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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmx und Kirchhain ->

«ttd de« Keilagrn: ^Literarischer Anzeiger-,Landwirtschaftliche KeUage- u«d ,M«striertes K«mt«--L1aE.

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Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirch ha!» und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Vost 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unser» Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Mittwoch, 12. Februar 1908.

Die InsertionSgebühr beträat für die 7gefpattene Zeil« oder deren Raum 15 Pferu-i,;, ftr Reklamen 30 Pfennig. Truck und Verlag: Joh. Li g. Koch, UniversttätSbuchdruclerrt Inhaber Dr. C. Hitzrroth, Mcnbuog, Markt21. Telephon55.

43. Jahrg.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr 12.

Ees Blatt.

tNachdruck verboten.»

10

Die weiße Frau von Oldensloe.

i . Original-Roman von O. E lst er.

. (Fortsetzung.)

Das tat mir wirklich weh. Ich hatte mich so daran gewöhnt, namentlich vermißte ich den Umgang mit dem lieben Komteßchen Amal- gunde, die damals das zwölfte Jahr erreicht hatte, und zu einem wunderhübschen Kinde auf­gebläht war. In dem Herzen des Obersekun- vaners und Primaners glühte eine heimliche Flamme schwärmerischer, sentimentaler Liebe für das schöne Erafentöchterlein. In meiner knabenhaften Fantasie entwarf ich die stolzesten Zukunftspläne, baute die herrlichsten Luft­schlösser. Märch.a von Prinzessinnen und Kö­nigskindern erfüllten meine brennende Jüng­lingsseele und damals war es, daß ich die ersten schmachtenden Liebeslieder dichtete. Ich war glücklich, wenn mir Komteßchen auf der breiten Treppe oder dem Hausflur begegnete, und ich schwebte im siebenten Himmel, wenn sie mir freundlich das Händchen gab und mir mit kind­licher Vertraulichkeit zunickte. Ich wartete auf der Treppenflur verborgen, jeden Tag, bis sie mit Mademoiselle von ihrem Spaziergang heim­kehrte.

Aber die herrlichen Spiele Im Garten das Haschen und Verstecken, das Auf-die-Bäume- Klettern, das Dlumenpflücken, das Ball-Spielen das alles war unwiderbringlich vorüber, denn ich war ein langer Bursche geworden, auf dessen Lippen der erste Flaum keimte und Komteßchen wuchs immer mehr in die langen Kleider hin- ttn.

Um diese Zeit war es, daß ich Komteßchen ganz verlieren sollte. Die Kränklichkeit der Gräfin nahm so zu, daß ihr die Aerzte einen längeren Aufenthalt he Süden a» der Ri« Meta oder te Aegypten anrieten. Da um die»

Entlarvung des Friedensapostels.

In dem Londoner BlatteDaily Chronicle" ttgteift einer der hervorragendsten engli­schen Journalisten. H. W. Massingham, das Wort, um unter der UeberschriftDie Gefahr eines Krieges mit Deutschland" Herrn Stead die Leviten zu lesen. Er sagt u. a.:

Herr Stead war abwechselnd ein Jingo und ein Anti-Jingo, ein Friedensapostel und ein Feucrbrand. Er ermutigte und entschuldigte den Jameson-Einfall in Transvaal und verdammte den Burenkrieg, der durch diesen herbeigeführt worden war. Er eiferte die liberale Regierung in den achtziger Iah/en zu einer gewaltigen Flottenvcrmehrung an und als dann die ande­ren Nationen unserem Beispiele folgten, eröff­nete er einen Friedenskreuzzug. Nachdem er als selbstbestellter Botschafter eine Reise durch Europa unternommen, um die Freundschaft und "den Frieden unter den Nationen zu fördern, machte er dann plötzlich, heimgekehrt, eine Wend­ung und bezeichnete alle alsVerräter" seines Vaterlandes, die nicht sofort ihm beistimmen, das neue deutsche Flottenprogramm in Bezug auf Schiffbau und Ausrüstung zu übertreffen und ganz unerhörte Summen dafür aufzuwenden. Sein Programm ist: für jedenDreadnought", den Deutschlund baut, müssen wir zwei bauen. Er stellt seine Politik hin, ohne sie zu erklären, und ich halte dies für eine schlechte und törichte Politik, die den gesunden Menschenverstand, die Erfahrung, die Meinung der Sachverständigen gegen sich hat, von den Interessen des Weltfrie­dens nicht zu sprechen, als dessen Apostel sich Herr Stead immer ausspielt. Ich stelle zuerst die Frage: Warum soll Deutschland die einzige See­macht sein, gegen welche unsere Flottenrüstungen gerichtet sind? Deutschland steht unter den See- mäckten nicht einmal an zweiter Stelle. Diese Stellung nehmen die Vereinigten Staaten ein. Deutschland hat auch noch keine Klasse von Schiffen, die mit unseren großen Schlachtschiffen desKing Edward"-Typ verglichen werden kön­nen. Diese Klasse allein mit ihren acht Schiffen von je 16 500 Tonnen könnte es mit der ganzen deutschen Flotte aufnehmen. Warum richten Herr Stead und Herr Maxse ihren Zorn nicht dafür -gegen die Vereinigten Staaten, daß sie es wagen, so große Schlachtschiffe zu besitzen wie Großbritannien? Deutschland besitzt noch keine und wird sie auch noch für zwei Jahre lang nicht besitzen, und Herr Stead kommt mit seiner For­mel zu früh." (Sehr richtig!)

Die Deutschen werden diese Stimme über den Friedensapostel aufmerksam registrie­ren müssen. So schön und gut der Ge­danke eines allgemeinen Weltfriedens in der blassen Theorie erscheint, ein Blick in die tat­sächlichen Verhältnisse hat das Unangenehme, daß man zuweilen erkennen muß, wie sich auch hier der Wolf im Schafskleide versteckt, wo es sich um die namentlich von den Deutschen so sehr geliebtenidealen" Gedanken und Ziele handelt.

In Wirklichkeit hat ja auch niemand an den Ernst der englischen Friedensversicherung ge­glaubt. Wenn nach unserer gestrigen Mit­teilung Admiral Fisher von einem Artikel, in dem behauptet wird, die englische Regierung werde in schnellerem Tempo Schifte bauen als eine starke Antwort auf die deutschenFlotten- drohungen" (!!), vermutet, daß ihm sonst unzu­längliches amtliches Material zu Grunde gelegen habe, so ist das deutlich. Es zeigt nämlich, was trotz der liberalen Re­gierung, die sich so gern als Friedensbringer brüstet, in Wirklichkeit vorgeht. Wir Deutsche haben allen Grund dankbar zu sein, daß uns ab und zu ein Blick hinter die Kulissen die wirk­lichen Verhältnisse zeigt, damit wir uns nicht ganz im Reiche der Idee verlieren. Wir werden aber auch vorsichtiger gemacht Friedensverstcher- ungen und Abrüftungvorschlägen gegenüber, die mit mißtrauischen Augen zu betrachten diese Ereignisse uns lehren sollten.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Im Abgeordnetenhause stand am 10. Februar die zweite Beratung des Etats der Zentralge­nossenschaftskasse und der Seehandlung äuf der Tagesordnung. Abg. Meyenschein (kons.) führte aus, daß die Preußenkasse ihre Aufgabe, die Ge­nossenschaften zu fördern und zu unterstützen, trotz der schlechten Zeiten, in großartiger Weise erfüllt habe. Eine Erhöhung des Grundkapitals der Kasse sei erforderlich. Eine Verschmelzung mit der Seehandlung sei unzweckmäßig; gegen eine Personalunion in der Leitung beider In­stitute sei dagegen nichts einzuwenden. (Bei­fall.) Abg. Dr. Erüger (freis. Vp.) sprach sich gegen eine Erhöhung des Grundkapitals der Preußenkasse aus. Das Genossenschaftswesen müsse so eingerichtet fein, daß Verluste lokalisiert werden und nicht das ganze Vaterland in Mit­leidenschaft ziehen können. Freie Entwicklung sei Lebensbedingung für die Genossenschaften. Der Minister von Rheinbaben betonte, daß die Preußenkasse den Personal- und nicht etwa den Realkredit fördern wolle. In den inneren Be­trieb der Genossenschaften wolle die Preußen- kasse nicht hineinreden. Eine Erhöhung des Grundkapitals habe den Zweck, einen Ausgleich für Schwankungen des Geldmarktes zwischen guten und schlechten Zeiten zu schaffen. Abg.

Dr. Arendt (freikons.) erkannte an, daß die Preußenkasse den Eenossenschasten unschätzbare Dienste geleistet habe. Die Aufgabe, eine ge­sunde Kreditpolitik zu schaffen, habe, habe ste glänzend gelöst. Der Präsident der Preußen­kasse Dr. Heiligenstadt gab ein erfreuliches Bild von dem Gesamtresultat der Geschäfte der Kasse. Es sei wirtschaftlich falsch, Verluste zu lokalisie­ren. Man müßte sie aus möglichst breite Schul­tern abwälzen . Die Abg. Busch (Ztr.) und Dr. Slatzel (nl.) traten ebenfalls für die Preußen­kasse ein. Sie regten die Errichtung von Fort­bildungskursen für Eenoffenschaftsbeamte an. Abg. von Brockhausen (kons.) betonte den Wert der Genossenschaften für kleine Leute zur sicheren Anlage flüssiger Gelder. Dort drohten ihnen keine Verluste wie bei Privatbanken. In jüng­ster Zeit hätte der Zusammenbruch einer solchen wieder viele Leute ihrer Ersparnisse beraubt. Um das Genossenschaftswesen auch für das Hand­werk besser ausgestalten zu können, befürwortete der Redner ebenfalls eine Erhöhung des Grund­kapitals der Preußenkasse. (Lebhafter Beifall.) Auch der folgende Redner Abg. Dr. Hahn (Bund der Landw.) trat für diese Erhöhung ein und führte aus, daß weder die Preußenkasse noch der Bund durch die Milchzentrale Verluste erleiden würden. Ein Konkurs werde nicht eintreten. Nach Schluß der Debatte wurde der Etat der Preußenkasse genehmigt. Das Haus vertagte sich auf Mittwoch, den 12. Februar, vormittags 11 Uhr. Tagesordnung: Kultusetat. Schluß 4% Uhr.

deutsches Reich.

Der Kaiser ist gestern Nachmittag aus Hubertusstock hierher zurückgekehrt.

3« Vertretung des Kaisers wohnte gestern der Kronprinz dem Trauergottesdienst für den König Carlos von Portugal und seinen Sohn in der Hedwigskirche bei. In der Trauerver­sammlung befanden sich ferner Prinz August Wilhelm und Prinz Friedrich Leopold, die Her­ren des Hauptquartiers und die obersten Hof­chargen, die Botschafter und die Mitglieder des dtplomattschen Korps mit ihren Damen und die Minister.

Zu« Lode des Herzogs von Sachsen- Altenburg.Sem Armeeverordnungsblatt" zu­folge bestimmte der Kaiser, um das Andenken des dahingeschiedenen Herzogs von Sachsen- Altenburg zu ehren, daß die Offiziere des Stand- Ortes Altenburg sich der Landestrauer anschlie- tzen, daß die Offiziere des 2. schlesischen Jäger­bataillons sowie das 1. Garderegiment zu Fuß und das Husarenregiment Nr. 12 auf acht Tage Trauer anlegen und daß an den Beisetzungs­feierlichkeiten der Kommandeur des 4. Armee­korps mit einem Offizier seines Stabes sowie Abordnungen der genannten Truppenteile teil» nehmen.

selbe Zeit der alte Herzog, dem der Graf fünf­undzwanzig Jahr gedient starb, und dessen Sohn den Thron bestieg, so entschloß sich der Graf, den Hosdienst zu quittieren, und seine Gattin nach dem Süden zu begleiten.

Die Vorbereitungen zur Abreise wurden rasch getroffen und an einem trüben Oktobertage reiste die gräfliche Familie mit großem Gepäck, mit Mademoiselle und Fräulein Richter, der Pflegerin der Gräfin, mit Diener und Kutscher nach dem sonnigen Süden ab.

Der Wagen, der sie zur Bahn bringen fottte, stand schon vor der Tür, als der Diener in un­sere Wohnung kam.

Der Herr Gras und die Frau Gräfin möch­ten Sie vor ihrer Abreise noch einmal sehen," sagte er zu mir.Sie sollen sofort herunter­kommen."

Mit klopfendem Herzen folgte ich dem Die­ner. Ich hatte heimlich schon heiße Tränen ge­weint, daß ich nicht einmal Abschied von dem Komteßchen nehmen konnte. Run wurde mir dieses Glück doch zu teil.

Als ich in den Salon trat, dessen Möbel schon mit grauen Ueberzügen versehen waren, kam mir Komteßchen Amalgunde rasch entgegen. Sie, wie auch ihre Eltern, befanden stch schon in Reifekleidern.

Komteßchen streckte mir beide Händchen ent­gegen, die Tränen standen ihr in den schönen blauen Augen.

Ich konnte nicht fortgehen," sprach sie mtt zitternder Stimme,ohne Dir Lebewohl gesagt zu haben und Dir nochmals für alle Güte und Freundlichkeit zu danken. Ich war so wild und ungezogen."

Aber nein, Komteßchen" so wurde sie scherzhaft von mir genannt stammelte ich ver­wirrt und tief bewegt.Sie find sehr freund­lich .. ."

^^Zeshalb nennst Du «ich den» ans einmal

Statt meiner nahm die Frau Gräfin das Wort.

Weil Du den Kinderschuhen entwachsen bist, Amalgunde", sagte sie.Ich finde es sehr takt­voll von Ihnen, lieber Gundokar, und danke Ihnen."

Komteßchen schmollte.

Der Graf trat auf mich zu und legte mir die Hände auf die Schultern.

Sie sind stets ein braver und treuer Freund meiner Kinder gewesen, lieber junger Freund! Dafür danke ich Ihnen! Wenn ich Ihnen ein­mal behilflich sein kann, wenden Sie sich nur an mich. Wenn Sie nach Schloß Oldensloe adressieren, erreicht mich Ihr Brief sicher. Und nun leben Sie wohl, wir alle haben Sie gern gehabt und werden Sie nicht vergessen."

Ich war tief gerührt über die Güte des vor­nehmen Herrn und vermochte vor Schluchzen nicht zu antworten. Auch die Gräfin sprach einige freundliche Worte und reichte mir die Hand, aber Komteßchen schlang plötzlich die Arme um meinen Hals und küßte mich auf die Wange.

Weine nicht mehr", flüsterte sie mir zu, selbst weinend.Ich werde Dir oft schreiben.

Dann küßte sie mich noch einmal und lief ihren Eltern nach, die bereits die breite Treppe hinunterstiegen.

Ich stand wie betäubt und erst das Rollen des davonfahrenden Wagens erweckte mich aus meiner Verwirrung. Einige Tage ging ich wie im Traume umher, dann aber erwachte ich gleichsam zu einem neuen Leben, warf mich mit doppeltem Eifer auf mein Studium und blickte mit offenen Augen in die Welt.

Was ich sah, war nicht sehr erfreulicher Natur.

Ich bemerkte, daß meine Mutter wieder fast ganz in ihrem kleinen Hinterstübchen wohnte und die prächtigen Vorderzimmer nur selten be­trat. Ich bemerkte ferner, daß sie blaß und ver­härmt aussah, und daß ihre Auge» oft rot

Das Staatsministerium trat gester» M einer Sitzung zusammen.

Veränderungen in der Armee. Das Mi« litärwochenblatt" meldet: v. Stanzer, komman­dierender General des 10. Armeekorps, wurde mit der gesetzlichen Pension zur Disposition ge­stellt. Herzog Ernst von Sachsen-Altenburg wurde aus Anlaß seines Regierungsantritts zum Generalmajor befördert; derselbe wird als Chef des 8. thüringischen Infanterieregiments Rr. 153, a la suite des 1. Garderegiments zu Fuß und auch ferner a la suite des 1. Seebatail­lons in den Listen geführt, v. Löwenfeld, Gene­ralleutnant und Generaladjutant des Kaisers, wurde unter Belassung in dem Verhältnis als Eeneraladjutant mit der Führung des 10. Ar­meekorps beauftragt, v. Below, Generalmajor und Oberjägermeister, wurde mit der Führung der 1. Gardedivision beauftragt. Freiherr v. Willisen, Oberst und Kommandeur des L Garderegiments zu Fuß, wurde unter Belassung in diesem Dienstverhältnis zum Flügeladjutan­ten des Kaisers ernannt, v. Alten, Oberst und Kommandeur des 1. Earde-lllanenregiments, wurde mit der Wahrnehmung der Geschäfte eines Chefs des Militärreitinstituts beauftragt. Brecht, Oberst und Kommandeur der Ofiziere der Reitschule des Militär-Reitinstituts, wurde zu den Offizieren von der Armee versetzt, v. Pe» let-Narbonne, Oberst und Kommandeur des Ulanenregiments Rr. 5, wurde in gleicher Eigenschaft zum L Garde-Ulanenregiment ver­setzt.

Zur Reform der Ziollprozeßordnung, welche gegenwärtig der Kommission des Bundes­rats vorliegt, erfährt dieMagd. Ztg.", daß der Entwurf auf Grund der an ihm gelten Kritik doch einige Abänderungen erleiden wird. Ein, mal dürfte die vorgesehene Beschränkung der Berufung, welche in der jetzigen Fassung für Sa­chen bis zu 50 gilt, ganz wegfallen. Dabei sind allerdings mehr soziale als juristische Er­wägungen maßgebend gewesen. Ferner wird der Entwurf eine Bestimmung wieder aufnehmen, welche in seiner ersten Fassung enthalten war. Es sollen nämlich für alle Berufungen der Amts­gerichte in Handelssachen die Kammern für Han­delssachen bei den Landgerichten zuständig fein, wodurch eine stärkere Mitwirkung des kaufmän­nischen ßaienelements an der Rechtsprechung er­reicht wird. Die Reichsregierung hält an dem Vorsatz fest, den Entwurf noch in dieser Tagung im Reichstage zur Beratung zu bringen; der Ge­setzentwurf wird voraussichtlich im März dem Reichstage zugehen.

Regelung des Wohnungsgeldzuschusses. DieRordd. Allg. Ztg." schreibt: Durch die Presse geht die Nachricht, die preußische Staats­

waren von Weinen. Sie trug ein gedrücktes Wesen zur Schau und zog die schönen Kleider nicht an, welche ihr mein Stiefvater in der ersten Zeit ihrer Ehe gekauft hatte. Selten ging sie aus und empfing auch keine Bekannte. Am liebsten saß sie in unserem Hinterstübchen am Fenster mit einer Handarbeit beschäftigt, wäh­rend ich am Schreibtisch arbeitete oder las. Sie hustete dann oft leise vor sich hin, aber der trockene Ton dieses Hustens erschreckte mich. Wenn ich dann meinen Arm um ihre Schultern legte, und fragte, ob sie krank sei, fing sie an zu meinen, behauptete aber, ihr fehle nichts.

Meinen Stiefvater sah ich selten. Von An­fang an hatte ich eine Antipathie gegen ihn ge­fühlt, welche nach und nach zu einem förmlichen Haß heranwuchs. Seit seiner Verheiratung mit meiner Mutter hatte er mich schlecht, entweder grob oder spöttisch behandelt. Er hatte sogar versucht mich zu schlagen, und als ich mich dage­gen auflehnte, weil ich mich schuldlos wußte, geriet er in furchtbaren Zorn und beschimpfte mich auf das Gröblichste. Meine Mutter bat ihn, stch zu mäßigen, aber er beschimpfte auch Re, rmd meine Mutter sah zu spät ein. daß st« sich in dem Charakter ihres jetzigen Gatten voll­ständig geirrt hatte.

Seine Zärtlichkeit in der ersten Zeit ihrer Ehe war eine widerliche. Sie glich der brutalen Lüsternheit eines trunkenen Fauns. Bald war ihm feine Frau auch überdrüssig; er wandte stch wieder den Vergnügungen außer dem Hause zu, saß mit seinen Zechtkumpanen bis in die Nacht in den Gasthäusern die nicht die allerfeinste» waren und kam oft schwer betrunken nach Hausey in welchem Zustande et skandalierte und fein« atme Frau peinigte. Auch über die oft recht zweifelhaften Geschäfte, welche er machte wurd« meine Mutter jetzt unlerrichtet, und ste lebte t» einer fortwährende» Angst vor einer Kats» fiknph«.

Wortsetzung folgte