch an Deinen Vater, der sein ganzes Leben gestrebt hatte, jene Paprere zu bekommen, die ich Dir übergeben habe. Er würde rücksichtslos seine Rechte geltend gemacht und die Ehre seiner Mutter und seine eigene wieder hergestellt Haren. Das alles erwog ich bei mir und kam zu dem Schluß daß man Dich auch gegen Deinen Willen glücklich machen müße. Ich wartete nur auf eine paßende Gelegenheit, denn ich wollte Nicht den Anschein erwecken, daß ich aus eigen- NÜtzigen Gründen handelte. Mein Vorteil oder Nachteil bleibt dabei ganz au» dem Spiel«.
garns" bezeichnet wurde, jede Brücke zur Regierung abgebrochen und den Hader auf di« Spitze getrieben. Nicht geringere Sorge verursacht auch eine ernstere Unpäßlichkeit de» Kaisers und Königs, der bereits im 78. Lebensjahre steht.
Auch Rußland lernt nun all« Freuden und Leiden des Parteiwesens kennen. Durch Ablehnung der geforderten Flottenkredit« in der Landesverteidigungs-Kommission der Duma ist eine starke Spannung zwischen Regierung und Volksvertretung entstanden.
Ein paar kleine Erfolge des General, d'Amade haben in Paris das bekannte Eloire- fieber erzeugt. Der konservative „Eaulois" spricht bereits von der Kündigung der Alge- ciras-Akte, damit Frankreich endlich freie Hand bekomme und die Früchte seiner Opfer ernte. In der ministeriellen Preße ist ein prompte» Dementi erfolgt. Immerhin verdient es Beachtung, wie rasch die Skala patriotischer Hochgefühle auch im heutigen Frankreich durchmeßen wird.
In dem stets zu politischen Sprüngen geneigten Norwegen hat ein radikales Kabinett da» bisherige gemäßigte abgelöst.
Die Regierung der Negerrepublik Hattt hat auf Verschwörungen und Attentatspläne der Opposition mit Blutbädern geantwortet. Deutschland, Frankreich, zuletzt auch England, haben zum Schutz ihrer Staatsangehörigen Kreuzer auf die Reede der Hauptstadt Pott au Prince entsandt. Die Franzosen haben Verhandlungen angeknüpst, der Kommandant unseres Kreuzers „Bremen" aber hat durch entschiedenes Auftreten viel rascher zum Nachlaßen der Unruhen beigetragen. Die Haitianer e.rinnern sich noch sehr wohl an di- Lektionen im guten Ton, die ihnen 1872, 1897, 1901 durch deutsche Kriegsschiffe erteilt worden sind.
Deutsches Reich.
— D«r Kaiser empfing am Samstag den Bauinspektor Weiß zur Vorlage von Plänen für das Offiziersgenesungsheim im Taunus.
— Da» Staatsministerium trat am Samstag zu einer Sitzung unter dem Vorsitz Bülows zusammen. — Der „Staatsanzeiger" meldet: Der Direttor im Justizministerium Dr. Lucas wurde zum Wirklichen Geheimen Rat mt dem Prädikat Exzellenz ernannt.
— v. Podbielski Landtagskandidat. Der frühere Landwirtschaftsminister v. Podbielski erklärte sich in einer am Samstag abgehaltenen, von 6—700 Personen besuchten Versammlung des Bundes der Landwitte zu Diepholz bereit, eine Landtagskandidatur für den Wahlkreis Diepholz anzunehmen.
— Der nett« Gesetzentwurf über den Woh- nungsgeldzuschuß und die Ortsklaßen-Einteilung soll nach einem Berliner Blatt neun Ortsklassen vorsehen. Der Wohnungsgeldzuschuß soll in Zukunft betragen: Für mittlere Beamte: Klaße I 810 X Kloße H 740 X Klasse III 680 M., Klaße IV 610 X, Klasse V 540 X Klaße VI 470 X Klaße VH 420 X, Klaße VIII 340 X, Klaße IX 270 X für Unterbeamte: Klaße I 540 X Klaße II 500 X Klaße III 450 X
Die Gelegenheit fand sich bei dem Begräbnis des jungen Grafen, der Tod desselben enthebt Dich jeder. Bedenklichkeit, Deine Rechte geltend zu machen, denn nun bist Du der letzte Erbe des alten Namens. Ich kam zur Beisetzung. Durch den alten Martin, deßen Freundschaft ich mir zu erwerben wußte, erfuhr ich, in welch freundschaftlichem Verhältnis Du zu der gräflichen Familie stehst, erfuhr auch, daß Deine Großmutter noch lebt und daß Du auch mit ihr in Verkehr stehst. Durch den alten Mattin wurde mir auch die Zusammenkunft mit der jungen Komteße ermöglicht. Diese als letzte ihres Stammes, schien mir die geeignetste Persönlichkeit ihr diejenigen Mitteilungen zu machen, deren Geheimhaltung Du mir aus ganz unbegreiflichen Gründen anbefohlen hattest. Sie nahm die Mitteilungen zuerst sehr ungläubig aus bis ich ihr unzweifelhafte Beweise der Wahrheit gab. Ihr Erschrecken war gewiß ganz natürlich: aber ich bewunderte ihre Faßung, mit der sie mir erwiderte: wenn sich alles so verhalte, wie ich ihr gesagt, dann solle Dir Dein Recht werden.
Ich habe nun den Grund gelegt, aus den Du weiter bauen kannst, wenn Du fiug bist. Ich fordere keinen Dank von Dir und keinen Lohn, ich habe ganz uneigennützig gehandelt. Ich rate Dir nur, einen guten Vergleich einem teuren und immerhin ungewißen Prozeß vorzuziehen.
Solltest Du mich hier aussuchen wollen, so wäre das vergebliche Mühe. Wenn Du meinen Brief erhältst, bin ich schon abgereist. In meiner Wohnung in der Stadt bin ich jedoch für Dich jederzeit zu sprechen.
Dein Dir stet» wohlgestnnter Onkel und Stiefvater."
Klaße IV 410 X Klaße V 360 X Klaße VI 320 X Klaße VII 270 X Klaße VIII 230 X Klasse IX 180 X Die Beamtinnen erhalten einen geringeren Wohnungsgeldzuschuß als ihr« männlichen Kollegen (in der I. Klasse z. B. 570 M). Zu Klaße I gehören 6 Otte, unter ihnen Berlin, Frankfutt a. M. Zu Klaß« n zehn Orte unter ihnen Wiesbaden. Zu Klaße III 21 Orte, unter ihnen Köln, Heidelberg, Mainz, München. Zu Klaße IV 32 Otte, z. B. Dottmund, Eßen, Hamburg, Leipzig, Ki«l, Potsdam. Zu Klasse V 58 Orte, z. B. Augsburg, Baden-Baden, Bochum, Darmstadt. Zu Klasse VI 175 Ortschaften, z. B. Braunschweig, Hildesheim, Bremerhaven, Kreuznach. Zu Klaße VII 354 Otte. Zu Klaste VIII 739 Orte. Zu Klasse IX 11323 Ortschaften. Es ist jedoch fraglich, ob die Einzelheiten jetzt schon alle so feststehen.
— Die Abwehrmaßregeln der Reichstagsjournalisten, — der Ausdruck Streik, den wir am Samstag brauchten, trifft nicht die Sache, — dauern noch an, weshalb unsere Leser auch heut« keinen Reichstagsbericht finden. Zu dem Stteit wird gemeldet: Wettere Sympathiekundgebungen gingen den Reichstags-Journalisten zu von Tageszeitungen, sowie vom Verein der Niedersächsischen Presse, Hannover, dem Journalisten-Ver- ein Karlsruhe, vom Landesverband hessischer Zeitungsredakteure Darmstadt, de.r Journalisten des hessischen Landtages, den Kammerjournalisten (mit Ausnahme des Zenttums) in München, der Vereinigten Königsberger Preße, der Vereinigung der Parlamentsberichterstatter in Wien und dem Verein Tagespreße in Marseille. Der Verein der deutschen Zeitungsverleger, der zurzeit in Berlin gerade eine Tagung hat, erklärte sich gleichfalls mit der Journalistentribüne vollkommen solidarisch. Einer am Samstag stattgefundenen neuerlichen Versammlung ging die Mitteilung zu, daß der Präsident des Reichstages den Preßevertretern volle Genugtuung zu geben wünscht und den Wunsch nach neuen Besprechungen ausdrückte. Eine Abordnung von drei Herren wurde gewählt, die ohne Auftrag im einzelnen mit dem Präsidenten verhandeln soll, sobald dieser das Präsidium an den im ersten Teile der heutigen Sitzung als Kommissionsberichterstatter fungierenden Vizepräsidenten Paasche abgeben kann. Der Präsident des Reichstags machte der Kommission der Reichstagsjournalisten folgenden Vorschlag: Die Journalisten bedauerten das Vorkommnis auf der Tribüne. Der Abgeordnete Gröber nehme darauf seinen beleidigenden Ausdruck mit Bedauern zurück. Die Journalistenversammlung lehnte diesen Vorschlag mit 84 gegen 2 Stimmen als unannehmbar ab. Die eingesetzte dreigliedrige Kommission wurde darauf in Permanenz erklärt; sie wird versuchen, im Laufe des morgigen Tages durch weitere Verhandlungen die Angelegenheit beizulegen und der Versammlung der Journalisten am Montag ^12 Uhr Bericht erstatten. Den Reichstagsjournalisten gingen
Dieser heuchlerische Brief setzte mich in höchste Erregung. Ich erkannte in ihm den ganzen intriguanten Charakter meines liebenswürdigen Oheims wieder und sehnte mich förmlich darnach, ihn zur Rechenschaft ziehen zu können.. Aber wie sollte ich diesem schlauen Fuchs beikommen? Er hatte ganz recht, wollte ich das Geheimnis bewahren, fo durfte ich auch seine Gaunerei nicht an die Oefsentlichkeit ziehen. Auf andere Weise, wie es unter Ehrenmännern Sitte ist, von ihm Rechenschaft zu fordern, würde bei seinem Charakter vergeblich gewesen sein; ihn zu behandeln aber, wie er es verdiente, dazu hielt ich mich für zu gut; zu Tätlichkeiten wollte ich mich nicht hinreitzen laßen.
So mußte man ihn denn seinem Schicksal überlaßen, hoffend, daß dieses ihm schon die gebührende Strafe für all seine Gaunereien zusenden würde. •
Es war ja jetzt auch einerlei, was aus ihm wurde. Jetzt gatt es, einen Ausweg aus all den Wirrnißen zu finden, in welche seine Indiskretion uns alle gestürzt hatte. Den ganzen Tag über sann und grübelte ich darüber nach, ohne einen Ausweg zu finden. Von der gräflichen Familie sah ich niemanden. Auch die Gräfin- Witwe ließ sich nicht sehen, obgleich ich sehr wünschte mit ihr zu sprechen und ihr, meiner mütterlichen Freundin mein Herz auszuschütten.
So kam der Abend heran, ein dunkler, regnerischer Spätsommerabend. Ruhelos ging ich auf meinem Zimmer auf und ab. Der Wind brauste um den alten Turm und wühlte in den regennassen Wipfeln der Bäume draußen im Park, während ab und zu ein Regenschauer gegen die Fenster prasselte. Wenn ich dem Grafen nicht versprochen hätte, feine Nachrichten
Erklärungen vom „Daily Expreß", dem „Dail- Telegraph", der «Daily Mail" und dem „Standard" zu, daß sie bei Nichterledigung des Streit» falles auch am Montag über die Verhandlungen des Reichstages über die auswättige Polittk keine Zeile veröffentlichen würden. Auch die übrigen englischen Zeitungen würden sich ihnen voraussichtlich anschließen. Die Vettreter de« „Figaro", des „Slatin“ und des „Temps" schloffen sich der englischen Preße an und erklärten ebenfalls, bis zur Erledigung des Streitfalles nichts über die Reichslagsverhandlungen zu veröffentlichen, auch nicht am Montag über auswärtige Polittk. Die ganze deutsche Presse ist bis auf die des Zentrums einig, nichts über di« Verhandlungen zu veröfsentlichen. Auch die Redaktion der „Kreuzzeitung", die infolge unzulänglicher Information sich gestern dem Vorgehen der Reichstagsvertreter noch nicht ange- schloßen hatte, ließ die Erklärung abgeden, daß sie, so lange die Angelegenheit nicht in einer den Ansprüchen der Journalisten entsprechenden Weise erledigt sei, nicht einmal von den Regierungserklärungen Vermerk mehr nehmen werde, sondern sich lediglich auf die Mitteilung der Beschlüße beschränken werde. Fürst Bülow, der heute über die auswärtige Politik sprechen will, soll sich nach der „Frkst. Ztg." mit dem Grafen Stolberg ins Einvernehmen gesetzt haben, da ihm begreiflicherweise dieser „Ausschluß der Oefsentlichkeit" nicht gerade sehr angenehm wäre.
— Deutsche Feste in Venedig. Venedig, 22. März. Beim deutschen Konsul fand gestern Abend zu Ehren der Offiziere der hier anwesenden deutschen Kriegsschiffe ein Empfang statt, zu welchem die Spitzen der Behörden usw. erschienen waren. Die Musikkapelle der „Hohenzollern" spielte während des Empfanges.
— Die Geltung der Bestimmungen des § ? d«s Vereinsgesetzes. In den Bezirken der un« teren Verwaltungsbehörden, die mehr als 60 Prozent Einwohner nichtdeutscher Zunge ent- halten, soll während der ersten 20 Jahre nach dem Inkrafttreten des Gesetzes auch eine andere als die deutsche Sprache in Versammlungen unbeschränkt gebracht werden können. Nach der letzten Volkszählung kommen 47 Kreise in Betracht In 42 Kreisen würde die polnische, in 2 die kaßubische und in 3 Kreisen (Hadersleben, Sonderburg und Apenrade) die dänische Sprache als Versammlungssprache giltig sein. Die Frist von 20 Jahren kommt dem französisch sprechenden Teil des Elsaß nicht zu gute, da dieser nirgends 60 Prozent erreicht. In Lothringen hätte nur ein Kreis mit über 60 Prozent französisch Redenden das Recht. Der Paragraph enthalt bekanntlich auch die Befttmmung, daß die Landesgesetzgebung Ausnahmen noch treffen kann.
— Aus Kamerun, lieber die Expedttion nach Kamerun, bei welcher Hauptmann Glau- ning getötet wurde, wird nunmehr amtlich gemeldet: Um die bevorstehenden Arbeiten der Erenzkommißion an der deutsch-englischen Westgrenze von Kamerun zu ermöglichen, mutzten die
abzuwarten, so wäre ich sicherlich noch am gleichen Tage abgereist; was sollte ich noch hier, wo alle meine Hoffnungen vernichtet waren.
In schmerzlichem Sinnen gedachte ich der schönen Tage im vorigen Sommer, wo mir die Wett noch in voller Blüte zu stehen schien. Ich dachte an Amalgunde, die mit damals in harmloser Freundschaft entgegengekommen war, dre, wie ich wohl fühlte, sich allmählich in ein wärmeres Gefühl verwandelt hatte. Ich gedachte der Abschiedsstunde an dem Grabe meines Vaters wo wir beide in unserem Herzen gelesen, wo wir Abschied nahmen mit dem beglückenden Bewußtsein gegenseittger Liebe. Ich dachte an unser Wiedersehen, als schon der Tod am Lager des armen Lothar stand; ich dachte an ihr« Tränen, und doch an das sanfte, freudige Lächeln und den innigen Druck ihrer Hand, womit sie mich begrüßte. , „ .
Ich dachte an all die schönen, stillen, von den innigsten Gefühlen erfüllten Stunden, die ich an ihrer Seite hatte verleben dürfen; ich dachte an die traurigen von Todesschatten umflorten Tage der letzten Wochen, an die Schmerzen, an die Tränen der letzten Tage, die wir gemeinsam verlebt — ich dachte an all das an unsere Liebe an unsere gemeinsame Trauer, an unseren gemeinsamen Schmerz — und.die Tranen perlten mir brennend heitz über die Wangen.
Alles war jetzt vorüber, ihre Liebe, ihr Vertrauen, ihre Freundschaft! Ich hatte keinen Teil mehr an ihrem Leben, da ich ihr Vertrauen verloren. Ich war ein Fremder für sie geworden, der sogar die Hand nach ihrem Namen, nach ihrem Gut ausstreckte, der dem toten Bruder im Grab« noch feine Ehre, seinen Nam« rauben wollte. (Forts. folgt.)