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mU dem KreÜblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

m» de» KeUage»: ^Literarischer Aus-iger«..L<m»wirtsch-Mch, Keilas.« IM» ««NSriert»» z<nmta,,l>latt«.

die täglich erscheinendeOberhesslsche ostämtern und unser« Zeitungsstelle« in 'orote bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Vost 2,26 Mk. söhne Bestellgeld), bet unser« Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

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-tnno Druck und Verlag? Joh. «ug. Koch. UnwersttätSbuchdruckerei Sonnabend, 29. Februar 1908. Inhaber Dr.C.Hltzeroth, Marburg, Markt 21. - Telephon 65.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 17.

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Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag«

Im Reichstag begann am Donnerstag die erste Lesung der Eewerbenovelle, bett, den kleinen Befähigungsnachweis. Die Beratung leitete Staatssekretär des Innern v. Bsthmann-Hollweg ein, der die Vorlage einer wohlwollenden Aufnahme des Hauses empfahl. Sie habe einem besonderen Wunsche des Hand­werks Rechnung getragen. Der Entwurf stellte den Grundsatz auf, daß nur derjenige lehren soll, der selber gelernt habe und dies nachweisen kann. Die Freunde des Handwerks würden diesem den besten Dienst erweisen, wenn sie der Verabschied­ung der Vorlage keine Hemmnisse in den Weg legten. Abg. Malkewitz (kons.) erklärte sich mit den grundsätzlichen Ausführungen des Staats­sekretärs einverstanden und betonte, feine Freunde seien auch der Meinung, daß jede Be­lastung mit anderen Wünschen die Vorlage in Gefahr bringen würde. Er hoffe jedock daß in Zukunst eine umfassendere Regelung noch folgen werde. Abg. Euler (Ztr.) stellte stch gleichfalls der Vorlage freundlich gegenüber und wies dar­auf hin, daß auf allen Handwerker- tagen, wie auch auf den ehemals anders ge­sinnten Eewerbekammertagen di» Forderung des Befähigungsnachweises Anklang gefunden habe. Abg. Linck (nl.) erklärte sich gleichfalls einver­standen und sah die beste Gewähr für den ge­sunden Fortbestand des Handwerks in einer guten Ausbildung des Nachwuchses. Dageg'en erklärte sich Abg. Albrecht (Soz.), seine Partei werde den kleinen Befähigungsnachweis ab­lehnen. Abg. Carstens (freis. Vp.) erklärte, seine Freunde stimmten der Vorlage zu. Abg. Linz (Rp.) sah in der Vorlage eine erste Stufe zur Erlangung weiterer Rechte für das Hand­werk. Abg. Rieseberg (wirtsch. Vgg.) sprach gleichfalls seine Genugtuung über die freundliche Haltung der Linken zur Vorlage aus und bat die Regierung um Aufklärung über eine imReichs­arbeitsblatt" stehende Notiz, der zufolge Staats­mittel auch für Konsumvereine ausgegeben wor­den seien. Damit würde das Handwerk nur ge­schädigt werden. Direktor im Reichsamt des Innern Caspar erklärte auf die vom Abg. Mal­kewitz gestellte Anfrage, ein Gesetzentwurf zur Regelung des Begriffs Fabrik und Handwerk fei nicht in Vorbereitung. Abg. Kulerski (Pole)

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24 «NachMuck uertiLrcn.)

Die weiße Frau von Oldensloe.

Original-Roman von O. Elster.

(Fortsetzung.)

Das Verhältnis, in dem sie lebten, war nicht das beste. Oft kam es zu Zank und Streit und es fielen Worte, deren Sinn ich erst viel später verstehen lernen sollte. Nach jedem solchen Streit griff der Förster zur Branntweinflasche und trank, bis er sinnlos betrunken auf das Bett fiel. Ich fürchtete meinen Vater, der mich oft hart behandelte und schlug. Meine Mutter da­gegen liebte ich, denn sie war im Grunde ge­nommen eine heitere und gutmütige Natur und erzählte mir aus ihrem abenteuerlichen Marke- denterleben manch lustiges ::nb manch schauer­liches Histörchen.

Sie war mit dem sogenannten Fürstenregi­ment, das aus Kontingenten der kleinen deut­schen Fürsten zusammengesetzt war, in Spanien und Portugal gewesen, wo damals mit Unter­stützung der Engländer der Volkskrieg gegen Napoleon tobte. In diesem Regiment diente auch der Graf Oldensloe, der Besitzer unseres Schlosses und der Vater des jetzigen Grafen, der als Hofmarschall am Hofe des Herzogs lebte.

Da» Fürstenregiment wurde in der Schlackt bei Salamanca fast ganz aufgerieben. Was nicht auf der Wahlstatt tot oder verwundet liegen blieb, fiel in die Gefangenschaft der Engländer. Unter den Gefangenen befand sich auch der Leut­nant Graf Oldensloe, Franz Decker und die Mar-

erblickte in der Vorlage nur Nachteile für das polnische Handwerk, während Abg. Wieland (südd. Vp.) stch eine gute Wirkung versprach. Abg. Bruhn (dtsch. Rfp.) erblickte in der Vorlage nur eine Abschlagszahlung. Schluß 6 Uhr,

Preußischer Landtag. Ab,e»rdneteaha«s.

Im Abgeordnetenhause begann die Beratung de» Etats des Innern. Eine Rede des Abg. Strosier (kons.) veranlaßt den Minister von Moltke zu der Erklärung, die Polizei schreite gegen die Verbreitung «nfittlicher Bilder ein. Die Verlängerung der Konzefsionsstunbe in Berlin werde ausschließlich vom Bedürfnis ab­hängig gemacht. Abg. Schmedding (Ztr.) ver­wies auf Mängel der Armenfürsorge. Die Abgg. Fritsch (nl.) und Frhr. v. Zedlitz (sreikons.) empfehlen eine Reorganisation der inneren Ver­waltung. Minister von Moltke sagte Unter­stützung des Deutschtums in Nordschleswig zu. Nach weiteren Reden de» Abg. Mtzerskt lPole), Münsterberg (freis. Vgg.) und Nielsen (Däne) trat Vertagung ein.

Herrenhaus.

Das Herrenhaus nahm am Donnerstag die Dampffährenverbindung Saßnitz-Trelleborg an und setzte dann die Beratung der Enteignungs- vorlage fort. Haus und Tribünen waren wieder stark besetzt. Im Verlaufe der Beratung erschien Ministerpräsident Fürst v. Bülow, während fast gleichzeitig in der Hofloge der Kronprinz Platz nahm. Erster Redner war Graf v. Oppersdorfs, der sich mit sachlicher Schärfe gegen die Vorlage aussprach und insbesondere bestritt, daß sie mit der preußischen Verfassung und mit der Reichs­gesetzgebung vereinbar sei. Hingegen bewies Justizminister Dr. Baseler in längeren juristi­schen Darlegungen, daß der rechtliche Weg des Entwurfes völlig unanfechtbar sei. Wortführer der Polen war Fürst Radziwill, der fragte, ob sich die Polen nicht stet» durch die Tat zum preu­ßischen Staate bekannt haben, und unter dem lebhaften Widerspruch der Mehrheit der Regier­ung vorhielt, sie habe es an Wohlwollen gegen die Polen fehlen lasten. Landwirtschaftsminister von Arnim hielt dagegen den Polen nochmals ihren Kampf gegen alles Deutsche vor. Einen besonders geschickten Verteidiger fand die Ost­markenpolitik der Regierung in dem Grafen Botho zu Eulenburg, der den Polen vorhielt, daß sie die Leistungen des Staates stets mit Un­dank erwidert haben und sich immer nur ihrer Rechte und nicht ihrer Pflichten erinnern. Red­ner stellt schließlich den Antrag Adickes als ge­eignete Einigungsbasis hin. Landwirtschafts­minister v. Arnim war mit der Annahme dieses Antrages einverstanden, der bekanntlich im we­sentlichen die Beschlüste des Abgeordnetenhauses wiederherstellt. Als Gegner der Vorlage be­kannte sich noch Frhr. ». Tschammer, während Professor Schmoller-Berlin in der Enteignung die Vorbereitung eines künftigen Friedens im Osten erblickte. Seinen ablehnenden Standpunkt verfocht noch einmal Kardinal Kopp, während Finanzminister Frhr. ». Rheinbaben die Hoff­nung aussprach, das Herrenhaus werde die Re­gierung auch hier nicht int Stiche lasten. Den gleichenEedanken sprach schließlich noch Minister­präsident Fürst Bülow aus. Nach weiteren Re­den wurde ein Schlußantrag angenommen. Der

ketenderin Christiane. Diese letztere wollten die Engländer laufen lasten. Sie erklärte jedoch, sie wolle ihr Regiment in die Gefangenschaft be­gleiten und die Engländer ließen sie gewähren.

Aus Andeutungen, die sie selbst machte, stand sie damals in einem nahen Verhältnis zu dem Grafen Oldensloe, zugleich bewarb sich Franz Decker um ihre Liebe und um ihre Hand.

Die Gefangenen wurden nach England ge­bracht und dort in verschiedene kleine Ortschaften einquartiert. Graf Oldensloe kam in ein kleines Städtchen in Schottland Fraiu Decker nach Ir­land, und da die Engländer nicht dulden wollten, daß Christiane als unverheiratete Person unter den gefangenen Soldaten lebte, so entschloß sie sich kurz und heiratete den Korporal Franz Decker.

Das alles erzählte mir meine Mutter ich hielt Christiane damals noch für meine Mutter an den einsamen dunklen Winterabenden, wenn wir eng aneinandergeschmiegt neben dem riesigen Kachelofen saßen, während der betrun­kene Franz Decker schnarchend auf dem Bette lag. Gespannt horchte ich auf ihre Erzählungen und forschte nach, wie sie denn hierher in da, ein­same Waldhaus gekommen seien.

Ich habe e» auch oft bereut, fuhr meine Mutter dann fort,daß ich mich hier in dieser Einöde habe begraben lasten. Aber ich hoffte ja, nicht immer hier zu bleiben, und wenn der Graf Oldensloe nicht so ftüh gestorben wäre, dann wären wir auch noch mal in di» Stadt gekommen."

Hat Euch der Graf hierher geschickt ,

Lruljches Reich.

Der Kaiser empfing gestern Mittag den fiüheren Staatssekretär de» Reichsschatzamr» Frhrn. von Stengel. Heute Morgen sprach der Kaiser bet dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes vor und danach bet dem Reichskanzler.

Auszeichnung. Der Kaiser hat dem Staatsanzeiger" zufolge dem Württembergi- scheu Ministerpräsidenten Weizsäcker den Roten Adler-Orden erster Klaste verliehen.

Pom Bundesrat. In der gestrigen Sitz­ung des Bundesrat» wurde dem Entwurf eine» Gesetzes betreffend Aenderungen de» Eerichts- verfastungs-Eesetze», der Zivilprozeß - Ordnung usw. zugestimmt.

Da» neue Majestät»»Beleidigungs-Gesetz. DerReichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betreffend Bestrafung der Majestäts-Beleidig­ung.

Der Fall Held. Die Geschästsordnungs- kommission des Reichstages hat beschlosten, dem Plenum die von dem Abgeordneten Held nachge­suchte Genehmigung zur Einleitung eine» Straf- verfahren» gegen ihn zu erteilen. xy

Gegen die Verteuerung der Kohle«. Im preußischen Abgeordnetenhaus» hat der konser­vative Abgeordnete Dr. v. Korn-Rudel»dorf den Antrag eingebracht,die Königliche Staats-Re­gierung zu ersuchen, geenüber den herrschenden Mißständen auf dem Kohlenmarkte im Rahmen der Staatseisenbahnverwaltung Maßnahmen zu treffen, welche geignet sind, für die Zukunft eine Schädigung des inländischen Kohlenverbrauchs möglichst zu verhüten."

Konservative Partei und Besoldungsoor­lagen. Die Frage der Beamtengehaltsaufbester- ung, die gegenwärtig im Mittelpunkte des all­gemeinen Interesses steht, beschäftigt selbstver­ständlich schon seit geraumer Zeit unausgesetzt auch die konservative Partei, die mit Spannung und Ungeduld den von der Regierung zugesag­ten Gesetzesvorlagen entgegensteht und jedenfalls erwartet, daß dies» in kürzester Frist den Par­lamenten zugehen werden. Die konservative Partei hat durch ihre positiven Taten bewiesen, daß ihr die Fürsorge für Beamte, Lehrer und Geistliche am Herzen liegt. Sie hat auch die Förderung der nun bevorstehenden Desoldungs- erhöhungen, zu deren Jnwerksetzen sie überhaupt das meiste beigetragen hat, wenn auch ohne aufdringliches Geräusch, so unausgesetzt mit

Antrag Adickes, der die Abgeord­net enh au s beschlü s se im wesent­lichen wiederher st eilt und nur Kirchenbesitz von der Enteignung ausschließt, wurde schließlich mit 143 gegen 111 Stimmen angenom­men, wie wir bereits gestern Abend durch Extrablatt verbreiteten. Fürst Bülow wurde vftlfach beglückwünscht.

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Aus de« Kommissionen de» Reichstags.

In der Budget-Kommisfio« de» Reichstages ötttbe bei der Beratung de» Etats für Ostafttka die Erhöhung des Steueransatzes der Hüttru- steuer von 1,8 auf 2 Millionen Mark ange­nommen.

Ja, natürlich^ wer denn sonst? Er war doch der Herr und Besitzer. Als der Friede geschlosten war, wurden die Gefangenen nach Deutschland zurückgeschickt. Da trat dann Franz in die Dienste des Grafen und und wurde hier Förster. Ich war mtt ihm verheiratet und mußte ihm folgen. So sind wir denn hierher gekommen und hier sitzen geblieben."

Was war denn der Graf für ein Herr?"

Meine Mutter versank in Nachdenken, dann sagte sie. mit einem Seufzer:O, er war ein lustiger, fröhlicher Herr, als er jung war. Nur war er sehr leichtsinnig und leidenschaftlich. Er hat in Spanien mehrere Abenteuer gehabt, die ihn in sehr peinliche Lage brachten. Auch in Schottland soll er .. . Doch das verstehst Du nicht und es ist am besten, man schweigt darüber. Zu andern ist ja doch nichts mehr."

Weiter war aus meiner Mutter nichts her­auszubringen, und wenn ich mich mal in einer vertraulichen Stunde an meinen Vater wandte, blickte er mich wütend an und befahl mir, zu schweigen.

Ich aber grübette weiter nach über die Er­zählungen meiner Mutter, ich ahnte, daß sie mehr wußte, als sie sagen wollte, und meine knabenhafte Phantasie erfand die kühnsten Mär­chen und Abenteuer.

Der Graf Gundokar Lothar von Oldensloe kam sehr selten auf das Schloß. Er war ver­mählt mit Amalgunde Freiin von Löwenhagen und lebte mit ihr in der Residenz in glänzen­den Verhältnissen. Schloß Oldensloe war für jodermani Unzugänglich; nur mein Val« und

Ausland.

** Bon bet deutschen Botschaft in Wie«. Wien, 27. Febr. Bei dem deutschen Botschafter v. Tschirschky fand gestern Abend ein große» Vallfest statt. Anwesend waren Erzherzog Fran, Salvator und Erzherzog Friedrich mit seiner Ge­mahlin Isabella, der englische, der amerikanisch» und der japanische Botschafter, di» Gesandten von Sachsen, Serbien, Griechenland und den Niederlanden, der Geschäftsträger von Bul­garien, die Vertreter der spanischen und der russischen Botschaft sowie viele andere hervor« ragende Persönlichkeiten.

** Französische Verstärkungen i« Marokko. Paris, 27. Febr. Eine offiziöse Mitteilung über den heutigen Ministerrat besagt, daß, fall» General d'Amade Verstärkungen verlangen sollte, die erforderlichen Truppen schon jetzt b« reitgehalten werden, damit dieselben ohne Ver«

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meine Mutter gingen zuweilen hin, <: hirß, sie besuchten den Parkwächter Martin, einen Freund und Kriegskameraden meines Vaters.

Allerlei wunderbare Gerüchte über da» Schloß wurden erzählt, es hieß, eine gespenstisch» weiße Frau treib» dort ihr unheimliches Wesen. Wenn ich aber meine Mu"<>r darnach fragte, sagte sie:Dummes Zeug das ist die ver­rückte Frau des Parkwächters Martin, die in dem alten Schlosie umherspukt . . ." und ich mußte mich mit dieser Antwort zufrieden geben.

Ich war etwa 12 Jahre alt, als der Graf Oldensloe starb. Ich erinnere mich noch der prunkvollen Beisetzung seiner Leiche in dem alten Familienbegräbnis. Ich sah bei dieser Gelegen- heit auch zum ersten Male die Frau Gräfin Amalgunde, eine schöne, stolze, ernste Frau di» ihren einzigen Sohn, den jetzigen Grafen -othar, an der Hand führte. Graf Lothar war wohl sechs Jahre jünger als ich und ein chöner, schlanker Junge, der mit seinen großen, dunklen. Augen erstaunt in da» Gepränge )es Lerchen, zuges schaute. __,

Die Gräfin-Witwe nahm einige Zeit nach dem Tode ihres Gatten Wohnung auf Schlo, Oldensloe. Wenn die Leute aber meinten, jetzt werde es lebhafter dort werden, dann sahen st» sich getäuscht. Di» Gräfin «ebte sehr zurückgezo- gen. Du haft ja selbst ihr Leben beobachte« können. So lebte jte von dem Augenblicke a«, wo sie das Schloß bezogen hatte.

(Fortsetzung V' ' !

Eifer betrieben. So hat sowohl di» Fraktion de« Reichstages al» auch die des preußischen Abge­ordnetenhauses bereits in aller Still» Referenten und Korrespondenten bestellt, um für die ange­kündigte Besoldungsfrage gerüstet zu sein. Die Aufgabe dieser Referenten ist es, sowohl das dem Reichstage, dem Landtage und den Fraktionen oder einzelnen Abgeordneten vorliegende Ma­terial an Wünschen und Petitionen der an der Besoldungsaufbesserung zu beteiligenden Berufs­stände, als auch die nach dieser Richtung noch weiter an die Fraktionen gelangenden Eingänge zu prüfen und behufs Berücksichtigung bei der Beratung der erwähnten Vorlagen bereitzu­stellen. Für die Reichstagsfrattion sind die Abgeottmeten von Elern und Dr. Droescher zu Referenten in der Besoldungsfrage ernannt. Für die Fraktionen des Abgeordnetenhauses sind 3 Referenten bestellt, nämlich die Abgeordnete« von Hennigs-Techlin und Stackmann für Allge. meines und der Abgeordnete von Dilfurth für Geistliche und Lehrer. Wie es di» konservativ» Partei bisher stets für ihre Eewisienspflicht ge­halten und als ihr Herzensbedürfnis empfunden hat der Beamtenschaft wie auch den Geistlichen und' Lehrern in ideeller und in materieller Hin­sicht nach Kräften fördernd und stützend beizu- stehen, so können die Angehörigen dieser stände nach wie vor mit vollem Vertrau tf rechnen, daß die Pattei es auch diesan nichts fehlen lasten wird, um ihre Jnteresten kräftig und wirksam zu vertreten.

Sin Anarchistenprozeß. Vor dem ver­einigten zweiten und dritten Strafsenat de» Reichsgerichts fand die Verhandlung gegen den 1878 zu Berlin geborenen Former und anarchi­stischen Redatteur Rudolf Oestreich statt. Die Anklage wirft ihm vor, durch den ArtikelAn­archismus und Antimilitarismus" in der am 21. September 1907 erschienenen Nummer des

Freien Arbeiters" ein hochverräterisches Unter- nehmen, nämlich gewaltsame Abänderung der bestehenden Heeresverfastung und damit der Reichsverfastung vorbereitet zu haben. Der An­geklagte wurde wegen Aufforderung zu einem hochverräterischen Unternehmen nach 8 8b zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehr- vettust verurteilt. ______