Einzelbild herunterladen
 

MchM Zeilmg mH dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain m,d de« Keiloge»: ^.Merarischrr A-r-is-r".z<m»wirtschastliche Keil««,'' w»JUsftrirrk, z-Mlt-r-blatt«.

.12 38

Mai» abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirch h ain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unser» Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Mittwoch, 12. Februar 1908.

Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum "16 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Univcrsitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. L.H ltzer»th, Marburg, Markt 21. Telephon SS.

43 Jahrs.

Ü^V7E3S

Zweites Blatt.

Ein Zukunftsstaat in der Gegenwart.

LellamysRückblick aus dem Jahre 2000 And William MorrisKunde von Nirgendwo haben in der Wirklichkeit ein französisches Ee- genffü-! gefunden, das sämtliche Utopien in den Sch-tten stellt. In seinem BucheUne ville fous le r^gime collektiviste (Eine Stadt unter kollektivistischer Verwaltung) hat der linkslibe­rale Politiker und Chefredakteur Louis Cou- durier dieGeschichte der Stadtverwaltung Brest 19041908 geschildert und an der Hand doku­mentarischer Belege den überzeugendsten Beweis geliefert in wie kurzer Zeit ein gut geordnetes und verwaltetes Städtewesrn unter sozialdemo­kratischer Herrschaft ruiniert wird.

Statt utopistischer Schönfärbereien wird in bem Buche die Unfähigkeit der Sozialdemokratie im Erhalten und Neubauen so deutlich gezeigt, daß auch solche Politiker in Deutschland, denen die Verhältnisse in Off-nbach, Mühlhausen i. E., in Bant und anderen Städten noch nicht die Augen geöffnet haben, denen die Sozialdemo­kratie immer noch ein gesunder, tüchtiger und unentbehrlicher Faktor in unserem wirtschaft­lichen Leben ist, aufmerksam und stutzig werden müßten.

In Brest befindet sich ein Marine- und Kriegsarsenal, das 15 000 Arbeiter beschäftigt; ein großer Teil der Stadtverordneten besteht aus Arsenalarbeitern, zwei Kommis der Werkstatt zieren das Stadtparlament, der Bürgermeister ist ein Uhrmachergeselle. Wenn man die Amts­handlungen dieser modernen Zukunftsstaatler liest, glaubt man, HolbergsPolitischer Kanne­gießer habe in Frankreich seine Auferstehung erlebt und Gelegenheit gefunden, seine krausen Ideen in die Wirklichkeit zu übersetzen. In einem neuen .Schluck und Jau können die Ta­ten der französischen Stadtväter vielleicht passende Verwendung finden und ihr Glück machen.

Einem regierenden Arsenalarbeitersteigt der parfümierte Seifengeruch der Offizier- und Beamtenfrauen auf der Straße störend in die Nase, sofort wird der städtische Oktroi auf Seife von 5 auf 24 Franken für 100 Kilo erhöht. Auf die Schornsteine wird eine städtische Abgabe ge­legt, weil sie dazu dienen, die Reichen zu wär­men. Der Religionsfreiheit wurde durch fol­gende Beschlüffe Ausdruck gegeben:Bei Be- gräbnissen dürfen keine öffentlichen religiösen Amtshandlungen vorgenommen werden, und die letzte Wegzehrung für die Sterbenden darf der Geistliche nicht mehr offen, sondern nur in einem Sacke über die Straße tragen.

Das Brester Bürgertum hat sich schließlich ernannt und bereits in verschiedenen Nachwah­len über die Roten gesiegt. Nachdem das sozial­demokratische Regiment die gesamte Verwaltung in ein wüstes Chaos gebracht hatte und der Ban­kerott zutage getreten war, desertierte ein Stadt- oater nach dem anderen: im Herbst 1907 waren von 36 nur noch 14 im Amte.

Die schon oft gemachte Erfahrung, daß die Sozialdemokraten keiner Länder imstande sind, eine segensreiche Tätigkeit in der Kommunalver­waltung zu entfalten, ist durch das Brester Bei­spiel wieder einmal bestätigt worden. Die deutsche Bürgerschaft sollte es sich aber eine ernste Mahnung sein lasten, durch engen Zusam­menschluß bei den Wahlen ihre Städteverwalt­ung vor den gefährlichen sozialdemokratischen Experimenten zu bewahren.

Teuijches Reich.

Der Eroßherzog von Hesten und di« Presse. Auf dem letzten parlamentarischen Abend in Darmstadt zog der Eroßherzog auch den Redak­teur Max Streese in ein längeres Gespräch. Streefe veröffentlicht diese Unterredung in der Pfälzischen Presse, aus der wir folgende Ein­zelheiten entnehmen: Der Eroßherzog gab sich als Mensch, und obwohl er im Verlauf einer Un­terhaltung an unserem Nebentische mit den scherzhaften Worten:Still, still, da drüben sitzt die Preste! vor uns warnte, hatte er doch keinesfalls irgendwelche Bedenken, sich auch uns gegenüber sehr offen und rückhaltlos auszu­sprechen. Ich hatte mein Stimmungsbild über den Abend schon vollendet und in Satz gegeben. Die Druckerei hatte mir einen Bürstenabzug ge, sandt, den ich in der Wandelhalle schnell über­flog. Das sah der zufällig vorübergehende Grotz- oerzog und sofort trat er auf mich zu mit der Krage:Sie haben doch nicht etwa schon einen Bürstenabzug des Berichts über den heutigen Abend?3u dienen, kgl. Hoheit, der ist be­reit» gesetzt nnb wird in einer Stunde schon ge- tartt sein.Das ist ja kolostal, zeigen Sie tz-ch einmal her. Mit diesen Worten nahm litt tz« Großherzog meinen noch feuchte» Bür­

stenabzug aus der Hand, um ihn aufmerksam durchzulesen und selbst mehrere Unrichtigkeiten zu korrigieren mich in liebenswürdiger Weise darüber aufklärend, daß u. a. der Hosmarschall heute nicht zu seinem Gefolge zählte, sondern persönlich geladen sei, daß sein Flügeladjutant, wenn er im Dienst ist, immer in Uniform sein muffe usw. Eine Bemerkung de» nun hinzutre­tenden Präsidenten Haas, daß ich das (er meinte, die Korrektur dem Eroßherzog vorzulegen) nur immer so machen sollte, dann würden meine Be­richte sicher immer richtig sein, veranlaßte den Eroßherzog, mir seine Stellung gegenüber der Presse eingehend darzulegen. Er tat das mit dem besonderen Wunsche, esallen meinen Herren Kollegen auch zu sagen, in etwa fol­genden Worten:Wenn Sie etwas wissen wollen, was mich oder Fragen meines Hofes betrifft, gehen Sie immer direkt an die erste Stelle. Ich habe meinem Hofmarschall strenge Anweisung gegeben Ihnen, wenn Sie sich direkt an ihn wenden, auf jede Frage rückhaltlos rich­tige und ausführliche Auskunft zu geben. Sie werden stets am besten und schnellsten unterrich­tet sein, wenn Sie sich direkt an die erste Stelle wenden, die überhaupt die beste Quelle für Sie sein sollte. Wenden Sie sich niemals an La­kaien, dabei kommt nie etwas Gescheites heraus. Und wenn der Diener wirklich einmal ablehnen sollte, Sie dem Hofmarschall oder dem Adjutan­ten zu melden, so gehen Sie bitte unter Be­rufung auf mich einfach an ihm vorbei direkt zum Hofmarschall und stellen dem da» vor. Mit Bezug auf sein Hoftheater r, inte der Erotz- herzog, er vermisse völlig die Unterstützung der Presse in seinem Bestreben, etwas Neues zu bringen. Da habe seines Erachtens die Preste doch die Pflicht, vor der Aufführung neuer Stücke in orientierenden Artikeln das Publikum zu belehren darüber was der Dichter will mit seinem Stück und auf Schönheiten desselben vor­her aufmerksam zu machen. Es sei doch sicher nur der kleinste Teil des Publikums imstande, sich ein zutreffendes Urteil über den Wert eines modernen Stückes zu bilden. Die Kritik nach der Aufführung habe in dieser Beziehung doch nur bedingten Wert, wenngleich ihre unbedingte Notwendigkeit zur Bildung des Geschmacks nicht verkannt werden solle.

Zoll für die sterilisiert« Milch ht der Petitionskommisfion des Reichstages. Petiti­onen der Landwirtschaftskammern Caffel und Königsberg weisen auf die schweren aus der Zollfreiheit von sterilisierter Milch und Rahm hervorgehenden Mißstände hin und fordern die Beseitigung dieser Mißstände 1. durch Aufheb­ung der im Zolltarifgesetze vom 25. Dezember 1902 garantierten Zollfreiheit für Milch und Rahm und Einführung von Zollsätzen in den handelspolitischen Verhandlungen mit Däne­mark, Schweden, Norwegen und Holland im Mindestbetrage von 4 J*. für den Doppelzentner Milch und 10 M für den Doppelzentner Rahm; 2. indem sie die Einrichtung einer hygienischen Kontrolle für allen zur Einfuhr gelangenden Rahm und alle solche Milch und die Einfuhr eventuell nur in sterilisiertem Zustande wün­schen. Zur Begründung dieser Wünsche wird folgendes ausgeführt: Schon bei den Verhand­lungen des Zolltarifgesetzes wäre darauf hinge­wiesen worden, daß Milch und Rahm mit Rück­sicht auf das unter günstigeren Verhältnissen produzierende Ausland dringend eines Zoll­schutzes bedürften. Trotzdem sei das Gesetz ohne eine derartige Bestimmung zustande gekommen. Wie schwer die Milchproduzenten des Inlandes hierdurch geschädigt würden, zeige die von Jahr zu Jahr steigende Einfuhr, die von 223 914 Dztr. im Jahre 1903 auf 336 354 im Jahre 1905 gewachsen sei. Dagegen wäre die Ausfuhr ziem­lich stabil geblieben. Während nun die Einfuhr aus allen Ländern annähernd gleich hoch geblie­ben wäre, sei allein aus Dänemark eine Zu­nahme der Einfuhr von 5783 Dztr. im Jahre 1903 auf 93 443 Dztr. im Jahre 1905, also um 643 Proz. zu konstatieren. Da di« dänische Milch hoch sterilisiert, dementsprechend schlecht verdaulich sei und zu fauligen Zersetzungen neige und wegen ihres Alters zur Ernährung von Kindern und Kranken geradezu ungeeignet wäre, hätten die Bestrebungen, Berlin und an­dere Teile Deutschlands mit dänischer Milch zu versorgen, allgemeine» Aufsehen erregt und unter den inländischen Konsumenten wachsende Beunruhigung hervorgerufen. Wenn somit für Abstellung dieser Uebelstände ein allgemeines Bedürfnis vorliege, |o stehe weiter di« Zollfrei­heit desHalbfabrikats" Rahm in einem durch­aus unberechtigten Widerspruch zu dem ansehn­lichen Schutzzoll, den da»Eanzfabrikat Butter genieße. Gin derartiger Zustand forder? zur Einfuhr von Rahm au» Dänemark geradezu heraus, und so seien denn auch in letzter Zeit in Schleswig-Holstein, Mecklenburg usw. «ine Reihe von Molkereien eigen» zu dem Zweck er- standen, ausländischen Rahm zu Butter zu oer- arbeiten, nicht nur zum Schade» der deutsche»

Landwirtschaft, sondern auch der Reichsfinanzen, die durch.den Zollausfall eine namhafte Einbuße erlitten. Von der Landwirtschaftskammer in Königsberg wird dann noch besonders auf die schweren Gefahren hingewiesen, welche nicht nur den Milchkonsumenten, sondern auch den heimi­schen Viehbeständen durch die Möglichkeit der Seucheneinschleppunz aus solchen Ländern dro­hen, in denen die Seuchenpolizei zum Teil noch aus dem allerniedrigsten Niveau stände. Zum Beweise dafür, wie gefährlicheBakterienzwischen- träger gerade Milch und Rahm seien, werden noch zwei Gutachten von Prof. Dr. Stutzer und Dr. Hittcher beigelegt, die beide einen den in Milch und Rahm vorhandenen Buttermengen entsprechenden Zoll befürworten und entschieden verlangen, daß diese Produkte vor dem Ueber- schreiten der Grenze entweder auf 100 Grad C. oder 15 Minuten lang auf 90 Erad C. erhitzt werden, um etwa vorhandene Krankheitserreger abzutöten. Bon einem Kommisfionsmitgliede wurde entschieden gegen einen solchen Zoll pole­misiert, die Mehrheit glaubte nicht an eine Ver­teuerung dieser Lebensmittel durch einen solchen Zoll, trug aber dem Bedenken des Regierungs- kommiffars Geh. Oberreg.-Rat Blau Rechnung, daß nämlich nach Lage der Bestimmungen des Zolltarifgesetzes vom 25. Dezember 1902 die Ein­führung eines Zolles auf Milch und Rahm in einem mit Dänemark abzuschlietzenden Handels­verträge nicht angängig erscheine, und beschloß mit 12 gegen 10 bezw. 16 gegen 6 Stimmen, beim Plenum zu beantragen: die Petitionen, soweit sie eine Aenderung des Zolltarifes ver­langen, dem Herrn Reichskanzler als Material, soweit sie eine verschärfte hygienische Kontrolle wünschen, zur Berücksichtigung zu Überweisen.

Marburx und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß 8 18 der Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe Oberhesi. Ztg." gestattet.)

Marburg- 11. Februar.

* Stadttheater. Die wegen Krankheitsfall ausgefallene Volksvorstellung wird zu einem späteren Termin nachgeholt werden. Aus ver. schieden« Anfragen sei auch an dieser Stelle mit- getetlt, daß das Gastspiel von Frl. Clara Al­brecht inZwillingsschwester im Abonnement stattfindet und daß keinerlei Zuschlag erhoben wird. Für das Auftreten der liebenswürdigen und interessanten Künstlerin gibt sich, wie in Gießen so auch hier, lebhaftes Interesse kund.

* Warnung. Es wird g e w a r n t vor einem gewissen D. Nob. le Rowun aus Troington ou Hudson N. 3)., der, wie man vermutet, den Ver­such machen will, deutsche Einwanderer und deutsches Kapital für den Anbau von Baum­wolle in Texas zu gewinnen. Als angeblicher Vertreter des5 Millionen-Klubs von Houston scheint ein gewisser Fred Opp in Verbindung mit ihm zu stehen.

* Deutsche Lehrerfahrten nach Italien und nach Rordafrika werden wiederum während der kommenden Osterferien nach den bewährten Programmen der Vorjahre veranstaltet. In Italien wird Florenz, Neapel, Bajae, Vesuvge- biet, Pompeji, Paestum, Capri, Sorrento und Rom mit Tivoli, in Rordafrika Tunis mit Car- thago, die berühmten Ruinen von Timgad und Lambessa, Philippeville, Constantine und die Sahara-Oasen Biskra und Sidi Okba unter be­währter Führung besucht. Trotz größter Reich­haltigkeit der Programme find die Eesamtpreise wiederum bedeutend ermäßigt. So beträgt der Reisebetrag, für welchen sämtliche regelmäßigen Ausgaben der ganzen Reise übernommen wer­den, für die 14tägige Jtalienfahrt nur =M. 445 und für die 16tägige Afrikafahrt nur J*. 495. Unter gewissen Bedingungen können fich auch Angehörige anderer Berufskreise, soweit Plätze verfügbar, beteiligen. Näheres erfahren Inter­essenten durch dieNeue Badische Schulzeitung in Mannheim.

RLddingshausen, 8. Febr. Unser sehr wasser­armes Dorf von 800 Einwohnern wird zu un­serer Freude demnächst eine Wasserleitung er­halten. Im fiskalischen Walde, eine Stunde von hier, findet sich eine Quelle mit mehr als ge­nügendem und gutem Trinkwasser, die angekauft werden soll. Nach Ansicht der Sachverständigen können sich uns die Nachbarorte Deckenbach und Schadenbach noch recht gut anschlietzen und aus diese Weise gute» Trinkwasser ziemlich billig er­halten. Besonders der Gemeinde Deckenbaq mit ihren schlechten Wasserverhältnissen wäre ein Anschluß sehr vorteilhaft und somit anzuraten.

___(Gieß. Anz.)

Heßen-Najsau und Nachvaig:7

Göttingen, 10. Febr. Der Student Richard Kreidner aus Bernburg ist gestern auf traurige Weise ums Leben gekommen. Der Betreffende, der auf dem Korpshause wohnte, hatte das Un­glück, auf dem Klosett, welches er nachts besuchte, die Petroleumlampe umzuwerfen. Dabei ge­rieten seine Kleider in Brand. Die Brandwun­den, die K. sich dabei zuzog, waren so schwer, daß er an ihnen gestern in der Klinik gestor­ben ist. Auf der Rodelbahn sind in den letz­ten Tagen wieder mehrere Unfälle passiert. Am Mittwoch wurden allein 14 Personen in die chirurgische Klinik eingeliefert, die euf den Rodelbahnen verunglückt waren.

Frankfurt, 9. Febr. Heute abend lief der Packwagen eines Kronberger Leerwagenzuges, der in die Halle des Hauptbahnhofes gedrückt wurde, auf den Prellbock des zehnten Gleises. Der Prellbock wurde beschädigt, der Packwagen desgleichen. Im übrigen wurde der Betrieb nicht weiter gestört.

Darmstadt, 9. Febr. Die Handelskammer de» fchäftigte fich in ihrer letzten Sitzung mit der Frage der Wanderlager, gegen deren Betrieb die Handelskammer Worms Maßnahmen ange­regt hat. Die Handelskammer sprach sich gegen eine weitere Besteuerung aus, jedoch befürwor­tete sie die Begrenzung der Verkaufsdaner im Wanderlagerbetriebe, aus höchstens drei Wochen. Für die Einführung einer Vorschrift in die Ge­werbeordnung, wonach zum Wanderlagerbetried eine Erlaubnis der Verwaltungsbehörde erfor­derlich sein soll, die Über die Bedürfnisfrage z» entscheiden habe, konnte man sich nicht erwär­men dagegen war man für ein Verbot des Nach- schuos von Waren. Auf die aus den Kreise» des Detailfonds vielfach geäußerten Wünsch« nach einer zweckentsprechenden Besteuerung der Filialgeschäfte hat die Handelskammer mit Hilf« des Finanzminsteriums eine Zusammenstellung der Steuerverhältnisse der einschlägigen Ge­schäfte in Angriff genommen, die als Grundlage für weitere Verhandlungen auf dem nächste» hessischen Handelskammertag dienen sollen.

Essen, 10. Febr. In Alteneffen geriet em Mitternacht ein von sechs Familien bewohntes Koloniehaus der Zeche Karl in Brand. Ein« Frau, der durch die Flammen der Ausweg abge. schnitten war, sprang aus dem Fenster und er­litt so schwere tniK-e Verletzungen, daß sie bald nachher starb. Der Ehemann, der ebenfalls den Sprung wagte, verlor ein Auge. Das Han» brannte vollständig nieder.

Erfurt, 10. Febr. Für das neu zu erbauend« Eisenbahner-Töchterheim sind reichlich 176 000 Mark beisammen, so daß mit dem Bau voraus­sichtlich jetzt bald beg- n wird. Der hiesige Magistrat hat im Ein" . , ändnis mit denStadi- verordneten der Verwaltung des Töchterheim» ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück ge­schenkt, auf dem die nötigen Gebäude aufgeführt werden sollen.

Die Entwickelung des hessischen Eisenbahnnetzes in ben Jahrzehnt 1897 bis 1907 unter der preußisch - hessischen Eisenbahngeuieinschast.

Unter dieser Ueberschrift bringt die Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen die folgenden Darlegungen:

Die hessischen Strecken umfaßten 1897 an Haupt- und Nebenbahnen 853 Klm.; 1907 um­faßten sie einschließlich 72 durch die Main-Neckar­bahn hinzugekommener Klm. im ganzen 1246 Klm. (darunter 787 Klm. Hauptbahnen und 459 Klm. Nebenbahnen).

Das Personal hat sich für die hessischen Strecken von 6238 Köpfen zu Anfang des Jah­res 1897 auf 12 810 Köpfe im Jahre 1907 (darunter 1245 Köpfe durch Zugang der Main- Neckarbahn) vermehrt. Die hessischen etatsmäßi­gen Stellen betrugen 1897 : 2202 und 1907: 4653 (darunter 330 durch Zugang der Main- Neckarbahn). Die Gehalts- und Lohnverhältniff« des Personals sind gegenüber den Sätzen der hessischen Ludwigsbahn und der oberhessischen Ei­senbahnen erheblich verbessert und in diesem Jahrzehnt fortwährend weiter aufgebeffert wor. den. An Gehalten und Löhnen wurden auf den hessischen Strecken 1897 gezahlt: 5 569 000 Jt und 1907: 16 682 000 Jt (darunter 1567 000 Jt auf der Main-Neckarbahn). Der Lohn der Hilfsunterbediensteten und Arbeiter ist in den 10 Jahren durchschnittlich um 22 Proz. per Kopf gestiegen. Remunerationen und Unterstütz­ungen gab es bei der hessischen Ludwigsbahn und den oberhessischen Eisenbahnen so gut wie gar nicht. Zu Beginn der neuen Verwaltung 1897 wurden dagegen gezahlt 70 000 Jt und 1907 262 000 <*. Für di« beruflichen und persön­lichen Interessen de» Eisenbahnpersonals ist iw immer steigendem Matze gesorgt worden durch