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Drittes Blatt.

(Nachdruck verboten.)

Wilhelm II. von Württemberg.

Zu seinem 60. Geburtstag, 25. Februar.

Von Albert Frick.

Nicht weil König Wilhelm II. von Württem­berg der Herrscher eines der größeren deutschen Bundesstaaten ist und als solcher einen wesent­lichen Anteil am Gedeihen und an der fried- licheit Entwickelung des deutschen Eesamtvater- landes hat und schon hatte, als er im Jahre 1891 den Thron Württembergs bestieg, nicht weil er verwandtschaftlich und in Freundschaft mit zahlreichen deutschen und ausländischen Fürsten­häusern innig verknüpft ist, auch mit dem deutschen Kaiserhaufe verbinden ihn seit vielen Jahren verwandtschaftliche Beziehungen, die durch gegenseitige treue Freundschaft befestigt zvorden, sondern weil der Monarch des viert- fgrößten deutschen Bundesstaates eine ungemein ympathische Persönlichkeit ist, die zu den vor­bildlichen Fürstengestalten Deutschlands zählt, Derben sich an dem Tage, da er das sechste Le­hensjahrzehnt vollendet, gern die Wünsche aller Deutschen mit denen seiner Untertanen ver- ßinen.

Er hat das Leid in vielerlei Gestalt kennen gelernt, der Ernst des Lebens hat an seinen Palast ebenso eindringlich und oft geklopft, wie wohl an das Haus des geringsten seiner Unter­tanen: das schmiedet eine feste Kette zwischen Herrscher und Land; und deshalb wird König Wilhelm II., der niemals ein Popularitäts­hascher war, im Schwabenlande und von seinen Bewohnern geliebt, wie nur irgendein Monarch in deutschen Landen.

Als Prinz Wilhelm am 25. Februar 1848 im alten Stuttgarter Residenzschloß das Licht der Welt erblickte, es war eine bewegte Zeit, und der Sturm toste durch Europa und rüttelte an den Thronen, da war die Voraussicht, daß dieser Prinz einmal das Land, in dem er ge­boren, beherrschen würde, eine geringe. Zwar war er ein Königsenkel, seine Mutter, Prinzes­sin Katharina, war eine Tochter des regierenden Königs Wilhelm I., der Vater aber war ein Neffe dieses Königs. Aber doch wurde die Ge­burt des Prinzen freudig begrüßt, denn des Kindes Elternpaar war ungemein beliebt im Lande, und er war der erste Enkel des Königs.

Als dann später die Ehe des Kronprinzen, des späteren Königs Karl, kinderlos blieb, wurde natürlich die Erziehung des Prinzen als des künftigen Königs mit besonderer Sorgfalt ge­pflegt. In dem Kandidaten der Theologie Karl Günther, der später als Professor am Stuttgar­ter Gymnasium ehrenvoll wirkte, fand man eine ausgezeichnete Kraft als Erzieher des jungen Prinzen, der, da er nicht das Glück hatte, im größeren Kreise von Geschwistern aufzuwachsen,

lieber die Mittel zur Stärkung der

*, _ Willenskraft.

Bon Dr. med. Otto Dornblüth (Frankfurt).

Der Wunsch, einen festen Willen und die da­rauf beruhende Leistungsfähigkeit zu besitzen, ist sehr verbreitet. Man kann wohl sagen, daß jeder reife Mensch diesen Wunsch hat, und daß jeder einsichtige Erzieher es als eine wichtige Aufgabe betrachtet, seinen Zöglingen Willenskraft, Ener­gie beizubringen. Es wird daher lohnen, ein­mal die Mittel zu diesem Zweck zu betrachten.

Es gibt verschiedene Arien und Formen der Willenskraft. Um einige allbekannte Beispiele zu nennen, die doch schon historisch genug sind, um objektiv beurteilt zu werden, möchte ich die Willenskraft bei Bismarck, König Wil- Hel m I. und M o l t k e heranziehen. Bei Bis­marck ist die Energie, eine gewaltsame und be­herrschende Energie, ein wesentlicher Erund- zug seines aktiven Tharakters; bei seinem Herrscher, diesem feinen und vornehmen Gemüt, wird eine starke Willenskraft durch sein festes Gottvertrauen und sein unerschüt­terliches Pflichtgefühl erzeugt, so daß der zarte, rücksichtsvoll-weiche König noch in seinen Ereisenjahren unvergängliche Züge in die Tafeln der Geschichte eingräbt. Bei Moltke end­lich ist es die l o g i s ch e E r w ä g u n g, die ihn in jedem Augenblick das Kriegsspiel lenken und entscheidende Schlachten beginnen läßt, mit der­selben Ruhe, wie der Schachspieler seine Erfah­rung im Spiel verwertet.

Die a k t i v e E n e r g i e, wie sie sich in Bis­marck verkörpert, ist angeboren. Wir kennen feilt Mittel, sie durch eigene Arbeit oder durch

der einzige 1850 geborene Bruder starb bald nach der Geburt, im Verkehr mit Altersge­nossen aus Adels- und Bürgerskreisen bei Spiel und anderen Jugendbelustigungen sich von des Tages ernster Arbeit erholen durfte.

Als der Prinz im Jahre 1863 konfirmiert wurde, erhielt er von seinem Großvater, dem König Wilhelm I., der in dem geliebten Enkel­sohn bereits den künftigen Thronerben sah, einen Brief, in welchem er aus dem reichen Schatze eigener Erfahrung Mahnungen für die Zukunft gab und vor allem ihm ans Herz legte, daß der König um des Volkes willen, nicht dieses um seinetwillen da sei. Ein Jahr später starb König Wilhelm I. und sein Sohn, der Bruder der Mutter des Prinzen, Karl I., bestieg den Thron Württembergs.

Prinz Wilhelm aber bezog ein Jahr daraus mit seinem militärischen Instruktor, Hauptmann Linck, die Landesuniversität Tübingen; mit ihm zugleich auch studierte sein Vetter Herzog Eugen von Württemberg. Die Prinzen hörten Rechts­wissenschaft bei Thudichum und Mandry, Gepler und Seeger, Volkswirtschaft bei Schäffle, Ge­schichte bei Kugler, Philosophie bei Sigwart, und neben diesen ernsten Studien sand die Allotria des Universitätslebens, die der schönen Studienzeit erst den eigentlichen poetischen Zau­ber verleiht, in dem Prinzen Wilhelm einen freudigen Verehrer. Noch heute pflegt der König von Württemberg manche innige Freundschaft mitalten Herren" die in ihm in jenen Tagen einen trinkfrohen Korpsbruder gefunden hatten. Und auch der Sport wurde eifrig gepflegt; die prächtigen eigenen Pferde, auf denen die Prin­zen ins Neckar- und Ammertal Spazierritte unternahmen, erfreuten sich einiger Berühmt- heit.

Diese schöne Studentenzeit aber unterbrach der deutsche Bruderkrieg vom Jahre 1866. Als Leutnant des 3. Reiterregiments mußte Prinz Wilhelm mit dem württembergischen Heere, das auf Seiten der Oesterreicher stand, ins Feld rücken. Er machte die Gefechte bei Tauber­bischofsheim und Würzburg mit, und daß er nicht nur im Hintertreffeil sich befand, beweist die Tatsache, daß an seiner Seite Hauptmann Hoffmeister tödlich getroffen zu Boden sank.

Nach dem Kriege setzte der Prinz das Stu­dium fort, begann dann aber im preußischen Heere seine eigentliche militärische Laufbahn. In Berlin im Eardekorps, das ein Oheim von ihm, der Prinz August von Württemberg kom­mandierte, diente der Prinz vom April 1869 ab beim ersten Earderegiment zu Fuß und wurde nach einem Jahre zum Eardehusarenregiment kommandiert, um auch den Dienst bei der Ka­vallerie praktisch zu erlernen.

Aber nur zu bald rief ihn ein schmerzliches Ereignis nach der Heimat zurück. Prinz Fried­rich, der Vater des Prinzen, war bei einer Fahrt zur Jagd verunglückt. Anfangs schien die Ver­wundung, die er sich beim Umwerfen des Wa­gens zugezogen hatte, nur leicht, aber nach schmerzhafter Operation starb er am 9. Mai 1870.

das Eingreifen hervorzubringen oder zu ver­größern. Nur wo sie etwa in der Anlage vor­handen, aber durch schädliche Einflüße des Le­bens oder durch Krankheiten verkümmert ist, kann sie unter glücklichen Umständen oder durch die Einwirkung des Arztes oft wieder gehoben werden.

Die Willenskraft dagegen, die durch Wissen und Erfahrung und durch das Gewissen belebt wird, ist ein erworbenes Gut und daher der Einwirkung der Erziehung, durch an­dere oder durch eigenes Streben, durchaus zu­gänglich. Durch richtige Anwendung der dahin wirkenden Mittel läßt sich eine Persönlich­keit schaffen, die nach Goethes Wort höch­stes Glück der Erdenkinder ist.

Der Charakter des Menschen ist zum gro­ßen Teil Willensbetätigung. So trägt es unser ganzes Leben hindurch zur Festigung des Charakters bei, wenn der Körper soviel wie möglich unter die Herrschaft des Willens ge­bracht wird. Wenn man sich die lange Bahn vorstellt, die zwischen den ersten tappenden Be­wegungen des Kindes und den feinbe- meffenen, geschickten, sicheren und doch zarten Handleistungen des Uhrmachers, des Feinmecha­nikers, des Operateurs, des bildenden Künstlers, der Musiker usw. liegt, so wird es ersichtlich, wie groß der Einfluß der zielbewußten Ausbildung der Handgeschicklichkeit auf die Willensbetäti- gung ist. Dadurch erklärt sich auch der große Einfluß des Heeresdienstes für das ganze Leben des Mannes. Vergleicht man den Rekru­ten mit dem Manne, der seine Dienstzeit zurück­gelegt hat, so ergibt sich ein unendlicher Unter­schied in körperlicher Beziehung, aber auch in Hinsicht auf Charakter und Energie. Jeder, der

Und noch hatte der Prinz den ersten großen Schmerz seines Lebens kaum überwunden, da kam der große deutsch-französische Krieg mit seinen Aufregungen. Als Rittmeister im Haupr- quartier der 3. Armee machte Prinz Wilhelm, zunächst im Eeneralstabe des Kronprinzen Fried­rich Wilhelm von Preußen, den Krieg mit und war besonders beteiligt an den Schlachten bei Wörth, Beaumont und Sedan, sowie dann bei der Belagerung von Paris. Und es gab Er­regungen genug für den jugendlichen Fürsten- sohu; er sah seine jungen Freunde, die beiden Grafen Erich und Axel von Taube dahin ster­ben, Karl Gerok und Friedrich Vischer haben ihren Heldentod im Liede verherrlich:; aber Prinz Wilhelm hatte dafür auch das Glück, am 18. Januar 1871 dem welthistorischen Moment beizuwohnen, da im Spiegelsaal des Versailler Schlosses das Deutsche Reich zusammengeschmie­det wurde. Er vertrat bei diesem feierlichen Akt seinen Onkel, den König Karl von Würt­temberg.

Nach dem Kriege wurde der Prinz als Chef der 3. Eskadron in das preußische Gardehusaren­regiment eingereiht, wurde 1873 Major, im Jahre 1874 erhielt er die Führung des Regi­ments und ward im folgenden Jahre zum Oberstleutnant befördert. Dann aber nahm der Prinz seinen Abschied vom preußischen Heere; am 1. Mai 1875 ward er als Oberst ä la suite der Armee gestellt, dann gings in die Heimat zurück.

Einem längeren Aufenthalt in Italien, der ebenso der Erholung wie dem Kunststudium galt, folgte die Verlobung des Prinzen Wilhelm mit Prinzessin Marie zu Waldeck-Pyrmont am 18. November 1876, und am 15. Februar 1877 ward die Hochzeit gefeiert, aber in das frohe Fest fiel ein Schatten der Trauer, denn wenige Tage zu­vor war der bereits erwähnte Vetter des Prin­zen, Prinz Eugen von Württemberg, sein Freund und Tübinger Studiengenosse, gestor­ben. Bald nach der Hochzeit übernahm Prinz Wilhelm dann wieder die militärische Tätigkeit, indem er an die Spitze der 27. Württembergi­schen Kavallerie-Brigade gestellt wurde.

Die Ehe des Prinzen war eine ungemein glückliche; dem jungen Paare ward eine Tochter geboren, Prinzessin Pauline, und als dieser im Juli 1880 ein Söhnchen folgte, das den Namen Ulrich erhielt, schien das Glück vollständig. Aber noch im selben Jahre ward dem Paare das Söhnchen geraubt; es erkrankte am Weihnachts­heiligabend, und am 28. Dezember verstarb es, und mit dem Verlust begann für den Prinzen Wilhelm eine lange Trauerzeit. Im April 1881 sollte die Prinzessin, seine Gemahlin, neue Mut­terfreuden erleben, sie gebar aber nach schweren Leiden ein totes Kind und starb selbst am 30. April 1881.

Lange konnte sich Prinz Wilhelm nicht ent­schließen, eine zweite Ehe einzugehen.Ich habe nie," so schrieb er noch vier Jahre später,aus den Augen verloren, was ich meiner Stellung als Prinz und meinem Lande schuldig bin; aber ich bin mit meiner ersten Gemahlin zu glücklich eine größere Anzahl von Männern unter seiner Leitung gehabt hat, weiß diesen mächtigen Ein­fluß zu schätzen. Auch der Parademarsch, der viel befehdete, ist segensreich, weil der Soldat dadurch gelernt hat, jeden Augenblick seinen Körper vollständig unter die Herrschaft eines be­stimmten, genau bemeßenen Zwanges zu stellen. Die harmonische Ausbildung der Muskeln ist eben nichts rein körperliches, obwohl das immer wieder übersehen wird, so von denen, die glau­ben, das deutsche Turnen durch schwedische Gymnastik oder durch Müllers System oder durch andere Uebungen ersetzen zu können. Der Geist des Ganzen geht dabei verloren, und damit zu­gleich die Wirkung auf die allgemeine Energie des Menschen. Ebenso bereitet es immer noch der Weiteroerbreitung des Handfertig­keitsunterrichtes Hinderniße, daß der Uneingeweihte dentt, es handle sich dabei um eine Art Handwerksdilettantismus, während in Wahrheit nur die Erziehung des Wil­lens zu genauer Betätigung ge­meint ist.

Wir haben in der Tat in der zielbe­wußten Körpertätigkeit einen breiten Weg zur Stärkung des Willens. Das Turnen, die Volks- und Jugendspiele, Tennis, Rudern, Schlittschuh- und Schneeschuhlaufen und andere Sports wirken um so besser zu diesem Ziele, wenn sie in fröhlichem Wetteifer vorgenom­men werden, wie er ja vielfach zur Art des Sports notwendig gehört, in anderen Fällen mehr durch die Schwierigkeit der Auf­gaben, so beim Bergsteigen, die nicht durch jeden gelöst werden können. Bei vielen Arten des im Freien betriebenen Sports trägt auch die notwendige Abhärtung gegen die Un -

gewesen, als daß ich mich durch eine Konvenienz- heirat für den Rest meines Lebens unglücklich machen möchte; soviel kann selbst einem Prin­zen nicht zugemutet werden. Ich will meinem Lande nicht das Beispiel einer kalten, liebe- leeren Ehe geben! Ich denke zu hoch und heilig von diesem Stande, um ihn in solcher Weise entweihen und mich selbst dadurch erniedrigen zu wollen."

Da diese Gesinnung des Prinzen im Schwa­benlande wohl bekannt war, erfreute die Nach­richt von seiner am 10. Januar 1886 stattge­habten Verlobung mit Prinzessin Charlotte zu Schaumburg-Lippe um so mehr, der am 8. April die Vermählung folgte.

Auch diese Ehe war eine durchaus glückliche, aber sie blieb zum Leidwesen des Ehepaares so­wohl, wie des ganzen Landes, kinderlos.

Am 6. Oktober 1891 entschlief König Karl von Württemberg, und Prinz Wilhelm gelangte als Wilhelm II. auf den Thron des württember­gischen Königreiches. In einer Ansprache an die Landstände, die Vertreter des Volkes, versprach am folgenden Tage König Wilhelm,die Ver­fassung des Landes getreu zu wahren, Frömmig­keit und Gottesfurcht zu pflegen, den Armen und Schwachen ein warmer Freund und Helfer, dem Rechte allezeit ein eifriger Hüter zu sein und seine Stellung als Regent eines deutschen Staa- les in unerschütterlicher Treue zu den Ver­trägen, die unser großes deutsches Vaterland,be­gründeten, wahrzunehmen." Und in der ersten Thronrede an die Landstände sprach et den Wunsch aus, daß seine Regierungdem gelieb­ten Württemberg eine Zeit der Wohlfahrt und des Friedens werden möge. Jenes Versprechen hat der König gehalten, dieser Wunsch des Monarchen hat sich erfüllt.

Man darf sagen, daß die Regierur., Wil­helms II. von Württemberg in mancher Hinsicht eine vorbildliche für andere deutsche Bundes- fürsten war. Insbesondere war dies beispiels­weise auf dem Gebiete der Rechtspflege der Fall; wie König Wilhelm einige Male während seiner Regierungszeit Enadenakte vollzog, die im Verhältnis zur Größe Württembergs und seiner Bewohnerschaft außerordentlich umfassend genannt werden müssen, was doch der allerper­sönlichsten Entschließung des Königs zuzuschrei- den ist, so sind auch von Württemberg andere, aus humanem Geiste einporgewachsene Neuer­ungen der Rechtspflege hervorgegangen, wie die bedingte Verurteilung Minderjähriger usw.

Auch mannigfache Anregungen des künstleri­schen Lebens Württembergs und bei Pflege der Wissenschaft sind dem Monarchen zu danken. Dem Andenken des großen Sohnes des Schwaben- landes, Friedrich Schiller, zollte er seinen Tri­but, indem er den Wunsch aussprach, daß der Marbacher Schillerverein sich in einen schwäbi­schen umwandle, und er selbst ward das erste Mitglied dieses Vereins, dem es dadurch er­möglicht ward, dem Schiller-Museum eine wär- bige Stätte zu bereiten. Auch anderen nützlichen Bestrebungen widmete König Wilhelm II. materielle Opfer und persönliches Jntereße; es bilden des Wetters zur Stählung der Energie bei.

Von der geistigen Arbeit sehen wir nicht so regelmäßig eine Förderung der Willens­kraft, vor allem, weil unter be.i heutigen Ver­hältnissen der Jugend wenig Zeit und Ruhe xu freiwilliger Arbeit bleibt. Der Kampf ge­gen Ueberdruß und Ermüdung ist freilich auch eine Willensübung, aber ohne Die Frische und Freudigkeit, die besonders wichtig ist. Mit Recht legen daher die Landerziehungs- heime und andere moderne Unterrichtsanstalten großen Wert auf freiwillige Arbeit und freu­digen Wetteifer. Auch die Erziehung der eng­lischen Jugend, wo so viel weniger Zwang zur geistigen Arbeit und so viel Wetteifer in Sport und Spiel herrscht, wirkt wie bekannt ganz aus­gezeichnet auf den Charakter und die Willens­kraft.

Ganz besonders wertvoll ist in unserem Sinne der grundsätzliche Kampf gegen Empfindlichkeit der Sinne und für die Beherrschung des Eefühllebens. Mas der wahrhaft gebildete Erwochiene voH selbst in sich zu erreichen sucht, eine richtig« Selbstbeherrschung, eine Herrschaft über feine Stimmungen, Empfindun­gen und Leidenschaften, das bildet auch eine sehr wichtige Aufgabe der Kindererziehung, einer zielbewußten Heranbildung eines energi­schen Menschen. Leider lernen die Kinder meist allzusehr von den Erwachsenen die übergroße Empfinolikykeit cgen Geräusche, die übertriebene Aengstlichkeit bei Stö­rungen bes eigenen Befindens, die Widerstandslosigkeit gegen Hun­ger und Durst, gegen Wärme und,