Zweites Blatt
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ger, das genaue Gegenstück seines weichen und verweichlichten jüngeren Bruders, dabei aber klug und vorsichtig, mit der politischen Lage in Europa wohl vertraut Daß man, wie Zaurtzs eben behauptet hat, von amtlicher sran- zösischer Seite mit ihm verhandelt hat, durch Mauchany und andere, unterliegt für mich keinem Zweifel, denn daß man den Kaid Sidi Aissa Ben Omar, den Fürsten des fruchtbaren Gebietes der Abdastämme im Hinterlande von Saffi, den mächtigsten und klügsten Mann im Süden, dem beim Tode seines Vaters Abdul Asis allein den Thron verdankte und der jetzt die Hauptstütze Mulay Hafids ist, zu gewinnen gesucht hat, das weiß ich. Ich kenne sogar den Vermittler.
. Mutzte Mulay Hafid nach Landesrecht schon als rechtmühiger Herrscher von Südmarokko gelten, so ist er jetzt nach seiner Ausrufung in Fez, das stets den Ausschlag gibt, der allein rechtmätzige Herrscher und zwar, was man meist autzer acht lätzt, nicht nur das weltliche, sondern auch das geistliche Oberhaupt des ganzen Maghreb, also auch für die unabhängigen Eebirgsberber. Dem in der Moschee des Mulay Jdris in Fez, dem grötzten Heiligtum des Landes, gegebenen Beispiele dürfte man bislang überall gefolgt sein, autzer wo die französischen Kanonen dies zu verhindern vermochten. In T a n g e r z. B., wo Mulay Hafids feierliche Anerkennung, wie berichtet wird, nur im letzten Augenblick verhindert wurde, als man erfuhr, es werde dem sofort die Besetzung der Stadt durch Franzosen und Spanier auf dem Futze folgen. Aber selbst in Uessan, dem Sitze der heiligsten Scherifenfamilie, die seit Jahren völlig für Frankreich gewonnen war, ist Mulay Hafid ausgerufen worden. Die Furcht vor den Franzosen und der furchtbare Hatz, der das ganze Volk durchdringt, scheint in dem zerrütteten Lande Dinge möglich zu machen, die man vor kurzem nicht für möglich halten konnte. Auch Raisuli dürfte sich in diesem Augenblicke Mulay Hafid angeschlosien haben und damit auch die Befreiungsstunde des armen Maclean geschlagen haben, dem ich für viele Freundlichkeit, ja für die Befreiung aus einer sehr gefährlichen Lage einst in Marrakesch grotzen Dank schulde. Tatsächlich ist Mulay Hafid jetzt im ganzen Lande als Sultan anerkannt bis auf die von den französischen Kriegs? hiffen in Schach gehaltenen Küstenstädte: Tanger, Larrasch, Rabat, Casablanca, Mazagan. Die südlichste, Mogador, hat bisher der mit seinen Nachbarn verfeindete Kaid Anflus in der Treue zu Abdul Asis erhalten. Da Anflus aber von seinen Feinden aufs ärgste bedrängt ist, so ist sein Uebertritt oder seine Beseitigung nur noch eine Frage kurzer Zeit, in diesem Augenblick vielleicht schon vollzogen. Jedenfalls war der überwiegend in deutschen Händen liegende Handel von Mogador durch diese
Die Folgen der französischen Einmischung in Marokko?)
•) Diese von völliger Vertrautheit mit Land und Leuten getragenen Ausführungen aus der Feder eines der hervorrageiidsten Kenner Marokkos sind gerade int gegenwärtigen Augenblick von höchstem
Kämpfe in seinem Hinterlande nach vor kurzem eingetroffenen Nachrichten völlig unterbunden. Auch die deutschen Kaufhöfe in Marrakesch, die das Innere von ganz Südmaroko dem Handel erschlaffen haben, haben noch nicht wieder eröffnet werden können. Auch der Handel von Mazagan, Casablanca, Rabat und Larrasch liegt völlig danieder, teils weil die Eingeborenen au» Hatz gegen die Franzosen diese Plätze meiden, teils weil die Franzosen alle Leichter, die hier allein den Verkehr mit den r?it draußen aus offener Reede liegenden Dampfern vermitteln, für ihre Kriegs, und Transportschiffe in Anspruch nehmen, teils auch, weil viele Leichter in den Stürmen der letzten Zeit zertrümmert worden sind und die Mannschaft die Arbeit verweigert. Der ganze Handel ist lahmgelegt und die bittersten Klagen ertönen von der ganzen Küste. Aber es sind ja nur lästige Wettbewerber, die den Schaden haben, Deutsche und Engländer, die man in dies'r Weise vielleicht ganz beseitigen kann. L tlay Hafid verfügt so nur über den einen Hafen Saffi, vermutlich lediglich dank der Tatkraft des Beherrschers des Hinterlandes, Sidi A!ffa Ben Omar. In Saffi, wo überhaupt kein französisches Haus besteht, gehen daher die Geschäfte gut. Alle Versuche seitens der französischen Konsuln, die sich wie die Herren des Landes benehmen, dort und in Mogador Vorwände zu französischen Eingriffen zu schaffen, sind energisch abgewehrt worden.
Die Anerkennung Mulay Hafids als Sultan ist den Franzosen? die auch da wieder ihre gerühmte Vertrautheit mit Land und Leuten in Marokko nicht bewährt haben, offenbar völlig überraschend gekommen. Sie kannten die Stimmung im Lande so wenig, datz sie sich nicht sagten die zahllosen Verletzun gen von im Laude geltenden Sitten und Recht, die offen zur Schau getragenen Eroberungspläne, die offene Unterstützung ihrer Puppe Abdul -Asis müßten diesen völlig unmöglich machen. Abdul Asis' Herrschaft tft aus die doppelten, eine ganze Landschaft umschließenden Mauern von Rabat beschränkt, die durch die unabhängigen Verberstämme der Zem- mur und Zair schon in gewöhnlichen Zeiten sich in Belagerungszustand befinden, jetzt natürlich erst recht. Aber bei dem in der nur durch die Mündung des Bu Regreg getrennten Doppelstadt Rabat-Slä von jeher herrschenden Christen- und Franzosenhaffe sitzt er auch dort auf einem Vulkane. Rabat-Slä war Jahrhunderte lang, bis weit in das 19. hinein, als eine Art Seeräuber-Freistaat der Hauptsitz des Piratenunwesens.
Das Vorrücken der Franzosen ins Innere war schon geplant und angeordnet vor der Ausrufung Mulay Hafids und ist kaum anders zu deuten als der Beginn der Eroberung. Der Gegensatz zwischen den amtlichen und öffentlichen Versicherungen der Minister und der Taten ihrer Feld-
mit dem Krktw».. — «,™r- Marburg und Kirchhain
„’s itu Keil-g-a-,,zit-r-rischrr Knr-ig-r", „r-«r>wirtsch.fU>ch, K-il-S-" m» KEt-e-bl-tf.
Herren ist ein unüberbrückbarer. Wir lesen i< täglich von neuen Truppen, die nachgeschoben werden. So traf zum Beispiel am 13. Januar der Kreuzer „Kleber" direkt von Brest in Casablanca ein, der die direkte Verbindung mit dem Eiffelturm durch Funkentelegraph hergesteüt haben soll. Am 14. trafen der „Forbin" und die „Muluja" mit 430 Tonnen Kriegsmaterial, 375 Pferden und Maultieren und 381 Mann Artilleristen und Chaffeurs d'Afrique ein. Zu welchem Zweck denn? Nun, zur Eroberung von Südmarokko; Pichon betonte ja nachdrücklich: Wir gehen nicht nach Fez. Fast scheint es, als lägt eine Vereinbarung mit Spanien und England vor, nach welch»r Frankreich sich von Nordmarokko fernzuhalten, dafür aber in Südmarokko freie Hand hat. Zunächst haben die Franzosen eine Wüste um Casablanca geschaffen, indem sie die zahlreichen Landgüter zerstört haben, die gerade dort infolge der herrschenden Sicherheit in den letzten zehn bis zwanzig Jahren entstanden waren und der ganzen Landschaft ein anderes, von bet Umgebung aller anderen Kü- stenstädie völlig abweichendes Aussehen gegeben hatten. Dann besetzten sie die 19 Kilometer im Innern gelegene Kasba Medinna, ein große» Viereck aus baufälligen Mauern, ein baufälliges Haus in einer Ecke, vor dem Tor eine große Viehtränke. Als ich im April 1901 hier übernachten wollte, war das Haus unbenützbar, das Ganze nichts als ein diebessicherer Viehhof, auf deffen Misthaufen ich meine Zelte aufschlagen mußte. Anders Dar Ber Reschid, wohin sie dann vorrückten. Das kenne ich von zwei Aufenthalten 1899 und 1901. Dar Ber Reschid, 23 Kilometer südlich von Mediuna, 37 Kilometer, also einen Tagewersh, südöstlich von Casablanca, ist eine von einem ebenfalls leicht befestigten Städtchen umgebene Kasba, der Hauptort der viel genannten Kabyla der Uled Harriz, der Mittel- punkt vielleicht der reichsten Landschaft von ganz Marokko. In beiden Frühlingen, in denen ich diese tischgleichen Gefilde fruchtbarster Schwarzerde durchzog, glichen sie einem unabsehbaren üppigen Wcizenf<de, wie man es selbst auf dem Dunkelboden bei Straubing und Plattling oder in der Magdeburger Börde nicht sieht. Von Dar Ber Reschid ist dann General d'Amade nach den eben mir zugegangenen Schilderungen de» Berichterstatters der „Correspondencia de Espana" am 16. mit 5000 Mann aller Waffen, vier Feldbatterien, verschiedenen Eebirgsge- schlltzen und einer Abteilung eingeborener algerischer Reiterei gegen Settat vorgerückt. Mit Lebensrnitteln nur für einen Tag, da er dort ebensowenig wie in Mediuna und Dar Ber Reschid Widerstand erwartete. Settat, ein Städtchen von etwa 3000 Einwohnern, ist der wichtigste Ort des ganzen Schauja-Gebiets und der Schlüffe! zu der Straße nach Marrakesch. Auf dieser bieten sich jenseit Settat nur noch zwei
Marburg
Freitag, 7. Februar 1908.
Geh. Reg.-Rat Theobald Fischer in Marburg.
Die sehr erregten Kammerverhandlungen in Paris und die Haltung der französischen Presse lassen erkennen, daß die Vorgänge in Marokko ansangen, dem französischen Volke auf die Nerven zu fallen. Mit Recht! Die Lage des Ministeriums Clemenceau ist in der Tat eine schwierige und wird gewiß nicht beffer dadurch, daß auch Delcaffö wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist und seine feindseligen Tiraden gegen das Deutsche Reich losgelassen hat. Er hat den Augenblick insoferne gewiß richtig beurteilt, als es den unversöhnlichen Kreisen gelungen ist, die öffentliche Meinung in Frankreich dahin zu stimmen/daß die deutsche Politik an den marokkanischen Schwierigkeiten fchuld sei. Daß man von deutscher Seite tatsächlich, namentlich unter Herrn v. T s ch i r s ch k y und seinen Vertretern in Tanger, während der auffälligen und auffällig langen B"urlaubung Rosens, den Franzosen bis zur äutzersten Selbstverleugnung entgegengekommen war und sich bis heute trotz der schweren Schädigung des deutschen Handels der größten Zurückhaltung befleitzigt, bleibt dabei völlig unberücksichtigt. So kann auch von den vor den ^r.ign'ffen von Casablanca eifrig gepflegten und hoffnungsvollen Bemügi-ngen, gute Beziehungen zu Frankreich herzustellen, für welche auch in Frankreich weite und einflußreiche Kreise auftraten, und für die auch ich eifrig geworben habe, bei uns heute keine Rede sein. Es dürfte daher der Zeitpunkt geeignet sein, sich einmal die Lage in Marokko klar zu machen zu suchen, und wie sich dieselbe namentlich durch die Ausrufung Mulay Hafids zum Sultan und die Absetzung Abdul Asis' gestaltet hat.
Mulay Hafid hat sich bis jetzt als der Mann bewährt, als welcher er mir von Deutschen, die in engere Beziehungen zu ihm getreten waren, schon vor mehreren Jahren geschildert worden war. Es war daher für mich keinen Augenblick zweifelhaft, als er zuerst in der südlichen Hauptstadt Marrakesch ausgerufen wurde, daß er der schwierigen Lage gewachsen sei und in kurzem das ganze Land hinter sich haben werde. Er ist ein stattlicher, kräftiger, abgehärteter Mann, schlicht und einfach, ein Jäger und Krie-
war ihr doch sehr zuwider und sie meinte erschrocken: „Geld soll ich hergeben?"
„Ja, das sollst Du, sonst wirst Du Dich Deines Daseins nicht lange mehr freuen!"
Die Alte hing, so gebrech.ich sie war, doch noch sehr am Leben, und sie sagte sich: „Wenn ich keins hergeb, hab ich nicht mehr lange zu leben und dann brauch ich auch nicht mehr so viel; wenn ich aber der Kirche was schenk und länger leb, dann hab ich das Meinige nötig!" — Und dies bedenkend, fragte sie: „Ja, aber hochwürdiger Herr Sankt Petrus, wenns nun nicht mehr langt für meinen Bedarf —"
„Es wird schon langen! Du kriegst jetzt 2% Prozent auf Dein Erspartes, aber wenn Du fromm und wohltäterisch bist, dann kann ich's einrichten, daß Du doppelt so viel Zinsen bekommst und nur auf die Art schlägst Du's wieder heraus und verdienst noch dran!"
Nun hatte die Menzl mal gehört, daß ein hoher Zinsenertrag nicht immer Gewähr für die Sicherheit der Anlage bietet, und so wars nur natürlich, daß sie bescheiden erwiderte: „Das wären ja — 2*4 und nochmal 2*4, das wären ja — 4 — 4 und einhalb Prozent! Aber ich darf doch nicht spekulieren!"
Da kam sie schön an: „Sch—pekuliern! Sch—pekuliern! Du saudumme Eans Du! Wenn ich Dir's doch rat! Die Kirch hat sich noch nie verspekuliert. Also willst oder willst nicht?"
Die Menzl zitterte am ganzen Leibe und wisperte nur: „Na, wenns schon nicht anders ist —!" Sie wußte ja aus den heiligen Geschichten, daß Sankt Petrus ein gar barscher Patron war, derselbige, der damals dem Söldner das Ohr stracks abgehauen hatte.
„Gut ijts!" sagte er nun. »Rück heraus das Geld, wo hast Du's?"
„Im Hause hab ich gar nix, heiliger Sankt Petrus!" .
Das konnte der sich ja auch wohl denken, datz mit den paar Groschen, die da herumlagen, der Kirche nicht gerade sehr gedient war.
Aber Dein Sparkaffenbüchei, wo hast Du s?
"Ach, er wird sich doch nicht selber müh'n und in die Stadt gehen?" .
Nein, aber nachschau' n will ich, wrevrel fit hat" Wegen einer Lumperei mach ich mich nicht noch mal auf den Weg hierher!"
„Ja, 's mag wohl schön wett fern von da oben!"
„Na also, meine gute Menzl —" jetzt war bet Heilige wieder von sanfterer Att — „zeig sie mir das Büchl, und dann will ich ihm gletch tagen, wieviel sie benötigt für einen fajonen Platz bei uns, damit sie mit ihren alten Bei- nen nicht immer sc im Himmel herumstehen muß."
,Ja, 's wär mit schon lieber, wenn ich einen Stuhl hätt und nicht zu hart, und recht nah« bei unserm geliebten Herrn."
„Soll alles geschehn! Also zeig sie da, Büchl." v .
„Es liegt da im Kleiderkasten, grab wo bet Mond ein bissel hineinleucht't."
„Nehm sie's heraus!" „„ .
, Ich hab hier ben Schlüffe! unterm Polster.
"So sperr sie auf!"
„Kann ber heilige Herr nicht gleich mit seinem Schlüssel — ?" _
„Was, mit bem ehrwürdigsten Wahrzeichen soll' ich da ihr Gerumpel — nein, mach sie', nur selbst!" „
„Aber ich hab ja beinah nir an, da tat ich mich doch vollends genieren! —“
„Ist unnötig, ich schau nicht hin!"
Und er drehte sich wirklich gegen die Wand)
(Nachdruck verboten.)
Warum Sankt Petrus eingejperrt worden ist.
■ Eine Geschichte von Rudolf Retty (Leipzig)
Der Ort heißt Jggersheim und Hegt in jener Gegend, wo es mehr einfältige Leute gibt, als gescheite.
Er könnte also überall liegen.
Also — da war ein altes Weiblein, über Gebuht taperig und abergläubisch, die wohnte als Witwe allein in ihrem Häuschen, und die Zinsen des Ersparten reichten gerade so weit, daß sie nicht zu hungern brauchte. Verwandte hatte sie keine mehr, ganz entfernte — in doppelter Beziehung — lebten in Amerika. Sie kannte seit längerer Zett nur zwei Wege, den zur Kirche und den zur Sparkaffe im nächsten Marktflecken. Den ersten ging fie täglich ein paar Mal und die Zwiesprache mit den Heiligen war fast die einzige, die sie führte: auch im Traume begegnete ihr wohl mal einer. So hörte sie einst mitten in der Nacht eine dumpfe, männliche Stimme, die tief sie beim Namen. Wie nun die Alte — Menzl hieß sie, und hatte, wie alle hochbetagten Leute, einen leisen Schlaf — auffuhr, da sah fie eine Gestalt zu Häupten ihres Bettes. Das war doch sonderbar! So mitten in der Nacht! Und wie war fie herein- gekommen? Die Tüt hatte sie doch nach alter Gewohnheit verriegelt! Große Furcht verspürte sie nicht gerade. Was konnte ihr denn viel geschehn? Geld hatte sie so gut wie keins im Haus und auf ihre einunbachtzigjährige Leiblichkeit konnte es auch keiner abgesehen haben. Aber aufgeregt unb gespannt war sie, was sich ba wohl begeben möchte. Sie griff nach ihrer Brille enterm Kovivolster. und nun lab Re’s ohnehin
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schon deutlicher. Mit einem langen, braun- grauen Gewand wars angetan, einen Strick um den Leib hatte es, einen dicken, weißen Bart im Gesicht und einen mächtigen Schlüffe! in bet Hand, getad uns sie immer den Sankt Peter abbilden. Ja, wer sollte es auch fcnst sein? Aber daß bet ihr einen Besuch machte, mußte boch einen ganz besonderen Grund haben. Heute war zwar Petri Kettenfeiet — die meisten Tagesnamen hatte sie nut so am Schnürchen — und bei ihrem steten Umgang mit den Heiligen mors nicht unmöglich, daß ihr — und jetzt sah fie deutlich, daß Petrus mit seinem Schlüssel einige Male hin und herschwenkte, unb bann Hub er an zu sprechen: „Veronika Menzl, ich hab Dir was Wichtiges zu sagen!"
Dumpf unb hohl klang's, als habe sich bet Heilige stark erkältet und müßte sich nun Zwang antun, wenn er verständlich fein wollte. Die Menzl fchaudctte ein bißchen zusammen, dachte aber doch: „Na ja, auf der weiten Reise halt und am 1. August fangen die Nächte auch schon an, kühlig zu werden." Und nun fragte sie mit schwacher Stimme: „Jst's seht eilig, heiliger Petrus?"
„Ja," brummte der Apostel — „siehe, Du hast bisher der Kirche nichts gespendet. Dein Hab und Gut liegt in Truhen fest verwahrt und Du wirst eines Tages dahinfahren und nichts mit Dir nehmen können. Warum tust Du das?"
Die Menzl riß ihre blöden Augen weit auf, verwundert ob solcher Frage: „Warum? Ja, ich hab doch nur akkurat so viel, als ich zum Leben brauch! Ich muß mich ja so knapp genug ein- richten!"
„Das hälfst Du ober nicht nötig, wenn Du ber Kirche durch meine Hand etwas zukommen kaffen tätest!"
So fromm nun die Menzl war, der Gedanke
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