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©er heutigen Nummer liegt bei Kreisblall Nr. 19.

Erstes Blatt.

Heimarbeit.

Bei der Beratung der beiden Gewerbeord­nungsnovellen im Reichstage wurde haupt- (ächlich über die Mißstände der Heimarbeit und >en notwendigen Schutz dagegen verhandelt. Es ergab sich dabei, daß alle Parteien mit Aus­nahme der Sozialdemokratie in der lieber» zeugung einig waren es müsse, soweit das über­haupt möglich sei, darauf Bedacht genommen werden, in eine Regelung der Heimarbeit ein­zutreten, damit müsse aber mit der größten Vorsicht verfahren werden, wenn nicht durch unüberlegte und unangebrachte Maßnahmen zahlreiche Existenzen vernichtet werden sollen.

Es ergab stch aus der Debatte der bemerkens­werte Umstand, daß wie ri oft schon in un­serer Sozial- und Wirtschaftspolitik die kon­servativen Gesichtspunkte allmählich die herr- schenden geworden waren. Keine Partei ist ernsthafter für Abstellung der Mißstände, die in der Hausindustrie stch gezeigt haben, eingetreten. Aber wie diese immer nur das Mögliche und Er­reichbare ins Auge faßt und das Eesamtinteresie dabei stets in den Vordergrund stellt, so hat sie auch in dieser Frage sich von allen Schwarz­malereien und radikalen Reformplänen fernge­halten. Richt stören soll man die Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen in der Beschaffung ihres Lebensunterhaltes, sondern sie fördern, nicht den Erwerbstätigen und Erwerbsbedürftigen die häusliche Arbeitsgelegenheit vermindern oder ganz abschneiden, sondern sie lohnender und besser gestalten.

Dieser Gesichtspunkt ist in der Reichstags­debatte von allen bürgerlichen Rednern ver­treten worden. Dabei wurde auch von meh­reren Rednern der nationalliberalen Partei hervorgehoben, daß die Berliner Hetmarbeits- ausstellung, die von jener Gesellschaft veran­staltet war einen sehr tendenziösen, irreführen­den Charakter getragen hat. Von konservativer Seite war darauf schon früher aufmerksam ge­macht worden, während die liberalen Blätter in überschwänglicher Weise aus dieser Veranstalt­ung, die in der Hauptsache Material veranschau­lichte, das von den sozialdemokratischen Gewerk- Mastsverbände-. ad hoc zusammengetragen war, die radikalsten Schlüsse zogen.

Run hat da Hand ans Werk gelegt wer­den soll auch auf der Linken ein nüchternes Urteil Platz gegriffen. Ja ein nationalliberaler Redner sang sogar ein Preislied auf die Heim­arbeit und er hatte in mancher Hinsicht recht. Denn die Heimarbeit ist in vielen, sehr vielen Gegenden und in zahlreichen Familien ein Se­gen. Die sozialpolitischen Theoretiker, denen in dieser Angelegenheit sogar Naumann, der selbst in sozialpolitischen Theorien oft genug geschwelgt hat, widersprach möchten die ganze Heimarbeit beseitigen. Diese Anschauung beleuchtet das weltfremde Wesen der sozialpolitischenSchwarm- geifter in lehrreicher Weise.

Es ist aber auch bezeichnend, daß diese An­schauung sich mit den Bestrebungen der Sozial­demokratie deckt, wie ja so oft die bürgerlichen .Sozialreformer in den sozialdemokratischen Jdeenkreis hineingeraten. Aber wenn diese bei­den Richtungen dasselbe anstreben, so ist es nicht dasselbe. Die Sozialdemokraten wollen ein gänzliches Verbot der Heimarbeit, weil ste über­haupt die Verelendung, die Proletarifierung weiter Volksschichten herbeiführen wollen. Einen besseren Beweis dafür, daß die sozialdemokra­tische Partei unfähig ist. positive, den Arbeiter, interesfen dienende Politik zu treiben, gibt e» nicht als ihr Bestreben nach Vernichtung der Ar­beitsgelegenheit für Heimarbeiter.

Die konservative Partei verfolgt auch in der Heimarbeiterfrage realpolitische zu einer Bes. serung führende Absichten. Vorsichtig und unter Wahrung der Gesamtinteressen mit klarem Blicke fortschreitend, muß bei der Abstellung der Mängel vorgegangen werden. Drängen und Drauflosstürmen kann gerade hier wie übrigens in der ganzen Sozialpolitik nur »om Uebel sein.

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Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag setzte am Donnerstag die Be- Artung des Etats des Reichsamts des Innern ß»rt. Abg. Bruhu (Dtsch. Rfp.) sprach den Wunsch aus, daß ball» eine Novelle zum Gesetz «bet den unlauteren Wettbewerb kommen möge, forderte einen größeren Schutz gegen den Ter«

rorismus der sozialdemokratischen Gewerkschaf­ten und bat, auch dem Handwerkerstände eine größere Beachtung entgegenzubringen. Abg. Kulerski (Pole) trat für eine Arbeitslosenver­sicherung ein und trug die üblichen polnischen Beschwerden vor. Abg. Mayer-Kaufburen (Ztr.) wandte sich gegen die Ausfuhrpolitik der Syndi­kate. Die Preise seien im Jnlande zum Teil doppelt so hoch wie für Lieferungen nach dem Auslande. Damit werde eine ausführliche Kon­kurrenz groß gezogen. Es müsse ein Reichskar­tellamt geschaffen werden, welches den Konsu­menten einen staatlichen Schutz vor der Kartell­diktatur biete. Abg. Graf v. Kanitz (kons.) schloß sich in den weitaus meisten Punkten den Aus­führungen des Vorredners -an und gab einen Ueberblick über den gewaltigen Umfang des Syndikatswesens. Er zähle außer 30 interim- tionalen. 347 Kartelle. In Amerika habe sich ein Riesenkampf zwischen dem Staate und den Syndikaten entwickelt, desien Ausgang noch un­gewiß sei. Auch wir seien auf dem desten Wege zu amerikanischen Verhältnisien. Auch bei uns würden bald der Regierung die Trusts über den Kopf wachsen. Auch wer, wie Redner, kein grundsätzlicher Gegner der Kartelle sei, muffe ihren Auswüchsen mit allen Mitteln entgegen­arbeiten. Abg. Fuhrmann (natl.) begründete die Resolution seiner Partei, die Handwerker­und Eewerbekammern aufzufordern, sich gut­achtlich darüber zu äußern, ob und für welche Handwerkerarten, sowie für welche Handwerks- fertigkeiten und Fabrikate eine Abänderung des Paragraphen 100 G.O. über die Festsetzung von Mindestpreisen möglich sei. Abg. Dircksen (Rp.) wandte sich gegen irreführende Bemerkungen, die ihm von sozialdemokratischen Blättern über die Berliner Wahlrechtsdemonstranten in den Mund gelegt worden sind. Er bekämpft weiter die jüngste Rede des Abg. Schmidt und zeigte, daß von den Landwirten alles Mögliche zur Heb­ung der Lage der Landarbeiter geschehe, und daß die kleinen Bauern von der Sozialdemokratie keinerlei Förderung ihrer Interessen zu erwarten haben. Dann trat Vertagung ein. Schluß 6 Uhr.

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Preußischer Landtag.

Abgeordnttrnliaus.

Das Abgeordnetenhaus setzte am Donnerstag die allgemeine Besprechung des Eifenbahnetats fort. Erster Redner war Abg. v. Quast (kons.), der die Frage aufwarf ob das zehnjährige Bau­programm des Ministers unter den heutigen Verhältnisien aufrecht erhalten werden könne oder ob nicht einzelne Bauten zurückzustellen seien. Preußen habe mit seinem vorzüglichen Fahrmaterial keinen Anlaß, sich nach der Eüter- wagengemeinschaft zu sehnen. Die Personen­tarifreform habe stch bewährt, doch sei die Fahr­kartensteuer wieder zu beseitigen. Abg. Schmed­ding (Zentr.) mahnte zu sorgfältigem Vorgehen bei Tarifermäßigungen. Die Kohlenpreise wer­den stch bei der Machtstellung des Kohlensyndi- kats auch nach Aufhebung der Ausnahmetarife nicht ändern. Abg. Marco (natl.) bestritt die Richtigkeit der Angaben des Finanzministers über die Beiträge der Eisenbahnen zu den all­gemeinen Staatseinnahmen. Unterstaatsfekre- tär Dombois hielt die Berechnung des Ministers aufrecht. Abg. Dr. v. Woyna (freikons.) glaubte, die von der Linken geforderte Umgrenzung der Beiträge der Eisenbahnverwaltung zu den all­gemeinen Staatsausgaben sei nur durch eine Versasiungsänderung zu erreichen. Elfenbahn­minister Breiteubach bestritt, daß von einer Ab­hängigkeit feiner Verwaltung vom Kohlensyndi- kat die Rede sein könne, und stellte die 20 Ton- nen-Eüterwagen als am zweckmäßigsten für Preußen hin. Abg. v. v-ckelberg (kons.) gab der Linken zu bedenken, daß eine weitergehende Deckung der Eisenbahnunkosten durch Anleihen schließlich die Heranziehung der gesamten Eisen- bahnüberschüsie zur Zinsentilgung führen muffe. Im Verlaufe der weiteren Erötterung sagte Minister Breitenbach eine nochmalige Prüfung der Frage zu, ob die Ausnahmetarife auf Eisen nach den Seehäfen aufzuheben seien. Die Partei der Raucher bat et, es beim Rauchverbot in den Speisewagen zu betaffen, wobei er die Zu­stimmung des Abg. Dr. Dahle« (Zentt.) fand. Ein Schlußantrag setzte der allgemeinen Be­sprechung schließlich «in Ende. Daraus trat Ver- tagung ein. *

Aus den Äomwifiioimi des Reichstags.

Die Budgetkommisstov beendete am Donners­tag den Etat für Kamerun. Staatssekretär Dernburg hielt einen ausführlichen Vortrag über das Enteignungsverfahren an der Küste von Kamerun. Das Reich will dott eine Wert­zuwachssteuer einführen. Beim Etat für Süd­westafrika schlägt der Staatssekretär Dernburg vor, wegen den in nächster Woche zu erwarten­den Ergänzungsetats di« Beratung auszusetzen. Am Freitag soll dafür der Etat be» Retchsmili- tärgerichts beraten «erde»,

Druck und Verlag: Job. Äug. Koch, Unwersttättbuchdruckeeei Inhaber Dr. <6. Hitzeroth, Marburg, Markt81. Telephon66.

Marburg

Sonnabend 7. März 1908.

^rnlsches Reich.

Der Kaiser sprach gestern morgen beim Reichskanzler vor, besichtigte um 10 Uhr in bet Bildergalerie des Kgl. Schlosies die Feldzeichen des 15. und 16. Armeekorps und hörte die Vor- ttäge des Stellvertreters des Kriegsministers, des Chefs des Eeneralstabes der Armee und des Chefs des Militärkabinetts. Abend» XV/i Nhr reiste der Kaiser nach Wilhelmshaven ab zur Taufe des neu erbauten Kriegsschiffe», an der auf besonderen Wunsch des Kaisers auch Fürst Fürstenberg teilnehmen wird.

Der Kaiser wird, wie von verschiedenen Seiten gemeldet wird, auf der Reise nach Korfu in Venedig mit dem König von Italien zusam- mentreffen. Dieser Besuch wird einen durchaus familiären Charakter haben. Die Rückreise des Kaisers aus Korfu wird dann über Triest er­folgen. Von dort begibt sich Kaiser Wilhelm - nach Wien, um dem Kaiser Franz Josef seinen Besuch zu machen. Die Begegnungen werden einen privaten Charakter tragen.

Die Kaiserin wohnte gestern mittag der Eröffnung des Basars für das Kaiserswerther Mutterhaus in den Räumen des Kultusmini­steriums bei.

Der Kronprinz begibt stch heute zu einem Besuche des Kürassier-Regiments Königin nach Pasewalk und kehrt auch heute wieder nach Ber­lin zurück.

Eine Berlobung der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen? Aus Lisiabon wird gemel­det: Ein hier umlaufendes Gerücht spricht von einer beabstchtigten Verheiratung des Königs mit Prinzessin Viktoria Luise von Preußen, Tochter Kaiser Wilhelms. Man bringt das Ge­rücht in Verbindung mit einem bevorstehenden Besuch des Kaisers in Lisiabon. Diese Nach­richt klingt doch etwas wenig glaublich!

Die Interpellationen über Die Besol­dungs-Vorlagen sollen im Reichstage am Diens­tag behandelt werden.

Wahlreform in Oldenburg. Der Landtag nahm in zweiter Lesung den Gesetzentwurf bett, die Wahlrechtsreform sowie den Regierungs­antrag, nur alle 5 Jahre eine Neuwahl der Ab­geordneten vorzunehmen, an.

Koburg-Gotha und da» vereinsgesetz. Berlin, 4. März. Gegenüber den Besorgnisien, die im Landtage von Koburg-Gotha in betreff einer Verschlechterung des einzelstaatlichen Ver­eins- und Versammlungsrechtes durch bu neue Reichsvereinsgesetzgebung geäußert worden sind, wird offiziös daraus hingewiesen, daß der Ent­wurf eines Reichsvereinsgesetzes auch für Sach« fen-Koburg-Gotha eine wesentliche Verbesserung und schärfere Umgrenzung des gegenwärtigen Rechtszustandes bietet, da die allgemeinen Be­fugnisse, die sowohl in Koburg, wie in Gotha auf Grund der Verordnung vom Jahre 1858 den Polizeiorganen zustehen, weit über den Kreis hinausreichen, der der Polizeibehörde durch den Reichsgesetzentwurf gezogen wird.

Die Einführung des Reichtagswahlrechts in Sachsen-Altenburg abgelehnt. Der Landtag ist über die Petitionen der sozialdemokratischen Landespattei, des Liberalen Landesvereines für das Herzogtum und des Altenburger Ortsver­bandes der deutschen Eewerkvereine (H.-D.) auf Einführung des Reichstagswahlrecht» mit allen gegen drei Stimmen zur Tagesordnung überge­gangen.

Die Wiedereröffnung der höheren Post- laufbahn. Die höhere Postlaufbahn wird vor­aussichtlich zum 1. April, und zwar zunächst in beschränktem Maße, wieder eröffnet werden; es wird abzuwarten sein, wie die Meldungen et­waiger Anwärter eingehen. Der Haüptwert des (dreijährigen) akademischen Studiums liegt übrigens neben den Grundlagen der Rechts« wisienfchast vornehmlich auf der Volkswirt­schaftslehre; die prattifche und wisienfchaftliche Ausbildung der Referendare erfolgt nach einem bestimmten Plane, der in dem vorgesehenen Triennium auch das eingehende Bertrautwerden mit dem Verwattungsdienst gewährleistet. Als Hilfswisienschaft der Telegraphie hören die Aka­demiker: Physik, Chemie, Mathemattk und Elektrotechnik.

Der Arbeitgeberverband auch gegen die Arbeitskammern. Berlin, 5. März. Der Verein Deutscher Arbeitgeberverbände nahm in seiner heutigen Ausschußsitzung folgende Resolution an: Der Verein hält es einstimmig für ausge­schlossen, daß die in dem Gesetzentwurf betreffend die Arbeitskammern zum Ausdruck gebrachten Aufgaben verwirklicht werden können. Viel­mehr erblickt er in den Arbeitskammer» auf paritätischer Grundlage eine schwere Gefahr für die gesamte deutsche Industrie, weil sie zur Ver­schärfung der Gegensätze führen werde». Der

Verein spricht sich aber hierdurch keineswegs gen die gesetzliche berufliche Jnteresienvertretung der Arbeitnehmer im Sinne der kaiserlichen Bot­schaft vom 4. Februar 1890 au».

Abänderung des § 100 q bet Bewerbe«* nung. Berlin, 5. März. Die Nationalliberale» haben im Reichstage folgende Resolution ein- gebracht: Der Reichstag wolle beschließen: bte verbündeten Regierungen zu ersuchen: L die Handwerks- und Gewerbekammern aufzuforder», sich gutachtlich darüber zu äußern, ob und für welche Handwerksfertigkeiten und Fabrikate di« Abänderung des § 100 q der Gewerbeordnung möglich und wünschenswert sei; 2. dem Reichs­tage über das Ergebnis der Umfrage eine Denk­schrift zugehen zu lasten. Im ß 100 q der Ge­werbeordnung wird den Innungen verboten, Be­stimmungen Über Mindestpreise zu treffen.

Die kolonialen Landkonzestionen. Wie dieDeutsche Tagesztg." aus guter Quelle er- fährt, find die Abmachungen, die der Staats­sekretär des Reichskolonialamtes mit den kolo­nialen Landgesellschaften getroffen hat, im all- gemeinen einwandsfrei und verständig, so daß ihnen im großen und ganzen zugestimmt werden kann. Die Landkommisiion soll diese Ab­machungen auch einmütig gebilligt haben. Viel­leicht wäre es zweckmäßig, wenn die Kolonial­verwaltung stch entschließen wollte, die Ab- machungen zu veröffentlichen, damit Mißver- ständnisie vermieden und falsche Auffastungea beseitigt werden.

Die Beschäftigung der Gefangenen tii bet Landwirtschaft. Königsberg, 5. März. In be» kommissarischen Beratungen übet die Frage der Verwendung Strafgefangener bei Landeskultur- arbeiten und in der Landwirtschaft, die unter dem Vorsitz des Oberpräfidenten v. Windheim am 2. Febr. stattgefunden haben, hat sich, wie an unterrichteter Stelle verlautet, die überwie­gende Mehrzahl der an der Konferenz Beteilig­ten dahin ausgesprochen, daß mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse in Ostpreußen die Beschäftigung der Gefangenen mit landwirt­schaftlichen Arbeiten den Vorzug verdient. 8»' ist daher anzunehmen, daß die Justizverwaltung den Landwirten wie bisher Gefangene zur Ver­fügung stellen wird. Nur die Dünenbefestigungs- arbeiten an der kurischen Nehrung, wo bisher 43 Gefangene beschäftigt waren, sollen vorläufig auch weiter durch Strafgefangene ausgeführt werden.

Ausland.

* * König Eduard ist nach Biarritz abgereist und bereits in Paris angekommen.

* * Die Bank von England hat den Diskont von 4 auf 3^2 v. H. herabgesetzt.

* Die russische Regierung und die Alands­inseln. Petersburg, 5. März. Ein Regierung»- kommunigus über die Ostseefrage erklärt die Be­fürchtungen hinsichtlich der Alandsinseln für gänzlich grundlos. Rußland beabsichtige keines­wegs die Befestigung der Inseln, muffe aber au« Gründen der Staatsräson die Beseitigung der Klausel von 1856 verlangen.

** Die Franzosen und Rußland» Balka» polittk. Paris, 5. März. DieAgence Havas" veröffentlicht die folgende Note: Die in russi­schen Preßorganen verbreiteten Ansichten der Kaiserlichen Regierung teilten über den Bau der Donau-Adria-Linie mit, Rußland sei entschlos­sen, dieses Projekt zu unterstützen und ebenso jeden andern Eisenbahnbau oder die Verbin­dung von Schienenwegen auf der Balkanhalb­insel zu begünstigen. Wir glauben zu wissen, daß die französische Regierung sich vollkommen den Absichten des rusiischen Staatsministeriums anschließt ebenso sowohl bezüglich der Donau- Adria-Linie wie bezüglich anderer Eisenbahn­linien, die von Oesterreich-Ungarn oder de» Balkanstaaten gewünscht werden. Die franzö­sische Regierung glaubt in der Tat, daß dies« Eisenbahnen ganz vorzüglich zur Entwickelung der Balkanhalbinsel beitragen und nicht ver­fehlen würden, die Lage dieser Gegenden zu ver« bessern und die Wiederherstellung der Ordnung in Makedonien zu erleichtern.

* * Die Franzosen i» Marokko. Finanz« Minister Caillaux brachte in der Kammer di« Nachtragskredifforderung für die Operatione» in Marokko ein. Die Forderung beläuft sich auf 15 Millionen. Die Nachtragskredite sind haupt­sächlich zur Wiederherstellung der Kriegsvorrätt bestimmt, die aus der algerischen Reserve ent­nommen werden. Die Budgetkommisiion wtxM Ausschlüsse fordern über die Ausgaben für Ä*