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OßerWD Jdfitng mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain w> bett KeUageit: ^Literarischer Anzeiger«,Ltmdwirtschastliche Kritage« w»Illnftrirrtr« K-tmtag-blatt«.

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Marburg

Mittwoch. 18. Mäq 1908.

Die Jnsertionsgebühr beträgt fite dir 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Bug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg.

Zweites Blatt.

Ansiedlung unter Enteignung in England.

In.dem englischen Jndustriestaate hat die Dezimierung der durch keine Zölle geschützten landwirtschaftlichen Bevölkerung natürlich sehr viel stärkere Fortschritte gemacht als bei uns. Während die Gesamtbevölkerung Englands (d. h. nur England und Wales) in den 50 Jah­ren von 18511901 von 18 auf 32,5 Millionen stieg, verminderte sich die landwirtschaftlich tätige Bevölkerung gleichzeitig von 1 376 000 aus nur 727140 Personen beiderlei Geschlechts.

Die nachteiligen Folgen dieser Volks- und Derussverschiebung müssen sich nach den ver­schiedensten Richtungen hin auch in England zeigen. Einmal in dem Mangel an inländischen Agrarprodukten, der wieder das drohende Ge­spenst der Hungersnot im Falle ernster kriegeri­scher Verwicklung mit behinderter Einfuhr her­aufbeschwört. Zweitens fehlt es ebenso wie wie an agrarischen Produzenten natürlich auch av agrarischen Konsumenten englischer Jndustrie- artikel. Endlich aber leidet die Wehrfähigkeit der Nation so sehr unter dem Verschwinden einer landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung, daß England schon seit Jahren in steigendem Mähe Mühe hat. für fein »ne ne$

niigönde Zahl wenigstens einigermaßen körper­lich tauglicher Rekruten anzuwerben.

Diese Uebelstände sind es neben den bei jeder Stockung in der industriellen Konjunktur ge­waltig anschwellenden Masten Arbeitsloser, welche die englische Regierung zu dem Versuche gedrängt haben, eine vermehrte Besiedelung de« platten Landes, eine Wiederbelebung des Acker­baues auf den vielfach in Jagd- und Weideflä­chen umgewandelten Felder zu versuchen. Zu diesem Zwecke sind die Erafschaftsräte durch Gesetz verpflichtet worden, eventuell im Wege der Zwangsenteignung eine bestimmte Mindest- Bodenfläche zur Ansiedlung neuer Landwirte zu kaufen oder zu pachten. Wenn die Erafschafts­räte dieser Aufgabe nicht oder nicht in genügen­dem Umfange nachkommen, so ist die Zentral­regierung berechtigt, durch eigene Kommistare auf Kosten der Grafschaften die Absichten der Ge­setzgebung durchzuführen.

Ob es wohl der englischen Regierung auf diesem Wege gelingen wird, eine dauernde starke Zunahme der bisher im Aussterben begriffenen landwirtschaftlichen Bevölkerung zu erzielen? Wir bezweifeln das solange, als die eigentliche Ursache für die Verödung der englischen Land­wirtschaft fortbestehen bleibt, solange als die Früchte bei Arbeit auf der englischen Ackerscholle

Graf Schulendmg, der Held von Korfu.

Von Dr. Hans Hastelkamp.

(Schluß.)

Der schwache Punkt der ganzen Verteidigung war ein gewisses Werk am Fuße der neuen Festung, in der Nähe der sogenannten Punta Perpetua. Dieses Werk wurde Scarpon ge­nannt, und Schulenburg tat alles, um diesen Punkt, wie die Verteivigungswerke überhaupt, so stark wie möglich zu machen. Allein die Zeit war zu kurz; schon am 8. Juli setzten die Türken ihren Fuß ans Land. Nach der Seeseite zu konnte die Festung allerdings als gesichert gel­ten, da es der venezianischen Flotte gelungen war, den Hafen zu erreichen. So konzentrierte Schulenburg alle seine Aufmerksamkeit auf die Landseite, und während zweier Wochen, vom 8. bis zum 25. Juli, war die gesamte arbeits­fähige Mannschaft in der Festung mit höchster Anstrengung tätig. Was zu leisten war, ward in dieser Zeit geleistet, und es war um so be­wunderungswürdiger, als die ganze Zeit des Kampfes um Korfu über eine furchtbare Hitze herrschte, die Menschen und Arbeiten lähmte. Immerhin, als die Türken ankamen, waren die Verteidigungswerle doch eben nur notdürftig in die nötige Verfassung gebracht.

Sie kamen aber am 28. Juli des Jahres 1716. So lange hatten sie zu den Vorbereitungen gebraucht. Sie kamen vom Norden her und be­setzten die Vorstadt Manduchio, aus der sie aber Schulenburg am nächsten Tage wieder hinaus­trieb. Er unternahm dies Gefecht um seine Mannschaft zu üben und ihr Mut einzuflößen. Sogleich aber begannen nun die Türken ihre An­griffe. Sie umschwärmten die Werke und die Hügel, zogen mit großer Geschicklichkeit Paral­lelen und griffen energisch an, und es gelang ihnen bald, einen großen Erfolg zu erringen. Schon am 3. August gerieten die Höhen von Abraham und S. Salvadore in die Hände der JDsmanen, und da» war ein sehr empfindlicher Verlust,' denn von hier aus beherrschte der Feind

durch schrankenlose Konkurrenz überseeischen Wettbewerbs entwertet und beiseite geschoben werden.

t Deutsches Reich.

Hebet die Kriegsflotten bet größeren Seemächte können im allgemeinen Vergleiche nur angestellt werden auf Grund der Zahl und der Tonnage der Fahrzeuge. Eine dem englischen Parlament zugegangene Denkschrift berechnet danach den Stand am 1. Januar, wobei nur die vollständig ausgerüsteten und im Dienst befind­lichen Fahrzeuge und von diesen nur die zwan­zig Jahre und darunter alten Fahrzeuge gezählt sind. Es ergibt sich dann folgendes Bild: Eng­land besitzt 52 Linienschiffe mit 772 300 Tons und 33 Panzerkreuzer mit 385 COO Tons, zu­sammen 1157 300 Tons. Es folgen die Ver­einigten Staaten non Amerika mit 25 Linien­schiffen, die 358 200 Tons, und mit 11 Panzer­kreuzern, die 134 700 Tons repräsentieren. Die Eesamttonnage beträgt somit 492 200 Tons, das ist noch nicht die Hälfte des englischen Anteils. An dritter Stelle steht Frankreich. Es besitzt 21 Linienschiffe mit 239 200 Tons und 19 Pan­zerkreuzer mit 167 000 Tons, zusammen 406 200, also etwa ein Drittel der englischen Kriegs­schiffstonnage. Der vierte Platz in der Reihe der großen Seemächte kommt nach dieser Auf­stellung Deutschland zu, das über 22 Linien- WH; 260 000 Tons und 8 Panzerkreuzern mU 80 000 Tons verfügt. Der deutsche Tonnage­besitz bleibt also um 66 000 Tons hinter dem französischen, um 153 000 Tons hinter dem nord­amerikanischen und um 817 000 Tons hinter dem englischen zurück. Schließlich ist noch Japan zu nennen mit 13 Linienschiffen, die 184 100 Tons, und 11 Panzerkreuzern, die 111000 Tons re­gistrieren. Dieser Seemacht ist also Deutschland hinsichtlich des Tonnage-Anteils nur um 45 000 Tons überlegen. Das Entscheidende aber, was bei einem solchen Vergleiche herauskommt und sich geradezu mit zwingender Kraft aufdrängt, ist die gewaltige Ueberlegenheit der englischen Flotte. Der sog. Zwei Mächte-Standpunkt, den der Schatzkanzler Asquith am 2. d. M. als den unveränderlichen und unveräußerlichen Maßstab für die englische Flotte bezeichnet hat, ist nicht nur voll gewahrt, er ist sogar weit überschritten. Eine Vereinigung der Flotten der Vereinigten Staaten und Frankreichs bliebe noch um rund 260 000 Tons hinter der englischen Flotte zurück. England könnte also dieser, übrigens völlig unwahrscheinlichen Kombination nicht nur eine völlig gleichstarke Macht, sondern obendrein noch eine Flotte von der Größe der ganzen deutschen Linienschiffsflotte entgegenstellen! Und nun erst gegenüber anderen Kombinationen. Deutschland und Frankreich würden zusammen

alle Außenwerke. Jetzt galt es also das Aeußerste. Schulenburg schlug sein Hauptquar­tier unter der Porta Reale, in unmittelbarem Angesichte des Kampfplatzes auf, und dieses Quartier hat er, solange die Belagerung dauerte, nicht mehr verlassen.

Von der berühmten Spianata oder Espla- nada von Korfu aus genießt man auf das Meer, Berge und Stadt einen Blick, der mehr einem Märchenreiche als irdischer Wirklichkeit anzuge­hören scheint. Wie eine Vision von Schönheit schwimmt das Eiland auf dem blauen Eriechen- meere. Damals aber, in den glutheißen August­tagen des Jahres 1716, drängte sich eine wilde und grausame Wirklichkeit in dieses Märchen­bild. Die Geschütze donnerten, es quoll der Pul­verdampf, Flammen loderten dort und hier auf und Leichen bedeckten den Kampfplatz. Die Auf­forderung des Seraskiers zur Uebergabe hatte Schulenburg höflich und bestimmt abgewiesen, und so begannen denn sogleich die Türken ein nachdrückliches Bombardement, das sich mehr und mehr fühlbar machte, Tag und Nacht anhielt und die von Hitze, Kampf und Arbeit geschwächte Mannschaft ganz zu überwältigen drohte. Schu­lenburg tat gegen die Plage der Hitze, was er tun konnte, suchte für Schatten in den Gräben zu sorgen und ließ Fässer mit frischem Trink- waster herbeischaffen. Sehr beschwerlich war ihm die ganz unzeitige Sparsamkeit, die die Vertreter der Republik während dieser gefähr­lichen Zeit an den Tag legten. Mit Mühe drückte er zwei Saldi täglicher Zulage für jeden Soldaten, 48 Unzen Reis und etwas Wein und Oel als außerordentlichen Beitrag durch. Den­noch gelang es dem trefflichen Manne der sich selbst nicht schonte und Überall die größte Umsicht entwickelte, seine Mannschaft leistungsfähig und in leidlicher Stimmung zu erhalten. Aber es kam ein Tag der höchsten Gefahr.

Das war der berühmte 19. August. An die­sem Tage gelang es den Ungläubigen, jenes Werk Scarpon, das von vornherein die Sorge Schulenburgs gebildet hatte, zu stürmen. Gleich gruben sie sich dort ein. Aber es war dem Feld- marschall klar, daß die Eroberung des Scarpon«

746 000 Tons aufbringen können gegen 1187 000 Tons der englischen Flotte. Deutschland und die Vereinigten Staaten könnten zusammen über eine Flottenmacht von 830 000 Tons verfügen, blieben aber damit immer noch um 327 000 Tons gegenüber England im Nachteil. Damit ist aber die Ueberlegenheit Englands noch nicht erschöpft. Es kommt hinzu, daß bisher allein England die sog. Dreadnought-Panzerschiffe in größerer Zahl besitzt, es kommt weiter hinzu, daß die Schiffe der englischen Flotte ein sehr niedriges Durchschnittsalter besitzen, daß Eng­land in allen Weltteilen über Flottenstütz- punkte Kohlenstationen und Kabelverbindungen und schließlich noch über sehr wertvolle Abmach­ungen mit anderen Seemächten, so namentlich mit Frankreich und Japan verfügt. Wahrhaftig, mit vollem Recht konnte der Schatzkanzler Asquith vor dem llnterhause das stolze Wort aussprechen, daß die Vorherrschaft Englands un­angreifbar ist.

Beförderung von Milch. Der Minister bet öffentlichen Arbeiten hat, nachdem Klage darüber geführt ist, daß zur Beförderung von Milch nicht immer genügend gereinigte und ge­ruchfreie Wagen gestellt werden, die Eisenbahn- direktior.en aufgefordert, die Dienststellen anzu- weisen, zur Beförderung von Milch nur gründ­lich gereinigte und geruchfreie Wagen zu stellen. Die genaue Beachtung dieser Bestimmung soll überwacht werden. Des weiteren hat der Mi­nister die Eisenbahndirektioue» aufgefordert, zu prüfen, ob sich in ihrem Bezirke für die Verwen­dung von besonderen Milchwagen Gelegenheit bietet. Diese Milchwagen haben Hand- und Luftdruckbremse sowie Heizleitung unb sind mit Gestellen zur Aufnahme bei Kannen ausgerüstet. Die Gestelle können erforberlichenfalls abgeän- bert oder beseitigt werden. Die Wagen eignen sich besonders zur Beförderung größerer Sen­dungen Milch auf weitere Entfernungen.

lieber eine neue Art von gewerkschaft­lichem Terrorismus macht dasZentralblatt der christlichen Gewerkschaften" folgende Mitteilung: Der christliche Bergmann Johann Gaidt in Algringen (Lothr.) weigerte sich beharrlich, dem sozialdemokratischen Verbände beizutreten. Eine ganz neue Methode wurde ein»eführt, um ihn zu bestrafen und gefügig zu machen. Schon längere Zeit bemerkte der christliche Kollege, daß ihm ganze Wagenladungen mit Erz abhan­den kamen. Er legte sich mit seinem Schlepper auf die Lauer und erwischte auch am 14. Januar das Vorstandsmitglied des sozialdemokratischen Bergarbeiterverbandes, Stommel, auf frischer Tat. Dieser saubere Vertrauensmann gestand ein, daß et dem E. in einem Monat acht Wagen Erz weggenommen unb ihn so ganz empfindlich geschädigt habe."3n der sozialdemokratischen

die äußerste Gefährdung des ganzen Platzes be­deutete. Er erklärte bestimmt, man müsie die Türken aus dem Scarpon vertreiben, oder da« Leben lasten. Eine Variante des berühmten Franseckyschen WortesHier sterben wir!" Sechsmal mußte er zum Angriff ansetzen; den letzten Angriff führte er selbsL den Degen in der Faust und dieser gelang. Das heißumkämpfte Werk war am Abend wieder in der Gewalt des Löwen von San Marco. Aber freilich, war diese Gefahr überwunden, wer bürgte für den nächsten Tag? Eiligst setzte der Feldmarschall alles so gut als möglich wieder instand, und in Rücksicht darauf, daß die Besatzung des Scarpon sich nicht wacker gehalten hatte, setzte er auf künftige Feigheit die schwersten Strafen. Immer weiter aber dröhnten die Geschütze der Türken, und den wenigen Tausenden, die in der Festung kämpf­ten, stand beinahe die zehnfache Uebermacht draußen gegenüber. Niemals, so schrieb er am 21. August seinem Bruder, habe sich ein Kriegs­mann in solchen Umständen befunden. An die­sem 21. vor Sonnenuntergang verdoppelte der Feind fein Feuer, und nun erwartete man die ganze Nacht über einen Hauptangriff. Nach Mit­ternacht aber wurde es still. Patrouillen ver­nahmen vielen Lärm in den feindlichen Ver­schanzungen aber kein Angriff erfolgte. So brach der Morgen des 22. an. Der Feldmar­schall sandte wieder einige Abteilungen aus, um Kundschaft einzuziehen. Erstaunliche Nachrich­ten brachten sie: es waren keine Türken mehr in den nächsten Häusern und Laufgräben zu fin­den. Und kurz der Feind war abgezogen. Es war zu spät, um ihm noch großen Schaden zu tun; die Maste der Türken hatte sich schon ein- geschifst, aber allerlei Vieh, Pferde und Ar­tillerie fielen den Christen in die Hände. Was hatte den Seraskier zum Abzüge bestimmt? Da« war zweierlei: vor allem die Nachricht von dem großen Siege, den der Prinz Eugen am 5. Aug. Über den Eroßwestr bei Peterwardein errungen hatte, und dann die Meldung von der An­näherung bedeutender Hilfsgeschwader an Korfu. Am 25. August traf dieses Geschwader wirklich vor Korfu ein. Am Tage vorher war bereit»

Preste sucht man so bemerkt hierzu das Organ der christlichen Gewerkschaften vergebens eine Verurteilung dieser sauberen Tat." Es hieße aber doch, sich kühnen Illusionen hingeben, wenn man im Ernst eine Verurteilung noch sosau­berer" Taten durch die Sozialdemokratie erwar­ten wollte, wenn diese Taten den Zweck oder vielleicht sogar den Erfolg hatten, den sozial­demokratischen Gewerkschaften Mitglieder zuzu- führen. Durch Jammern und Protestieren macht man auf dieGenossen" wahrlich keinen Ein­druck. Nur wenn man den Kampf gegen die Sozialdemokratie als nackte Machtfrage behan­delt, kann man auf Erfolge rechnen.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Criginalartitel ist gemäß § 18 be8 Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe Lberhess. Ztg." gestattet.»

Marburg 17. März.

)( Zur Bahnhofserweiterung. Bei der gestrigen Submission zum Bau des Personen­tunnels wurden folgende Cffeilen abgegeben: Reissinq u. Zi-met-tarburg 1831,69 =41, I. Bie­ker-Cölbe 1668,03 H. I. Bieker-Cölbe 1678,91 <*., Mees-Castel 2028,64 Jt, Arndt- Cassel 3557,92 Jl, Fuchs u. Jäger-Cassel 2648,76 M, Schäfer-Hünfeld 2678,46 JL

* Unterlagen für Apothekenoermehnmg. In derPharmazeutischen Wochenschrift" findet sich folgende interessante Zusammenstelluno beir-k- feirS Vorschläge für die Äpothekenvermehrung in Hesten-Nastau, Regierungsbezirk Gaffel: die Pro­vinz Hessen-Nassau mit ihren 2 082 793 Einwoh­nern besitzt 249 Apotheken. Im Regierungs­bezirk Cassel mit 967 961 Einwohnern bestehen 126 Apotheken (darunter 8 Filial-Apotheken), Die Einwohner haben sich vermehrt seit 1902 um 77 818 Seelen, die Apotheken um eine. Im Stadtkreis Cassel mit 149 056 Einwohnern sind 10 Apotheken und eine Filialopotheke. Vorge­schlagen wird die Errichtung neuer Apotheken in Cassel: 1. im Aueviertel, 2. in der Weserstraße, 3. in Bettenhausen und 4. die Umwandlung der Filiale in Wilhelmshöhe in eine Vollapotheke. Im Landkreis Cassel mit 44 317 Einwohnern bestehen 2 Apotheken. Vorgeschlagen wird die Errichtung einer Apotheke in Niederzwehren. Im Kreis Fulda mit 59 669 Einwohnern be­stehen 5 Apotheken und 2 Filialapotheken, in Fulda mit 20 420 Einwohnern 3 Apotheken. Die neuen Stadtteile sind weit entfernt von der Altstadt und ohne Apotheke. Da zu Fulda eine gute und große Landkundschaft gehört, wird seit längerer Zeit die Anlage einer vierten Apotheke in Fulda verlangt. Außerdem wird gefordert Umwandlung der Filialapotheken in Hofbieber und Salzschlirf (Badeort) in Vollapotheken. Im Kreis Hanau mit 545 656 Einwohnern be-

unter dem Feuer sämtlicher Geschütze der Festung und der Flotte ein feierliches Tedeum abgehal­ten worden.

Der Jubel, den die Aufhebung bet Belager­ung von Korfu in ganz Europa hervorrief, war kaum beschreiblich. Erinnere man sich, baß da­mals bei Türkenkrieg noch immer von bem zivi­lisierten Europa als gemeinsame Sache empsun- ben wurde. Nie seit den Tagen von Lepanto waren die Osmanen Europa so nahe gerückt, nie seitdem hatten sie eine so kraftvolle Unter­nehmung zur See wieder begonnen. Wie zu Lande die Taten des Prinzen Eugen, so bildete zur See die besonnene Hartnäckigkeit Schulen­burgs den Felsen, an dem die letzte große Osma- nenwelle zerschellte. Friedrich Wilhelm I. von Preußen, August von Sachsen unb Polen, bet Kurfürst von Mainz, bei Eroßherzog von Tos­kana, bei Prinz Eugen, sie alle gratulierten dem Helden von Korfu eigenhändig. Die Republik selbst bewilligte ihm eigenmächtig ein lebens­längliches Gehalt von 5000 venezianischen Du­katen unb schenkte ihm einen goldenen, mit Brillanten besetzten Degen, 8000 Dukaten an Wert. Der Nürnberger Kartograph Homann entwarf einen eigenen Plan der Belagerung, der vielen Absatz fand. Schulenburg wurde den Kriegshelden des Jahrhunderts beigezahlt, und der Senat der Republik verordnete, daß noch bei feinen Lebzeiten, adhuc viventi, ihm ein Denk­mal auf der Insel errichtet werden sollte.

Nahe vor dem Eingang in die Festung, da, wo Schulenburg während des denkwürdigen Kampfes gewaltet unb geleitet hat, da steht bas Denkmal heute. Wunberlick berührt die zopfige Figur mit langer Perrücke in dieser klassischen Umgebung. Das Denkmal ist nicht weiter schön, aber den Deutschen, der Korfu besucht erfüllt es doch mit warmer Freude. Es erinnert an de« Mann, der den Schild der Christenheit hier tapfer verteidigt hat in einer Zeit, da große Geschicke davon abhingen, ob der Halbmond oder die Flagge von San Marco Über den Fel­len von Korfu flatterte. Es erinnert an de« deutschen Helden vo» Korfu.