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(Nachdruck verboten.)
mit dem ^reisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und de« D erlagen: ..ztterarischrr Aurriger", „z<mdn»irtschafüiche Kellage" «ud ^Iüuftriertrs Karmtagslrlatt".
Lebens geben!" und der Oberförster widmete dem braven Kameraden, dem treuen Beamten, dem waidgerechten Jäger am Grabe ein trauriges Waidmanns-Lebewohl. Die Schulkinder sangen und die Musikkapelle spielte ein Grablied.
Es war alles sehr schön und sehr stimmungsvoll. Die große Trauerversammlung, die alte Dorfkirche, der verschneite Dorffriedhof mit seinen verwitterten Grabstätten und über all dem ein sonniger, klarer, stahlblauer Winterhimmel!
Meine Mutter und auch ich weinten heiße Tränen, verließen aber doch einigermaßen getröstet durch die allgemeine Teilnahme und die schöne Feier den Friedhof, um in unser einsames Waldhaus zurückkehren.
Jetzt war es noch stiller dort, als vorher. Nur der alte Peter leistete uns Gesellschaft, sowie die Magd, welche meiner Mutter jetzt beim Einpacken und Aufräumen half. Einige Male mußten wir zum Gericht, wo die Untersuchung wegen des Todes meines Vaters geführt wurde. Der Mörder hatte ja schon von der Hand meines Vaters seinen Lohn erhalten; aber seine Genoßen, zwei rohe Burschen, aus dem Erenzdorfe, erhielten längere Gefängnisstrafen.
Man sprach eine Zeit lang viel über den Tod meines Vaters, dann traten andere Ereig- nisse ein und der grausige Vorfall wurde kaum noch erwähnt. Mein armer Vater schien vergessen, hatte er doch in seinem Leben kaum einen Freund gehabt. Nur das Kreuz, welches die Gräfin an der Stelle, wo ihn das tätliche Geschoß getroffen, erinnerte an das unglückliche Ende meines armen Vaters.
Die Gräfin sorgte aber auch großmütig für meine Mutter und mich. Nicht nur, daß meine Mutter als lebenslängliche, unentziehbare Pension den vollen Gehalt des verstorbenen Gatten erhielt, wurde ihr auch für meine Erziehung eine jährliche Summe von zweihundert Talern — es gab damals noch keine Mark — ausgesetzt,
so daß wir sorglos in die Zukunft sehen konnten. Das Erziehungsgeld sollte bis zu meinem vollendeten fünfundzwanzigsten Lebensjahre gezahlt werden.
Vorläufig blieben wir in dem Forsthause wohnen. Zu Ostern wollten wir in die kleine Residenz ziehen, wo der Graf Lothar die Stellung des Hofmarschalls bekleidete. Ich sollte dann das Gymnasium besuchen, auf das mich während des Winters unser Pfarrer vorbereitete.
Als der erste warme Frühlingswind den Schnee zu schmelzen begann, fuhr an einem windigen Märztage eine Kalesche bei uns vor, der ein etwa vierzigjähriger, ziemlich beleibter Herr entstieg.
Meine Mutter eilte ihm entgegen und begrüßte ihn mit den Worten:
„Willkommen, Vetter, ich habe Dich schon seit Wochen erwartet."
„Konnte nicht eher abkommen, liebe Minna," entgegnete der fremde Herr mit asthmatischer Stimme. „Und dann ist es doch auch kein Vergnügen, mitten im Winter in den Wald zu fahren."
„Da hast Du recht, Vetter. Na, es dauert ja nicht mehr allzulange. Tritt ein, eine warme Tasse Kaffee wird Dir gut tun."
Sie traten in die Stube, wo ich über meinen Schularbeiten saß.
,Zst das der Eundokar?" fragte der fremde Herr.
„Ja, das ist mein Sohn," entgegnete meine Mutter. „Komm her, Eundokar, und gib dem Onkel Karl die Hand. Der Onkel ist so freundlich gewesen, die Vormundschaft für Dich zu übernehmen."
Ich hatte von diesem Onkel Karl schon oft gehört. Er war der Stolz der Familie meiner Mutter, denn er hatte die Rechte studiert und lebte jetzt als Advokat — wie damals die Rechtsanwälte noch hießen in der Residenz. Mein Vater hatte eine Zeitlang eifrig mit ihm korre-
Marburg
Freitag, 7. Februar 1908.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Im Abgeordnetenhause wurde am Mittwoch, den
Februar, die zweite Beratung über den Etat der
fonds, die Kolonialschulen, die Arbeit . de» Kolonialwirtschastlichen Komitees, über die Tätigkeit der Botanischen Zentralstelle, über Handel, Finanzen und Bevöllerung beigegeben.
Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung fortgesetzt. Der Abg. Beumer (n(.) bemerkte, daß die Erhöhung der Kohlenpreise naturgemäß mit den höheren Löhnen, der verkürzten Arbeitszeit und anderen Faktoren zusammenhinge. Die niedrigsten Kohlenpreise wären mit dem Tiefstand der Industrie, als nur geringer Kohlenbedarf vorhanden war, zusammengefallen. Auf die Anfrage des Abg. Goldschnitt: (frs. Vp.), ob ei wahr sei, daß die Beamtenbcsoldungsvorlage bis zum Herbst verschoben werden soll, wie eine Zeitungsnotiz behauptet, antwortete der Handelsminister, daß ihm hiervon nichts bekannt sei. Abg. Dr. Boltz (tu.), meinte, um der Kohlennot vorzubeugen, müßte di« Kohlenförderung stetig aufrecht erhalten und nie eingeschränkt werden, um für Zeiten verstärkten Kohlenbedarfs vorzubeugen. Abg. Reck (kons.) betonte die Notwendigkeit, dafür Sorge zu tragen, dag die Bevölkerung der östlichen Provinzen sich mit billigem
spondiert, sich aber dann mit ihm aus einem mit unbekannten Grunde überworfen. Damals war mein Vater auf Onkel Karl sehr schlecht zu sprechen. Er nannte ihn einen schlauen Fuchs, ja, in zornigen Momenten wohl gar einen Schwindler.
Auf mich machte Onkel Karl auch nicht den besten Eindruck. Er hatte ein glattrasiertes, fettglänzendes Gesicht, aus dem die kleinen Augen listig und schlau hervorblinzelten. Sein dichtes, schwarzes Haar stand wie eine Bürste in die Höhe. Um feine Lippen schwebte ein gutmütig sein sollendes, in Wahrheit aber sehr maliziöses Lächeln.
Er nahm mich zwischen seine Knie und betrachtete mich aufmerksam.
„Eine fabelhafte Aehnlichkeit," sagte er dann lachend.
„Mit seinem Vater, ja," entgegnete meine Mutter.
„Freilich — aber auch mit einem anderen — Du weißt ja, Minna . .
„Laß doch die alten Geschichten ruhen, ftori* unterbrach ihn meine Mutter hastig. „Setze dem Jungen nicht dieselben Dummheiten in den Kopf, die seinen Vater unglücklich gemacht haben."
„Hast recht, Minna! Hab's Deinem Mann auch gesagt, der durchaus einen Prozeß haben wollte. Ich riet ihm ab, denn ein solcyer Prozeß kostet sehr viel Geld, sollte die Alte lieber auf andere Weise zwicken, dann hätte man auch ein gutes Stück Geld herausschlagen können. Dar« über sind wir dann auseinandergekommen —• Dein Mann und ich."
„Ich kann meinem Mann nur zustimmen. Und was die Frau Gräfin anbetrifft, so hat st« sich sehr gnädig gegen uns gezeigt. Ich bin ihT von ganzem Herzen dankbar."
(Fortsetzung folgt.^
Die Insertion« gebühr betragt für bie 7gespaltene Zelle oder bereu Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — jq cy c Druck und Verlagr Joh. Ang. Koch, llnivcrsitätsbuchdruckerei
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Deutscher Reichstag.
In der 96. Sitzung wurde die Beratung de» Mill- tarerats bei mäßig besetztem Hause wettergeführt. Der Abg. Vogt-Hall (wirtsch. 83er.) protestierte gegen die sozialdemokratische Behauptung, daß die Agrarpolitik die Ursache -an der Erhöhung der Naturalverpflegungskosten sei. Auch im Auslande seien die Preise für die Lebensmittel gestiegen. Dann richtete der Redner einige Anfragen an den Kriegsminister, auf die Generalmajor v. Gebsattel einging. Abg. Dr. Müller-Meiningen (freif. Vp.) verwahrte die Freisinnigen gegen die sozialdemokratische Behauptung, „militärfromm" geworden zu sein. Gerade Vie Freisinnigen hätten Reformvorschläge auf dem Gebiete des Heerwesens gemacht, aber es geschehe nichts Ernsthaftes. Schließlich beschwerte sich der Redner über den Ton, den der Vertreter des Kriegsministers gegen den Kollegen Schrader angeschlagen habe. Generalleutnant ®igt von Arnim bestritt mit Recht, daß sein Ton ein so scharfer gewesen sei; in der Sache selbst erhielt er unter lebhaftem Beifall der rechten Seite das Gesagte vollkommen aufrecht. Hierauf glaubte der Abg. Wieland (Südd. Vp.), trotzdem er seinen Mißerfolg voraussehen mußte, noch einmal die zweijährige Dienstzeit für die Kavallerie und reitende Artillerie und die weitere Herabsetzung der Dienstzeit für die Infanterie verfechten zu sollen. Abg. v. Oldenburg (kons.) erkannte an, daß der Vertreter des Kriegsministers, Generalleutnant Sixt von Arnim sehr glücklich debütiert habe, die konservative Partei unterschreibe namentlich seine Ausführungen über die Stellung des Militärkabinetts und über die Kommandogewalt des Königs. Wenn hier ein Lebensnerv des Offizierkorps berührt werde, werde jeder Offizier erregt werden, das Verhältnis der Offiziere zu ihrem höchsten Kriegsherrn ist ein rein persönliches. (Beifall rechts.) Der Reichstag ist ja notwendig (Heiterkeit), aber als Offizier erachte ich ihn in Militärfragen nicht für notwendig und zuständig. (Heiterkeit.) Er möchte auch dem bayrischen Militärbevollmächtigten seine Hochachtung und Anerkennung aussprechen. Offiziere, die längere Zeit aus der Front sind, sind doch nicht in dem Maße sachverständig, wie aftive L.fiziere. (Zustimmung.) Abg. Bebel wolle ein Milizheer, obwohl es teuer fei, weil er hoffe, damit bessere Geschäfte zu machen, als mit dem jetzigen Heere. (Zustimmung.) Redner trat dann den Behauptungen des Abg. Erzberger über die konfessionellen Unterscheidungen in den Kriegervereinen entgegen und ging kurz auf die Zustände in der Schweizer Armee ein, wo es mindestens ebensoviel Mißhandlungen gebe, als bei uns. Bei uns hätten die Militärmißhandlungen von Jahr zu Jahr abge- nommcn, diesmal seien selbst im Reichstag keine Sensationsfälle vorgebracht worden. Der Ton zwischen Offizieren und Mannschaften sei bedeutend höflicher, als der in der Sozialdemokratie übliche. (Heiterkeit.) Daß jeder Verbrecher fofort als geisteskrank angesehen werde, sei von der konservativen Partei stets gerügt worden. Der Redner verurteilte dann mit kräftigen Worten den sexuellen Mißbrauch der Untergebenen, stellte aber unter allgemeinem Beifall fest, daß die Armee und ihr Ruhm davon nicht getroffen werde. Auch heute leisten die „Junker" in der Armee ihr Höchstes, am Waterberg sind Graf Arnim und Frhr. v. Bodenhausen dahingesunkeu, Offiziere des Garde-
Die weiße Frau von Oldensloe.
i Original-Roman von O. Elster.
* (Fortsetzung.)
„Der Oberförster wird mir über alles berichten," fuhr sie ganz geschäftsmäßig fort, „und auch Ihnen Nachricht geben. Und nun adieu, liebe Frau. Geben Sie sich Ihrem Schmerz nicht zu sehr hin — wer weiß, wozu alles das gut war. Adieu!“
Sie wollte sich rasch entfernen, da fiel ihr Blick noch aus meine kleine zitternde Gestalt.
„Komm her, Junge!" befahl sie.
Ich folgte bebend ihrem Befehl. Sie legte ihre Hand auf meinen Kopf und sah mich lange prüfend an.
Dann flüsterte sie, tief aufatmend: „Sein Ebenbild — sein leibhaftiges Ebenbild . . . nun, Gott schütze Dich, mein Junge, und bewahre Deine Seele vor, falschem Stolz und Hochmut . . ."
Sie beugte sich nieder und küßte mich aus die Stirn. Dann entfernte sie sich rasch, gefolgt von meiner Mutter, und ehe ich mich von meinem Erstaunen erholen konnte, klingelte der Schlitten davon und verschwand in dem verschneiten Walde, wie ein Traumbild.--
Das Begräbnis meines Vaters war für unsere Verhältnisse ein glänzendes. Alle Förster der Umgegend, an ihrer Spitze der herrschaftliche Oberförster, folgten in großer Uniform; ebenso viele Beamte. Die herrschaftlichen Waldheger trugen den Sarg, der mit den schönsten Kränzen geschmückt war, der prächtigste Kranz war von der alten Gräfin geschickt; auf der schwarzseide- »en Schleife stand die Widmung in Gold: Dem treuen Beamten in dankbarer Erinnerung! Der Pfarrer hielt eine sehr schöne und ergreifende Rede über den Text: „Sei getreu bis in den Tod, bann will ich Dir die Krone des ewigen
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Kolonialdenkjchriften.
Zu den Kolonialdenkschristen, die dem Reichstage zugegangen sind, ist jetzt Teil A: Allgemeines im Druck erschienen. — Mit dem Tode Morendas im September 1907 ist danach auch für Südwestafrika ein weiterer bedeutender Schritt in der Befriedigung des Südens unseres Sudwestaftikas getan. Einige Unbotmäßigkeiten mit nur lokalem Charakter sind in Togo und Neu-Guinea vorgekommen. Ganz ohne Unruhen verlief das Berichtsjahr auf Samoa, den Karolinen Marianen, Palau- und Marschall-Inseln. In Kaiser Wilhelmsland und im Bismarck- Archipel hat die friedliche Ausdehnung des Machtbereiches weitere Fortschritte gemacht.
Die wirtschaftliche Lage im allgemeinen wird als günstig bezeichnet mit Ausnahme der im Kriegszustand befindlichen Gegenden. Die Wunden des Krieges find außer im Bezirk Ssongea, sowie in Mahenge, Lindi und Kilwa fast vernarbt. In den Schutzgebieten der Südsee wird die wirtschaftliche Lage durch den ziemlich hohen Weltpreis für Kopra das Hauptprodukt dieser Inseln, günstig beeinflußt. Die Erzeugung in Südwestafrika hat sich durch Viehzucht und Bergbau im Berichtsjahre entwickelt. Der Farmbetrieb ist wider ausgenommen, auch der Bau von Tabak, Mais, Gemüsen usw. Der Bergbau hat mit einer Gewinnung der Otawi-Minen von 21000 Tonnen Kupfererzen einen erfreulichen Anfang zu verzeichnen.
Für die Ausfuhr nach dem Weltmarkt hat lur Zeit die größte Bedeutung in unseren Schutzgebieten die Eingeborenen-Kultur einschließlich der beträchtlichen okkupatorischen - Gewinnung von Naturprodukten wie Kautschuk Elfenbein usw., wozu namentlich in Ostafrika, in Kamerun und der Südsee die europäische Plantagenwirtschast kommt. Ostafrika, Kamerun und Togo lieferten 1906 für die Ausfuhr: an Kautschuk für 8,2 Mill. Mark und an Baumwolle 344 400 Mark, Togo lieferte für 843 000 Mark Mais, Ostafrika 1348 000 Mark Sisal, Kamerun, Samoa und Togo stellten für 1290 000 Mark Kakao Kamerun und Togo für 8 820 000 Mark Palmkerne, Ostafrika 743 284 kg Kaffee für 531590 Mark. Kopra lieferten unsere Kolonien (außer Südwestaftika) für B 241824 Mark. In Togo ist vor allem die Vermehrung der Baumwollproduktion besonders auch in dem weiter im Innern gelegenen Bezirke Atakpami beachtenswert. Ebenso besitzen wir in Ostafrika eine genügend großeZahl guter Baum- yrollböden. Hier vermehrte sich außerdem allein im Bezirk Pangani der Bestand an Manihot Glaziovii von 327 000 (1905) auf 1174 000 Bäume (1906). Auch ins Wtlhelmstal, Lindt Kilwa usw. hat die Kautschukpflanzung beträchtlich zugenommen.
koffrs, um ihren Mannschaften zu helfen. Er habe mit dem Abg. Bebel eins gemein: die Abneigung ge«. gen den Revisionismus, der Schwindel ist. (Große Heiterkeit.) Die Stellung der Sozialdemokratie zum Lissaboner Königsmord lasse ja wieder jeden Schleier von dieser Partei fallen. Dem sozialdemokratischen Zukunftsstaat steht als fester Fels das deutsche Dffi» zierkorps gegenüber, das auch bei einem neuen St. Privat auf dem Posten sein würde.
Dieser glänzenden und originellen Rede folgte all«, gemeiner Beifall der Rechten. Der nächste Redner,, militärische Sachverständige des Zentrums, Abg. Häußler, hatte es schwer, die Aufmerksamkeit des Hauses zu fesselm Er hielt seinen Standpunkt hinsichtlich der Verkürzung der Dienstzeit aufrecht.
Abg. Hilpert (daher. Bauernbd.) befürwortete die Resolutton aus Ernteurlaub.
Abg. Köhler (wirtsch. SBer.) begründete seine Re« solution auf Unterricht in landwirtschafticher Natur« künde im Heere.
Abg. Zubeil (Soz.) meinte, die Sozialdemokratte befinde sich in guter Gesellschaft, wenn sie eine Beileidskundgebung für den König von Portugal ablehne, denn auch das ungarische Parlament habe eine. Kundgebung abgelehnt, weil der König die Verfassung- gebrochen hatte. Im weiteren gab dann Zubeil seine Ansichten über Disziplin zum Besten und sonstige Fragen.
Abg. Graf Fink von Finkenstein (kons.) fertigte den Abg. Zubeil, der doch einige Fälle von „Mißhandlungen" vorgebracht hatte, recht glücklich ab, indem et auf die Mißhandlung Arbeitswilliger durch Strei» kende hinwies, die manchmal an Totschlag grenzten. Weiter trat Graf Finkenstein für Vermehrung der kleinen Garnisonen, namentlich in Ost- und West- preußen, ein.
Abg. Linck (nl.) wünschte bessere Regelung bei Submissionswesens unter Berücksichtigung der Handwerker.
Generalmajor v. Lochvw sagt Berücksichtigung dieser Wünsche zu. Die Miiltärverwaltung habe den besten Wille:., die Uebelstände im Submissionswesen abzustellen.
Abg. Haußmann (D. Volksp.) sprach die Hoffnung aus, daß entsprechend dem Wunsche des Reichskanzlers auch wirklich Ersparnisse im Heere durchgeführt werden. Redner trug dann seine Ansichten über die Kommandogewalt vor.
Eine eigentliche Arbeiternot existiert für unsere Kolonien nicht; Samoa ist neben den Marschallinseln die einzige, wo di« llnzuläng- lichkeit der Eingeborenenarbeit in größerem Maße die Einführung chinesischer Kulis veranlaßt hat, sodaß in Samoa 1200 chinesische Arbeiter vorhanden sind.
Der Außenhandel hat von 1905 zum Berichtsjahre 1906 21,58 Mill. Mark (Einfuhr um ISA Ausfuhr um 3,3 Mill. Mark) auf 120,8 Mill. Mark (89,6 Mill. Mark Ausfuhr, 31,2 Mill. Mark Einfuhr) gestiegen. Von dieser Zunahme entfallen 12,7 Mill. Mark auf die Zunahme der privaten Einfuhr nach Deutsch-Süd- westafrika, nicht sowohl infolge des Kriegszustandes im Süden, sondern vor allem auch durch die Wiederaufnahme der kolonisatorischen Tätigkeit und deren Aubreitung im nördlichen und mittleren Teile des Schutzgebietes. Auch Ostafrikas Einfuhrwerte sind beträchtlich, um rund 7,5 Mill. Mark gestiegen. Bon der Ausfuhrsteigerung entfallen auf Ostafrika 1 Mill. Mark. Deutschland ist 1906 am Gesamthandel der Schutzgebiete in Höhe von 158,06 Mill. Mark mit 98,4 Mill. Mark oder mit 64,2 Prozent beteiligt.
Die llsambarabahn nahm bei 472 880 geleisteten Tonnen- und 6 467 013 geleisteten Personkilometern 245 821 Mark aus bsem Betriebe ein. Die neu eröffnete Togo-Jnlandbahn Lome- Pa lime steigerte die Güterbeförderung im Monat September 1907 bereits auf 1289 t ihre Leistung an Tonnenkilometern auf 75 583. Im ganzen wurden in den Monaten Februar bis September 28 800 Personen und 6128 t Güter befördert, 444344 tkm und 1958 020 Personenkilometer in diesen 8 Monaten auf der neuen Bahn geleistet.
Die Finanzlage der Schutzgebiete hat sich in den letzten Jahren fortgesetzt günstiger gestaltet.
Im Rechnungsjahre 1905, für welches — abgesehen von Südwestafrika — nunmehr die endgültigen Ergebnisse vorliegen, haben die eigenen Einnahmen der Schutzgebiete mit insgesamt 13 976 000 Mark die Etatsansätze von 10 614 000 Mark um rund 33% Prozent überstiegen. Für das Rechnungsjahr 1906 darf gegenüber dem Etatsansatz von zusammen 11639 658 Mark sogar eine Einnahme von 17 078 000 Mark, d. h. eine Steigerung von nahezu 50 Prozent erwartet werden. Demgemäß haben die bereits für 1907 auf 14 321000 Mark veranschlagten eigenen Einnahmen für 1908 unbeoentlich auf 17 725 000 Mark erhöht werden können. Dieser Teil des Berichtes schließt mit der hoffnungsfreudigen Aussicht: Die durch die Aufwendungen infolge der Unruhen im ost- und südwestafrika- nifchen Schutzgebiet von 1904 bis 1906 erheblich gestiegenen Ausgaben haben nach bet Niederwerfung der Aufstände und der wieder eingetretenen Beruhigung dieser Schutzgebiete für 1907 und 1908 ganz beträchtliche Herabsetzungen erfahren können.
Dem Bericht sind eine Reihe Denkschriften und Anlagen über die Verwendung der Afrika-