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Freitag, 14. Februar 1908. Inhaber Dr. T. Hitzero th, Marburg, Markt 21. — Telephon55.
Grttes Blatt.
Vom LandtaBwahlrecht.
Gegenüber der Agitation zu Gunsten einer Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen mehren sich jetzt die Stimmen im Lande, die sich dagegen wenden. In einer Versammlung der rechtsstehenden Parteien in Neuhaldensleben am 3. Februar sprach sich der Abg. Freiherr von Zedlitz und Neukirch unter anderem darüber aus, daß es nunmehr seit 50 Jahren in Kraft ist und in dieser Zeit verschiedene Parteien im Landtage maßgebend gewesen sind. Wenn es so lange ausgehalten habe, so sei dies ein Beweis, daß es eine gesunde Grundlage habe. Man sei bei seiner Einführung davon ausgegangen, daß man mit drei verschiedenen Bevölkerungsschichten zu rechnen habe. Zwischen der wohlhabenden Minderheit und der breiten Masse sollte der Mittelstand die Entscheidung in der Hand haben. Das sei ein durchaus gesunder Gedanke, denn er sei nach allen Erfahrungen der Geschichte dasjenige Element der Bevölkerung, in dem die beste staatserhaltende Kraft liege. In diesem Sinne wirke das Dreiklassenwahlrecht auch noch jetzt auf dem flachen Lande; in den Großstädten und sonstigen Zentren von Industrie und Handel hätten sich aber Verhältnisie entwickelt, die die Wirkung des Dreiklasienwahlrechts illusorisch machten, der Mittelstand sei hier in die unterste Klasse gedrückt und zu völliger Ohnmacht verurteilt worden. Einer Aeuderung des Wahlrechts bedürfe es also hauptsächlich nur insofern, daß dem Mittelstand wieder überall sein voller Einfluß gesichert werde. Eine Wahlkretseinteilung, bei der den Wahlkreisen ihre historisch hergebrachte Wahlkreiseinteilung geschmälert werde, sei rundweg abzulehnen. Berechtigten Beschwerden ließe sich dadurch abhelfen, daß man de» großen Städten eine etwas stärkere Vertretung gäbe und die Zahl der Abgeordneten entsprechend vermehre. Ein allgemeines gleiches Wahlrecht für den Landtag könne kein ideales sein; es führe zur Herrschaft der besitzlosen Klasse, Preußen aber muffe sich stark erhalten, der Eckstein bleiben im Deutschen Reiche, in Erfüllung des preußischen und deutschen Berufes ums deutsche Vaterland. Der brausende Beifall bekundete die Ueberein- stimnlung der Versammlung mit diesen Anschauungen.
In Düffeldorf hielt ser Bezirksverein 5 der liberalen Vereinigung kürzlich eine Versammlung ab, worin Herr Hugo Hecht einen Vortrag über das Wahlrecht im preußischen Landtag
12 <3tacT;Drmt verkoken.!
Tie weiße Frau von Oldensloe.
Original-Roman von O. C l st e r.
(Fortsetzung.)
„Was willst Du denn studieren, mein lieber Junge?" fragte die Kranke. „Ich denke. Du wirst wie Dein Onkel — Dein Stiefvater wollte ich sagen, Jurist werden."
„Rein, Muter," entgegnete ich, „an der Juristerei hat mir der Onkel den Geschmack verdorben."
Ich bereute das Wort, das meine Mutter ^verletzen mußte. Aber es entsprang meiner innersten Ueberzeugung.
„Ich passe nicht zum Juristen", fuhr ich fort. „Ich habe mehr Interesse an den alten Sprachen, an Geschichte, Literatur und Kunsf, und so will ich denn Philosophie und alte Sprachen studieren."
„Ich verstehe nicht viel davon, Eundokar," entgegnete meine Mutter. „Aber, Du bist verständig genug, zu wissen, was Du tust. Du wirst ja auch keine Rot leiden, Du weist, daß Dir eine Rente zusteht . . .“
„Ja, bis zu meinem fünfundzwanzigsten Jahre/
„O, auch noch weiter, frage nur Deinen Stiefvater."
Ich kam jedoch in den nächsten Tagen nicht dazu, hatte auch keine Lust, denn meine arme Mutter wurde schwächer und am ersten Oster« tage, als die Glocken feierlich zur Kirche ein» juden, um das Fest der Auferstehung zu feiern, Entschlummerte meine arme, liebe, gut« Mutter in meinen Armen.
So war ich denn vater- und mutterlos, ein Jüngling von 19 Jahren, der da, Leben noch licht kannte, unerfahren in allem, was Bezug iuf das praktische Leben besitzt. Ich mußte schon dem Stiefvater und Vormund die Ordnung unserer Angelegenheiten überlassen, aber der oeschlutz stand bet mir fest, daß ich mich, sobald
hielt. Ausgehend von der geschichtlichen Entwickelung de, Landtages aus den früheren Landständen, gab Herr Hecht einen Bericht über das Entstehen des preußischen Wahlrechts, an dem er vor allen Dingen im Interesse des Mittelstandes glaubt unbedingt festhalten zu müssen. Eine stärkere Vertretung der Arbeiter in diesem Parlament empfahl er in der Weise, daß bte 25 größten Städte Deutschlands 50 neue Vertreter zugebilligt erhalten sollten, von denen aber 25 dem Arbeiterstand angehören müßten. Auch diese Ausführungen fanden lebhaften Beifall.
Aehnliche Verhandlungen mit gleichen Anschauungen werden au, anderen Städten berichtet, ein Beweis, daß allmählich die Reaftion sich gegen die wüste Wahlrechtsagitation bemerbar zu machen beginnt.
Man beginnt auch in weiteren Kreisen jetzt, was ja an sich nicht schwer festzustellen war, einzusehen, daß die Demonstrationsversammlungen, die sich durch Bülows Erklärung beleidigt fühlen, zum überwiegenden Teil aus Sozialdemokraten bestehen. So schreibt der demokratische „Beobachter" zu einer Breitscheid- Versammlung in Stuttgart: „Die von den Liberalen einberufenen Versammlungen _ werden durchweg zu sozialdemokratischen, und die sozialdemokratische Mehrheit drückt diesen Versammlungen ihren Stempel auf."
Gegen diese ganze Art der immer gleichen Protestresolutionen und Versammlungen, wie sie von Dr. Barth und seinen Anhängern betrieben wird, schreibt das westfälische Gewerkschasts- organ die „Westdeutsche Post": Glaubt man, die parlamentarische Fraktion habe falsch gehandelt, so mag man sie auf den Parteitagen zur Verantwortung ziehen. Aber das Randalieren in der Presse und in Versammlungen ist nur in seltenen Ausnahmefällen angebracht und wirkt nie agitatorisch."
Wir werden auf die neuesten Ereignisse der Agitation und den belustigenden Kampf der feindlichen Brüder noch zurückkommen.
Deutscher Reichstag.
In der 99. Sitzung zeigte das HauS das gewohnte Aussehen an Schwerinstagen. Einen fast leeren Saal, leere BundesratSestraden — erst zum zweiten Ber- handlungsgegenstande stellte sich Staatssekretär Dr. Nieberding ein — und ziemlich leere Tribünen mit Stammgastpublikum. Zuerst wurden die Verhandlungen über den konservativen Antrag betreffend die Pensions- und Hinterbliebenen-Versicherung der Pri- vatüeamten abgeschlossen. Nur noch wenige Redner wies die Liste auf. Der Abgeordnete Schack (wirtsch. Vgg.) sprach sich mit Genugtuung über den seitdem erzielten Zusammenschluß d er verschiedenen Richtungen unter den Privatangestellten hinsichtlich der
es das Gesetz gestattete, von der Bevormundung dieses Mannes frei machen wollte. In meinem ersten Schmerz klagte ich ihn an, daß er durch seine Brutalität den frühen Tod meiner armen Mutter verschuldet hatte.
Es war auch etwas Wahres daran. Denn eine sanfte, gute Behandlung, eine liebevolle Pflege würde das Leben meiner Mutter sicherlich verlängert haben.
Ihr erster Gatte, mein Vater war wohl recht rauh und mürrisch gewesen, aber im Grunde hatte er meine Mutter von Herzen lieb und seine Zärtlichkeit ihr gegenüber zeigte sich oft in der liebenswürdigsten Weise, wenn er in ihr blasses, trauriges Gesichtchen sah. Nur die eigenartigen Verhältnisse seines Lebens hatten schwer auf ihm gelastet, und ihn ernst und mürrisch gemacht.
Mein Stiefvater aber quälte und peinigte meine Mutter mit hinterlistigem Hohn und feiger Brutalität. Meine Mutter ahnte, daß er sie nicht aus Liebe geheiratet hatte, sondern aus einer niedrigen Eeldspekulatton. Wie recht ich hatte, das sollte ich erst später erfahren.
Nach dem Begräbnis meiner Mutter ließ mich mein Onkel — ihn Vater zu nennen, konnte ich mich nicht überwinden — in sein Zimmer rufen.
Er saß vor seinem Schreibttsch mit einer Abrechnung in der Hand.
„Setze Dich daher," sagte er, indem er auf einen Stuhl neben dem Schreibttsch wies. „Ich habe mit Dir zu sprechen."
Ich gehorchte.
„Du weift, fuhr er fort, „daß die gräfliche Familie Oldensloe Dir eine Rente von 200 Talern zu Deiner Ausbildung überwiesen hat."
„Ja, ich weiß es."
’)Bts zu Deinem fünfundzwanziasten Jahre." „Meine Mutter sagte mir, daß ich diele Rente auch später noch beziehen würde," unterbrach ich ihn, leider, denn hatte ich ibn vollenden lassen, so wäre mir seine Schurkerei schon damals klar Qfctnnrhtn
Berficherungsftagr au» und wünschte, daß der Streit nicht weiter geschürt werde. Diesem Wunsche stimmte Dr. Pvtthoff (freis. Vgg.) zu, und versichette seinerseits die Einigkeit fördern zu wollen. Nachdem hierauf noch Abgeordneter Lehmann-Wiesbaden (Soz.) noch einige kurze Wünsche in langen Ausführungen vorgetragen hatte, wurde die Diskussion geschlossen. Der Abg. Pauli (kons.) drückte tat Schlußworte seine Befriedigung darüber aus, daß alle Parteien fich Im Sinne de» konservativen Antrages ausgesprochen hätten und hoffte auf eine gute Wirkung des Anträge». Dieser wurde sodann einstimmig angenommen. ®» folgte die Beratung des nationalliberalen Antrag«» auf Vorlegung eine» Gesetzentwürfe» betreffend die Regelung veS Automobilverkehr». Abg. Prinz Schön- aich-Larolath (natlib.) begründete den Antrag, indem er auf da» lange Zögern der Reichsregierung mit dem schon wiederholt im Reichstage, im Landtage, im Landwirtschaft»«!« usw. geforderten Vorgehen gegen die Auswüchse de» «utomobili»mu» htnwie». Er brachte alle Uebelstände zur Sprache, forderte die verheißene Statistik und die Vorlage de» entsprechenden Gesetze». Staatssekretär Dr. Riebrrdin, erhob sich alsdann zur Erwiderung. Er teilte mit, daß bte Auwmobilstatistik abgeschlossen sei und das Ergebnis demnächst veröffentlicht werden würde. Schon vor Abschluß der Statistik habe der Reichskanzler die Au»- arbeitung eine» Gesetzentwürfe» gegen die Automobil- Ausschreitungen angeordnrt. Der Entwurf sei fertig, gestellt und der preußischen Regierung unterbreitet, dort aber auf Schwierigkeiten gestoßen. E» sei zu hoffen, daß er aber noch in nächster Zett dem Bunde», rate werde vorgelegt werden können. Hierauf eeatiff Abg. Freiherr von M-ltzan (deutschwns.) da» Wort, um in entschiedener Weise ein gesetzgeberische» Vor. gehen gegen den Auwmobilunfug zu fordern, in »besonder muss» die Haftpflicht entsprechend der de» Tie-- halter» geregelt werden, und auf die Ausbildung der Chauffeure sei größere» Gewicht al» bisher zu legen. Abg. v. Dircksea (Reichsp.) erklärt« sich mit den Dar- legungen de» Staatssekretär» befriedigt und machte auf den hohen Wert der Auwmobile al» Verkehrsmittel aufmerksam. Inzwischen war ein Abänderung», antrag de» Zentrums eingegangen, der in detaillierter Weise die Grundlagen vorschlägt, auf denen ein Gesetzentwurf aufgebaut werden soll. Abg. Grorber (Ztr. begründete seinen Antrag.
Preußischer Landtag.
Abgeordnrteuhau».
Im Abgeordnetenhause fand am Mittwoch, den 19. Februar, bte zweite Lesung des Kultusetat» statt. Der Abg. Dtttrich (Ztr.) forberte für die katholische Kirche und ihre charttattven Niederlaflungen größere Be- wegungsfteiheit, im Anschluß daran der Abg. Dr. von JazdzewSki (Pole) Parität in Schulfragen für die Polen. Der Kultusminister betonte demgegenüber, daß in den von nationalen Kämpfen beherrschten Gebieten fetten» der Regierung große Vorsicht am Platze fei. Abg. Dr. Friedberg (natl.) trat für die Unter- stützung de» Vereins für Volksbildung durch die Regierung ein und wünschte nicht, daß prinziptell Geist» liche zu Schultaspekwren resp. Schulvorständen ernannt würden. Abg. Dr. Heydebraud von der Las» (tonf.) meinte, daß bet Vorredner da» Kultusministerium in nattonalttberalem Sinne umgrstaltea wolle. Da wären aber doch die Konservativen auch noch dal Die Bücher der Bolkrbibliotheken müßten in die bi» heute noch bei un» maßgebende patriotisch-christliche
Er sah erstaunt auf. Eine leichte Röte überflammte sein Gesicht. Aber er faßte stch rasch.
„Ach, Du weißt," sagte er. „Was hat Dir Deine Mutter sonst noch gesagt?" setzte er mit einem lauernden Seitenblick hinzu.
„Nichts. Sie hat mich an Dich verwiesen." Mein Onkel schien auszuatmen. Ein spöttisches Lächeln zuckte um seine Lippen.
„Gut, gut, so werde ich Dir alle» erklären," sprach er hastig. „Ich habe rntt der gräflichen Familie verhandelt, um statt einer Rente für Dich ein Kapital zu erhalten, womit diese Rente bestritten werden soll. Das Kapital soll bet Deinem fünfundzwanzigsten Lebensjahre Dein Eigentum werden. Ich habe das Kapital — es sind fünftausend Taler — bei der Staatsbank in guten fünfprozentigen Papieren hinterlegt; sieh hier eine Quittung der Bank. Das Kapital steht auf Deinem Namen, kann Dir also nicht verloren gehen. Ich werde Dir bis zu Deiner Volljährigkeit die Zinsen pünttlich alle Vierteljahre auszahlen. Nachher kannst Du dieselben selbst bei der Bank erheben. Bist Du zuftieden damit?"
„Ja, aber Du sprachst doch von einer größer«, Summe."
„Das ist eine andere Sache," unterbrach er mich barsch. „Darüber werden wir später ein- mal sprechen, wenn der Nachlaß Deiner Mutter gettchtlich geordnet wird. Für jetzt ist das alle» was ich Dir zu sagen habe. Welche Universität willst Du beziehen? Ich lasse Dir völlig freie Wahl."
„So möchte ich nach Heidelberg."
„Gut, Du kannst tun und lassen wa» Du willst Du bist ja ein verständiger Mensch. Lebe wohl, ich habe noch andere Geschäfte .. ."
Er reichte mir die Hand achtlos hin. Ich berührte sie kaum und entfernte mich rasch, froh, einer längeren Auseinandersetzung überhoben zu sein.
Rach acht Tagen reiste ich nach Heidelberg ab, «in freier Mensch, ab« «uh ein einsamer Mensch.
Denkungsart unsere» Volkes hineinpaffen. Richt jebel Buch, bös für ben hochgebildeten Mann eine paffende Lektüre biete, eigne sich für eine Volksbibliothek. Bei dem heutigen Stande des Schulwesens werde die hauptamtliche Kreis-Schulinspektton int Gegensatz zur nebenamtlichen immer mehr Platzgreifen muffen. Prinzipiell liege kein Grund vor, den Geistlichen voU der Ähulinspettion auszuschließen. Die Geistlichen Wären ebenso zur Volkserziehung berufen, wie die Schule. Die Bestrebungen der Kirche gingen heute nicht mehr dahin, sich in Dinge zu mischen, die sie nicht» angingen. Diese Zeiten wären vorüber. Tie Konservativen hielten die Aufrechterhaltung der Lo- kal-Schulinspektionen für notwendig. Die Ortsschulinspektion durch den Geistlichen sei das letzte Band, welches die religiösen Interessen mit der Schule organisch verbinde. Die Volksschule sei nicht nur eine Lehr-, sondern auch eine Erziehungsanstalt auf reli- gtöfet Grundlage. Diese sittlich-religiöse, christliche Grundlage müsse dem Volke erhalten bleiben. Wenn der Minister Viesen Weg gehen wolle, würden de» Redners Freunde mit ihm gehen. (Stürmischer Beifall auf der Rechten und im Zentrum.) Der Kultusminister erklärte, daß er auf die Ortsschulinspektionen durchaus nicht verzichten wolle und daß die Kreisschulinspektionen bereits zu drei Fünfteln hauptamtliche waren. Abg. von Dithnrth (tonf.) bemerkte, daß » falsch sei, zwischen fachmännischer und geistlicher Schulaufsicht einen Gegensatz zu konstruieren. Tie kirchlichen Organe müßten an der Schulaufsicht beteiligt fein. Di« angesamelten Schulbaufond» der ländlichen Gemeinden sollten bei der Zentralgenoffenschaftskaff« angelegt werden. Da» Haus vertagte sich hierauf u» 4 Uhr auf Donnerstag, vorm. II Uhr. Tagesordnung: Datktpffährenverbindung Saßnitz — Trelleborg un> Kultusetat.
Aus den Parlamenten.
Die Reichstagskommission für den Gesetzentwurf betreffend bett Unterstützungswohnsitz nahm ben § 10, nach welchem die Altersgrenze für ben Erwerb und den Verlust des UnterstutzungswohnsitzeS vom Vollenbeten 18. auf daS vollendete 16. Lebensjahr und die Aufenthaltsfrist von zwei auf ein Jahr herabgesetzt wird, an.
In der Budgetkommifston des Reichstage» kam e» am Mittwoch zunächst zu einer Aussprache über du Haager Friedenskonferenz. Wirkl. Geh. Legation», rat Kriege erklärte, Deutschland werde demnächst zur Zeichnung de» Haager Abkommens schreiten. Dies« habe e» auf der Konferenz mit Rücksicht darauf nicht gezeichnet, da andere Großmächte vorläufig davon Abstand nahmen. Die Gründe für die Haltung der deutschen Delegation in der Schiedsgerichtsfrage seien in dem dem Reichstage vorgelegten Weißbuche zusam- mengefaßt. Da viele der Gründe gegen etntn obligatorischen WeltschiedSvertrag sprachen, habe die Delegatton, von welchem man nicht sowohl eine Förderung, als vielmehr eine Gefährdung des Schiedsgedanken» erwarten müffe. Im Sinne der Schlußakte der Konferenz und der grundsätzlichen Anerkennung der obli- gawrtschen SchiedSsprechung habe Deutschland bereit» eine Reihe von Schiedsabrede mit einzelnen Staaten getroffen. Auf diesem Wege werde es fortfahren, e» müffe dabei aber eine gewisse Vorsicht beobachten, weil e» von allen Seiten von Nachbarn umgeben sei und daher mehr geschäftlichen Differenzen ausgesetzt sei, al» andere vom Meere umgebene Mächte und an weniger Nachbarn anstoßende Staaten.
ben keine Liebe und Sorge auf den Weg in da» Leben begleitete. j
Es braust ein Ruf wie Donnerhall, _ ! Wie Schwertgeklirr und Wogenprall: Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein, Wer will des Stromes Hüter sein?
Lieb Vaterland, kannst ruhig sein. Fest steht und treu die Wacht, — die Wacht am Rhein!
war in meinem dritten Studienjahre, während ich als Einjährig-Freiwilliger bei den Earde-Dragonern in Berlin diente, als dieses Lied die Herzen des deutschen Volkes entflammte und eine Begeisterung hervorries, die an die Erhebung des Volkes im Jahre 1813 eri.ierte.
Daß man mit 200 Thalern jährlich in Heidelberg und Berlin studieren kann, erscheint unmöglich, zumal bei einem jungen, lebenslustigen, und durch den Umgang mit der gräflichen Fa. mitte an einen gewissen Komfort gewöhnten Jüngling, wie ich e» war. Ich vernachlässigte meine Studien nicht, und ich stürzte mich auch in den Strudel des wilden Studentenlebens, aber nach den letzten so traurig und einsam verlebten Jahren im Hause meines Onkels verlangten Jugendlust und Uebermut ihr Recht und ich genoß in vollen durstigen Zügen die akademische Freiheit. Ich schwärmte mit gleichgesinnten Freunden in schönen Mondscheinnächten an dem sagenumwobenen Ufer des herrlichen Rheins, ich trank patriotische Begeisterung im duftenden Rheinwein, ich träumte von Liebe, Freiheit und Glück — kurz, ich genoß eine Jugend, ohne des- halb in Ausschweifungen zu verfallen. Ein ge. wisser ernster Zug in meinem Eharakter, eine ideale Anschauung der Welt und der Menschen, ein stark entwickelte» Gefühl für Schönheit und ein Abscheu an allem, was häßlich war, schützt« mich vor den Gefahren, im Gemeinen, im Ried, eigen, im Häßlichen zu versinken, t'
(Forrie-unß folgt^