Erstes Blatt
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(Fortsetzung folgt.)
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in ihrem Leben in der Lage gewesen find und auch nicht sein werden auch nur irgend etwas aus dem Auslande zu beziehen. Oder ein anderes Beispiel: der leitende Ingenieur der Gesellschaft für Ausbau elektrischer Tramways mutzte seinen Posten aufgeben und Warschau verlassen, nur weil er einen deutschen Familiennamen trug, widrigenfalls er stch der Gefahr ausgesetzt hätte von fanatischen Arbeitern, wie ihm angedroht war, erschossen zu werden. Nun aber kommt das Bezeichnende an der Sache. Es fand sich kein polnischer Ersatz für den Deutschen und die Gesellschaft ist jetzt gezwungen, will sie die Arbeiten fortführen das fertige Material, das bisher an Ort und Stelle hergestellt wurde, aus Deutschland zu beziehen'. Wenn man ferner bedenkt, wie jetzt hier in den Eeschäftslokalen die polnischen Käufer, die sich als gute Patrioten aufspielen wollen und deshalb nur polnische Ware verlangen in ihrer patriotischen Gutgläubigkeit von findigen Händlern sogar rein polnischer Abstammung aufs gröbste betrogen werden, indem sie die nämliche deutsche Ware, die ihnen heute als polnisch angepriesen wird, 50 und mehr Prozent teurer als früher bezahlen müssen, dann steht man, was es mit dem unter großem Lärm in Szene gefetzten Boykott in Wirklichkeit auf sich hat. Auch die offiziellen Angaben der russischen Zollämter an der deutschen Grenze, datz der Import deutscher Waren nach Russisch-Polen in den letzten Monaten einen ganz bedeutenden Aufschwung genommen hat, beweisen, datz der polnische Boykott kläglich Fiasko erlitten hat."
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Marburg und Umgrgeud.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe
„Oberheff. Ztg." gestattet. )
'Viarbtttfl 2b. Januar.
* Verband akademisch gebildeter Lehrer Deutschlands. Bekanntlich haben sich die Vereine der akademisch gebildeten Lehrer (Philologen) der einzelnen deutschen Staaten im Jahre 1903 zu einem Verbände zusammengeschlossen, der jetzt mehr als 16 000 Mitglieder zählt und Beamte der Schulverwaltungen, Direttoren, Professoren usw. aller deutschen Staaten umfatzt. — Der Verband hält alle zwei Jahre in den Osterferien eine Tagung ab, deren erste 1904 in Darmstadt und deren zweite 1906 in Eisenach stattfand. Für die dritte zu Ostern 1908 ist Braunschweig bestimmt worden. Nachdem der Eesamtvorstand in seiner letzten Sitzung in Braunschweig die Tagesordnung für die Braunschweiger Osterversammlung endgülttg genehmigt hat, ergeht nun die Einladung an alle Vereine akademisch gebildeter Lehrer Deutschlands, diese Versammlung möglichst zahlreich zu beschicken. Sie wird am 13., 14. und 15. April unter Leitung des zeitigen Verbands-Vorsitzen-
Bestellungen
। (iit die Monate Febr at und März
■ auf die
^Oberhessische Zet tung" nebst ihren Bergen werden von unserer Expedition !(Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch Hain, Neustadt und Wetter, sowie von Allen Postanstalten und Lan»>briefttägern ent* gegengenommen.
den Prof. Dr. Wernicke-Braunschweig vor pch gehen. — Währens der 13. und 14. April hauptsächlich für Begrützungen und Verhandlungen und für den gegenseitigen Austausch von Mein» ungen bestimmt sind, wird der 15. April zur Be- fichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt Braunschweig und für Ausflüge freigehalten. Von der Tagesordnung der Hauptversammlung (14. April) mögen hier zunächst nur die beiden Gegenstände Erwähnung finden, welche mit den großen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen unserer Nation in engem Zusammenhänge stehen. Direktor Dr. Gaster-Antwerpen wird über „Höhere deutsche Auslands-Schulen sprechen. Da die Erhaltung des Deutschtums im Auslande in erster Linie dadurch bedingt ist, daß die Deutschen dort deutsche Schulen mit deutschen Berechtigungen vorfinden, so ist die Wich- tigkeit der deutschen Auslandsschulbewegung, deren Führung augenblicklich Dr. Gastet Hai, ohne weiteres klar, womit auch übereinstimmt, daß die Reichs-Regierung ihr fortgesetzt ihre Aufmerksamkeit zuwendet und sie nachdrücklich unterstützt. Rektor Prof. Dr. Schaarschmidt- Chemnitz wird aufgrund eigener Erfahrungen den einleitenden Bericht geben zu dem pädagogischen Erörterungs-Thema: „Freiere Gestaltung des Unterrichtes und der Erziehung auf der
i Oberstufe unserer höheren Lehranstalten. Elb- gesehen von der pädagogischen Bedeutung diese« Themas ist zu beachten, daß die lungen Leute in den meisten Kulturstaaten früher Wirtschaft lich selbständig werden als in Deutschland, und daß hierin bei unseren gegebenen Schulverhalt- nisien nur Abhilfe geschafft werden kann wenn auf der Oberstufe unserer höheren Schulen etn Mischsystem von Allgemein-Bildung und Benifs*
I Bildung zur Geltung kommt. Den Fest-Vortrag I wird Dr. Weber-München halten und zwar über das Thema: „Anteil des höheren Lehrer-
I standes an dem Geistesleben der deutschen Na- I tion" Außerdem wird in der Hauptversamm* | lung 'noch Oberlehrer Dr. Ullrich-Berlin behandeln: „Die Lehrerbibliotheken der höheren
I Schulen, ihre Bedeutung für Schule und Wissen- I schäft und ihre zweckmäßige künftige Gestaltung". Einzelne Vereine des Verbandes, welche
I Braunschweig benachbart sind, werden ihre Jah- 1 resversammlung im Anschluß an die Verbands« I tagung in Braunschweig abhalten, so z. B. der I Philologen-Verein der Provinz Hannover. Ern» | Ausstellung von Lehrmitteln ist nicht beabp^ I tigt, wie vielfachen Anfragen gegenüber bemer» I werden mag.
I * Die Eisenbahn spart Gegenwärtig läßt | die Eisenbahnverwaltung Erhebungen darüber I anstellen, ob an elektrischem Licht gespart werden I kann. Die Bogenlampen sollen so geschaltet wer- | den, datz möglichst wenig Strom verbraucht wird I und auch bei den Glühlampen soll darauf ge« I achtet werden, datz sie nicht stärker find als dies I unbedingt nötig ist. Alle überflüssige und luxu« I riöse Beleuchtung soll, wo sie etwa vorhanden ist, I sofrt beseitigt werden. ___________
eilig sich die Leute entfernten, war im Herzen froh, daß — wie sie meinte — Artur durch einen richtigen Impuls dazu bestimmt wurde, dis Dienerschaft nicht Zeuge einer Szene sein zu lasten, die — ihrer Ansicht nach — jetzt die notwendige Folge war. Aber stch etten- nen zu geben — dagegen wollte sie sich sträuben, und doch wutzte sie nicht, datz ste schon unbewußt alles tat, was ihr Erkennen erleichtette. Sie war die Mrs. Moore und doch war sie es nicht Sie öffnete die Türe und Lord Chesleigh trat herein. . .
Wären Lord Chesleighs Gedanken mcht einet ganz anderen Richtung gefolgt, so hätte er wahrnehmen müsten, daß Mrs. Moores Gestalt eine ganz andere war, als sie aufgerichtet vor ihm stand und der Ausdruck ihres Gesichtes hätte ihm bei der Mrs. Moore fremd fein müsten. So ocker war ihm darum zu tun, alles zu veranlasten, was die Wiederkehr eines Betragens der Frau, wie sie es vorhin getan, verhindern konnte, und dicher entging ihm die Veränderung, die mit derselben vorgegangen war.
Mit einem Tone, der viel härter und fester klang, als er beabfichtigte, sagte er zu der vor ihm Stehenden: Mrs. Moore, find Sie stch d« ganzen Tragweite Ihres Handelns bewußt? Sind Sie sich bewußt, daß die Folge desselben nur die fein kann, daß Sie mein Haus verlasten müsten?" , , ,
Tief erschrocken wäre Ellen beinahe zujam* mengebrochen bei dem Gedanken, oon ihrem Kinde gehen zu sollen, jetzt, da dasselbe krank und der mütterlichen Pflege noch viel mehr bedürftig war.
Lord Chesleigh, der ihr Erschrecken der Sorge um den Verlust ihrer Stellung zuschneb, wurde daher noch kälter. Mochte ste doch glauben, daß es ihm ernst fei, daß sie sein Haus zu verlasten habe, er konnte ja spater i zurücknehmen, was er jetzt jagte, um jv wirk*
Nutzen zu wirken, sondern zum Nutzen des gan- I zen deutschen Vaterlandes. Das sind meine I Wünsche, die ich am heutigen Tage der Stuben- I tenschast ans Herz legen möchte." Der stch daran anschließenden Bitte an den Präses, zu Ehren der alma mäter Christiana Albertina einen I Salamander reiben zu lasten, wurde begeistert I entsprochen. Den Motten des Prinzen folgte I brausender Beifall. I
— Einkommensteuer-Ermäßigungen. Die frei- I konservativen Abgeordneten v. Dewitz (Olden- I bürg), Krause (Waldenburg) und Freiherr von I Zedlitz und Neukirch traten dem Zentrums- I antrag zur Erweiterung der Steuerermäßigun- | gen bei und beantragten, unterstützt durch ihre j Fraktionen, die Ueberweisung des Antrages zur I Berücksichtigung. Der Antrag ersucht die Königl. Staatsregierung, in der laufenden Sestion einen I Gesetzentwurf zur Abänderung des Einkommen- I steuergesetzes vorzulegen, durch welchen 1. die I Bestimmungen des § 19, welcher die Grundlagen für Steuerermäßigungen schafft, erheblich weiter I ausgebaut werden, insbesondere a) die Grenzen, innerhalb deren hier Steuerermäßigungen vorgesehen sind, erweitert werden, b) der pro Kopf der unterhaltsbedürftigen Familienangehörigen abzugsfähige Bettag von 50 Mark, den Kosten ! der Lebenshaltung entsprechend, wesentlich erhöht, und die Zahl der Familienangehörigen in weiterem Matze berücksichtigt wird; 2. für die durch vorstehende Abänderungen verursachten Ausfälle durch schärfere und weitere Ausgestaltung der Progression (§ 17) ein Ausgleich geschaffen wird.
I __ Uus der Staatseisenbahnverwaltung.
Dem preußischen Abgeordnetenhause sind vom I Minister der öffentlichen Arbeiten folgende Vor- I lagen zugegangen: 1. Drucksachen des ßanbes« I eisenbahnrats, enthaltend Vorlagen un > Mitteilungen des Ministers, 2. Baubericht der I Etsenbahnverwa!' ung für den Zeittaum vom I i. Oktober 1906 bis dahin 1907, und 3. Rechen- | schaftsberichte über die Verwendung des cmtzer- I ordentlichen Dispositionsfonds der Eifenbahn- I Verwaltung für das Etatsjahr 1906.
I — Das Fiasko des polnischen Boykotts deut* scher Waren in Russisch-Polen. Interessante und
I sehr bezeichnende Einzelheiten über den Boykott I in Russisch-Polen, der sich mehr und mehr als I eine belanglose Zeitungsmache herausstellt, entnehmen wir einer Zuschttft aus Warschau: „Vor einiger Zeit hatten über 300 Angestellte der | Weichselbahnen eine Erklärung in polnischen I Blättern veröffentlicht, in welcher sie sich unter I Namensnennung verpflichteten von nun an | keine deutschen Waren zu beziehen. Dabei ist I aber zu bemerken, daß diese „Beamten" zumeist I Kondukteure, Gepäckträger, Weichensteller, nie* I bete Agenten und Telegraphisten mit einem Ee- I halt von 10—40 Rubeln monatlich kaum jemals
In Lord Chesleigh erwachte zunächst die Sorge um sein Kind, dann bedachte er aber auch datz nur das Mitleid mit dem Kinde Mrs. Moore veranlatzt haben konnte, in so roentg überlegter Weise zu handeln. Er war es sich, wollte er seine Autorität auch vollständig auf. recht erhalten, schuldig, zu zeigen, dag sie feine Untergebene sei und einzig und allein nur seinen Befehlen gemäß handeln dürfe. Die Motive aber aus welchen ihr Verhalten ihm gegenüber entsprang, waren so durchaus edle, datz es ihm angemessen schien, sie nicht sofort zu strafen, indem er die übrige Dienerschaft Zeuge sein netze wenn er sie zur Rechenschaft zöge. Mit einer raschen Entschlossenheit und noch im Tone der Erregung herrschte er die neben ihm Stehenden an für einen Arzt und dann dafür zu sorgen, daß das nötige Verbandszeug zur Stelle fei Falls er sie brauche, werde er sie rujen; mit Mrs. Moore werde er allein über ihr unverschämtes Betragen abrechnen.
Die Dienerschaft entfernte sich eilig, sie hatte Lord Chesleigh noch nie in solchem Aufruhr gesehen und fand es geratener nicht zugegen zu sein, wenn sich der Sturm über Mrs. Moore entladen würde, obgleich sie sehr bedauerten, daß die Frau ihr Mitleid — denn auch bei ihnen war es ausgemachte Sache, datz fie mis Mitleid zu dem Kinde vergcch, in welcher Stellung sie sich befand — |o schwer büßen sollte^ sicher war doch ihre Entlastung die nächste Folge.
Als die Dienerschaft sich entfernt hockte, klopfte Lord Chesleigh energisch an die Tür unb rief: „Mrs. Moore, offnen Ste! Sie wer- ben mir Rechenschaft, Sie werben mir Aufklärung über ihr Verhalten geben!
Ellen, bie trotz der Sorge um ihr Kind doch alles, was vor dem Zimmer «Kröche« worden war, gehört hatte und «uh Wrte, wie
jg , «Nachdruck verboten.),
Unter der Maske.
i Roman von Lady Georgina Robertson.
(Fortsetzung.) |
Ellen verließ bie Kinderstube und ging in ihr eigenes Zimmer. Dori sank sie auf die Knie, betete für ihr Kleinod und weinte bitterlich.
Wie lange Zeit sie so verbracht, wutzte sie nicht ein Schrei, der an ihr Ohr drang Uetz ste aufspringen und eine Minute später stand fie auf dem Korridor. Sie sah Lord Chesleigh bleich und verstört, die Kinderfrau zitterte und Mrs. Bild lehnte sich verzweifelt an das Treppengeländer. Der Diener hatte Dora auf den Armen, er trug sie in ihr Schlafzimmer und legte sie in ihr Bett. Den nächsten Moment stand Ellen an der Tür und wehrte Lord Chesleigh und die beiden Frauen ab.
„Was ist passiert?" fragte sie.
„Die Pferde sind durchgegangen, das Kind ist verletzt/ erwidette er und wollte an ihr vorbei gehen. .
Aber Ellen lich niemand herein.
„Sie ist mein!“ rief fie, „niemand rührt ste an außer mir." t ,
„Sind Sie verrückt?" rief Lord Chesleigh aus, beffen Stimme vor Zorn bebte. Doch ehe et noch ein Wort weiter sprechen konnte, hatte Ellen bie Tür zugeschlagen unb ben Riegel vorgeschoben.
Lord Chesleigh war wie vom Donner gerührt- bie Abern auf seiner Stirn schwollen an, bie Augen glühten vor Wut, seine Hänbe ballten stch kramphhaft zusammen, unb schon war et bereit bie Tür mit seinen Fußtritten zu sprenge» als Ellen von btinnen rief: „Schicken Sie Mort nach einem Arzt, bas Kind hat etne Stabern Kopf unb bet eine Arm ist ihm ge-
samer glaubte et ben Uebergriffen ber Fra, begegnet zu sein. „Womit," sagte er baher, „können Sie sich entschulbigen? Es gtbt keitm Entschulbigung für Sie. Daß Ihr Mitleid mit dem Kinde Sie veranlaßt haben konnA aus Ihrer Stellung herauszutreten, habe ich schon gewürdigt, indem ich die Leute fortschickte, um ste nicht hören zu lasten, was ich Ihnen M sagen habe, aber nichts kann mich veranlasten. Sie noch länger als einen Tag hier zu behalten; morgen werden Sie daher dies Haus vev lasten!"
Also das war der Grund, weshalb er bU Dienerschaft entfernte! Aus wie ganz anbern Motiven glaubte sie fein Hanbeln entsprungen! Sie konnte gehen, unerkannt von ihm. Aber Mathilbe würbe ste schweigen? Und ihr Kind, ihr Kind! Ihr Herz ttampfte sich zusammen unb unwillkürlich streckte sie ihrem Manne ihre gerungenen Hänbe entgegen, boch er wandt« stch ab, noch wollte et sich nicht erweichen lasten. Das Maß bes Schmerzes, ben bie Mu^ ter litt, jetzt, da ihr unzweifelhaft wat, da- sie gehen, ihr Kind verkästen solltt, wat eie so übervolles, datz fie nicht anders konnte, al» im Tone tiefsten, namenlosesten Wehes „Artur! zu rufen. ... ,
Kaum war bet Name ihren Lippen entflohen so verstummte fie, tief erbleichend, so daß tte Gesicht unter bet Farbe, bie dasselbe noch immer bedeckte, eine aschgraue Tonung annahm» aus der gespensterhaft bas Weiße bet Augen her« ^ÄaUe ste denn Artur Berufen? 6» mußte wohl sein, denn wie bet Blitz ha« Lord Chesleigh sich herumgedreht unb starrte ne an als ob er eine Erscheinung vor sich ha«, bie mit bet traten Wirklichkeit nicht» t» t*
Man abonniert auf die täglich erscheinende .Oberhessische ,, , Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstelle» in
J%0 24 Kirchhain und Wetter sowiebei unsrer Erudition-Marktlll
— Der Bezugspreis betragt durch bie W 2^5 JJtt. (ohne Bestellgeld), bei unser» Zeitungsstellen und der Spedition 2 Mk.
Deutsches Reich. I
— Eine Rebe bes Prinzen Heinrich an die Stubenten. Auf bem Kieler Universitätskommers zur Vorfeier von Kaisers Eeöuttstag hat Prinz-Abmiral Heinrich von Preußen, der bis halb 1 Uhr nachts im Kreise der Studentenschaft weilte, eine Ansprache für Idealismus und gegen Egoismus gehalten, die sicher auch in Kreisen übet die akademische Jugend hinaus mit Jntereste vernommen werden wird. Der Prinz sagte: „Sie haben stch heute hier versammelt zu einem Feste, welches der Ideale genug in sich birgt, ich freue mich, konstatieren zu können, daß 700 Studenten unserer Universität zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät hier erschienen find, und unterlaste es nicht, Jbnen meinen Dank auszusprechen für die Einladung meiner Person wie auch anderer Vertreter bet Kaiserlichen Marine. Ganz befonbere Freude bereitet es mir, dies Fest in einer Periode nut* feiern zu dürfen, in bet bas Rektorat in ben Hänben eines Mannes (Prof. Niemeyer. Reb) liegt, mit dem mich manches Jahr freundliche Bande verbunden haben unb noch verbinden. Schaue ich in Ihre lebenslustigen Gesichter, so drängt sich mir die Frage auf: „Wie wird sich bie Zukunft durch Sie gestalten? Vorhin wurde eines der schönsten Lieder gefangen, bie bes Menschen Herz bewegen können: „Deutschland, Deutschland über alles." Warum geht uns Deutschland nun über alles? Wodurch ist Deutschland groß geworden? Durch die Menschen, die in ihm geboren, die es hat aufwachfen sehen; nicht zum mindesten durch die studierende Jugend. Was birgt das Lied in sich? Ist es nicht eine Mahnung an alle, namentlich an die Jugend, datz das Vaterland Männer bedarf, die Nicht nur mit Kriegswaffen, sondern auch mit geistigen Waffen kämpfen können zum Schutze bes Vaterlandes? Was aus Ihnen noch wer- ben mag und welche Wege Sie cmch gehen mögen, lasten sie den Egoismus nicht aufkom- men, fonbern trachten Sie danach, Mit den geiftigen Waffen, die bie Universität Ihnen tn bie Hand gibt, nicht allein zu Ihrem eigenen
Marburg
Mittwoch 29. Januar 1908.
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