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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessrsche Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 3,25 Mk. (ohne Bestellgelds, bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Mittwoch, 5. Februar 1908.

Die Jnseritonsgebühr beträgt für bte 7gespaltene Zeile ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen SO Pfennig. Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C.Httzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon55.

43. Jahrg.

ErSes Blatt.

Die Ereiguiffe in Pertuzri.

' Soviel man auch berechtigt sein wird, die Schuld an dem schrecklichen Tode König Carlos ijener internationalen Anarchistenpartei zuzu- Phreitzen, deren Zweck es ist, gegen das Leben gekrönter Häupter zu wüten, so darf man doch nicht außer acht lassen, daß die politischen Ver­hältnisse in Portugal gleichsam den Boden vor­bereitet haben, um die Tat jener Verbrecher möglich zu machen. Ueber die näheren Gründe und Zusammenhänge fehlt bis jetzt noch jede Nachricht.

Die politischen Verhältnisse des Landes sind sehr shwierig. Das Volk mit seinen 85 Prozent Analphabeten ist ein Spielbäll der Berufspoli­tiker, derenParteien sich in der rückstchtslosenAus- nutzung ihrer schnell wechselnden Macht gegen­seitig überbieten. Auflösung der Cortes und Errichtung der Diktatur ist für Portugal nichts gar so unerhörtes, im Gegenteil ein Mittel, das dem König von den Parteien in schwierigen Lagen öfter empfohlen, von ihm selbst garnicht einmal immer angenommen wurde. Der jetzige Diktator Franco bildete am 28. Mai 1906 sein Ministerium und löste am 30. Mai die Cortes auf. Da es ihm nicht möglich war, auf die Dauer mit den Cortes zu regieren, löste er am 11. Mai 1907 sie wieder auf, und der König er­klärte sich jetzt zur Proklamation der Diktatur bereit, was er bis jetzt verweigert hatte. Die Politiker, die selbst nicht anders gehandelt hät­ten, begannen nun eine maßlose Agitation, die auf Revolution hinzielte. Diese Agitation mußte Franco suchen zu unterdrücken, so gut es -ging. Die Diktatur Francos hatte auch ihre Freunde bei denen, die einsahen, daß Franco eine wirklich gute Verwaltung zum Nutzen des Volkes führte. Immerhin ließ sich das Volk seine Rechte nicht in dieser Weise beschneiden iunb die Polizei entdeckte hie und da Ver­schwörungen, deren eine am 81. Januar gezo­gene gegen den König und Franco zur Aus­führung kommen sollte. Der König ist von Mörderhand gefallen, ein Opfer seines Mutes. Dbwohl er wußte, daß er durch fein klares und jfestes Eintreten für Franco stetig von Gefahren sumringt sei, zeigte er sich unbekümmert um Johlen und Pfeifen dem Volke ohne Bedeckung. iUnb als verbreitet wurde, er halte den Kron­prinzen in strenger Haft auf einem Landschlosse, schickte er den Thronfolger ostentativ im offenen ßßagen durch Lissabon. Dieser ostentativen Eeringschätzung der Gefahr ist er zum Opfer ge-

t

-Nachdruck ecrbcten.).

Die weiße Frau von Oldensloe.

v Original-Roman von O. Elster,

(Fortsetzung.)

In diesem Augenblick öffnete sich die Tür der Stube und der Pfarrer des nächsten Dorfes, der dem Knecht begegnet war, trat ein. Er kam ge­rade zur rechten Zeit, um dem unglücklichen Verwundeten den letzten Trost zu spenden.

Der Kranke bäumte sich krampfhaft empor. Ein blutig gefärbter Schaum quoll ihm über die Lippen und dann brach ein dunkelroter Blut­strom hervor und aufstöhnend sank er zurück mein Vater war tot.

Niemals werde ich diese schreckliche Nacht ver- igessen. Meine Mutter hielt mich in ihren Ar- jmen und weinte still in sich hinein; der alte Meter saß schweigend und mit ernstem Gesicht pa, zuweilen einen Seufzer ausstoßend oder ein gutgemeintes Wort des Trostes zu meiner Mut- !ter sprechend. Die Magd drängte sich ängstlich jin den Winkel hinter dem Ofen, sie fürchtete stch, das Zimmer zu verlassen. Draußen aber brauste der Wintersturm und stürzten krachend hie Tannen zusammen, als schösse man mit Ka- snonen. Und die Hunde auf dem Hofe heulten An langgezogenen Tönen und aus dem Walde heraus klang das heisere Bellen der Füchse und per unheimliche Ruf der Eule.

Es war eine schreckliche Nacht, die wir an hem Totenbette meines Vaters verbrachten, und fm atmeten alle erleichtert auf, als der Morgen angsam heraufdämmerte und helles Elocken- £lingen eines nahenden Schlittens die Ankunft nderer Menschen meldete.

Es war der Oberförster Bickert em; Schloß 'Oldensloe mit dem Arzt und einem Eerichts- heamten aus der Kreisstadt.

. Peter ging ihnen entgegen und meldete ihnen en Tod meines Vaters, den der Arzt auch nur Konstatieren konnte. Ein Schuß in die Brust

fallen. Für Franco war wohl auch eine Kugel bestimmt.

Ueber die Persönlichkeit König Carlos', der sehr zu unrecht gewöhnlich nur als Eenutzmensch beurteilt wurde, teilen wir noch mit:

Der ermordete König Carlos I. von Portu­gal war am 28. September 1863 als Sohn des Königs Ludwig und seiner Gemahlin Pia, ge­borenen Prinzessin von Savoyen» in Lissabon geboren, und folgte seinem Vater am 19. Okt. 1889 in der Regierung. Er gehörte u. a. auch der preußischen Armee als Chef des Infanterie­regiments Graf Tanentzien von Wittenberg (3. Brandenburg.) Nr. 20 an und war Ritter des Schwarzen Adlerordens. Am 22. Mai 1886 hatte er sich mit der Prinzessin Amalie von Frankreich, der ältesten Schwester des jetzigen Herzogs von Orleans, vermählt. Der Ehe ent­sprossen zwei Söhne, deren ältester, der eben­falls durch Meuchelmord gefallene Kronprinz Luiz Filippe, am 21. März 1887 geboren war. Der zweite Sohn, nunmehriger König Manuel, ist am 15. November 1889 geboren.

Es ist natürlich, daß die Höfe und Parla­mente der ganzen zivilisierten Welt der Königin von Portugal ihr Beileid ausgesprochen haben. In der französischen Kammer kam es aber zu stürmischen Szenen. Es wird hierzu gemeldet:

Paris, 3. Febr. Der Minister des Aeußern, Pichon, erklärte zu Beginn der Sitzung, die Kammer kenne das traurige Verbrechen, dem der Herrscher der befreundeten Nation und der Kronprinz zum Opfer gefallen; der Mord könne in keinem französischen Herzen eine Entschuldi­gung finden. Sembat (Sozialist) rief dem Red­ner zu: Der Mord wurde durch die Diktatur provoziert. (Beifall auf der äußersten Linken; Widerspruch auf allen anderen Seiten des Hau­ses.) Minister Pichon fügte hinzu, es müsse ge­sagt werden und wäre es nur um die Ehre des Parlaments willen (lebhafter Beifall links, rechts und im Zentrum), daß Frankreich den Mord einmütig brandmarke und mißbillige (er­neuter Beifall auf oenselben Bänken). Präsi­dent Brision erteilt Sembat das Wort nicht. Pichor schloß, indem er erklärte, die Regierung habe sich beeilt, der Königin Amalie und der königlichen Familie ihr herzliches Beileid aus­zudrücken. Trotz der Worte, die ihm zugerufen wurden, sei er sicher, damit durchaus den Ge­fühlen der Kammer Ausdruck gegeben zu haben. (Lebhafter Beifall links, rechts und im Zen­trum; W derspruch auf der äußersten Linken.) Der Präsident verweigerte dem Abg. Sembat er­neut das Wort und schloß sich den Worten und den von Pichon zum Ausdruck gebrachten Gefüh­len unter dem großen Beifall der überwiegenden c»".'.",l.....

hatte die Lunge zerrissen, welche Wunde dann den Blutsturz herbeiführte.

Der Arzt und der Gerichtsbeamte nahmen dann einige Protokolle auf, die alle Anwesenden unterschreiben mußten. Schließlich sagte der Oberförster Dickert zu meiner Mutter:Wir alle, seine Kollegen und die anderen Beamten bedauern sehr den Tod Ihres braven und pflicht- getreuen Gatten, ich spreche Ihnen mein innig­stes Beileid aus. Seien Sie versichert, daß auch die Frau Gräfin und deren Sohn, der Graf Lothar innigstes Beileid nehmen. Ich habe schon mit der Frau Gräfin gesprochen, Über Ihre Zukunft können sie ganz beruhigt sein, die Frau Gräfin wird die Witwe eines braven Beamten, der in der Erfüllung seiner Pflicht gestorben ist, nicht vergesien."

Ich danke der Frau Gräfin von ganzem Herzen," schluchzte meine Mutter.

Die Beerdigung Ihres Gatten wird natür­lich auf Kosten der Herrschaft stattfinden," fuhr der Oberförster fort.Bis Sie über Ihre Zu­kunft entschieden haben, können Sie ruhig hier wohnen bleiben. Der Waldheger Peter wird bei Ihnen bleiben. Ich muß Sie jedoch bitten, mit die Papiere und Bücher Ihres Gatten zu übergeven, ich werde die amtlichen Schriftstücke in Verwahrung nehmen, was sich etwa an Privatsachen darunter befindet, wird Ihnen zurückgestellt werden. Hat Ihr Gatte etwa ein Testament gemacht?"

,Jch glaube nicht," entgegnete meine Mutter, dort in dem Schreibtisch sind alle Papiere mei­nes Mannes, den Schlüssel trug er stets bei sich."

Der Schlüsiel wurde gefunden und der Ober­förster begab sich an die Durchsicht der Papiere."

Ein Testament ist nicht vorhanden," sagte er nach einiger Zeit. Es sind fast nur amtliche Papiere; hier find einige Privatbriefe, das Taufzeugnis Ihres Mannes, Ihr Trauschein und der Geburtsschein Ihre« Sohn«? ,,, weiter ist nichts vorhanden,*

Mehrheit des Hauses an; nur die äußerste Linke verharrte noch einige Zeit bei ihren Protesten.

Paris, 3. Febr. Mehrere sozialistische Depu­tierte, unter ihnen auch der sozialistisch-radi- kale Deputierte Magnaud, brachten eine Reso­lution ein, in welcher die Kammer dem portu­giesischen Volke ihre republikanischen Sympa­thien und ihre Wünsche für die Herstellung eines Regimes der Freiheit ausdrückt. Man glaubt jedoch, daß Kammerpräsident Brision eine Ab­stimmung über diese Resolution nicht zulasien werde.

Paris, 3. Febr. Im Gemeinderat der Stadt Paris brachte der Konservative Rendu eine Re­solution ein, in welcher der portugiesischen Kö­nigsfamilie Teilnahme ausgesprochen wird. Der Vorsitzende verweigerte jedoch das Wort zur Be­gründung dieser Resolution. Die äußerste Linke tief:Wir senden den portugiesischen Republi­kanern unsere Grüße." Hm dem Zwischenfall ein Ende zu machen, erklärte der Vorsitzende, daß er schon im Namen der Stadt Paris, deren Gäste die portugiesische Königsfamilie gewesen sei, der Königin-Witwe Amalie und dem König Manuel das Beileid ausgedrückt habe.

An den einzelnen Höfen ist Hoftrauer ange­ordnet worden.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt heute: In der ganzen gesitteten Welt wird die Kunde von dem furchtbaren Verbrechen, dem König Carlos und sein ältester Sohn, Kronprinz Ludwig Philipp zum Opfer gefallen sind, tiefen Abscheu über die Untat und ihre Urheber Hervorrufen. Der König ist in der Blüte der Mannesjahre und der Thronerbe im Alter von noch nicht 21 Jahren von Mörderhand dahingestreckt worden. Von dem düsteren Hintergründe dieses erschüt­ternden Ereignisies hebt sich die Gestalt der schwer geprüften Königin-Witwe Amalie ab, die tm Augenblick der Katastrophe und nach ihr furchtlos und tapfer bewunderungswürdige Geistesgegenwart bewahrte. Bald nach ihrer Rückkehr in den Palast empfing die Königin in fester, königlicher Haltung die Staatswürden­träger und die in Lisiabon beglaubigten Vertre­ter der Mächte. Das mutige Auftreten der in Portugal sehr beliebten Königin in der Schreckensstunde wird dazu beitragen, die Sym­pathie für sie und ihren Sohn, den nunmehrigen König, im Lande zu vertiefen. Eine durch ganz Portugal organisierte republikanisch« Partei mit starken Wurzeln in der Bevölkerung war bis­her nicht vorhanden, und wenn es vereinzelt zu Ruhestörungen kommen sollte, so würde damit noch keine politische Umwälzung im Sinne des Republikanismus zu erreichen sein. Als noch geringer gilt im Volke der Anhang des Präten­denten Miguel.

Ueber den politischen oder unpolitischen Hin­tergrund der Schreckenstat läßt sich zur Zeit kein

Meine Mutter nahm die Papiere mit leisem Dank an; sie mochte in diesem schmerzlichen Augenblicke wohl nicht daran denken, daß ihr Gatte ihr von Auszeichnungen besonderer Art gesprochen hatte. Auch konnte man ja nicht an» nehmen, daß der Oberförster, der unter den Augen der Eerichtsbeamten die Papiere unter­suchte, Privatpapiere des Verstorbenen unter­schlagen werde. Der Oberförster war stets ein humaner Vorgesetzter der Forstbeamten gewesen und hatte sich niemals eine Ungerechtigkeit zu Schulden kommen lasien. Auch hatte er sich ja in dieser Stunde noch so sehr günstig über den Verstorbenen geäußert und eine ausreichende Versorgung der Witwe versprochen.

Die amtlichen Schriften meines Vaters wur­den dann versiegelt und in den Schlitten ge­bracht. Dann begaben sich die Herren in Be­gleitung des alten Peters an den Ort, wo die Tat geschehen war. Auch der Knecht mußte mit und so blieben meine Muter und ich allein bei dem Toten zurück, denn die Magd war in das Dorf geschickt worden, um bei dem Tischler den Sarg zu bestellen.

Jrn Laufe des Tages kamen mehrere Kol­legen meines Vaters, um meiner Mutter ihr Beileid auszusprechen. Auch der Pfarrer und der Lehrer, sowie der Gemeindevorsteher des Dorfes erschienen mtt trostreichen Worten. Dies brachte meine Mutter über den ersten Schmerz fort, ich aber dachte in meinem kindlichen Unverstände kaum noch an meinen Verlust, denn noch nie­mals hatte ich so viel Besuch in unserem ein­samen Forsthause gesehen, mit Ausnahme jener Zeit, wo Graf Lothar zur Jagd erschien, was aber in den letzten Jahren immer sellener ge­worden war.

Große Aufregung aber bemächtigte sich mei­ner, als am Nachmittage ein herrschaftlicher Schlitten durch den Wald klingelte und kurze Zeit darauf die Frau Gräfin vor unserem Hause ausstieg.

Der mächtige Pelz des Kutschers Md des

abschließendes Urteil fällen. Der Gedanke an ein anarchistisches Verbrechen liegt nahe. Es werden aber aus portugiesischen und selbst aus spanischen Kreisen Ausfasiungen verbreitet, nach denen selbst wenn die Täter Anarchisten seien, doch mit politischen Beweggründen gerechnet werden müsien. Wir möchten mit unseren Meinungen über diesen Punkt zurückhalten bis zur weiteren Aufklärung über die Motive der Untat. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, die noch vor kurzem mit der Königin Amalie am englischen Hofe mehrere Tage freund­schaftlichen Zusammenseins verbracht haben, neh­men an dem schweren Geschick der Königin innigen Anteil, dem der Kaiser in einem sehr warm gehaltenen Beileidstelegramm an die Königin Ausdruck verliehen hat. Die Meld­ungen über die inneren Zustände widerspre­chen sich. Es darf damit gerechnet werden, daß die Republikaner versuchen werden, die Macht an sich zu reißen. Es liegen noch folgende Meld­ungen vor:

Lisiabon, 3. Febr. Bewaffnete sollen ver­sucht haben, zwei Kompagnien Infanterie zum Abfälle zu bewegen, die sie jedoch mit Schüssen zurückwiesen.

Madrid, 3. Febr. Alle aus Portugal kom­menden Reisenden werden streng überwacht. Den Blättern zufolge kamen die Züge aus Por­tugal gestern ohne Reisende und Gepäck an. Bürgerwehr hält die Grenzstation Valencia de Alcantara besetzt.

Lisiabon, 3. Febr. Der König eröffnete die heutige Sitzung des Etaatsrats und wies von tiefet Erregung ergriffen darauf hin, daß et, der noch unerfahren und ohne Kenntnis des politi­schen Lebens sei, sich dem Patriotismus und der Weisheit der Mitglieder des Staatsrates anv?r- traue.

Lisiabon, 3. Febr. Nach dem Attentat kam der Unwille gegen Franco offen zum Ausbruch. Das neue Ministerium Ferreira do Amaral wird sich auf alle monarchistisch gesinnten Grup­pen ohne Unterschied der Schattierungen stützen. Die öffentliche Ausstellung der Leiche des Kö­nigs in der Uniform eines Generalissimus und des Kronprinzen in der Uniform eines Haupt­manns der zweiten Lanciers wird voraussicht­lich von morgen ab in e'nem zu diesem Zwecke in eine Kapelle umgewandelten Saale be­ginnen. Die Beerdigung ist auf den nächsten Sonnabend festgesetzt. Der Gesundheitszustand der Königin ist im Gegensatz zu den verbreite­ten Gerüchten verhältnismäßig gut. Die Stadt gewinnt allmählich ihr gewöhnliches Aus- sehen wieder. Die öffentlichen Gebäude und die Königl. Schlöffer werden unausgesetzt vom Mi­litär und der Stadtgarde bewacht. Die von Franco verbotenen Zeitungen sind nicht wieder erschienen; die anderen Blätter enthalten sich feit dem Verbrechen jeder Betrachtung über Politik und beschränken sich darauf, ihren Ab-

Dieners, die dampfenden Pferde mit dem bunten Federstutz auf dem Kopfe, die rotverbrämtr Schlittenpelzdecke, und vor allem die hohe ehr­furchtgebietende Gestalt der Gräfin selbst, in dem kostbaren Pelzmantel imponierten mit ge­waltig.

Die Gräfin Amalgunde von Oldensloe, ge­botene Fteiin von Löwenhagen, die Mutter des Grafen, mochte damals etwa fünfundfünfzig Iahte alt sein. Sie war wohl zwanzig Iahte jünger gewesen als ihr Gatte, der schon seit fast zwanzig Jahren verstorben wat. Seit jener Zeit verwaltete die Gräfin-Witwe die große Herrschaft und hatte auch jetzt noch die Zügel der Verwaltung fast ganz in den Händen, obwohl ihr einziger Sohn, der Graf Lothar, bereits im rüstigsten Mannesalter stand. Aber der Graf Lothar lebte meistens in der Residenz, wo er die Stellung eines Hofmarschalls am Hofe des regierenden Herzogs bekleidete.

Die Gräfin-Witwe war noch immer eine schöne Frau, deren feingeschnittenes Antlitz trotz der grauen Haare, welche es in sanften Wellen­linien umgaben, ein frisches, jugendliches Aus­sehen trug. Nur zwischen den dunklen Augen­brauen hatte sich eine Falte eingegraben, die ihrem Gesichte oftmals einen ernsten stolzen Ausdruck verlieh, und um die feingeschwungenen Lippen war ein Zug von geheimem Kummer und seelischem Leiden.

Die Gräfin liebte die Einsamkeit und das zurückgezogene Leben. Sie sah sehr selten Gäste auf dem Scbloß, das such im uebrigen allen Be­suchern verschlossen war, obgleich es seiner Sehenswürdigkeit wegen wohl der Besichtigung wett gewesen wäre. Aber weiter als bis zu dem stets verschlossenen Tor des eigentlichen Schloß­hofes kam niemand. Auch der weitläufige herr­liche Park, den eine hohe Mauer umgab, wat niemanden zugänglich. Nur ein alter Gärtner arbeitete in diesem Park, der nach und nach is- met mehr verwilderte,

^Fortsetzung folgt)