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mit dem Hreisblatä für die Kreise Marburg rms Kzrchyam

nnb den KeUage«: ..Ktterarifchrr Anzeiger",z<md«irtschaftliche Keüage" und ^ILustriertes K-mrta-sblM".

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Man abonniert auf die täglich «rschtinendeOberh«ssische . Zeitung" bei allen Postämtern «mb unfern ZeitungSstellen ic JeO 11 Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Exuedttion Markt21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ebne Bestellgeld), bet unser» Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Freitag 21. Februar 1908.

Die J»srrtto»Sgebühr beträgt für btt 7eeffritene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen » Pfennig. Druck und Verlag: Iah. Bug. Koch, Universttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E.Hitzeroth, Marburg, Markt21. Telephon56.

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43 Jahrg.

Preußischer Landtag.

' Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus führte am Mittwoch bei der zweiten Lesung des Kultusetats zunächst ;bie allgemeine Besprechung über das Kapitel 'Elementarunterrichtswesen zu Ende. Aba. X Brandeustein (kons.) forderte eine erheblich« Vermehrung der Lehrerinnen. Ministerialdirek­tor Echwartzkopff trat diesem Wunsche freundlich gegenüber. Abg. Eyßling (fif. Bp.) forderte für 'alle Schulen die gleiche Feriendauer. Dies konnte der Ministerialdirektor jedoch nicht zu- .faßen. Gegenüber den Beschwerden des Abg. x Czarlinski (Pole) versicherte Minister Holle, der Religionsunterricht werde an polnische Kin­der nur dann in deutscher Sprache erteilt, wenn sie des Deutschen hinlänglich mächtig seien. Ein Schlußantrag setzte dieser Aussprach« ein Ende und in der Einzelberatung sorgte Präsident X Kröche» mit unerbittlicher Strenge dafür, daß kein Redner die allgemeine Besprechung wieder eröffnete. So mußten die Abg. Tourneau (Ztr.) verndt snatl.) und Faßbender (Ztr.) unter großer Heiterkeit des Hauses vom Rednerpult abtreten. In der Einzelberatung rollte Abg. Fischbeck (frs. Vp.) nochmals den Liegnitzer Fall auf. Minister Holle stellte dem angegriffenen Liegnitzer Schulrat das beste Zeugnis aus, sagte aber Untersuchung darüber zu, ob dieser Beamte ungewöhnlich eifrige politische Agitation getrie­ben habe. Eine lebhafte Erörterung entspann sich über einen konservativen Antrag, die für Potsdam bestimmte neue Stelle eines Kreisschul­inspektors zu streichen, da ihre Notwendigkeit nicht erwiesen sei. Abg. Dr. Porsch (Ztr.) trat diesem Anträge bei, während ihn die Abgg. Dr. Friedberg (natl.), Fischbeck (frs. Vp.) und Erirst (frs. Vgg.) lebhaft bekämpften. Der An­trag wurde schließlich mit den Stimmen der Kon­servativen, des Zentrums und der Polen ange- Uomw.cn. Darauf trat Vertagung auf Frei- Hag ein.

Deutscher Reichstag.

In der 105. Sitzung wurde die Beratung de» Etats des Reichsjustizamts fortgesetzt. Stadt- Hagen (Soz.) ergriff hierzu als erster das Wort »nd behielt es zum Entsetzen der Zuhörer drei solle Stunden lang. Die Länge dieser Rede ent­sprach deren Güte nicht. Der Abg. brachte nach bekannter Taktik eine lange Reihe vonFällen" «ur Sprache, die in der sozialdemokratischen Presse zusammengetragen waren, um damit das Vorhandensein einer Klassenjustiz beweisen zu iönnen. Der Redner sprach sodann auch von der Verfügung der preußischen Regierung betreffend )ie Russenausweisungen, und meinte, das dürfe Ich das Reich nicht gefallen lasten. Er schloß ttit der Tirade, wohin man blicke, sei bei uns )er Arbeiter machtlos und wehrlos, die Rechts- »rdnung mache bankerott; die jetzige Ordnung iei unhaltbar. Staatssekretär Dr. Rieberdiug

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Die weiße Frau von Oldensloe.

- Original-Roman von O. Elster.

(Fortsetzung.)

Da kam mir die Rettung von einer Seite, on der ich sie nicht erwartet hatte.

Eines Tages fand ich folgenden Brief auf leinsm Tisch vor:

Mein lieber, alter Kriegskamerad!

Durch unseren Regimentsadjutanten hab« ich Deine jetzige Adreste erfahren. Es hat einige Mühe gekostet, sonst hätte ich Dir schon eher geschrieben. Ich habe es nicht vergessen, wie Du mich mit Gefahr Deines eigenen Le­bens aus dem Kampfgetümmel von Mars la Tour gerettet hast. Es wird Dir bekannt sein, daß meine Verwundung mir bislang verboten hat, wieder aktiven Dienst zu tun, ich hofte je­doch bald wieder so weit hergestellt zu fein. Der Winter wird aber wohl noch drüber hin­gehen. Run habe ich eine Bitte an Dich! Komm zu mir, den Winter mit mir und den Meinigen auf Schloß Oldensloe zu verbrin­gen. Meine Eltern laden Dich auf das herz­lichste ein, sie möchten gern meinem Lebens­retter die Hand schütteln. Ich weiß, Du hast kein Elternhaus, keine Heimat so komm zu uns, Du sollst beides bei uns finden. Auch Deine Studien, wenn Du diese wieder ausge­nommen hast, kannst Du hier fortsetzen. An Ruhe und Gelegenheit zum Studieren soll es Dir hier nicht fehlen. Also komm, alter lieber Freund, Du bereitest meinen Eltern und mir durch Deinen Besuch eine große Freude. Eine Absage nehmen wir nicht an. Auch mein Schwesterchen ist neugierig, den alten Spiel­kameraden wieder pu sehen.

Mit den herzlichsten Grüßen Dein alter Freund

Lothar Oldensloe,

führte den Abgeordneten hierauf wirksam ab. Er hiett ihm vor, daß er die Fälle, die meist einer näheren Prüfung nicht standhalten, nur vorbringe, um im Lande draußen den Eindruck zu erwecken, als sei bei uns die Rechtsprechung parteiisch. Gegen diese beleidigende Unterstellung legt« der Staatssekretär im Namen des Richter­standes entschieden Verwahrung ein. Dabei wies er auf den sozialdemokratischen Trick hin, daß die Eenosten" im Parlament von der Klasienjustiz in einem ganz anderen Sinne sprechen, wie im Lande. Hier werde erklärt, die Richter handel­ten nicht mit Absicht ungerecht; im Lande werde das Gegenteil gesagt. Fehler würden in der Rechtsprechung immer vorkommen; eine tenden­ziöse Klassenjustiz aber gebe es bei uns nicht. Gegen eine solche Behauptung werde er nicht aufhören zu protestieren, solange er an der Spitze der Reichsjustizverwaltung stehe. Rach dieser mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede bestieg der Abg. Gröber (Zentr.) die Red­nertribüne und verbreitete sich ebenfalls über die unbegründeten Vorwürfe tendenziöser Recht­sprechung. Er meinte dabei, daß die milden Strafen keineswegs über die Mitglieder der herrschenden" Klasien verhängt würden son­dern daß über Jugendliche und beispielsweise bei Beleidigungen und Roheitsverbrechen ost viel zu milde Urteile gefällt würden. Schließlich em­pfahl der Redner verstärkte Zuziehung des Laienelements zur Rechtsprechung und zog dann an der Hand der vorliegenden Resolutionen noch weitere Spezialsragen auf dem Gebiete des Reichsjustizwesens in Betracht. Hierauf erhielt der Abgeordnete Dr. Ablaß (freis. Vp.) das Wort und polemisierte zunächst gegen Stadt­hagen, um darauf zu den Resolutionen Stellung zu nehmen. Dabei sprach er sich für die Ein­führung von Jugendgerichten aus und knüpfte längere Betrachtungen an die Kriminalität der Jugendlichen.

den Parlamenten

Di« Wohlprüfungskommisfion beschloß am Mittwoch die Wahl des Abg. Arnstadt (kons.) in Mühlhausen-Langensalza zu beanstanden und über die behaupteten Protestpunkte Beweis zu erheben. Zum gleichen Beschluß kam die Kom­mission bei der Wahl des Abg. Böhle (Soz.) in Straßburg-Stadt.

In der Petitionskommission wurden am Mittwoch Petitionen betr. den Gewerbebetrieb der Rechtskonsulenten, betr. Aenderung der Pa­ragraphen 6, 29, 36, 147 der Gewerbeordnung betr. Konzessionierung von Singspielunternehm­ungen (Referent Abg. Dr. Dröschet), gesetzliche Regelung des gewerbsmäßigen Stellenvermitt­lungswesens (Referent Abg. Dr. Dröscher, kons.) und betr. den Entwurf eines Automobilhaft­pflichtgesetzes der Regierung als Material über­wiesen. Eine weitere Petition des deutschen Verbandes für Frauenstimmrecht in Hamburg, von Fräulein Dr. Anita Augspurg eingereicht, um llebertragung des Reichstagswahlrcchts an

Meine Nerven mußten doch wohl sehr an­gegriffen sein; die Tränen traten mit bei dem Lesen dieses Briefes in die Augen. Eine Zeit lang faß ich da, die Stirn in die Hand gestützt, ohne zu einem festen Entschluß kommen zu können.

In der Erinnerung tauchte das alte feudale Schloß Oldensloe mit seinem mächtigen Berg­fried von mir auf; die Wälder, die Berge, die Schluchten, das kleine einsame Försterhaus, in dem ich meine Kindheit verlebt hatte. Ich sah das ernste, düstere Gesicht meines Vaters wieder, ich durchlebte nochmals die Schreckensstunde seines Todes oh, wie viele hatte ich seitdem sterben sehen! das rührende Bild meiner Mutter trat wieder vor meine Seele, der alte Waldheger Peter nickte mir zu, alle, alle sah ich wieder, und unter all den Gesichtern lächelte mit ein liebliches Kindergesichtchen freundlich zu das kleine Komteßchen knixte zierlich und rief mir schelmisch zu:Suche mich, hasche mich!" wie sie es früher getan in der glücklichen, harmlosen Kinderzeit, wenn wir in dem Garten hinter dem Hause meines Onkels Karl zusam­men spielten.

Und dieses liebliche, schelmisch« Kinderge­sichtchen wollte mir nicht aus der Seele schwin­den. Es lockte mich es lächelte mir zu, und die blühenden Lippen flüsterten in einem fort: Suche mich hasche mich! Ich fühlte wieder, wie sie die Aermchen um meinen Hals schlang, wie sie mich in kindlichem Zutrauen küßte, wie sie mit unter Tränen lächelnd zutief:

Auf Wiedersehen!"

Mehrere Tage ging ich unschlüssig mit mit umher, was ich auf den Brief Lothars antwor­ten sollte. Dank wat mit der brave Junge mit dem goldenen Herzen wahrscheinlich nicht schul­dig, was ich für ihn getan, hätte jeder andere Dragoner auch getan, und et selbst würde es für jede» andere» Kameraden getan Haben. Seinem

Frauen wurde auf Antrag des Referenten Abg. Dt. Dröschet (kons.) einstimmig durch Hebet- gang zur Tagesordnung erledigt.

Die Kommission des Reichstages für da» Lereinsgesetz nahm in ihrer heuttgen Sitzung den Paragraph 9 in folgender Fassung an: Di« Beauftragten der Polizeibehörden sind befugt, unter Angabe des Grundes die Versammlung für aufgelöst zu erklären: 1. wenn die Genehmig­ung nicht erteilt ist, 2. wenn die Zulassung dem Beauftragten der Polizei nicht erteilt ist, 3. wenn Bewaffnete, die unbefugt in einer Ver­sammlung anwesend sind, nicht entfernt werden, 4. wenn in einer Versammlung Anträge oder Vorschläge erörtert »erben, die eine Aufforder­ung oder Aufreizung zu Verbrechen oder nicht nur auf Antrag zu verfolgenden Vorgehen ent­halten. Wenn eine Versammlung aufgelöst worden ist, hat die Behörde dem Leiter der Ver­sammlung die Gründe der Auflösung mitzu» teilen, falls er binnen drei Tagen dies bean­tragt. Paragraph 10 wird in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen.

In der Viehfeuchen-Kommisfion wurden am Mittwoch bei der Beratung des Paragraph 3 die Remontedepots dem Seuchengesetz unterwor­fen. Eine längere Debatte entsteht über die Ge­fährlichkeit der überseeischen Häute. Ein Re­gierungsvertreter weist nach, daß Ansteckung z. B. bet Milzbrand wiederholt nachgewiesen, so- gar bei Verarbeitung von Wildhäuten. Richt nur durch Gras und Heu wird der Milzbrand verschleppt. Sogar durch Hafer, der auf einer Tenne gedroschen, auf der eine milzkranke Kuh geschlachtet worden war. Verschiedene Redner schließen sich den Ausführungen des Regierungs­vertreters an.

Sei der Beratung der Budgettommiffion des Abgeordnetenhauses über den Etat des Innern erklärte der Minister auf eine Anfrage, ob bi« Regierung beabsichtige, das Scherlsche Spar­system zu lancieren. Scherl habe seinerseits die Sparkassen nicht gefragt. Wenn er mit neuen Anträgen an die Regierung herantreten wolle, müsse er sich zunächst mit den Sparkassen in Ver­bindung setzen. Auf eine längere Auseinander­setzung über die Straßendemonstrationen er­klärte der Minister, die Polizei bedürfe hierbei keiner weiteren Unterstützung. Die Straßen- bemonftrationen seien mit überlegtet Strategie von der Sozialdemokratie ins Werk gesetzt wor­den. Wenn die Masse nicht freiwillig ausein- anberging, werbe mit den zulässigen Exkutivmit- teln vorgegangen. Die von einigen Seiten vor- geschlagene Feuerspritze hält der Minister nicht für ein geeignetes Mittel.

LAllscheS Mich.

Bo« Kaiserhofe. Gestern abend sand beim Kaiserpaar im Weißen Saale Hofkonzert statt. Anwesend waren die Botschafter und W Gesandten mit ihren Damen und die Fürstlich-

Dank wäre ich gern ausgewichen, aber die Sehn­sucht nach der alten Heimat meiner Kindheit, die Sehnsucht nach dem lieben Freunde, die Sehn­sucht nach dem lieben Kindergesichtchen ließ mir keine Ruhe und kurz entschlossen, um nicht wieder unsicher zu werden, telegraphierte ich an Lothar, daß Ich am folgenden Tage mit dem Zuge ins Oldensloe eintreffen würde.

Nachdem ich das Telegramm abgeschickt hatte, erfaßte mich die alte Unruhe, die alte Unsicher­heit aufs Neue. Als aber nach einigen Stunden bas Antworttelegramm einlief:Sehr erfreut. Wagen erwartet Dich am Bahnhof", da waren die Würfel gefallen, und cm andern Tage fuhr ich meinem Schicksal entgegen.

Wie dunkel und geheimnisvoll sind doch die Wege des Menschenschicksals! Durch welche schein­bare Irrwege, durch welches scheinbare Laby­rinth führt uns das Schicksal dem Zielpunkt unseres Lebens zu. Wie oft habe ich mich später sinnend gefragt: war das alles nur Zufall, wel­cher dich diese Wege gehen ließ? Oder war es nicht eine geheim« Macht bes zielbewußten Schicksals, war es nicht bie Hand Gottes, bie deine Schritte lenkte, die dich, wie einen Blin­den die dunklen Wege deines Lebens wandeln liefe?

Ja, eine geheimnisvolle Macht waltet übet unserem Leben, das wie ein« dunkle Straße vor uns liegt, das für uns nichts ist, als ein vielfach verschlungenes Labyrinth, aus dem wir nimmer­mehr den Ausweg fänden, dessen Ziel und End« wir nimmermehr entdecken könnten, ohne diese geheimnisvolle Macht die alle unsere Schritte leitet und lenkt und selbst, wenn wir zu strau­cheln scheinen, uns auf dem rechten Weg erhält.

Dank dir, geheimnisvolles Schicksal, daß du auch meine Schritte gelenkt hast zum guten Endel

(Fortsetzung folgt.)

leiten, darunter Prinz Kuni von Japan, die Generalität, bie Minister, Vertreter bet Geist­lichkeit, bet Hochschulen, bet Parlamente. Gegen 9 Uhr erschien der Hof. Der Kaiser, in der Uni­form der ersten Garde-Ulanen, führte die Kai­serin in schwarzer Robe mit dem Bande bes Schwarzen Ablerorbens. Der Kronprinz fühtte bie Prinzessin Friebrich Leopolb, Prinz Eitel Friedrich die Kronprinzessin, Prinz Friedrich Leopold die Herzogin von Holstein. Hieraus be­gann das Konzert, an dem die Damen Desti an und Hempel, die Kgl. Kapelle und der Opernchor rnitwirtten. In der Pause begrüfete bas Kaiser­paar die Botschafter unb deren Gemahlinnen und den hohen Adel. An das Konzert schloß sich ein Souper für die besonders Geladenen.

Der König von Sachsen in Leipzig. Der König von Sachsen begab sich heute morgen zur Aufstellung der Truppen der Garnison nach der Kaserne bes 107. Infanterieregiments. Von hier fuhr bet König nach dem Atelier des Pro­fessors Max Klinger; der König folgte mit sicht­lichem Interesse den Erläuterungen des Künst­lers. Unmittelbar nach dem Besuch des Ateliers begab sich der König nach Grasses Museum und besichtigte dort unter der Führung des Direktors, Prof. Dr. Weule, einige Abteilungen des Mu­seums und drückte sich höchst anerkennend über bas Gesehene aus. Um 11 Uhr begab sich bet König von hier zu Wagen nach der Universität» um Vorlesungen beizuwolnen.

Aus dem bayerische« Flottenverein. Die Ortsgruppe München des bayerischen Flot­tenvereins macht bekannt, daß verschiedene wäh­rend der Krisis ausgetretene Mitglieder dem Verein wieder beigetreten sind. Sämtliche Pro. vinzialverbände unb Ortsgruppen in Bayern wurden aufgefordert, im gleichen Sinne zu ver­fahren.

Berliner Berei» für ärztliche Mission. Heute abend fand int Kultusministerium ein» Versammlung von Verwaltungsbeamten, Geist­lichen und Aerzten, sowie von Kolonial- und Missionssreuttden statt, in der die Besserung der gesundheitlichen Verhältnisse in den evangeli­schen Missionsgebieten, besonders aber in den deutschen Kolonien, durch die Aussendung von entsprechend vorgebildeten Aerzten, Hebammen und Krankenpflegepersonen einmütig gefordert wurde. Die Gesundmachung der Schutzgebiete sei eine dringende Notwendigkeit und die un­erläßlich« Voraussetzung für ihre wirtschaftlich« Erschließung. Man war darin einig, daß dies« Aerzte und ärztlichen Hilfspersonen mit den Missionsgesellschaften Hand in Hand gehen unb in gemeinschaftlicher Arbeit tätig sein müßten. Zur Beschaffung bet Mittel wurde ein Verein gegründet unter dem NamenBerliner Verein für ärztlich« Mission", der in dem Hilfsgebiet

Zum Vortrag

des Frl. Dr. Stöcker.

Auf meine in bet Diskussion nach dem Vor­träge gemachten Einwendungen gegen die For­derung des B. f. M.:Aufhebung des Eölioats für Lehrerinnen und Beamtinnen", entgegne« Frau Geh. Rat Westerkamp, ,chaß die Lehrerin­nen erwachsene Personen seien, bie tun unb lassen könnten, was sie wollten, bafe bas Ehe­leben unb die Pflege des Kindes unter dem streng durchgefiihrten Berufe der im Staat oder sonstwo angestellten Mutter nicht litte, jeden- falls nicht mehr, als dies bei einer Mutter der Fall sei, bie infolge zu großer Geselligkeit ihren Pflichten nicht nachkäme." Dies war der Sinn der Entgegnung. Da mit durch das schon ange­kündigte Schlußwott der Frl. Dt. Stöcker eine Erwiderung auf diese Einwürfe nicht möglich war, möchte ich an dieser Stelle noch einmal da­rauf zurückkommen, weil diese Frage, d. h. die Aushebung des Cölibats für Lehrerinnen usw., unter den wenigen praktischen Vorschlägen der Vortragenden des Abends, bie arbeitende Fran wohl hauptsächlich interessierte.

Auf den ersten Einwurf der Frau Geh. Rat Westerkamp erwidere ich, daß die Lehrerinnen und Beamtinnen, trotz der Erwachsenheit, in diesem Falle doch nicht tun und lassen können, was sie wollen, denn bis jetzt ist die Genehmig­ung zur Fortsetzung ihres Berufes in der Ehe vom Staate nicht gegeben. Zweitens ist der Vergleich der amtlich angestellten Ehefrau und Mutter mtt der Vergnügungssüchtigen auch nicht folgerichtig. Ich will der Frau, die ihre Kinder vernachlässigt um sich gesellschaftlich auszutoben, nicht das Wort reden, zudem der Vergleich da­rauf hinweift, baß beide» nicht ohne Gefahr fit