mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
m»> den KeUageu: ^Literarischer Anzeiger«, „Laadwirtschaftliche Keil«,»'' IM» „Jilastriertr, zaemtagsl-l-tt«.
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Marburg
Mittwoch, 5. Februar 1908.
Die JnsertiouSgrbühr beträgt für bi« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Truck und Verlag: Ioh. Slug. Koch, Unmersitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C.Hrtzeroth, Marburg, Markt21. — Telephon55.
43. Jahrg<
Zweites Blatt.
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»V-rrhesfische Jet tung" nebst ihren |ßey~3eit werten von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch Hain, Neustadt und Wetter, sowie von »llen Postanstalten und Lan^briesträgern ent« ßegenK-nommen.
NaMnloses Rußland.
Das in Petersburg seit einigen Tagen umlaufende Gerücht, daß die Stellung des Ersten Ministers Stolypin erschüttert und daß es der reaktionären Großfürstenpartei gelungen fei, den Zaren von der Gefährlichkeit Stolypins zu überzeugen, erhält sich mit so starker Hartnäckigkeit, daß man nicht umhin kann, den Ursachen nachzuforschen, auf denen es beruht. Als Nachfolger Stolypins wird bereits der Präsident des Reichsrates, Akinow, genannt. Hingegen meldet das Blattder Lktobristenpartei, „Golos Mos- kwy", das zu den amtlichen Kreisen gute Beziehungen unterhält, gleichfalls den bevorstehenden Rücktritt Stolypins und behauptet, daß er durch den Senator Trepow, einen Bruder des verstorbenen bekannten Generaladjutanten, ersetzt werden solle.
' Leider haben alle diese Gerüchte, insofern ein Ungewöhnliches Maß von Wahrscheinlichkeit, als in letzter Zeit der unduldsame Panslavismus, der doch so gründlich abgewirtschaftet und der Revolution die hauptsächlichste Nahrung geboten hatte, wieder mehr und mehr die Herrschaft im russischen Leben gewinnt. Der Geist Pobje- donoszews beherrscht wieder den Synod und die von ihm beeinflußten Kreise und verlangt, daß die vom Zaren feierlich verkittete Gewissensfreiheit beseitigt und die alte Zwangsherrschaft der orthodoxen Kirche wieder eingeführt werde. Gleichen Schritt mit diesen verhängnisvollen Fehlern des Altrusientumes hält der pansla- vistische Größenwahn, der namentlich in der Wühlarbeit der „Nowoje Wremja" jetzt wieder höchst bezeichnenden Ausdruck findet. Diese Wetterfahne der moskowitischen Politik zeigt, daß heute wieder einmal der Wind aus dem bösen alten Loche pfeift, wie zur Zeit der Agitation der slaoischen Komitees im Jahre 1876 und 1877. Man sollte wirklich doch glauben, daß diese Kreise Nötigeres zu tun hätten, als ge
gen Deutschland und die Deutschen in Rußland zu wühlen» nachdem das deutsche Reich dem Zarenstaate in der Revolution und während des japanischen Krieges in einer geschichtlich beispiellos dastehenden Festigkeit den Rücken gedeckt hat und die Deutschen in allen Teilen des weiten Reiches eigentlich die einzige Kerntruppe gegen die Revolution gebildet haben. Statt dessen kann man Tag für Tag in der „Nowoje Wremja" Verdächtigungen der deutschen Politik lesen und zugleich den Ausdruck jenes pansla- vistischen Hochmuts finden, der allemal vor dem Falle kommt. Die alten Phantastereien von dem Berufe Rußlands als Führer der gesamt- slavischen Welt stehen wieder in dem Vordergründe aller Erörterungen, und Männer wie Oberst Spiridovich, der Präsident der lateinisch- slavischen Liga, wirken auf Grund ihrer Verbindungen mit Paris und Rom heute wieder leidenschaftlicher als je für die niemals aufgegebenen altrusfischen Pläne. Im „Kurier des Balkans" verkündete dieser Herr Spiridovich folgendes Programm:
Zerstörung der österreichisch-ungarischen Monarchie. Wiederherstellung des Königreiches Polen, Abtretungen von Triest, Trient und Dalmatien an Italien, süoslavische Föderation unter Rußlands Vorsitz, Einigung aller Romanen und Slaven gegen das Deutsche Reich.»
Für die inneren Verhältnisse des Zarenreiches ist diese Richtung deswegen so ungemein gefährlich, weil sie vollständig verkennt, wie sehr das weite, in dumpfen Träumen dahinbrütende Land der Reform bedarf, um die Sünden der Vergangenheit auszugleichen. Stolypin war der Mann, diese ungeheure Aufgabe der rusii- schen Gegenwart zu lösen und die in tiefster Unbildung stecken gebliebenen Volksmassen in fester Hand zusammenzuhalten mit jenen von der europäischen Kultur mehr als wünschenswert zerfreßenen oberen Schichten, die bisher das Bindemittel der rusiischen Zersetzung waren. Daß diese rusiischen Gebildeten unter seiner Führung doch schließlich das rusiische Vaterland auf die Bahn eines stetigen und gesunden Fortschrittes bringen würden, ließen die Verhandlungen der Duma trotz aller Krisen immer wieder erkennen. Zweimal durfte dieser sein Ziel mit so unbeirrter Sicherheit verfolgende Mann es wagen, die Duma aufzulösen und die Vorkämpfer der Revolution in ihr Nichts zurückzuschleudern. Und zweimal ist ihm diese Tat gelungen, ohne daß ein Sturm sich erhob, oder daß er den Gegnern des Zarentums irgend ein ernsthaftes Zugeständnis gemacht hätte. Die Zusammensetzung der dritten Duma, die in der Okto- bristenpartei den Kern eines zarentreuen Kon- stitutionalismus darstellt, war die reife Frucht
dieser staatmännischen Weisheit. Aber dem Siegergefühle derer, die nichts gelernt und nichts vergeßen haben, scheint wirklich selbst dieser Erfolg, von dem man am Eapon-Sonntage kaum noch zu träumen wagte, nicht zu genügen. Und so spricht tasächlich eine innere Wahrscheinlichkeit dafür, daß sie den Staatsmann stürzen werden, der Rußland seine innere Festigkeit wiedergegeben haben würde. Die Antwort wird nicht ausbleiben. Die verhetzten Volksklaßen und Stämme werden weiter wüten gegen den blutenden Leib des Mütterchens Rußland.
Deutsches Reich.
— Aus dem Etat der Justizverwaltung fSr das Etatsjahr 1808. Durch den Etat werden als erste Raten oder einmalig als Eesamt- kosten gefordert: a) Zum Neubau (bezw. Urn- und Erweiterungsbau) von Geschäfts- und Ee- fängnisgebäuden 3 782 835 M, b) zum Neubau von Dienstwohnungsgebäuden für Richter 273 664 M (darunter für den Oberlandesgerichtspräsidenten in Breslau, erste Rate, 100 006 JO, c) zur Beschaffung von Einricht- ungs-, Lagerungs- und Vekleidungsgegenstän- den 81 400 M.
— Das große Betriebsdrfizit der preußischen Staatsbahnen im laufenden Rechnungsjahre gilt in der Preße zu lebhaften Erörterungen Anlaß. Was aber noch bedenklicher ist als diese Erscheinung, ist die Gewißheit, daß auch im Jahre 1908 eine ähnliche Entwicklung bevorsteht. Mit anerkennenswerter Offenheit hat der Eisenbahnminister bei der ersten Lesung des Etats mitgeteilt, daß die Eisenbahneinnahmen für 1908 voraussichtlich zu hoch veranschlagt seien, und daß die aller Reserven nachgerckde bare Staatsbahnverwaltung auch nicht mit dem Betriebsfonds auszukommen vermögen werde. Von anderer Seite wird das für 1908 in dem Etat vorhandene latente Vetriebsdefizit sogar auf 150 Millionen Mark geschätzt. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß diese Frage demnächst bei den Verhandlungen der Budgetkommission über den Eisenbahnetat einer ernsten Prüfung unterzogen und der Klärung entgegengeführt werden wird. Wenn aber auch die Beurteilung der Höhe des Betriebsdefizits erst nach dem Ergebnis dieser Prüfung mit Sicherheit wird statt- finden können, so darf doch schon heute als feststehend angenommen werden, daß der in dem Etat vorgesehene Ueberschuß der Staatsbahnen kaum zu erreichen sein wird. Ein Staatshaushalt, deßen Hauptstütze, die Eisenbahnverwaltung, in dem einen Jahr ein Vetriebsdefizit von 100 Millionen Mark aufweist und im nächsten Jahre ein, zwar in seiner Höhe noch nicht feststehendes, aber ein sehr hohes in Aussicht stellt, bedarf jedenfalls der gründlichsten Untersuchung. Dabei wird vor allen Dingen klar zu stellen fein, welche Umstände bei dieser ungünstigen Entwicklung der Eisenbahnüberschüße vornehm
lich mitgewirkt haben. Da ergibt sich denn zunächst, daß die preußischen Staatsbahnen bisher noch ungewöhnlich günstige Lieferungsverträge hatten, jetzt aber in die Periode hoher Matena- lienpreise kommen, die bei den Betriebskosten schwer zu Buche schlagen. Bei alledem flauen die Einnahmen bereits ab, während die Ausgaben noch immer steigen, und in dem-großen Eisenbahnnetz noch alles nach Ausgestaltung drängt. Alle diese Momente weisen sehr nachdrücklich auf eine andere Gestaltung des Eisenbahnetats hin, als sie bisher und auch noch für 1908 beibehalten ist. Voraussichtlich werden aber auch mit dem Rückgänge der wirtschaftlichen Konjunktur die übrigen Einnahmequellen des preußischen Staates weniger reichlich fließen, als in den letzten Jahren; und umgekehrt stellt die bevorstehende Erhöhung der Besoldungen für Beamten, Geistliche und Lehrer eine sehr starke Vermehrung der dauernden Ausgaben in sichere Aussicht. Ebenso wächst mit der Zunahme der Staatsschuld der Bedarf für deren Verzinsung und Tilgung stetig und ziemlich rasch. Man wird sich der Ueberzeugung nicht verschließen dürfen, daß es schwerer Arbeit langer Jahre bedürfen wird um aus diesen Verhätnisien wieder zu einer festen Finanzlage zu kommen. Bedenkt man die Wege, die zu diesem Ziele einzuschlagen fein werden, so unterliegt es zunächst keinem Zweifel, daß eine große Betriebsverwaltung, wie die unserer Staatsbahnen, sich ohne alle Reserven und mit knapper Bemessung ihrer Aus» gabesonds in gedeihlicher Weise nicht weiterführen läßt. Vor allem aber wird man sich der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß wir in den günstigen, hinter uns liegende.! .
uns dazu haben verführen lassen, die Era^,o.ws zur Befriedigung aller möglichen und unmöglichen Wünsche in Anspruch zu nehmen, und daß wir allmählich, und zwar namentlich innerhalb der Landesvertretung, das richtige Augenmaß für das wirtschaftlich Zulässige verloren haben. Die Folge davon ist die stete Vermehrung des Personals, die stete Steigerung seiner Ansprüche und die luxuriöse Ausstattung der Bauetats aller Reßorts. Sollen die preu- ßischen Finanzen wieder auf eine gute und sichere Basis gebracht werden, so ist es vor allem notwendig, wiederum, wie der Finanzminister es eindringlichst nahe gelegt hat, zu den Grundsätzen strengster Sparsamkeit zurückzukehren, durch deren Anwendung der preußische Staat groß geworden ist.
— Bom Fischerdorf zum Hafenplatz. Gelegentlich eines Festmahles, das in Tsingtau Mitte Dezember zu Ehren des Gouverneurs der Provinz Schantung veranstaltet wurde, erwiderte dieser mit einem Trinkspruch und kam aus die Vorteile europäischen Einflusses für China zu sprechen. Vor 10 Jahren, führte er aus, sei Tsingtau noch ein unansehnlichesFischer- dorf gewesen. Nach lOjähriger deutscher Arbeit unter tüchtiger deutscher Leitung und staat- kicher Hilfe sei es zu einem schönen und Muster-
Die heimatliche Bauweise.
Den preußischen Oberpräsidenten ist von dem Minister der öffentlichen Arbeiten und dem Minister des Innern die nachfolgend mitgeteilte Abhandlung übersandt worden mit dem Ersuchen, eine tatkräftige Mitarbeit bereitwilliger sachverständiger Kräfte in den Städten und auf dem Lande ins Leben zu rufen und sich die Unterstützung aller Bestrebungen, die zur Erreichung des in der Abhandlung bezeichneten Zieles geeignet sind, angelegen fein zu laßen. Den Regierungspräsidenten wird der Minister der öffentlichen Arbeiten eine Abschrift des Erlaßes nebst der Anlage zugehen laßen mit dem Ersuchen, die Staatsbaubeamten ihres Bezirks anzuweisen, auf die Förderung einer gesunden heimatlichen Bauweise nicht nur in ihrer amtlichen Stellung bedacht zu fein, sondern auch außert.mtlich sich an allen Bestrebungen in diesem Sinne mitschaffend und anregend zu beteiligen. Einem Berichte über die entsprechenden Maßnahmen und deren Erfolg wird nach Ablauf von drei Jahren entgegengesehen.
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(Maßnahmen gegen bauliche Ver- unstaltungen in Stadt und Land außerhalb des Gesetzes vom 15. Juli
19 0 7.)
Der Minister der öffentlichen Arbeiten und des Innern haben unterm 10. d. folgende Bekanntmachung erlassen:
Die allgemeine Bedeutung der Bestrebungen, die Pflege heimatlicher Bauweise zu fördern And die Erhaltung der Eigenart eines Orts- und Etraßenbildes zu sichern, wie solche in dem Gesetz gegen die Verunstaltung von Ortschaften und landschaftlich hervorragenden Gegenden vom I 15. Juli v. I. ihren Ausdruck gefunden haben, I Veranlaßt uns darauf hinzuwirken, daß zu den I
Zwangsmitteln, für deren Einführung und Anwendung das genannte Gesetz die Grundlage geschaffen hat, als unentbehrliche Ergänzung eine freiwillige Mitarbeit möglichst weiter Kreise an der Erfüllung dieser wichtigen Kulturaufgabe hinzutritt.
Wir halten es deshalb für angezergt, tm folgenden auf die wesentlichen Mißstände hinzuweisen, die es im bürgerlichen und ländlichen Bauwesen der Gegenwart zu bekämpfen gilt, und zugleich die Mittel und Wege zu bezeichnen, durch welche die Bemühungen einer Verunstaltung der Städte, Dörfer und Landschaften vorzubeugen Erfolg erwarten laßen.
Ein Blick auf die in den letzten Jahrzehnten entstandenen Neubauten in Stadt und Land läßt erkennen, daß mit der Zunahme der Wohlhabenheit der Bevölkerung und mit der Einführung von Neuerungen auf dem Gebiet der Baukonstruktionen wie der Herstellung von Baustoffen, die infolge des erleichterten Verkehrs von Unternehmern und Händlern schnell über das ganze Land verbreitet werden, mehr und mehr die Neigung vorherrschend geworden ist, den Wohnhäusern ein in die Augen fallendes Aeußere, eine nach landläufiger Anschauung moderne Erscheinung zu geben. In diesem Bestreben liegt eine Geringschätzung der Ueberlieferung. Früher baute man in der Kleinstadt und auf dem Lande nach dem örtlichen Herkommen unter dem Einflüsse zünftiger Regeln handwerksmäßig schlicht. So entstanden Typen, die als charakteristisch für eine bestimmte Gegend angesehen werden und als heimatlich gelten können. Heute sucht dagegen der Einzelne sich dadurch hervorzutun, daß er das Neueste, was er durch Reisen in die großen Städte kennen gelernt hat oder was ihm sein technischer Ratgeber an der Hand der Vorbilder aus jüngst erschienenen Veröffentlichungen zur Auswahl vorschlägt, für seine Zwecke verwendet.
Dies hat dazu geführt, daß mit Vorliebe die Formen des Eroßstadthauses auf die Bürgerhäuser der Mittel- und Kleinstadt oder gar auf länbli*e Bauten übertragen werden. Die Absicht, dem Bauwerk ein möglicbst stattliches Aussehen zu geben, wohl auch eine malerische Wirkung zu erzielen, findet dabei in einer Häufung von Motiven aller Art und in einer Ueber- ladung mit Architekturgliedern und Zierformen nur zu oft einen jedes gebildete Auge verletzenden Ausdruck. Das Bedenkliche einer solchen auf äußeren Schein gerichteten Bauweise macht sich besonders fühlbar, wenn Vauglieder, die für Werkstein gedacht sind, in Zementguß oder Eipsstuck nachgeahmt und Schmuckformen von künstlerischer Erfindung und Ausführung in fabrikmäßig hergestellten Ersatzstoffen nachgebildet werden.
Es gilt hierin Wandel zu schaffen und wieder anzuknüpfen an die gesunde Ueberlieferung früherer Zeit mit dem Ziel, den Bauten in mittleren und kleinen Städten ein schlicht bürgerliches Gepräge zu geben und auf den Dörfern so zu 6auen, wie es das bäuerliche Selbstbewußt- fein vereint mit weiser Sparsamkeit unter Benutzung heimischer Baustoffe und in Anpassung an die Landschaft ebenso praktisch für die wirtschaftlichen Zwecke wie eigenartig und ansprechend in der äußeren und inneren Erscheinung der ländlichen Bauten früher verstanden hat.
Gegenüber den heutigen Verhältnißen ist aber eine Gesundung im bürgerlichen und ländlichen Bauwesen nut zu erwarten, wenn der Sinn für das Natürliche, sachlich Zweckmäßige und einfach Schöne neu zweckt wird und diese Gesinnung in der Vermeidung alles unechten und in der Beschränkung des äußeren Aufwandes an Formen und Echmuckmitteln auf das dem einzelnen Hause nach seiner Art und Zweckbestimmung zukommende Maß zur Tat wird. Solche Gesinnung wird dann auch zu der Er
kenntnis führen, daß, wenn jemand ein Haus baut er dabei allgemeine Schönheitsrücksichten zu erfüllen hat und mit dem berechtigten Wunsche nach eigenem Geschmack etwas Neues, Ansprechendes zu schaffen, die Anpassung an die Umgebung zu vereinigen suchen muß, wenn anders er dazu beitragen will,, daß ein bisher einheitlich und charakteristisch gestaltetes Orts- oder Straßenbild nicht durch einen fremden Zug entstellt wird oder daß bei Bauten in neu angelegten Straßen die Erscheinung des einzelnen Hauses sich harmonisch in das ganze Stadtbild einfügt.
Es ist weder notwendig, noch auch nur erwünscht, daß dabei nach Einheitlichkeit des Stiles gestrebt werde. Entscheidend ist nur eine Einheitlichkeit in dem Sinne, daß die gesamten Vauformen der Häuser in der Gliederung und Flächenbehandlung der Umfaßungswände, in der Umrißlinie und der Ausbildung der Dächer, in ihrem Schmuck durch Zierformen und Farbe das Gepräge tragen, das sich unter dem Einfluß der örtlichen Verhältniße, des Kftmas und der Lebcnsgewohnheiten bei sachgemäßer Verwendung der einheimischen Baustoffe in der ortsüblichen Bearbeitung und Behandlung herausgebildet hat.
Die Wiederaufnahme alter Stilformen sollte dabei nicht nur an Aeußerlichkeiten anknupsen, sondern im Sinne und Geiste der Zeit, die diese Formen schuf, für die anders gearteten Bedurft niße der Gegenwart einen entsprechenden (tilge» mäßen Ausdruck suchen.
Wenn in unmittelbarer Anlehnung an aus» geprägt historische Stile gebaut wird, sollten nut die besten Beispiele am Orte selbst ober in der Umgegend als Vorbilder benutzt, nicht aber Motive und Formen, die anderen Landschaften eigentümlich sind, lediglich wegen ihrer architektonischen Wirkung an sich verwendet werden.
Wenn auch bei der Lösung einer