«ud beit KrUage«: .Literarischer Attzeiger-. „KattbivirtschaftLichr Beilage- «*b „AUttstriertes Sormtag-blatt-.
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Marburg
SoMabend, 18, Januar 1908.
Die JnsertionSgebühr beträgt tot die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Ioh. Lug. Koch, Unioersitätsbuchdrulkerei Inhaber Dr, E.Hltzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon55.
43. Jahrg
Interpellationen.
r Es wird nachgerade etwas viel interpelliert. Raum hatte man sich nach den Sommerserien im Wallotbau wieder häuslich eingerichtet, so wechselte zwischen Bundesrat und Reichstag auf dem Wege der Interpellation Frage und Antwort über die Lebensmittelteuerung und über die unliebsame Höhe der Kohlenpreise. In Gleicher Weise ist inzwischen der Bankdiskont «nter die Lupe genommen. Knappschastswesen, Preußische Ostmarkenpolitik und preußische» Wahlrecht schließen sich an. Ebbt diese Hochflut der Interpellationen nicht bald an, so bleibt d-.n hohen Hause kaum noch Zeit zu positiver Arbeit. Oder ist auch die Erledigung einer Interpellation positive Arbeit? Unter Umständen, eher nicht immer. Welcher Unterschied klafft z. B. zwischen der tatsächlichen politischen Bedeutung der Interpellation Graf Kanitz und der Interpellation der Sozialdemokratie über das Wahlrecht. Während diese rein agitatorischen Zwecken der Partei dienen soll, da schon verfassungsmäßig gar kein Recht vorliegt, innerpreußische Angelegenheiten vor dem Reichstag zu erörtern, betraf jene eine Frage von höchster Wichtigkeit für das gesamte Volksleben und führte demgemäß auch zu nützlichen Anreg- v'.gen.
Welches Schicksal ist einer Interpellation im Reichstage vorgezeichnet? Ist eine solche Anfrage an den Reichskanzler eingebracht, so bittet der Präsident den Reichskanzler um eine Erklärung, ob und wann er die Interpellation beantworten will. Der Reichskanzler bestimmt darauf den Tag, den er zur Beantwortung für zweckmäßig hält. Daß Einbringung und Beantwortung der Interpellation unter Umständen weit auseinanderliegen, hat sich erst jetzt wieder bei der Interpellation des Grafen Kanitz gezeigt. Der Reichskanzler kann die Interpellation beantworten oder ablehnen. Ohne Rücksicht darauf aber kann die Besprechung der Interpellation beschlossen worden, wenn die, von mindestens 50 Mitgliedern beantragt wird. Die Sozialdemokratie kann aus eigener Kraft diese 60 Stimmen nicht aufbringen; sie ist also, will sie eine Besprechung ihrer neuesten Interpellation zur preußischen Waylrechtsfrage, auf die Unterstützung bürgerlicher Parteien ange- Miesen. Es unterliegt aber vorläufig keinem Zweifel, daß sich Leute finden werden, die der Partei Vorspanndienste leisten werden. Nun bestimmt aber § 33 der Geschäftsordnung: „Die Stellung eines Antrages bei dieser Besprechung fit unzulässig". Diese Regelung hat eine Lrcht- vnd eine Schattenseite. Bedauerlich ist sie insofern, als hier ein Schlußantrag unmöglich ist. Das Wäsierchen läuft also, solange das Bassin der Rednerliste auch nur noch über einen Tropfen verfügt. Eine Abhilfe gegen einen Landregen von Reden ist nur dadurch gegeben, daß die Interpellation nicht wieder auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt wird. Der Ausschluß eines Antrages bei solchen Besprechungen ist aber im Grunde genommen heilsam. Könnte der Interpellant im Verlaufe der Besprechung einen materiellen Antrag stellen,
U (Nachdruck verboten.)^
— Unter der Maske.
A Roman von Lady Georgina Robertson.
L. (Fortsetzung.)
Mathilde schien mit einer Verlegenheit zu kämpfen: ein Blick auf Ellens einfaches Kleid beruhigte sie: sie trat einen Schritt naher und drückte einen Schein in die Hand der jungen Frau.
„Wollen Sie dies von mir annehmen?" bat sie.
Ellen ffah erstaunt auf.
„Glauben Sie ja nicht, daß ich Sie bestechen will, oder daß ich meine, Ihre Liebe zu dem Kinde sei käuflich. Ich wollte Sie nur bitten, sich etwas zu kaufen, was Sie an mich und an Ihr Versprechen erinnert. Sie werden doch meine Bitte nicht abschlagen?"
Ellen trat einen Schritt zurück: dann ergriff sie zu Mathildens größtem Erstaunen die Banknote, küßte sie wieder und wieder und brach in Tränen aus.
„Ich habe Sie doch nicht gekränkt?" fragte Mathilde.
Ellen nahm sich zusammen. Sie durste sich ja nicht so gehen lassen.
.V'rzeihen Sie," begann Ellen leise, »Ihre Freundlichkeit und Güte rührt mich tief. Wie lange ist es her, seit mir jentand etwa» gr- jchenkt hat. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen, ich will das Geld von Ihnen an- Lehmen." Und im stillen fügte sie hinzu, 6af$ sie et zum ewigen Andenken aufbewahren wollte.
„Es freut mich, daß Sie es so auffoffen," sagte Mathilde, und nun will ich Ihnen Adieu
der auf den Gegenstand der Interpellation Bezug hat, so wäre damit der schnellste Weg zur Erledigung der Fragen gezeigt, die jetzt den Umweg der R^olutionen und Jniativanträge machen müssen: und die Reichsberatungen würden schließlich eine endlose Kette von Interpellationen sein. Daß dieser Umstand nicht her- beigesührt werden darf, unterliegt keinem Zweifel.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser machte gestern morgen mit der Kaiserin den gewohnten Spaziergang im Tiergarten, besuchte den Staatssekretär des Auswärtigen Amts und hiernach den Reic^kanzler und hörte im Königlichen Schlosse die Vorträge des Chefs des Ingenieurs- und Pionierkorps Generals von Befeler, des Kriegsministers Generals v. Einem, des Chefs des Generalstabes der Armee Generals von Moltke und des Stellvertreters des Chefs des Militärkabinetts Generals von Oertzen. Um ein Uhr fand Familien- frühstückstafel statt, zu der die Herzöge Albrecht und Robert von Württemberg geladen waren.
— Der Kaiser wird heute mit den anwesenden kapitelfähigen Rittern de» Schwarzen Adlerordens im königlichen Schlöffe zu Berlin die feierliche Investition des Herzogs Robert von Württemberg, de» Generals v. d. Goltz, des Staatsministers v. Tirpitz, des Finanzministers Frhr. v. Rheinbaben, des Generals v. Stuenzer und des Botschafters Frhrn. Marschall v. Bieberstein vornehmen.
— Der deutslye Kronprinz ist gestern von St. Moritz abgereist: die Kronprinzessin gedentt noch etwa acht Tage dort zu verweilen.
— Zum Sprachenparagraphen ist dem Reichstage eine von etwa 30 000 dänischen Nordschleswigern unterzeichnete Petition zugegangen, in der et ersucht wird, den Paragraph 7 des neuen Vereinsgesetzes (Verbot fremder Sprachen in öffentlichen Versammlungen) fallen zu laffen. Das sagt genug für die Bedeutung dieses Paragraphen im Sinne des Deutschttims.
— Ergebnisse der Tätigkeit der juristischen Prüfungskommission im Jahre 1907. Bei Beginn des Jahres 1907 hatten 52 von den der Kommission überwiesenen Referendaren die Prüfung noch nicht vollendet: Unter Hinzurechnung der im Jahre 1907 neu überwiesenen 68 Referendare waren in Summa 120 Examinanden der Prüfung zu unterziehen. Die Zahl der Referendare, welche die Prüfung abgelegt haben, betrug 108. Von ihnen haben 23 nicht bestanden. Von diese:. 23 wurden 5 wegen wieder? holt nicht bestandener Prüfung vom höheren Verwaltungsdienste ausgeschloffen, dir anderen 18 find zur besseren Vorbereitung zurückgewiesen worden. 2 von ihnen haben inzwischen die wiederholte Prüfung ausreichend bestanden. Es haben 11 Referendare mit dem Prädikat „gut", 9 Referendare mit dem Prädikate „vollkommen befriedigend" und 65 Referendare mit dem Prädikate „ausreichend" die Prüfung bestanden. Der Auftrag zur wiederholten Prüfung eines Referendars kam nicht zur Erledigung, weil der- i ——— ---------i------
sagen, ich habe noch allerlei zu tun, ehe ich abreise." ,
Sie streckte Ellen ihre Hand hin, die diese kaum berührte. Dann verließ sie das Zimmer.
War es nicht töricht, daß Ellen die Banknote wieder an die Lippen preßte und von neuem bitterlich weinte? So ließ war ihr ein Geschenk von Mathilde, obgleich es dazu dienen sollte, ihre Liebe zu dem Kinde zu erkaufen.
„Nie werde ich diesen Schein fortgeben, dachte sie, „und wenn ich verhungern müßte, ich laffe ihn nicht von mit, so lange ich lebet“
Wahrend sie ihn betrachtete, fielen ihr tausend Beweise von Liebe und Freundlichkeit ein, die Mathilde ihr in ihrem Leben erzeigt hatte. Stets hatte sie für Ellen yesorgt, sie in Krankheiten gepflegt und ihr jeben Stern aus dem Wege geräumt. Und dann die Selbstlosigkeit, mit der sie ihr Artur zugeführt hatte.
Wie wunderbar doch das Leben oft führt i Daß sie, die reiche Ervin, Sir Johns einzige Tochter, ein Geldgeschenk: erhalten und an- nehmen würde, kam Ellen trotz allem Kummer fast komisch vor.
Am Abend desselben Tage» liefe Lord Chesleigh Mr«. Bird zu sich rufen. Er teilt, ihr mit, daß er sich mit Miß Button verlobt habe, und er hofie, Mrs. Bird werde trotzdem in ihrer Stellung bleiben. Dann sprach er noch von seinem Wunsch, daß auch Mrs. Moore im Hause bliebe. Er werd, nach feinet Hochzeit einige Monate reisen und möchte ihr das Kind für die Zeit ganz anvettrauen.
Mrs. Bird versprach, mit ihr zu reden Ustd verließ sehr beruhigt da» Zimmer.
„So gut die Stelle hier ist." murmelte sie,
selbe infolge Erkrankung des Kandidaten zurückgezogen wurde. Am Schluffe de» Jahre» 1907 waren 11 der Kommission überwiesene Referendare, deren Prüfung noch nicht ftattfinben konnte, vorhanden. Der Prozentsatz der Nicht- bestandenen war: im Jahre 1900 18,75, 1901 20, 1902 17,91, 1903 9,09, 1904 13,24, 1905 22,4, 1906 14,91 und 1907 21,30.
— Leutnant v. Kruse, der Sohn der Frau v. Elbe, dementiert die Meldung, daß er seinen Abschied genommen habe u. daß er in absehbarer Zeit sein Abschiedsgesuch nicht einzureichen gedenke.
— Eine Folge des Hardenprozesse». Dr. ßiman ist nicht mehr Chefredatteur der „Leipz. Reuest. Nachrichten". An seine Stelle ist Dr. Eranthoff getreten, der bisher verantwortticher Redakteur für den politischen Teil war. — Man darf «nehmen, daß dies mit dem merkwürdigen Zwiespalt zwischen den Aussagen Dr. Limans im ersten und zweiten Hardenprozeß zusammen- hängt. Die Nachricht, es sei ihm nah, gelegt wckrden, seine Ehrenstellen niederzulegen, hat er selbst dementiert. — Eine andere angebliche Folge des Prozesses stellt sich jetzt als unrichtig yeraus.
— Reue Petersprozeffe. Wie gegen den „Vorwärts" in Berlin, schwebt auch gegen den Redakteur der „Volksmacht" in Breslau ein Prozeß wegen Beleidigung des früheren Reichskom- miffars Dr. Peters. Auch dieser Prozeß ist auf unbestimmte Zeit vertagt worden.
— Oessentliche Stimmenabgabe! Bebel über den soziawemokratischen Wahlterrorismus! Der Abg. Gothein hat in Berlin in einer öffentlichen Volksversammlung der Nationarozialen erzählt: „Heute sprach mich im Reichstage Kollege Bebel an. Er sagte, daß er vom Landtage wenigstens erwartet habe, daß man das geheime Wahlrecht gewähre, denn im Norden und Osten von Berlin seien ja der kleine Bäcker und Fleischer durch das bestehende Wahlrecht gezwungen, sozialdemokratisch gu wählen. Und diese Leute seien doch gar keine Sozialdemokraten!" Köstlich! Bebel rechnet also mit dem sozialdemokratischen Wahlterrorismus. Aber fi-lau ist er doch. Er versteht es ganz gut, vor der öffentlichen Wahl graulen zu machen!
— Zur Marokko-Affäre. Unter der Ueber- schrift „Ein kalter Strahl nach Frankreich" schreibt die „Rh. Wests. Zig.": Berlin, 15. Jan. Die Schönfärberei französischer Darstellung der Lage in Marokko hat, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, in maßgebenden Kreisen Berlins einen um fi übleren Eindruck gemacht, als sie bald durch die Tatsachen widerlegt wurde, vier herrscht die Auffaffung,, wenn in Marokko unter den heutigen Verhältnissen ein Sultan Autorität erlangt, kann es nur derjenige sein, der die Macht des Volkes hinter sich hat. Frankreich kann nicht einen der beiden Sultane mit Geld und Truppen unterstützen, ohne sich von der Linie des europäischen Eesamtintereffes zu entfernen, die eine abwartende Haltung erheischt. Frankreich sollte daher bemüht sein, die Abweichungen zwischen sein-r und der deutschen Marokkopolitik nicht noch zu vergrößern.
Deutscher Reichstag
Der Reichstag ehrte am Donnerstag das An> denken de» verstorbenen Abg. Fürsten zu In- uni Knyphausen in üblicher Weise und genehmigte sodann debattelos in dritter Lesung die Verträge mit Belgien und Italien bett, den Schutz von Werken der Literatur und Kunst. Es folgte die dritte Lesung de» Handelsvertrages mit Montenegro. Hierbei crllärtt auf eine Anfrage de» Hauses in erster Lesung Staat»- sekretär v. Schön, bei dem Bau einer Bahn in Ilion« tenegro hätten auch deutsche Firmen Aufträge erhalten. Der Entwurf wurde widerspruchslos angenomr men. Da» Haus wandte sich zur Fortsetzung der Besprechung der Interpellation der Polen, bett, die Enteignungsvorlage. Abg. Heckscher (srj. Vgg.) erklärte, ferne Freunde konnten der Regierung auf dem gcjähr« lichen Wege, den sie hier einschlage, nicht folgen. Abg. Ledebour (Soz.) begrüßte in der Borlage eine» neuen Schritt zu einem frühen Siege des Sozialismus. Abg. Dr. Böhme (wirtsch. Vgg.) wandte sich gegen die Ausführungen des Vorredners und hielt ihm vor, wie gerade die Sozialdemokratie selbst den brutalsten Terrorismus gegen nationale Arbeiter ausübe, da berühre es merkwürdig, toenn die Sozial« demokratie immer wieder von Brutalität und Gewalttätigkeit des preußischen Staates spreche. Tie Polen sollten anerkennen, daß es auch für sie eine Ehre sein müsse, einem so glänzend entwickelten und geordneten. Staatswesen anzugehoren wie dem preußischen. Tü Regierung sei auf dem richtigen Wege mit der Au». Breitung des Deutschtums in den Ostmarken. Pflicht des polnischen Adels sei es, seinen Stammesgenosse» zu sagen, was sie der preußischen Krone alles verdanken. Abg. Fürst Radziwill (Pole) nannte die preußische Polenpolitik einen Einbruch des Vandalismus in die politische Kunst und das Gegenteil der politischen Moral. Diese Vorlage sei nur geeignet, die Kluft zu dem Herzen des polnisch fühlenden Staatsbürgers zu vergrößern. Abg. Görcke (nl.) verteidigte die preußische Polenpolitik und betonte, daß die Mehrheit des deutschen Volke« hinter dem Reichskanzler stehen würde, wenn sie besser unternchltt wäre über die großpolnischen Bestrebungen. Nach weiterer unwesentlicher Debatte, in der sich Abg. Ledebour (Soz.) wegen des an die Rechte gerichteten Vorwürfe» der Taktlosigkeit einen Ordnungsruf bef Vizepräsidenten Dr. Poasche zuzog, schloß diese Be- sprechung. Es folgte die Interpellation der Abg. Behrens (wirtsch. Vgg.) und Genossen über das Knappschaftswesen. Die Begründung der Jnterpella- tion bot Abg. Behren» (wirtsch. Vgg.), der die hier von den Bergleuten vertretenen Wünsche in ausführlicher Rede befürwortete. Darauf vertagte sich da» HauS. — Freitag 1 Uhr: Fortsetzung. Schluß 6 Uhr.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Schon äußerlich trat in der heutigen Sitzung de» Abgeordnetenhauses die Bedeutung der Verhandlung hervor. Der Ministerpräsident war außer den Reffott- ministern am Regierungstische anwesend, das Hau» war voll besetzt und in der Bewegung, die den scharfen Zusammenstoß der Gegensätze vorher zu kundigen pflegt. Ein solcher fand alsbald statt, denn die Oppo- sition ging sofort mit dem von dem Abgeordnete« Kirsch (Zentt.) begründeten Anträge auf Zurückverweisung der Vorlage in die Kommission vor und die Mehrheit lehnte diesen Antrag mit der Begründung ab, daß sie an ihren Vorschlägen unverrückbar festhalte.
Die sachliche Verhandlung trug denselben Cha- ratter. Abg. v. Heydebrand (kons.) führte unter dem Beifall der Rechten und der National liberalen und
als sie die Treppe hinaufging, „ich wäre doch nicht geblieben, wenn Miß Forbes ins Haus gekommen wäre."
Sie ging direkt zu Ellen und richtete das Anerbieten ihres Herrn aus.
„Sprechen Sie noch nicht darüber," bat sie, „aber Lord Chesleigh wird bald heiraten. Er $at es mir selbst gesagt."
„Schon oald?" wiederholte Ellen leise.
Ja und er wird eine längere Hochzeitsreise machen. Sie sehen f) erstaunt aus, 's ist doch nichts wunderbares, wenn ,o ein junger, hübscher und reicher Herr eine zwette Frau
nimmt."
„Rein," entgegnete Ellen zögernd, „aber nach so kurzer Zett!"
„Es ich doch schon lange genug her. Darauf kommt es ja auch nicht an. Ich bin nur froh Über seine Wahl wir werden die neue Lady Chesleigh alle willkommen heißen."
„Die neue Lady Chesleigh!" sagte Elle« leise. Sami fragte sie: „Glauben Sie, daß er noch zuweilen an feine junge Frau denkt, die damals ertta.ik?"
Ich weiß es nicht. Ich glaube nicht, dgtz er sie vergessen bat. Ost habe ich ihn vor ihrem Bilde stehen sehen: da» ist doch ein Zeichen, daß er ihrer gedenkt. Ich für mein Teil wünsche, sie wär» nicht gestorben, ich glaube, sie war bester, al» alle andern."
„Spricht er zuweilen von ihr?" fuhr Ellen fort.
„Mit uns nicht. Mit niemand außer Dora, aber der erzählt er innrer von ihr. Ich glaube fest, er liebt Miß Button nur. weil sie die Verwandte seiner leider viel zu früh Verstorbenen Krau ist."
„Wie fern ihnen allen doch die Wahrheit
liegt," dachte Ellen aber es war ihr ein Trost daß die Leute nicht im geringsten an ArturL Liebe zu seiner verstorbenen Frau zweifelten.
Lord Chesleigh saß in der Bibliothek. Vor ihm bedeckten Bücher und Papiere den TtA aber seine Aufmerksamkeit feffelten sie . nickt Er dachte nur an sein Glück, und versuchte, sich klar zu machen, daß nach jahrelangem Warten nach manchem Kampf er endlich die Hand danach ausstrecken durste. Von Mathilde glitten seine Gedanken auf Ellen über. Es war wunderbar, daß sie an sonnenhellen Tagen immer besonders bei ihr weilten — sie schien ja nur sür Glück und Sonnenschein geschaffen. Mtt Rührung gedachte er ihrer großen Liebe und ein Bedauern regte sich in ihm, daß sie so früh hatte sterben müffen.
, Womit habe ich die Liebe von zwei so vor« trefflichen Menschen verdient," dachte er, „wie Mathilde und Ellen waren i Die erste, et« innerlich gefestigter, reifer Charakter dte andre ein harmlos-fröhliches Kind. Beide so gan- verschieden in ihrem inneren und äußere« Wesen, nur eins in der Liebe zu mit.
Uni) dann mußte er sich gestehen, wie aaiq nnwert er dieser Liebe gewesen war, um» sein» Träume spannen sich weiter, wie " ftm ftrnn« Leben gestalten und Mathilde glücklich mache«
Er' schrak plötzlich empor; in der Türe stand Lady Forbes. _
„Ich habe ein paarmal geklopft, sagte Ne „hoffentlich störe ich nicht."
Er sprang auf und geleitete sie höflich Pt einem Sefsel, _ ,, ,, 4
' ^Fortsetzung folgt),