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Maa abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische .Bettung* bet allen Postämtern und unfern ZeitungSstellen in Kirchhau» und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfetn Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Sonntag, 8. März 1908.

Die JusertiouSgebüh» beträgt für die 7oefpaltene Zelle oder beten Raum 15 Pfeanig, für Reklamen 80 Pfennig. Truck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unroersitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E.Httztroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg.

Erftes Blatt.

, Marokko.

Es war nie recht klar, was die Franzosen von ihrer Casablanca-Aktion eigentlich er­warten. Noch nie aber war es unklarer als wo dem General d'Amade wieder einige Tausende Verstärkung gesandt werden:damit das Expeditionskorps sich nicht überanstrengen muß", wo ferner noch ein General, der Militar- fiouverneur von Algerien Liautey und der Ee- andte in Tanger Regnault nach Casablanca gehen, um den General d'Amade zu beraten. Clemenceau, der immer Optimist ist, verteilt an die Zeitungen orakelhafte Auslassungen, die Operationen werden bald beendigt sein usw. Die offizielle Formel, die in der Kammer und in den Zeitungsartikeln, die bestimmt find, im Auslande gelesen zu werden, zu Tode gehetzt wird: Pazifikation der Schaujas, militärische Deckung jsir die baldmöglichst einzurichtende Po» lizei ist doch nur eine spanische Wand für die einfache Wahrheit, daß man weder vorwärts noch zurück kann und infolgedeffen stehen bleiben muß. Daß die Casablanca-Aktion ein Fehler war, durch den man in eine höchst simple und un­angenehme Sackgasse geraten ist, weiß in Frank­reich jedes Kind. Eigentlich hat die Regierung in der letzten Kammersitzung diesen Fehler, wenngleich verdeckt, zugestanden; denn es heißt doch offenbar nichts anderes, als einen gemachten, aber nicht rückgängig zu machenden Fehler ein­zugestehen, wenn Minister Pichon in der letzten Kammersitzung die Instruktion an das Expedi­tionskorps in Casablanca damit rechtfertigt, daß er sagt: es gibt drei Möglichkeiten des Handelns in der jetzigen Situation: erstens herauszu­gehen, zweitens einen Eroberungskrieg zu füh­ren, drittens so zu handeln, wie das Mini­sterium handelt. Da die zwei ersten Möglich­keiten nicht durchführbar sind, wie die Kammer selbst zugibt, ist die dritte die richtige. Diese etwas negative Rechtfertigung taucht immer nur auf, wenn vergangene Fehler vorliegen, welche fortzeugend Böses müssen gebären. Aehnliche Rechtfertigungen haben wir bei der Polenvorlage gehört und logischerweise billigen müssen. Die Vergangenheit ist nun einmal un­wiederbringlich.

Man wird indessen gespannt sein müssen, was die 3000 Mann Verstärkung, der Rat des Gene­rals Liautey und die Anwesenheit des Gesandten Regnault in Casablanca fertig zu bringen ver­suchen. Es ist schwer, an diese undurchdringliche und eigentliche trationale Situation mit ratio­nalen Erklärungsversuchen heranzutreten. Wenn es aber gestattet ist, zu kombinieren, so wird man das neue Stadium, in das die französische Marokkopolitik infolge der letzten tagelangen Beratungen der Minister mit den Sachverstän­digen ungefähr so interpretieren müßen: die französische Regierung, ist durch die letzten

Die Turnvereine in Marburg.

/ Eine Erinnerung von L. Müller.

- (Fortsetzung.)

Durch die Heere des Kaisers Nikolaus von Rußland war in Ungarn der gewaltige Auf­stand niedergeschlagen worden, als mit alter Zähigkeit Oesterreich seine alte Politik in Deutschland wieder aufnahm. Der ehemalige Minister Hassenpflug, der noch bei den Kurheffen im schlimmsten Andenken stand, hatte den Auf­trag erhalten, ein neues Ministerium im Sinne des Kurfürsten zu bilden. Am 23. Februar 1850 wurde dieses Vorhaben ausgeführt. Bis zum 20. März desselben Jahres bestand das unter Preußens Führung sog. Erfurter Parlament, dem auch Kurhessen angehörte. Hasienpflug aber arbeitete mit Oesterreich und Bayern an der Wiedererweckung desBundestages und so kam es, daß am 28. Juni Kurhessen aus der Union aus» trat. Bei dem neuen Landtag, der nun am 22. August zusammentrat, hatten die Demokraten eine Anzahl Sitze erobert und ihr Führer, der Professor Bayrhoffer, gelangte aus den Präfi» dentensitz. Ein Budget, das dem vorigen Land­tag nicht vorgelegt wurde, kam jetzt wieder nicht zur Vorlage, die am 31. August zur Verhand­lung kam. Nach einer lang-n Debatte beschloß die Ständeversammlung, daß die indirekten Steuern erhoben und deponiert, die direkten da­gegen gestundet werden sollen. Dieser Beschluß hatte die abermalige Auflösung des Landtages zur Folge. Hasienpflug ordnete die Erhebung der ...euern an und löste den Landtag auf. Der stänoige Ausschuß erklärte ein Ministerium, das nicht im Stande sei, in sechs Monaten ein Budget herzustellen, für unfähig zu regieren. Infolge dieser Vorgänge wurde am 7. Septem­ber der Kriegszustand über Kurhesien verhängt.

Kämpfe des Generals d'Amade doch etwas be­denklich geworden in bezug auf die Leichtigkeit und Ungefährlichkeit der militärischen Aufgabe der Pazifizierung der Schaujas; fie fürchtet Rückschläge. Um diese Rückschläge zu verhin­dern, verstärkt sie das ohnehin schon beträchtlich starke Truppenkontingent um weitere 3000 Mann. Sie hofft nicht, daß diese Verstärkung zur Beruhigung der Bevölkerung genügen wird. Dies« Beruhigung scheint fie von anderm weni­ger kriegerischen Faktoren zu erhoffen. Man hat in Paris gesagt, es käme darauf an, den Stäm­men das Nützliche der Besetzung Casablancas durch die Franzosen begreifbar zu machen. Hier liegt anscheinend die Spezialaufgabe des Ge­sandten Regnault.und des Generals Ltautney, welchen beiden man ja eine besondere Gewandt­heit in der Behandlung der Eingeborenen nach­rühmt. Man ist jetzt anscheinend wieder der Ansicht, daß Kanonen weder das billigste noch das angenehmste Mittel sind, um auf die Ein­geborenen Eindruck zu machen. Vielleicht glaubt man die Stämme und auch Mulay Hafü> ähnlich wie Abdul Afls in Güte zu Frankreich zu be­kehren. Neulich hat ein Tangerer Franzose im Courrier du Maroc" die Weisheit ausgeplau­dert, daß die Soldaten, die man nach Marokko hineinschickt, weniger nützlich sind als das Geld, das man hineinfreckt; das Geld wirkt, es ver­pflichtet, es schafft Ansprüche, die abzulösen den Marokkanern so leicht nicht werden wird.

' Deutschland hat allen diesen Dingen keine weitere Verpflichtung als die des aufmerksamen, von Mitleid ebenso wie von Schadenfreude freien Zuschauers. Es vertraut auf die wieder­holten, formellen Versicherungen Frankreichs, ein Protektorat nicht zu wollen und weder auf Fez noch auf Marakesch zu marschieren b.

Ass den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Im Reichstage wurde am Freitag die Berat, ung des Etats des Reichsamts des Innern fortgesetzt. Bundesratsbevollmächtigter v. Burck- Hard verwahrte zunächst den bayerischen Finanz­minister gegen die Meinung, der bayerische Fi­nanzminister habe sich mit seinen Ausführungen zum Schrittmacher der direkten Reichssteuern gemacht. Abg. Hoch (Soz.) schloß sich den gest­rigen Bemerkungen des Grafen Kanitz über die Kartelle an, erklärte jedoch, die preußische Re­gierung, die die Syndikatsbildung begünstigt habe, habe sich damit auch zum Organ des Groß­kapitals gemacht. Auf das Gebiet der Sozial­politik eingehend, meinte Redner, diese sei nur ein lahmes Nachhinken der Regierung hinter den Anregungen der Sozialdemokratie. Staatssekre, tär v. Bethmann-Hollweg erwiderte, der Vorred­ner habe in seiner Rede in jedem Schritt der Regierung etwas Arbeiterfeindliches gesehen. Wenn der Redner behauptet habe, es würden Renten entzogen, ohne daß ein Grund dazu vor­liege, so müsie er feststellen, daß dies nicht der Fall sei. Weiter erklärte der Staatssekretär,

Wegen der Steuerverweigerung beauftragte der wiedererstandeneDeutsche Bund" am 16. Ok­tober Bayern und Hannover mit der Aufstellung eines Exekutionsheeres in Kurhessen. Da nun Hannover für diese Ehre dankte, übernahm Oesterreich diese Aufgabe. Der Kurfürst war so gnädig und teilte dieses seinen Untertanen mit. Preußen stand damals noch außerhalb des deut­schen Bundes und ließ am 2. November ein preußisches Korps in Cassel einrücken. Auch in Marburg wurde ein Bataillon preußischer Eardereserve einquartiert. Am Abend des 12. November wurde dieses Bataillon alarmiert, es hieß die Bayern und Oesterreicher kamen; die Preuß.r verstärkten die WaLen und wollten die Weidenhäuser Brücke abbrecyen, aber am näch-' sten Tage rückten sie ab und am folgenden Tage kamen die sog. Strafbayern und Oesterreicher und hielten mit aufgepflanztem Bajonett ihren Einzug in Marburg.

Von Wilhembad, wohin die Regierung übergesiedelt war, hatte am 28. Oktober der Kur­fürst eine von seinen Ministern Hasienpflug, Vollmar, Haynau uM-Baumbach unterzeichnete Verkündigung an sein Volk erlassen, worin es vorbereitet wurde, daß kaiserlich österreichische und königlich bayerische Truppen an dem Tage, wo diese Verkündigung veröffentticht wird, in Kurhesien einrücken, um in Ausführung der von der Bundesversammlung gefaßten Beschlüsse zur Vollziehung zu bringen und den verkündeten Kriegszustand aufrecht zu erhalten.

Zum Bundeskommisiar war Graf Rechberg ernannt worden, später kam Graf Leiningen. Für den Einmarsch der Truppen hatte man den großen Vettag, den 1. November, gewählt, wo in Hanau 25 000 Bayern ein rückten. Die kur- hessische Regierung legte gegen die Besetzung Kurhessen» durch Preußen Verwahrung ein und rief threy Gesandten von Berlin ab, Preußen

die preußische Legitimationsverordnung für aus­ländische Arbeiter halte sich innerhalb der Gren­zen der preußischen Befugnisse und widerspreche in keiner Weise den Handelsverttägen und dem Reichsrecht. Der Dank für die Ausarbeitung der Eewerbenovelle gebühre feinem Vorgänger, dem Grafen Posadowsky. Wenn der Abg. Frhr. von Eamp kürzlich das llebermatz von Beamten be­mängelt habe, so könne er nur auf die neuer­lichen Ausführungen des Abg. Naumann ver­weisen, die ihm aus der Seele gesprochen waren. Was die Kartellenquete anlange, so stehe fest, daß diese unparteiisch geführt worden ist. Man möge nicht übersehen, daß in der Denkschrift nicht alles mitgeteilt werden konnte aus Rücksichten auf die Konkurrenzverhältnisse im Auslande. Bei allen gesetzlichen Maßnah­men sei ernst zu prüfen, ob fie auch wirklich zu durchgreifenden Verbesserungen führen können. Das Kattellwesen lasse stch einheitlich nicht regeln. Abg. Dr. Mugdan (frs. Dp.) betonte gegenüber dem Abg. Hoch, daß kein Staat der ganzen Welt die gleichen Aufwendungen für so- ztalpolitische Zwecke mache wie das deutsche Reich. Die Sozialdemokratie, die stets gegen Streikbrecher wüta züchte ärztliche Streikbrecher, organisattonen. Redner fragte schließlich nach dem Stande der Zusammenlegung der Verstcher- ungsgesetze. Abg. Schack (wirtsch. Vgg.) wieder­holte seinen Vorschlag, zur Bewältigung aller eingehenden Resolutionen eine ständige sozial­politische Kommission zu schaffen, befürwortete die Resolution Bassermann auf gesetzliche Regel- ung der Arbeitszeit in Kontoren und sonstigen kaufmännischen Betrieben, erklärte sich aber gegen die konservative Resolution auf Bekämpf­ung de» Schmiergelderunwesens. Redner be­grüßte das Aufblühen der christlich-nationalen Arbeiterbewegung, deren Arbeitersekretäre er als Pioniere des Deutschtums und Christentum» rühmte. Abg. Neune« (natl.) begründete die Resolutton auf Unfallfürsorge bei Arbeiten zur Rettung von Personen und Bergung von Ge­genständen. Darauf trat Vertagung ein.

Preußischer Landtag, abgeorbnettttbaug.

Da» Abgeordnetenhaus setzte am Freitag btt Einzelberatung des Eisenbahnetats beim Antrag des Abg. Frhr. v. Eamp (frk.) fort, der für die Abgeordnetenhauswahlen für die Wahlmänner freie Fahrt nach und vom Wahlorte forderte. Nach kurzer Erörterung erklärte Minister Brei- tenvach, schon fett 1868 bestehe die Vorschrift, den Wahlmännern die rechtzeitige Ankunft am Wahlort zu ermöglichen. Zu der Forderung freier Fahrt für die Wahlmänner habe das Mi­nisterium noch nicht Stellung genommen. Der Antrag wurde der Vudgetkommission überwiesen. Die Einnahmen au» dem Personen- und Güter­verkehr wurden bewilligt. Bei den dauernden Ausgaben traten zunächst die Verhältnisse der Arbeiter und Beamten in den Vordergrund. Abg. Sielermann (kons.) trat für stärkeren Schutz der Sonntagsruhe ein. Abg. Heckenroth

wurde schließlich durch die drohende Haltung Rußland» genötigt, das Land zu räumen. Hassenpflug hatte seinen Zweck erreicht und der Kurfürst kehrte mit der Hilfe fremder Bajonette am 27. Dezember 1850 nach Cassel zurück. Seine Autorität von war Bundesgnaden wieder herge­stellt worden. Gegen eine verfassungstreue Be­völkerung begannen nun die Eewaltmaßregeln. Die Bürgergarde, der Schützen- und Turnverein u. a. wurden aufgelöst, der Turnplatz wurde geschlossen, sämtliche Waffen und Fahnen muß­ten auf dem Rathause abgeliefert werden und wurden von hier nach Cassel ins Zeughaus ge­bracht.

Dann schritt man zur Quartterung der ver­fassungstreuen Beamten und Bürger und schickte ihnen eine Anzahl Soldaten in Kost und Logis, z. B. bekam der Präsident der Landstände, Pro­fessor Bayrhoffer, 40 Mann, ebenso wurden andere Landtagsabgeordnete, wie z. B. der Oeko« nom Schneider in der Marbach mit 40 Mann Einquartierung bedacht. Es war nun manchem beschieden mit dem Kriegsgericht in Cassel Be­kanntschaft zu machen, wozu die Exekutions- truppen dem Quartiergeber oft Veranlassung gaben. Prof. Bayroffer sandte seine Einquar­tierung in den Ritter, wo er fie an der Tafel der Offiziere speisen ließ. Da man jedoch diese» übel vermerkte, wurden ihm feine Soldaten später abgenommen. Prof. Dr. Dute, welcher damals den Alemannen uns zugleich den Tur­nern angehörte, erzählte folgendes Ereignis von einer Patrouille: Die Bayern erlaubten sich öfters Eingriffe in die akademischen Rechte, in­dem sie in die Studentenkneipen eindrangen und den Studenten Feierabend boten, welches Recht sonst nur der Scharwache zukam. Die Ver­bindung Alemannia hatte l Weidenhausen im Hause Nr. 18 ihre Kneipt, fie nannten diese nach der Wirtin, bit Kolbt bieg und eine Eat-

(kons.) empfahl die Leistungen der Arbeiterpen«, fionskasse zu erhöhen. Eine Rede des Abg. Goldschmidt (frs. Vp.) veranlaßte Minister Brei­tenbach zu den Bemerkungen, er stehe den Ar- beiterkoalittonen und Berufsvereinen durchaus liberal gegenüber. Aber alle diese Vereinigun­gen haben stch staatsfeindlichen Bestrebungen fernzuhalten. So fei nicht nur die Sozialdemo­kratie, sondern auch jede Koalitton zu be­kämpfen, die auf dem Wege des Massenstreiks wirtschaftliche Erfolge durchdrücken wolle. Die Löhne seien erheblich gestiegen, die Pensionskasse habe ihre Leistungen in 16 Jahren um 110 Proz. erhöht. Die vom Abg. Volk (natl.) ge­forderte Gleichstellung bet höheren Techniker mit den Verwaltungsbeamten versprach der Minister nochmals zu prüfen. Jedoch sei eine allgemein« Gleichstellung der Stellen der Jnspektionsvot» stände mit den Direttionsstellen nicht ratsam. Beim Titel Wohlfahrtseinrichtungen bat Abg, v. Eavignq (Ztt.j, auch dem Trierer Verband ein freundliches Gesicht zu zeigen, zumal dieser in der Streitfrage den Standpunkt des Minister« vertrete. Schließlich begründete noch Abg. v. Korn (kons.) einen Antrag auf Maßnahmen gegen Schädigungen des inländischen Kohlen­verbrauchs durch die Mißstände auf dem Kohlen­markte. Minister Breitenbach erwiderte, die Eisenbahnverwaltung habe bisher mit dem Kohlensyndikat nicht ungünstige Erfahrungen gemacht. Sie könne hier nur durch die Tarif­einsetzungen eingreifen und sei über diese in neue Erwägungen getreten. Sonnabend: Fort­setzung.

Sus den Kommissionen de» Reichstag».

Die Budgetkommission beriet am Freitag den Etat de» Reichsmilitärgettchts. Der Etat wurde ohne wesentliche Abstriche genehmigt. Beim Neubau de» Reichsmilitärgerichtsgebäudes wur­den von der Forderung 1430 000 «M. im ganzen 430 000 gestrichen, die in diesem Jahre nicht benötigt werden. Am Dienstag wird der Etat für Südwestafrika beraten.

Deutsches Reich.

Der Kaiser in Wilhelmshaven. Der Kai­ser verblieb nach seiner Einschiffung auf der Deutschland" zunächst an Bord. Er begab stch dann gegen 12 Uhr im Automobil durch ein Spalier von Matrosen und vom Publikum mit stürmischen Hofrufen begrüßt, nach dem. Exer- zierschuppen II der zweiten Matrosenabteilung zur Rekrutenvereidigung. Den Kaiser beglei­teten Prinz Heinrich, die Herren des Gefolge» und außer dem Fürsten von Fürstenberg auch Admiral v. Hollmann und General v. Hopfner, welche im Sonderzuge mit eingetroffen sind. Prinz Heinrich, der gestern nachmittag im Auto­mobil eingettoffen wat, machte noch nachmit­tags dem Admiral Fische! einen Besuch. Er hatte abend» die ortsanwesenden Admirale an Bord

küche hatte, dieKolberei". Das Kneiplokal lag ebnerErde und es führte von dem Hausgang eine kleine Treppe zu demselben. Eines Abends um 10 llhr kommt eine bayerische Patrouille in das Kneiplokal, um den Studenten Feierabend zu bi.ten. Die Studenten wiesen jedoch die Sol­daten entrüstet zurück, es waren deren drei Mann. Der zunächst der Türe sitzende Alemanne drückt die Soldaten zur Türe hinaus und schlägt diese hinter d .t Letzten zu. Der so zuletzt Ex­pedierte fällt auf seine beiden noch auf bet Treppe befindlichen Vormänner und alle drei liegen im Hausgang. Nun rücken die Bayern vereint mit gefälltem Bajonett in die Studen­tenkneipe und sicher hätte es tote Menschen ge­geben, wenn nicht ein Hauptmann von den Bayern, der sich im Zivil bei den Studenten als East befand, sich in das Mittel gelegt und di« Soldaten beruhigt hätte. ?,ui diesem hatten es die Studenten zu verdanken, daß fie vor jede» weiteren Unannehmlichkeiten bewahrt bliebe» und die Patrouille von Tätlichkeiten Abstand nahm.

1851 wurden die Alemannen aufgelöst. Die Franken wurden ebenfalls aufgelöst und zwar aus dem Grund, weil sich einige den Hanauer Turnern angeschlossen hatten und stch an dem badischen Aufstand beteiligten.

4 Generäle, 7 Obersten, 20 Oberstleutnants. 12 Majore, 50 Hauptleute und Rittmeister, 50 Premier- und 89 Sekondleutnants, alle Adju­tanten, außer einem, hatten ihr Abschiedsgesuch eingereicht; nut 14 Offiziere hatten sich dem Schritt angeschlosien, ebenso ging es mit den anderen verfassungstreuen Beamten, weicht liebet abdantten, als ihren Eid brechen wollten, wozu fie von der Regierung gezwungen roetbtr sollten,

- (Fortsetzung folgt.)