Pfennig.
Die oder
Man abonniert auf die täglich et "bei allen Postämtern uni
Druck und Verlag'. Joh. Lug. Koch, UniversitätSbuchdruckeret Inhaber Dr. L.Hltz«r»th, Marburg, Markt 21. — Telephon 65.
Marburg
21.
g? Sonnabend, 1. Februar 1908.
Bestellungen
für die Monate gebt ar und März aus di«
„Oberhessische Zeitung" nebst ihren veittnrn werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch Hain, Reustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbrkeftragern ent- gegengenommen.
Die Eroberung der Lust.
Im Reichstage sind am Mittwoch zwei bedeutungsvolle Entschlüße mit erfreulicher Einmütigkeit gefaßt worden. Im Plenum gelangte mit allen Stimmen mit Ausnahme der Sozialdemokraten und Polen die Flottenvorlage in zweiter Lesung zur Annahme.
Nicht minder wichtig, wenn auch vielleicht Nicht gleich aktuell, war der Beschluß der Budgetkommission, die am Vormittage den Nachtragsetat erledigte, der zur Förderung von Versuchen auf dem Gebiete der Motor-Luftschiffahrt *400 000 M verlangt. Der ordentliche Etat fordert außerdem zur Gewährung einer Entschädigung an den General z. D. Dr. ing. Grafen von Zeppelin und zum Erwerbe der von ihm erbauten Luftschiffe 2 150 000 M. Es war in hohem Grade bezeichnend für das Interesse, das der Entwickelung der Luftschiffahrt in unserem Lande entgegengebracht wird, daß auch der Korreferent sich dem konservativen Redner mit Dank an den Grafen Zeppelin anschloß, besten außer- »rdentliche Leistungen Deutschland zur Ehre gereichten. Dieser Korreferent war nämlich — der sozialdemokratische Führer, Herr Singer! Nun liegt zweifellos ein Widerspruch darin, daß die Sozialdemokratie gegen jede Forderung der Flotte stimmt, die Deutschland ganz gewiß aur Ehre gereicht und bestimmt ist, den deutschen Handel und damit die Erwerbsmöglichkeit der deutschen Arbeiterschaft zu schützen, und andererseits für die Entwickelung der deutschen Luftschiffahrt eintritt. Aber es ist überflüssig, über solchen Widerspruch der Sozialdemokratie sich den Kopf zu zerbrechen, und es ist auch schließlich gleichgültig für das deutsche Ansehen. Unser Vaterland kann sehr wohl bestehen, wenn immer im Reichstage eine so natürliche Scheidung sich vollzieht, wie sie bei der Abstimmung über die Flottenvorlage sich vollzog: auf der einen Seite das vaterlandsliebende Bürgertum ohne Unterschied der Parteistellung, auf der anderen die revolutionäre Sozialdemokratie und die revoltierenden Polaken, die beide sich damit außerhalb des Vaterlandes stellen.
Die Bedeutung des von der Bubgetkommiffion gefaßten Beschlusses wurde kurz und klar hervor, gehoben durch den Regierungskommistar Prof,
। «Nachdruck verboten.)
Die weiße Frau von Oldensloe.
Original-Roman von O. E l st e r.
Der Herbststurm sauste um den alten Schloßturm, und pfeifet um die sich kreischend drehende Wetterfahne, dringt in die schießschartenartigen Oeffnungen ein, welche sich in der starken Mauer befinden, und wirbelt die steile Wendeltreppe hinaus und hinunter und rumort in den dunklen Gängen, welche von dem Turm aus in den unbewohnten Teil des Schlostes führen, rüttelt an verschloßenen Türen und Fenstern, als begehre er ungestüm Einlaß und fährt grollend davon, ärgerlich, daß ihm niemand mehr öffnet, wie zu jener Zeit, als diese Räume ein einsames Menschenkind bewohnte, das in seiner wilden Phantasie Zwiesprache mit dem Sturm zu halten liebte. Das ist lange Jahre her, und das ein- ferne Menschenkind hat endlich seine Ruhe gefunden, aber der Sturm braust weiter um den alten Turm und die unbewohnten Räume, als wollte er von vergangenen Zeiten erzählen, und Klagelieder singen von zerstörtem Menschen« glück, von Schmerzen und Tränen, vernichteten Hoffnungen, von Torheit und Leichtsinn, von Sünde und Schuld.
Doch wenn der wilde Geselle sich ausgetobt, dann kauert er sich leise murmelnd und flüsternd in die Winkel des alten Schlostes oder er lauscht an den erleuchteten Fenstern des bewohnten Teils und blickt hinein in die vom traulichen Kaminfeuer erhellten Zimmer, und was er dort sieht, das stimmt ihn weich und mild, und er singt leise Schlummerlieder, daß er das in seinem Bettchen schlafende Kind nicht weckt, und er säuselt leis und lind Lieder von Versöhnung. Frieden und Freude, durch die Allgewalt der Liebe herbeigeführt.
Ich sitze an meinem Schreibtisch und lausche auf die Lieder des Sturmes, auf fein ungestümes Brausen, auf (ein leises Singen und
Hergesell, der eine genaue sachliche Darlegung des Zeppelinschen Luftschiffes gab und die Bedeutung und die Vorteile des starren Systems hervorhob. Bekanntlich verwendet Graf Zeppelin einen aus Aluminium gebauten Ballon, dessen Form sich unter dem Einfluste des Winddruckes nicht ändern kann. Profestor Hergefells Ausführungen deckten sich naturgemäß int wesentlichen mit dem, was Graf Zeppelin selbst unter außerordentlich großer Beteiligung am Abende zuvor in der Singakademie dargelegt hatte. Bei den großen Flugschiffen, um die allein es sich für Staatszwecke handeln kann, kommt es nicht so sehr auf die augenblickliche Geschwindigkeit als auf die Länge der Reise und deshalb auf die Ausdauer und Betriebssicherheit an. Diese ist nur durch mindestens zwei von einander unabhängigen Motoren gewährleistet, wie das Zeppelinsche Fahrzeug sie aufweist. Niemals wird es Maschinen geben, die nie Unterbrechungen ihres Ganges ausgesetzt wären. Befände sich ein Ballon bei Versagen seines einzigen Motors über unwirtlichem Gelände, über Wüste oder Meer oder über Feindesland, so könnte dies den Untergang von Bemannung und Fahrzeug zur Folge haben. Das Gleiche wüte: der Fall sein können, wenn der Aerostat seine feste äußere Gestalt verlöre, oder wenn der Benzinvorrat vorzeitig zu Ende ginge. Nur ein starres großes Luftschiff besitze die unbedingt notwendige Sicherheit nach diesen Richtungen. Entscheidend aber ist schließlich die Fahrtdauer. Ein Ballon, der 50 Kilometer in der Stunde wäh. rend 50 Stunden fliegen kann, legt 2500 Kilometer zurück; ein solcher dagegen, der zwar nur 40 Kilometer, diese aber 100 Stunden lang fliegt, legt 4000 Kilometer zurück. Auch die Ansicht ist irrig, daß ein sehr großer Ballon nicht eben so hoch steigen könne wie ein kleiner^ und leichteres Luftschiff. Soll ein kleiner Lenkballon von nur 2400 Kilogramm Gesamtgewicht, der bei einem Motor von 85 Pferdestärken wohl höchstens für 20 Stunden Fahrzeit Benzin im Gewicht von 500 Kilogramm mitführen kann, die Höhe von 1200 Meter erreichen, so muß er 360 Kilogramm Benzin zurücklasten, wodurch seine Fahrzeit aus fünf Stunden reduziert wird. Ein großes Luftschiff von 16 000 Kilogramm Gewicht mit lOOstündiger Benzinausrüstung behält in demselben Falle nach Erhebung in 1200 Meter Höhe noch immer eine Fahrzeit von über
36 Stunden. L
Graf Zeppelin wies überzeugend nach, daß sein starrer Ballonkörper auf dem Erdboden weit widerstandsfähiger sei als Stoffballons; daß er auf dem festen Lande niedergehen könne, habe er bereits bewiesen und werde es auch ferner wieder beweisen. Ferner machte er daraus aufmerksam, daß bei ihm langdauernde Fahrten mit größerer Betriebssicherheit schon deshalb gewährleistet seien, weil er eine zwei- bis dreifache Ablösung der Bedienung an Bord habe, für die ferner in einem neuen Ballon besondere Arbeits- und Schlafräume vorgesehen feien.
Flüstern, und was er mir in den einsamen Stunden der Nacht, während mein Weib und meine Kinder nebenan friedlich schlummernd ruhen und im Traume lächeln, zuraunt und singt, das habe ich niedergeschrieben, um es meinen Kindern und Kindeskindern zu überliefern zur Warnung vor ihren Leidenschaften, zur Mahnung, dis bösen Gedanken nicht Gewalt über sich gewinnen zu lasten, aber auch zum Trost und zur Hoffnung, daß treue Liebe noch immer in der Welt Versöhnung, Frieden und Freude gebracht hat.
In allen alten Schlößern lebt die Sage von der gespenstischen weißen Frau, die den Bewohnern erscheint, entweder um ihnen ein Unglück oder ein Glück anzukündigen. Sie ist entweder die Schutzgöttin ihrer Nachkommen, oder die Rachegöttin für Schuld und Fehle.
Die weiße Frau — sie verkörpert den Gedanken, daß in jeder Familie Schuld und Fehle gewohnt haben, daß in jedem Hause einmal die Sünde, bte Torheit, bte wahnsinnige Selben» schäft ihr Haupt erhoben, baß in jedem Hause ben finsteren Mächten ein Opfer gefallen ist unb baß bie Schuld der Väter sich forterbt aus Kinder und Kindeskinder.
Die weiße Frau ist aber auch die Verkörperung des Gedankens der Versöhnung, des rott« derhergestellten Friedens. Wenn sie von ihrer Unruhe geheilt ist, wenn sie den ersehnten Frieden gefundr« hat, dann ist der Bann der Schuld gebrochen, der auf dem Hause, aus dem Geschlechte ruht. e , u.
Und in unserem alten Schlosse hat bte weiße Frau bte Ruhe, ben Frieben gefunben — bei Zauber war gebrochen, bie Schuld gesühnt, bie Sonne bes Friedens leuchtete über ben grauen Mauern unb nur bet Sturm erzählte in mitten Winternächten auch von Schutt unb Fehle.
Mein Vaterhaus liegt nicht weit von Schloß Ottensloe entfernt, in einem mitten Walbge- birge, umgeben von düstein, schweigenden Tan«
erkennen.
Fortsetzung der Flottendebatle im Reichstage.
Der Reichstag setzte am Donnerstag die zweite Lesung des Marineetats fort. Bei Titel „Gehalt des Staatssekretärs" stellte Abg. Dr. Leanhart (frf. Vp.) die Angriffe aus rechtsstehenden Kreisen als unbegründet hin, nach denen die Marineverwaltung nicht genügend für die Marine getan habe, und sprach dann den Wunsch aus, dah an die Spitze des Marinekonstruktionsbureaus an Stelle eines Marineoffiziers fortan ein Konstruktionsingenieur treten möge. Eine falsche Sparsamkeit sei es auch gewesen, daß man erst jetzt zum Bau von Unterseebooten geschritten sei. Auf die Ausführungen des Vorredners bemerkte Staatssekretär v. Tirpitz, er habe gestern nicht gesagt, unser Schiffsbau sei nicht auf der Höhe, sondern er habe nur gemeint, quantitativ könnten wir nicht so viel leisten wie England, da dieses mehr Firmen zur Verfügung habe und deshalb mehr bauen könne. So wünschens- wert es an sich sei, an die Spitze des Konstruktwns- bureaus einen Ingenieur zu stellen, so sei doch zu be-
Fm preußischen Herrenhaus wurden am Donner», tag zunächst zwei neu eingetretene Mitglieder ver« eibigt Die darauf vorgenommene Präsidentenwahl führte zur Wahl des Frhrn. v. Manteuffel zum Präsidenten, des Oberbürgermeisters a. D. Becker zum ersten und des Frhrn. Ignatz v. Landsberg zum zwei. ten Vizepräsidenten. Hauptpunkt der Sitzung war die Besprechung der neuen Ostmarkenvorlage. Dre Beratung eröffnete unter allgemeiner Aufmerksamkeit Kardinal Kopp, der sich gegen den Entwurf aussprach, weil er von ihm eine Vcrscyarfung der Gegen- ätze auch in konfessioneller Beziehung befürchtete uiü an der Unverletzlichkeit des Eigentums nicht gerüttelt wissen wollte. Ministerpräsident Fürst Bülow stellte die Enteignung als unentbehrliches Mittel zur Fortsetzung der Ansiedelungspolitik hm. Fürst NadziwA sah in der Vorlage einen Vorstoß gegen bte Gerechtigkeit und gegen die Unverletzlichkeit des Privateigentums. Oberbürgermeister Körte-Königsberg wollt« nicht anerkennen, daß die Enteigtiung schon jetzt btt unentbehrliche Waffe sei, und Graf v. Thr-le-Wmckle, riet offen zur Auflösung der Ansiedlungstommtsston. Diesen Anschauungen traten Finanztmntster är9r» v Rheinbaben und Landwirtschaftsmimster v. Arnim entgegen. Beredte Befürworter fand dte Vorlage m den Oberbürgermeistern Adickes-Franksurt und ®r. Kersten-Thorn. Gegen die «orage sprachen noch
Holz ober eine Hanb voll trockenes Laub genommen hatte. Unb wehe bem Wilddieb, ben er in bieser Zeit feines Zornes traf! Wenn er nur bie kleinste Regung bes Widerstandes machte, bann faß ihm bie Kugel aus meine« Vaters Büchse zwischen ben Rippen. Floh et aber bavon, bann erreichte ihn bie Kugel nut um so rascher, so baß er roimmetnb zusammen- ^Schon mehrere Wittbiebe hatte mein Batet Mt Strecke" gebracht, wie er selbst mit finsterem Lachen erzählte. Mehrere Male hatte er besiegen auch schon in Untersuchung gesessen, aber man hatte ihm nichts anhaben können, unb straflos war et aus bet Untersuchung hervor, gegangen.
Gefürchtet war mein Vater in bet ganzen Umgegenb, geliebt von Niemanden, nur meine Mutter unb ich, mir liebten ihn, aber ohne baß wir ihm biese Liebe zeigen bürsten Wtr muß- ten baß unter ber rauhen Außenseite ein Heikes, leibenschastliches Herz pochte.
Kam mein Vater aus bem Watte heim, bann -eiate er sein gewöhnliches, gleichgültiges, mürrisches Wesen, ohne jeboch geradezu unfreundlich zu sein. Ja et konnte wohl gar mit scherzen unb lachen, indem et sagte: „Wenn ich wollte, mein Bürschchen, könntest Du em ebenso vornehmer Herr sein, wie bet ba bruben aus Schloß Ottensloe." „
Dann erschrak meine Mutter daß sie «- blaßte unb bat meinen Vater, .nicht solche Reden gu führen, bte ihn um Amt unb Brot bringen
tücksichttgen, ob ein solcher durch die Mehrbelastung dann noch die Arbeit des Direttors zu leisten vermag. Was den Bau von Unterseebooten betreffe, so wäre« hier zwei Momente in Betracht zu ziehen: einmal die Gebrauchsfähigkeit der Boote sowohl unter wie über der Oberfläche, sodann aber die Gewähr für ein gefahrloses Betriebsmittel. Erst nach Ueberwindung aller technischen Schwierigkeiten sei man sofort zua Bau geschritten und habe dadurch den Bau unbrauchbarer Unterseeboote vermieden. Abg. Dr. Struwe (frf. Vgg.) glaubte aus den Worten des Staats- sekretärs eine allmählich eintretende Befferung der Stellung der Ingenieure entnehmen zu können. Red« ner sprach sich für weitere Ausdehnung der Oeffent« lichkeit bei den Marine-Kriegsgerichten aus und be- fürtoortete noch Wünsche von Marineangestellten sowie Petittonen. Staatssekretär v. Tirpitz erklärte, den Gerichtsberichterstattern sei der Zutritt zum Gerichts- saal nicht verwehrt. Die Stellung des Maschinen- Personals sei von ihm selbst aus eigenem Antriebe aufgebessert worden, wie überhaupt die Verwaltung sich nur vom Wohlwollen für alle ihre Angestellten leiten ließe. Abg. Legten (Soz.) stellte die Erkla- rungen des Staatssekretärs in bezug auf den Ausschluß der Oeffentlichkeit bei kriegsgerichtlichen Ver- Handlungen als ungenügend hin und verbreitete sich dann über die Arbeitsverhältnisse auf den Werften, über den geringen Einfluß, den die Arbeiter trotz der Arbeitsausschüsse hätten. Abg. Spahn (Ztr.) lehnte sich an die Ausführungen des Vorredners m bezug auf die Arbeiterverhältnisse auf den Werften an, was von dem nachfolgenden sozialdemokratischen Abg. Severin«, der sich besonders über Wilhelmshavener Ver- hältnisse verbrettete, mit Genugtuung erwähnt Mrde. Schließlich wurde der Titel „Staatssekretär" bewilligt. Auf die Bitte des Abg. Dahlem (Ztr.) sagte Staatssekretär v. Tirpitz noch zu, die Marineverwaltung werde ihren Bedarf an Wein, soweit als möglich, im Reiche decken. Das Haus vertagte sich auf Freitag 1 Uhr. Schluß 6 Uhr.
Künftig werbe man sicher Fahrzeuge haben, bie 60 Kilometer in bet Stunde zurücklegen könnten, man werbe also in 4y2 Tagen 6000 Kilometer fahren.
Professor Hergesell wies mit Recht in bet Budgetkommission darauf hin, baß biesem starren Systeme bie halbstarren zweifellos werben weichen muffen unb betonte bann bie große allgemeine wirtschaftliche Bebeutung der Luftschiffahrt, insbesonbere auch bie geographische unb bie geobätische Seite. Sein Wunsch, baß hoffentlich recht halb ein Vermessungsluftschifi bewilligt werde, wirb ja wohl in Erfüllung gehen. Denn höchst erfreulicherweise zeigt bas beutsche Volk für biese Frage ein sehr bereitwilliges Verstcinbnis. Freilich ist bas nicht immer so gewesen, unb bet Mann, bem jetzt im Reichstage bie große Genugtuung mit bet Anerkennung seiner ungeheuren wissenschaftlichen Leistungen zuteil wirb, hat vorher ben Schmerzenskelch bis zur Hefe leeren müßen. Von Anfang an hatte er n ‘t bem ärgsten Mißtrauen unb Neide zu kämpfen. Ja, gewiße Leute waren nahe daran, ihn als unzurechnungsfähig hinzu- stellen, obwohl das ungeheure Verdienst feiner Erfindung hauptsächlich darauf beruht, daß er unermüdlich gerechnet, gerechnet und wieder gerechnet hat, um bas richtige Verhältnis von Schwimmfähigkeit unb Widerstandskraft seines Fahrzeuges zu ermitteln. Aber selbst nach seinen ersten Erfolgen schwieg berWiderstanb nicht, unb bie Zweifler unb Netter, bie bas starre System überhaupt verwarfen, erhoben in nahezu geschlossenem Chor ihre Stimme, als in bet Nacht vom 17. zum 18. Januar 1906 bes Grafen Zeppelin zweites Luftschiff burch einen Orkan____
einen glänzenden Sieg seiner exakten Wissen- I Präsidentenwahl und Polenvorlage schaftlichkeit bet Welt vor Augen, unb es ift 1 -- - - -
eine so um höhere Ehrenpflicht bes beutschen Volkes, bies in wärmster Dankbarkeit anzu-
nenroättein, bie bei Gegend den Namen „das schwarze Land" eingetragen haben. Einsam war es in meinem Vaterhause, nur zur Zett der Herbstjagben würbe es lebenbig, wenn bei Graf von Obensloe mit seinen Gästen auf einige Tage in bem halbverfallenen Jagbschloße einkehrte, um auf Hochwild zu pürfchen, ober im Winter, wenn bie großen Treibjagden auf Wildschweine abgehalten wurden. Dann hallte das alte Haus von bem Lachen unb Lärmen bet Jäger unb bem Gebell ber Hunde wider. Unb meine Mutter, eine kleine, blaße, schmächtige Frau, hatte Tag unb Nacht zu tun, um bie Jagd- biners herzurichten, unb für bie Diener unb Jäger ber hohen Gäste zu kochen. Zwei kräftige Mägbe stanben ihr zur Seite unb ein Knecht, welcher Holz spalten unb Maßet tragen mußte.
Mein Vater, bei Revieijägei Eunbolai Decket ging finiter unb schweigend umher; ohne ein Wort zu verlieren, tat er seine Pflicht und erfüllte bie Befehle seines Jagbherrn, bes Grafen Lothar von Ottensloe. Wenn aber bie Jag« ben vorüber waren, bann setzte er sich auf atmend in ben finstersten Winkel seines Zimmers hinter bem gewaltigen Kachelofen, stützte bas bärtige Kinn in bie Faust unb starrte büfter, schwei- genb, mit brohenb zusammengezogenen Augenbrauen vor sich hin. Dann bürste niemand ihm nahe treten, selbst seine Frau, selbst ich nicht, der ich damals ein kleiner Bube war. Meine Mutter räumte ihm dann alles au» dem Wege, was ihn stören konnte, die Mägde, bet Knecht, ich ja selbst bie Hunde bürsten nicht in seine Nähe kommen, wollten sie nicht seinen jäh auf. könnten . -
flammenden Zorn erregen. Die Menschen jagte „Ja, lachte JBatet Wt1i? “4. <.. jj
et mit heftigen Worten von sich bie Hunde mit ja bran schuld, daß ^in Sohn kein vorneh
einem derben Fußtritt. So fak er einen oder I Mann werden kann. Aber kommt Zeit, kommt auch zwei Tage lang; bann erhob er sich, warf 1 Rat, unb noch ist nicht aller Tage Abend.
btt Doppelbüchse über die Schulter und ging Mein Vater setzte sich an seinen Sch^bttsch
hinmic in den Wald I und schrieb, meine Mutter aber ging in öw
h Wehe bem armen Waldfrevler, bet ihm in Küche unb weinte bitterlich. 2^ drängte »ich bieser Zeit begegnete. Er würbe schonungslos in ihre Arme und weinte »it ihr »Jne M angezeigt, wenn es aud) nut ein Stück dürre» | wißen, weshalb, lLorts. folgt.)