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_ , . . _ -y , -«rxrxct Druck und Verlag: Iah. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei
Sonnabend, 15. Februar 1908. Inhaber Dr. L.Hitzeroth, Marburg, Markt21. — Telephon55.
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Der heutigen Nummer liegt bei Kretsblatt Nr 13.
Das Ministerium Clemenceau.
Maa schreibt uns:
Es find nun bald iy2 Jahre her, daß das Mi« »isterium Clemenceau an der Macht ist. Damals glaubte man vielfach, nie würde eine neue Aera angehen. Die Aera der Verwirklichung des Programms der radikalen Partei, die ja bei den Wahlen eine kolossale Majorität gewonnen hatte, eine Majorität, welche der Partei die Macht ganz und ungeteilt verschaffen mutzte und zu sachlichen Fortschritten zu verpflichten schien. Seitdem sind iy2 Jahre vergangen; es ist nichts geschehen oder wenigstens sehr wenig; das radiale Programm ist nach wie vor ein Programm schöner Worte. Man kann sagen, daß das Land auch vom Ministerium Clemenceau nicht einmal die Verwirklichung eines Teils der einstigen programmatischen Versprechungen erwartet.
Und doch hat das Ministerium es verstanden, iy2 Jahre länger als die meisten französischen Ministerien an der Macht zu bleiben, trotzdem die vielen, welche in der französischen Kammer auf Ministerftühle reflektieren, immer ungeduldiger werden. Das hat wohl mehr als einen Grund. Clemenceau ist ein großer Routinier. Gr verfügt über eine sehr große parlamentarische Praxis und Geschicklichkeit und versteht mit einer bewundernswerten equilibristischen Kunst sich an der Macht zu halten, kunstvoller vielleicht noch, eis der alte Ministerstürzer in Oppositionszeiten tzie andern Ministerien zu stürzen vermocht hatte. Aber auch wenn Georges Clemenceaus Kunst noch zehnmal größer wäre als sie ist, wäre es ihm nicht gelungen, sich zu halten, wenn die Situation Frankreichs im letzten Jahre einfacher gewesen wäre. Heute beruht nämlich sein Rückhalt nicht etwa in dem Gefühl des Vertrauens und der Hochachtung, welche <r dem Lande und der Kammer einzuflößen versteht, sondern einfach und allein in dem Umstande, daß die Marokkofrage in einer so heillosen Weise verfahre» Ist, daß jedermann, auch wer noch so gerne Minister werden will, Angst hat, diese Erbschaft anzutreten. In Marokko weiß jetzt nicht nur die Regierung, sondern auch die unverantwortlichen Politiker, die die Zeitungen inspirieren und schreiben, nicht aus noch ein. Auf der einen Seite die Kolonialfanatiker, die gestützt auf sehr starke und mächtige Finanzkoterien der Regierung gewaltsam die Hand zu führen versuchen, auf der a——aaa ...... ■» j ■
13 «Nachdruck betbotcn.)
Die weiße Frau von Oldensloe.
Original-Roman von O. E l st e r.
(Fortsetzung.)
Von meiner Heinen Rente hätte ich natürlich ein solches Leben nicht bestreiten können, aber Onkel Karl zahlte mir im ersten und zweiten Jahr- meines Studiums mehrere hundert Taler aus, welche aus dem Nachlaß meiner Mutter herrührten, und im dritten Jahr ward ich mündig, und erhielt die freie Disposition über mein kleines Kapital, das ich, zu meiner Schande mutz ich es gestehen, anzugreifen ich mich nicht scheute.
Erstaunt wird man auch wohl fragen, wie ich in meinen beschränkten Verhältnissen dazu kam, bei einem so teuren Regiment, wie die Earde- dragoner, mein einjährig-freiwilliges Jahr zu dienen. Das kam aber auf folgende Weise:
Als ich an einem schönen Herbsttage unter den Linden aus und ab ging, und mit mir zu Rate ging, wohin ich meine Schritte lenken sollte, begegnete mir ein junger Earde-Dragoner- offizier, der mit einem Ausruf der Ueberrasch- ung vor mir stehen blieb.
„Jsts möglich?" rief er. „Bist Dus, Eundo- kar Decker?"
Auf den ersten Blick erkannte ich Lothar Oldensloe, meinen alten Schulkameraden vom Gymnasium unserer gemeinsamen Heimat.
Ich hatte seit zwei, drei Jahren nichts von ihm und seiner Familie gehört, da ich mit niemanden in der Heimat in Verbindung stand, «nd meine Korrespondenz mit dem Onkel, die übrigens jetzt vollständig aufgehört hatte, sich nur auf rein geschäftliche Mitteilungen beschränkte. Ich freute mich daher herzlich den eiten Jugendfreund wieder zu sehen, obgleich Ich anfangs fürchtete, seine jetzige soziale Stellung würde ihn dem früheren Schulfreunde gegenüber hochmütig gemacht haben.
Da« war indessen nicht der Fall. Lothar »ar ganz bet frühere, leichtherzige, gutmütige, fröhliche Kamerad geblieben, der sich de» Kuckuck
wunderte sich, datz nicht seinen Eltern gezeigt hatte. Zu motion gratulierte
„Meine Eltern
oder seiner Erotzmutter ander bestandenen Doktorpro- er mit herzlich.
sind nicht nach der Heinen
andern Seite das Land, welches von einem Kriege nichts wissen will, noch weniger von den Steuern, die dieser Krieg nötig macht und dm Verlusten an Menschenleben, die in Frankreich doppelt wertvoll sind als anderswo; dazu die Situation in Marokko selbst, wo ein Zurückwei- chen vor den Marokkanern das Prestige Frankreichs enorm drücken müßte und einen ungeheuren Widerhall in der ganzen islamitischen Welt finden müßte — vorzudringen ist auch abgesehen von den wiederholten formellen Versicherungen, welche die französisch Regierung dagegen abgegeben hat, nach der internationalen Rechtslage nicht möglich, ohne das Risiko internationaler Verwicklungen — im Lande zu bleiben aber kostet Geld und nützt nichts: was also soll man tun? Solange Frankreich vor diesem Dilemma steht, sitzt das Ministerium Clemenceau fest; es unterliegt aber nicht dem geringsten Zweifel, daß im Augenblick, wo sich die Situation in Marokko dergestalt verändert, daß die französische Politik eine glatte und gerade Marschroute vor sich hat, das Ministerium Clemenceau keinen Tag länger leben wird, lieber welche Frage es fallen wird, kann man nicht sagen, ist auch gänzlich gleichgültig. Bei der Eigenart des französischen Parlamentarismus kann eine solche Situation in der Kammer jederzeit nach Belieben geschaffen werden. Run könnte man eigentlich aus alledem den Schluß ziehen, daß das Ministerium gar kein Interesse daran hat, aus dem marokkanischen Dilemma herauszukommen. Vielleicht liegt tatsächlich darin einer der Gründe für das seltsam direktionslose Verhalten der Franzosen in der Marokkofrage.
Heimer.
Und dann ging das Erzähle»» los. Unsere persönlichen Erlebnisie roareiy bald erzählt; Lothar bedauerte den Tod meiner Mutter und mein Stiefvater denselben
Deutscher Rerchstust.
Vor dem Platze des Präsidenlen prangte am Donnerstag aus Anlaß der 100. Sitzung der Session ein Blumenstrauß, gestiftet, wie üblich, von den Schriftführern denen der Präsident hierfür seinen Dank auS- sprach. Auf der Tagesordnung stand zunächst die dritte Lesung des Zeppelinscken Nachtragsetats, der ohne Debatte genehmigt wurde. Darauf begann die Beratung des Postetats. Abg. Dröscher (lons.) betonte, dich der Etat wegen der Finanznot sowie wegen der geplanten Umbildung des Beamtenkörpers mit großer Vorsicht aufgestellt sei. Zu bezweifeln sei, ob die wenig verkehrsfreundliche Maßnahme der Aufhebung des billigen Ortsportos die Erwartungen einer gesteigerten Mehreinnahmc erfüllen werde. Trotzdem dürfe diese Maßnahme angesichts der Finanzlage nicht rückgängig gemacht werden. Mit Genugtuung begrüßte Redner die Entwickelung des deutschen Fern- fprechwesens, äußerte seine Befriedigung über die Erhöhung der Summe im Etat für Beihilfen an Witwen und erblickte in der diesmaligen starken Vermehrung der gehobenen Unterbeanitenstellen die ersten Anfänge einer organischen Umbildung der Beamtenorgamsa-
brum kümmerte, als bie Vorübergehenden lachten, wie er mich auf offener Straße fast umarmte.
Nein, wie ich mich freue, alter Junge, Dich hier wieder zu sehen!" rief er. „Wie ist Dirs denn die ganze Zeit über ergangen? Siehst famos aus. Auf der Mensur hast Du auch gestanden? Scheinst ein bischen viel mit Der Backe pariert zu haben, mein Junge. Ny aber hier kann man ja kein vernünftiges Wort zusammen reden — he! Droschke!" rief er einen vorüberfahrenden Kutscher erster Klasse an, der sofort sein Pferd parierte und dle Peitsche grüßend an den Hut legte und fragte: „Wohin befehlen Herr Graf?"
Lothar nannte ein vornehmes Restaurant.
„Steig ein, mein Junge," forderte er mich auf, wir trinken da in aller Gemütlichkeit eine Flasche Wein und erzählen uns unsere gegenseitigen Erlebnisie."
Nach einer Viertelstunde saßen wir in einer behaglichen Nische des Restaurants, vor uns ein kleines Dejeuner und eine Flasche alten Rüdes-
Residenz zurückgekehrt," erzählte er dann. „Die Wohnung im Hause Deines Stiefvaters haben sie bald nach ihrer Abreise ganz aufgegeben. Nachdem sie dann wohl zwei Jahre im Süden gelebt haben, sind sie nach Schloß Oldensloe üder- aesiedelt, wo sie jetzt auch noch leben, wenn sie sich nicht auf Reisen befinden. Na, Du mutzt uns einmal auf Oldensloe besuchen, bas ist ein altes, merkwürdiges Nest. Aber nun sage mir, wie Dein Lebensplan ist."
„Nun, ich werde wohl schließlich als Oberlehrer oder Professor an dem Gymnasium irgend einer kleine» Stabt lanben,“ meinte ich lachend.
Hon. Dem sollte auch in Zukunft eine Vermehrung der mchtgehobenen Unterbeamtenstellen folgen, die eine Entlastung für die Unterbeamten bedeuten würde. Gegen die ResoluHon der Kommission, bett, den früheren Schluß der Paketannahme-Schalter an den Sonnabenden, hätten seine Freunde jedoch Bedenken. Die geplante Reform der Telephongebühren sei auf viel Widerspruch gestoßen. Abg. Singer (Soz.) meinte unter dem Lachen der Rechten, das Eintreten des Vorredners für die Wünsche der Unterbamten lasse erkennen, daß er die sozialdemokratischen Reden der letzten Jahre bei diesem Thema mit Erfolg gelesen habe. Der Ausdruck Reform habe bei der Postverwaltung stets die Bedeutung einer Vetteuerung gehabt; das zeige die Aufhebung des billigen Ortsportos und die geplante Reform der Telegraphengebühren. Seine Freunde stimmen der Resolution der Kommission zu, lehnen jedoch die Resolution Gamp, betr. Ostmarkenzulagen für Postbeamte, entschieden ab. Gegenüber den Bestrebungen der Beamten, in Organisationen ihre wirtschaftlichen Interessen zu vertreten, habe der Staatssekretär eine immer schroffere Haltung eingenommen. Zum Schlüsse behauptete Redner noch, die Postverwaltung öffne Briefe, die an die Parteileitung gerichtet werden. Staatssekretär Krüike wies die Behauptung, die Postverwaltung achte das Briefgeheimnis nicht, als leichtfertige Verdächtigung, für die der Vorredner keine anderen Momente als feine Phantasiegebilde gebracht habe, mit Entschie- denheit zurück und betonte, auf den vom Vorredner gestreiften Fall Schellenberg eingehend, die Postver- wa.tung könne Beamte, deren sozialdemokratische Stimmabgabe der Verwaltung bekannt geworden sei, in ihrem Betriebe nicht dulden. Abg. Uopsch (ftetf. Vp.) wandte sich gegen die in Aussicht genommene Er- Höhung der Telephongebühren und trat dann für 'Mannigfache Beamtenwünsche ein. Staatssekretär Kraetke erwiderte, wenn Postbeamte eine Audienz beim Staatssekretär erbitten und sich gleichzeitig in derselben Angelegenheit an Abgeordnete wenden, so zeigen sie damit, daß sie zu ihm Vertrauen nicht ha- den, und da müsse er mündliche Verhandlungen mit ihnen ablehnen. Freitag: Fortsetzung. — Schluß 6y4 Uhr.
Aus den Parlamenten.
Aus den Kommissionen des Reichstages.
Die Bereinsgesetzkommission beriet am Donnerstag den § 4 des Entwurfs und die dazu gestellten Abänderungsanträge. Es handelt sich um die Abhaltung öffentlicher Versammlungen unter freiem Himmel. Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg wendet sich gegen alle Abanderungsanträge und begründet den § 4 öel Entwurfs. Prinzipiell sei das .Freie" überhaupt der rechte Ort zu Versammlungen. Ties entspreche auch am meisten den kirchlichen Interessen. Auf eine Anfrage hebt der Staatssekretär hervor, daß Versammlungen in „Gärten" und in abgeschlossenen Hosen, die neben Sälen liegen, nicht als „unter freiem Himmel anzusehen sind. Abg. Dr. Dröscher (kons.) warnt vor zü weitgehenden Anträgen. Abg. Dietrich (kons.) weift auf die Vorlage von 1896 hin, die viel weniger Frei- heilen gab und doch von den Freisinnigen mit allgemeiner Zustimmung begrüßt worden fei. Auch dm Bundesregierungen haben sich erst auf eine mittler« Linie geeinigt. Mit einer Unsumme von Abande« rungsanträgen gefährde man zweifellos das Zustandekommen des ganzen Gesetzes. Darauf wird die Sitzung auf Freitag vertagt, in der die Abstimmung über alle zu 6 4 gestellten Anträge erfolgen soll.
Die Börsengesevkommission beriet am» Donnerstag den 6 50 des. Entwurfs (Verbot des Terminhandel» in Getreide- und Mühlenfabrikaten). Hierzu liegt ein Antrag Graf Kanitz und der übrigen konservativen Kommisjionsmitglieder vor, den Graf Kanitz begründet. Er erklärt, daß er mit dem Antrag die reell«, Geschäfte an der Börse nicht schädigen, sondern nur di« Schwindelgeschäfte verhindern wolle. Auch das Ruck« forderungsrecht aus solchen schwindelhaften Geschäften müsse unter allen Umständen bestehen bleiben. Abg. Dr. Roesicke (Hosp. d. Kons.) beantragt ferner auch den Abs. 3 in § 50 Nr. 3 des Entwurfs zu streichen, wonach auch eine nicht vertragsmäßig beschaffene Ware geliefert werden darf. Nach längerer Erörterung über diese Anträge wirb die nächste Sitzung auf Dienstag, den 18. Februar vertagt.
Die Wahlprüsungsloinmissioii beschäftigte sich am Donnerstag weiter mit der Prüfung der Wahl de» Aba. Dr. Böhme (wirtsch. Vgg.) ohne fte indes zu Ende zu führen.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Das Abgeordnetenhaus erledigte am Donnerstag zunächst die erste Lesung des Entwurfs auf Einrichtung einer Eifenbatzn-Dampffährenverbmdung zwischen Saßnitz und Trelleborg. Minister «reiteubach stellte bieje Verbindung als wirtschaftliches Bedürfnis hin. Die Vorlage begegnete bei den Abg. Malkwitz (kons.) und Broemel (frj. Vgg.) Bedenken, fand aber die Zustimmung der Abg. König-Krefeld (Ztr.) und Lusenöktz (nl.) und ging gemäß dem Antrag Matkewitz an die Budgetkommission. Darauf wurde die allgemeine Besprechung über den Kulm-erat fortgesetzt. Abg. Schiffer (nl.) meinte gegenüber dem Abg. von Heydebrand, auch seine Freunde betrachten die Schule als Erziehungsaiistalt, in der auch die Religion zu ihrem Rechte kommen müsse. Die Bedenken des Redners hinsichtlich der Ausführungsbestimmungen ,n der Frage des Vorsitzenden des Schulvorstandes stellt Mi- nijterialdirelior Schwarzkopfs dahin richtig, bei der Beratung des Volksschulunlerhaltuiigsgesetzes habe er klar ausgesprochen, daß der Vorsitzende des Schulvorstandes in der Regel der Ortsschutinjpektor fein solle.
„Lieber wär mirs freilich, ich könnte die akademische Laufbahn einjchlagen."
„Bist Du ein gelehrtes Huhn geworden," entgegnete er fröhlich. Ich hab ordentlich Respekt vor Dir. Na, Du warst mit ja schon immer in den Wissenschaften über. Aber jetzt bleibst Du vorläufig in Berlin?"
„Ja, ich gedachte hier mein Jahr abzudte- nen." , ,
„Das ist famos. Da mußt Du bei unserem Regiment eintreten."
„Das wird nun doch wohl so kostspielig werden."
„Dummes Zeug, ist nicht so schlimm, rote es aussieht. Hier in Berlin kannst Du leben, wie Du willst. Ein Pferd mußt Du freilich haben, aber ich verschaffe Dir eins für einen Spottpreis, habe selbst eins überflüssig in meinem Stall, also abgemacht. Du dienst bei unserm Regiment. Ich melde Dich gleich morgen an."
Der Wein, die herzliche Fröhlichkeit Lothars, meine eigene Neigung, das alles wirkte zusammen, daß ich auf den Vorschlag Lothars einging. Am andern Tage kamen mir allerdings allerhand Bedenken, aber Lothar holte mich schon am Morgen ab, begleitete mich nach dem Regimentsbureau, stellte mich dem Oberst und seinem Rittmeister vor, lud mich zum Diner im Offizierskasino ein, wo ich den Offizieren vorgestellt wurde — kurz, ich kam gar nicht mehr zur Be- innung und ehe ich mich besinnen konnte, steckte ch in dem hellblauen Dragonerrock und — be- and mich auch sehr wohl darin.
Von meinem kleinen Vermögen ging freilich wieder ein Teil darauf, aber mit dem glücklichen Lichtsinn der Jugend setzte ich mich darüber hinweg.
Und dann kam der Krieg!
Wir werden alt und grau, die wir als Jünglinge den großen Krieg mitgekämpft, die wir unser Blut, unser Leben eingesetzt haben für die Einigkeit des deutschen Volkes, für die Machtstellung des deutschen Reiches in der Welt. Diejenigen der Kameraden, welche als ältere Männer mit in den Kampf zogen, sind fchon zur
Abg Dr. Porsch (Ztr.) forderte für die Orden nicht Wohlwollen, sondern Freiheit. Minister Helle Jagte Prüfung darüber zu, ob die ganze technische Schulaufsicht dem Kreisschuiinspektor zu übertragen sei. Gegenüber dem Abg. Fischbeck (frf. Vp.) betonte der Minister, wenn er die Bibliothek der Gesellschaft für Volksbildung empfehlen solle, müsse er auch auf bie Auswahl der Bücher Einfluß haben. Abg. Winckler (kons.) bestätigte die Anschauung des Ministerialdirektors Schwarzkopfs. Dem Abg. Metzenthin (kons.), sagte Minister Holle zu. bei Berufung der evangelischen Theologieprofefforen die verschiedenen Richtungen gerecht zu berücksichtigen. Freitag: Fortsetzung.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser wohnte gestern Vormittag ttw Herrenhause der Sitzung des Landwirtschafts, rates bei, in der Geheimrat Koch Über Matz, nahmen zur Förderung der Viehzucht in Deutsch.
großen Armee versammelt, täglich folgen ihnei andere und bald wird der letzte mit dem eiserne» Kreuz, mit der Kriegsmedaille geschmückt« Veteran dem letzten Apell des höchsten Lenke« aller Schlachten folgen.
Die heutige Jugend hat uns fast vergessen, fast vergessen die großen Tage, in denen ein Volk aufstand, um Gut und Blut im Kampfe um di, heiligsten Güter einer Nation einzusetzen. Di« heutige Jugend hat andere Ideale, wie wir damals auf den Schlachtfeldern von Metz, von Sedan, von Paris, an der Loire, oder auf den Schneefeldern von Le Mans und St. Quentin. Die heutige Jugend lacht über uns Alte, die wir noch begeistert aufschauten zu den Heldengestalten jener Zeit, sie lachten über uns, die wir doch mit unserem Blut den Bau zujammenge« kittet haben, in dem sie nun so sicher und selbstbewußt wohnen.
Andere Zeiten — andere Sitten!
Die kriegerische Begeisterung verflogen, das Heldenzeitalter beendet. Epigonen ringsum, die nichts wissen von der flammenden Begeisterung, die uns damals durchglühte. Epigonen ringsum, die mit kühler Berechnung dem Leben gegen« Überstehen, die sich in armseligen Kämpfen um Geld und äußere Stellung abmühen, die schmeichlerisch den Rücken beugen vor den Höherstehenden, die ingrimmig um einige Groschen erhöhten Lohn kämpfen, die sich gegenseitig hassen und befehden um Geld und Geldeswert.
Andere Zeiten — andere Sitten!
Damals die Heldenkämpfe des deutschen Volkes wo es die höchsten Güter der Nation galt, wo' die eisernen Würfel über Leben und Tob fielen, — heute die Kämpfe um das täglich« Brot auf dem Schlachtfelde des sozialen Ledens!
Andere Zeiten - andere Sitten!
Wer vermag es zu ändern? Ich aber will den Blick zurückwenden in jene blutige Heldenzeit, und ich sehe die flatternden Fahnen, di« mit'Hurra anstürmenden Bataillone; ich sehe di« daherrasselnden Batterien und die Übe, di« Wahlstatt brausenden Reitergeschwader.
(Fortsetzung folgt.)