und den Keilage«: .Merarifcher Anzeiger". „KkmdwtrtfchafUrche Keilage« und „Illvstrirrtrs Somttng-dUM".
M 31
Man abenniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische zielt«na" bet allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unsern Zeitungsstellen und der Expedition 2Mk.
Marburg
Donnerstag. 6. Februar 1908.
Die JnsertionSgebühr beträgt fite die 7gespaltene Zeile oder deren Raum "15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Bug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H ttzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Ein neuer Reichsfinanzminister.
Die müden Schultern des Reichsschatzsekre- tSrs Freiherrn v. Stengel, der im Juli vorigen Jahres seinen 70. Geburtstag beging, wollen die schwere Bürde des undankbarsten aller Reichsämter nicht mehr tragen. Nun der übervolle Korb der Reichsschulden und Steuern mit neuen Lasten bepackt werden soll, versagt die Kraft des alten Herrn, die seit 1903 angestrengt «ar, und er legt sein Amt nieder.
Der Reichsschatzsekretär geht, weil er sich nicht Imstande fühlt, auch wohl keine Lust mehr hat, an die schwierige Aufgabe heranzutreten, neue Steuern für das Reich zu suchen und mit den lkinzelstaaten und dem Reichstag über ihre Zweckmäßigkeit oder Ertragmöglichkeit sich herumzustreiten. Die Erhöhung der Steuern und die Einführung neuer Steuern bezeichnete Fürst Bülow, der ja oft wohllautende Bezeichnungen für weniger angenehme Sachen fand, mit dem schönen Wort „Finanzreform". Eine Finanzreform durchzuführen war Frhr. v. Stengel im Herbst 1903 berufen worden: was er erreicht hat, verdient diesen Namen nicht, der in der Tat nur die euphemistische Benennung für das Finanzstückwerk bildet, mit dem wir „beglückt worden sind. Als der bayrische Bundes- ratsbeoollm rchtigte Frhr. v. Stengel das Reichs- schatzamt übernahm, ging ihm ein gewisser Ruf als Finanzsachmann vorauf, der „die Etatsver- hältniffe aus dem ff kenne", wie Fürst Bülow im Reichstag in seiner bekannten optimistischen Liebenswürdigkeit behauptete. Aber die langjährige Vorbildung und Beschäftigung mit der Materie tut es nicht allein, es gehört noch etwas anderes dazu: ein Finanzgenie im großen zu sein, den weiten Blick des Finanzmannes mit der Sicherheit des Verwaltungsbeamten und der schöpferischen Kraft des Geistesmenschen zu verbinden, für den es keine Verwicklungen und Schwierigkeit n gibt. Der scheidende Staatssekretär war ein sehr tüchtiger Beamter, der für seine Person das Beste zu leisten bereit war.'der seine ganze Arbeitskraft der „Finanzresorm" gewidmet hat, aber der Retter in der Not zu werden, war ihm nicht vergönnt. Es ging über seine Kraft.
Die „kleine" Finanzreform, die „Frhr. von Stengel im Jahre 1905 durchsetzte, bestimmte, daß die Ueberschüsse des Etatsjahres nicht mehr auf das Ordinarium des folgenden Jahres verrechnet würden, sondern im außerordentlichen Etat zur Schuldentilgung dienen sollten. An sich ganz gut, bedeutete diese Reform nur ein Tropfen aus heißem Stein. Die „große" Finanzreform wurde, in Angriff genommen und 1906 unter Dach und Fach gebracht. Wie wenig stolz die Gründer auf das Werk sein dürfen, haben die Erfahrungen des letzten Jahres aller Welt
5 «Nachdruck verbalen.I
Die weiße Frau von Oldensloe.
Original-Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Im Schlosse selbst wohnte nur die Gräfin mit einer Gesellschafterin, einer Kammerjungfer, dem alten Kastellan und dem nötigsten Dienstpersonal. Der Oberförster, der Landwirtschaftsdirektor, der Rentmeister und andere Untekbe- amten, bewohnten ein weitläufiges Gebäude, welches am Fuße des Schloßberges lag und zu einem großen Meierhof gehörte.
Aber trotz ihres zurückgezogenen Lebens war die Gräfin-Witwe nicht stolz oder hochmütig. Im Gegenteil, sie war in der ganzen Umgegend als stets hilfbereite Wohltäterin bekannt und niemand wandte sich vergebens um Hilfe an sie.
In jeder Woche kam sie einmal herunter ins Amtsgebäude und ließ sich von den Beamten Vortrag über die Wirtschaft halten und sah die eingelaufenen Bittgesuche durch. Empfangen tat sie aber niemanden im Schloß; wer sie persönlich sprechen wollte, mußte an dem bestimmten Tag ins Amtshaus gehen, wo auch jeder von der Gräfin empfangen und angehört wurde.
Eine ausgebreitete Korrespondenz unterhielt sie auch mit den Bürgermeistern, Ortsvorstehern, Pfarrern und Lehrern der Umgegend, die ihre Helfer bet den Werken der Wohtätigkeit waren. So breitete sich der Ruf ihrer warhast edlen Gesinnung weit über die Grenzen ihres Besitztums aus, und obgleich fast niemand die Gräfin persönlich kannte, so waren doch alle ihres Lobes voll und keiner sprach von ihr etwas Nachteiliges.
Wenn aber einmal ein Gerücht von merkwürdigen seltsamen Vorgänge» im Schloß, die -ur Zeit de, alten Grafen vorgefallen seien, sich
offenbart: den Optimisten zur schmerzlichen Ueberraschung, den Schwarzsehern zur grimmen Genugtuung. Brausteuer, Zigarettensteuer, Automobilsteuer, Stempelsteuer, Fahrkartensteuer, die Blüten des Steuerbuketts sind verwelkt, niemand will sie mehr, selbst die Reichsboten nicht, die sie mit sorglicher Hand einst gepflegt haben. Die Reichsfinanzreform war Stückwerk und konnte infolgedesien nichts bieten. Heute sitzt das Reich schlimmer in der Misere als vor fünf Jahren. Dieses ließet ist nicht die Schuld des Staatssekretärs, sondern es liegt in den Verhältnissen, die einer gründlichen Umgestaltung bedürfen. Er vermochte die Verhältnisse nicht zu meistern.
Wer wird der neue Reichsschatzsekretär sein? Wer findet den richtigen Weg aus der Enge der Finanzsorgen, wer kann Pfadfinder sein zu der notwendigen wirklichen Reichsfinanzreform? Was dem Reiche nottut ist ein Mann, der das leistet, was Miquel für Preußen getan hat. Ein Finanzgenie, das den Wirrwarr entwirrt und den geschwächten Finanzen des Reiches eine neue starke Unterlage gibt, auf der die Reform festen Stand haben kann. Kein Mann der Halbheiten. Wer ist diesem Werke ebenbürtig und gewachsen" Und wer vor allem ist imstande, den Reformator zu finden und auszuwählen?
Dr. D.-B.
Deutscher Reichstag
Der Reichstag setzte am Dienstag die zweite Beratung des Militäretats beim Kapitel „Minister- gehalt" fort. Zu den bisherigen Resolutionen waren noch zwei neue eingegangen, von denen die eine Resolution Gröber (Ztr.) Erhöhung der Bezüge der Gemeinen „gleichzeitig mit der Verbesserung der dienstlichen Bezüge der Offiziere, Unteroffiziere und Militärbeamten" forderte, während eine Resolution Ablatz (frs. Vp.) Reform des gesamten Militärstrafrechts, des Beschwerderechts und des ehrengerichtlichen Verfahrens wünschte. Abg. Dr. Mugdan (frs. Vp.) erkannte die Schwierigkeit, Ersparnisse bei bestimmten Ausgaben der Heeresverwaltung vorzunehmen, an, hielt jedoch eine Ersparung bet den Ausgaben für Die Kavallerie für angängig. Das Beispiel, das gestern Herr Bebel mit der Schweizer Miliz angeführt habe, sei nicht zutreffend. Die Schweizer Miliz habe die Aufgabe, die Neutralität der Schweiz zu wahren, während der deutschen Armee die Aufgabe zufalle, im Kriegsfälle das Unglück vom eigenen Lande abzuhalten und den Krieg in des Gegners Land zu tragen. Abg. v. Liebert (Rp.) stand einer Erhöhung der Mannschaftslöhne sympathisch gegenüber. Die Forderung der zweijährigen Dienstzeit bei der Kavallerie habe die glänzende Rede des bayerischen Militärbevollmächtigten bereits widerlegt. Ersparnisse seien notwendig, nach Möglichkeit habe die Budgetkommission dies auch berücksichtigt. Auch Abg. Liebermann von Sonnenberg (wrrtsch. Vgg.) mahnte zu weiser Sparsamkeit. Im Interesse des technischen Hochstandes bet Armee dürfe man jedoch sinnlose Abstriche nicht vornehmen. Redner erklärte sich sodann mit Rücksicht auf die Finanzlage gegen Lohnerhöhung der Mannschaften, sowie gegen zweijährige Dienstzeit der Kavallerie, befürwortete jedoch die Resolution betreffend Heimatsurlaub mit freier Fahrt.Abg.
verbreiten wollte, so zuckte man mit den Achseln und meinte, die Gräfin sei ja nicht schuld daran, und übrigens seien es ja alte, längst vergangene Geschichten, um die sich niemand mehr zu kümmern habe.
Als die Gräfin in unser Haus trat, eilte ihr meine Mutter entgegen und küßte ihr heftig
weinend die Hand.
„Beruhigen Sie sich, liebe Frau Decker," sprach die Gräfin mit milder, volltönender Stimme, der schreckliche Tod Ihres Mannes hat auch mich sehr erschreckt und mir sehr, sehr leid getan. Aber wir müssen uns alle in Gottes Willen und unerforschlichem Ratschluß fügen — und erinnern Sie sich, daß auch ich meinen Mann auf eben so schreckliche Weise verloren habe..." , £
Später habe ich erfahren, daß der Graf aus der Jagd erschossen wurde — man fegte aus Rache für einen einem Unterförster angetanen Schimpf.
Meine Mutter schluchzte stärker.
„Frau Gräfin sind stets so gütig," stammelte sie.
„Ich tue nur meine Pflicht, liebe Frau Decker," fuhr die Gräfin fort. „Und nun führen Sie mich zu dem Toten — ich möchte ihn gern noch einmal sehen."
Die beiden Frauen traten in das Gemach, in dem meines Vaters Leiche lag. Man hatte ihm seine Forstuni orm angezogen, und das Bett mit grünen Tannenreisern geschmückt. Hirschfänger und Jägerhut lagen vor dem Bett auf einem Stuhl. Mehrere Lichter brannten und die Tanenzweige und Wachskerzen erfüllten das Zimmer mit einem würzigen Geruch. Durch die bleigefaßten, kleinen Fensterscheiben blickte ein düsterer Wintertag in das Gemach herein, und mir war so feierlich zu Sinn, al» befände ich mich in der Kirch«.
Interessen eingenommen
Offizier unmöglich. Di
der einjährtgen Dienstzeit set ai unmöglich. Abg. RoSke (Soz.) mi'„ iär-Boykott und empfahl eine Reform des Militär- straftechts. — Mitwwoch: Fortsetzung.
Sozialdemokratie geforderte allgemeine Einführung der einjährigen Dienstzeit sei ans technischen Gründen unmöglich. Abg. RoSke (Soz.) mißbilligte den Mili-
Schrader (frs. Vgg.) verbreitete sich besonders über den Fall Gaedke und meinte, dieser Fall habe gezeigt, daß so manches in unserem militärischen Wesen den Anforderungen des Verfassungsstaates nicht entspreche. Ihm erwiderte Generalleutnant Cixt von Arnim, die Stellung, die Herr Gaedke in seinem Gewissenskonflikt zwischen Treueid und vaterländischen Interessen eingenommen habe, sei für einen deutschen Offizier unmöglich. Das Militärkabinett sei einer der festesten Grundpfeiler des Heeres und des Staates, ein Kriegsminister, der die Hand dazu böte, diesen zu untergraben, müsse erst noch geboren werden. Die Einführung der zweijährigen Dienstzeit bei der Kavallerie müsse die Heeresverwaltung ablehnen. Ebensowenig könne sie eine gesetzliche Regelung bei einer Reform des Einjährig-Freiwilligen-Systems in Aussicht stellen. Abg. Erzberger (Ztr.) empfahl, bei der Erhöhung der Bezüge bet Offiziere gleichzeitig die der Gemeinen zu steigern. Abg. Eickhoff (fr). Vg.) sprach sich mit Rücksicht auf die Finanzlage gegen Erhöhung der Bezüge der Gemeinen au#. Die von der
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Das Abgeordnetenhaus nahm am Dienstag zunächst mehrere kleiner: Gesetzeiltwürfe ohne Erörterung in erster und zweiter Lesung an und besprach dann die Vorlage auf erhöhte Erichliehung der fls- kalischen Kohlenfelder im Oberbergamtsbe^rk Dortmund. Dazu lag noch vor ein Antrag Porsch (Ztr.), der für entsprechende Maßnahmen in Oberschlesien 25 Millionen forderte. Zur Begründung diese# An- träges betonte Abg. Hager (Ztr.), die gesteigerte Pro- duktion sei die beste Abwehr gegen die Kohlenknappheit. Abg. Stackmann (kons.) wat zwar für die Regierungsvorlage, hatte aber einige Bedenken gegen den Antrag Porsch. Er forderte zugleich Abschaffung der Ausfuhrtarife. Abg. Hilbck (nl.) bedauerte, daß der Fiskus seine Kohlenproduktion nicht genügend steigere. Minister Delbrück erklärte die Kohlenknappheit aus dem größeren Steigen des Kohlenkonsums gegenüber der Kohlenproduktion. Er' sei bereit, die Kohlen- Selbstverbraucher, also auch die Genossenschaften, in erster Linie zu berücksichtigen, dürfe aber nicht außer acht lassen, daß verschiedene Bezieher die Vermittlung durch den Handel fordern. Nachdem sich noch die Abgeordneten Gvtzling (fr. Vp.), Wolff-Liffa (fr. Vgg.) und Martin-Oels (freikons.) der Vorlage freundlich gegenübergestellt hatten, wurde diese samt dem An- trage Porsch der Budgetkommission überwiesen. Nunmehr wurde die ziveite Lesung de# Etats beim Etat der Berg- und Salinenoerwaltung fortgesetzt. Abg. Quehl (kons.) empfahl ein Kohlenausfuhrverbot und, wenn dies nicht erreichbar sei, die Beseitigung der jetzt vorliegenden Begünstigung des Auslandes. Minister Delbrück erwiderte, in Zeiten rückgängiger Konjunktur dürfe der Absatz nach dem Auslande nickt un- niöglich sein. Gegenüber dem Abg. Brust (Ztr.), der die Arbeitsverhältnifle im Bergbau schilderte, sagte der Minister Remedur zu, sofern sich Mängel zeigen. Mittwoch: Fortsetzung.
Aus den Parlamenten
Die Kommissionsmehrheit hatte die Annahme der Brüsseler Zuckerkonvention von der Annahme des Antrages Schwerin-Loewitz auf Herabsetzung der Zuckersteuer von 14 auf 10 Mark ab-
Meine Mutter sank vor dem Lager auf die Knie. Die Gräfin stand ernst und schweigend, mit gefalteten Händen da, den Blick gedankenvoll auf das blasse Anlitz des Toten gerichtet, das in dieser Stunde einen so friedlichen Ausdruck hatte, wie ich ihn noch niemals auf dem Gesicht meines Vaters bemerkt hatte. .
Welche Gedanken die Seele der Gräfin in diesem feierlichen Augenblicke bewegte, kann ich nicht sagen) jedenfalls waren sie aber sehr chmerzlicher und ernster Natur, denn auch in ihren großen dunklen Augen stiegen die Tranen empor, und sie drückte das Taschentuch vor das Gesicht, während sie leise aufschluchzte.
Doch im nächsten Augenblicke hatte sie sich wieder gefaßt und war ganz wieder die vornehme, große Dame, welche kein Ereignis aus ihrer Ruhe bringen konnte.
Sehen Sie, Minna," wandte sie sich zu meiner'Mutter, „wie sanft und ruhig er schlaft. Wahrlich, man könnte ihn um diese Ruhe beneiden. Weinen Sie nicht mehr, er hat den Frieden gefunden, der ihm hier nicht beschieden war."
„O, Frau Gräfin ..." ,
,Das soll kein Vorwurf für Dich sein, liebes Kind. Ich weiß wohl, daß die Schuld nicht an Dir lag, auch nicht an ihm, das werß Gott, setzte sie mit einem Aufblick nach oben hinzu. Aber wir wollen nicht über vergangene und unabänderliche Dinge sprechen und klagen — das ist nutzlos und wohl auch gottlos."
„Ich bin hierher gekommen, um Ihnen zu helfen, Minna. Sie haben ein Kind?"
„Ja, Frau Gräfin, da den Zungen."
„Komm her, mein Junge," sagte die Gräfin zu mir. „Reich mir Deine Hand. Wie heißt Du?"
„Eundokar," entgegnete ich schüchtern.
Ich fühlte, wie die Hand der Gräfin heftig
hängig gemacht. Die Regierung hatte den AntraG Schwerin-Loewitz bekämpft. Staatssekretär v. Stengel hatte eventuell mit dem Scheitern des Abkommen» gedroht. Nunmehr ist anscheinend in der Frage zwischen bet Regierung und den Vertretern Der Mehrheitsparteien eine Einigung erfolgt. Morgen werben bann Die die ReichStagsmeh rheit bildenden Parteien selbst dazu Stellung nehmen.
Die Kommission de# Reichstages für da» Reichsvereinsgesetz nahm § 2 an, welcher vorschreibt, daß die Satzungen und das Mitgliedetver- zeichnis den zuständigen Polizeibehörden einzureiche» sind, mit der Aenderung, daß die Satzungen in deutscher Sprache einzureichen sind, Ausnahmen von der höheren Aufsichtsbehörde zugelaffen werden können und daß Personenmehrheiten, die vorübergehend zusammentreten, um Vorbereitungen für Wahlen zu öffentlichen Körperschaften zu treffen, nicht als Vereine im Sinne des Reichsvereinsgesetzes gelten.
Die Budgetkommission des Reichstags setzte die Beratung des .Postetats" fort und nahm eine Resolution Erzberger an, nach welcher im Interesse der Durchführung der Sonntagsruhe die Annahme von Paketen an den Postschaltern an den Vorabenden der Sonn- und Feiertage nur bis nachmittags 6 Uhr erfolgen soll.
deutsches Reich.
— Kc. begab sich gestern vormittag nach Hußertusstock, um dort einige Tage zu verweilen.
— Der Kaiser und die Kaiserin empfingen den portugiesischen Gesandten und dessen Gemahlin im Königlichen Schloß in Audienz.
— Ein Armeebebehl des Kaisers bestimmt, daß die Offiziere des 20. Infanterie-Regiment» zum Andenken an ihren, einem ruchlosen Verbrechen zum Opfer gefallenen Regimentschef, den König von Portugal, drei Wochen Trauer anlegen. Eine Abordnung des Regiments, di« an den Beisetzungsfeierlichkeiten tu Lissabon teilnimmt, besteht aus dem Regimentskommandeur. einem St« vsoffizier, einem Hauptmann und einem Leutnant.
— Kein Rücktritt Stengels? Die gut unterrichtete „Deutsche Tageszeitung" dementiert di« Nachricht, daß v. Stengel sein Abschiedsgesuch eingereicht habe. (?)
— Ein scharfes Dementi auf eine Sensationsnachricht. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die „Kölnische Volkszeitung" veröffentlicht ein« Mitteilung aus Berlin, welche, wie sie meint, von aktuellem Interesse wäre, falls sie sich bestätigte. Danach habe der Kaiser für den näch- sten Sonntag als Erundtext für die Predigt in der Schlutzkirche angegeben, 2. Mose, 12, 49: „Einerlei Gesetz sei dem Einheimischen und dem Fremdli.'g, der unter Euch wohnt." (Uedersetzt von Dr. Martin Luther.) Der Text ist schon vor längerer Zeit dem Hofprediger mitgeteilt worden. Auf eine schüchterne Rückfrage, wie der Summus episco; us die Stelle behände'! wissen wollte, ist geantwortet worden, er möge sich an den Geist der heil. Schrift halten, von welcher
zuckte. Ihr Gesicht Lberflammte eine leichte Röte.
„Auch Du —?" stieß sie hervor. „Weshalb auch Du? Weshalb immer wieder dieser Name? Soll sich Schuld und Fehler forterben auf Kind und Kindeskinder?"
Sie hielt eine Weile die Hand vor die Augen. Meine Mutter beobachtete sie ängstlich, ich schmiegte mich zitternd an meine Mutter.
Mit einem Seufzer ließ die Gräfin die Hand sinken. „Es ist gut," sagte sie mit ihrer rührselig klingenden Stimme. „Auch Dein Vater hieß Eundokar — freilich ein etwas seltener Name in Deinen Kreisen. Doch mag es denn sein . . . Dein Vater hat Dich gewiß sehr lieb gehabt?"
„Ach, Frau Gräfin," entgegnete meine Mutter an meiner Stelle, „mein armer Man» zeigte seine Liebe wenig, so daß man zuweilen an ihm zweifeln konnte. Aber in seiner Todesstunde brach seine Liebe doch hervor, er hat es mir als seine heiligste Pflicht auferlegt, für un- seren Sohn zu sorgen und ihm eine gute Er- ziehung zu geben." , , , ..
„Das soll geschehen, Frau Minna," sagte di« Gräfin. „Ihre Pension soll so beschaffen fein, daß Sie sorgenfrei leben und Ihrem Sohn eine - gute Erziehung geben können."
„Frau Gräfin sind sehr gnädig . ...
„Still davon! Wir sind es Ihrem Mann d« in unserem Dienst sein Leben gelassen hat, schuldig für seine nachgelassenen Angehörigen zu sorgen. Auck die Beerdigung geschieht auf unsere Kosten — ich werde das alles schon mit meinem Sohn besprechen."
Die Stimme der Gräfin hatte nicht mehr de» weichen, fast liebevollen Klang, mit dem sie anfangs gesprochen. Meine Wenigkeit beachtet sie überhaupt nicht mehr, Auch den Toten satz. sie nicht mehr an« (Forts, folgt )