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mit dem ^reisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain -

und den Beilage«:Ateraei scher Anzeiger",KandwirlschafLliche Beilage" undIllustriertes Ssnntagsblatt".

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Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische Zeitung" bei alle« Postämtern und unfern ZeitungSstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 31. Der Bezugspreis beträgt durch di,/Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Mittwoch. 11. März 1908.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespalt«e Zeile ober deren Raum 16 Pfennig, ffit Reklamen 30 Pfennig.> ja r, r

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniverfitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. L.Hitzeroth, Marburg, Markt21. Telephon55.

Der heuttgen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 20.

Menschen gemeint ist. Das ist zwar schmerzlich, aber doch auch in der Beziehung heilsam, als es ihn zu größter Vorsicht auch in privater Mein­ungsäußerung mahnt, namentlich wo es sich um aktuelle politische Fragen handelt.

Erstes Blatt.

Der Brief des Kaisers an Lord Tweedmouth.

Heber die Veranlassung des Briefes Kaiser Wilhelms hat dieDaily Mail" folgen­des erfahren: Die Veranlassung dazu hat Lord Efferts Brief an die Gründer der neuen Navi- gate League gegeben, in dem dieser erklärte, in Deutschland würde jedermann, der Kaiser an der Spitze, den Sturz Sir John Fishers will­kommen heißen. Der Kaiser hat, hierdurch ver­letzt, einen persönlichen Brief an den ihm intim bekannten Lord Tweedmouth gerichtet. Mehrere hohe öffentliche Beamten hätten schon die Ehre gehabt, Briefe vom Kaiser zu erhalten, doch diese behielten sie für sich. Tweedmouth leider nicht. Er zeigte ihn verschiedenen Führern beider Parteien und hohen Persönlichkeiten der Gesellschaft. In dem Briefe, der im Unterhalt­ungstone gehalten sei, habe sich der Kaiser ziem­lich deutlich über Lord Efferts ausgesprochen. Dies sei offenbar der Grund, daß es Lord Tweedmouth Spaß gemacht habe, den Brief zu zeigen. Schließlich haben auch Damen der Ge­sellschaft Kenntnis von dem Briefe erhalten, und da sei es mit dem Geheimnis vorbei ge­wesen. Die einzige Bezugnahme auf die britische Flottenvolitik liegt in einer Phrasenthese, worin der Kaiser erklärt, er könne, wenn er wolle, be­weisen, daß die britische Flotte fünfmal so stark sei als die deutsche. Ein informierter Gewährs­mann bestätigt diese Darstellung rnb fügt hinzu, daß der Brief des Kaisers den VermerkPri­vat" trage.

Die angekündigte Interpellation im Unter­hause hat gestern stattgefunden. Der Schatz­sekretär Asquith erklärte, daß er seinen Aus­führungen vom letzten Freitag nichts weiter hinzufügen habe, als daß Lord Tweedmouth sofort nach Empfang des Briefes Kaiser Wil­helms diesen Brief dem Staatssekretär des Aeußern Erey gezeigt und sich mit Erey dar­über verständiat habe, daß der Brief keinen offi­ziellen Eharakter trage und als Privatmitteil­ung zu behandeln sei. (Beifall.) Es könne ab­solut keine Rede davon sein, eine private, per­sönliche Korrespondenz auf dem Tisch des Hauses niederzulegen.

Im Oberhause gab Lord Tweedmouth die­selbe Erklärung selbst ab. Das Haus war in Voraussicht einer Erklärung Tweemouths von den Mitgliedern dicht besetzt. Auch die öffent­lichen Tribünen wie die Galerien der Diplo­maten waren überfüllt. Lord Tweedmouth sprach unter lautloser Stille und mit sichtbarer Beweg­ung:Ich habe gehört, daß einige Mitglieder des Hauses aesonnen sind, über die ungewöhn­lichen Angriffe, welche in der Presse im Laufe der letzten Tage erhoben sind, eine Anfrage zu stellen. Ich möchte jeder Anfrage, die gestellt werden könnte, zuvorkommen. Es ist Tatsache, daß ich am 12. Februar einen Brief vom Kaiser erhielt. Dieser Brief ging mir auf dem gewöhn­lichen Wege der Post zu. Der Brief war ein privater und persönlicher. Ich zeigte ihn Erey, der mit mir einer Meinung war darüber, daß er als Privatbrief und nicht als ein amtliches Schreiben behandelt sei. Demgemäß sandte ich dem Kaiser am 20. Februar ein Antwortschrei­ben, das in demselben Sinne gehalten war, wie sein eigener an mich gerichteter Brief, nämlich in einem freundlichen und zwanglosen Tone. Alles, was ich weiter sagen kann, ist: Ich bitte i das Haus, sich versichert zu halten, daß ich der festen Meinung bin, daß der von mir befolgte Weg ein guter und darauf berechnet war, das zu tun, was wir alle so sehr wünschen, nämlich alles zu tun, was in unseren Kräften steht, um zwischen dem Deutschen Reiche und uns das gute Einvernehmen zu festigen."

In der Debatte ergriffen Lord Lansdowne und Roferbery das Wort, von denen der erstere I besonders den privaten Eharakter der Korre- I spondenz betonte, der letztere der Presse nahe- I ^St. nicht ein krankhaftes Mißtrauen zwischen I zwei Volkern zu erwecken. In beiden Reden I mm die Ueberzeugung zum Ausdruck, daß ein Versuch, auf die Entwickelung der englischen I Marine einzuwirken, in keiner Weise in dem | Briefe Kaiser Wilhelms zu erblicken sei. I

Damit haben die verantwortlichen Stellen I Englands die Sache wieder einigermaßen einge- I -renkt. Der Kaiser aber wird durch den Verlauf I

Angelegenheit um eine lehrreiche Enttäusch- I Mag reicher geworden sein, die ihm vor Augen I geführt hat, daß nicht alles so entgegengenom» I wen wird, wie es von einem rückhaltlos offenen I

Für jetzt wird die Deutschenhetzerei der Times" nun wohl im Sande verlaufen. Eine Unterstützung erhält sie aber natürlich aus Paris, wo dasEcho de Paris" behauptet, der Kaiser habe während seines Aufenthaltes in Highcliffe auch noch ein anderes sehr einfluß­reiches Mitglied des Kabinetts Campbell-Ban- nerman bei einer Unterhaltung über Marine- und militärisch« Fragen in einer Weise um­fangen, daß dies Mitglied plötzlich sich erhoben und das Gespräch mit folgenden Worten abge­brochen habe:Ich bitte Eure Majestät um Ver­zeihung, aber es ist mir nicht gestattet, länger diese Unterhaltung fortzuführen. Eure Maje­stät machen mir so ernste Vorschläge, daß es in England nur zwei Personen gibt, die befugt sind, sie anzuhören: den Premierminister und den Staatssekretär für die auswärtigen Ange­legenheiten."

Der Offizier, der die Korrespondenz zwischen dem Kaiser und Lord Tweedmouth derTimes" hinterbrachte, soll Major Rippington, ein per­sönlicher Freund Lord Eshers, sein.

Airs den Parlamenten.

Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus führte am Montag die zweite Lesung des Eisenbahnetats zu Ende. Eine lange Reihe von Rednern befürwortete lokale Wünsche meist auf Bahnhofsneubauten und -Umbauten. Minister Breitenbach sagte Prüfung der einzelnen Wünsche zu. Dienstag: Masurischer Kanal.

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Dem Reichstage gingen die Ergänzungen des Etatsgesetzes des Reichshaushaltsetats für 1908 zu. Die Ergänzung des Etatsgesetzes ermächtigt den Reichskanzler, den Postüberweisungs- und Scheckverkehr einzuführen. Die Bestimungen über die Benutzung des Verkehrs werden durch eine vom Reichskanzler zu erlassende Verord­nung getroffen. Vorgesehen sind neun, am 1. Januar 1909 einzurichtende Post-Scheckämter: Berlin, Breslau, Köln, Frankfurt a. M., Ham­burg, Hannover, Karlsruhe, Danzig und Leipzig.

Deutsches Reich.

Der Kaiser in Helgoland. Der Kaiser stattete gestern während der Mittagszeit dem Öberlande einen Besuch ab und wurde bei seiner Landung von dem Kommandanten, sowie von I dem Gemeindevorsteher und einer Anzahl Ehren- jungftauen in helgoländischer Tracht empfangen. Der Kaiser besichtigte die Schutzarbeiten und nahm später bet dem Kommandanten das Früh­stück ein.

Der Kaiser verlieh der Großherzogin kurz vor der Schiffstaufe in Wilhelmshaven den Luisenorden mit der Jahreszahl 1813/14.

König Wilhelm von Württemberg ist gestern Mittag im Haag eingetroffen. Am Bahnhof waren die Königin-Mutter Emma und di« Fürstin von Teck zur Begrüßung erschienen. Der König stattete darauf der Königin Wil- helmina einen Besuch ab.

Born bayrischen Prinzregenten. Der Prinz­regent überwies dem Staatsministerium des Innern eine Summe von 10 000 Mark mit der Bestimmung, daß den Anstalten zur Säuglings­fürsorge in allen Regierungsbezirken Zuschüsse gewährt oder Einrichtungen dieser Art ins Le­ben gerufen werden. Dem Kriegsminister Horn stellte der Prinzregent wettere 10 000 Mark zur Verfügung, mit der Anweisuno, daß das Armee­museum mit Bildern geschmückt werde, welche denkwürdige Momente aus der Ruhmesgeschichte der Max-Josephs-Ordensritter zur Darstellung bringen sollen.

Zur Trauung des Fürsten Ferdinand von Bulgarien. Die erzbischöfliche Behörde in Bamberg gibt entgegen ihren bisherigen Be­hauptungen zu, daß der Fürst von Bulgarien in Eera tatsächlich protestantisch getraut wurde. Sie erklärt aber, daß ein schwerer Wortbruch des Fürsten Ferdinand vorliege, gegen den die zuständige Kirchenbehörde Maßregeln ergreifen werde. Rur so konnte sich ja der Widerspruch der beiden Behauptungen über die Trennung in Eera lösen.

Postscheckverkehr. Dem Reichstage find Er­gänzungen zum Etatsgesetz und Reichshaus- Haltsetat für 1908 zugegangen. Danach wird der Reichskanzler ermächtigt, den Post-lleber« weisungs- und Scheckverkehr einzuführen. Die

Bestimmungen über die Benutzung des Verkehrs werden durch eine vom Reichskanzler zu er­lassende Verordnung getroffen. Die grundsätz­lichen Vorschriften dafür find bis zum 1. April 1914 auf dem Wege der Gesetzgebung zu regeln. Diese Einführung würde die Einstellung von 125 954 JA in die fortdauernden Ausgaben beim Kapitel Betriebsverwaltung und von 40 300 Jt in die Einnahme der Reichs-, Post- und Tele­graphenverwaltung notwendig machen, wenn wir von den kleinen Veränderungen für Bayern und Württemberg hier absehen. Es ist angenommen, daß dieser Verkehr mit dem Be­ginn des Kalenderjahres 1909 zur Einführung gelangt. Im ersten Jahre würde somit dieser Betrieb voraussichtlich einen Zuschuß von 85 654 JA erfordern.

Währungsfragen. Die endliche Herab­setzung des Reichsbankdiskonts von 6 auf 5y2 pCt. veranlaßte das Mitglied der Reichs- und freikonservativen Partei Dr. Arendt in derD. Tageszeitung" zur Forderung schleunigster wei­terer Ermäßigung, um die schweren wirtschaft­lichen Schädigungen des Landes bu beseitigen. Die Gefahr des Eoldabflusses fei nicht mehr vor­handen. Andererseits werde unsere anwachsende Bevölkerung ständig mehr Barmittel in An­spruch nehmen. Man dürfe nicht durch Erdrosse­lungszinsen den Verkehr einschnüren. Die Weis­heit der Eoldwährungsleute sei am Ende; da müsse das Aschenbrödel Silber wieder heran. Das neue im Bundesrate liegende Münzgesetz werde unseren Münzumlauf um 5 JA für den Kopf, also um 300 Mill. M und künftig um jährlich 20 Mill. JA vermehren. Diese Silber­prägungen würden dem Barvorrat der Reichs­bank eine Verstärkung von etwa 150 Mill. JA bringen, etwa 100 Mill. JA Silber und etwa 50 Mill. JA Gold, das durch Silber Ersatz gefunden. Auch der Notenumlauf werde sich um 50 Mill. JA vermindern. Dr. Arendt weist dann auf das v. Dechendsche Mittel zur Stärkung der Eold- reserve hin: Die Einbehaltung der goldenen Zehnmarkstücke durch die Reichsbank. Für die Zukunft müsse unserer finanziellen Unabhängig­keit wegen die Freizügigkeit des Eoldes beseitigt werden, zumal die Goldproduktion ihren Höhe­punkt überschritten habe. Man müsse recht­zeitig zum französischen Prämiensystem über­gehen. Hoffentlich ändere die nach Ostern zu­sammentretende Bank-Konferenz die Reichs­bankpolitik gründlich.

Zum Termin des Landtagsschlusses weiß die Dtsch. Tgsztg." zu berichten, daß der Landtag voraussichtlich schon vor Ostern geschlossen wer­den wird. Man rechnet damit, daß die Eisen­bahnvorlage bis dahin noch erledigt werden kann; die Regelung der Beamtenbesoldung soll im Herbste mit rückwirkender Kraft erfolgen oder es sollen den Beamten wiederunm Teuer­ungszulagen gewährt werden. Daß man diesen Ausweg beschreiten muß, ist bedauerlich; aber wie die Dinge liegen, notwendig. Bindende Be­schlüsse über den Schluß des Landtages sind allerdings noch nicht gefaßt worden. Daß der Reichstag sich auch vor Ostern vertagen werde, gilt als ausgeschlossen. Die Vertagung wird frühestens Mitte Mat statffinden können, aber immer noch einige Zeit vor dem für die Land­tagswahlen vorläufig ins Auge gefaßten Termin.

Ergebnisse de, Volkszählung vom 1. De­zember 1905. In dem Vierteliahrshest zur Sta- ftstik des Deutschen Reichs 1908, I werden als letzte Mitteilung der Volkszählungsergebnisse vom 1. Dezember 1905 Uebersichten über die Entwicklung der Reichsbeoölkerung seit dem Jahre 1816, die natürliche und tatsächliche Ve- völkerungsvermehrung in den einzelnen Volks- zählungsycrioden feit 1871 und den 526 Gemein­den des Deutschen Reiches mit mehr als 10 000 Einwohner veröffentlicht. Aus der ersten Ueber- ficht ist zu ersehen, daß im ganzen Reich die Be­völkerung gestiegen ist. Die auf die mittlere Be­völkerungszahl berechnete durchschnittliche jähr­liche Zunahme schwankt zwischen 0,17 v. H. in der Volkszählungsperiode 1852 bis 1855 und 1,51 v. H. in dem Zeitraum 1895 bis 1900. Einige Landesteile, wie Ostpreußen, Westpreu- ßen, Pommern und Posen, welche jetzt ein recht geringes Wachstum, zeitweise sogar eine Ab­nahme aufweisen, hatten früher ein starkes Wachstum. Andere Landesteile, wie Rhein­land, Westfalen und Königreich Sachsen waren dagegen in starker Zunahme begriffen. Die lleberstcht der natürlichen Bevölkerungsver­mehrung, d. h. des Ueberschusses der Geborenen über die Gestorbenen, und der tatsächlichen Be- völkerungsvermehrung zeigt, daß bis zum Jahre 1895 die natürliche Vermehrung der Bevölker­ung immer eine größere war als das tatsächliche Wachstum, daß bis dahin immer eine Abwan­derung stattgefunden hat; in den beiden letzten

Volkszählungsperioden 1895 bis 1900 und 190h bis 1905 ist dagegen eine Zuwanderung erfolg^ Ein anschauliches Bild vcn der tatsächlichen Zu« nähme der Bevölkerung im letzten Jahrfünft und von den Anteilen, die an dieser Zunahme der Geburtenüberschuß und die Wanderung fyxtj geben die dem Viertelfahrsheft beigefügten drei statistischen Karten. Eine vierte Karte gibt ditz Dichte der Bevölkerung an, d. h. die auf einess Quadrattilometer durchschnittlich entfallende Zahl von Einwohnern.

Heber den Stand der Lebensmittelpreis« im Februar d. I. wird von amtlicher statistische« Stelle folgendes mitgeteilt: Die Preise der vier Eetreidearten sind im Februar d. I. fast überall gesunken. Die Ermäßigungen betragen beiiss Weizen: in Neuß und Aachen je 15, in Görlitz,! Stettin und Cassel je 10, in Breslau, Ha a. S. und Kiel je 9, in Eleiwitz und Berlin je 8, in Köslin, Posen und Paderborn je 7, in Hanau 6 in Frankfurt a. O., Stralsund und Hannover ft 5, in T:-3i(t, Osnabrück und Koblenz je 4, ft Vromberg und Magdeburg je 3, in Königsberg i. Pr. 1 Jl; beim Roggen: in Aachen 13, in Posen 12, in Breslau, Eörlitz und Halle a. S. je 10 ,in Danzig und Neuß je 9, in Köslin, Elei« witz, Stettin. Berlin und Koblenz je 8, in Stral­sund Magdeburg und Paderborn je 7, in Kiel, Hannover und Cassel je 6, in Königsberg i. Pr. und Frankfurt a. O. je 5, in Bromberg 3, in Osnabrück 2 JA. Die Preise der verschiedenen Fleischsorten mit Ausnahme des Hammelfleisches haben sich gegen den Vormonat um ein geringes ermäßigt, während die Eßbutter teurer gewor­den ist.

Artilleriemechaniker. Die komplizierten maschinellen und elettrischen Einrichtungen der stetig sich vergrößernden Artillerieanlagen an Bord der modernen Schiffe stellen an das zu ihrer Instandhaltung bestimmte Personal sa hohe Anforderungen und verlangen so ein­gehende Fachkenntnisse, daß es notwendig er­scheint, ein bestimmtes Personal hierfür zu schaffen. Auf diese Weise würde gleichzeitig die wünschenswerte Entlastung des jetzigen Feuerwerkspersonals erreicht und dieses aus­schließlich für den Exerzier- und Schießdienst, so­wie für die Behandlung der Munition verfügbar werden. Die Marineverwaltung beabsichtigt da­her, eine besondere Laufbahn für Artillerie- Mechaniker zu gründen. Dem betreffenden Per. sonal wird die Ausführung der bis fetzt teils von den Feuerwerkern, teils von den Büchsenmachern und teils vom Maschinenpersonal versehenen Arbeiten an den maschinellen und elektrischen Einrichtungen der Artillerieanlagen obliegen. Da dem Vernehmen nach das bisher vorhan­dene Büchsenmacherpersonal als Personalstock mitübernommen werden soll, so dürfte es sich für jüngere Waffentechniker, Elektrotechniker, Me­chaniker und Kunstschlosser schon jetzt en-r^en, sich zum freiwilligen Eintritt für die Büchsen­macherlaufbahn zu melden. Anmeldungen wer- den jederzeit bei der 1. Werftdivision in Kiel oder bei der 2. Werftdiviston in Wilhelmshaven entgegengenommen.

»Blinde" undLahme". Herr Südekum hat seit einiger Zeit durch seine Stellungnahme in der Wablrechtstaktikfrage den Zorn der waschechten Parteipresse erregt. Gelegentlich einer Polemik gegen die Revionisten schreibt die L. Volkszta." drastisch, aber in richtiger Kennt­nis der tatsächlichen Verhältnisse:Allein in der Politik fragt man nicht nach dem guten Her. zen, kaum nach der Ehrlichkeit, sondern nur nach der Macht. Und fragt man: welche Macht steht denn hinter Eerlach, Barth und Breitscheid? Welchen Anhang haben sie für ihre preußische Wahlrechtstakttk in den freisinnigen Wähler­massen gewonnen? so kann die Antwort nur lauten: genau so viel, wie die David, Bernstein, Südekum für ihre Wahlrechtstakttk in den so­zialdemokratischen Wählermassen gewonnen haben, nämlich gar keine. Wenn die David, Bernstein, Südekum den Eerlach. Barth und Breitscheid im Wahlrechtskampfe helfen wollen, so erinnert das ein wenig an die rührendeSzene. wo ein Blinder einem Lahmen helfen will, den Weg durch dieses irdische Jammertal zu finden."

Zur Frage der sexuellen Aufklärung i» den Schulen, über die von der preußischen Un­terrichtsverwaltung eine Umfrage veranstaltet war, hören dieB. R. 81. daß eine physiolo­gische Belehrung über die sexuelle Frage in den Schulen von keiner Seite befürwottet ist. Man kann daher auch wohl annehmen, daß diese Auf­klärung nicht mehr in Frage kommt. Hingegen sollen die Belehrungen der Abiturienten auf diesem Gebiete in Form von Vorträgen an den Orten, wo sie eingeführt wurden, zu keinem Be. denken Anlaß gegeben haben. Nach der im preu­ßischen Landtage vom Kultusminister zu der Angelegenheit abgegebenen Erklärung ist eine Stellungnahme der Unterrichtsverwaltung noch nicht erfolgt. '

Sozialdemokratische Geschäftsführung. Tee frühere Sozialdemokrat Amandus Schubett hattg j