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gebühr beträgt für bie 7gespaltene Zeile 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig.

43. Jahrg«

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llniversitätSbuchdruckeret Inhaber Dr. T. H itzeroth, Marburg, Markt LI. Telephon 55.

Zweites Blatt

«Nachdruck uerbciren.)

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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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Die Znserttoa» oder deren Raum

Marburg

Sonntag, 23. Februar 1908.

blühenden Retteroffitter war ein blasser, ma­gerer, kranker Jüngling geworden, auf dessen eingefallenen Wangen die Rosen der Jugend einer fahlen krankhaften Blässe Platz gemacht hatten. Sein« fieberheißen Hände waren hager und wachsbleich, der Glanz seiner Augen war unnatürlich und krankhaft, seinRücken gekrümmt und sein Gang schleppend und müde.

Mit bange: Sorge für meinen armen Freund sah ich in die Zukunft. Im übrigen gestaltete sich mein Aufenthalt auf Schloß Oldensloe sehr an­genehm, der Graf war von einer vornehmen Liebenswürdigkeit und einem gütigen Ent­gegenkommen. Die Gräfin hatte mich geradezu in ihr Herz geschlossen, ich saß stundenlang neben ihrem Lager, las ihr vor oder erzählte rhr aus dem Kriege, wobei ste immer wieder auf die Schlacht bei Mars la Tour und die Verwund­ung ihres Sohnes zurückkam. Ich merkte, daß auch ste die geheime Sorge um den armen Lothar quälte, der Zug des Leidens in ihrem feinen Gesichte vertiefte sich immer mehr und oft fand ich ste, die Augen von Tränen gerötet. Auch der Graf war ernst und behandelte seinen Sohn mit zarter Schonung. Mit dem Grafen und Komtesse Amalgunde ritt ich ost in der Um­gebung des Schlosses spazieren. Lothar durfte noch immer kein Pferd besteigen, was für ihn der größte Schmerz war.

Auf diesen Spazierritten besuchte ich mein altes Elternhaus und da« Kreuz an jener Stell«, an der mein Vater erschosten war.

Welche Erinnerungen drängte» fich mir da auf!

Wie klein und unscheinbar kam mir jetzt da» Haus vor, da» «inst meine ganze Welt um- schlossen hatte.

Der alte Peter lebte noch. Er war ein Grer» von fünfundsiebzig Jahren, aber noch rüstig und frisch, der von der Pensionierung, die ihm der Graf angeboten hatte, nichts wissen wollte. Mich erkannte er nicht wieder. Al» ich mich ihm aber fu erkennen gab, sah «r mich ganz erstaunt an,

Die weiße Frau von Oldensloe.

Original-Roman von O. E l st r r.

(Fortsetzung.)

Ich dantte Lothar aus vollem Herzen. Da» «ar ein Aufenthalt so recht nach meinem Ge­schmack. Ich freute mich schon auf di« einsamen Stunden, welche ich in diesem Büchersaal ver­bringen würde.

Das Gewölbe liegt in dem alten Turm," fuhr Lothar fort. Früher muß natürlich auch «ine Verbindung mit dem alten, jetzt unbewohn­ten Teile des Schlosses bestanden haben. Ich glaube aber, man hat jetzt die Türe zuge­mauert."

Wohin führt diese Tür?"

In den anderen Flügel des neuen Schlosses, den meine Großmutter zum Teil bewohnt. Doch wird sie Dich hier schwerlich stören. Was sollt« sie hier unter den alten Schatttten suchen? Freilich liegen auch alte Familienpapiere und Akten dort in jenem Winkel."

Vielleicht wäre es doch der Mühe wett, ste einmal durchzusehen."

Wenn es Dir Vergnügen macht, immerhin, poch nun komme die dumpfe Luft hier fällt mir »uf die Brust. Ja, lieber Freund, ich bin nicht mehr der Alte. Dieser verdammte Bajonettstich hat mich zum Invaliden gemacht."

Er hustete. Die stauberfüllte, trockene dump­fige Luft des Gewölbes tat ihm sichtlich nicht tzut. Rasch traten wir in das helle, warm« Zimmer zurück.

.Ich verlasse Dich jetzt, sagte Lothar.In einer Stunde bitte ich, zum Souper herunter- jukommen."

. Wir schüttelten uns die Hände und er ent­fernte sich, hinter dem vor den Mund gehaltenen kaschentuch noch immer hustend.

Armer Freund! Welche Veränderung war Irit ihm vorgegangen? Aus dem schneidigen

Man abonniert auf die täglich erscheinend«-Oberhessische n Zeitung" bet allen Postämter« und unfern Zeitungsstellen in Jto 4n Kirchh ata und Wetter sowie bet unserer Expedition Markt 31. v _ Der Bezugspreis beträgt durch die Dost 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

spricht wohl der Billigkeit, wenn die Ueber- stunden, die in die übrige Zeit fallen, auch

etwa» höher bezahlt werden.

Wir würden vorschlagen, ob stch nicht eine 28prozentige Zulage ermöglichen ließe. Einige wichtige Punkte aber sind in dieser Verfügung noch nicht berühtt worden. Vor allem halte ich e» mit meinen Freunden für notwendig, daß der allen Forderung der Telegraphenarbeiter, welche die Anrechnung der Dienstzeit auf das Besoldungsdienstalter verlangt, endlich stattge­geben werden möge, damit die bestehende Unge« rechttgkett, die diese späteren Unterbeamten gegenüber den aus dem Postillondienst Hervor­gegangenen zurückgesetzt, au» der Welt geschafft werden möge.

Ich habe ferner berttts Gelegenheit genom­men, in der Budgetkommisston darauf hinzu­weisen, daß die langersehnte Bestimmung über die ärztliche Untersuchung bei Eintritt tn den Dienst als Telegraphenarbeiter noch immer nicht in die Verfügung hineingekommen ist. Ich möchte darauf Hinweisen, daß zahlreiche dieser Telegraphenarbeiter, die in den Dienst ein- treten, es nur in der Hoffnung tun, später ein­mal in den Unterbeamtendienst übernommen zu werden.

Meine Herren, wen« nun, wie vielfach er­wiesen ist, im Lauf« der Dienstzeit Beschwerden namentlich sind e» Herzfehler eintreten, und diese Leut« dann nicht

in di« Unterbeamtenstelle» hineinkommen, so wird das außerordentlich hart empfunden. Es wär« erfreulich, wenn bestimmt würde, haß die Aufnahme in den Unterbeamten- dienst von der Untersuchung im ersten Jahre ab­hängig gemacht wird. Ich will dabei auch dem Bedenken, da« der Herr Kollege Erzberger in der Budgetkommisston zum Ausdruck brachte, gerecht werden, der meinte, daß dann große Greife von gesundheitlich nicht völlig intakten Arbeitern überhaupt nicht mehr in den Dienst der Postverwaltung al« Telegraphenarbeiter treten würden. Mein« Herren, es könnte durch eine Untersuchung festgestellt werden, wie die Eesundheitsverhältnisse der einzelnen Arbeiter find. Diejenigen, die gesund befunden werden, haben dann die sicher« Aussicht, später als Unter­beamte ausgenommen zu werden, diejenigen, die nicht als gesund befunden werden, sind stch ihrerseits vollständig über das Risiko klar, das sie trogen, und können leicht in einen andern Dienst übergehen.

Ich möchte dann darauf Hinweisen, daß auch der Punkt der Verfügung der sagt, daß bei der Regelung der Löhn« darauf zu achten ist, daß diese nicht im Mißverhältnis zu den Tage­geldern der Vorarbeiter stehen dürfen, bedenk­lich ist. Ich möchte da auf die vielfach unge­nügende Bezahlung, die gerade bei den Vorar­beitern vorhanden ist, Hinweisen. Wenn nun die Anordnung getroffen wird, daß die Löhne der Telegraphenarbeiter in keinem Mißverhält-

dienstzeit hinter stch hat, dann wird das von ihm außerordentlich schmerzlich empfunden. (Lehr richtig! rechts.) Ich glaube, daß gerade in dieser Beziehung außerordentlich viel Klage» nicht nur zu Ohren der Verwaltung, sondern auch zu den Ohren der einzelnen Abgeordneten gedrungen sind (sehr ttchtig! recht«), und t» würde gerecht sein und auch im Interesse der Reichspost liegen, wenn diesem Mißstände end­lich ein Ende gemacht würde.

Ich möchte ferner darauf Hinweisen, daß vielfach den Bestrebungen auf eine

Sonntagsruhe auch im Postillondienst dadurch entgegengearbeitet wird, daß einfach durch die ungenügende Bezahlung derjenigen, die die Postillone anzustellen haben, diesen nicht die Möglichkeit gegeben ist, für eine Vertretung am Sonntage zu sorgen. Wenn da der Herr Staatssekretär vielleicht einige Mittel bean­tragen würde, so würde das seitens der Postillon« nur dankbar empfunden werden. Ohne Frage wird allseitig von der Beamtenschaft anerkannt, daß auf dem Gebiete der Sonntagsruhe ganz erhebliche Fortschritte überall gemacht worden sind,' aber ich bin der Ansicht, es wird fich da auch vieles, was ja auch schon in früheren Jahren hier gefordert ist, noch machen lassen. Ich möchte darauf Hinweisen, daß tatsächlich der Telephondienst am Sonntag Nachmittag nicht so notwendig ist, wie das vielfach behauptet ist. Für dringende Sachen steht der Telegraph zur Verfügung, der Telephondienst ist dagegen wohl zum großen Teil am Sonntag Nachmittag zu entbehren. Ebenso ist man sich in den Kreise» der Postbeamten darüber einig, daß der Schal terdienst am Sonntag von 121 Uhr in vieles Gegenden wohl zu entbehren wäre.

Ich möchte auch auf eine Tatsache aufmerk­sam machen, die gewiß nicht den Verfügungen eiilfpzld)t, ble Wil Vem penn Oiuu4»fetrerai in dieser Richtung getroffen worden sind. Ich möchte hervorheben, daß in einer westdeutschen Universitätsstadt eine christliche Wochenschrift, die von einem Universitäts-Professor herausge« ?eben wird, obwohl meines Wissens eine Per- iigung seitens des Reichspostamtes besteht, daß an Sonn- und Feiertagen Drucksachen, die nicht eilig sind, nicht versandt werden sollen, doch am Bußtage und ersten Feiertage versandt worden ist und daß extra Dienst dafür angesetzt worden ist. Darüber find mir Klagen der Beamten zu Ohren gekommen.

Dann sind Beschwerden vorhanden über den Mangel an Pausen. Da, wo mehrere Schalter» beamte vorhanden sind, wird es sehr wohl mög> lich sein, die nötigen Pausen eintreten zu lassen und so den Beamten Gelegenheit zu geben, \ h von dem schweren Dienst einigermaßen zu er­holen.

Wünsche find auch vorhanden inbezug auf den Nachtdienst.

Es liegt auf der Hand, daß die Beamten« kategorien, die Nachtdienst zu leisten haben, er­

ste kam mir mit freundlicher Zutraulichkeit entgegen, die aber doch mit einiger Befangenheit gemischt war. Sie versuchte augenscheinlich, den geschwisterlich zutraulichen Ton der früheren Zeiten zwischen uns wieder zu finden, doch zwi­schen damals und jetzt standen die Jahre, die mich zu einem leidenschaftlich empfindenden Jüngling, sie zu einer warmherzigen blühenden Jungfrau umgewandelt hatten. Der Verkehr zwischen uns nahm daher etwas Konventionelles an, um unsere Empfindungen zu verbergen. Dennoch leuchtete es oft innig und warm in ihrem Auge aus, und ihre Stimme erbebte leise, wenn ste mit mir sprach, ihre Hand zitterte in der meinigen, al» sehne st« stch nach einem in­nigen Druck bann jauchzte es in meinem Herzen aus, aber ich war stark genug, die heiße Empfindung, die in mir emporquall, zu unter- drücken, ich wollte von Schloß Oldensloe nicht mit dem Gefühl der Reue scheiden, wollte das Vertrauen welches man mir entgegenbracht«, nicht täuschen. .

Ein Vorfall, der stch nach einigen Wochen meines Aufenthalts zutrug, und der meine Phantasie lebhaft anregte, sollte uns dennoch seelisch aneinander näher bringen.

Wenn ich des Abends in meinem Zimmer an dem offenen Fenster saß, um noch eine Weile di« frische Herbstluft zu genießen, welche von dem in weißen Nebenschleiern daliegenden Patt emporstieg, bemerkte ich öfter in dem ®w man mit gesagt hatte unbewohnten alte» Schlosse ein Licht, welches ruhelos m den Rau­men des altenEemäuers umherzuwandeln schien, IicDDttuf ttcppflb, towcbtc cs, butd) ttUß m« gtttt es, fast' wie ein gespenstisches Wese». Zuerst glaubte ich, daß ein Diener der Sicherheit wegen, vielleicht der Parkwächter, am Abend noch einmal durch den alten ruinenhaften Ba» gehe. Aber das Licht schimmerte noch um Mitter­nacht, ja, ich sah es noch gegen Morgen, wen» ich noch einmal um diese Zeit erwacht«.

^Fortsetzung folgt)

Abg. Dr. Böhme zum Postetat

im Reichstage am 17. Februar 1908.

(Stenographischer Bericht.)

Abg. Dr. Böhme (Wirtsch. VggZ: Meine Herren, das Mitglied der Sozialdemokratie, Sperr Stadthagen, hat einmal zu seinen Partei« Wenossen gesagt: wir müssen noch ruppiger wer­den. Ich bin der Ansicht, daß wahrscheinlich Mm Ende der heutigen Sitzung Herr Stadthagen Herrn Eichhorn, dem Vertreter des süddeutschen Revisionismus, dankbar die Hand schütteln wird. j(Lachen b. d. Soz.) Ich möchte jetzt in einigen Morten auf die Fragen eingehen, die mir mein Kollege Lattmann noch zur Behandlung übrig J[Blaffen hat, und möchte dem Herrn Staats­ekretär besonders danken für die Verfügung

bezüglich 1er Telegraphenarbeiter.

Wir erkennen an, daß dieselbe in vielen Punk­ten einen außerordentlichen Fortschritt bedeutet Md vom Standpunkt der Verwaltung al» auch der Arbeiter außerordentlich zu begrüßen ist. Aber wir dürfen uns nicht darüber täuschen, daß darin manche Punkte vorhanden find^ di« wir gern abgeändert haben möchten. Es ist ^außerordentlich erfreulich, daß die Reichspostver- Ivaltung sich entschlossen hat, Arbeiterausschüsse |u gestatten. Dagegen erscheint uns die Att Md Weise bedenklich, wie di« Bestimmungen Aber die Auflösung dieser Arbeiterausschüsse hier festgelegt sind. Es heißt:

Die Oberpoftdirettion ist befugt, Arbeiter- ; ausschüsse, die sich nach dem Ermessen der ' Oberpostdirektion zur Erfüllung der tpnei ge- stellten Aufgaben ungeeignet erwiesen haben, aufzulösen und eine Neuwahl anzuoronen.

Die Bestimmung erscheint uns doch etwas zu scharf. Bei dem Berggesetz find über die Auf­lösung der Arbeiterausschüsse erheblich mildere vestimmunge vorhanden. Se heißt dort:

Ein Arbeiterausschuß, der seine in Abs. 2 begrenzte Zuständigkeit überschreitet, kann : nach fruchtloser Verwarnung aufgelöst wer­den. Die Auflösung erfolgt durch da» Ober- ' bergamt.

Wir würden es für sehr erfreulich ansehen, wenn eine derartige Milderung in den Be­stimmungen eintreten würde. Das entspricht ja gud) den kaiserlichen Februar-Erlassen, in denen verlangt wird, daß die Arbeiter eine Vertretung haben sollen, die ihre Meinung zum freien und friedlichen Ausdruck bringt.

Ich möchte noch einige andere Punkte dieser Verfügung berühren. Es ist darin gesagt, daß Heberftunben, die in der Zeit von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens fallen, mit der an­derthalbfachen Vergütung der Arbeitsstunden bezahlt werden müssen. Meine Herren, es ent«

nie zu denen der Vorarbeiter stehen sollen, so ist dadurch von vornherein eine entschiedene Ver­besserung erheblich gehindett. Auch da würde eine Besserung notwendig sein; handelt es stch doch um eine Klasse von Arbeitern, die einen außerordentlich

schwierige», aufreibenden Dienst haben, die jedem Wind und Wetter ausgesetzt find und deshalb wohl Anspruch haben dürften» besonders berücksichtigt zu werden.

Auf einige kleinere Beschwerden möchte ich des weiteren aufmerksam machtzn. Es sollte

im Interesse der Reichspostverwaltung liegen daß die in ihrem Dienst beschäftigte Ar­beiterschaft an der großen Organisation mit tätig ist, die geschaffen ist durch die christlich- nationale Arbeiterbewegung. Wir müssen es daher sehr bedauern, wenn den Telegraphen­arbeitern nicht die Möglichkeit gegeben ist, diese Kongresse der christlich-nationalen Arbeiterschaft zu. besuchen, daß ihnen nicht genügend Urlaub gewährt worben ist. Meine Herren, es wird die Arbeiterbewegung entweder

der Sozialdemokratie anheimfallen oder sie wird sich auf christlich-nationalem Bo­den organisieren. (Sehr richtig! rechts.) Etwas Zweites ist nicht möglich; und da möchte ich doch bitten, daß der Herr Staatssekretär der ihm unterordneten Arbeiterschaft die Möglichkeit gibt, stch an der christlich-nationalen Arbeiter­bewegung zu beteiligen.

Ich möchte dabei hervorheben, daß, wenn der Herr Staatssekretär da» Organ der Tele­graphenarbeiter, den Telegraph" durchsteht, er finden wird, daß diese Bewegung stch freihält von jedem Radikalismus, baß ste in keiner Weise in den Spuren der Sozialdemokratie wandelt, daß mit aller Entschiedenheit Versuche zurückge- wiesen werben, die in der Oeffentlichkeit e» |o darzustellen versuchen, als ob Telle bei Tele­graphenarbeiter mit der Sozialdemokratie Hand in Hand gehen. Da wird der Herr Staatssekre­tär verschiedene Beispiele finden. Um so berech- ttgter ist es wenn er ihr die Möglichkeit gibt» in einer so loyalen, national-christlichen Organi­sation ihre Interessen zu vertreten. .

Meine Herren, wir begrüßen diese Arbeiter­ausschüsse auch deshalb besonders, weil wir der Ansicht sind, daß ste hoffentlich die Vorläufer sein werben zu Ausschüssen für die mittleren und unteren Beamten. Auch diesen Wunsch, mein« Herren, möchte ich noch nachdrücklich unter­streichen und dem Herrn Staatssekrttär ans Herz legen.

Ich komme jetzt zu einzelnen Wünschen. In den Kreisen der Unterbeamten wird es von den­jenigen, die im Militärdienst gewesen sind, be­sonders lebhaft beklagt, daß ihnen

die Militärzeit nicht angerechnet wird. Wenn ein solcher Mann der seine Jahr« abgebient hat, der es vielleicht sogar bis zum Unteroffizier gebracht hat dann einem Kollegen gegenüber zurückgefetzt ist, der keine Militär»

Sie sind der kleine Eundokar Decker? Ti, ich glaubte, es wäre ein Neffe von Ihnen, Herr Graf. Er sieht Ihnen sehr ähnlich . .

Wie erschreckt hielt er inne.

Verzeihen Sie, Herr Graf," murmelte er.

Ich glaubte eine flüchtige Röte des Unmuts über das Gesicht des Grafen huschen zu sehen. Dann lachte er und sagte:

Ja, Peter, es kommen oft merkwürdige Aehnlichkeiten vor. Na, wir beide wissen ja, wie es in der Welt zugeht."

Dann ritt et davon und ich mußte ihm fol­gen. Der alte Peter aber sah uns verdutzt nach.

Die schönsten Stunden verlebte ich indessen, wenn ich mit Komtesse Amalgunde allein, nut von einem Reitknecht gefolgt, in den Wald hinausreiten durfte. Schon nach wenigen Tagen war ich mit klar, daß das knabenhafte Gefühl, welches ich einst für bas Komteßchen gehegt, sich zu einer teinen innigen Liebe vertieft hatte. Ich erschrak gar nicht darüber, ich wat mit meiner Liebe flat bewußt, die ich wie ein Heiligtum in meinem Hetzen bewahrte. Ich wat mit auch klar bewußt, daß ich dieser Liebe niemals Wort« verleihen durfte, sollte der Zauber nicht ver­schwinden, sollte da» Märchen nicht zum bösen Ende kommen. Zu hoffen hatte ich nichts, denn wie hätte ich, der Sohn eine» armen Forsters, der heimatlose Fremdling, die Augen zu der Tochter de» Grafen Lothar von Oldensloe er­heben können?

Das alles sagte ich mir klar und deutlich, und doch wollte ich von meiner Liebe nicht lassen. Doch betrachtete ich diese Liebe als meines Le­bens Glück und Inhalt. Diese tiefen, heiligen Gefühle machten mich stolz und stark. Alle Zag­haftigkeit, all« Ungewißheit, alle Nervosität, verschwand vor dem einen Gedanken: Sei ein ganzer Mann, daß sie, die du liebst, einst mit Stolz und Freude auf die Zeit zurückblicken kann, wo du an ihrer Seite reiten durftest.

Und Amalgunde?