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Zweites Blatt

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Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

Marburg früher und heute

Von L. Müller« (Fortsetzung).

Bor hundert Jahren.

i Auf hohen Befehl wurde am 17. Januar 1808 in Marburg wegen der glücklichen Ankunft des Königs Jerome in seinem Königreich ein Dankfest gefeiert. Darüber schreiben die Mar­burger Anzeigen wörtlich:Freudig erfüllen wir bie Pflicht, der Vorsehung für glückliche An- fünft unseres Königs in seinen Staaten feier« lichst zu danken. Der der Würde eines so er­habenen Zweckes entsprechenden Anordnung ge- imäß, versammelten sich sämtliche Marburger Autoritäten und herrschaftlichen Diener vormit­tags um 10 Uhr auf dem großen Rathhaussaal, ^woselbst der Kommandant des Werra-Departe- jncnts, General Börner, mit seinem Gefolge fidi seinfand und von einer Deputation der Regier­ung, der Universität, und von dem Magistrat «mit der gebührenden Ehrenbezeugung empfan­gen wurde. Die ganze ansehnliche Versammlung begab sich in einem wohlgeordneten Zuge nadi der lutherischen Kirche, in welcher auf allerhöch­sten Befehl zum erstenmal alle Religionspar- feien zu einem gemeinschaftlichen Gottesdienst Und zu einem bohen Dankfest vereinigt waren. Der Kommandant wurde von der ganzen Eeist- lickkeit bewillkommnet, und an den für ihn be­stimmten Platz geführt. Mit einem rührenden Gesang nahm di; Eottesverehrung ihren An- Sang. Der reformierte Pfarrer Breitenstein lielt vor dem Altar eine diesen Tag feiernde iede. Hierauf ertönte ein mächtiges Tedeum von herrlicher Instrumentalmusik begleitet, wo­rauf der Superintendent Justi in einer Predigt einen feurigen Dank gegen die Alles mit uner- orschlicher Weisheit ordnende Vorsehung aus­

ferner im dritten Aufnahmeakt Finanzminister von Rheinbaben, General von Stuenzner und Freiherr Marschall von Bieberstein mit den gleichen Parrains. Darnach hielt der Kaiser den Kapitel des Ordens in der Anwesenheit von

Im übrigen gibt es, wie bereits an dieser Stelle erwähnt, ja noch wett schwerwiegendere Dinge, die den Engländern im Kopfe her­umgehen als die Offenhaltung der Ostsee für ihre Kriegsschiffe. Wenn wir die englischen Ko­lonien und Schutzgebiete als Kinder der würdi­gen Britannia betrachten, dann gibt es kaum ein einziges von ihnen, das der Mutter nicht Sorgen macht. DerEtendard Egyptian", das Organ der neu begründeten ägyptischen Rationalpartei, fordert neuerdings, daß England nicht bloß Aegypten, sondern auch den Sudan räume, der in Wirklichkeit von Aegypten erobert worden sei und seit Alters sein geschicht­liches Erbteil bilde.

Für die F r a n z o s e n, die an der Küste von Marokko eineKasbah" nach der andern ein­nehmen, hat die Ausrufung des streng islami­tisch gesinnten Thronprätendenten Mulay Hafid zum Sultan in der Hauptstadt Fes eine unge­mein kritische Wendung mit sich gebracht. Wäh­rend ihnen der blaue afrikanische Himmel voller Geigen hing und sie, um die Musik noch schöner und voller zu machen, rauschende Siegesfanfaren in die Welt bliesen, vollzog sich dieses Ereignis, auf das sie offenbar gar nicht gefaßt waren. Die richitige marokkanische Politik, die auch im euro­päischen Eesamtinteresse liegt, verlangt, die Autorität desjenigen Sultans zu stützen, der das Vertrauen des marokkanischen Volkes genießt. Handelt Frankreich anders, sucht es die Macht desjenigen der betten Sultane zu stärken, der sich ihm am willfährigsten zeigt, so treibt es wohl eine engherzig französische Politik, aber keine solche, die den am Handel und Verkehr mit Marokko beteiligten Kulturvölkern dienlich ist. Deutscherseits würde jedenfalls eine Aktion Frankreichs zu Gunsten eines oder des anderen der marokkanischen Machthaber unter keinen Umständen gebilligt oder gar unterstützt werden können. Herr Pichon, der französische Minister des Auswärtigen, ist denn auch vorsichtig genug gewesen, einem Vertreter desMatin" zu er­klären, das Abkommen von Algeciras gewähr­leiste nur die Souveränetät des Sultans und die Unabhängigkeit seines Reiches, sage aber nichts davon, welcher Sultan über Marokko regieren solle.

Mit dem ermahnenden Kraftgefühl der afri­kanischen und asiatischen Völker hängt unzweifel­haft auch der Vorstoß der Amhara-Abes- sinter gegen das bisher streitige, aber von den Italienern besetzte Lugh zusammen. Da Frankreich, England und auch Deutschland den Italienern den Rückern decken, so hat König Menelik sich beeilt, diesen Friedensbruch auf das schärfste zu mißbilligen. Die Beziehungen Deutschlands zu Abessinien bleiben dabei ausge­zeichnet. Demnächst trifft in Adis-Abeba eine deutsche Expedition ein, die sich um verschiedene Lieferungen und Konzessionen bewerben will.

sprach zur Lieb und Gehorsam gegen unseren neuen und erhabenen Beherrscher ermahnte und Heil und Segen für unseren erhabenen König erflehte. Ein auserlesener Mufikchor stimmte dann wiederholt eine herzerhebende Hymne an. Rach beendetem Gottesdienst begaben sich die Herrschaften auf das Rathaus zurück. Mittags hatten die Honoratioren und die Herrschaften das erwünschte Glück, den Kommandanten und seine Begleiter mit einem Mittagsmahl bewir­ten zu dürfen, das echte sittliche Freude würzte, und wobei auf dar Wohl Ihrer Majestäten des Königs und der Königin von Westfalen, des Kaisers der Franzosen, des Kommandanten, so­wie des ganzen Werra-Departements der alte ehrwürdige Bürger-Pokal unter Trompeten und Paukenschall und dem Donner der kleinen Kan- nonen geleett wurde. Mit einem glänzenden Ball auf dem Rathause war dieser in Hessens Annalen ewig denkwürdigeTag beschlossen. Jeder kehrte mit dem Wunsche in seine Wohnung zu­rück, daß dieses nie gesehene Fest für den er­habenen Regenten und seiner getreuen Unter- thanen eine glückliche Vorbedeutung der geseg­neten Zukunft sein möge."

Folgende Bestimmungen aus der damaligen Zeit dürsten noch für die Marburger von Jn- teresse sein:

Sttaßenbeleuchiung und Kehrichtabfuhr.

Im Jahre 1808 wurde nämlich auf Veran­lassung des Präfekten die erste Straßenbeleucht- ung in Marburg eingeführt. Die Lieferung zu dem Brand des in den neuerrichteten Laternen erforderlichen Oels, wurde am 29. August auf der Mairie von Marburg auf 1 Jahr öffentlich ausgeboten.

NB. Bis zum Jahre 1853 wurden die Stra­ßenlaternen, welche an einer Kette quer über die Straße hingen, mittelst eines Rollwerks herun-

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Zeitung" bei allen Postämtern und unstm ZeiwngssteLn in Druck und Verlag: Joh. «ug. Koch, Universttätsbuchdruckerei 43. J(U)Tg»

Jis. 16 »«'LÄUW.''"°WSonntag. 19. Januar 1908.

Bestellgelds bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Die türkischen Truppen, die in per- I der Monarchie die Dauer der Schulpflicht «och fische- Gebiet eingebrochen sind, werden es wohl I einheitlichen Gesichtspunkten, iedochunter bald wieder räumen müssen. Ueberaus schmerz- ^MnÄ'Landesteile^aere!ett wird un? Ä lich für die Perser «°rdabnebst-inem die U

ihrer Prinzen und Statthalter daher eme Kaste i ungerechtfertigter Schulversäumnis, der mtt etwa einer halben Million Mark in die I Voraussetzung ihrer Strafbarkeit, den Kreis der Hände der Türken geriet, noch schmerzlicher für 1 verantwortlichen Personen, die Art und die len Schah, daß der gefangene Prinz dieses na- | Höhe der Strafen und des Strafverfahrens, tionale Unglück nicht ihm, sondern dem Parla- I __ geteibigec des Königs Demos. Unter ment (!) telegraphierte. I dieser Ueberschrist schreibt dieD. Tgsztg.": Der

Die amerikanische Schlachtflotte IVorwärts" ärgert sich über einige Leute, di« hat auf ihrer Fahrt zum Stillen Ozean die den Straßendemonstranten am Sonntage nicht brasilianischen Gestade erreicht, wo stch einige mit der notigen Achtung entgegengetreten sind. Meutereien und Desertionen unter den Mann- So schildert er, daß em. .^"Händlermit Scha- werden die amerikanischen Flottenrustungen I -{faß »Matscht" habe, daß ein Restaurateur fortgesetzt. Für den Bau einer neuen Limen- als die Demonstranten hinein

schiffs-Diviston werden 200 Millionen Mark in I sollten und daß ein anderer Lokalinhaber, als den Etat eingestellt. I die Demonstranten sein Lokal betraten, gesagt

- hat:Gegen die Gesellschaft muß eine Salve r I abgegeben und tüchtig dazwischen gehauen wer-

Deutsches Keich den, damit die Bande ruiniert wird. Alle

^-eulslyes sielly. I i ;ere Leute nennt derVorwärts" Nicht nur mit

Das Fest vo« schwarzen Adler. Heute I . vUmen sondern er führt aidj ihre Wohnung fand im Königlichen Schlosse zu Berlin Tafel I (^tafee Hausnummer, Etage) an. Der Zweck für die Ritter des Schwarzen Adlerordens statt, I LieserVerfehl. .ng" ist klar ersichtlich. Aber wobei der Kaiser gegenüber der Kaiserin saß. I ^ch andre Leute haben den Groll des Zentral- Rechts von der Kaiserin saß der Kronprinz, links organs der deutschen Sozialdemokratie erregt. Prinz Heinrich: rechts vom Kaiser saß der Bot- I g0 meldet es, daßauch Leute im Arbeitsrock schafter v. Szögyeny-Marich, links der Ordens- bet Polizei Drenj.e geleistet hätten," so die Om- kanzler Eeneralfeldmarschall v. Hahnke. Der I uibuskutscher, die Meldungen über herannahende Kaiser nahm die Investitur des Herzogs Robert I(ic überbrachten, und ein Droschkenkutscher, vonWürttemberg, dem Prinz Eitel Friedrich von beiu mlt sichtlicher Freude" Polizei geholt hatte. Preußen und Herzog Albrecht von Württemberg _ Sie sozialistischeAufklärung" ist eben noch als Parrains dienten. Hierauf wurden General- 1icht ane Kreise gedrungen. Es gibt, rote 3*- petteur von der Goltz und Admiral von Tir- I mr rtebt auch noch, um mit demVorwärts pitz investiert, mit Generaloberst v. Lindequist I 4 reben 'Leute im Arbeitsrocke" mit gesunde« und Statthalter Graf von Wedel als Parrains, I Ansichten

'------- v-1±± m-£*** i Wetterdienst. Für die Errichtung und

Durchführung des öffentlichen Wetterdienstes in Norddeutschland werden im preußischen Etat 59 500 M mehr gefordert. In der Begründung

, dazu heißt es:Der Wetterdienst soll in der 46 Rittern ab. I bisherigen Weise fortgefuhri und unter Rutz-

Prinz August Wilhelm. Karlsruhe, 17. I barmachung der Erfahrungen der beiden ersten Januar. Heute Nachmittag um 2 Uhr traf von Persuchsjahre ausgebaut und vervollkommn« Straßburg kommend, Prinz August Wilhelm werden. Die Erhöhung der Ausgabe dte ubrt- von Preußen, zum Besuche der Großherzogin gens durch vermehrte Einnahmen aus dem Wet- Luise hier ein. Der Prinz nahm, der ,Jarls- I terdienste ausgeglichen wird, wird namentttch ruher Zeitung", zufolge an der Frühstückstafel I dadurch bedingt, daß die wünschenswerte Be­teil, zu der auch der Eroßherzog und die Königin schleunigung der Nachrichtenvermittelung eme von Schweden erschienen waren, und reiste kurz I Vermehrung des Personals erfordert, ferner jou. nach 4 Uhr nach Straßburg zuruck. das den Vorhersagen zugrunde liegende Nachrrch.

Som Bundesrat. DerReichsanzeiger" tenmaterial erheblich vermehrt «werden E meldet: In der gestrigen Plenarsitzung des Bun- I Teil des vorgesehenen Mehrbetrages s sch 8- desrat wurde die dem Bundesrate vorgelegte I lich dazu bestimmt, ^ne ausgre tg v Berechnung der nach dem Reichshaushaltsetat I ung und Aufklärung der Bevölkerung m

m«tnlula.kU«8. [«SÄk

Antrag. Die Nationalliberalen, die Frei- der^Broschüren^u. ^^^^ermo^chem konservativen und die Freisinnigen brachten im , Regierung verbot wegen zunehmen. Abgeordnetenhause einen Antrag ein, die b°^Aul-und Klauenseuche die Einfuhr von Etaatsregierung um die Vorlage eines Ent- I , . Siegen aus der ganzen Schweiz,

routfs zu ersuchen, durch welche für den Umfang

1 ' n I wird Die Siegesgöttin blieb nämlich

tergelassen, wenn sie angesteckt wurden. Zuerst I « ihrem' Viergespann in der engen Markt- brannte man Rubol und spater Sparol Im I 9 unb war nicht hindurch zu bringen. Jahre 1853 wurde die e Einrichtung beseitigt 9a e Messen gelang es dem Univer.

i«6 SteinStkUuHtuns eing«f«l).t 1863 am sStotelnen und »u-.

1. Oktober brannte zum erstenmal die Easbe- ts' »Rheden Die Quadriga wurde nun die leuchttmg. 1896 wurde Easgluhlicht erngefuhrt Rettaasse httunter durch die Untergasse zum und am 20. Dezember 1907 brannten in der «arfüssertor hinaus geschafft. Dieses Ereignis Oberstadt die elettrischen Bogenlampen welche daß die neue Heer- und

teilweise wieder «mer über die Straßen an gab Ver lasiung, vag

einem Kabel hängen und herabgelassen werden. I v Kämvfrasen angelegt wurde, liebet 6k -.tun--» °u di-m,p-ün««°n St.°ß-Nd°. ;»d di-h-, ->» M-l«

leuchtungsanlagen, die, wie erwähnt, 18o3 be- toartenroefl Jfübri, ein Teil davon ist die sog. seitigt und durch an den Hausern angebrachte I $er Pilgrimstein war da-

Laternenarme umgeanbert wurden. mals ebenfalls eine ganz schmale und durch Hau.

Ferner machte der Maire von Mar- wa s (5fl|e unt) bIieb auch nach seiner bürg, Karl von Breidenstein, am 16. April ^^ang in eine Heerstraße noch sehr ver- 1808 bekannt: u m , .. I crQt. rte wurde erst nach einigen Jahren fertig.

Um die Gesundheit des Menschen zutrag- I -8 ,1 m6et' 1809 machte der Präfekt A. liche Reinlichkeit der Stadt zu bewirken habe Am A^covemoer^

ich die Einrichtung treffen lassen, daß drei I v n bie neue Chaussee nur eine Wagen- Mal in der Woche ein Karren durch die I . " 6 .. r0 würde der Hauptgrund ihrer Stadt fährt. Jedem Einwohner ist be ohlen w^b ' ' entreffen der Fuhrwerke vor s-iner Tdr zu kehren und den Kot in den » entgegengesetzter Richtung zu verhindern, Karren abladen z» lassen! I weafallen wenn man gestatten wollte, dieselbe

Damals gab es noch kerne Mullabgaben. I in ö-'cbcx Richtung zu befahren, weshalb das

Reue Straße« in Marburg. | Befahren der Straße in der Richtung vorn

Der Zustand der Wege und Chausseen war Barfüßertor nach dem. Elrsubethent r im früheren Kurfürstentum ein sehr Näglicher, I laubt und in entgegengesetzter Rich g weshalb die westfälische Regierung sich alle 1 boten ist." »ntnMenaefefctet

Mühe gab, besonders im Interesse der Truppen- Die Fuhrwerke mußten in entgeg Wi«* durchmärsche diesem Uebelstande abzuhelfen. Richtung ihren W-g

Auch Marburg wurde durch folgende Veran- erst am 4. September 1810 wurde oviges ^ero«

besaß, M» dar es wohl keine ander« Stadt be» j beauftragt,'

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Umschau im Auslande.

/ Es sollen zwischen verschiedenen Mächten Unterhandlungen über die Rolle der Ost­see im internationalen Leben irn Gange sein. Auf der Berliner schwedischen Ge­sandtschaft wurde einem Fragesteller sehr zu­treffend erklärt, daß das Deutsche Reich als see- gewaltigster Küstenstaat von Verhandlungen über die Ostsee nicht ausgeschlossen werden könne, denn wenn solche Verhandlungen ohne Hinzu­ziehung Deutschlands stattfänden, würden sie als gegen Deutschland gerichtet angesehen werden können. Für Deutschland gibt es eben­sowenig eine Ostseefrage, wie z. B. eine schles­wig-holsteinische oder eine elsaß-lothringische. ^Einige Mächte scheinen aber anzunehmen, daß Deutschland, das im Kaiser Wilhelm-Kanal jetzt den kräftigsten Schlüssel zum Ostseebecken in der Hand hält, darauf ausgehen könne, den bestehen­den Zustand zu ändern und im Einvernehmen mit den übrigen Küstenstaaten aus der Ostsee ein Mare clausum zu machen. Ein vollständig geschlossenes Meer, das für die Ein- und Aus­fahrt von Kriegsschiffen denn nur um diese handelt es sich hier ganz gesperrt ist, ist das Schwarze Meer. Die Ostsee könnte wohl nur in beschränktem SinneMare clausum werden können, d. h. die Kriegsschiffe der angrenzenden Staaten könnten aus- und etnfahren, fremde nicht. Im Kriegsfälle würden sich daraus fol­gende Konsequenzen ergeben: Bräche ein Krieg zwischen England und Rußland aus, so könnte das erstgenannte Land nicht mehr, wie einst im Irimkriege, ein: Angriffsflotte in die Ostsee entsenden, denn Dänemark und Schweden wür­den ihr auf Grund der Verträge durch Minen den Sund und die Belte sperren. Käme es zu einem Kriege zwischen England und Deutsch­land, dann könnte die ganze deutsche Ostseeflotte «ach Belieben durch den Kanal oder den Sund In die Nordsee hinaus-, kein einziges feindliches Schiff aber in die Ostsee hineinschwimmen. Ein solcher Zustand würde also für die. Ostseemächte in der Tat recht bedeutende Vorteile mit sich bringen, doch erscheint es höchst unwahrscheinlich, daß bas Deutsche Reich ihn im gegenwärtigen ^Zeitpunkt anstrebt. Vermutlich wollen England, Frankreich und andere Mächte sich bloß verge­wissern, ob der Status quo in der Ostsee auch melier erhalten bleibt und hierum dürften sich auch die Verhandlungen drehen.