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-AAO Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, vnwersitätsbuchdruckerei

Sonntag, 9. Februar 1908. Inhaber Dr. L. Httzeruth, Marburg, Markt21. Telephon».

Zweites Blatt.

Rückblick.

r ' Im Vordergrund der innerpolitischen Er- Gtterung steht noch immer die Besoldungs- und Steuerfrage, die noch kompliziert worden ist durch den voraussichtlichen Rücktritt des Reichs­schatzsekretärs. Er geht er geht nicht so klang es die ganze letzte Woche über durch- den deutschen Blätterwald. Man scheint sich aber doch dahin geeinigt zu haben, daß er geht, wenn auch der Zeitpunkt noch keineswegs feststeht. Dieser hängt ja wohl auch davon ab, ob und wann man für ihn einen geeigneten Nachfolger finden wird. In vorderster Reihe der Bewerber steht noch immer der Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. Dr. Adickes. Es gibt Politiker, welche behaupten, daß seine Ausführungen zu­gunsten der Polenvorlage der Regierung mit seiner Kandidatur in gewissem Zusammenhangs stünden. Doch ist man in letzter Zeit jedesmal, wenn ein hohes Reichsamt zu vergeben war, auf ihn verfallen. Seine Ausführungen im Herren­hausen haben ihm im übrigen, wie wir bereits meldeten, Schwierigkeiten im Frankfurter Stadt­parlamente eingebracht, was auch zu erwarten war. Neben ihm werden noch eine ganze Reihe von Bewerbern genannt, so der hessische Finanz­minister Enauth; doch sind das alles Vermutun­gen, die bei unfern Verhältnissen fast kaum einen Schluss auf ihre Erfüllung zulassen und ge­wöhnlich auch prompt dementiert werden. Es Ist viel bemerkt worden, dass Frhr. v. Stengel in der Donnerstagsitzung der Budgetkommission nicht mehr anwesend war, wahrscheinlich wollte er sich Anfragen über Dinge, bei deren Entschei­dung er nicht mehr mitwirken konnte, entziehen. 5m Reichsschatzamt arbeitet er jedoch in der alten Weise fort. Immerhin hat sein Austritt seine Schatten schon vorausgeworfen, und die Finanzreform wird einige Verzögerung erfahren müssen. Das Bedauerlichste wäre gewesen, wenn dadurch auch die damit im engsten Zusam­menhang stehende Frage der Beamtenbesoldung verschoben worden wäre, wie man wohl zunächst auch vorhatte. Doch meldet jetzt eine zu­verlässige parlamentarische Korrespondenz: Zwischen Vertretern der verbündeten Regier­ungen und den Vertretern der Fraktionen des Reichstags mit Ausnahme der Sozialdemokraten hat gestern abend im Reichstage eine Konferenz stattgefunden, die sich mit der gegenwärtigen politilchen Lage beschäftigte und in der es zu wichtigen Beschlüssen gekommen sein soll. Diese Beschlüsse sollen dahin gehen, die Finanzresorm endgültig auf den Herbst zu vertagen, die Be­amtengesetze den Parlamenten in etwa drei Wochen vorzulegen und die in diesen Gesetzen geforderten Ausgaben, was das Reich anbetrifft, durch Anleihen zu decken, bis die Finanzreform --' auch für diese Ausgaben Deckungsmittel geschaf- fen hat. Di«? Parteien sollen die Vorlegung der Beamtengesetze als Bedingung für die Zurück­stellung der Finanzreform gefordert haben. Die preussischen Beamtengesetze würden gleichzeitig mit dem Reichsgesetz dem Landtage zugehen. Diese Verabredung dürfte allgemeine Billigung finden, da ein Zurückstellen der Beamtengesetze einfach unmöglich war."

Alle innerpolitischen Erörterungen, auch der wieder einmal aufgetauchte Wunsch, aus un­serem Heere eine Art Miliz zu machen, der jetzt im Reichstag zur Verhandlung stand, treten zu­rück hinter der Bedeutung der Vorgänge im Auslande.

Zwar ist Herr Delcasss wieder schleunigst in der Versenkung verschwunden und wie man wohl sagen kann, etwas stark zugedeckt. Die Verhandlungen der französischen Kammer haben auch gezeigt, dass Frankreich, wie es sagt, ge­willt ist, sich auf den Boden der Algecirasakte zu stellen, und Herr Pichon hat ausdrücklich er­klärt, dass sich Frankreich einerseits zwischen beiden Sultanen Abdul Asis und Muley Hafid durchaus neutral verhalten werde, und dass es andrerseits nur in Casablanca und den übrigen bedrohten Orten die Ruhe wiederherstellen und von kriegeriscyen Operationen im Inneren ab- sehen wolle. Selbst wenn man den guten Wil­len Frankreichs annimmt, darf man vielleicht vermuten, dass die Verhältnisse sich stärker er­weisen werden. Der Zweck der französischen Po­litik geht allerdings offenkundig weiter als Pt- chons korrekte Erklärungen erkennen lassen, und swei wat Momente lassen für die Zukunft man­

ches befürchten. Einmal ist zwar die Meldung von einer Mobilisierung eines Armeekorps in dieser Form dementtert worden. Man hat sie aber inhaltlich wieder zugegeben, indem man den Umweg der Verstärkung der Truppen in Afrika benutzte. General d'Amade, der an Stelle Drudes den Oberbefehl führt, scheint andrerseits nicht so korrekt neutral zu verfahren, wenn ge­meldet wird, das Truppen des Sultans Abdul Asis als Verbündete der Franzosen kämpfen, was, wie man behauptet, auf die Marokkaner den besten Eindruck mache. Daraus muss man doch schliessen, dass Frankreich mit Abdul Asis auch militärisch in Verbindung steht, und alles in allem beweist, dass die französische Politik in Marokko sich nicht mit der Einrichtung von Po­lizeikorps begnügen will. Inwieweit das schliesslich mit der Algecirasakte in Einklang zu bringen ist, ist eine weitere Frage, die von den Franzosen nicht so leicht gelöst werden dürfte. In einem italienischen Blatte tauchte bereits die Meldung auf, dass eine neue Marokko-Kon­ferenz in Aussicht stehe; sie wurde dementiert, man hoffe alle Streitfragen auf diplomatischem Wege zu lösen.

DasPetit Journal" behauptet in einem Artikel: 10 000 Mann seien für General d'Amade ungenügend, um in dem nun ausge­brochenen heiligen Kriege den Marokkanern standzuhalten. Der Artikel schliesst:Die Zeit scheint gekommen zu sein, wo wir den Stier bei den Hörnern fassen müssen." Jaurös greift denn auch schon die Regierung wegen ihrer Kriegs­gelüste scharf an und fordert strenge Neutralität im Kampf der beiden Sultane und nichts als Durchführung der Hafenpolizei.

Dass sowohl Abdul Asis als auch Muley Ha- sid die Hilfe und Entscheidung der Deutschen an­gerufen hat, ist den Franzosen sehr unangenehm. Von Abdul Asis versucht man es zu leugnen, denn es ist zu unbequem. Dass dieKöln. Ztg." erklärt, Deutschlands Antwort liege durchaus in den Grenzen der Algecirasakte, wird in Frank­reich einigermassen beruhigend wirken.

Die ganze Welt aber ist in Schrecken und Staunen versetzt worden durch das Verbrechen, das am vorigen Samstag in Lissabon den König von Portugal und seinen ältesten Sohn dahin­raffte. Noch immer ist man nicht klar darüber, ob die Untat ein Werk einer politischen Partei ist, da die Meldungen sich sehr widersprechen. Man neigt jedenfalls dazu, die republikanische Partei direkt dafür verantwortlich zu machen, was folgende Meldung beweist:Nach Lissa­boner Meldungen bestand die Verschwörung, als deren Opfer König Carlos und dessen ältester Sohn bluten mutzten, schon seit geraumer Zeit und umfahte alle Delegierten der republikani­schen Pattei, doch waren auch die anderen zu­verlässigen Elemente derselben in das Geheim­nis eingeweiht. Die Proklamation der Repu­blik sollte, wie zuerst geplant war, ohne Blut­vergiessen vor sich gehen. Der Redakteuer eines republikanischen Blattes stand an der Spitze des Komplottes. Die Verschworenen wollten sich zu­vörderst der Person des Dittators Franco be­mächtigen und unternahmen auch zur Nachtzeit zweimal Angriffe mit bewaffneter Hand auf dessen Palais, aber Franco war schlauer als sie und verbrachte, wie bereits wiederholt gemeldet, keine Nacht mehr in seinem Hause. Erst als alle Versuche, sich Francos zu bemächtigen, fehlge­schlagen waren, beschlossen die Verschworenen, einen Mordanschlag auf die königliche Familie selbst zu verüben, aber die Königin sollte ge­schont werden, da ihre Ermordung der Sache der Republikaner sehr geschadet hätte." Wie dem auch sei, sicher ist, dah der Grund des Ver­brechens in gewisser Weise mit den polittschen Verhältnissen zusammenhängt, wie sie in Por­tugal zur Zeit bestanden. Die Absicht der Er­mordung der Königin und des Prinzen Manuel hatten die Mörder sicher. Mit Schaudern steht man, was Verrohung zustande zu bringen ver­mag und mit recht kritischen Empfindungen wird man den llnschuldsbeteuerungen der Repu­blikaner gegenüberstehn. Es ist vielleicht hier nur, wie überall, die Sache, dass Leute, die Wind gesät haben, wenn st« Sturm ernten, die Verant­wortung von sich weisen. Der Diktator Franco ist inzwischen aboesetzt, der König Manuel hat eine Kompromiss, egierung gebildet, aber es ist durchaus noch nicht unzweifelhaft, ob sie Bestand haben wird, da die weitverzweigten republikani- schen Kreis« an der Arbett sind. Auf die für den März angesetzten Wahlen darf man jedenfall, gespannt fein. Bon allen auswärtigen Mächten t|t insonderheit England bei den politischen Um­

wälzungen Portugals beteiligt. Es war ja einer der schlimmsten Vorwürfe, die man von feiten der republikanischen Partei dem König Carlos machte, dass er durchaus wie ein Vasall Englands austrat. Diese Partei hätte lieber eine Anlehnung an Frankreich gesehen. Sei es, dass Dom Carlos die Freundschaft zu König Eduard daran hindette, jedenfalls war er kein Deut­schenfreund. Den Besuch unseres Kaisers im Jahre 1904 hat et nicht erwidert. Den Gegen­besuch, den er für den November 1905 In Aussicht gestellt hatte, sagte er wege nwichtiger Regirr­ungsgeschäfte ab, um dann zu derselben Zeit mit König Eduard in England Moorhühner zu ja- gen. Umso höher müssen wir unserm Kaiser die menschliche Teilnahme anrechnen, die er der königlichen Familie und den Gesandten sosott zum Ausdruck brachte.

Die Urteile über die Untat und ihre Folgen sind je nach der Parteistellung verschieden. Die Soziawemokraten aller Länder haben in den Parlamenten nicht gezögert ihre Sympathien mit den Frevlern zum Ausdruck zu bringen, in­dem sie sich entweder wie die deutschen durch schleunige Flucht aus dem Sitzungssaale davor retteten, der Familie der Ermordeten ihr Bei­leid zu bezeugen, oder in andern Ländern öffent­lich laut protestierten.

Die Auffassung desVorwärts" gibt fol­gende Auslassung wieder:

Geschieht irgendwo ein Königsmord, so fühlt sich die Bourgeoisie der ganzen Welt blutig ge­troffen. Wackelt irgendwo ein Thron, so wackelt sie mit selbst da, wo sie mit dem Königsthron längst aufgeräumt hat. Weniger weil es ein Königsmord ist hat man doch seinerzeit den Königsmord in Serbien ziemlich teilnahmslos ausgenommen, wohl aber, weil es ein revo­lutionäres Ereignis ist und weil man seine Rückwirkung auf das revolutionäre Rutzland und die Rückwirkung dieses letzteren auf das be­kanntlich nichtrevolutionäre Westeuropa fürchtet, deshalb die Sympathien der kapitalistischen Bourgeoisie für die rosigen Wangen des Königs Carlos und für die blutige Peitsche des Dikta­tors Franco."

Aus den übrigen Pretzftimmen seien noch 2 hervorgehoben, die sich mit der Bedeutung Francos, der ja jetzt ins Ausland geflohen ist, befassen: DieVosfische Zeitg." macht den Dik­tator Franco für die Tat verantwortlich: Joao Franco hat sein hohes Spiel verloren. Der Kö­nig und der Kronprinz liegen als Opfer auf der Bahre. Von der parlamentarischen und admini­strativen Verderbnis wollte der Ministerpräsi­dent das Land durch das Fegefeuer des weißen Schreckens hindurch zum Paradiese eines geord­neten Verfassungsstaates führen. Die scharfe Zuspitzung der Vorfrage:Korruption oder Tyrannei?" schuf aber die Spannung, die in der Katastrophe vor der Praca do Commercio ihre furchtbare Entladung fand. Herr Joao Franco hat sich als Staatsmann überschätzt; die Gefahren, denen die königliche Familie durch feine Gewaltpolitik ausgesetzt war, hat er unter­schätzt. Die Schuld liegt in beiden Fällen auf seinen Schultern.

DieKölnische Zeitung" wieder entschuldigt die Diktatur in Portugal mit den Worten: Kö­nig Carlos stand in den letzten Monaten seinem Minister Joao Franco ehrlich zur Seite, um an Stelle der alten unfruchtbaren Pendelwirtschast der Parteien eine leistungsfähige und ehrliche Verwaltung dauernd einzurichten. Jeden Ver­such, die Verantwottung von der Krone abzu­wälzen und sie dem tatkräftigen Minister allein aufzubürden, wies er deutlich ab. Die historische Krittk wird vielleicht manche Handlung des er­mordeten Königs als nicht einwandfrei zu be­zeichnen haben; allein auch fie wird nicht sein Bestreben verkennen können, die Nation einer besseren Zukunft entgegenzuführen. Um so tta- gischer ist das Geschick, das ihn gerade wegen die­ser volksfreundlichen Bestrebungen seiner Poli­tik betroffen hat, um so verabscheuenswürdiger das Verhalten seiner politischen Gegner, die für den Meuchelmord, dem er zum Opfer gefallen ist, verantwortlich find.

Deutscher Reichstag.

Im Reichstage widmete am Freitag Präsident Graf Stolberg dem verstorbenen Grotzherzog von Sachsen-Altenburg einen ehrenden Nachruf, den da» Hau« stehend anhörte. Darauf wurde zunächst die zweite Beratung der Zusatzakte zur Brüsseler Zucker­konvention in Berbindung mit der zweiten Lesung des Antrages der «bg. Graf Schwerin skouf.) und Gen. auf weitere Herabsetzung der Zuckersteuer von 14 auf

10 Mark erledigt. Die Kommission hatte den Antrag des Grafen Schwettn gutgeheißen, ihn in die Vorlage organisch eingefügt und zugleich bestimmt, daß bte Ratifizierung der Zusatzakte nicht vor dem Inkraft­treten der Ermäßigung der Zuckerfteuer erfolgen dürfe. Inzwischen hatten sich aber angesichts de» Widerspruche» der verbündeten Regierungen die Block- »atteien auf einen Kompromißantrag geeinigt, der >ie Herabsetzung der Zuckersteuer vom 1. April 1009 ab lediglich in Aussicht nimmt, sofern bis dahin Deckung für den Einnahmeausfall beschafft wird. Staatssekretär v. Bethmana-Hvllweg erklärte namen» der verbündeten Regierungen, diese können den Kom» missionsbeschlüffen ihre Zustimmung nicht erteilen, seien aber mit dem Kompromißantrage einverstanden. In der kurzen Erörterung erklärten sich die Abg. Graf Schwerin (kons.s, v. Oertzrn sNp.s, Dr. Paasch« (nl.) und Dr. Wirmer (frs. 83p.) für den Kompro- mißantrag, die Abg. Spahn (Ztr.) und Südrku» (Soz.) dagegen. Die Zusatzakte zur Brüsseler Kon, bentwn wurde einstimmig angenommen. Der Kom, promißantrag der Blockparteien gelangte in nament- liche Abstimmung mit 203 gegen 112 Stimmen zur Annahme. Darauf wurde die zweite Lesung de» Militäretats fortgesetzt. Zu erledigen war zunächst die am Donnerstag ausgesetzte namentliche Abstim« mung über den Antrag v. Giern (kons.), den von bee Kommission mit einer Zufallsmehrheit erheblich er­mäßigten Aggregiertenfonds in der Regierungsvor­lage geforderten Höhe wiederherzustellen. Der An­trag wurde mit 171 gegen 142 Stimmen angenom­men. Sine Reihe von Titeln wurde ohne erhebliche Erörterung bewilligt. Dabei traten Arbeiterverhält- niffe, Entschädigung von Flurschäden, Schaffung vo« kleinen Garnisonen u. a. in den Vordergrund. Dienstag: Fortsetzung.

dm Parlamenten.

Die Budgetkommiffion beriet am Freitag den Etat für die Expedition nach Ostasien. Von vielen Sei­ten wurde lebhaft verlangt, daß die Truppen vollftän- dig zurückzuziehen seien. Die Pensionen wurden in den ordentlichen Etat übernommen und einige Stellen gr Jntendanturbeamte und Zahlmeister wurden ge- ichen. Die nächste Sitzung wurde auf Dienstag 1 Uhr vertagt mit der Tagesordnung: Auswärtiges Amt und Etat für Kiautschou.

In der Bereinsgesetzkommiffion wurde am Freitag weiter über § 3 des Entwurfs berate». Abg. Dr. Dröscher (kon.) erklärte, daß die konservativen Kom- Missionsmitglieder nicht für den Antrag Muller- Meiningen (frs. Voltsp.), alle Wahlversammlungen, auch solche zu Komurunal- und Krankenkassenwahlen« von der Anzeigepflicht zu befreien, stimmen könnten, weil das die gesamten Bestimmungen des Vereins« Ö!» illusorisch machen würde, weil ja irgend ein« zu jeder Zeit besprochen werden könnte. Der Antrag Müller-Meiningen wurde gegen die Stim­men der Konservativen und gieichspartei angenom­men. Die nächste Sitzung wurde auf Donnerstag, den 18. Februar, vertagt.

Die Bugetkommiffivn des Abgeordnetenhauses Be­riet heute den .Kultusetat". Bei dem Titel .Mi« nistergehalt" kam die Reform für das Madchenschul- wesen zur Sprache. Der Minister erklärte daß in­nerhalb des Ministeriums bis auf zwei Punkte, welche aber den Plan nicht beeinträchtigten, bereits eine Uebereinstimmung erzielt worden sei. Die Denkschrift werde noch in dieser Session, in wenigen Wochen, vor- gelegt werden. Der nächste Etat wurde dann dw Mittel anfordern; die Hauptsache sei, daß die Mäd­chen für das Leben erzogen würden, um ihren Berus als Frau auszufüllen. Daneben bestände aber fut viele die Notwendigkeit, einen Erwerbsberuf »u er­greifen. Zur Zeit beständen fünf staatliche höhere Lehranstalten für Mädchen. Man werde möglichst bald an ihre Modernisierung Herangehen. Cb eine Vermehrung der Anstalten stattfinde, werde davon abhängen, wie weit sich die Städte bereit erklärten, ihre Töchterschulen auszubaueu Neue Anstalten müßten langsam entstehen, vielleicht zunächst ,n der Provinualhauptstadt. Die Anstalten werden wie die höheren^ Lehranstalten dem Provinzialschulkoüegium unterstellt werden. An die Kommunen werden höhere Staatsunterstützungen zu gewähren sein. Aus eine Anfrage, wann das Lehrerbesoldungsgeietz eingebracht werde, erwiderte der Minister, die Einbringung er- folge mit den Anderen Besoldungsgesetzen, hoffentlich in nächster Zeit. Die Vorlage hätte das Staatsmim- sterium noch nicht passiert.

Ostmarkenv»rlage im Herrenhaus. Die Kommis« ( fron zur Vorberatung bet Ostmarkenvorlage, welche vom Herrenhaus eingesetzt worden ist, führte heute m einer von 11 bis 7 Uhr ausgedehnten Sitzung bie Generaldiskussion zu Ende. § Illwurdeinemer Fassung angenommen, wonach ent wesentlichen nur. Besitz erworben werden darf» welcher seit 10 Jahren durch Kauf in andere Hände übergegangen ist.

2rui,'ches Reich.

D«« Reifet sandte an den Herzog Ernst II folgendes Telegramm: Tief schmerzlich be­rührt durch das Ableben Deines Oheims Herzogs Ernst von Sachsen-Altenburg spreche ich Dir mein herzlichstes Beileid aus. Ich und meta Haus verlieren in dem Dahingegangenen einen mobren aufrichtigen Freund, seine LandeÄinder SSU N°ter,.das Reich einen treu erprobten Fürsten, der ein langes, retchgeseg- netes Leben stets in den Dienst des Vaterlande, gestellt hat. In meiner tiefen Trauer um ihn stähle ich mich mit Dir eins. Ich weiss, da- Du feine Nachfolge in feinem Sinne antreten wirst und danke Dir von Herzen für die in Dei­nem Telegramm ausgesprochene Gesinnung, Wilhelm,- Vom König von Sachsen ging fol»