MchM Ickmg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain nut den Beilagen: „Literarischer Auxeiger-. „Laudmirtschaftliche Dettage- «nd „Illustriertes KanutagsbUE.
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Marburg
Dienstag. 11. Februar 1908
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43. Jahrg.
Deutschland unö die marokkanische Frage.
Sowohl die Regierung Abdul Asis als auch der neu zum Sultan ausgerufene Muley Hasib haben sich an Deutschland gewandt mit der Bitte um Hilfe gegen das Eindringen der Franzosen. Der Berliner Korrespondent der „Hamburger Nachrichten" erfährt über den Inhalt der Bitten und die deutsche Antwort, über die ja Jauräs für heute eine Interpellation in der französischen Kammer vorbereitet hat, folgendes: „Unter dem 16. Januar meldete der kaiserlich« Vizekonsul in Rabat dem Gesandten Dr. Rosen in Langer, daß der Minister des Aeutzeren Abd el Kerim ben Sliman bestellen lasse, seine scherifische Majestät der Sultan erhoffe einen Einspruch des Deutschen Reichs gegen das, die Algeciras-Akte verletzende Vordringen der Franzosen in Marokko. Der Gesandte Dr. Rosen gab diese Meldung an das Auswärtige Amt in Berlin weiter. Wenige Tage später ließ Mulay Hafid durch Vermittelung des kaiserlichen Vizekonsul in Gafft den Gesandten Dr. Rosen fragen, ob es richtig, datz das französische Vordringen in das Innere Marokkos durch e Mandat der Mächte besonders Deutschlands, . ..heißen sei. Er bitte dafür einzutreten, datz Frankreich sich nicht in den Thronstreit mische, da dies eine innere Angelegenheit Marokkos sei. Auch diese Mitteilung Mulay Hafids wurde dem Auswärtigen Amte gemeldet. Der Gesandte Dr. Rosen erhielt daraus Weisung, an Abdul Asis wie Mulay Hafid folgende Antwort gelangen zu lasten: Die französische Regierung habe der kaiserlichen Regierung noch neuerdings wiederholt und bestimmt versichert, datz sie sich bei ihrem Vorgehen in Marokko im Rahmen der Algecirasakte halten werde. Der marokkanischen Regierung stehe es, wenn sie Grund zur Annahme der Bedrückung zu haben glaube, frei, sich an alle Unterzeichner der Akte zu wenden. Rach Inkrafttreten der Akte könne Deutschland in dieser Sache nicht wohl mehr allein etwas tun; die kaiserliche Regierung würde aber die geäußerten Wünsche zur Kennt- Mis der französischen Regierung bringen.
Unser Botschafter in Paris hat dann am 22. Januar dem Minister Pichon von dem Anliegen des Sultans und des Eegensultans und der deutschen Antwort sofort vertraulich Mitteilung gewacht." —
Man kann sagen, daß die deutsche Regierung hier völlig korrekt und richtig verfahren ist. Den Franzosen freilich dürfte der fortgesetzte Hinweis auf die Algecirasakte, die sie bereits stark durchlöchert haben (Easablanca, lldscha!) nicht sonderlich behagen. Dort befindet man sich eben in einer sehr mißlichen Zwangslage. Man scheut vor dem Schritte, die Algecirasakte ganz
g iRachVeuck verboten.)
Die weiße Frau von Oldensloe.
f;, Original-Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Genug, was mir an jenem Abend, wo ich zuul ersten Male die eingetretene Veränderung bemerkte, unklar durch den Kopf schoß, gestaltete sich immer klarer und fester in der Wirklichkeit. Onkel Karl machte meiner hübschen Mutter in allem Ernst den Hof und bot ihr nach einigen Wochen sein Herz und seine Hand an.
Meine Mutter war nicht ohne Eitelkeit. Als Frau Doktor Lippold spielte sie doch eine ganz andere Rolle wie die verwitwete Revierförsterin. Auch konnte sie ihr und mein Leben weit schöner und bequemer gestalten. Die prächtig eingerichteten Vorderzimmer wurden auch ihr zugänglich, sie saß mit den anderen Damen der Gesellschaft im Hoftheater auf dem ersten Rang; sie verkehrte mit den Damen von Justizbeamten, kurz, sie stieg auf der sozialen Leiter einige Stu- jen höher.
So glaubte sie wenigstens. Denn datz der Ruf meines Onkels nicht der beste war, wodurch Hm die höhern Gesellschaftskreise verschlossen blieben, wutzte sie nicht. Sie sah nur den äußeren Schein, mit dem sich mein Onkel zu umgeben wußte, und glaubte es ihrer und meiner Zukunft schuldig fein, den Antrag Onkel Karls anzu- nehmen.
Zwei Jahre nach dem Tode meines Vaters wurde sie die Gattin Onkel Karls.
Run bewohnte sie die prächtigen Vorderzimmer. Wenn sie aber geglaubt hatte, daß auch Sdiese Vergünstigung zu teil werden sollte,
) sie sich hierin getäuscht. Rur wenn Onkel bet «ater zu nennen ich mich nur schwer ließe« konnte, nicht zu Hause war, durfte
beiseite zu schieben zurück, andererseits hat man sich zu weit engagiert um noch zurück zu können. Die bülowoffiziöse Südd. Reichskorrespondenz beschäftigt sich zu gegebener Zeit einmal roiebet mit französischen Annexionsgelüsten, um auch hier auf die unbequeme Algecirasakte und die offiziell verkündigte friedliche Politik hinzuweisen. Sie schreibt:
Im „Temps" wurden vorgestern Aeutzerungen eines französischen Profestors aus Algier über die Lage in mehereren marokkanischen Hafenstädten veröffentlicht. Dieser Gelehrte hat sich die Bemerkung entschlüpfen lasten: „Casablanca ist jetzt eine französisch- spanische Stadt" und an einer anderen Stelle: „Man könnte sagen daß wir in Casablanca völlig zu Hause sind." Das heißt doch aus der Schule plaudern, und man erinnert sich bei solchen vielsagenden Aussprüchen der erst kürzlich abgegebenen und von der Pariser Kammer gebilligten Erklärung Pichons, das Vorgehn Frankreichs in und um Casablanca sei nut vorübergehend.
Da derartige Ansichten, für die Marokkos Hafenplätze sich in französische Städte verwandeln, auch den Marokkanern bekannt werden, ist es nicht zu verwundern, daß die Besorgnis vor Plänen der französischen Politik, die über die Akte von Algeciras hinaus- gehen würden, in Fez, in Marrakesch und anderwärts, nicht zur Ruhe kommen will. Wir halten diesen Verdacht angesichts der wiederholten bindenden Zusicherungen der französischen Regierung nicht für gerechtfertigt.
Uebrigens werden die Marokkaner durch gelegentliche Ausstreuungen französischer Privatleute auch über die Haltung Deutschlands irregeführt. Bis in die Kreise des Maghzen hinein ist der Glaube erregt worden, Deutschland habe seinen marokk rnischen Interessen zugunsten Frankreichs überhaupt entsagt und für den Schutz seiner Angehörigen in den Küstenplätzen den Franzosen einen Auftrag erteilt. Zur Vermeidung möglicher Mitzverständ- niste ist es gut, solche Irrtümer sich nicht fe st setzen zu lassen.
Das ist erfreulich deutlich und fest!
Abdul Asis selbst ist garnicht mit seinem Beschützer Franreich zufrieden. Einem Franzosen gegenüber hat er, wie die „Opinion" mitteilt, geäutzert, datz er sich, als er vor drei Jahren von Frankreich arg bedrängt wurde, um Hilfe an Deutschland gewendet habe, denn er war des festen Glaubens, vom Deutschen Reiche die erbetene Unterstützung zu erhalten. Diese Zuversicht habe er aber verloren, als die Franzosen in sein Land eindrangen. Er habe sich daher den Franzosen ergeben, die ihm ihre Hilfe verspra
auch ich die Zimmer betreten. Im Uebrigen bannte mich der Machtspruch meines jetzigen Stiefvaters nach wie vor in die kleine Hinterstube. Ich machte mir nicht viel daraus, fand ich doch Luft und Licht, Sonne und Wärme genug in dem gräflichen Garten, in dem wir drei Kinder jetzt fast täglich zusammen spielten.
* *
Die Zeit verging. Ich wuchs zu einem schlanken kräftigen Jüngling heran, und die Leute sagten, daß ich ein hübscher Bursche sei. Es mochte dies auch wohl der Fall fein, denn selbst der Graf Oldenslohe und feine Gemahlin hatten mich lieb gewonnen, fodatz ich sehr viel in der gräflichen Familie verkehrte. Ein seltsames Spiel der Natur schien es dabei, datz ich dem jungen Grafen Lothar so ähnlich sah, datz wir, wenn man uns beisammen sah, unfehlbar für Brüder gehalten wurden. Lothar war nur etwas schlanker und schmächtiger als ich, und statt meiner dunklen Augen hatte er seiner Mutter blaue Augen geerbt.
Lothar und ich blieben nach wie vor die besten Freunde. Freilich eilte ich ihm in den Klasten sehr voraus. Ich satz schon in der Obersekunda, während Lothar noch keine Aussicht hatte, aus der Obertertia versetzt ju werden. An guten Anlagen fehlte es ihm nicht, aber er nahm das Studium allzu chevaleresk auf und die vielen Zerstreuungen, welche ihm das reiche elterliche Haus, sowie die hohe gesellschaftliche Stellung seiner Eltern boten, trugen auch dazu bei. daß er die Schule mehr und mehr vernachlässigte.
Sein Later war ost recht ärgerlich darüber. Er wollte aus seinem Sohn keineswegs einen Gelehrten machen, aber er sollte die diplomatische Laufbahn einschlagen, und dazu war es doch nötig, daß er das Gymnasium absolvierte.
Lothar aber wurde i« seinem Leichtsinn durch
chen. Auf die Bemerkung, daß Frankreich ent- schlosten sei, zwischen ihm und Mulay Hafid neutral zu bleiben, geriet Abdul Asis in großen Zorn und rief: „Wie? Deine Regierung will mich im Stich lasten, nachdem sie mich zur Abreise von Fez veranlaßt, mich vor meinem Volke bloßgestellt und mich in die gegenwärtige gefährliche Lage gebracht hat? Will man, daß ich wieder populär werde? — Dafür gibt es ein gutes Mittel. Ich brauche nur Rabat zu verlassen und nach Fez zu gehen, um dort den heiligen Krieg zu verkünden. Ich habe Vertrauen zur französischen Regierung. Sie muß mit die Möglichkeit geben, wiedet nach Fez zutückzukehten.
Angesichts biefet Verhältnisse darf man der Zukunft mit Spannung entgegensetzen. Die wirklichen Verhältnisse in Marokko, die durch das rücksichtslose Vorgehen der Franzosen selbst hervorgerufen sind, beginnen immer schwieriger zu werden. Die Erklärungen Pichons in der heutigen Kammersitzung werden korrekt und vorsichtig fein. Wie lange wird dies Spiel währen? Es wird von der Regierung durchaus mit einer größeren Expedition gerechnet, so meldet der „Matin" aus Toulon, daß die Kolonialbrigade von Toulon, La Seyne und Hyöres marschfertig ist, und et behauptet, daß die Btigade tatsächlich dazu Befehl ethalten hat. Was geht also vot? — Det 8t.-Mitatbeitet der „Leipz. N. Nacht." weiß noch zu melden: In feinet Mitteilung an den deutschen Vizekonsul in Gafft etkliitie Mulay Hafid, et habe die Nachricht, auch Deutschland habe den Franzosen das Mandat zum Eindringen in das Innere Ma- tokos erteilt, ausdrücklich von französischer Seite erhalten. Es wäre nun interessant, aus Pichons am Montag zu erwartenden Darlegungen zu erfahren, ob die deutsche Regierung ihm auch von diesem unschönen ftanzösischen Kunststückchen Mitteilung gemacht, oder dies ans Courioifie unterlasten hat. Ferner wiederholte Mulay Hafid gegenüber unserem Konsul die Versicherung, die schon seine Sondergefandtschaft im Oktober in einem Gespräch mit mir hier in Berlin vollkommen bindend abgegeben hat, daß er nicht daran denke, die den Fremden in Marokko zu- stehenden Rechte zu schmälern. Es ist also nichts mit der Ausstreuung der Pariser Presse, daß Mulay Hafid den heiligen Krieg gegen alle Christen erklärt habe. Er wendet sich lediglich gegen den in Marosto eingedrungenen Landes- feind, die Franzosen.
* * * *
Die Trauerfeierlichkeiten in Lissabon.
Lissabon, 8. Febr. Die außerordent- lichen Gesandtschaften der Souveräne und Staatsoberhäupter wurden einzeln von König
die Zärtlichkeit der Mutter bestärtt, welche ihn abgöttisch liebte und für jeden seiner dummen Streiche eine Entschuldigung zur Hand hatte.
Die Gräfin kränkelte feit der Geburt ihres Töchterchens. Man sagte, ein leichter Schlaganfall habe sie getrosten. Tatsache war jedenfalls, daß sie ihre volle Gesundheit nicht wieder erlangte, sie blieb ein schwächlich nervös reizbare Frau, die der größten Ruhe bedurfte, um nickt krankhaften Zuständen anheimzufallen. D ' ~ommer verbrachte sie meist in zwei oder brE. tadeorten zu, im Herbst ging sie nach dem Sübcu, von wo sie erst um Weihnachten zurückzukehren pflegte. Lothar und Amalgunde begleiteten sie öfters auf diesen Reisen, wodurch Lothars Studien nicht gerade gefördert wurden, wenn er auch an Welt- und Menschenkenntnis dadurch gewann.
Als Lothar wieder einmal nicht versetzt wurde, kam es zwischen feinem Vater und ihm zu einer hefttgen Szene. Lothar flüchtete schließlich zu seiner Mutter, die ihn wie immer in Schutz nahm.
„Ich verstehe nicht," sagte sie unmutig und gereizt, „weshalb Du aus Lothar durchaus einen Eelehtten machen willst. Weshalb soll er sich noch auf den Schulbänken Herumdrücken, wo er doch nur mtt allerhand Leuten zusammen- trtfft, welche zu seinem Stande nicht passen."
„Aber der Junge muß doch etwas lernen," entgegnete der Graf ärgerlich. „In der heutigen Zeit nützen Reichtum und hohe Stellung nichts ohne eine gründliche Bildung."
„Hast Du eine solche Bildung genossen?" fragte die Gräfin mit leisem Spott. „Bei dem Kadettenkorps holte man sich eine solche zu Deiner Zeit nicht, wie ich denke."
,Da hast Du ganz recht,' aber die Zetten sind andere geworden und Lothar kann nicht wild ayftvachsen!"
Manuel II. vor Beginn der Trauerfeierliche teilen empfangen. Die beiden Königinnen waren bei dem Empfang nicht anwesend. Der König gab den an ihn gerichteten Bitten nach und wohnte dem Leichenbeaänß- nis nicht bei. Der Zug begann sich nm lOy» Uhr zu ordnen. Die Einsegnungsgebete wurden von der Geistlichkeit in der Schloßkapelle um 11 Uhr gesprochen. König Manuel, der die Uniform eines Seekadetten trug, und die Ri» niginncn Maria Pia und Amalie, die ihm folgten, gingen hinter den Särgen bis auf die Terrasse der Kapelle und trugen große Wachskerzen in der Hand. Die beiden Königinnen hatten das Trauerkostüm der englischen Witwen mit großen Aermelaufschlägen und langenKrepp* schleiem angelegt. Als sich der Trauerzug in Bewegung setzte, kehrte die königliche Familie in das Palais zurück. Auf den Straßen, durch welche sich der Leichenzug bewegte, herrscht« feierliche Sttlle. Vor dem Leichenwagen fuhren in Ealawagen die hohen Würdenträger, di« Vertteter fremder Staaten und die Fürsten, darunter Prinz Eitel Friedrich von Preußen, Prinz Ferdinand von Bayern, der Herzog von Con- naught und der Graf von Patts. Die Särge sind mit Draperien von schwarzem Sammt rntt Eoldfransen versehen. Als der Leichenzug das Palais Neccessidades verließ, war es liy2 Uhr. Der Zug geht Über eine etwa 6 Kilometer lange Strecke Bis zur Kirche San Vincente, wo die höheren Behörden und die Persönlichkeiten, die nicht zum Folgen im Trauerzug eingeladen sind, diesen erwarteten. Die Gebäude der Ministerien sind geschlossen und alle Fensterläden sind zugemacht. An der Stelle, wo das Attentat verübt wurde, war eine Kavallerieabteilung ausgestellt; trotz des großen Menschenandranges vermieden es aber die Leute, sich dort aufzu- stellen.
Der Leichenzug langte gegen zwei Uhr vor der Kirche San Vincente an. Die Särge wurden unter Eeschützsalven in die Kirche getragen, woselbst nach dem von dem Patriarchen von Lissabon abgehaltenen Trauergottesdienst die Beisetzung in der königlichen Gruft erfolgte. Nach der Beendigung der Trauerzeremonie übergab der Oberstkämmerer die Särge dem Patriarchen mit dem feierlichen Eide, daß die Leichen wirklich in den Särgen seien, worauf er die Schlüssel dem Parttiarchen einhändigte. Hohe Würdenträger unterzeichneten als Zeugen zwei Dokumente, betreffend die Uebergabe der Schlüssel und der Särge. Die Gätge werden eine Zeit lang ausgestellt bleiben und das Publikum wird vorbeiziehen können; dann werden sie in die Kapelle gebracht werden, wo die portugiesischen Herrscher beigesetzt sind. — Ein Wagen, auf den eine Anzahl Personen gestiegen waren, um ben Leichenzug zu sehen, brach in dem Augenblicke, als derselbe vorbeikam, zusammen. Mehrere der Beteiligten erlitten leichte Verletzungen. — Prinz Eitel Friedrich von Preußen ist heut« Vormittag um 9% Uhr mit dem Südexpretzzuge von hier abgereist.
„So gieb ibm doch einen Präzeptor, der ihn privatim unterrichtet und schicke ihn später einige Semester auf die Universität nach Heidelberg oder besser noch nach Bonn."
„Da lernt mir der Junge auch nichts."
„3d) möchte auch gar nicht auf die Universi- tüt," sagte Lothar ttotzig.
„Was möchtest Du denn?"
„Ich will Offizier werden."
„Ja, bas ist immer das letzte Aushilfsmittel," seufzte der Graf. „Aber es wird wohl nichts anderes übrig bleiben. Doch ehe Du btt einem Regiment eintreten kannst, mußt Du die Fähnrichsprüfung bestehen."
„Ich kann ja auf eine „Presse" gehen."
„Ich werde es mir überlegen,“ entgegnete der Graf.
Aber es blieb wirklich nichts anderes übrig, als Lothar auf eine „Presse", einer jener Anstalten, welche die jungen Leute zum Militcir- examinis vorbereiten, zu geben. Durch die hohen Verbindungen des Grafen gelang es bann Ittcht, Lothar bei einem vornehmen Gardekaval- lette-Regiment unterzubttngen. Jetzt galt es vor allen Dingen, ihm auf einer Presse das nötige Wissen für bas Fähnrichsexamen einzu- tridjtern. In Berlin bestanden mehrere solch« Anstalten, die beste und vornehmste wurde ausgesucht und Lothar reifte nach Berlin ab, um sich für seinen militärischen Beruf die nötige Bildung anzueignen. ,
Er reifte mit leichtem, fröhlichem Herzen ab ich blieb mit schwerem traurigen Herzen zurück, denn ich hatte nicht nur einen lieben, stets fröhlichen Kameraden verloren, sondern feine Abwesenheit schränkte auch meinen Verkehr hl ber gräflichen Familie sehr ein, bis er schließlich ganz aufhörte,
(Fortsetzung folgt).