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Marburg 3at)rg,
•Ni 52 Sonntag 1. März 1908.
Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Zweites Blatt
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Das neue Wirtschastsprogramm für Deutjchoftafiika.
Von E. von L i e b e r t, M. d. R.
Der Kolonialstaatssekretär hat dem Reichstage als Resultat seiner Reise ein neues Wirtschaftsprogramm vorgelegt, das zunächst die Bud- ketkommission beschäftigt. Da es sich von den bisher geltenden Anschauungen in wesentlichen Punkten entfernt und auf Grund immerhin einiger Beobachtungen ganz neue Gesichtspunkte aufstellt, so ist zunächst festzustellen, was der hohe Beamte im Laufe von zwei Monaten gesehen hat. Die Reise hat die beiden Hauptstädte Daressalam und Tanga sowie einige andere Küstenpunkte (Saadani) berührt. Es wurden die 3 vorhandenen Eisenbahnen befahren: Daressalam—Mrogoro (230 Klm.), Tanga—Mombo (125 Klm.) und die britische Ugandabahn (980 Klm.). Am Viktoria-See wurden Bukoba und Muanza besucht, dann der Ritt nach Tabora und zurück gemacht, und schließlich den deutschen Pflanzungen in Ost- und Westusambara ein Besuch abgestattet. Auf diese Reiseeindrücke hin ist das Urteil über die Kolonie gewonnen. Es lautet verblüffend günstig über Fleiß, Betriebsamkeit und Leistungsfähigkeit der Eingeborenen, dagegen niederschlagend ungünstig über die Entwicklung und Zukunft der deutschen Pflanz- »ngsarbeit und Besiedlung. -
Alle Welt ist sich darüber einig, daß „das wichtigste Aktivum in Afrika der Eingeborene ist". Die Tropenländer haben keinen Wert obne deren Arbeitskraft. Die Bevölkerung ist sehr dünn, sie leidet unter Krankheiten, Seuchen, Mißbräuchen, Aberglauben (Kindesmord) es gibt wenig alte Neger. Die Regierung mutz daher eine negerfreundliche, d. h. negererhaltende Politik einschlagen. Soweit kann alles zugestanden werden. Aber schwer verständlich ist das nun folgende Exempel, wonach die Produkte der deutschen Plantagen einen Wert von 1600 000 cAt darstellen, und die dort von den Arbeitern erhobene Hüttensteuer 60 000 M beträgt. Da demgegenüber der Eesamthandel der Kolonie 36 Millionen an Wert darstellt, und dir übrigen Neger 1740 000 M an Hüttensteuer entrichten, so wird daraus die kühne Folgerung gezogen, daß die Plantagen keinen Anteil an der Belastung tragen, höchstens mit 2*4 Proz. Anteil an der Steuer beteiligt sind. Dos heißt also die Arbeit der Neger und der Deutschen als !gleichwertig einschätzen, beide auf gleiche Stufe teilen, und dagegen muß sich das arische Rassebewußtsein aufbäumen. Das Deutschtum muß insgesamt gegen eine solche Auffassung Protest erheben. Das aufzustellende Exempel hätte zu lauten: 10 Mill. Neger schaffen einen Eesamt-
Die weiße Frau von Oldensloe.
Original-Roman von O. E l ft e r.
t Fortsetzung.)
'Ich kam bald darauf bei einem Förster in die Lehre, besuchte später die Forstschule und wurde dann als Adjunkt meinem Vater zugeteilt, der, obgleich er durch seine Trunksucht fast unfähig geworden war, seinen Dienst zu versehen, dennoch nicht entlassen wurde.
Nach einigen Jahren starb mein Vater plötzlich an einem Schlaganfall.
Ich wurde zum Revierförster ernannt.
Ich war damals ein junger, lustiger Bursche, der sich um die alten Geschichten, welche mir meine Mutter einst erzählt hatte, nicht mehr kümmerte. Ich lebte der Gegenwart und wußte nichts anderes, als daß ich der Sohn des Försters Franz Decker war, wie das ja auch in dem Kirchenbuchs unserer Gemeinde stand.
Da wurde ich plötzlich aus meiner Harmlosigkeit gerissen durch das Geständnis meiner Mutter, daß ich ihr Sohn nicht fei.
Meine Mutter kränkelte schon seit einiger Zeit. Schließlich wurde sie bettlägerig und fühlte ihr Ende nahen. Ich liebte die gute Frau und wachte bei ihr. Es war eine finstere, stürmische Winternacht: meine Mutter hatte lange Zeit regungslos dagelegen und schien auf das Heulen und Brausen des Sturmes zu lauschen. Ich glaubte, sie schliefe, aber plötzlich seufzte sie tief und schmerzlich auf und tief meinen Namen.
Ich eilte an ihr Bett und fragte, ob sie etwas wünsche. Da ergriff sie meine Hand und zog mich zu sich auf den Rand ihres Bettes.
„Ich muß Dir etwas sagen, Eundokar," flüsterte sie mit heiserer Stimme. „Es drückt mir das Herz ab und ich will nicht mit einer Lüge in da» Grab fahren. Wäre ein Priester hier, so
Umsatz von 36 Mill. X, 62 Mill. Deutsche schaffen einen Gesamtumsatz von 15 000 Mill. J*.. Danach ergibt sich, daß die Arbeitsleistung des Deutschen (242 JC pro Kopf) diejenige des Negers (3,6 «M) etwa um das 68fache über- tn1)lün soll die Zukunft Ostafrikas dadurch gefördert werden, daß „wir neben der Pflege der dort eingewanderten europäischen Unternehmungen uns auch, und zwar sehr stark, mit der Förderung und Entwickelung der Negerkulturen beschäftigen". „Die Produttions- und Konsum- sähigkeit der Schwarzen zu heben" wird als die nächstliegende Aufgabe bezeichnet und damit begründet daß sich jetzt bereits am Vittoriasee ein Handel von 8 Millionen etabliert habe. Letztere Tatsache ist unbestreitbar und sehr erfreulich, aber sie darf nicht als Grundlage für die Beurteilung der Verhältnisse in der gesamten Kolonie dienen. , ~ ,
Die Reiseroute von Muanza nach Tabora hat den Staatssekretär durch die Gebiete unserer beiden besten Stämme geführt, der Wassukuma und Wanjamwesi, die in ganz Ostafrika als Träger, Arbeiter, Soldaten einen glänzenden Ruf haben. Sie find als relativ fleißig, betriebsam und dem Handel zugetan bekannt. Der Grund für dieses Hervortreten vor den übrigen Stämmen ist in der Höhenlage ihrer Heimat klimatisch begründet: Tabora und Muanza liegen auf 1200 Meter Meereshöhe (Brocken). An die Stämme der Küstenlandschaft, der tropischen Niederungsstriche, überhaupt aller Gebiete unter 600 Meter etwa, kann jener Maßstab durchaus nicht angelegt werden. Sie sind nun mal durch Klima, Gewohnheit und Vererbung träge, gleichgültig auch gegen äußeren Antrieb wenig em- pfängiich. Sie lassen Feld- und Hausarbeit durch die Weiber verrichten und pflegen als Hauptbeschäftigung der Mutze. Bisher find die Versuche, die Eingeborenen durch Verteilung von Kokosnüssen, von Sesamsaat und Erdnüssen zum Anpflanzen der gut bezahlten Oelfrüchte zu bewegen, vergeblich gewesen. Desaleichen die Bemühungen, Gemüsebau, Geflügelzucht, Eierhandel um Tanga und Daressalam zu fördern, damit die Schiffe sich dort versorgen könnten. Immer ein kurzer Versuch und sofortiges Zurückfallen in die alte Schlaffheit. Der Neger arbeitet nur stoßweise, nie andauernd und zielbewusst. Er muß erst beim Deutschen und vom Deutschen arbeiten lernen. Die Zukunft der Kolonie auf die Arbeitsleistung der Eingeborenen zu begründen, erscheint gewagt und kann zu großen Enttäuschungen führen.
Nun sind im Laufe des letzten Jahrzehnts eine große Zahl deutscher Pflanzungsunternehmungen an der Küste und hauptsächlich an der Usambarabahn entstanden. Sie mußten sich um dies einzig vorhandene Verkehrsmittel zusammendrängen. Sie bedürfen sehr zahlreicher Arbeitskräfte und können diese aus dem eigenen Bezirk nicht beschaffen. Die Anwerbung richtet sich hauptsächlich nach dem Seengebiet, um die
würde ich es ihm beichten, aber weit und breit ist kein Priester zu haben. Mein Geheimnis liegt mir jetzt, da ich vor Gott treten soll, schwer auf der Seele. Du sollst meine Beichte hören."
„Ihr könnt mir alles sagen, Mutter," entgegnete ich, um sie zu trösten. „Bei mit ist Euer Geheimnis so sicher wie bei einem Priester."
„Nenne mich nicht Mutter in dieser Stunde; denn ich bin nicht Deine Mutter," flüsterte sie.
Ich glaubte, sie rede im Fieber und suchte sie zu beruhigen. Doch sie wehrte mir und sagte mit trübem Lächeln: „Du glaubst, ich rede irr? Aber dem ist nicht so, ich bin vollständig bei klarem Verstände. Weder ich bin Deine Mutter noch der Franz Decker war Dein Vater!"
Noch immer glaubte ich nicht an die Wahrheit ihrer Worte.
„Wer ist denn mein Vater?" fragte ich mit zweifelickem Lächeln.
„Der Graf Gundokar Lothar von Oldensloe," kam es wie ein Hauch über ihre Lippen.
Ich sprang auf.
„3J)r redet Unsinn, Mutter!" tief ich. „Wer sollte denn meine Mutter sein?"
„Komm," bat sie mit bebender Stimme, „setze Dich dicht zu mit, das Sprechen wird mir schon schwer und niemand braucht zu hören, was ich Dir zu sagen habe."
Ich setzte mich wieder zu ihr. Sie ergriff meine Hände und fuhr flüsternd fort:
„Ich habe Dir früher von unserem Aufenthalt in der englischen Gefangenschaft erzählt. Auch der Graf war dort — in einem kleinen schottischen Landstädtchen, dessen Namen ich nicht mehr weiß. Vielleicht habe ich ihn auch nie gewußt, es tut ja auch nichts zur Sache. Kurz, der Graf hatte in dem Städtchen ein Mädchen kennen gelernt, die Tochter eines einfachen Pächters eines Meierhofes und hatte eine Liebschaft mit ihr angefangen. Das Mädchen war dem Grafen zu liebe aus dem elterlichen Haufe entflohen, die näheren Umstände weiß ich nicht. Der
dort wohnenden, sehr brauchbaren Stämme zu gewinnen. Der vorteilbringende Handel, der neuerdings dort eingesetzt hat, hält die Leute aber mehr als früher an die Scholle fest und macht sie weniger geneigt zu langen Wanderungen sowie zu schwerer Arbeit. Dte Pflanzer haben sich darauf an die Regierung mit der Bitte gewandt, ihnen Arbeiter zu besorgen. Das Gouvernement verweist sie jedoch auf Selbsthilfe und erkennt eine Arbeiternot nicht an. Der Pslanzerverband scheint nun auf dem Wege direkter Anwerbung die nötige, von Jahr zu Jahr steigende Zahl von Arbeitern nicht mehr erlangen zu können, und eine schwere Verstimmung ist unter diesen Umständen entstanden. Die einen fordern Zwangsmaßregeln gegen die Eingeborenen, um sie auf längere Zett arbetts- pflichtig zu machen. Dazu besitzt das Gouvernement aber weder die Neigung noch die Machtmittel. Dagegen könnte nach dem Vorbild von Britisch-Zentralafrika der Neger veranlaßt werden, eine bestimmte Anzahl von Tagen im Jahr (etwa 90) auf einer deutschen Pflanzung gegen Lohn und Verpflegung zu arbeiten und dafür in der Steuer herabgesetzt werden. Dies ist mit Erfolg in Westusambara durchgeführt worden. Endlich kann die Hüttensteuer erhöht werden, um die Eingeborenen dadurch zur Arbeit moralisch zu nötigen. „
Das Gouvernement hat natürlich die Pflicht, sowohl die Kontratte, wie die Behandlung der Arbeiter zu überwachen in Bezug auf Verpflegung Sanität und Bestrafung. Dafür liegen als Muster vortreffliche Bestimmungen aus Vri- tisch-Ostaftika vor, wobei man sich nur wundern kann, daß diese in der deutschen Kolonie noch nicht erlassen sind. Gute Behandlung der Leute ist, wie überall, die erste Bedingung, um Arbeiter heranzuziehen. Im Grunde gewinnt man den Eindruck, als wenn bei gutem Willen von beiden Seiten, vornehmlich aber bei einigem Entgegenkommen der Verwaltung, die Pflanzer sehr wohl zufrieden zu stellen wären.
Sehr schmerzlich aber wird es empfunden werden, daß der Staatssekretär sich mehr als kühl von jebet Besiedlung des Landes — auch der kühlen und gesunden Hochländer — durch Deutsche mit sehr unzureichenden Gründen abwendet. Er hat von den Bestedlungsgebieten nur das kleine und fast schon voll besetzte Westusambara gesehen, verurteilt aber alle. Damit fällt der so gründlich vom Grafen Eoetzen ausgearbeitete Plan der Besiedlung Uhehes und die Arbeit vieler anderer Afrikaner ins Wasser, und das nationale Interesse an der Kolonie schwindet. Ostaftika wird ein Negerland unter deutscher Flagge, aber keine deutsche Kolonie.
Das Publikum und besonders die Kolonial- freunde werden mit sehr gemischten Gefühlen der Programmrede gegenüberstehsn; die Enttäuschung wird aber wohl überwiegen. Ein derartige» Zurückstecken der nationalen Forderungen, die bisher die ganze koloniale Bewegung getragen haben, war nicht zu erwarten. Es fragt sich.
Graf sprach sie mit Edith an. Als wir nun aus der Gefangenschaft entlassen wurden, kam der Graf zu mir und meinem Mann und vertraute uns an, daß Edith feine Gattin geworden sei, die Trauung habe in größter Heimlichkeit stattgefunden und niemand dürfe etwa» von dieser Heirat erfahren. Standesrückfichten veranlaßten sie zu der Heimlichkeit. Der Graf bat uns, seine Gattin nach Schloß Oldensloe zu begleiten, da er durch andere Rücksichten bei seinem Regiment festgehalten würde. Er bezahlte uns diesen Dienst in reichlichster Weise, sodaß wir daraus eingingen. Ich habe nie ein solch reizendes Mädchen gesehen, wie Miß Edith, wie wir die Gattin des Grafen nannten, und es war gar nicht zu verwundern, daß sich der Graf leidenschaftlich in sie verliebt hatte. Eelbblondes, seidenweiches, gelocktes Haar umrahmte ein wahres Engelsge- ftchtchen. Die Gestalt war schlank und biegsam, wie eine Weide und doch von einer sanften Fülle, die jedes Männerauge entzücken mußte. Ihr Wesen wat still und freundlich, ost aber weinte sie und war so melancholisch, daß man fürchten musste, sie werde noch tiefsinnig werden. Wir begleiteten sie nach dem damals einsam und verlassen im Walde liegenden Schloss. Rur noch Martin, der vertraute Diener des Erastn, der später Parkwächter geworden ist, war mit uns.
Im Schloß lebte Edith vollständig zurückgezogen. Wir durften mit niemanden über ihre Anwesenheit sprechen. Ich allein bediente sie und mein Mann und Martin besorgten den übrigen Haushalt. Der damalige Oekonomie« direktor wußte allein von ihrer Anwesenheit, durch ihn empfingen wir die Befehle des Grafen und die reichliche Bezahlung. Ediths Stimmung ward immer schwermütiger. Sie glaubte sterben zu müssen.
In ihrer schottischen Heimat soll ja die Krankheit der Schwermut sehr verbreitet sein. Auch soll es dort Leute geben denen durch da»
LkUtj'cheS dtUch.
— Der Gesetzentwurf über die Arbeitskammern. Gegenüber abweichenden Pretznachrichten stellt die „Nordd. Allg. Ztg." fest: Im Einvsr- nehmen mit der preußischen Regierung ist der im Reichsamte des Innern ausgearbeitete Ge- setzentwurf über die Arbeitskammern unter dem 1. Februar 1908 im Bundesrat eingebracht worden und gleichzeitig allen verbündeten Reg e» rungen zugegangen, keiner Bundesregierung ist der Entwurf früher, als zu diesem Zeitpunkt mitgeteilt worden. Nach der Mitteilung an die Bundesregierungen wurde am 4. Februar der Entwurf im „Reichsanzeiger" veröffentlicht.
— Deutschland, Abdul Afis und der „Trmps". Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Unbeirrt durch mehrfache Richtigstellungen behauptet der „Temps" in einer aus Rabat datierten Korrespondenz aufs Neue, der dortige deutsche Vizekonsul Neudörfer habe nach der Ausrufung Mulay Hafids in Fez den Sultan Abdul Asis zu überzeugen bemüht, daß er von Frankreich kein« Hilfe zu erwarten habe und habe ihn bewegen wollen, den deutschen Gesandten zu sich nach Rabat zu berufen. Der Sultan habe sich jedoch ge- weige. tu Später habe Neudörfer eine Unterredung mit Ben Glimmt gehabt und kurz daraus sei eine Depesche des Gesandten Rosen eingetroffen des Inhalts, daß die deutsche Regierung ent» sprechend der Bitte des Sultans der französischen Regierung wegen Ueberschreitung der Zwölfkilometergrenze bei den militärischen Unternehmungen in der Umgegend von Easablanca Vor- stellungen gemacht habe. Diesen Mitteilungen gegenüber können wir uns im Anschluß an die früheren Darstellungen des Sachverhalts auf die Bemerkung beschränken, daß der „Temps" mystifiziert worden ist. Den Beweis für die Unrichtigkeit der obigen Angaben wird das Weißbuch über die Vorgänge in Marokko erbringen, das sich in Vorbereitung befindet.
— lieber eine Palastrevolution im Freisinn berichten Berliner Blätter: Berlin, 27. gebt. Gestern Abend fand die Generalversammlung des fortschrittlichen Vereins Potsdamer Vorstadt statt. Die Versammlung verlief äußerst stür-
wie die Beamten, Offiziere, Pflanzer, Kaust leute und Missionare, die in Ostafrika wirkest, diese seltsame Botschaft aufnehmen werden.
Im Interesse der ruhigen Fortentwicklung des ostafrikanischen Schutzgebietes wäre dringend eine Revision des Programms nach folgende» Gesichtspunkten zu wünschen: Weniger Enthusiasmus für Fleiß und Leistungen des Negers; mehr Entgegenkommen gegen die Forderungen der Pflanzer; Herantiehen und Förderung deutscher Ansiedler; stärkere Betonung des nationalen Standpunktes.
sogenannte zweite Gesicht die Zukunft eröffnet wird, welche Gabe sie aber halb wahnsinnig machen soll. Diese unselige Gabe schien auch Edith verliehen zu sein, sie wurde nämlich durch die seltsamsten und traurigsten Ahnungen er. schreckt und geängstigt. , t
Es war im Winter des Jahres 1814, als bet Graf zum ersten Male nach Schloß Oldensloe kam. _
Edith lag krank zu Bett. Ich war Tag un> Nacht ui.r sie beschäftigt.
Der Graf begrüßte sie auch. Aber ich bemerfte sogleich, daß seine Gesinnungen in Bezug auf Edith sich sehr geändert hatten. Er gab die strengsten Befehle, Ediths Aufenthalt und die etwaige Geburt eines Kindes geheim zu halten. Dann reiste er wieder ab und am Tage darauf wurdest Du geboten ..."
Mit atemloser Spannung hatte ich ihrer Erzählung gelauscht. Als sie jetzt erschöpft inne, hielt, stieß ich ein rasches „Weiter! Werter!' hervor. „ , ,
„Ja, Du sollst alles wissen," fuhr sie fort „Höre nut. Am Tage nach Deiner Geburt Uetz uns der Oekonomiedirektor rufen. Edith lag i» einem heftigen Fieber darnieder. Wir zweifelten alle an ihrem Aufkommen. Der Oekonomie« direktor eröffnete uns nun im Namen des Grafen folgendes: Mein Mann sollte Förster t» diesem Revier, damals eines der unzugänglich- sten, werden, mit einem Gehalt, der dem eine» Oberförsters gleichkam. Dafür sollten wir de» Sohn Ediths als unser eigenes Kind ausgebe» und bei der nächsten Pfarre anmelden. Wen» Edith wie nicht zu erwarten, genesen fotttt würde man ihr sagen, daß ihr Kind gleich nach der Geburt gestorben sei. Später wollte bet Graf noch besser für uns sorgen wir sollte» bann eine Stellung in bet Residenz erhalte» und sorgenfrei leben können. 4
(Fortsetzung folgt}