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Deutsches Reich.

__ Der Kaiser besuchte den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes und den Reichskanzler und hörte im Königlichen Schloß den Vortrag des Chefs des Militärkabinet^s.

Vom Kaiserhofe. Berlin, 28. Ian. Der Eroßherzog and die Großherzogin von Hessen besuchten heute früh m Gesellschaft des Prinzen Heinrich von Preußen die Ausstellung englischer Kunst in der Akademie der Künste am Pariser Platze. Später kam der Großherzog von Baden mit Gefolge. Die hohen Herrschaften betrach­teten geführt vom Präsidenten Kamps und von Professor Dr. Justi, die Ausstellung mit leb­haftem Interesse. Auch die Großherzogin von Mecklenburg, der Regent und die Regentin von Braunschweig, sowie die Fürsten von Walden und von Schaumburg-Lippe zeichneten die Aus­stellung durch ihren Besuch aus.

__Auszeichnungen und Beförderungen. Von den aus Anlaß des Geburtstages des Kaiser» vollzogenen Auszeichnungen und Beförderungen seien hervorgehoben: den Roten Adlerorden erster Klasse mitEichenlaub erhielten die Staats- Minister Breitenbach, v. Arnim, sowie Hofmar- schall Frhr. v. Lyncker und Hosprediger D Dry- ander: den Roten Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub und der König!. Krone die Genera.» v Mackense und v. Löwenfeld (Kommandeur M 1' Eardedivision); den Stern zum Roten Aoler, orden zweiter Klasse mit Eichenlaub Kultus. Minister Dr. Holle und Eeneralsuperintende-.t Faber; den Königlichen Kronenorden zweiter Klasse de" Eroßkaufmann James Simon in Berlin. Zum Admiral wurde befördert: der Vizeadmiral Gras von Baudisstn, kommandiert zur Dienstleistung beimAdmiralstab der Marine in Berlin, zum Vizeadmiral der Kontreavmiral, Admiral ä la suite v. Usedom, Oberwerftdirek­tor der Werft zu Kiel, zu Kontreadmrralen die Kapitäns z. See Frhr. v. Schimmelmann, Ober­werftdirektor der Werft zu Danzig, und Merten, zum Oberst.der Oberstleutnant und Komman-

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für die Monate Febr ar und Marz aus die

»Oberhessische Zeitung" nebst ihren Belagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch. Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Lan^l riestrLgern ent- gegengenommen.

Delcassss Niederlage.

Es war zu erwarten, daß Pichon dem Eifer Delcassss eine merkliche Abkühlung werde zuteil werden lassen.

Daß diese so reichlich ausfallen würde, hat jener wohl selbst nicht gedacht. Jedenfalls ist es bemerkenswert, daß Pichon so schroff von dem kxminister abrückte. Delcasss selbst soll im Hin­blick auf Pichons Rede gesagt haben: Wenn Kaiser Wilhelm jetzt nicht befriedigt ist, so ist er wirklich anspruchsvoll. Daß in der Montags- sttzung z. T. dieselben Abgeordneten den Aus­führungen Pichons gegen Delcassö lebhaften Beifall zollten, die am vorigen Freitag die- fem zujubelten, ist bei der französischen Be­geisterungsfähigkeit nicht verwunderlich. Die Blätter stellen fest, daß der Erfolg der Rede Delcass6s eben seiner Person galt, nicht seiner Politik, nachdem diese einer ruhigen Betracht- »ng unterzogen wurde, erklärte sich die Kammer gegen sie. Von politischen Träumen und Bra­marbasieren bis zur verantwortungsvollen Tat ist ein weiter Schritt. Die Rechnung Del- rass^s, die Preußen würden nicht zum Schwerte greifen, könnte am Ende doch nicht stimmen. Trotzdem wird man das Treiben der chauvinisti­schen Kreise mit Aufmerksamkeit verfolgen und sehen müssen, welche Folgen der Vorstoß Del- eass6s in der öffentlichen Meinung nach sich zieht, denn obwohl die Kammer und die verantwort­lichen Leiter der französischen Politik von ihm abrücken, so hat dieser sicher aus gutem Grunde gerade diesen Augenblick zu seiner, wie derFi­garo" sagt, seit einem halben Jahr improvisier­ten Rede gewählt.

Der offiziellen Politik war Delcassss Vorstoß sicher sehr unangenehm und das ist immerhin sehr zu beachten. Man will hier offenbar gerade jetzt, wo man Europa braucht zur Beseitigung der in Marokko aufgetretenen Schwierigkeiten, niemandem, vor allem nicht Deutschland, vor den Kopf stoßen.

Die Behandlung der Ereignisse, die zu Del- kass^s Sturz führten, durch diesen selbst, haben wieder Erörterungen jener Vorgänge hervorge­rufen, die von einigem Interesse sein dürften. DieAction" erzählt hierzu:

In den ersten Julitagen des Jahres 1905 wurde der italienische Bot,chafter in Berlin gebeten, sich so-

Konferenz oder Krieg. Weinend verließ der von Rouvier herb abgekanzelte Delcasse den Ministerrat und schrieb im Nebenzimmer das Demissionsgesuch, das Loubet eine halbe Stunde später anzunehmen ge­zwungen war. Diese Augenblicke tiefster Erniedrigung hat Dllcaffe seinen Gegnern nie verziehen.

Ueber die Haltung Deutschlands telegra­phiert der Berliner Vertreter derTribüne" seinem Blatte:

Die deutsche Regierung kritisiert die Rede Del- casseS vorläufig nur in einem Punkte, nämlich, daß es nicht richtig sei, daß die deutsche Regierung gegen die französisch-englische Annäherung protestiert habe; da- sei niemals geschehen, sie habe auch nicht gegen das französisch-englische Einverständnis betreffs Ma­rokko» protestiert, welches der eigentliche Ausgangs­punkt für diese Annäherung war. Die deutsche Regie­rung hat lediglich davon Kenntnis genommen, weiter nicht». Richtig ist allerdings, daß die deutsche Regie­rung davon unterrichtet wurde, daß ein Einverständ­nis bezüglich Marokkos zwischen Frankreich und Eng­land erfolgt sei, aber der französische Bericht war nicht so abgefaßt, daß Deutschland sein Einverständnis hiermit erklären sollte. Deutschland hat hierauf nun gar nicht reagiert, bis der französische Geschäftsträger in Fez den Sultan zwingen wollte, eme ähnliche untergeordnete Stellung einzunehmen, wie etwa der Bah von Tunis. Der französische Gesandte glaubte nämlich, seinem Verlangen dadurch größeren Nach- druck zu geben, daß er vorgab, ein europäisches Man­dat zu seinem Vorgehen zu haben. Jetzt erst schritt Deutschland ein und protestierte dagegen, daß seiner­seits ein solches Mandat vorliegc. Nachdem die Alge- cira satte vorlag, hat Deutschland nichts mehr unter- nommen, sondern sich loyal an diese Akte gehalten, trotzdem es schien, daß Frankreich mehrfach diese Akte von Algeciras überschritt.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

In der 19. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses am 98. Januar 1908 wurde in der zweiten Beratung des Staatshaushaltsetats, bei der Justizverwaltung fortgefahren. Nachdem mehrere Redner für eine Ver­schärfung der Prüfungen cingetreten waren, um dem allzu großen Zudrang zum juristischen Studium zu wehren. Der Justizminister Beseler betonte, daß d,e Prüfungen erweisen sollten, ob der Lernende seine Studienzeit gut ausgenutzt habe. Die Klausurarbeit werde allen solchen Prüfungen, die beim mündlichen Examen unter dem Banne einer gewissen Befangen­heit stehen, nur zum Vorteil gereichen. Bei einem Bestände von 7000 Referendaren allen die nötige praktische Schulung zu geben, sei zwar eine schwierige Aufgabe, doch werde von der Justizverwaltung auch m dieser Beziehung das Möglichste geleistet. Abg. Dr. Rewvldt (freikons.) forderte bei Sittlichkettsprozessen größere Einschränkung der Oeffentlichkeit, auch für die Presse, durch deren ausführliche Berichte solcher Pro­zesse die Sittlichkeit der Allgemeinheit gefährdet werde. Abg. Straffer (kons.): Der Moltke-Hardenprozeß habe gezeigt, in wie schädigender Weise alles durch die Presse in die Oeffentlichkeit gezerrt werden könne und wie der Arttkelschreiber straflos bleibe, wenn der Wahrheitsbeweis gelinge. Was dieser bedeute, zeige der Umstand, daß Sachverständige und Richter bet der ersten Verhandlung des Prozesses zu einem anderen Resultat gekommen wären wie bet der zweiten. Es müsse besser für den Schutz der Ehre im Privatleben gesorgt werden, nur dann sei Aussicht vorhanden, das Duellwesen einschränken zu können. Die Verteidiger vor Gericht dürften nicht die Ehre von Zeugen und Angeklagten in unerhörter Weise verletzen dürfen. Dann werde auch die Angst tnt Volke schwinden, als Zeuge vor Gericht erscheinen zu müssen. Zum Schluß rief der Redner nach Strafverschärfungen, event. kor-

perliche Strafen gegen die scheußlichen Verbrich« «* kleinen Kindern und nach einer gründlichen R« irgani« satton unserer Kriminalpolizei. Abg. Meeren (Ztr.) verlangte ein schärferes Vorgehen gegen die Verbrei­tung unzüchtiger Bilder und Schriften. Der I ittiz- Minister stellte sich den vorgebrachten Wünschen wohl­wollend gegenüber und sagte namentlich einen wirk­sameren Schutz der öffentlichen Sittlichkeit zu. Abg. Dr. Campe (natl.) wies auf die Vorgänge im Moltke- Hardenprozeß hin und meinte, derartige Verhand­lungen wären geeignet, den Bankerott der Rechts­pflege herbeizufuhren. Abg. Cassel (frs.Vp.) tadelt, daß Referendare als Pflichtverteidiger gestellt werden. Die Angeklagten dürften nicht zu Objekten der Aus­bildung der Referendare gemacht werden. Der Aus­schluß der Oeffentlichkeit in die Sittlichkeit gefährden, den Prozessen sei jetzt schon genügend gesichert. Die Prügelstrafe würden den beabstchttgten Zweck nicht erlangen. Abg. Pelkasehn (frs.Vgg.stritt fürVermeh- rung der Richterstellen ein. Justizmimster Dr. Stie­let führte aus: Campe habe von einem drohenden Bankerott der Rechtspflege gesprochen. Es handle sich aber doch nur um Einzelfälle. Nachdem sodann Mr- zerski (Pole) Beschwerde über die Behandlung der Polen durch die Justtz vorgebracht hatte, vertagte das Haus um 4^4 Uhr die Weiterberatung auf Morgen _

fort zu Kaiser Wilhelm ins Schloß zu begeben. Er wurde sofort empfangen, und der Kaiser richtete an ihn folgende Worte:

Ich weiß, daß der französische Minister des Aeußeren, Delcasse. schon seit Jahren in England wegen des Abschlusses eines Offensiv- und Defenstv- vertrages zwischen den beiden Ländern unterhandelt. Diese Verhandlungen wurden so geheim geführt, daß in Frankreich außer Delcasse nur der Präsident Lou­bet noch davon Kenntnis hat, in Deutschland aller­dings weiß es auch einer, und das bin ich. Ich habe Einzelheiten der Verhandlungen verfolgt und werde auch das Datum erfahren, an welchem eventuell der Vertrag unterzeichnet werden sollte. Aber an jenem Tage, das sage ich Ihnen, Herr Botschafter, mar­schieren meine Truppen in Elsaß-Lothringen em.

Der Kaiser setzte noch hinzu, daß er aus semer, dem Botschafter gegebenen Jnformatton ketnerlet Ge­heimnis mache, und er diktierte ihm sogar einen Aus­zug aus der gepflogenen Unterhaltung in dte Feder. Natürlich unterließ es der Botschafter nicht, femen Chef, den italienischen Minister des Aeußeren, Ttt- toni, von der Unterredung ausführlich in KenntmS zu sehen, und Tittoni unterrichtete wieder den fran- zösi chen Botschafter am Quirinal, Barreres. hiervon. Dieser telegraphierte sofort an den Mmisterprastden- ten Rouvier und Delcasse.

Rouvier berief nach Empfang der Depesche allso- gleich einen Ministerrat zusammen und verlas das Telegramm des Botschafters Barreres über die Aeußerungen des deutschen Kaisers gegenüber dem italienischen Botschafter. Sodann forderte er Delcasse auf, dem Ministerrat die nötige Aufklärung zu geben. Delcasse gestand ein, daß er wegen des Abschlusses einer Offensiv- und Defensiv-Allianz mit England unterhandle. Darauf erbleichte Rouvier und erging sich in heftigen Vorwürfen gegen Delcasse, weil dieser es unterlassen habe, von so hochbedeutsamen Verhand- lunaeii, die eine eminente Kriegsgefahr im Schoße berge, seinen Ministerkollegen Mitteilung zu machen.

Delcasse suchte sich zu rechtfertigen, indem et be- hauptete, er habe diese Politik nur Loubets halber getrieben, und brach schließlich in Tranen aus. Aber Rouvier erwiderte rauh, es handelte sich nicht um Tränen, sondern um- Taten. In einer halben Stunde müsse Delcasse dem Präsidenten Loubet fern Demis- sionsgesuch überreicht haben, widrigenfalls das ganze Kabinett zurückträte. So ging Delcasse zu Loubet und war eine halbe Stunde spater nicht mehr Minister.

Senator Rouvier antwortete auf die Frage, was er als ehemaliger Konseilchef zu der Aeuße- rung Delcassös (Das Parlament ist getäuscht worden") zu bemerken habe:

Ich ließ es mir als Ministerpräsident angelegen fein, alle führenden Parlamentarier von den Gefah- ren des Augenblicks rechtzeitig zu unterricht«!. Da­rüber kam ich mit Delcasse in Streit, denn dieser be­hauptete, es sei ein großer Fehler, das Parlament oder dessen bedeutendste Vertreter nut wichtigen Din- oen vertraut zu machen. Ob wirkliche oder vermeint­liche Kriegsgefahr bestand, darüber braucht man gar nicht in den Staatsarchiven Auskunft zu Halen. ES genügt, eine gewisse Rede des Fürsten von Bulow auf­merksam gelesen zu haben."

Aehnlich äußerten sich Delcassss frühere Kol­legen Pelletan und General Andrs.

Pariser Blätter erinnern daran, das Loubet der einzige war, den Delcasss seinerzeit ins Ver­trauen zog. Sie schreiben:

Darum war Rouvier so entrüstet, als ihm Bar­riere, der französische Botschafter am Omrinal, die Augen öffnete, und zwar durch die Mitteilung einer Depesche über die hochwichtige Unterredung Kaiser Wilhelms mit dem italienischen Botschafter ,n Berlin. Nach Kenntnisnahme dieser Depesche ertannte Rou­vier, daß Frankreich tatsächlich vor der Wahl^stehe^

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Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne DVNNtkslllll 30. fVOltUGt 1908. Inhaber Dr. C. Hitzero th, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

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51 ^Nachdruck verboten.)

Unter der Maske.

Roman von Lady Georgina Robertson.

(Sortierung.)

Großer Gott," flüsterte er mit heiserer Stimme, sie vorgebeugt mit den Augen ver­schlingend,großer Gott, stehen die Toten auf? Sie hat Ellens Augen, ihre Stirn. Weib," schrie er laut, auf sie zustürzend, und ihre Hände packend,Weib, wer bist Du? Ant­worte mir, sonst verliere ich den Verstand!"

Sie versuchte ihre Hände aus den seinen zu lösen und ihr Antlitz vor ihm zu verbergen.

Ist es wahr, bist Du Ellen? Ich sehe ein Gesicht, welches mir bekannt ist, und doch so fremd. Antworte mir, wer bist Du?"

Ich bin Ellen, Deine Frau," entgegnete sie, die Du so wenig liebtest, daß sie es vorzog, lieber lebendig tot zu sein, als neben Dir zu leben."

Lord Chesleigh war vor ihr niedergesunken und zum ersten Mal im Leben sah sie ihn weinen.

Es tut mir weh, daß ich mein Geheimnis verraten mußte," sagte sie. ,Zch wollte es mit mit ins Grab nehmen. Nun werde ich dies Haus wieder verlassen und niemand braucht zu wissen, wohin ich gehe."

Du wirst mich nie wieder verlassen," er­widerte Lord Chesleigh fest,niemals, wenn Du wirklich Ellen mein Weib bist." |

Ja, ich bin es. Ich wähnte, ein Opfern bringen zu dürfen, das ich erst jetzt als sünd-' hast erkenne. Gott hat ein solches Opfer

er

nicht angenommen, ich wurde gerettet, aber ich glaubte dennoch, daß ich für Euch alle tot blei­ben könnte." ,

Sie trat an das Bett des Kindes und legte ihm die Hände auf den Kopf.

Fch würde nie wieder nach England zuruck- gekehrt sein," fuhr sie fort.Mein Kummer hat alles in mir ertötet, die Liebe zur Heimat, zu meinen Freunden, zu meinen Eltern, ja selbst die Liebe zu Dir war tot und vernichtet tn mit. Rui eine konnte nicht sterben, das wat die Liebe zu meinem Kinde. Sie brachte mich zu­rück, sie ließ mich die Gefahr nicht fürchten, hier erkannt zu werden."

Lord Chesleigh sah sie erstaunt an, wahrend sie ihm die Einzelheiten ihrer Geschichte erzählt^ Wie hatte die zarte, verwöhnte Frau die Kraft gefunden, alles das zu ertragen!

Weiß Mathilde, daß Du lebst?" ftagte

schnell.

Ja, sie weiß alles," war die Antwort. 'Jetzt verstehe ich sie," sagte er leise.

Und Ellen sah den alten Ausdruck in ferne Züge treten, den sie die letzte Zeit hindurch ganz vermißt hatte.

Als der Arzt, gefolgt von der Kinderfrau, ins Zimmer trat, hatte sie sich zusammengerafst und stand aufrecht und ruhig am Bett des Kru­des Auch Lord Chesleigh hatte seinen Mienen den gewöhnlichen Ausdruck gegeben und nichts in der Haltung der beiden deutete darauf hrn, welche Minuten voll Erregung sie eben durchlebt hatten Die Kinderfrau hatte auch sofort auf Lord Chesleighs Geheiß das Zimmer verlassen; sie besaß nicht einmal Zeit genug, sich darüber zu wundern, daß Mrs. Moores Haltung durch­aus nicht» «^kennen lietz, wie sehr es ihr

nahe ging, daß sie ihre Stelle werde aufgeben müssen." ... . .

Es waren qualvolle Minuten, wahrend der Arzt jedes Glied untersuchte, und ein Seufzer der Erleichterung rang sich aus den geängsteten Herzen, als er sagte:Es sind keine ernsten Verletzungen: der linke Arm ist gebrochen, wird aber bei sorgsamer Behandlung wieder heilen."

Und weiter ist wirklich nichts verletzt?" fragte Ellen. t .

Rein, ganz gewiß nicht," erwiderte der Arzt und begann den Verband anzulegen.

Als er das Zimmer wieder verließ, folgte Lord Chesleigh ihm nicht. Er war so überwäl­tigt, so benommen von dem, was er gehört hatte, daß er kaum auf die Worte des Doktors geach­tet hatte. Während er noch ganz erfüllt von dem Erlebten, Ellen anblickte, sah er, wie sie wankte und langsam zur Erde glitt.

Erschrocken sprang Lord Chesleigh auf sie zu, hob sie empor und setzte sie auf einen Stuhl, sie festhaltend, so daß sie nicht umsinken konnte. Was sollte er tun? Eine der Dienerinnen konnte er nicht rufen, die Möglichkeit lag zu nahe daß Ellens Geheimnis verraten werden konnte und das durfte unter keinen Umständen geschehen.

Auf dem Tische stand eine Karaffe mit Wasser, die er erreichen konnte, indem er den Stuhl, auf dem Ellen in seinen Armen mehr hing als saß, dem Tische näher brachte. Er zog dann ein Taschentuch hervor, ergriff mit der einen Hand die Karaffe, feuchtete das Tuch genügend an und rieb ihre Schläfe, bis sie mft einem tiefen Seufzer erwachte. Dann ergriff rr ein Glas. stillte es mit Wasser und hielt es

ihr an die Lippen, worauf sie langsam zu schlürfen begann. ... .

Das Bewußtsein kehrte allmählich zurück und mit einem unsagbar zärtlichen Blick sah sie tn feine Augen.

Lord Chesleigh hatte keine Zeit zu verlieren, er mußte jede Minute benutzen um nicht den Verdacht der Dienerschaft zu erwecken. »Ellen, mein Lieb," sagte er daher,|et stark, richte Dich auf, jetzt, jetzt darfst Du nicht krank werden. Vermagst Du Dich zu sammeln, ver- maqst Du einen Gedanken zu fassen, so hilf mir. Dein Geheimnis zu wahren, denn gewahrt muß es werden." , . , .

Die zarte Frau, die so viel ertragen aus eigenem Willen, auch jetzt raffte sie sich auf sie wußte, daß sie jetzt nicht schwach werden durste. Langsam richtete sie sich vom Stuhle auf und am Tische sich haltend, versuchte sie zu stehen. Dann ergriff sie ein Glas und deutete auf erneu Schrank, in dem sich eine Flasche Wern befinden mußte. Lord Chesleigh holte sie und goß seiner Frau das Glas voll, das sie in langsamen Zugen leerte #

Der Wein tat seine Schuldigkeit unb gab Ellen ihre Kräfte wieder, deren sie bedurft^ Ich werde jetzt in mein Zimmer gehen das ich so lange als Mrs. M-sre bewohnt habe, und bitte Dich, an Mathilde zu telegraphieren, sie möchte sofort kommen. In einigen Stunden kann sie hier sein. Du kannst alles mit ihr be. sprechen, und sie wird uns helfen können, leichter über das hinwegzukommen, was geschehe^ mU&" (Fortsetzung folgt )