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Die Lage der Blockpolitik.
Das Reichcvereinsgesetz und die Novelle zum Vörsengesetze befinden
Aus den Kommissionen de» Reichstag».
Die Eeschästsordnungskommisfion des Abgeordnetenhauses beriet über den Antrag Dr. Arendt bezügl. der Abänderung der Diäten nach dem Vorbilde des Reichstags. Ueber die Frage, ob die Einführung des Reichstagssystems eine Verfassungsänderung bedeute, entstand eine längere Diskussion. Die Kommission entschied sich mit allen Stimmen gegen die Stimmen der Konservativen dahin, daß eine Verfasiungsän- derung nicht vorliege. Auch die Beschränkung der Freikarte auf den Verkehr zwischen dem Wohnorte und Berlin wurde abgelehnt, da die Mehrheit der Kommission der Meinung war, daß außer praktischen Gründen auch die Gleichstellung mit dem Reichstage notwendig sei. Die Resolution Dr. Arendt wurde dann mit allen gegen vier Stimmen angenommen und mündlicher Bericht beschlosien, um den Antrag bei der dritten Lesung des Etats zur Verabschiedung zu bringen. .
Hilfe der Blockpolitik linksliberale Politik der höchstens 49 Aufrechten zu treiben, das würde zudem der Zusammensetzung des Parlament» widersprechen; er hat gewiß seine Versp-echun» gen mit der Vorlage der beiden Gesetze erfüllt, die jetzt von der Partei, der er den kleinen Finger reichte und die so gerne die ganze Hand hätte, in Gefahr gebracht sind.
Die Aussichten der Blockpolitik sind jedenfalls recht trübe. Roch ist nicht einmal die Steuerfrage, die doch die stärkste Belastungsprobe darstellt, angeschnitten, und es scheint, als ob die Mehrheit bis zu diesem Zentpunkte garnicht halten würde. Die rechtsstehenden Parteien können der Entwickelung mit Ruhe entgegensetzen. Sie haben sich nationalen Notwendigkeiten nie verschlossen und werden das nicht tun, ebenso wenig werden sie aber auch geneigt sein, dem Linksliberalismus den Steigbügel zu halten, der aus sich heraus parlamentarische Erfolge nicht erzielen kann. Noch sind allerdings die Verhandlungen hinter den Kulissen nicht beendet, und man darf ja immerhin noch auf eine Einigung hoffen.
Deutsches Reich.
— De« Kaiser wird auf der Mittelmeerreise wieder Marinemaler Stöwer begleiten.
— Der Kauf de» Schlosses Urville. Zu der Bemängelung der „Franks. Ztg.", daß der Kaiser bei Ankauf des Schlosses Urville keine der im Reichsverband beim Grundstücksverkehr fälligen Handänderungsgebühren bezahlt habe, schreibt die „Köln. Ztg.": Die Tatsache, daß beim Kauf des Schlosses Urville durch den Kaiser keine Verkehrssteuer bezahlt worden ist, beruht auf dem französischen Gesetze von 1798. Die deutsche Verwaltung hat die französische Praxis angenommen, die Mehrfach entschieden hat, daß Erwerbungen dieser Art durch den Landesherrn steuerfrei find. Die deutsche Verwaltung hat sich lediglich diesen Entscheiden angeschloffen und nie ein Geheimnis daraus gemacht. Zn der Begründung zum Verkehrssteuergesetz von 1904 heißt es, daß die Befreiung zugunsten des Kaisers, des Reiches und des Landesfiskus sich ganz dem bisherigen Rechte anschließe, und in der Begründung zum Landeserbschaftsster.ergesetz von 1907 heißt es: „daß unter Landesfürst und Landesfürstin der Kaiser und die Kaiserin zu verstehen seien, wird einer besonderen Hervorhebung im Gesetz nicht bedürfen".
— Der Kaiser und die Balkanfrage. Der römische „Mattino" veröffentlicht eine Unterredung, die der Senator Herzog Audria im April 1905 mit Kaiser Wilhelm an Bord der „Hohen- zollern" hatte. Audria drückte seine Besorgnis über die österrerchische Politik im adriatischen Meere und auf der Balkanhalbinsel aus, worauf Kaiser Wilhelm versicherte, daß Oesterreich keine Absichten auf Albanien habe. (?)
Marburg
Dienstag. 17. März 1908.
sich im Augenblick in recht krittscher Lage. Und zwar dürfte die Entscheidung auch für das Börsengesetz voraussichtlich davon abhängen, ob es gelingt, eine der Regierung annehmbare Verständigung über den Sprachenparagraphen des Vereinsgesetzes herbeizuführen. Sachlich hängt dieser natürlich nicht im mindesten mit der Novelle zum Börsengesetze zusammen, allein der Verlauf der Verhandlungen über diese Novelle stellt außer allen Zweifel, daß sachliche Rücksichten für die Mehrheit nicht ausreichen, um der Börse die ihr zugedachten Erleichterungen zu gewähren. Die Mehrheit der Kommission teilt eben den Standpuntt der Gegner des bestehenden Börsengesetzes nicht, daß die geplanten Aender- ungen aus Gründen des Gemeinwohls geboten find; sie hält die Beschwerden über die Wirkung des Vörsengesetzes vielmehr für weit übertrieben und steht nach wie vor aus dem Standpunkte, daß die vorteilhaften Wirkungen dieses Gesetzes die schädlichen weit überwiegen. Das war vorauszusehen, ist durch die letzten Abstimmungen aber außer jeden Zweifel gestellt. Ebenso daß, war auch von vornherein zu erkennen war, nur politische Gründe der Regierungsvorlage die Mehrheit gewinnen könnten. Lediglich das Interesse an der Blockpolittk könnte die Mehrheit bewegen, ihre sachlichen Bedenken zurückzustellen. Es ist daher sicher kein Zufall, daß die von dem Handelsminister für unannehmbar erklärten Beschlüsse zur Börsennovelle erst gefaßt sind, nachdem die Verständigungsverhandlungen über § 7 des Vereinsgesetzes gescheitert schienen. Die der Mehrheit angehörenden Mitglieder der Kommissionsmajorität huldigen offenbar der Auffassung, daß, wenn der linke Flügel des Blockes in einer so spezifisch nationalen Frage, wie der Sprachenfrage im Vereinsgesetz, versagt, kein ausreichender Grund mehr vorliegt, bei der Ro- ; velle zum Börsengesetze Opfer zu bringen.
In dieser Frage spielte vorläufig aber der i Freisinn noch den Stolzen. Der süddeutsche De- ! mokrat von Payer führt sogar aus: Die Frei- । sinnigen dächten nicht daran,, sich dem Standpunkte der übrigen Blockparteien zu nähern. Falls Fürst Bülow nicht nachgebe, seien nicht 1 nur Vereinsgesetz, sondern auch Börsengesetz und ; alles andere mißlungen. Fürst Bülow könne dann seine Koffer packen; die Freisinnigen wür- ; den ihm keine Träne nachweinen.
Wer der Leidtragende ist, wenn der Freisinn durch seine Haltung in der deutschen Sprachenfrage die beiden Gesetze stürzt und dadurch eine neue Orientierung der Reichspolitik herbeiführt, dürfte nicht schwer zu sehen sein. Vereinsgesetz und Börsengesetz stellen Konzessionen der Rechten dar, die aufzudrängen kein Grund für diese Parteien vorliegt. Der Freisinn aber hat dann geizeigt, daß mit solchem Doktrinarismus - keine Regierung arbeiten kann. Fürst Bülow hat nicht und kann nicht versprochen haben, mit
Preußischer Landtag. Abgeordnetendaus.
Da» Abgeordnetenhaus hielt am Sonnabend nur eine zweistündige Sitzung ab. Zunächst stand die Vorlage über die Haftpflicht des Staates für Amtspflichtverletzungen von Beamten zur ersten Lesung. Justizminister »eseler betonte, die Vorlage sei im Parlament wiederholt gefordert worden und werde unsere Rechtspflege verbessern. Abg. Böhmer (kons.) befürchtete eine zu starke Belastung von kleinen Kommunen. Auf Befragen des Redners erklärte Minister Beseler, im Reich sei eine ähnliche Vorlage zu erwarten. Die Abgg. Dr. König-Krefeld (Ztr.), Röchling (natl.), Stettin (frkons.), Cassel (frs. Vp.) und Peltasohn (frs. Vgg.) traten dem Entwurf freundlich gegenüber. Dieser ging an die verstärkte Justizkommisswn. Es folgte die zweite Lesung der Vorlage auf Erschließung neuer Kohlenfelder im Oberdergamts- bezirk Dortmund. Die Kommission beantragte unveränderte Annahme, und das Haus beschloß so. Damit war die Tagesordnung erschöpft. Montag: Dritte Lesung des Etats.
Aus de« Parlamente«.
£' Deutscher Reichstag.
i Der Reichstag setzte am Sonnabend die zweite Beratung des Etats beim Etat des Reichstags fort. Abg. Frhr. v. Eamp (Rp.) befürwortete einen von Mitgliedern aller Parteien unterzeichneten Antrag, die Eeschäftsordnungskommisfion zu beauftragen, Vorschläge zu machen zur Beseitigung der bei der Berichterstattung über Kommissionsverhandlungen hervorgetretenen Mißstände. Redner regte an, nur Vertreter der Presse zuzulaffen, die sich als solche unter Nennung de» Namens der Zeitung legittmieren, und nur bei vertraulichen Mitteilungen die Berichterstattung auszuschließen. Die Abgg. Basser, wann (natl.) und Frhr. v. Richthofen (kons.) legte das Hauptgewicht darauf, daß die Nennung -er Namen der Kommissionsredner fortfalle, und traten noch für eine erhöhte Fürsorge für die Angestellten des Reichstages ein, während die Abgg. Singer (Soz.), Spahn (Zentr.) und Mül. ler-Meiningen (frs. Vp.) sich gegen eine Verschärfung des Ausschlusses der Oeffentlichkeit aussprachen, jedoch gleichfalls für Wegfall der Namensnennung eintraten. Nach weiterer, innere Angelegenheiten des Reichstages betreffender Debatte, sagte Präsident Graf Stolberg eine Erwägung aller Anregungen seitens des Präsidiums zu. Ueber die Frage der Kompetenz des Reichstagspräsidenten schweben Verhandlungen. Der Etat wurde bewilligt und der Antrag von Eamp angenommen. Es folgte der Etat der elsässisch-lothringischen Reichseisenbahnen. Hierzu lag vor ein Antrag Dr. Will-Straßburg «Zentr.) über Vergebung von Arbeiten für die Reichseisenbahnverwaltung nur an solche Firmen, die bei den Arbeitsbedingungen die gesetzlichen Vorschriften innehalten, und an Orten mit Tarifverträgen sich diese zur Richtschnur machen. Abg. Müllet-Meiningen (frs. Vp.) fragte an, wann endlich eine Vorlage komme, welche die unglückselige Fahrkartensteuer wieder aufhebe, und mißbilligte dann die auf den Reichseisenbahnen geübte Preßzensur. Preußischer Eisenbahnminister Breitenbach erkannte die Notwendigkeit einer Reform der Fahrkartensteuer an, erklärte jedoch, nicht in der Lage zu sein, anzugeben, wann eine derartige Vorlage erscheinen werde. Die Behauptung des Vorredners, der Zensor für die Reichseisenbahnen habe sich blamiert, müsse er, mangels Anführung bestimmter Fälle, entschieden zurückweisen. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Will-Straßburg (Ztr.) und Emmel (Soz.) und einer Rede des Abg. Prinz zu Hohenlohe-Langenburg (Rp.), der für eine einheitlichere (5eftttf'"ing des Reichseisenbahnwesens eintrat, erwiderte Eisenbahnmi- nisterBteitenbach, die Reichseisenbahnverwaltung habe nach einer Vetriebmittelgemeinschaft bisher vergeblich gestrebt. Jetzt sei die Verwaltung bemüht, durch Vereinbarungen mit Einzelstaaten eine Freizügigkeit der Güterwagen zu erreichen. Gegen ordnungsfeindliche Bestrebungen müsse die Reichseisenbahnverwaltung mit aller Schärfe einschreiten. Abg. Albrecht (Soz.)
unterbrach die Bemerkung de» Minister» „die Sozialdemokratte ist gegen die Ordnung" mit dem Zuruf „Unverschämtheit!" und erhielt deswegen vom Vizepräsidenten Dr. Paasche einen Ordnungsruf. Darauf trugen die Abgg. SBetnet (Reformp.) und Dr. Heckscher (fts. Vgg.) Ee- haltswünsche von Eisenbahnbeamten vor. Nach weiterer Debatte betonte gegenüber dem Abg. «öhle (Soz.) preußischer Eisenbahnminister Breitenbach, die Agitation der Sozialdemokratie werde ihn auch fernerhin an der Fürsorge für die Eisenbahnarbeiter nicht hindern. Der Etat wurde bewilligt. Schluß des Bericht» 6 Uhr.
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Die weiße Frau von Oldensloe.
Original-Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Am Abend vor der Beisetzung waren noch einige Kränze angekommen, welche noch in der Kapelle aufgehängt werden sollten. Der Graf bat mich, dies zu besorgen, was ich bereitwillig übernahm. L
„Ich begleite Sie," sagte Amalgunde. „Ich möchte die Aufbahrung und die Ausschmückung der Kapelle sehen, ebe sie von der Menge des Gefolges angefüllt wird. .Ich sehne mich darnach, ein stilles Gebet am Sarge meines armen Bruders zu verrichten. Bitte, nehmen Sie keinen Diener mit, wir können ja die Kränze selbst tragen." , .
Ich erfüllte ihren Wunsch, und so schritten wir allein durch den stillen Park, auf den sich schon das Dunkel der Nacht niedersenkte, nach der Kapelle, in der die Kerzen rings um den Katafalk ein rötliches Licht verbreiteten.
Mir war feierlich und ernst zu Sinn, wie ich neben der schwarzen, schlanken Gestalt des geliebten Mädchens ,rT»n blasses Gesichtchen die Spuren der Trä zeigten, durch den stillen, dunklen Part t und in die vom rötlichen Schein der Kerzen erhellte Kapelle trat. Ich dachte mit keinem Gedanken an das Unrecht, an die Schuld, die hier gleichsam ihre Sühne finden sollte, indem der Erbe des fälschlich getragenen Namens in ein frühes Grab sank und damit der Glanz des alten Namens im Dunkel der Todesgruft erlosch. Ich dachte mit keinem Gedanken daran, daß ich berechtigt war, den alten, hier erloschenen Namen wieder aufzunehmen. Mein Herz war nur erfüllt von Liebe und Mitgefühl, «nd als Amalgunde still weinend am Sarge
ihres Bruders niedersank, da gelobte ich mir auf einmal feierlichst, Uber das Glück und den Frieden des geliebten Mädchens zu wachen und schützend meine Hände über ihrem Leben auszu- breiten, sollte Jemand freventlich versuchen, seinen Frieden, seine Ruhe anzutastcn. Um Amalgunde in ihrer Andacht nicht zu stören, trat ich in den Schatten eines starken Pfeilers, setzte mich auf eine Bank und stützte die Stirn in die Hand, mich ernstem Sinnen überlassend. Ich mochte einige Minuten so gesessen haben, als mich ein Aufschrei Amalgundes erschreckte. Ich erhob mich rasch, da flog auch Amalgunde schon auf mich zu, erfaßte krampfhaft zitternd meinen Arm und flüsterte mit bebender Stimme:
„Da — da — sehen Sie — o sehen Sie! Die weiße Frau! . . .“
Zu Häupten des Sarges stand von dem Lichte der Kerzen grell beleuchtet die hagere - Gestalt eines Weibes, dessen Haupt ein weißes Tuch fast ganz verhüllte.
Ich erkannte meine unglückliche Großmutter, die sich auf irgend eine Weise in die Kapelle eingeschlichen haben mußte.
„Beruhigen Sie sich, Amalgunde," flüstette ich der vor Schrecken fast Ohnmächtigen zu, „es ist kein Geist, nur eine Unglückliche, die noch immer keine Ruhe finden kann."
Das scharfe Ohr der Irrsinnigen mußte meine leisen Worte gehört haben. Sie richtete sich empor und sagte mit ihrer tonlosen Stimme:
„Wer spricht da? Hier am Grabe meines Gatten und meines Sohnes? Sind es die Geister der Verstorbenen? Kommt nut, o kommt! Ich fürchte mich nicht vor Euch. Dich, meinen Gatten, haben sie gemordet, und Dich, meinen Sohn, haben sie jetzt auch getötet und wollen Dich in die dunkle Gruft senken! Aber ich dulde es nicht, mit meinen Nägeln öffne ich Deine Gruft, mein Sohn — mein Sohn!"
Ihre Worte erstarben in einem leisen Wimmern, und sie sank neben dem Katafalk nieder, die Steine mit ihren Nägeln zerkratzend.
„Entsetzlich!" flüsterte Amalgunde. „Lassen Sie uns gehen!"
„Nein, Amalgunde. Ich will mit der Unglücklichen sprechen. Ich muß sie auf ihr Zimmer bringen, sie darf hier nicht bleiben."
Ich trat auf die Irrsinnige zu.
„Mutter, was tust Du hier?" fragte ich mit lauter Stimme.
Mit einem gellenden Aufschrei fuhr sie empor.
„Mein Sohn — mein Sohn! — Du lebst — o nun ist alles gut! Sie haben Dich nicht gemordet?"
„Du siehst, daß ich lebe. Aber, was tust Du hier? Weshalb bist Du hierhergekommen?"
„Ich hörte den ganzen Tag hämmern und pochen und sah die Menschen hin und her gehen, gerade wie damals als sie meinen Gatten ermordet hatten und hier in die Gruft senkten. Und da Du nicht zu mir kamst, glaubte ich, sie hätten Dich auch ermordet und ich wollte nicht, daß sie Dich in die Gruft senkten, und so schlich ich mich hierher."
„Wie kamst Du hierher?"
„Durch jene Tür . . ." und sie zeigte auf eine kleine Seitentür, welche auf einen dunklen Korridor führte. Man mußte vergessen haben, die Tür zu verschließen.
„Jetzt aber komm mit mir, fuhr sie fort.
„Nein," entgegnete ich, „ich kann Dich nicht begleiten, Du mußt allein auf Dein Zimmer zurückkehren."
„Wer ist da?" tief plötzlich die Irrsinnige und zeigte auf die Gestalt Amalgundens, welche etwas au» dem schützende« Dunkel hervorgetre- ten war.
„Kommen Sie, Amalgunde," sprach ich beruhigend, „die weiße Frau tut Ihnen nichts zu Leide."
Amalgunde hatten ihren Mut und ihre Fassung wiedergefunden. Sie mißte ja, daß in diesem Teile des Schlosses eine irrsinnige alte Frau lebte und hielt Edith für die Frau des alten Martin.
„Ich fürchte mich nicht mehr," sagte sie gefaßt, obgleich ihre Stimme noch etwas bebte.
Ich erfaßte ihre Hand. Mit Erstaunen sah die Irre in das blasse Gesicht Amalgundens.
„Wer bist Du?" fragte sie.
„Die Tochter dieses Hauses . . ."
Die Irrsinnige lachte. „Die Tochter dieses Hauses? Du lügst! Ich hatte keine Tochter — nur einen Sohn und der steht neben D'" . . . hüte Dich, hüte Dich!"
„Hören Sie nicht auf ihre Wotte, Amalgunde," unterbrach ich sie. „Und Du Mutter," wandte ich mich an diese, „sei freundlich gegen dieses Mädchen hier, sie ist die Tochter dieses Hauses, sage ich Dir!"
„So ist sie Deine Braut? Ja, ja, so ist es. Sie ist Deine Braut — bald Deine Frau und mein Segen wird Euch begleiten, mein Segen wird auf Euch ruhen, auf Euch und Eure« Söhnen und Enkeln bis ins zehnte Glied. Kniet nieder, meine Kinder... ach, daß ich diese Stunde erlebte! Jetzt finde ich Ruhe, jetzt finde ich Friede«. Mein Sohn — meine Tochter — meinen Segen über Euch, meinen Segen!“
Sie erhob mit feierlicher Ceberde beide Arm» und unwillkürlich beugten wir unser Haupt.
„Jetzt will ich ruhen, — jetzt kann ich ruhen," fuhr Edith fort. „Ich weiß, Ihr werdet glücklich sein — glücklicher al» die arme Edith — leit wohl — lebt wohl — meinen Segen — meint» Segen ,, ,*
lLortleduna folgt.)