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Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Airchhainund Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2Mk.

Marburg

Sonntag, 2. Februar 1908.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gefpaltene Zeile oder deren Raum15 Pfennig, für Reklamen 90 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Bug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon56.

43. Jahrg.

Zweites Blatt.

Umschau.

Die Arbeit unserer Parlamente und nament- Uch des Reichstags wird heute im Wesentlichen durch die Kommissionen erledigt, und nicht allzu häufig kommt es vor, daß das Geschick der Vor­lagen im Plenum ein anderes ist, als man nach den Kommissionsbeschlüssen erwarten durfte. Die Verhandlungen der Parlament selbst sind deshalb nicht von so großer praktisch-politischer Bedeutung, wenn damit auch nicht gesagt sein soll, daß sie ganz ohne Einfluß wären. Da vor allem die Berichte über die Kommissionssitzung nur kurz und sehr oft auch nicht ganz ungefärbt sind, so lernen wir die Stellung der Parteien zu den einzelnen Fragen nur aus den Verhandlun­gen in den Parlamenten kennen.

Parlamente und Kommissionen haben nun in den letzten Wochen eine starke Arbeitsleistung hinter sich. Die Enteignungsvorlage gegen die Polen ist im Abgeordnetenhause angenommen worden, das Herrenhaus hat sie einer Kommis­sion überwiesen, die dem Wachsen der Vorlage zum Gesetz keine Schwierigkeiten bereiten wird. Die Blockpolitik tut ihre Wirkung, indem die Flottenvorlage der Regierung, die die Verkürz­ung der Lebensdauer der Linienschiffe fordert und die Ersatzbauten regelt, in zweiter Lesung angenommen wurde. Auch das Zentrum, das durch den flottenfreundlichen Herrn Spahn als Redner vertreten war, stellte sich auf den Boden der Vorlage. Trüber nimmt sich die parlamen­tarische Situation aus, wenn man an die Deckungsftage, die bei dieser Gelegenheit nur gestreift wurde, denkt. Die Reichsfinanznot jagt jedem Politiker einen Schrecken ein. Neue Steu­ern zu finden und sie zu vertreten, ist, da nun einmal niemand gern mehr an Lasten bezahlt als er muß, keine leichte Sache. Der Reichsschatz­sekretär Frhr. v. Stengel verwahrte sich denn auch dagegen, daß man seine Vorschläge kritisierte, ehe man sie kannte. Aus seinen tatsächlichen Bemerkungen, die er hinsichtlich der Finanz­kalamität machte, ging jedenfalls soviel hervor, daß die Zeit der großen Finanzreform, auf die man jetzt eigentlich einen Anspruch hätte, noch nicht gekommen ist. Die kleinen Mittel sollen helfen. Vorläufig stellte er eine Vorlage betr. die Verstaatlichung eines Teiles des Zwischen­handels in Branntwein und einer Banderolen« steuer für Tabak und Zigarren in Aussicht. Die Beratungen im Bundesrat haben aber über diese Punkte noch nicht stattgefunden.

Die preußische Wahlrechtsfrage, die die So­zialdemokraten innaiver" Verkennung der staatsrechtlichen Verhältnisse sogar zu Erörter­ungen in der bayerischen und badischen Kammer benutzen wollten von der Reichstagsdebatte ganz zu schweigen, ist allmählich wieder in den Hintergrund der politischen Aera gedrängt worden. Es ist nun einmal ein Gesetz für den natürlichen Menschen, daß man sich nicht fort­gesetzt in einer bestimmten Exaltation bewegen kann. Innerhalb der bürgerlichen Parteien hat die Frage ja nur im Freisinn lebhaftere Er­örterung hervorgerufen und zu unendlichen Zwistigkeiten hinsichtlich der Blockpolitik ge­führt. Wir haben schon mehrfach darauf hin­gewiesen, daß es eine vollständige Verkennung der Idee des sog. Blocks ist, wollte man glauben, daß Fürst Bülow sich durch die Drohung, in na- tionalen Fragen nicht mehr mitzutun, nicht ver­anlaßt sehen kann, plötzlich freisinnige Politik zu treiben. Von konservativer Seite ist immer betont worden, daß man im Interesse des Block­friedenr zu gewissen Zugeständnisien bereit ist. Das zeigt die Behandlung des Börsengesetzes und des Reichsvereinsgesetzes. Wollte der Frei­sinn hier dem Fürsten Bülow Schwierigkeiten machen, wie man drohte, so würde er sich in den eigenen Finger schneiden, da diese Gesetze eben Zugeständnisse nach links bedeuten, die von den Ultras natürlich als zu gering verworfen wer­den. Der fortwährende Hinweis der linken Seite men ist, so sollte die Rechte, die allerdings polt» des Hauses auf das Mindestmaß das sie ver­langen zu können glauben, nimmt sich in anbe­tracht der wirklichen parlamentarischen Macht­verhältnisse zuweilen komisch aus. Und wenn man dort nicht einfehen will, daß ihnen schon recht viel, im Vereinsgesetz z. B.» entgegengekom- Swr ist, so sollte der Rechte, die allerdings poli­

tischer denkt, nachdrücklich einmal klarlegen, wie denn ihre Mindestforderungen lauten.

Der freisinnige Reichstagsabgeordnete Pott- Hoff hat jüngst in derFrankfurter Ztg." klargelegt, daß eine Kündigung des Blocks oder gar ein Sturz des Reichskanzlers seitens der freisinnigen Fraktionen nicht erfolgen dürfte. Nur im Tone müsse der Unterschied zwischen dem Jahr der Hoffnung und dem Jahr der Ent­täuschung (nach der Wahlrechtserklärung Bü­lows) zum Ausdruck kommen. Er meint, da der Kanzler nicht vom Parlament, son­dern von der Krone rechtlich abhängig ist, da das Zentrum wohl im Notfälle stets den Retter in der Not spielen würde, und vor allem, da der Kanzler bei einer Verschiebung der Steuerfra­gen die Stimmen der Freisinnigen nicht braucht, würde die feierliche Kündigung die Schwäche des Liberalismus er meint des Freisinns nur offenbaren. Bei aller Entrüstung seitens des waschechten Freisinns über dieBrüskierung" durch Bülows Wahlrechtserklärung verurteilt man doch hier und da die Agitation, wie sie von dem äußersten Flügel des Freisinns gegenüber Bülow und dem Block getrieben wird. So be­schloß eine stark besuchte Versammlung des Chem­nitzer fteis. Volksvereins nach der obligaten Ent­rüstung über dieHerausforderung" Bülows folgendes:Der Verein erwartet auch nicht min­der von der Leitung der freisinnigen Volks­partei, daß sie aufs entschieden st e der von Dr. Barth und Genossen in Szene gesetzten verhetzenden Agi­tationen entgegentreten wird, die nichts anderes bezwecken, als unter Zerstörung der Einmütigkeit aller freisinnigen Gruppen einen Teil derselben der Sozialdemokratie zu- zuführen, was ausschließlich der Reaktion Vor­teile bringen würde."

Daß Fürst Bülow, der nur parlamentarisch verfährt, wenn er die Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses berücksichtigt, wo es sich um preußische Verhältnisie handelt, wie wir schon öfter« betonten, durch politische Treibereien einiger linksliberaler Herren mit ihrem Anhang im Reiche, zum größten Teile außerhalb Preu­ßens, in seiner Stellung jedenfalls nicht bedroht wird, behauptet auch eine Auslastung derLeipz. N. N." Unter dem TitelDer glückhafte Kanz­ler" wird dem Blatte aus Berlin geschrieben: Fürst Bülow ist von der Meute schlecht infor­mierter kleiner Reporter wieder einmal totver- brllt worden. Wenn die Leute wüßten, welche Heiterkeit ihre Schreibübungen erregen, würden sie sich die Mühe sparen. Nur eines erreichen sie sicher: die Ausschnitte solcher Artikel, in denen des Kanzlers Rücktritt angekündigt oder dräuend verlang wird, werden samt und sonders fein säuberlich aufgeklebt und dem Kaiser von dem mit Zusammenstellung dieser Literatur betrau­ten Beamten des Auswärtigen Amtes zweimal täglich frisch zugeschickt. Dann hat der Monarch doch was zum Lachen, und kommt er zum Kanz­ler, dannhoch in der Linken schwingt er die Wische mit freudigem Winken."

Nachgerade sollte man es in Berlin doch wisten, daß ein Minister durch Preßangriffe frei­sinniger Ideologen, die überdies dem politisch­parlamentarischen Leben meist sehr fern stehen, in seiner Stellung nur gestützt wird. Dem glück­haften vierten Kanzler würde etwas notwen­diges fehlen, wenn es solche törichte Angriffe nicht gäbe. Sie bauen sich überdies auf völlig falschen Voraussetzungen auf: sie halten den Kanzler und den Block für ein siamesisches Zwillingspaar, das unbedingt eingehen müste, wenn di« eine Hälfte einen tödlichen Schlag er­hält. Aber nicht einmal das ist richtig. Nach unserer Kenntnis der Lage würde sogar eine Sprengung de« Blocks das Vertrauen des Mon­archen zu seinem ersten Berater nicht erschüttern, sondern eher noch zu einem neuen Appell an das Volk führen. Einem besorgten ausländischen Interviewer hat Fürst Bülow dieser Tage selbst gesagt, daß er an Rücktritt nicht dächte. Von der ernsthaften politischen Presse Deutschland» hat nicht ein einziger Vertreter solch eine törichte Frage überhaupt erst gestellt.

iese Auslastung bestätigt unsere Auftastung der Sache. Man darf wohl, wenn man sich auch nicht auf politische Prophezeiungen einlasten soll, dem Kanzler und dem $Irtf ein längere, po- litsche» Leben voraussagen. Vor der Hand hat Fürst Bülow noch das Vertrauen seines Kasers und der überwiegenden Mehrheit des Volles.

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Deutscher Reichstag.

Im Reichstage entspann sich am Freitag bei der Fortsetzung der zweiten Beratung des Marineetats bei den dauernden Ausgaben nur noch eine kurze Dis­kussion, in der Abg. Spethmann (freif. Vp.) für Besserstellung der Beamten der Torpedowerkstatt Frredrichsort eintrat, und Geh. Admiralitätsrat Harms weitere Erwägung hierüber zusagte. Beim einmaligen Ausgabentitel befürwortete Abg. Ahlhorn (freif. Vp.) Unterstützung der Werftgemeinden Bant und Heppens. Staatssekretär v. Tirpitz erklärte, eine Erhöhung der Zuschüsse sei in dem Etat noch nicht vor­gesehen, da die Erhebungen noch nicht zum Abschluffe gelangt feien. Die Regierung stehe den Gemeinden jedoch wohlwollend gegenüber. Auf eine Anfrage des Abg. Ahlhorn bei der Forderung eines Torpedohafens in der Nähe Helgolands erklärte Staatssekretär v. Tirpitz, der Bestand Helgolands sei in keiner Weise erdet. Beim Extraordinarium, das eine erste zum Bau eines Trockendocks an der Unterelbe forderte, empfahl Abg. Dr. Paasche (natlib.) die An­lage eines Schwimmdocks, das größere Vorteile biete. Staatssekretär v. Tirpitz sagte Erwägung zu. Zum Bau fiskalischer Mietswohnungen (erste Rate 300 000 dH) für Offtzere in Wilhelmshaven beantragte Abg. Dr. Semler (natlib.) Wiederherstellung der Regie­rungsvorlage. Die Kommission sei hier bei ihrem Ab­striche von 200 000 * von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Staatssekretär v. Tirpitz bat um An­nahme biefeS Antrages, der denn auch nach kurzen zu­stimmenden Erklärungen der Abg. Erzberger (Ztr.) und Frhr. v. Richthofen (kons.), sowie einer Rede des Abg. Südekum (Soz.), der dem Anträge widersprach, zur Annahme gelangte. Eine gesonderte Diskussion entspann sich darauf bei der von der Kommission vor­geschlagenen Resolution betr. Vergebung von Arbeiten für die Marineverwaltung. Hierbei trat Abg. Groe- ber (Ztr.) lebhaft für die Resolution ein, da diese keineswegs in die Rechte der Unternehmer eingreife, mit ihren Arbeitern Verträge abzuschließen, hin­gegen erklärte Abg. Frhr. v. Richthofen (kons.), er werde die Resolution ablehnen, da durch dieselbe die Reichsverwaltung zu weit in das Verhältnis zwischen Unternehmer und Arbeiter eingreife. Abg. Ledebour (Soz.) befürwortete eine von feiner Partei beantragte Einschaltung, nach der auch die Arbeiterorganisationen bei der Festsetzung von Arbeitsbedingungen in den Marinebetrieben hinzuzuziehen seien. Freundlich stan­den der Resolution auch die Abg. Dr. Semler (nat.» lib.), Dr. Pachnicke (freif. Vgg.) und Behrens (toirt- schaftl. Vgg.) gegenüber.

Abg. Ledebour (Soz.) hält dem Abg. Pachnicke und seinen Freunde» vor, sie wollten mit ihren Schein« Argunrenten gegen die Einfügung derOrganisatio­nen" in die vorliegende Resolution nur ihre Gegner­schaft gegen die Arbeiterorganisationen vorhalten, und besonders gegen die Gewerkschaften. Dabei seien diese letzteren von der Sozialdemokratie durchaus unab­hängig.

Abg. Pachnicke (frf. Vgg.) stellt dies in Abrede. In den Gewerkschaften sehemandie- feiben Personen an der Spitze wie iw oer Sozialdemokratie.

Abg. Hue (Soz.) bestreitet, daß aus der Personen« Identität der Schluß statthaft sei, den Pachnicke ziehe. Ich selbst habe fterS meine gewerkschaftliche Unab­hängigkeit zu wahren gesucht.

Abg. Mngdan (Vp.): Merkwürdig ist, wie die Herren nach dem Parteitage in Jena und nach dem Aufruf der Gewerkschafts-Vorstände bei den letzten Wahlen jetzt noch so tun können, als wären sie nicht eins mit der sozialdemokratischen Partei! Gerade weil wir nicht die Ausschaltung der nichtsozialdemo­kratischen Arbeiter wollen, deshalb stimmen wir gegen Ihren Antrag. (Gelächter bei den Soz.)

Nunmehr geht ein Zentrumsantrag ein, über den Antrag Albrecht zur Resolution namentlich abzustim- men. Die namentliche Abstimmung wird jedoch auf morgen verschoben.

Er folgt der Etat des ReichSeisenba hn- amtS. Abg. Stolle (Soz.) führte Beschwerde über die große Zahl der Unglücksfälle und die lange Dienst- zeit von Beamten und Arbeitern. Abg. Dr. Bnrck- hardt (wirtsch. Vgg.) wurde vom Präsidenten Grafen Stolberg darauf aufmerksam gemacht, daß hier nicht die Eifenbahnverhältniffe der einzelnen Bundesstaaten erörtert werden dürfen. Präsident des Reichseisen- bahnamtS Dr. Schulz wies nach, daß bei den Reichs­eisenbahnen alles geschehe, um die Zahl der UnglückS- fälle trotz des gesteigerten Verkehrs weiter zu der- mindern. Die Unglücksfälle verteilen sich jedoch gleichmäßig auf die Gesamt-Dienstzeit der Beamten. Abg. Stör, (südd. Vp.) führte Beschwerde über die Umgebung Württembergs seitens der Durchgangs- schnellzüge, und verwies auf bai von seinen Freunden vorauSgesagte Versagen der Fahrkartensteuer. Sonnabend: Fortsetzung.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Im Abgeordnetenhause führte am Freitag die Fortsetzung der Beratung des Justizetats durch eine bunte Kette von Einzelwünschen und -beschwerden. Dem Wunsche deS Abg. Röchling (nl.) auf Teilung des Kammergerichts trat Geheimrat Fritzen entgegen. Abg. Dr. Dahlem (Ztr.) forderte Telephoneinrich- tung auch bei möglichst allen Amtsgerichten. Die An­regung deS Abg. Felisch (kons.) auf größere Vorsicht bet der Heranziehung von Bausachverständigen ver­sprach ein Kommiffar zu berücksichtigen. Die Abg. Gvhling (freif. Vp.) und Marx (Ztr.) verlangten eine Vermehrung der Kanzlistenstellen. Zum Befür- toorter eines oft ausgesprochenen Mittelstandswun­sche- machte sich Abg. v. Böhlendorfs (kons.) mit seiner Bitte, die Land- und Amtsgerichte sollen ihre Mate­rialien nicht von auswärttgen Großsirmen, sondern am Platze laufen.- Abg. Boehmer (kons.) empfahl sorgfälttge Auswahl der Amtsrichter, die bei gesun-

Aus den Parlamenten.

Die Wahlprüsungskommisfion deS Reichstages er­klärte am Freitag die Wahl des Abg. von Byern (kons.), Jerichow I und II, für gültig. Die Prüfung der Wahl des Abg. Schwabachs (natl.) in Diemel« Hehdekrug wurde noch nicht beendet und soll am Mon» tag fortgesetzt werden.

Die Telegraphenwegekommission unternahm am Freitag morgen 8,58 Uhr vorn Lehrter Bahnhofe eine Besichtigung der Telefunken-Groß-Station in Nauen. Graf Arco erklärte den Mitgliedern die Einrichtung. Die Verbindung mit der Station Norddeich.wurde hergestellt und mehrere Depeschen gewechselt. Di» Verständigung war ausgezeichnet. Von Interesse war der konstatierte Witterungsunterschied. Während in Nauen stürmisches Wetter und Schneeschauer herrsch­ten, wurde von Norddeich nach Sturm in der Nacht auflkärendes Wetter gemeldet. Die Rückfahrt erfolgt» 12,20 Uhr mittags.

Die Kommission zur Vorbereitung des Viehseuchen- gesetzes wählte am Freitag zum Berichterstatter den Abg. Siebenbürger (kons.) und beriet bann ben § 1. Lebhafte Erörterung rief bie Behandlung der Bienen hervor, bezüglich deren schließlich der Regierungsver­treter ein besonderes Reichsgesetz in Aussicht stellte.

Deutsches Reich.

Der Kaiser richtete, wie derReichsair» zeiger" meldet, an den Reichskanzler einen Er­laß zur öffentlichen Bekanntgabe, worin er für die zahlreichen Glückwunschtelegramme zu sei« nem Geburtstage dankt. In dem Erlaß heißt es dann: In herzerhebender Weife ist dadurch mein Ehrentag verschönt, meine Festesfreude er« höht worden. Im verflossenen Lebensjahr sind mir neben manchen freudigen Ereignissen auch schmerzliche Erfahrungen nicht erspart worden. Auch bin ich durch den Heimgang mehrerer mei» nem Herzen besonders nahestehender Persönlich» leiten, rote meines unvergeßlichen Oheims, mei­nes treuen Erziehers und Freundes in tiefe Trauer versetzt worden. Ich preise aber de» Allmächtigen Güte, daß es wieder ein Jahr be* Friedens gewesen ist, und vertraue zuversichtlich, daß Gott der Herr auch fernerhin seine schützende Hand über das deutsche Volk halten, es auf fried­licher Bahn weiterführen weiter führen wird zum Segen der Gesamtheit rote jedes Ein­zelnen.

Der Kronprinz hat sein Erscheinen zu dem in der Abteilung Berlin-Charlottenburg der Deutschen Kolonialgesellschaft am Montag, 10. Februar, abends 8 Uhr, in den Frankeschen Sälen, Potsdamerstraße 9, stattfindenden Vor­trag des Herrn F. Bronsart von Schellendorf, Major im Großen Eeneralstabe, in Aussicht ge­stellt. Das Thema lautet:Schilderungen tfus dem japanisch-russischen Feldzuge" (mit Licht­bildern).

Freiherr von Stengel amtsmüde? Der Rücktritt des Reichsschatzsekretärs wird von ver­schiedenen Seiten in baldige Aussicht gestellt. Als Nachfolger wird, rote schon früher, der Ober­bürgermeister von Frankfurt a. M., Dr. Adicke», genannt. Dieses Gerücht hat durch den gestrigen Empfang des Herrn Adickes beim Reichskanzler wieder neue Nahrung erhalten.

Die Herrenhauskommisfio« zur Borbe­ratung der Polenvorlage hat sich am Donners­tag konstituiert. Sie besteht aus folgenden 25 Mitgliedern: v. Wedel-Piesdorf (Vorsitzender), Dr. Frhr. Lucius von Ballhausen (Stellverv treter des Vorsitzenden), v. Oppenfeld (Schrift­führer), Dr. v. Burgsdorft (Stellvettreter de, Schriftführers), Dr. Adickes, v. Born-Fallois, Graf v. Bühl, Graf v. Carmer, v. Colmar- Meyenburg, Dr. v. Dziembowski, Ehlers, Graf Botho zu Eulenburg, Dr. Hillebrandt, Graf v. Hutten-Czapskt, Knobloch Körte, Dr. v. Kopp, Graf v. Kospoth, Frhr. v. Landsberg-Steinfurt, Dr. Loening, v. Puttkamer, Frhr. von der Reckes Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein, Herzog m Trachenberg, Fürst v. Hatzfrldt, Wilm»,

ben Beziehungen zur Bevölkerung manchen Pro«h verhindern können. Abg. Haarmann (nl.) führte Vie im Prozeß Moltke-Harben hervorgetretenen Miß» stänbe auf bas verspätete Eingreifen ber Staatsan­waltschaft zurück, bie sonst namentlich bei Beamten» beleibigungen meist sehr schnell zur Stelle fei. Abg. Sevbel-Hirschberg (nl.) trat für Wünsche von Ge­richtsvollziehern ein, währenb bie Abg. Meyer-Diep- Holz (nl.), Witzmann (nl.) unb Kirsch (Ztr.) sich einiger gorberungen ber Kanzleigehilfen annahmen. Ein Schulbeispiel bürokrattscher Engherzigkeit war ber Gegenstanb einer launigen Schilderung des Abg. Bänsch-Schmittlein (freitonf.) über eine arme Frau, die zu Unrecht unter bem Verdacht der Falschmün­zerei in Untersuchungshaft genommen wurde und den so eingebüßten Arbeitslohn schließlich erst durch das Eingreifen des Ministers ersetzt erhielt. Minister Beseler gab die vorgekommenen Mißgriffe zu, deren Untersuchung jedoch noch nicht abgeschlossen sei. Der Rest des Justizetat- wurde bewilligt. Beim Etat bet Hanbels- unb Gewerbeverwaltung gaben die Abg. v. Schenckendorff (nl.) und Felisch (Ions.) bem Mi­nister Delbrück mannigfache Anregungen über die weitere Förderung des Fachschulwesens. Sonn­abend: Fortsetzung.