Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«nd de« Keilagen: Literarischer A«rrigrr",ßandmirtschaftliche Keita-e" «nd ^ALnstriertea KomrtagsblE.

Man abonniert auf die.täglich erscheinende Oberhessifche Die Jnsertionsgebühr beträgt für bie 7 gespaltene Zeile

Jti 46 ÄÄfitaÄra»* Marburg 4,^^.^-.-

Sonntag. 23. Februar 1908.

Erstes Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

Rückblick.

Für das undankbarste Reichsamt ist nun auch ein neuer Herr gefunden. Leicht ist es offenbar Nicht gewesen, sonst würde der schon seit Wochen totgesagte Freiherr von Stenge' doch schon früher den Staub der Reichshauptstadt von den Füßen geschüttelt haben, um wieder nach seinem gelieb­teil Bayernland zurückzukehren, von dem er im August 1903 mit Pauken und Trompeten auszog, um große Taten zu tun. So hieß es wenigstens. Daraus ist ja nun freilich nichts geworden, und die großen Erwartungen und Hoffnungen haben nur den einen Erfolg gehabt, daß man in der Enttäuschung ihm nachher nicht gerecht wurde. Er war kein schöpferischer Geist und die große Fiitanzreform harrt noch immer der Erledigung, hingegen ist sein Name mit den Steuern des vorigen Jahres u. a. der Fahrkartensteuer verknüpft, die ihm im Deutschen Reiche kein Allzu freundliches Angedenken sichern werden, wenn auch hervorgehoben werden muß, daß ge­rade für diese die damaligen Mehrheitsparteien hie eigentliche Verantwortung tragen. Daß die Verhältnisse gründlich verfahren sind, dürfte kaum von jemandem bezweifelt werden. Herr von Stengel, dem zudem die innerpolitischen Verhältnisse manche Schwierigkeiten bereiteten, war der Lage nicht mehr gewachsen.

Auf wen ist man als seinen mutmaßlichen Nachfolger nicht alles verfallen? Bloß den einen, derdas Ziel erreichte, hat man nicht nennen bören, wodurch sich wieder die in ihrer Meinung bestärkt sehen, die behaupten, daß keinem Mi­nisterkandidaten ein schlechterer Dienst bereitet werden könne, als daß er in der Oeffentlichkeit als solcher genannt werde, seine Ernennung sei Hann ausgeschloffen.

Herr Sydow nicht von Sydow wird als gescheiter tüchtiger Verwaltungsbeamter be­zeichnet, von dem man näheres weder politisch Noch nach der Seite seiner finanztechnischen Be­gabung nicht zu sagen weiß. Das erscheint uns ^allerdings vorläufig nicht als Grund, ihn als Verlegenheits- und Aushilfsminister zu bewer- Lten, wie das von mancher Seite bereits geschieht. fDatz die Neuregelung der Fernsprechgebühren 'auf seine Initiative zurückzuführen ist, dürfte allerdings wenig geeignet sein, ihm von vorn­herein große Sympathien zu sichern. An der maßgebenden Stelle scheint man von seiner Tä­tigkeit viel zu erwarten, das geht unzweifelhaft aus dem Umstande hervor, daß man bemüht ge­wesen ist, seins Stellung durch gleichzeitige Er­nennung zum preußischen Staatsminister be­deutend zu stärken und zu heben. Hoffentlich er­füllt er diese Hoffnungen und kommt mit einem Programm, das geeignet ist, die Reichsfinanzen gut zu fundieren.

Auch in der großen politischen Welt hat es in der vergangenen Woche gekriselt. Neben Ma­rokko ist jetzt auch noch der alte Herd europäischer Differenzen, der Balkan, in Aktion getreten und es schien sich hier mit etwas überraschender Ge­schwindigkeit ein Feuer zu entzünden, das sich aber bald als ein Strohfeuer enthüllte. Die Türkei hatte an der persischen Grenze Truppen zusammengezogen, vornehmlich um Unruhen zu verhüten. Dies Ereignis wurde in Rußland als ein Zeichen für die Kriegslustigkeit der Türkei angesehen, und man beschloß, seinerseits die asta­tischen Streitkräfte zu inobiltsteren. Aus Pe­tersburg verlautete, daß die Kreise der Regier­ung einem Kriege nicht abgeneigt seien. So sehr auch Rußland und auch England aus einer Auf­teilung der Türkei Vorteil ziehen würden, eine wirkliche Kriegsgefahr besteht zur Zeit nicht, man kann aus dem Lärm nur entnehmen, daß Rußland im Einverständnis mit England jetzt im nahen Orient seinen ulten Einfluß rote» derzugewinnen sucht. Am unangenehmsten ist ihm dabei Deutschland, weniger durch seine aktive Politik an dieser Stelle, als durch die diplomatische Unterstützung, die es dembril­lanten Sekundanten" von Algeciras leiht. Dieser Oesterreich-Ungarn ist ja, seit Ba­ron v. Aehrenthal die auswärtige Politik lenkt Dnd vor allem seit es durch die Beilegung der Ausgleichsstreitigkeiten nach außen freie Hand bekommen hat, wieder aktiv i» die Balkan­

politik eingetreten. Baron Ahrenthal hat den Delegationen erklärt, daß die Monarchie eine Bahn zwischen Noac und Mitrowitza bauen werde, die den Zweck hat, Bosnien mit Saloniki zu verbinden. Dadurch wird vor allem die wirt­schaftliche Stellung Oesterreichs auf dem Balkan erstarken, womit natürlich die politischen Jnter- effen von selbst wachsen. Bereits im Berliner Vertrag von 1878 war Oesterreich diese Erlaub­nis erteilt worden. Und wenn es jetzt ausführt, was ihm damals garantiert wurde, so läßt sich ihm daraus kein Vorwurf machen. Obwohl Oesterreich die Konzeffion des Sultans eingeholt und alle Mächte gleichzeitig von dem Bahnbau unterrichtet hatte, war man in Rußland sehr versttmmt und Italien und England stimmten in den Entrüstungsruf ein.

Nachdem Frhr. v. Aehrenthal aus dem Wort­laut des Berliner Vertrage. überzeugend nach- gewiesen, daß Oesterreich-Ungarn mit dem Bau der Bahn durch das Sandschak Novibasar nur ein ausdrücklich gewährleistetes Recht ausübt, ist der Widerspruch allmählich verstummt. Als Eegenzug von dieser Seite wird jetzt eine Quer­bahn von Turn-Severin an der Donau nach Medua am Adriatischen Meer befürwortet. Da­mit wird es wohl gute Weile haben, sind doch die rumänischen und serbischen Bahnen, deren Ver­bindung kein Hindernis im Wege steht, noch immer nicht einmal durch eine Donaubrücke an­einandergeschloffen.

Deutschland steht voll und ganz auf der Seite seines Verbündeten und wird sich auch durch die Verleumdungen nicht irre machen lassen, die von England ausgehen und behaup­ten, daß Oesterreich-Ungarn nur im Auftrage und Interesse von Deutschland handele, genau so rote man Deutschland für alles, was in der Türkei vorgeht, verantwortlich macht. Deutsch­land wird aber in beiden Fällen keine aktive Politik treiben wollen, insbesondere nicht einen äußeren Druck auf den Sultan ausüben, was England und Rußland nur zu gern wünschten.

* *

*

Aus dm Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag nahm am Freitag zunächst den Scheckgesetzentwurf mit einem Kompromiß- antrage aller Parteien, nach dem alsBezogene" auch die unter amtlicher Aufsicht stehenden Spar­kassen sollen bezeichnet werden dürfen, nach kurzer Debatte in zweiter Lesung an und setzte dann die Beratung des Etats des Reichsjustiz­amts fort. Abg. Frank-Mannheim (Soz.) be­hauptete, das Mißtrauen gegen die Gerichte habe auch in bürgerlichen Kreisen zugenommen. In dem Fall Wrede läge die das Volk erbitternde unterschiedliche Behandlung darin, daß der An­trag auf Unterbringung von Untersuchungsge­fangenen in Irrenanstalten nur von reichen Leu­ten gestellt werden könne. Abg. Schirmer (Ztr.) forderte eine Sicherstellung des Koalitionsrechtes der Arbeiter und richtete an den Staatssekretär die Anfrage, wann eine solche Vorlage zu er­warten sei. Vizepräsident Dr. Paasche rief nach­träglich den Abg. Frank (Soz.) wegen der Aeutzerung:Der Abg. v. Maltzahn hat gestern gegen den Kollegen Stadthagen lediglich ein paar schnoddrige Bemerkungen gehabt", zur Ord­nung. Abg. Müller-Meiningen (frs. Vp.) sprach sich gegen eine weitere Einführung von Sonder­gerichten aus, die schließlich zu einem morali­schen Katzenjammer führen würde und erklärte bann die Stellung seiner Pattei zu den Reso­lutionen. Eine geradezu juristtsche Ungeheuer­lichkeit sei die formale Behandlung im Prozesse Moltke-Harden gewesen. Auf die lex Heinze eingehend, hielt Redner die bestehende Gesetzgeb­ung für ausreichend gegen alles Abstoßende. Im Leben der Kunst spiele die Polizei nur eine lächerliche Rolle. Staatssekretär Dr. Rieberding beschränkte sich auf die Erwiderung, der gesetz­lichen Regelung des Strafvollzuges könne man erst näher treten, wenn sich die Wirkung der neuen Strafprozeßordnung übersehen lasse. Abg. Prinz Schönaich-Earolakh (natl.) verbreitete sich Über die Angelegenheit des Volksbildungsver­eins wobei ihn lebhafte Zurufe des Zentrums Justizetat!" beständig unterbrachen. Abg. Frhr. von Maltzau (tonfj betonte gegenüber dem Abg. Frank, der Abg. Stadthagen sei aus dem An- waltstande in der Tat wegen Gebührenüberheb­ung ausgeschlossen worden. Abg. Werner (Dtsch. Rfp.) empfahl Neuordnung der gesetzlichen Be­stimmungen über die Schankstätten, während Abg. Göring (Zentr.) für weitere Einschränkung der Eefängnisarbeit war. Staatssekretär Dr. Rieberding versicherte, auch die einzelstaatlichen Eefängnisverwaltungen seien bemüht, die ®e* fänanisarbeit, die der freien Arbett Konkurrenz

mache, nach Möglichkeit einzuschränken. Ganz lasse sich diese Konkurrenz freilich nicht beseitigen. Nach einer mehr persönlichen Auseinandersetzung zwischen den Abg. Stadthagen (Soz.) und Frhr. i. Maltzan (kons.) wurde die Beratung vertagt.

--*--

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus erledigte am Frettag Zunächst die zweite Lesung der Vorlage auf Her­stellung einer Eisenbahn - Dampfsährenverbind­ung zwischen Saßnitz und Trelleborg. Die Abgg. v. Savigny (Zentr.), v. Arni« und v. Böhlen­dorfs (kons.), Dr. Rewoldt (frkons.), Lusenvkq (natl.) und Gyßlivg (frs. Vp.) stimmten der Vorlage zu. Gegenüber dem Abg. Broemel (frs. Vgg.), der allein dem Entwurf ablehnend gegen« übertrat, versicherte Verkehrsminister Bretten« dach, für die Einbringung der Vorlage seien nicht politische, sondern wirtschaftliche Erwäg­ungen maßgebend gewesen. Darauf setzte das Haus die zweite Lesung des Kultusetat beim Kap. Elementarunterrichtswesen fort. Es ge­lang jedoch noch nicht, die Beratung des um­fangreichen Kapitels zu beenden, und so wurde eine Abendsitzung notwendig. Auf Anregung des Abg. Fetisch (kons.) erkannte Minister Holle die Forderung der Pensionsversicherung für Leh­rerinnen an Privatanstalten als berechtigt an und teilte mit, dies werde bei der reichsgesetz­lichen Privatbearntenverstcherung berücksichtigt und bis dahin unter Vermittlung der allgemei­nen deutschen Penstonsanstalt für Lehrerinnen erreicht. Dem Wunsche des Abg. Krawinkel (natl.) auf Vermehrung der mittleren Knaben­schulen in Kleinstädten trat der Minister wohl­wollend gegenüber. Die Abgg. Dr. v. Campe (natl.) Zischä (Zentr.) und Dr. Arendt (frkons.) empfehlen Erhöhung des Fonds zur Unterstützung ausgeschiedener Elementarlehrer. Gegenüber den Abgg. Eickhoff (frs. Vp.) und Zische (Zentt.) versicherte Minister Holle, auch sein Streben gehe dahin, den Lehrerwitwen möglichst fort­laufende Unterstützungen zu gewähren. Hinge­gen stieß der Wunsch des Abg. Peltasohn (frf. Vgg.), allen Synagogengemeinden zur Be­schaffung des jüdischen Religionsunterrichts Un­terstützungen zu gewähren, auf Widerspruch. Ministerialdirektor Schwartzkopft stellte als Grundsatz der Regierung hin, nur leistungs­schwache Gemeinden zu unterstützen. Darauf trat Vertagung auf Abend halb 8 Uhr ein.

--*--

Aus den Kommissionen des Reichstages.

Die Kommission zur Vorberatung der Reform der Maischraumsteuer hielt am Freitag unter dem Vorsitze des Abg. Dr. Roestcke (kons.) nach längerer Pause wiederum eine Sitzung ab. Vor Eintritt in die Verhandlungen teilte der Direk­tor des Reichsschatzamts Kühn mit, daß eine Vorlage in Vorbereitung sei, welche den Zwi­schenhandel mit Branntwein monopolisiere und die Maischraumsteuer völlig beseitige. Die ver­bündeten Regierungen hätten daher an den weiteren Beratungen dieser Kommission kein Interesse mehr. Die Kommission stellte nach dieser Erklärung ihre Beratungen ein. In der Vudgetkommisfion wurde am Freitag der Etat des Reichskolonialamtes zu Cnbe beraten. Eine längere Diskussion entspann sich bei einer Forderung von 120 000 Mark für Abrechnungs­arbeiten aus Anlaß des Aufstandes in Süd­westafrika. Abg. Erzberger (Zentr.) beantragt, hiervon 20 000 Mark zu streichen. Der Kolonial- staatssekrttär gibt entgegenkommende Erklär­ungen. ab. Die Abrechnung sei außerordentlich schwierig, da eine große Anzahl der Beteiligten schon gestorben sei. Von den im Jahre 1906 aus- gegebenen 86 Millionen Mark seien nur 17 Millionen Mark Belege vorhanden. Man wolle die Abrechnung in Deutschland vornehmen. Von verschiedenen Seiten wird angeregt, die Abrech­nung überhaupt nicht vorzunehmen, sondern durch ein besonderes Gesetz die ganze Angelegen­heit niederzuschlagen. Der Antrag Erzberger wird angenommen. Bei Kap. 9 Tit. 5 find For­derungen für die Kolonialschule Witzenhausen und die Missionsschule Engelpott im Rheinlande verlangt. Abg. Frhr. v. Richthofen (kons.) tritt für beide Forderungen ein. Abg. Arendt (Reichsp.) beantragt eine Aenderung des Dis- pofitivs. Abg. Dr. Wiemer (frf. Vp.) lehnt die Regierungsforderung für Engelpott und den Antrag Arendt ab. Der Antrag Arendt wird mit 14 gegen 12 Stimmen angenommen. Die Petittonskommisfion des Reichstags hat weitere schriftliche Berichte herausgegeben. Darin wird unter anderem beantragt, Bittschriften um tunlichst schleunige Wiederaufhebung der ver­kehrsfeindlichen Fahrkattensteuer" dem Reichs­kanzler als Material zu überweisen. Eine dieser Petitionen sie stammt aus Hannover for­dert als Ersatzzur Beschaffung der nötigen Geldmittel eine angemessene Besteuerung der Zündhölzer "

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat den. früheren Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Wirkst Geh. Rat von Köller-Tantteck am 17. d. M. nach der ,. P. Z.- folgendes Telegramm zugehen lassen:Empfan­gen Sie Meinen wärmsten Glückwunsch zur heu­tigen Vollendung Ihres 85. Lebensjahres. Gott der Hen wolle Ihnen noch einen langen und schönen Lebensabend schenken zur herzliche« Freude Ihres wohlgeneigten Königs Wil­helm R."

Der Kronprinz besichtigte gestern vor­mittag in Begleitung des Ministers des Inner« v. Moltke und des Geheimrats Falkenhayn bas Berliner Polizeipräsidium, das Kriminal­museum, den Erkennungsdienst und die politisch« Polizei und hör-e die Vorträge des Regierungs­rates Haaselau Über Verkehrsfragen und des Oberregierungsrates Glasenapp über die The­aterzensur. Der Kronprinz verweilte drei Stunden. i

Prinz Eitel Friedrich^hat im Schluß Belle­vue den Berliner Gelehrten Herrn v. Lecoq. Assistenten am Museum für Völkerkunde, em­pfangen und in seiner Eigenschaft als Groß­meister des Johanniterordens ihm die von dem englischen Zweig dieses Ordens verliehene gol­dene Rettungsmedaille überreicht. Herr von Lecoq hat von den englischen Johannitern diese Auszeichnung erfahren, weil er bei seiner Rück­kehr aus Chinesisch-Turkestan einen schwer­erkrankten englischen Hauptmann, der sich ihm an geschlossen hatte, auf dem Wege von Tibet nach Indien unter unsäglichen Mühen und eigener Lebensgefahr über den Karakorumpaß gebracht und so zu seiner Rettung beigetrage» hatte.

Der Reichst nzler empfing nach bet Nordd. Allg. Ztg." gestern ben sächsischen Fi­nanzminister Dr. von Rüger.

Der Bundesrat stimmte dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen über be« Verkehr mit Wild und dem Entwurf einer Ver­ordnung, bett, die Konsulargerichtsbarkeit in Bulgarien zu. Annahme fanden ferner bie Vor­lage wegen Bekämpfung der Reblaus in be« Seuchengebieten bei Metz unb bie Vorlage bett, bie Prägung von Fünfpfennigstücken.

Aus Oldenburg. Der Landtag nahm di« Vorlage über die direkte Wahl zum Landtag an.

Eine Aenderung des weimarischen Land­tagswahlrechts? In der gestrigen Sitzung des weimarischen Landtages erklärte Staatsminister Dr. Rothe bei der Beratung eines Antrages auf Abänderung des Landtagswahlgesetzes bezugs­weise der Ersetzung des indirekten durch dar birefte Wahlverfahren, daß gegen bie Einführ­ung bes biielten Wahlverfahrens nichts einzu­wenden sei. Die Regierung wolle aber erst di« weiteren Verhandlungen der Ausschußberatun- gen abwarten, ehe sie fich mit einer Vorlage an den Landtag wende.

Eine Erweiterung der Borbildung der höheren und mittleren Beamten für ben Kolo­nialdienst ist nach dem Etat für 1908 insofern vorgesehen als einmal am Seminar für Orienta­lische Sprachen wirtschaftliche Vorlesungen ge­halten unb sobann Teile des vorzubildenden Personals nach Hamburg entsandt werden sollen. Man nahm an daß es sich hierbei um die Aus- bildung in Großbetrieben handeln würde. Das wird aber nicht zutreffen. 3ßb nämlich die Re­gierung auf eine Anfrage der Rechnungskom- miffion des Reichstages mitgeteilt hat, hat sich die früher vorgenommene Entsendung von Assessoren nach Hamburg unb Bremen zum Zweck üjiet Ausbildung in Großbetrieben nicht be­währt. Es zeigte fich, baß nach Lage der Ver­hältnisse ein tieferes Einbringen in ben kauf­männischen Betrieb und eine eingehende Aus­bildung auf diesem Wege fich nicht erzielen ließ. Es ist deshalb von einer weiteren Entsendung Abstand genommen. Die jetzt in Aussicht genom­mene Vorbereitung in wirtschaftlicher Beziehung wird fich deshalb, wie auch in der Budgetkom« misstonssitzung vom Donnerstag regierungs­seitig vettraulich bestätigt wurde, nach einer an­deren Richtung bewegen.

Die Mitgtiederzahl des Vaterländische« Frauenvereins beträgt nach dem jüngsten Iah- resbettcht 363 672 gegen 336156 im Vorjahre. Davon entfällt fast ein Viertel der Gesamtzahl auf Schlesien, bas auch im Verhältnis zu feinet Einwohnerzahl an bet Spitze steht. Die geringfte Zahl an Mitgliedern hat außer Hohenzoller« die Rheinprovtnz aufzuweisen. Dem Vater»,