Zweites Blatt
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Marburg 15. Januar.
* Musikgeschichtliche Borträge. „Die Musikgeschichte ist. ein noch lung« Reis an dem weitverzweigten Baume der Wissen-
stehen. Deutschland wurde während des Burenkrieges von zwei mächtigen Seiten g»elchzeitig der Antrag gestellt, die für England entftan- dene Situation zu benutzen, und rch Habs direkt abgelehnt. Ich telegraphierte sofort an meinen Onkel was für ein Antrag an nuch gestellt worden war." Ich selbst kann weiter hinzufugen, daß während des Burenkrieges den Offizieren auf das strengste verboten war, mit anderen Personen über den Krieg und seine politische Bedeutung zu sprechen. Von großer Bedeutung rn diesem Zusammenhänge sind auch die Worte, die häufig auch von der verstorbenen Kaiserin Friedlich während der letzten Monate ihres Lebens gebraucht wurden: „Mir ist es ein großer Trost bei all den Schmerzen, die ich zu erleiden habe, zu wissen, daß mein Sohn vollste big bei diesem Kriege auf der Seite meines Mutterlandes steht« -3um Schlich sagt Herr» Ba'h ord:
Eine impulsive Natur, wie es die Kaiser Wilhelms ist. kann nicht von Feh »ern frei sem. Humanum est errare. Er ist ein Mann von tarkem, unabhängigem Charakter, der für sich elbst denkt, uiid er ift ausge^rochen menschen- reundlich in allem, was er tut Er sollte als Mann beurteilt werden. Wie Zennnion «agt.
Wer keinen Fehler hat, ist voll von Fehlern.
Kaiser Wilhelm in englischer . Beleuchtung.
- Der englische Journalist Bashford veröffent- «cht in der letzten Nummer des „Strand Magazine" einen Artikel, und zwar, wie er nntteilt, mit Zustimmung des Kaisers. Ueber die Stellung des Kaisers zur Flotte hecht es da u. a..
Kaiser Wilhelm ist in Marinesragen eine Mahre Autorität und verfolgt alles, was tn Verbindung seiner eigenen Flotte und jener des Auslandes veröffentlicht wird. Er äußerte sich über die britische Flotte in der folgenden Weise. .Wir werden stets den Lehren der britischen Flotte folgen und zu ihr als unserem Muster emporblicken; wir werden aber niemals, und selbst wenn wir es wollten, stark genug fern, um für Britannien eine Gefahr zu bilden. Wir hegen keinen Wunsch, die britische Oberqerrschaft zur See in Frage zu stellen; wir wollen aber eine Flotte haben, die stark genug ist, uns zu beschützen, wenn wir angegriffen werden; die in fremden Gewässern den Namen und die Macht Deutschlands- entsprechend repräsentiert und die den Handel Deutschlands in allen Teilen der Welt zu schützen vermag. Mem Ziel ist den Frieden der Welt zu erhalten, nicht durch die Bestreitung der Oberherrschaft Britanniens zur Ece oder dadurch, daß wir uns Britannien zum Feinde machell. Es wäre Torheit von uns Deutschen, zu trachten, die Höhe der britischen Seemacht zu erreichen. Es ist mir unverständlich,
wie die Leute meine Ziele und meine Absichten in einer solchen Weise mitzverstchen tonnen Der Verfasser kommt dann, nach der „Aiago. Zta" auf die Verstimmung zu sprechen, die zuerst durch die deutsche Kolonialvolitik, und namentlich während der letzten Jahre durch das an den Präsidenten Krüger gerichtete Telegramm hervorgerufsn worden sei — eine Handlung, die der Kaiser, nach Herrn Bashford — „bei reiflicher Ueberlegung nachträglich sehr bedauerte. Es sei deswegen zwischen ihm und de: Königin Viktoria zu einem Briefwechsel gekommen, und der Kaiser habe in dieser Beziehung seinerzeit, wie Herr Bashford versichert, geäußert: ,,^ch habe der Großmutter in einem Sinne geantwortet der sie bestimmt erfreuen wird." Zn der englischen Presse sei aber trotzdem Mißtrauen gegen den Kaiser und seine Absichten lebendig erhalten und häufig versichert worden, daß der Burenkrieg nie ausgebrochen wäre, wenn sich dtt Kaiser nicht eingemischt hätte, und daß er auch nach dem Ausbruche des Krieges eine Allianz gegen England in Vorschlag gebracht habe, die sedoch an der Weigerung Delcassäs, ihr berzutre- ten, gescheitert sei. Herr Bashford sagt: „Gegen die Wiederholung dieser Fabel kann ich das folgende anführen: Die Agitation, die tn England gegen die Person des Kaisers betrieben wurde, hat ihn stets sehr gekränkt, da er der englischen Kritik weit größeres Gewicht beilegt, als der von irgend einem anderen Lande kommenden. Bei einem Anlasse, wo die Erbitterung gegen ihn besonders geschürt wurde, besprach er die ganze Frage mit großer Wärme mit einem Herrn, dessen Namen ich kenne, und er machte die folgenden Bemerkungen: „Ich kann dieses llebelwollen gegen mich in England nicht ver
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schasten, und sie Mill sich ihren Platz neben bei Literatur- und Kunstgeschichte aus den Universitäten noch erobern." So ungefähr begann Herr Dr. Schiedermair seine erste Vorlesung über
Hauptwerke musikdramatrsqer Kunst" im Verein Frau en bi t o ung — Frauenstudium. Wir glauben, daß all« Anwesenden dem jungen Schoß ein fröhliches Wachsen und Gedeihen gewünscht haben! Ist doch Musik die am weitesten verbreitete Kunst, die auch in das bescheidene Heim, in das abgelegene Dorf einen verklärenden Schimmer zu weifen vermag, sobald nur zwei oder drei ihrer echten Jünger darin bei, ’.umen sind, und an Orten, wo die Echwefterkünste, Malerei und SUUs.ur, nur verhältnismäßig Wenigen hinemleuchtcnw das Leben, ist sie es, die sich den Vielen Luwcndet. sie zu erheben und zu erfreuen. Für die Oper freilich, und gar für das modenie Mustkdiama bietet die kleinere Stadt keinen Raum. Bei Ec legenheit und meist im Fluge muß dieser Genuß von den meisten erhascht werden, wenn ihr Weg sie einmal in die Großstadt fuhrt. Und da kann es geschehen, daß man dieser Kunst fremd oeaenübersteht; ihr Inneres erschließt sich nicht so ^leicht und man bleibt am Aeußeren Haftes Zu sehen und davon mitsprechen zu können ist der kärgliche Ertrag einer großen Kunst, die uns erlösen, befreien sollte. Nicht jeder kann eigene tiefe und selbständige Studien machen dessen Ohr und Sinn doch zur Empfanglicykeit geweckt werden könnte. Wie dankbar müßen wir als» der Musikgeschichte sein, die uns zu Hilfe kommt. Wer an ihrer Hand den Weg verfolg! hat, der ihre ersten bescheidenen Hutten gebaut hat^ hinaufführt zu den Höhen, wo die mächtigen Halle»
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Donnerstag, 16. Januar 1908. Inhaber Dr. C.Hiheroth, Marburg, Markt2t.-Telephon .
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