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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

m» de« Heilige«: ..ziterarischer Anzeiger",Landwirtschaftlich» Keila,," «»d ,,zll«strirrtr« Kmmt«,»blatt".

.N 60

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische Zeitung- bei allen Postämtern und unser« Zeitungsstellen in Kirch Hain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Mittwoch, 11. März 1908.

Die JusertionSgebühr beträgt für die 7g«sp<ütene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Nug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 2L Telephon 56.

43. Jayrg.

Zweites Blatt.

Der Nutzen der Schutzzölle für die Arbeiterschaft.

Im anhaltischen Landtage hat unlängst ktaatsminister von Dallwitz eine bemerkens­werte Rede über die Wirkung der Schutzzölle ge­halten. Er führte dabei folgendes aus:

Man kann bei der Beurteilung gerade der hier hauptsächlich in Frage stehenden Jndustrie- vnd landwirtschaftlichen Schutzzölle nicht das eine ausschlaggebende Moment außer Betracht taffen, daß speziell nur der Einführung de» Schutzzollsystems der Aufschwung unserer Indu­strie und die neuerdings gebefferte Rentabilität der Landwirtschaft zu verdanken ist, was allge­mein bei den Arbeitnehmern in einer Steiger­ung der Löhne zum Ausdruck gelangt ist, welche die Steigerung der Preise gewiffer Lebensmittel weit übersteigt. Warum wurde denn trotz der höhern, momentan höhern Preise für gewiffe Le­bensmittel, die übrigens durch eine ganze Reihe sonstiger Faktoren mit bedingt sind, trotz der meines Dafürhaltens für die Arbeiter in den Städten weit bedenklicheren Steigerung der Miets- und Kohlenpreise, die mit den Schutz­zöllen gar nichts zu tun hat, die Lebenshaltung der Arbeiter, der breiten Schichten der Bevölker­ung durchschnittlich eine ungleich höhere und bessere, als dies vor zwanzig oder auch vor zehn Zähren oder auch noch vor fünf Jahren der Fall gewesen ist? Oder glauben Sie," fuhr der Mi­nister fottdaß die Arbeiter aus den Gegen- den und Ländern mit billigen Eetreidepreisen, aus den östlichen Provinzen des Reiches und den angrenzenden Nachbarländern, so zahlreich zu uns herüber strömen würden, wie es tatsächlich der Fall ist, wenn fie bei uns nicht bester leben und mehr ersparen tonnten wie in ihrer billigern Heimat? Würden Sie tatsächlich die Rückkehr zu den Zuständen herbeisehnen, wie fie vor Ein­führung des Schutzzollsystems vor 20 oder 30 Jahren bestanden haben, wo tatsächlich ein nicht geringer Prozentsatz unserer Bevölkerung einfach zur Auswanderung gezwungen war, weil die mangels genügenden Zollschutzes damals mühsam ihr Dasein fristenden Fabriken und die aus dem gleichen Grunde extensiv betriebene Landwirt­schaft zahlreichen deutschen Arbeitern nicht loh­nenden Verdienst und Unterkommen gewähren konnten? Nein, meine Herren, der enge Zusam­menhang zwischen den Schutzzöllen einerseits, den Lohnsteigerungen und der besteren Lebens­haltung andererseits ist evident und ist auch sehr zutreffend beleuchtet in dem erst kürzlich er­schienenen Jahresbericht der Handelskammer in Esten, die als Vertreterin eines westlichen Jndustriebezirks doch nicht in den Verdacht kom­men kann, ostelbische oder einseitige agrarische Tendenzen zu vertreten."

So oft diese Tatsachen auch schon hervorge­hoben find, muß doch immer wieder darauf zu-

83 «Nachdruck verboten.»

Die weiße Frau von Oldensloe.

Original-Roman von O. Elster.

(Fortsetzung.)

Ich atmete wie befreit von einem finsteren Gedanken auf.

Er hat mehr an Ihnen gesündigt als an mir," entgegnete ich.Sie haben ihm verziehen, wie sollte ich ihm nicht vergeben? Friede und Ruhe seiner Asche, Friede und Ruhe seiner Seele..... er war der Vater meines Vaters ich habe kein Recht, ihm zu zürnen."

Gerührt schloß mich die Gräfin in die Arme. Es war mir, als habe ich jetzt erst die Mutter gefunden.

Am Abend holte mich die Gräfin aus der Bibliothek ab und führte mich zu der Mutter meines Vaters, die in einem Lehnstuhl saß und mir beide Hände entgegenstreckte, al» ich eintrat, während die Gräfin in dem Vorzimmer blieb.

Ich wußte es, daß Du kommen würdest, mein Sohn," sagte die Unglückliche.Die böse Frau hat jetzt keine Macht mehr über Dich."

Ich küßte ihre hageren Hände und setzte mich neben sie, ihr beruhigend zusprechend. Mit glücklichen Augen und einem heiteren Lächeln schaute fie mich an. Alle Hast und Unruhe war aus ihrem Wesen gewichen. Man hätte fie für geistig gesund halten tonnen, wenn fie nicht an der fixen Idee festgehalten hätte, daß ich ihr Cohn sei. Sie sprach auch von nichts anderem. Zhr Geist war nur mit diesem einen Gedanken beschäftigt und es wäre vergeblich gewesen, fie »on den wahren Verhältnissen überzeugen zu wollen.

Als ich mich nach einer Weile entfernen wollte, wurde fie wieder unruhig und aufgeregt.

»Aber es ist schon spät und Du mußt Dich

rückgekommen werden, da nicht nur die sozial­demokratische sondern auch die sreihändlerisch- liberale Presse diese günstige Einwirkung der Schutzzölle auf unsere wirtschaftliche und soziale Entwickelung vertuscht und verdunkelt. Erst kürzlich ist von den Vertrauensleuten des Mau­rerverbandes öffentlich festgestellt worden, welch bedeutenden Nutzen gerade die Arbeiter von der Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle haben; aber diese absolutunverdächttige" Feststellung hat weder in der sozialdemokratischen noch in der freisinnigen und freihändlerischen Presse Be­achtung gefunden. Umso beharrlicher müssen die Zeitungen der übrigen Parteien auf derartige Darstellungen Hinweisen, damit den absichtlich irregeführten Arbeitern die für den Freihandel eingefangen werden sollen, die Augen geöffnet werden.

Als Muster eines liberalen Vereins- Gesetzes

wird im Reichstage das württembergische Ver­einsgesetz gepriesen. Wie ungerechtfertigt aber die Deklamationen über die drohende Verschlech­terung dieses Rechtszustandes imfortgeschrit­tenen" Süden durch das Reichsvereinsgesetz sind, kann man aus einer Darstellung der württem- bergischen Vereinsgesetzgebung ersehen, die der Schlesischen Zeitung" aus Stuttgart zugegangen ist. Danach ist der heutige württembergische Rechtszustand dieser:

1. Oeffentliche Versammlungen find ohne po­lizeiliche Erlaubnis, aber nur nach Anzeige oder öffentlicher Bekanntmachung gestattet.

2. Oeffentliche Versammlungen können von der Polizei nach Gutdünken überwacht und aus Gründen des öffentlichen Wohls jederzeit auf­gelöst werden.

3. Die Gründung von Vereinen unterliegt den Einschränkungen des Artikels 9 des Polizei­strafgesetzbuchs.

4. Vereine aller Art können von der Regier­ung aus Gründen des öffentlichen Wohls aufge­löst werden.

5. Gegen alle diese Anordnungen der Polizei kann gerichtliche Hilfe nicht angerufen werden.

Daß dieser Rechtszustand übrigens durchaus nicht bloß Theorie ist, sondern daß die Regier­ung unter besonderen Umständen auch Gebrauch davon gemacht hat, zeigen, wie in dem genannten Blatte weiter hervorgehoben wird, folgende Bei­spiele: Noch im Jahre 1880 ist die Landesver­sammlung der Volkspartei überwacht worden, und alle Beschwerden, die dagegen erhoben wur­den, sind vollständig abgewiesen worden, da die Ueberwachung auf Grund der bestehenden Gesetze erfolgt ist. Auch im letzten Jahrzehnte sind wie­derholt anarchistische, auch sozialistische Versamm« hingen überwacht und zum Teil auch aufgelöst worden. In aller Erinnerung steht noch die Ueberwachung des internationalen Sozialisten- kongresses in Stuttgart im letzten Herbst, die zur Ausweisung des Engländers Quelsh geführt hat. Vergegenwärtigt man sich diesen Rechtszu-

zur Ruhe legen," sagte ich.Ich werde wieder- kommen."

Wirst Du ganz gewiß wieder kommen?"

Ja, ich verspreche es Dir."

Run, dann will ich geduldig warten. Ich weiß. Du wirst Deine Mutter nicht vergessen, Du bist ja ein guter Sohn, und die böse Frau hat keine Macht mehr über Dich."

Die Frau ist nicht böse, Mutter," sagte ich.

Sie ist sehr gut."

War sie es gegen Dich?"

Ja, sehr gut und freundlich. Sie ist auch nicht böse zu Dir, fie will Deine Freundin, Deine Schwester fein. Du mußt auch gut gegen fie sein und ihr gehorchen."

Die Arme blickte eine Weile sinnend zur Erde.Hat sie Dich nicht mir fortgenommen?" fragte fie bann.

»Im Gegenteil sie hat mich Dir wieder zugeführt."

O, wenn fie das getan hat, dann ist sie nicht böse, dann will ich ihr gut sein! Wo ist fie, daß ich ihr danken kann?"

Ich rief die Gräfin und die Kranke wollte ihr in stürmischer Dankbarkeit die Hände küssen. Die Gräfin wehrte ihr und schloß fie gütig und freundlich in die Arme.

Aller Groll und Zwist war vergessen, und wie ein leicht versöhnte» Kind ließ sich die Arme jetzt zu Bett bringen.

Am andern Morgen reiste ick ab, um zu hören, welche wichtige Angelegenheit mein Onkel mit mitzuteilen hatte.

Das Haus meines Onkels stand noch auf dem. selben Platz, befand sich aber in einem gänzlich neränberten Zustande. Es hatte fein vornehmes Aussehen eingebüßt und die wohltuende Ruhe und Ordnung hatten einer fortwährenden lln- I ruhe, einem Hasten und Treiben Platz gemacht.

stand, so wird klar, daß alle Behauptungen von demideal-liberalen württembergischen Ver­einsrecht" nichts als Phrasen find.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Wabern, 7. März. Ein Eroßfeuer entstand heute mittag auf dem Gehöft des Gutsbesitzers Hartung in Besse. Sämtliche Oekonomiegebäude wurde mit allen Vorräten und Gerätschaften eingeäschert. Das Wohnhaus wurde gerettet.

Cassel, 9. März. Einer der ältesten und be­kanntesten Räte des hiesigen Amtsgerichts, der k. Amtsgerichtsrat Emil Burchardi, ist am 5. d. Mts. nach kurzem schweren Leiden verstorben.

Eschwege, 9. März. Die Hauptversammlung des Pfarrvereins für den Regierungsbezirk Cas­sel fand hier am vorigen Donnerstag im Restau­rant Hempfing statt. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten verbreiteten sich die Herren Pfarrer Sardemann und Francke- Cassel in klaren, lichtvollen Vorträgen über die Erneuerung der kirchlichen Diakonie. Diakonie ist hier nicht im engeren Sinne der Kranken- und Armenpflege gemeint. Die Vorträge behan­delten die gegenseitige Stellung der Kirche und Diakonie zu einander und zeigten neue Bahnen für die Zukunft. Am Nachmittage referierten die Herren Pfr. Ehringhaus-Fulda und Wolfs- Cassel über den § 166 des Strafgesetzbuches. Vom idealen evangelischen Standpunkt ist dieser Paragraph nicht nötig. Aber der Staat kann ihn zum Schutze der verschiedenen Konfessionen nicht entbehren, und das Volk würde leicht irre werden, wenn ein Paragraph fiele, welcher sein religiöses Empfinden den Gotteslästerern nicht vogelfrei macht. Immerhin sind' verschiedene Härten, welche beseitigt werden müßten. Z. B. sollte man demjenigen, der aus dem Suchen und Forschen nach Wahrheit, aus sachlicher Kritik auf die Anklagebank kommt, nicht dem Lumpen gleichftellen, der aus niedriger, gemeiner Ge­sinnung Gott und die Kirche beschimpft. Auch sollte für ersteren Fall nicht gleich mit entehren­den Strafen vorgegangen werden. Nach ein­gehender Diskussion einigte man sich auf fol­gende Entschließung:Wir erachten die Beibe­haltung des § 166 aus Gründen des Gesell- schaftslebens unter den gegenwärtigen Verhält- niffen für geboten wünschen aber eine Milder­ung in der Strafbemessung und eine Sicherung der aus ideellen und sachlichen Gründen erroad)« Jenen Kritik einer anderen staatlich anerkannten Religionseinrichtungen. Zugleich bitten wir den Eesamtvorstand unter Hinzuziehung juristi­scher Sachverständiger in Erwägung der etwai­gen Aenderungen einzutreten."

Friedberg, 9. März. Die Möbelfabrik Binde­wald in Friedberg hat die Zahlungen einge­stellt. 500 000 M. Passiven sollen 105 000 Jt Aktiven gegenüberstehen. Die Firmeninhaber haben den Gläubigern einen Vergleich dahin­gehend vorgeschlagen, das Unternehmen in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umzu­wandeln, an dem sie sich je nach ihrem Guthaben beteiligen sollen. Es soll jetzt in der Hand der

größeren Gläubiger liegen, ob der Plan zur Ausführung gelangen kann. Sollte der Betrieb zur Einstellung kommen, was sich in den nächsten Tagen entscheiden wird, so dürsten etwa 150 Ar­beiter davon betroffen werden, wovon ein Teil allerdings schon entlassen ist.

Mainz, 9. März. Als städtischer Bibliothe­kar ist aus einer großen Anzahl von Bewerber« Professor Binz von der Universität Basel, ein geborener Württemberger, ausgewählt und der Stadtverodnetenversammlung zur Wahl vorge­schlagen worden.

Münster, 8. März. Aus dem gegen 8 Uh< von Münster nach Hamm fahrenden Zuge ent­sprang gestern ein Gefangener seinem Trans­porteur. Nachdem der Zug zum Halten ge­bracht war, wurde die Verfolgung des Flücht­lings, an der sich auch eine Anzahl Passagiere beteiligte, ausgenommen. Nach einer kurzen Razzia wurde er gefaßt und im Triumphe schleppte man den sich heftig wehrenden Transporteur zum Zuge zurück, den Gefangenen aber hatte man laufen lassen und obendrein noch seines Beschützers beraubt.

Duisburg, 7. März. Als vorgestern Nach­mittag der Kleinbahnzug in Empel einlief, rannte der vierjährige Sohn eines Lehrers, der feinem auf der anderen Wegseite stehenden Vater entgegenlief, direkt vor die Maschine und wurde zermalmt. Der Lehrer, bw seinen Sohn zu retten versuchte, trug schwere Verletzungen davon.

Vergnügungs-Anzeiger Nepertotr-Vntwurf der Frankfurter Stadttheater.

Frankfurter Schauspielha«».

Mittwoch, 11. März, 2% Uhr:Wilhelm Tell."

7 Uhr:Vater uno Sohn."

Donnerstag, 12. März, M Uhr:Bei uns da drüben."

Freitag, 13. März, 7 Uhr:Doktor Klaus."

Samstag, 14. März, 7 Uhr:Panne."

Sonntag, 15. März 3^> Uhr:Bei uns da drü­

ben." 7 Uhr:Panne."

Montag, 16. März, 7 Uhr:Doktor Klaus."

Dienstag, 17. März, 7 Uhr:Die Niebelungen." Frankfurter Opernhaus.

Mittwoch, 11. März 7 Uhr:Tannhäuser."

Donnerstag, 12. März, 7 Uhr:Madame Butterfly."

Freitag, 13. März, %8 Uhr:Ein Walzer­traum."

Samstag, 14. März, 7 Uhr:Don Juan."

Sonntag, 15. März, Uhr:Frühlingslust."

7 Uhr:Oberon."

Montag, 16. März, %8 Uhr:Die lustig« Witwe."

Verantwortlich für die Redaktion:

Dr. phil. Carl Hitzeroth in Marburg.

welches den Charakter des Hauses vollständig geändert hatte. An Stelle des kleinen Bank­geschäftes war ein Bierausschank mit allabend­lichen Konzerten einerDamenkapelle" getreten. Der Hof lag voll leerer Bierfässer, Wagen und Karren standen umher, zwischen denen Kinder, Hunde und Hühner ihr Wesen trieben. Der schöne stille Garten war zu einem Restaurations­garten umgewandelt, den abends eine lärmende Menge erfüllte.

Der erste Stock, den stüher Graf Oldensloe bewohnte, war in mehrere Wohnungen geteilt, die einzeln vermietet wurden, ebenso wie der zweite Stock. Es war so in dem Hause ein Aus- und Eingehen von Gästen, Bewohnern, Köchinnen, Dienstmädchen, Kindern und Ee- fchästsleuten entstanden, eine ewige Unruhe, welche das Wohnen in dem Hause nicht gerade angenehm machen mußte.

Mein Onkel schien sich aber in dem Wirr­warr sehr behaglich zu fühlen. Nicht nur, daß er die Einnahmen aus seinem Hause verdoppelt hatte, so paßte ihm auch diese Bewohnerschaft besser, al» die ruhige, vornehme gräfliche Fa­milie, die sich kaum herabließ, mit ihm ein Wort zu wechseln. Wie fein Haus, so hatte sich auch übrigens mein Onkel verändert. Er war nach­lässig in feinem Anzuge geworden und die Trunksucht, der et fich immer mehr hingab, hatte seinem schwammig-feisten Körper und seinem aufgedunsenen Gesicht ihre Spuren aufgedrückt. Seine Praxis als Rechtsanwalt war mehr und mehr zurückgegangen, es wurden ihm nut noch solche Angelegenheiten übertragen, mit denen sich kein anderer Anwalt abgeben wollte. Sein Ruf wat dadurch noch schlechter geworden und feine Kollegen gingen ihm gern aus dem Wege.

Et empfing mich in den mit bekannten Vot- detzimmetn, deren Pracht allerdings bedenkliche Einbuße erlitte« hatte. HeberaU Unotdnuna.

Schmutz und Staub! Die Fenstervorhänge schmutzig und zerrissen, die Teppiche abgetreten und staubig, die Bezüge der Möbel verblaßt und abgenützt.

Hallo, mein Junge," tief er mit entgegen, kommst Du endlich Deinen alten Onkel und zweiten Vater zu besuchen? Triffst aber gerade zur rechten Stunde ein. R'mm Platz und greif zu."

Auf dem Tische stand eine Flasche Portwein; Schinken und Wurst, Brot, Butter und Käse bewiesen, daß mein Onkel gerade mit einem kräftigen Frühstück beschäftigt wat.

Ich dankte für die Einladung, da ich schon im Hotel gefrühstückt hatte.Aber ein Glas Portwein kann nicht schaden," fuhr er fort. Hier, laß uns anstoßen auf das Andenken Deiner guten Mutter. Siö war eine brave Frau schade, daß sie uns so rasch verließ."

Um ihn nicht zu verletzen, stieß ich mit ihm an und leerte mein Glas, für ein zweites dankend.

Ich bin nicht hierher gekommen um mit Dir zu frühstücken, Onkel," sagte ich in ernstem Ton,sondern um von Dir die Angelegenheit zu erfahren, übet welche Du mit geschrieben hast."

Er lachte laut auf, trank ein weiteres Glas Wein wischte sich mit der Hand die fettglänzen­den Lippen, knüllte eine schon sehr schmutzige Serviette zusammen, warf fie auf den Tisch und sagte bann mit geheimnisvollem Ernst:Ja, mein Sohn, bas ist eine verdammt wichtig« und ernste Sache. Wir müssen dieselbe in meinem Kontor besprechen, meine Wirtschaf­terin, die alte Schlange, ist so neugierig rote eine Fliege und hat ihr Ohr stet» am Schlüssel­loch, wenn ich hier Besuch empfange. Komm i« mein Kontor da sind wir stcher, und Du wirst Wunderdinoe böten."___ iStartL falaLl