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Man abonniert ans die täglich erscheinendeOberhessische Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgelds, btt unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Sonntag, 15. März 1908.

Die JnsertionSgtbühr beträgt für die Vgespaltene Zeile ober deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. in Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llntversttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E.Hitzer»th, Marburg, Markt21. Telephon65.

Erstes Blatt.

Rückblick.

Der Sensationstrick derTimes", durch Her- »orzerren eines Briefes des deutschen Kaisers an den Lord Tweedmouth für sich selber Stimmung zu machen, dem zur Zeit in England herrschen­den Ministerium Angelegenheiten zu bereiten und vor allem wieder einmal gegen Deutschland zu Hetzen, hat zu einem für das Blatt höchst be­schämenden Ausgange geführt, über den wir be­reits berichteten. Noch immer aber wird da« Verhalten des Kaisers Meinungsäußerungen an ihm bekannte Minister des Auslandes, schrift­liche wer will ihn hindern, wenn er es münd­lich tut? gelangen zu lassen, hie und da al« besonders falsch und etwas ganz Außerordent­liches empfunden. Demgegenüber erinnert Prof. Schiemann mit Recht in deräußeren Politik der Woche" derKreuzzeitung" an Korrespon­denzen, die viel weniger harmlos waren. Der bekannte Gelehrte schreibt da: Aber, behauptet dieTimes", Korrespondenzen eines Souveräns mit einem fremden Staatsmann sind überhaupt ungehörig. Auch diese Behauptung ist, soweit das Verhalten englischer Souveräne in Frage kommt, nicht haltbar. Wir wollen dabei nicht zu großen Nachdruck auf die Korrespondenz des Prince Consort mit dem Baron Stockmar, der ihm als Mittelsmann diente, und mit seinen Verwand­ten am preußischen Königshofe legen, obgleich diese Korrespondenz recht eigentlich bestimmt »ar, politischen Einfluß auszuüben und deutsche Fragen einer Lösung entgegenzuführen, die dem englischen Interesse entsprach. Die Königin Viktoria als Briefschreiberin und Fürst Bis­marck als Empfänger des Brieses werden da­gegen schwerlich anzufechten sein! 1877 während der orientalischen Krisis schrieb Königin Vittoria direkt dem Fürsten Bismarck und verlangte von ihm, daß er den Krieg zwischen Rußland und der Pforte verhindere. Er antwortete ausweichend. Danach folgte ein zweiter Brief Ihrer britischen Majestät an den kaiserlichen Kanzler, der die Forderung nachdrücklicher wiederholte. Dieses Mal war die Antwort etwas positiver in der Form, aber noch nicht im Sinne der Königin, die sich dann an den Kaiser wandte. Die Nachricht stammt von Moritz Busch und ist veröffentlicht in dem von derTimes" reichlich genug ausge­schlachteten Buch: Bismarck. Some secret pages of bis history. Band II S. 297 und 298. Endlich sei noch darauf hingewiesen, daß, wie ein Korrespondent derWestminster Gazette" her- oorhebt und wie sich aus den jüngsten veröffent­lichten Briefen der Königin Viktoria ergibt, Lord Palmerston als leitender Minister in ver­traulicher Korrespondenz mit Napoleon III. ge­standen hat. Zn wie hohem Grade aber die Korrespondenz der Königin mit ihren deutschen Verwandten einen politischen Charakter trug, das braucht wohl nicht erst ausgeführt zu wer­den. Es ist allbekannt. Ein kleines Nachspiel hat die Angelegenheit jetzt noch im Parlament gehabt, in dem dieTimes" als Angeklagte er­schien. Der Abgeordnete Mac-Reill, der als eine Autorität in konstitutionellen Fragen gilt, fragte im Parlamente in Verbindung mit der Kaiser- brief-Affüre, ob derEeneral-Staats- anwalt gegen dieTimes" gericht­lich oorgehen wolle, weil sie falsche Nachrichten verbreitet habe zu dem Zwecke, Zwietracht zu stiften. Der Sollicitor-General antwortete in Anwesenheit des General-Staatanwaltss: Das Urteil über das Verhalten derTimes" sei dem Publikum zu überlassen. Er halte es nicht für ratsam, gerichtlich gegen die Times" vorzugehen. Mac Neill fragte hierauf, ob diese Antwort bedeute, daß er dieTimes" nicht als eine Zeitung von Bedeutung ansehe, worauf der Gefragte antwortete: Die Frage hat dem Kronanwalt nicht vorgelegen. Damit ist die Angelegenheit nun hoffentlich ganz aus der Welt.

So wenig die Beamten mit dem positive» Ergebnis der Parlamentsverhandlungen zufrie­den sein können, so freudig dürfen sie schmun­zelnd das Wettrennen der Parteien um ihre Gunst einstecken. Wenn man auch gelegentlich Über den Bureaukratismus wettert, so vergessen doch selbst dieFreiheitshelden" nicht, daß der Veamtenstand große Wählermasfen stellt, die man dicht nur nicht ignorieren darf, die man im Ee- ßenteil auf jede Weise gewinnen muß. Sozial­

politische Fürsorge worunter nun gemeinig­lich allerdings nur die Arbeiterfürsorge verstan­den wird, und die Fürsorge für die Beamten find so Dinge geworden, die ein Abgeordneter oder einer der es werden will, nicht dick genug in sei­nem Programm unterstreichem kann. Daß die Wettrennen in den Parlamenten hauptsächlich unter agttatorischen Gesichtspunkten auch dies­mal zu sehen find, ist klar. Daneben aber muß um so ruhiger betont werden, daß die Re­gierung von fich aus die besondere Pflicht hat, nachdem einmal die Erkenntnis von der Unzu­länglichkeit der Gehälter allgemeine Ueberzeug- ung geworden ist, berechtigte Klagen abzustellen. Unser Beamtenstand steht zu hoch, als daß man annehmen dürfte, das Hinausschieben seiner Wünsche habe Einfluß auf seine Pflichterfüll­ung, aber es liegt durchaus im Jnteresie eines Volkes, den Beamtenstand so zu stellen, daß er die ihm gebührende Stellung im Volksganzen einnehmen kann. Das Versprechen, den Beamten­besoldungserhöhungen rückwirkende Kraft vom 1. April 1908 zu verleihen, wird nicht imstande sein, die Enttäuschung der Beamten zu bannen. Andrerseits ist auch nicht zu verkennen, daß di« Regierung ohne Deckung die 70 Millionen nicht in den Etat einstellen konnte. Ee sollte doch auch den Freisinnigen noch nicht unbekannt sein, daß gerade Eugen Richter fich mit aller Schärfe gegen Verausgaben ungedeckter Mittel so oft wandte. Die Schwierigkeit ruhte demnach letzten Endes in der Durchdringung einer großen Reichsfinanzresorm. Cs ist nun selbstverständlich, daß die Gegner in dieser Frage einer dem an­dern die Schuld an der Verzögerung der Be­amtenbesoldungsvorlage zuweisen. Natürlich auch hier Agitation nichts als Agitation. Es ist an dieser Stelle schon öfters dargetan worden, daß die Einführung direkter Reichssteuern an dem Widerstande der Regierung und des Bun­desrates wie auch der maßgebenden politischen Parteien scheitern würde, ein solches Projett kann also garnicht in Frage kommen, aber es muß gewünscht werden, daß die Regierung nun bald mit ihrem Finanzprogramm hervortritt, damit auf allen Seiten Ruhe und Befriedigung geschaffen wird.

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag setzte am Freitag die Beratung des Etats des Reichsamts des Innern beim Ka­pitel Gesundheitsamt fort. Abg. Graf Earmer (kons.) trat hierbei für die Resolution Hompesch (Ztr.) ein, nach welcher die Kosten der Fleisch­beschau den Bundesstaaten zur Last fallen sollen. Abg. Brühne (Soz.) verbreitete sich besonders über die Verhältnisse im Fleischergewerbe, um über zahlreiche angebliche Mißstände schwere Anklagen zu erheben. Nach unwesentlichen Be­merkungen des Abg. Bruhn (dtsch. Rfp.) erklärte Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg auf eine Beschwerde des Abg. Brühne, über die Schweine­fütterung in Schlesien könne er keine Auskunft geben. Er werde aber Gelegenheit nehmen, die Sache zu prüfen. Was den Weingesetzentwurf anlange, so habe sich zu seinem Bedauern die Veröffentlichung verschoben. An wenigen Wochen werde der Entwurf jedoch an den Bundesrat ge­langen und bald danach veröffentlicht werden. Darauf gelangte ein Schlußantrag zur An­nahme. Die Resolution Hompesch wurde mit großer Mehrheit angenommen. Ferner gelangte zur Annahme die Resolutton Dr. Roesickes, betr. Verbot des Kleinhandels mit Essigessenz zu Speisezwecken und Bewilligung des Essigver­kaufs im Kleinhandel nur unter bestimmten Be­dingungen. Beim KapitelPatentamt" wünscht« Abg. Junck (natl.) eine Herabsetzung der Patent­gebühren und stellte in Zweifel, daß das neue Schweizer Patentgesetz den berechttgten deutschen Interessen gerecht werde, und daß es den im Handelsverträge uns gemachten Zusagen ent­spreche. Nach einer Rede des Abg. v. Damm (wirtsch. Vgg.), der fich in der Gebührenfrage dem Vorredner anschloß, sprach fich Abg. Frhr. v. Eamp (Rp.) gegen eine Herabsetzung der Ge­bühren aus, da eine solche die Ueberlastung des Patentamtes nur noch steigern würde. Unter­staatssekretär Wermuth erklärte, die Schweiz habe das ernste Bestreben gezeigt, uns auf dem Patentgebiete entgegenzukommen, und zu dem Zwecke sogar ihre Verfassung geändert. Nach un­wesentlichen Bemerkungen des Abg. Dove (frs. Vgg.) wurde da» Kap. Patentamt bewilligt. Beim KapitelReichsverstcherungsamt" be- chwerte sich Abg. 3*1 (Ztr.) über harte Bestra­

fung von Handwerkern wegen Verstöße gegen die Verficherungsgesetze. Abg. Findel (natl.) be­gründete eine Resolutton auf Ausdehnung der llnfallverstcherungspflicht 1. auf alle Handels­geschäfte, soweit sie mtt Lagerungs- und Beförde- rungsbetrieb verbunden sind, ohne Rücksicht auf Eintragung ins Handelsregister. Abg. Graf Earmer-Zieserwitz (kons.) befürwortet« eine Herabsetzung der Allersgrenze in den Arbeiter­versicherungsgesetzen ohne Erhöhung der Arbei­ter- und der Arbeitgeber-Beiträge, und wünschte eine Vermehrung der Diakonissen auf dem plat­ten Lande. Abg. H«6 (Soz.) verbreitete fich über die Ueberwachung der bergpolizeilichen Vorschriften. Gegenüber dem Vorredner betonte Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg, die Denk­schrift über die Explosionsgefahr im Bergbau sei durchaus entsprechend der vom Reichstage ange- nomenen Resolution bearbeitet worden. Ein Entwurf über Unfallversicherung der freiwilli­gen Feuerwehrleute sei serttggestellt. An der Zusammenlegung Jet sozialpolitischen Gesetze werde mit großem Eifer gearbeitet. Darauf trat Vertagung auf abend» 8 Uhr ein.

Schluß 6% Uhr.

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Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus führte am Freitag die zweite Lesung des Etats zu Ende und be­gann darauf die zweite Lesung des Quellen­schutzgesetzes. Die Kommission war der Regierungsvorlage in der Auffassung gefolgt, daß ein Quellenschutz durch landesrechttiche Re­gelung nur auf der Grundlage des öffentlichen Rechts und daher nur für Quellen gewährt wer­den könne, deren Erhaltung aus Gründen des öffentlichen Wohles geboten sei. Wo aber der Regierungsentwurf solche Gründe unter Um­ständen auch in besonders gearteten wirtschaft­lichen Verhältnissen finden möchte, stellte sich die Kommission auf den Standpunkt, daß nur die mit einer Quelle verbundenen Heilwirkungen ihr einen gemeinnützigen Charakter geben kön­nen. Die Abgg. Holtschke (kons.) und Seydel- Hirschberg (nl.) sahen in den Kommissionsbe­schlüssen Verbesserungen des Entwurfes. Hin­gegen vermißte Abg. Dr. Eerschel (freis. Vp.) eine befriedigende Lösung der Entschädigungs­frage und drohte mit Ablehnung. In der Einzel­beratung lag zu § 19, der die Fälle festsetzt, in denen keine Entschädigung zu gewähren ist, ein von Mitgliedern aller Parteien unterstützter Antrag des Abg. v. Bülow-Homburg vor, der eine Entschädigung auch dann entwirft, wenn es sich um Arbeiten handelt, die schon vor Erlaß dieses Gesetzes rechtsgültig polizeilich untersagt waren. Minister Dr. Delbrück erklärte sich mit diesem Anträge einverstanden. Der Antrag wurde angenommen. Im übrigen gelangte die Vorlage nach den Kommissionsbeschlüssen zur Annahme. Damit war die Tagesordnung er­schöpft.

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Aus den Kommissionen des Reichstags.

Die Budgetkommisfion de» Reichstage» be­willigte heute den Rest der fortlaufenden Aus­gaben des Etats für Südwestafrika. Bei den einmaligen Ausgaben wurden bei dem Titel Neubauten und öffentliche Arbeiten" auf An­regung des Staatssekretärs weitere 130 000 Jt gestrichen. Zur Gewährung von Beihülfen an angehende Landwitte, die in der Schutztruppe gedient haben, wurden 150 000 <41 bewilligt. Bet dem TitelVerpflegung und Bekleidung kriegs­gefangener Eingeborenen" erklärte Staatssekre­tär Dsrnburg, der Kriegszustand sollte am 27. Januar aufgehoben werden, dies sei jedoch nicht tunlich gewesen, es gäbe daher noch Kriegsge­fangene, die teilweise beim Bahnbau verwendet würden. Für den Titel wurden 160 000 be­willigt. Dem TitelBau einer neuen Landungs­anlage bei Swakopmund" ist eine Denkschrift beigefügt, nach welcher die Anlage eine ganze Länge von 800 Metern haben und 7,8 Millionen kosten wird. Als Bauzeit für die ersten 200 Meter würden 1% Jahre beansprucht und 1,1 Millionen Mark gefordert. Staatssekretär Dernburg empfahl den Vorschlag, womit man sich nicht auf das ganze Projett festlege. Es handle fich vorläufig nicht um eine Mole, son­dern um einen Brückenbau. Länger als bis zum Jahre 1910 werde die alte Holzbrücke nicht hal­ten. Erzberger (Ztt.) regte an, die Forderung auf ein Jahr zurückzustellen. Der Titel wird hierauf gegen vier Stimmen abgelehnt.

g. Deutsches Reich.

Der Kronprinz war gestern als Vertreter des Kaisers bei der Grundsteinlegung des Ver­sammlungshauses für das Offizierkorps der Landwehrinspektion Berlin zugegen und tat den

ersten Hammerschlag. General v. Hoepsner ver­las die vom Kaiser verfaßte Urkunde, in der der Kaiser besonders die Pflege der Kameradschaft innerhalb des Ofsizierkorps betont, und hielt eine Ansprache, die mit einem Hoch auf de» obersten Kriegsherrn schloß.

Der Bundesrat genehmigte die Mittel für 1459 Kilometer Eisenbahnen in den deutsche« Schutzgebieten. Davon entfallen auf Südwest- Afrika für eine Zweiglinie der Lüderitzbahn von Seeheim nach Kalkfontaine rund 180 Kilometer, auf Togo für eine Eisenbahnlinie von Lome nach Atakpame gleichfalls rund 180 Kilometer, auf Kamerun für eine Eisenbahn von Duala nach dem schiffbaren Teile des Nyongflusses bet Widi- menge (Süd-Bahn) rund 350 Kilometer und auf Ost-Afrika für die Verlängerung der Usambara- bahn in der Richtung auf den Kilimandscharo bis Tanganiga 45 Kilometer, sowie schließlich für die Fortführung der Mrogrobahn bis Ta­bor« rund 700 Kilometer. Der Gesamtbedarf von rund 150 Millionen verteilt sich auf sechs bis sieben Jahre. Die Mittel sollen im Wege der Anleihe aufgebracht werden und zwar ist die Ausgabe einer besonderen Kolonialanleihe vor­geschlagen. Eine Ausnahme macht nur Südwest- Afrika, wo es beim bisherigen Verfahren der Gewährung eines Darlehens vom Reich an das Schutzgebiet verbleibt. Für die Verzinsung und Tilgung der Kolonialanleihe sollen die beteilig­ten Schutzgebiete als Gesamtschuldner unter Uebernahm« der Gewähr seitens des Reiche» haften. Die Anleihe soll in Teilabschnitten be­geben werden. Sämtliche Bahnbauten mit alleiniger Ausnahme der Fortführung der Mrogorobahn sind als Staatsbauten geplant, deren Ausführung, wie bisher, Privatunterneh­mern übertragen werden soll. Es ist eine teil­weise Verstaatlichung der Mrogorobahn in Vor­schlag gebracht worden, wobei zum Ankauf der Mehrzahl der Aktien eine Summe von 15 Mill. Mark verwendet werden soll. Die Fortsetzung der Mrogorobahn soll alsdann namens der Ge­sellschaft aus Grund eines ihr zu gewährenden Darlehens vorgenommen werden.

Der Brief König Eduards am de« deutsche« Kaiser. Der Berliner Vertreter der Daily Mail ist amtlich ermächtigt, mitzuteilen, daß König Eduard dem deutschen Kaiser auf dem gewöhn­lichen Postwege einen Privatbrief mit Bezug auf den Zwischenfall mit dem Briefe des Kaisers an Lord Tweedmouth geschrieben hat. Auf dem Auswärtigen Amte in Berlin wurde dem Be­richterstatter mitgeteilt: Wenn wir auch nicht in Abrede stellen, daß ein solcher Brief eingegangen ist, so müssen wir uns jedoch vor einem Bruch der Verschwiegenheit wahren, wie dieTimes" einen bei der öffenllichen Erörterung des In­halts einer streng vertraulichen Mitteilung be­gangen hat.

Zum Erwerb vo« Urvtlle durch de« Kais«, bestätigt eine Erklärung der kaiserlichen Regier­ung der Reichslande die Behauptung, daß der Kaiser bei Ankauf des Schlosses Urvtlle kein« Handabänderungsgebühren bezahlt habe. Es habe sich aber auch nicht um einen Privatkauf, sondern um einen Erwerb für den Kronfidei- kommiß gehandelt, der von Gebühren befreit ist. DieFrkf. Ztg." behauptet dagegen, es gebe in Elsaß-Lothringen kein Kronfideikommiß, und der Kaiser sei staatsrechtlich keineswegs der Landesherr von Elsaß-Lothringen, wenn er auch aus den Rechten der Delegation landesherrliche Befugnisse ausübe.

Ersatz für Herrn Sydow im Reichspostamt. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernen­nung des Direktors im Reichspoftamt Franck zum Unterstaatssekretär im Reichspostamt und des Geh. Oberpostrats und Vortragenden Rats Gramzow zum Direttor im Reichspostamt.

Geschäftsdispositionen des Reichstages. Der Seniorenkonvent des Reichstages einigte sich dahin, daß am Dienstag den 17. März die Ko­lonialetats in Angriff genommen werden. Man hofft, die Etats für das Reichskolonialamt und die einzelnen Schutzgebiete und den Etat für das Expeditionskorps in Ostasten in 5 Tagen fertig- gestellt zu haben und dann noch drei Tage auf das Reichskanzleramt und die Finanzierung zu verwenden. Für die dritte Etatslesung würden dann der 27. März und die folgenden Tage zur Verfügung stehen.

Graf Hohenau geisteskrank? Verschiedene Blätter melden, Graf Hohenau befinde sich i« einer Heilanstalt, um dort auf seinen geistigen Zustand untersucht zu werden. Von dem Urteil der Aerzte soll es dann abhängig gemacht wer­den, ob vielleicht das ehrengerichtliche Verfah­ren ganz eingestellt wird. Man kann nur wünsche«, daß die Aerzte gerade in diesem Falle '