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Schulenburg.

Versetzen wir uns um ein paar Jahrhunderte zurück. Seit 1401 war Korfu im endgültigen Besitze der Republik San Marco. Unter der venezianischen Herrschaft blühte die Insel aus, besonders nachdem Venedig, Morea, Cypern und Candia verloren hatte. Da wurde sie ein Zen­trum des venezianischen Levantehaydels, und überdies derSchild der Meeresherrschast" Ve­nedigs gegen die Türken. Als Spon und Whe- ler 1676 nach Korfu kamen, waren fie erstaunt, eine große und schöne Stadt da zu finden, wo hundert Jahre früher nach den Berichten der Reisenden nur eine Festung und ein dürftiges Dorf gestanden hatte. Und freilich hatten die Venezianer alle Ursache, dies höchst wichtige Außenwelt ihres Staates zu halten, zu pflegen »nd zu stärken. Erinnern wir uns, daß damals -der Türke", wie man zu sagen pflegte, wie ein Alb auf dem ganzen christlichen Europa lag. Eben erst war der schwere Ansturm der türkischen Macht an den Mauern Wiens und damit an der christlich-europäische» Kultnr überhaupt zer-

nommen. Der TitelStaatssekretär" wurde be­willigt. Die vorliegenden Resolutionen gelang­ten mit wenigen Ausnahmen zur Annahme. Rach kurzer Weiterberatung vertagte sich das Haus auf Donnerstag.

sollen. Auf eine Anfrage des Abg. Schiffer (natl.) betonte Finanzminister Frhr. v. Rhein­baben, Preußen werde im Herbst selbständig vor­gehen, auch wenn die Reichsfinanzreform nicht zustande komme. Abg. Mertin (frkons.) miß­billigte, daß Preußen nicht schon jetzt selbständig vorgehe. Abg. Dr. Hahn (Bd. d. Landw.) er­kannte eine Besierstellung der Beamten als not­wendig an, wies aber die Schuld an dem bis­herigen Scheitern der Reicksfinanzreform den linksstehenden Parteien zu. Nachdem sich noch eine lange Reih« von Rednern geäußert hatte, führte das Haus noch die zweite Lesung des Etats der direkten Steuern zu End«.

Aus den Parlamenten.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Interpellation über die Beamtenbesoldungs- Borlag«.

Die Besprechung der Beamtengehaltsinter­pellationen brachten dem Abgeornetenhause am Mittwoch bei starkem Besuche, auch auf den Zu- hörertribünen, einen große» Tag. Die Inter­pellation der Konservativen begründete Abg. v. Hennigs (kons.), der nach den Gründen der Ver­zögerung der Besoldungsreform fragte und um Auskunft bat, wie die Regierung sich einen Aus­gleich denke. Der Landtag müsse im Herbst mög­lichst früh zusammentreten. Nachdem noch die Abg. Hobrecht (natl.), Frhr. v. Zedlitz (frei- kons.) und Kirsch (Ztr.) die Interpellationen ihrer Freunde in ähnlicher Weise begründet hat­ten, erklärte zur Beantwortung der Vizepräsi­dent des Staatsministeriums v. Bethmann-Holl- weg, die Regierung halte an der Absicht fest, den Beamten, Lehrern und Geistlichen die Eehalts- aufbesierung für 1908 zuteil werden zu lasten. Da aber die Reichsfinanzreform und die Besol- dungsreform im Reich bis zum Herbst habe ver­tagt werden müsten und die Uebereinstimmung zwischen den Gehältern in Reich und Staat auf­recht erhalten werden solle, sei die Erledigung der Besoldungsreform und die Beschaffung der Deckungsmittel auch in Preußen auf den Herbst zu vertagen. Dazu solle der Landtag im Oktober zusammentreten. Die Gehaltserhöhung solle rückwirkende Kraft auf den 1. April 1908 haben. Eine besondere Vorlage solle den mittleren und unteren Beamten dieselben Zulagen bringen wie im Vorjahr im Reich. Die gleiche Fürsorge fei den geringer besoldeten Lehrern und Lehre­rinnen an Volksschulen zugedacht. Das Haus beschloß Besprechung der Interpellationen. Abg. Gyßling (frs. Vp.) meinte, in den letzten Jahren sei in Preußen nichts für die Beamten geschaf­fen. Abg. Broemel (frs. Vgg.) betrachtete es als erbitternd, daß Preußen trotz der vorhandenen Mittel hier nicht selbständig vorgehe. Abg. Malkewitz (kons.) bedauerte, daß bei dieser Be­sprechung die Regierungsbank zur Anklagebank geworden sei. Die Konservativen seien auch im Reichstag bereit gewesen, die erforderlichen Steuern zu bewilligen. Ihr Wohlwollen für die Beamten werden sie stets bekunden. Abg. Kirsch (Ztr.) meinte, die Regierung hätte wenigstens die neue Lehrerbesoldungsvorlage einbringen

Marburg

Freitag. 13. März 1908.

Gras Schulenimrg, der Held von Korfu.

Von Dr. Hans Hastelkamp.

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Rur kurze Zeit noch und der Deutsche Kaiser landen, die, mit allen

geschmückt, seit uralten und der Phantasie der so bedeutsame und in- hat. Zum ersten Male setzt ein deutscher'Kaiser seinen Fuß auf Korfu; allein wie man überhaupt in der Welt wenige Stätten ausfindet, die nicht die Spuren deutscher Taten oder Leistungen trügen, so hat auch Kor­fus Vergangenheit so mancherlei von Deutschen zu erzählen. Vor allem aber ist es ein Mann, besten Name mit leuchtenden Lettern in die Ta­feln der Geschichte der Insel eingetragen ist. Das ist der deutsche Edelmann Graf Matthias

Zeit Dienst und Pflicht zu widmen. Die Pest herrschte damals in Deutschland, und so verzö­gerte die Quarantäne, die er durchzumachen hatte, seine Ankunft. Erst im Dezember konnte er vor dem Dogen, einem Angehörigen des alt- venezianer Geschlechts Corner, erscheinen und mit den leitenden Personen der Republik die nötigen Maßnahmen bereden. Schon damals vertrat er die Ansicht, daß die Osmanen ihren Stoß auf Korfu richten würden, und die Insel wurde denn auch sogleich sein nächstes Ziel. Am 15. Februar 1716 traf nach einer beschwerlichen Ueberfahrt der Feldmarschall an dem Platze ein, dem er den großen Ruhm seines Lebens verdanken sollte.

Es ist nötig, sich zum Verständnis der folgen­den Vorgänge eine Vorstellung der Lage und Gestalt von Korfu zu machen. An dem Kanal von Korfu, etwa in der Mitte der Insel, dem Festlande gegenüber, liegt die Stadt und Fest­ung deren Eesamtbevölkerung man damals auf etwa 16 000 Seelen schätzte. Eine schroffe und felsige Halbinsel trägt die sogenannte alte Fest­ung; landeinwärts schließt sich eine Ebene an und auf ihr breitet sich dann die neue Stadt aus. Im Rücken dieser Stadt erheben sich wie­derum Höhen; die eine dieser Höhen krönt die neue Festung, damals im wesentlichen die gleiche wie heute, und quer über das Land hinüber setzt sich die von ihr eingenommene Höhe in einigen weiteren fort, die unter dem Namen des Monte Abraham und des Monte S. Salva­dore in der Geschichte der Belagerung eine be­rühmte Rolle gespielt haben. Von Natur war also die Stadt überaus fest. War sie von der Eeeseite durch die Natur geschützt, so konnte fie von der Landsette durch geeignete Festungswerke, die sich an die natürlichen Höhen und Berge an- leljnten, leicht unzugänglich gemacht werden. Allein es fehlte viel, daß die natürlichen Vor­teile ausn«nutzt worden wären. Alles war ver­fallen, rllständig, unorganisiert. Die Be­satzung w»r, als Schulenburg In Korfu eintraf.

schellt, aber immer noch bedeutete das Osmanen- tum eine fortgesetzte Gefahr für die europäischen Staaten und insbesondere für die habsburgische Monarchie. Denn die Angriffskraft des tür­kischen Reiches war noch keineswegs gebrochen, und Sultan Achmed IIL, der feit 1703 auf dem Kalifenthrone saß, war ein unternehmungs­lustiger Mann. Gegen Ende des Jahres 1714 überraschte er die Republik Venedig durch eine Kriegserklärung, die diesen Staat ziemlich un­vorbereitet traf. Wohl reichte der Kaiser der Republik sogleich die Hand zum Bunde, allein noch war er durch die nordischen Händel, den Kampf um das Schicksal Karls XII. von Schwe­den, gefesselt, und seine Hilfe konnte daher nicht sogleich wirksam werden. Fast ohne Widerstand eroberten die Osmanen im Laufe des Jahres 1715 den ganzen Peloponnes. Die Republik Venedig hatte noch den großen Namen, auch fehlte es ihr weder an Stolz, noch an Ehrgeiz oder Reichtum; allein schon längst war dieser Staat über seine Blüte hinaus, war die einstige stählerne Tatkraft gebrochen; überall Verfall, vernachläsfigte Festungen, schlechte Dispositionen, mangelhafte Ausrüstung. Nur einige wenige Männer retteten die venezianische Kriegsehre im Feldzuge von 1715.

Als ihren obersten Feldherrn hatte die Re­publik einen sächsischen Edelmann, den Grafen Johann Matthias von der Schulenburg, in ihren Dienst genommen. Geboren am 8. August 1661 auf der alten Schulenburgischen Besitzung Em­den, nordwestlich von Magdeburg, genoß der Graf den Ruf eines der tüchtigsten Kriegsleute seiner Zeit. Nacheinander hatte er in savoyischen und kursächsischen Diensten gestanden. Karl XII- dem nordischen Löwen, gegenüber hatte er sich mit großen Ehren gehalten und in dem Kampfe mit ihm insbesondere seine große Umsicht und Besonnenheit glänzend bewährt. Dann war er in die Dienste der Republik Seneirig getreten, und im Herbste des Jahre» 1715 eilte er nun südwärts, nm der Republik in dieser kritischen

Soll die Feuerwehr in der Tat in Zeiten der Gefahr die Ehre ihres Namens retten, dann darf die Gemeinde mit der Ausgestaltung der Wehr nicht im Rückstände bleiben, sondern fie muß letz­terer nach Tunlichkeit ihre gewiß nicht unbe­scheidenen Wünsche erfüllen und die vorgebrach­ten Anträge berücksichtigen. Nur so und nicht anders kommt die Wehr in den Besitz zweckent­sprechender Geräte, und die Feuerficherheit in der Gemeinde ist auf solcher Höhe, daß nach Menschenmacht Brände verhütet und ausge­brochene rattonell bekämpft werden könne». Ohne gute Geräte und verläßliche Wasterbezugs- orte kann keine Wehr ihre segensreiche Tätigkeit im vollen Umfange entfalten, und traurige Vor- kommniste lasten sich bei der größten Eewisten- haftigkeit der Mitglieder der Feuerwehr nicht gänzlich verhindern, sie find eben die Früchte verkehrten Sparsinns und der Antipathie man­cher Eesellschastsschichten gegen die Feuerwehr.

Eine Organisation nach einem Unglücke hat keinen Wert, die maßgebenden Personen müsten stets darauf bedacht sei», die Feuerwehr auf der Höhe der Zeit zu erhalten selbst dann, wenn da­durch das Budget der Gemeinde um einige Pro- zc- te steigen sollte.

Würde jede Gemeindevertretung die Feuer­wehr den Bestimmungen der Feuerpolizeiord­nung gemäß materiell und moralisch unter­stützen, dann brauchte auch die Wehr nicht der Sündenbock zu sein, weil eben gut und vollkom­men ausgerüstete Wehren nach jeder Richtung hin in der ß<- e sind, ihren Verpflichtungen nachzukomme^ ü».d so den Tüchtigkeitsbeweis zu erbringen.

Die Feuerwehr wird wohl diesbezüglicher Mängel bei der Gemeinde vorstellig, aber nur zu oft ist alle Mühe vergeblich, die Gemeinde hat allerdings Ausflüchte und Ausreden, bei welchen derGeldmangel" die Hauptrolle spielt, alles bleibt nach wie vor, und dem Florian fällt als Beschützer der Anwesen eine große Auf- gäbe zu. Tritt aber ein Brandunglück ein, dann beruht die ganze Hoffnung aus der ungenügend unterstützten Wehr, und kommen unliebsame Vorfälle vor, so zieht stch die Gemeinde aus der Schlinge, und die Feuerwehr wird zum Sün- denbock gemacht, obwohl fie an der ungenügende» Löscharbeit nichts dafür konnte, da man an be­rufener Stelle ihren Vorschlägen und Wünschen kein Gehör schenkte.

Leider steht derzeit den Feuerwehren kein gesetzliches Mittel zur Seite, um Gemeinden, welche ihr nicht zweckentsprechende und an Zahl genügende Lösch- und Rettungsgeräte zur Ver­fügung stellen, zur Anschaffung derselben auf irgend eine Art zwingen zu können, und Sache der Landesbehörde ist es, nach dieser Hinsicht pastende Gesetze zu ertasten. Durch die Feuer­polizeiordnung können die Rechte der Feuer­wehren erweitert werden, und wenn das ge­schieht, dann ist die Feuerwehr auch in der Lage, die Gemeinde zur Erfüllung der Pflichten in

kaum 1600 Mann stark; erst später wurde fie auf 2245 Mann erhöht. Die Hauptsache aber war für den Augenblick, die dringenden Befestig­ungsarbeiten auszuführen. Da fehlte es denn an allem, besonders aber an Arbeitern. Zwar wurden ihm 4000 Mann versprochen, die täglich ans Werk gehen sollten, aber dieses Versprechen wurde nicht gehalten. Der Feldmarschall hatte eine Jnspekttonsreise nach Zante unternommen, als er von der Nachricht erreicht wurde, daß die Türkenflotte gegenüber der Insel, bei der Stadt Butrinto am Festlande vor Anker gegangen sei. In größter Eile kehrte er zurück und traf am 30. Juni in Korfu ein, um zu seinem großen Verdruste den Platz ungefähr in demselben Zu­stande zu finden in dem er ihn verlosten hatte. Nur war die Stimmung inzwischen auf den Nullpunkt gesunken. Der Korfioten bemächtigte sich eine allgemeine Bestürzung, Plünderungen und Gewalttättgkeiten kamen vor, und Schulen­burg mußte mit Strenge vorgehen. Er machte alle Versuche, um die Korfioten selbst zu bewaff­nen und so die Zahl der Verteidiger zu erhöhen. Aber als es galt, etwas zu leisten, da verschwan­den die von ihm gebildeten korfiotischen Milizen spurlos, und der Feldmarschall sah, daß er sich auf sich verlasten mußte. Er sah auch, daß es einen schweren und gefährlichen Kampf gelten würde; aber er begriff, daß Korfu nicht nur strategisch der Schlüstel zum ganzen veneziani­schen Staate sei, sondern daß auch der Fall dieses Platzes ungeheure demoralisierende Wirkung auf die ganze Christenheit ausüben müste. So entschloß er sich, den Platz zu halten; gleich war auch sein Verteidigungsplan gefaßt. Er ging dahin, die Verteidigung so weit wie möglich aus­zudehnen; insbesondere aber auch die beiden Hügel Abraham und S. Salvadore in die Ver­teidigungslinie hinMzuziehen, um fie als Außenwerke zu benutzen und die Türken so lang« als möglich bei ihnen aufzuhalten.

(Fortfttzung und Schluß folgt in Nr. 64 d». 8L)

Deutscher Reichstag.

Im Reichstag wurde am Mittwoch die Be­ratung des Etats des Reichsamts des Innern fortgesetzt. Abg. Naumann (fr. Vp.) verbreitete sich über die Arbeitskammern und bemängelte, daß diese in dem Entwurf lediglich als fakul­tatives Einigungsamt gedacht feien und nur den Charakter einer begutachtenden Körperschaft ha­ben. Damit würden sie nicht ihren Zweck, den Frieden zwischen den Arbeitgebern und Arbeit­nehmern zu fördern, erfüllen. Mindestens müß­ten dann die Verwaltungsbefugniste der Ar­beitskammern erweitert werden. Wenn sich fer­ner alle Arbeiterorganisationen für die Ar­beitskammern interessieren sollen, dann sei ein Proportionalwahlsystem unumgänglich. Abg. Graefe (Dtsch. Refp.) hielt eine Fortführung der Sozialpolitik für berechtigt, für unberechtigt je­doch den allgemeinen Wettlauf um die Gunst der Arbeiter. Auch dem selbständigen Mittel­stände müste ein größeres Wohlwollen erwiesen werden. Abg. Sir (Ztr.) rühmte die Tätigkeit des Zentrums auf sozialpolittschem Gebiete und trat besonders für die Interessen des Kauf­mannsstandes ein. Redner befürwortete ferner die Resolution seiner Partei betr. Unfallfürsorge bei Arbeiten zur Rettung von Personen, sowie die Resolution Graf Schwerin betr. zuverlässige Festellung der Viehpreise nach Lebendgewicht. Abg. o. Brockhausen (kons.) bat um weitgehende Fürsorge für den Handwerkerstand, für den bis­her nut wenig getan sei. Die kürzlichen Aus­führungen des Abgeordneten Naumann mögen in mancher Beziehung des Lobes wert gewesen sein, im ganzen hätten sie aber doch wieder nur Theorie gezeigt. Die Hoffiiungen, daß Herr Naumann gegen die Warenhäuser vorgehen werde, seien verfehlt. Auf die Kämpfe im Ber­liner Baugewerbe eingehend, forderte Redner einen größeren Schutz gegen den Terrorismus der Sozialdemokratie, um darauf noch Stellung zu verschiedenen Resolutionen zu nehmen.

Nach einer weiteren Rede des Abg. Zunck (natl.), der sich über die Frage eines einheit­lichen Stenographiesystems verbreitete, wurde ein Antrag auf Schluß der Besprechung ange­

Die Feuerwehr als Sündenbock.

Unter diesem Titel veröffentlicht Herr Geb­hard Meßmer in Kohling in demFeuerwehr­mann" einen Aufsatz, der sich in sehr treffender Weise mit den Verpflichtungen der Gemeinden den Feuerlöschanstalten gegenüber beschäftigt, um die letzteren in solchen Stand zu bringen, daß sie ihren Aufgaben in vollem Maße gerecht werden und dem Orte einen leistungsfähigen Feuerschutz gewähren können.

Dem Aufsatz entnehmen wir folgendes:

In mehreren Zeitungen war in letzter Zeit ein Artikel enthalten, welcher die Aufschrift hatteDie Feuerwehr als Sündenbock". Beim Lesen der wenigen Zeilen mußte man dem Ver­fasser nur zu sehr recht geben; denn wer die tat­sächlichen Verhältnisse, mit welchen manche Weh­ren zu kämpfen haben, aus eigener Anschauur^ oder noch bester Erfahrung kennt, der muß zu- geben, daß der Stand mancher Wehren ein schwerer ist, da ihnen von feiten der maßgeben­den Faktoren nicht jene Unterstützung und För­derung zuteil wird, wie sie sein sollte und auch ohne Mehrbelastung der Bevölkerung werden könnte und wie solche auch der klare Wortlaut des Gesetzes verlangt. Eine große Zahl der Wehren kann selbst beim besten Willen und unter der gesundesten Leitung nicht den Anfor­derungen entsprechen, die heutzutage an unsere Institutionen gestellt werden, weil ihnen nicht jene materielle und moralische Unterstützung der Gemeinde zukommt, welche das Gedeihen und die Entwicklung der Feuerwehr dringend bedarf.

Solange die Feuerwehren, die doch eine Ein­richtung der Gemeinden sind, von letzteren nicht nach Kräften gefördert und ausgestattet werden, kann man sie auch nicht in jenem Umfange für die hier und da vorkommenden traurigen Ereig­nisse bei Brandfällen verantwortlich machen, wie dies derzeit öfters der Fall ist, und wer dies dennoch tut, der legt Zeugnis davon ab, daß ihm die zur Fällung eines solchen Urteils vorhanden sein müssenden Kenntniste mangeln, und die be­treffende Person begeht ein großes Unrecht.

Die Mitglieder einer freiwilligen Feuerwehr können unter noch so tüchtiger Leitung stehen und von flammendem Eifer für die Sache beseelt sein, die Leistungen werden doch hinter den Er­wartungen bleiben wenn der Wehr nicht den örtlichen Verhältnissen an Zahl und Beschaffen­heit entsprechende Lösch- und Rettungsgeräte zur Verfügung stehen, wenn die Gemeinde nicht jenen Paragraphen der Feuerpolizeiordnung entspricht, die sich auf das Feuerwehrwesen be­ziehen.

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