«Nachdruck verboten.)
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mit dem KreiMatt kür die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: Literarischer Adriger«, „zaudmirischastliche Keitage» und „JUnstriertes Smmt-lgsblatt«.
Zur Reichs-Sleuerftage
hat sich, wie die „Tons. Corr." schreibt, der Reichstags- und Landtagsabgeordnete Graf v. Schwerin-Löwitz vor einigen Tagen im konservativen Verein zu Anklam u. a. folgendermaßen ausgesprochen:
Kein Eroßstaat der Welt kann heute noch die gewaltigen Ausgaben, welche Armee, Marine und Kolonien erfordern, auf die Dauer anders decken als durch eine systematische Besteuerung des Masien-Luxus, d. h. aller derjenigen Genuß- tnittel, welche ganz oder teilweise für die Ernährung des Menschen entbehrlich sind, und zwar in dem richtigen Verhältnis, d. h. um so höher, je mehr sie, wie z. B. der Tabak, reine Cenußmittel find, und um so niedriger, je mehr sie nicht bloß Cenußmittel, sondern wie z. B. Zuck:: zugleich Nahrungsmittel sind.
Dieses in allen Kulturstaaten der Welt mehr »der weniger vollkommen durchgeführte System der Besteuerung des Masien-Luxus beruht auf dem volkswirtschaftlich gesunden Gedanken, daß niemand durch die Steuer gezwungen werden soll, seine Ernährung einzuschränken, wohl aber zu Gunsten des höheren idealeren Genusses an der Größe des Vaterlandes seine materiellen Genüsse einzuschränken, ja daß auch niemand du' ch solche Steuern, welche ihn höchstens zwingen können, statt 10 Zigarren nur 9 zu rauchen oder statt 5 Glas Bier nur 4y2 zu trinken, wirtschaftlich in Verlegenheit kommen kann.
Wie es in dieser Hinsicht mit der Planmäßigkeit unserer Besteuerung steht, werde ich gleich zeigen. Vorher nur weniges, um M zeigen, daß unsere ungünstige Finanzlage im Vergleich mit anderen Staaten ganz und gar auf der unzureichenden Besteuerung unserer Genuß- mittel im ganzen beruht.
An indirekten Steuern — also an Verbrauchsabgaben und Zöllen zusammengenommen — werden gezahlt und zwar pro Kopf der Bevölkerung in Mark
in den Ver. Staaten von Nordamerika 28
„ Oesterreich-Ungarn 29
•„ Rußland 44
„ Frankreich 48
Großbritannien 48
Deutschland 18
An Verbrauchsabgaben auf Eenußmittel allein — also an direkten Steuern nach Abzug der Zölle werden bezahlt pro Kopf der Bevölkerung in Mark:
- in den Vereinigten Staaten rund 13
„ Rußland 38
! „ Frankreich 39
Großbritannien 32
„ Deutschland lVreußen) 9,70
(Also in den ersten vier Staaten im Durchschnitt 30 Mark, in Deutschland dagegen 9,70 Mark.) . e
Würden wir aber statt 9,70 Mark pro Kops auch nur 15 Mark (nicht wie im Durchschnitt 30 Mark) zahlen, so würde dies für das Reich eine Mehreinnahme an Verbrauchssteuern von 5,30 X 60 Millionen Einwohner — 318 Mill. Mark ergeben.
Deutscher Reichstasi.
86 Sitzung vom 22. Januar, 1 Uhr.
Am Bundesratstisch: Reichskanzler Fürst Bülow, v. Bethmann-Hollweg.
Haus und Tribünen sind stark besetzt.
Auf der Tagesordnung steht die Interpellation der Sozialdemokratie zur Wahlrechtsfrage. Die Anfrage lautet:
1 Aus welchen Gründen hat der Herr Rerchs- kanzler in der Sitzung des Preußischen Abgeordnetenhauses vom 10. Januar die Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf einen Bundesstaat als dem Staatswohl nicht entsprechend bezeichnet: und , , , . ,
2. billigt der Herr Reichskanzler, daß aus Anlaß der am 12. Januar in Berlin zur Propaganda dieses Reichstagswahlrechts einberufene sozialdemokratischen Volksversammlungen zum Zweck etwaigen Eingreifens Militär in den Kasernen konsigniert war? f
Auf die Frage des Präsidenten Grafen Stolberg, ob und wann die verbündeten Regierungen die Interpellation beantworten wollen, erhebt sich Reichskanzler Fürst Bülow: Ich lehne es ab, auf die Verhandlungen über die Gestaltung des Landtagswahlrechts in Preußen emzugehen (lebhafter Beifall rechts), da dieser Gegenstand allein zur Zuständigkeit der gesetzgebenden Organe Preußens gehört und eine innere Wle. genheit des preußischen Staates darstellt. (Wie- derholter Beifall rechts; Widerspruch, Zurufe bei den Soz.). Zum zweiten Teil der Interpellation ob der Reichskanzler es billige, daß am 12. Januar zum Zwecke eines etwaigen Eingreifens das Militär in den Kasernen konsigniert war erklärt der Reichskanzler weiter, aufgrund der'landesrechtlichen Befugnisse sind von der Berliner Polizei am 12. Januar bieieni9cn Maßregeln ergriffen worden, welche erforderlich waren, um Ausschreitungen auf der Straße abzuwehren. Insoweit Truppenteile in den Kasernen zusammengehalten wurden, ist dies in Ausübung der militärischen Kommandogewalt geschehen um jeder Aufforderung zum Schutze der gesetzlichen Ordnung ohne Verzug genügen zu können. (Lebhafter Beifall rechts Widerspruch bei den Soz.) Ich muß hiern,^ die Beantwortung der Interpellation ablehnen. Es ist gestern neuerdings zu Zusammenstößen zwischen einer demonstrierenden Menge und der Polizei gekommen; dabei mußte wieder von der
Welche Ungerechtigkeit aber auch für den Produzenten!
Für Bier werden rund 2000 Millionen aus- gegeben; davon nimmt das Reich 70 Millionen (Rest 1930 Millionen); für Zucker werden (einschließlich Steuern) 400 Millionen ausgegeben; davon nimmt das Reich 140 Millionen und läßt den Produzenten (Rübenbauern und Zuckerfabriken) ganze 260 Millionen. Diese Zahlen beweisen wohl zur Genüge die Richtigkeit meiner Behauptung von der Planlosigkeit und Verkehrtheit, ja geradezu Unsinnigkeit unserer Besteuerung der Eenußmittel.
Unter der Maske.
•?' Roman von Lady Georgina Robertson, ?9Kr<v5ir«8a
Zitternd, am ganzen Leibe bebend, war Ellen aufgesprungen. Die Erregung, in die Mathilde geraten, hatte auch sie ergriffen. Sie sah, zrie sehr, nur zu s:7,r Mathilde im Rechte war, und doc- vermochte sie sich nicht zu überwinden, sich loszureißen, nicht jetzt, nicht heute schon von dem Unrecht, daß sie begangen hätte. Konnte iNicht die Zeit vielleicht für sie tun, was sie selbst heute nicht tun wollt«? Sie machte sich nicht klar, wie das, was sie tat, nicht erwa das Unrecht kleiner, sondern größer machte, um sc mehr, als sie das Geheimnis, mit dem sie sich umgeben hatte, nicht mehr allein trug. Mit den beweg, lichsten Worten bat sie daher Mathilde, ihr doch noch Zeit zu lasten. „Ich kann mich heute noch nicht überwinden, es ist so schwer, so furchtbar schwer für mich. Ich weiß, wie qualvoll es für Dich ist, zu schweigen, aber dr i ist Deine Qual nicht so groß, wie diejenige, welche ich empfinde, ich, die ich mit dem Bewußtsein lebe, trennend zwischen Dir und Artur zu stehen, trennend für immer."
Die Nacht sank herab, die beiden Cousinen hatten jede Berechnung der Zeit verloren. Ma- ihilde hatte stumm der Entgegnung Ellens zugehört; die Erregung war einer Ruhe gewichen, die es ihr ermöglichte, ihren Gedanken mehr Raum zu gewähren, zu überlegen, was sie tun sollte. Was es nk,; vielleicht doch bester, noch zu warten? Konnte nicht vielleicht morgen schon ein Umstand eintreten, der Ellen zwingen würde, sich zu erkennen zu geben?
Sie versuchte nochmals, Ellen zu überreden.
von über ihre Lippen zu bringen, daß ihre Tochter lebte, daß Ellen, die sie für tot wähnten, unter den Lebenden weilte, erreichbar für sie in wenigen Stunden. Und sollte dre Last, die sie trug zu schwer werden, so wollte sie rhr Herz erleichtern. Wie lange würde sie denn überhaupt die Last tragen können? Sie konnte augenblicklich nur Höften, daß die Zukunft Ellens Sinn "^Sie trennten sich mit bitteren Tranen, cLer in dem Gefühl der alten Freundschaft und Liebe.
Als Mathilde Burton ihrer Tante an dem Abend gute Nacht wünschte, sah diese sie er- ^Wa"ist passiert?" fragte sie besorgt. „Du siehst zehn Jahre älter aus als vorher.
^ Jch habe das Gespenst meiner verlorenen Jugend gesehen," erwiderte das junge Mädchen mit einem müden Lächeln. *
Mathilde Burton war vollständig übermannt von Ellens Erzählung. So lange pe mit ihr zusammen war und sich von ihrem Dasern überzeugte dachte sie nicht weiter nach, ihr Erstaunen ErÖ 3u groß. Jetzt in der Einsamkeit, brach sie unter dem ungeheuren Schmerze nieder.
Sie saß in ihrer Stube, ohne sich zu rühren, ohne einen klaren Gedanken fassen zu können. (Ellen lebte, die See hatte sie nicht verschlungen, alle die langen Monate, in denen die Ihren um sie geweint und oetrauert hatten, war sie am Leben und teilweise in ihrer Nähe gewesen.
Ellens Rückkehr bedingte für sie «in Entsagen, ein Hingeben allen irdischen Glucke«. Es war zum zweiten Male, daß sie sich am Ziele geglaubt hatte und dieses Mal fühlte sie sim so sicher, daß nichts mehr zwischen sie und ihr« Liebe treten würde. Lange hatte es gewährt, bis sie sich entschloß, Lord Chesleighs
ihr Inkognito aufzugeben. Nichts half, Ellen blieb fest bei ihrem Vorsatz.
Ich kann es nicht," sagte sie; „ich konnte es nicht ertragen, mit meinem Manne zu leben in dem Bewußtsein, daß ich ihm eine Last und
wenn er Dich liebte?"
Ein Schimmer des Glückes zog über Ellens Züge. .,
Ja." entgegnete Ellen, „wenn er mich liebte, wenn er mich vermißte und sich nach mit sehnte, dann wäre alles anders. Aber der Fall rotrb nie eintreten. Für muh gibt es lerne größere Qual, als mit jemand zusammen zu sein, der mich nicht liebt, und Artur tut es nicht. 3°. urck) was noch viel schlimmer ist, et hebt eine ßnJ>®&ettDu^kannst doch nicht in dieser Ser« Geibung nach Ashbrooke surückk-^n," versetzte Mathilde; „ich will es nicht glauben, daß das Dein Ernst ist. Ellen, Kind, Du warst immer so aufrichtig, so durch und durch wahr begreftst Du nicht datz es unehrenhaft ist, in solcher Gestalt in Deines Mannes Hause zu leben?
„Verurteile mich nicht, Mathi^e, denke an meine Liebe zu meinem Kinde. Mein Hetz ftt tot daß 2eben hat keine Freude mehr für mich, außer der einen, Dora zu s-hen.fur sie sorgen zu können. Eines aber will ich Dir versprechen: Sollte ich jemals die Ueberzeugung gewinnen, daß Attur sich nach mit sehnt, daß et Mich zurückwünscht, dann will ich zu Dir kommen.
Mathilde sah, daß alle Ueberrebung vergeblich war. Sie wollte einige Seit warten ehe sie an bie Aufklärung von Ellens Jnkogittto ging, vielleicht, daß diese bald ihren Sinn änderte und sich zu erkennen gab. Sie verhehlte sich Nicht, ivie schwer es ihr fallen würde, Mens Eltern täglich und stündlich zu sehen, ohne ein Wort da-
Waffe Gebrauch gemacht werden. (Rufe: Pfui!) Gegenüber diesen Vorgängen habe ich das Bedürfnis, von dieser Stelle aus, unabhängig vo» der Interpellation, als Reichskanzler das Wort zu einer ernstlichen Mahnung an bas Land hinauszusenden. (Beifall rechts, fortdauernder Lärm bei den Soz.) Es ist nicht deutsche Art (Lärm bei den Soz.), die Politik auf die Straß« zu tragen. (Beifall rechts.) Die Parteien bedürfen nicht bet Straßentumulte, um ihr« Stimme vernehmen zu lasten. (Lebhafte Zustimmung rechts, Widerspruch bei den Soz.) Die Straße gehört dem freien Verkehr. Diese« Gesetz und die öffentliche Ordnung als da« Höhere anzuerkennen und zu achten, ist jeder Bürger verpflichtet. Dem Gesetz Achtung zu verschaffen und. wenn es sein muß, zu erzwingen, ist Befugnis wie auch Pflicht der Behörden. (Beifall rechts.) Jeder Versuch, die öffentlich« Ordnung zu stören, muß und wird zurückgewie- sen werden. (Beifall rechts.) Wir werden nicht dulden, daß Agitatoren einen Anspruch auf di« Herrschaft über die Straße erheben. Es wär« ein verhängnisvoller Irrtum, zu glauben daß Demonstrationen einer irregeleiteten Mast« (Widerspruch bei den Soz.) von einer pflicht- erfüllten Regierung etwas abtrotzen könnten. (Lebhafter Beifall rechts.) Das wirb in Deutsch- land nie und nirgends der Fall fein. (Wiederholter lebhafter Beifall rechts). Ich habe di« Zuversicht, daß alle bürgerlichen Parteien ein. mittig sein werden in der Verurteilung und Zn. rückweisung dieses gefährlichen Unfugs. (Lachen bei den Soz., andauernde Bewegung.) Die so- zialdemokratische Partei hat mit den Demon. ftrationen am 12. Januar eine abschüssige Bahn beschritten. Ich warne sie, diese Bahn zu ver, folgen, und richte namentlich an die Arbeiter- bevölkerung die ernste, aus wohlmeinendem Herzen kommende Mahnung, sich nicht vom Weg« des Gesetzes und der Ordnung abbrängen zn lassen, und nicht für Parteisanatiker und Hetzer bi: eigene Haut zu Markte zu tragen. Die Ver. antroortung für die Folgen würden nicht die Behörden tragen, sondern die Anstifter und Verführer. (Stürmischer Beifall rechts.)
Singer (Soz.) beantragt Besprechung der In- terpellation, worauf Fürst Bülow und bie samt, lichen Regierungsvertreter ben Saal verlassen. Für ben Antrag auf Besprechung der Inter, pellation stimmen bie Sozialdemokraten, bu Freisinnigen und ein Teil des Zentrums. Di« Besprechung findet also statt.
Erster Redner war Abg. Fischer (Soz.), bei in zweistündiger Rede abfällige Kritik am preußischen Wahlrecht übte und die Konsignier, ung des Militärs gegenüber ben Demonitrati. onen als ungerechtfertigt hinzustellen suchte. Mit frischer Satire, die das Haus zu endlose« Beifallsstürmen hinriß, wandte sich Abg. Kreth (konf.) gegen die äußerste Linke. Er lehnte et ab über das preußische Wahlrecht zu sprechen Ich frage die Führer der Sozialdemokratie: Wt waren Sie bei den Demonstrationen? (Heiterkeit und lebh. Beifall rechts.) Ja, man sah viele, die nicht da waren. (Heiterkeit.) Vorsicht ist ja der Tapferkeit besterer Teil. (Heiterkeit. Lärm
erneute Werbungen zu erhören. Sie wollte vo, sich selbst nicht ihr Glück auf dem Kummer um t-Lens Tod aufbauen. Aber schließlich sah sie kein Unrecht mehr darin; sie hatten sich so sehr geliebt, ein Schicksal hatte sie getrennt, warum sollten sie jetzt nicht noch glücklich werden? Langsam hatte sie sich dem Gedanken hingegeben langsam ihr Herz dem Sonnenschein der Lieb« wieder geöffnet — nun war bie Enttäuschung so groß, baß sie dieselbe kaum zu ertragen ver- mochte. ,
Was sollte sie Artur sagen? Die Wahrheit durfte sie nicht verraten und auß- dieser mürbe ihm nichts genügen. Es war sehr unwahrschein- lich daß er, der so lange das Glück ersehnt hatte, sie sein eigen zu nennen, sich jetzt ohne Gründe von ihr trennen würde.
Und doch durfte sie nicht säumen, »hm sofott zu schreiben, denn sie wußte, daß er alles instand setzen ließ und Vorbereitungen zur Hochzeit ^Mathilde war eine starke, mutige Natur und führte stets das aus, was sie für recht erkannt hatte Jetzt saß sie vor ihrem Schreibtisch, abe, die Worte fehlten ihr, um das zu sagen, was st« sagen mußte.
Endlich verlieh bie Verzweiflung ihren Gedanken Ausdruck. Es fei alles aus zwischen ihnen, schrieb sie, nie könnte von einer Heirat die Rebe sein. Den Grund dürfte sie nicht sage«, er mülle ihre Entscheidung so annehmen, di» selbe sei unwiderruflich und nichts in der Welk könne sie bewegen, dieselbe zu ändern.
Der Brief zeigte in jedem Satze, daß da« Herz der Schreiberin unsäglich litt; et war voller Leidenschaft und Verzweiflung. Als Ma. thilde ihn zur Post gab, sagte sie ihrer letzt» Hoffnung für» Leben Valet. —
(Fortsetzung folgte
Diese Zahlen beweisen wohl, daß die ungünstige Finanzlage Deutschlands ganz und gar auf der unzulänglichen Höhe bet Verbrauchsabgaben — im ganzen genommen — beruht.
Der zweite — fast noch größere — Mangel aber liegt in ber planlosen Bemessung d. h. dem verkehrten Verhältnis in welchem die verschiedenen Eenußmittel bet uns besteuert werden. Der Grundsatz für diese Bemeffung sollte lauten: Die Steuer kann um so höher fein, je mehr es ich um Genuß handelt, sie muß um so niedriger ein, je mehr es sich zugleich um Nahrung sandelt.
Danach wäre eine vernünftige Reihenfolge etwa folgende:
L Tabak. .
2. Geistige Getränke (Branntwein, Wem, Bier).
3. Anregende Getränke (Tee, Kaffee).
4. Salz (fast unentbehrliches Nahrungsmittel).
5. Zucker (fast überwiegendNahrungsmiitel).
Diese vernünftige Abstufung in der Besteuerung wirb in fast allen anberen Groß- ftaaten mehr oder weniger eingehalten.
Wie steht es damit aber bei uns?
Die Belastung pro Kopf der Bevölkerung beträgt in Mark und Pfennig bei
1 Tabak: in Oesterreich 4,60, England 6,70, Frankreich 6,90, Deutschland (Zoll und Steuer) 1,35 = 17 Proz. des Wertes gegen rund 80 Prozent in Frankreich!
2. Geistige Getränke: Frankreich 8,50, Ve^ einigte Staaten von Nordamerika 10, England 17, Deutschland (Zoll und Steuer) 3,53 — 7 Prozent des Wertes. .
3 Davon Bier: England 6,15, Deutschland 108 (Zoll und Steuer) bei einem Konsum von 1'10 Liter pro Kopf zu 30 Pfg. — 33 Mark pro Kopf oder für 60 Millionen Einwohner = 66 Millionen Hektoliter, rund 2 Milliarden
Das deutsche Volk gibt also jährlich rund 2000 Millionen für Vier aus: und davon erhalt das Reich an Steuern noch nicht 70 Millionen = 31/2 Proz. des Wertes.
4. Zucker ist heute trotz feiner hohen Besteuerung eines der billigsten Volksnahrungsmittel: man erhält für 1 Mark doppelt soviel Nährwert als im Rindfleisch.
Ohne Besteuerung wäre Zucker em erheblich billigeres Nahrungsmittel als Roggenbrot. Wie steht es aber beim Zucker mit unserer Be- ^Hie" beträgt die Steuer pro Kopf ungefähr ebensoviel wie in England und Frankreich, d. h. 2 30 Mark. Das sind aber (nicht wie bet Tabak 17 Proz. und bei Bier 3^2 Proz.), sondern rund 75 Proz. vom Wett des unversteuerten Produktes: d. h. bet einem Preis von 9,50 Mark für den Zentner Rohzucker beträgt die Steuer 7 Mark pro Zentner. , .
Also während man das reine Cenußmittel Tabak mit 17 Proz., das überwiegende Eenuß- mtttel Bier mit 3% P^z- besteuert, besteuert man das überwiegende Volksnahrungsmittel Zucker mit 75 Prozent. Welche Unsinnigkeit der Besteuerung gegenüber dem Konsumenten.
Man abonniert auf bie täglich erscheinende „Oberhessische Die Insertionsgebühr beträgt für bie 7gespaltene Zeile
_ „ . Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — m
JWO 20 Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition - Markt 21. . Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Umversitätsbuchdruckerei
streit«- 24. Januar 1908. Inhaber Dr. C.Hltzeroth, Marburg, Markt21. — Telephon55.
Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk. ______________________________