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43. Jahrg.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llnwersitätsbuchdruckeret Inhaber Dr. L.Hltzrroth, Marburg. Markt21. Telephon66.

Erstes Blatt

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Die oder

Fragen mit Argwohn und Zweifel. Es besteht daher für die Diplomaten einer außerhalb diese» Kreises stehenden Macht eine günstige Gelegen­heit. die Befürchtungen der Chinesen zu nähren und davon Vorteil zu ziehen. England sollt« deshalb, wo immer nur möglich, trachten, sein» Freundschaft für die chinesische Nation und sein« Rücksicht auf ihre Wohlfahrt zu beweisen. ®» hat die Verpflichtung übernommen, Chinas Un­abhängigkeit, Unverletzlichkeit und die Aufrecht­erhaltung gleichmäßiger Geschäftsgelegenheit für alle Nationen zu gewährleisten, und es darf nie­mals einem Einbruch in diese Grundsätze durch irgend «ine andere Macht ta irgend «inem Teile

Bündnis, die neuerlichen Verständigungen zwischen Japan, Frankreich und Russland und die Anzeichen zurückkehrender Lebenskraft in der chinesischen Nation haben wohl alle Wahrschein­lichkeiten einer Teilung Chinas aus dem Wege geräumt. Deutschlands Zukunftsträume mögen noch vorhanden fein, allein sie sind einstweilen verschleiert, und seine Politik hat sich den geän­derten Verhältnissen angepaßt. Sein Ziel scheint nunmehr dahin zu gehen, sich eine Stellung al» selbstloser Freund Chinas zu machen. Die Chine­sen betrachten offenbar die verschiedenen von England, Japan, Frankreich und Rußland abge«

t die 7 gespaltene Zelle -Hamen 80 Pfennig.

Deutsches Reich.

Zur Mittelmeerreise de» Kaiser». Die offiziöseSüdd. Reichskorr." glaubt nicht, daß der Kaiser von einer türkischen Sondergesandt­schaft auf Korfu begrüßt werden wird, da, rote sie schreibt:bet Aufenthalt lediglich für die Er­holung bestimmt ist und soll von allen repräsen- tablen Pflichten nach Möglichkeit frei bleiben. E» ist auch nicht im Sinne des Monarchen, daß man seine Anwesenheit im Mittelmeer mit poli­tischen Dingen in Zusammenhang bringt. Ob­wohl Kaiser Wilhelm, nach den bisherigen An­ordnungen, kaum vor dem 1. April auf Korfu eintreffen wird, erscheint es nützlich, schon jetzt von vornherein vor allen Preßmanövern» deren Gegenstand die diesjährige Südlandsfahrt, wie die früheren werden könnte, zu warnen. Der Kaiser hat keinen anderenPlan", als eine an­genehme, erfrischende Reise zu machen. Daß er sie nach Korfu macht, beweist allerdings, daß die deutsche Politik Verwickelungen im nahen Osten nicht bedrohlich am Horizont stehen steht. Diese Ansicht wird anderwärts geteilt; denn auch das englische Königspaar beabsichtigt für den April, wie man dem Hofbericht Londoner Blätter ent­nimmt, ein« Fahtt nach den östlichen Eewässetn de» Mittelmeetes. Wit hoffen, daß diese fürst« lichen Reisen ungestött durchgefühtt roerfeen. Europa kann darin nut Anzeichen der bei bett Regierungen vorherrschenden Friefeenszuversicht erblicken." Wie dieTägl. Rdsch." hört, wird der Kaiser bei seinem Aufenthalt in Korfu so­wohl von feem König von Griechenland als auch von feem Kronprinzen und feer Kronprinzessin besucht werden. Das österreichische Geschwader, welches in Stärke von drei Panzern und zwei Torpedobooten unter dem Befehl Admirals v. Ziegler diese Woche Pola zu einer Kreuzfahrt tm Mittelmeere verläßt, wird voraussichtlich ebenfalls während der Anwesenheit des Kaisers Korfu anlaufen.

Ein Dementi. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Ein französisches Blatt bringt die Mit­teilung, nach welcher der Kaiser in einem Ge­spräch mit dem verstorbenen Kultusminister Antonin Proust geäußert haben soll, daß di« Erwerbung von Elsaß-Lothringen ein schwerer Fehler der deutschen Politik gewesen sei. Die Mitteilung ist falsch. Wir können erklären, daß der Kaiser «ine derartige Aeußerung niemals getan hat.

Das Besoldungsdienstalter der Oberlehrer. Bisher wird das Militärjaht feer Oberlehrer nicht auf das Besoldungsdienstalter, wohl aber auf di« Anciennität bei der Pensionierung tn Anrechnung gebracht. Die Unterrichts-Kommis­sion des Abgeordnetenhauses beschloß, «ine ihr vorliegende Petition feer Königlichen Staats­regierung dahin zu überwiesen, daß st« in ein« Prüfung darüber eintreten möge, daß den wissen­schaftlichen Lehrern der höheren Lehranstalten ihre militärische Dienstzeit auf ihr Besoldungr- dienstalter in Anrechnung gebracht wird.

Vertrag. Die Ratifikationsurkunden zu der am 9. November 1907 in Rom unterzeich­neten Uebereinkunft zwischen Deutschland und Italien, betreffend den Schutz von Werken der Literatur und Kunst und der Photographie, wurden am 25. Februar in Rom ausgewechselt.

Ans den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

109. Sitzung, Mittwoch, 26. Februar.

Gestern wurde der Rest de» Justizetats fast debattelos schnell beendigt; nur feer stets bereite Abg. Stadthagen ließ sich durch die große Nie­derlage der letzten Tage nicht abhalten, beim KapitelReichsgericht" nochmals heiße Wünsch« für dieUnabhängikeit" der deutschen Richter auszusprechen.

E» folgten Wahlprüfungen. Für gültig wurden erklärt die Wahlen der Abgeordneten Manz (frf. Vp). Schlüter (Rp.), Graes swirtsch.

Marburg

Freitag 28. Februar 1908.

Beschreibungen anderer Kulturstaaten als Mittel der Verständigung. Mit der Entwicklung des internationalen politischen und wirtschaft­lichen Verkehrs der Völker hat die gegenwärtige Kenntnis der bestehenden Verhältnisse nicht gleichen Schritt gehalten. Mißverständnisse und Verstimmungen, auch wohl tendenziöse und chau­vinistische Hetzereien würden zweifellos weniger häufig entstehen und beruhigend und störend werden können, wenn in der breiten Masse der verschiedenen Rationen ein tieferes Verständnis für die Eigenart derjenigen Völker vorhanden wäre, die dem eigenen Lande politisch oder rot* ______u_____

schaftlich n-che stehen Diese UebeMugung h-tt s ^sienen Vereinbarungen übet ostafrikanisch« den Plan entstehen lassen, durch Schaffung von i Beschreibungen der einzelnen Kulturstaaten in Form von billigen, reich illustrierten Liefer« ungswerken die gegenseitige Kenntnis der Völ­ker und ihrer spezifischen Eigenschaften zu för­dern. Der Plan geht zunächst dahin, durch di« ersten Federn Deutschlands eine Beschreibung Deutschlands in englischer Sprache zu schaffen, um dieselbe in Großbritannien und den Ver­einigten Staaten zu möglichst großer Verbreit- und zu bringen, während Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika gleich­zeitig eine Beschreibung von sich in deutscher Sprache vorbereiten. Zur Verwirklichung diese» Planes hat sich bereits ein englisches Arbeit»- Komitee gebiÜxt, an dessen Spitz« der vor­

jährige Lord-Mayor von London steht. Erft« Persönlichkeiten von Wissenschaft und Kunst, bet Politik und Hochfinanz Englands haben bi« Unterstützung de» Plane» zugesichert. In Deutsch­land haben sich angesehene Vertreter bet Ber­liner Presse in großer Zahl bereit erklärt, alle» zu tun, was tn ihrer Kraft steht, um einet in deutscher Sprache erscheinenden Beschreibung Großbritannien» und bet Vereinigten Staaten in bett breiten Schichten fees deutschen Volke» eine möglichst große Verbreitung zu verschaffest. E» find bereits Schritte eingeleitet, um auch die deutsche Provinzpresse für den Plan zu ge­winnen. Es ist weiter die Bildung von deut­schen, englischen und amerikanischen Lokal- Komitees unter Heranziehung der jeweiligen Stadt-Verwaltung in Aussicht genommen, um feie beschreibenden Werke über das Ausland den sämtlichen Volksschul-Lehrern und Lehrerinnen Deutschlands, Englands und der Vereinigten Staaten kostenlos zugänglich zu machen. Dem Unternehmen dürften überall herzliche und auf­richtige Sympathien sicher sein, denn mit bet Durchführung dieses Planes kann ein Stück Kulturtat geleistet und die Heranwachsende Ge­neration für die großen kulturellen und wirt­schaftlichen Aufgaben, die die Zukunft der Kulturentwicklung ihr stellen wird, vorbereitet werden.

liebet Kiautscho« bringt bteMorning Post", angeregt durch bte Debatten tm Reichstag, einen Artikel, bet uns eine englische Beurteilung feer Kolonie zeigt. Sie schreibt u. a.: Es scheint nicht, daß der Besitz von Kiautschou bisher viel zur Förderung des deutschen Handels in China getan hat. Und doch ist e» schwer, sich der Cm- pfindung zu entziehen, daß die Kolonie auf bi« Dauer sich al» wertvoll erweisen wird. Durch Verständigung mit China ist in Kiautschou ein chinesische» Zollamt eingerichtet worden, da» bet Abfertigung eine» rasch anwachsenden Durch- gangsverkehr» bient. Deutschland hat das Recht, den Teil der Bahnstrecke TientsinJangtse zu bauen, der die Provinz Schantung durchquert, und diese wichtige Hauptlinie wird an bte Zweigbahn zwischen Kiautschou und bet Pro- vinzhauptstafet angeschlossen werben, bann wird die Kolonie in enger Verbindung mit Tientsin und der Hauptstadt stehen. Da bet Tientsin der Fluß im Winter zufriert, könnte Kiautschou möglicherweise der Haupthafen für ganz Nord- China werden. Falls die Pläne für weiter« Seitenlinien nach dem Innern zur Ausführung gelangen, wird feie deutsche Kolonie auch auf bt< westlichen Provinzen Chinas einwirken. Wie immer sich aber bte geschäftliche Zukunft Kiaut- | schous entwickeln mag, e» bleibt jedenfalls auch wichtig als Symbol deutscher Macht, als Mittel­punkt deutschen Einflusses, und wird außerdem sich durch seine ausgedehnte Befestigung zu einem mächtigen See-Arsenal und einer starken Flotten- bafi» auswachsen. Man hört gegenwärtig wenig von den ehrgeizigen Plänen Deutschlands, für welche die Besetzung Kiautschous nur den ersten Schritt bilden sollte. Doch darf nicht vergessen werden, daß in den Tagen, als China am Rand« der Auflösung zu stehen schien, guter Grund für feie Annahme vorlag, daß Deutschland nicht nut aus Schantung, als seinen Anteil, feie Hand zu legen beabsichtigte, sondern sich auch eines be­deutenden Gebietes westlich und südlich von die­ser Provinz zu bemächtigen gedachte. Der Krieg in der Mandschurei, bas englisch-japanisch«

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Die Enteignungsvorlage.

Die preußische Staatsregierung hat bei der Verteidigung ihrer Enteignungsvorlage einen Karten Stand. Aber auch ihre Gegner müssen zugeben, daß sie das von ihr als notwendig Er­kannte mit zäher Energie verficht und, nachdem sie mit dem Abgeordnetenhause auf einer ihr an­nehmbaren Grundlage zu einer Verständigung gelangt ist, mit Fleiß tätig ist, um von dem tm Abgeordnetenhause Erreichten nicht noch ein gut Teil abbröckeln zu lassen. Dieser ihr Fleiß hat denn jetzt zu einem parlamentarischen Novum geführt: die preußische Staatsregie« tung veröffentlicht zu dem Bertcht der Herrenhauskommtsston eine Gegenschrift. Nachdem aber bte Haupt­punkte des Kommissionsberichtes die Runde durch die Presse gemacht haben, erscheint es recht And billig, auch die Regierung nochmals zum Wort kommen zu lassen.

Der Berichterstatter der Herrenhauskommis­sion, der kenntnisreiche und gewissenhafte Dr. v. Burgsdorfs, der wiederholt auch als tempera­mentvoller Redner hervorgetreten ist, hatte aus­gerechnet, daß, wenn die Enteignungsvorlage in der Fassung der Herrenhauskommissionsbeschlüsse Gesetz würde, der Ansiedelungskommission in den nächsten Jahren immer noch 160 000 Hektar !zur Verfügung stehen würden. Diese Auffassung hält die Regierung für irrig, und sie stützt sich dabei auf die Feststellungen, feie ihr nach feen Ostmarken entsandter Kommissar dort in Ge­meinschaft mit dem Oberpräsidenten und der Ansiedelungskommission gemacht hat. Sie sucht nachzuweisen, daß nach den Beschlüssen der Her« tenhauskommission dem Enteignungsrecht pol­nische Güter im Flächeninhalt von nur 108 041 Hektar in Posen und Westpreußen unterworfen werden, von denen jedoch nur 62 832 Hektar für feie Ansiedelung geeignet sind. Für die Zwecke der Regierung kommen ober auch diese 62 000 Hektar nur z. T. in Betracht. In Gebieten, wo das Deutschtum stark genug ist, will sie nicht ent­eignen, und so verringern sich die 62 832 auf 26 426 Hektar oder bet Ausdehnung des Enteig­nungsrechts auf die älteren Jahrgänge auf 38 443 Hektar. Hier sind aber noch die Wald-, Wasser- und Oedlandflächen abzuziehen, so daß schließlich nur noch 21220 resp. 30 870 Hektar Übrig bleiben.

Gegenwärtig besitzt die Ansiedelungskommis« pon noch rund 60 000 Hektar, ihre Tätigkeit ist also noch für zwei Jahre gesichert. Was die Herrenhauskommission bewilligt hat, reicht knapp für ein weiteres Jahr aus. Danach wär« feie Ansiefeelungskommission auf feen Erwerb feer feen Eigentümer wechselnden Güter angewiesen. Das aber liefe auf feie weitere Zersetzung fees deutschen Grundbesitzes mit allen für feen Güter« markt wie für die östliche Landwirtschaft ver­hängnisvollen Begleiterscheinungen hinaus. Di« Regierung kommt daher zu folgendem Ergebnis: Wohl ist von der Kommission feie Beschränkung, nur 70000 Hektar enteignen zu dürfen, gestrichen worden. Diese Aeuderung der Vorlage wäre aber nur dann wirksam, wenn dem Staate dabei «ine ausreichende Fläche zur gleichmäßigen Fortführung des Ansiedelungswerks in dem wesentlichsten Ansiedelungsgebiete zur Verfüg­ung stände. In Wahrheit hat die Herrenhaus- kommission das Enteignungsrecht viel einschnei­dender beschränkt, als das Abgeordnetenhaus; die künftige Ansiedelungstätigkeit wird dem Zu­fall ausgeliefert. Dabei ist «ine planvolle, die bisherigen Erfolge sichernde und künftige Er­folge verbürgende Fortführung der Anfiefee- lungspolitik ausgeschloffen.

Vgg.), Dr. Will-Straßburg (Ztr.), Wiltberger (Els.-Lothr., Zentr.). ,

Ein« längere Debatte ergab sich bet bet Wahl bes Aba. Ender» (frf. Vga.), beglich welcher di« Wahlprüfungskommisfion bte Be­weiserhebung beschlossen hat.

Abg. Fischer (Soz.) beantragte, die Wahl für ungültig zu erklären, da der Bürgermeister den Wahlaufruf unterzeichnet habe.

Abg. v. Oertzen (Rp.) gab zu, daß die Wahl­prüfungskommission ihren alten Standpunkt verlassen habe, aber mit Recht, da die geheime Stimmabgabe jetzt absolut gesichert sei. Die De­batte verzettelte sich. Der Antrag auf Zurück­weisung an die Kommission wurde hierauf abge- lehnt und der Kommissionsantrag auf Beweis­erhebung einstimmig angenommen. Ohne De­batte wurde hierauf die Wahl de» Abg. Pauli (kons.) für gültig erklärt. Bei dem Kommis­sionsvorschlage, die Wahl des Abg. Becker (Ztr.) als gültig zu erachten, erhob der Abg. Evrrling (nl.) wegen geistlicher Wahlbeeinfluffung Ein­spruch, worauf Abg. ffiroeber (Ztr.) ausführlich antwortete.

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Preußischer Landtag.

Herrenhaus.

Das preußische Herrenhaus beschäftigte sich gestern in Gegenwart der Minister Freiherr von Rheinbaben, von Arnim, von Moltke und Beseler, zu denen sich im Laufe der Sitzung der Ministerpräsident Fürst Bulow gesellte und tn Anwesenheit des Kronprinzen bei dicht gefüll­tem Hause und überfüllten Tribünen mit der gleiten Lesung der Ostmarkenvorlage. Der erichterstatter von Burgsdorfs berichtete ein­gehend über die Arbeiten der Komissionen und betonte die Bereitwilligkeit des Herrenhauses, der Regierung bei der Durchführung ihrer Ost­markenpolitik zu helfen. Nur über den Weg sei man verschiedener Meinung, man werde aber hoffentlich zu einer Verständigung kommen. Landwirtschaftsminister von Arnim legte noch einmal die Gründe der Regierung dar und bat, die sämtlichen Anträge abzulehnen und da» Ge­setz in der Fassung des Abgeordnetenhauses ab« zunehmeir. Graf Mirbach-Sorauitten begrün­dete eingehend die Haltung seiner politischen Freunde. In bet Enteignung sehe et eine Ge­fahr, und er bitte, feie Enteignung abzulehnen und im übrigen feen Entwurf anzunehmen. Nach­dem Oberbürgermeister Dr. Wrlms-Posen die Bitte ausgesprochen hatte, die Kommtsstonsbe- «e anzunehmen, sprach Staatsminister a. D.

ert Lucius von Ballhausen ebenfalls Be­denken gegen die Enteignung aus. Minister­präsident Fürst Bülow stellte fest, daß wir un­sere innere Politik nicht nach dem Eindruck ein­zurichten hätten, den sie auf das Ausland macht. Et vermißte zu der Vorlage positive Vorschläge zu einer anfeeren Lösung fees polnischen Pro­blems als durch die Enteignung. Er empfahl die Annahme des Antrages Andickes, bet bie Fassung bes Abgeordnetenhauses wieder her­stellt. Die Beratung wird am Donnerstag fort­gesetzt werden.

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Aus den Kommissionen de» Reichstages.

Die Budgetkommisfion setzte am Mittwoch bte Generalfeiskussion über ben Etat für das ost- afrikanische Schutzgebiet fort. Staatssekretär Dernburg erklärte, daß eine Schiffbarmachung der Flüsse bis auf einen im Norden von Ost­afrika ausgeschlossen sei. Eine Verzinsung der Bahnen sei mit großer Wahrscheinlichkeit ge­sichert. Bei jeder Kolonisation» müsse der na­tionale Gesichtspunkt selbstverständlich gewahrt bleiben. Eine Vermehrung bet deutschen An­siedler in Ostafrika sei sehr erwünscht, aber ihre Existenzmöglichkeit sei wegen feer fehlenden Ab­satzgelegenheit nicht gesichert. Der Staats­sekretär machte weiter vertrauliche Mitteilun­gen über bie Jnderpolttik. Gouverneur von Rechenberg bespricht ben Einfluß unb bte Ein­wirkung auf bie Arbeiterfrage. Abg. Lutt­mann (wirtsch. Vgg.) begrüßt bie heutigen Er­klärungen Dernburg» in bet Ansiedlerfrage, wodurch er feinen früheren Standpunkt wesent­lich eingeschränkt und abgemildert habe. Man muffe in den Kolonien eine weiße Oberschicht haben. Abg. Ledebour (Soz.) polemisiert auch gegen die jetzige Richtung in der Kolonialpolitik. Abg. Dr. Wiemer (frf. Vp.) spricht seine Zu­stimmung zu den Ausführungen des Staats­sekretär» Dernburg im allgemeinen aus. Die Eisenbahnen seien vor allem in wirtschaftlichem Interesse notwendig. Daraus wird bie Weiter­beratung auf Donnerstag vertagt.

Der Seniorenkonvent bes Reichstage» be­schloß heute, im Plenum zunächst den Etat des Innern und dann den Etat de» Auswärtigen unb bes Kolonialamts auf bie Tagesordnung zu bringen. Man hofft bis zum 25. März mit dem Etat fertig zu werden unb Donnerstag oder Freitag vor Psalmsonntag in bie Ferien zu gehen.

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberh ess isch e

50

/IX UV _ Ar Bezugspreis beträgt durch bte Post 2^5 Mk. (ohne

Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.