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Marburg früher und heute
Aon L. Müller, (Fortsetzung).
Zwar darin kann man ihnen nur zustimmen, daß sie mit Nachdruck darauf Hinweisen, daß zwi- schen dem Verleumder Bülows, Brand, und Har« den doch ein weiter Unterschied besteht, und auch darin haben fie nicht unrecht, baß in vielen Auslassungen über Harden nicht die Objektivität die Feder geführt hat, das aber bleibt bestehen, daß Harden aus Grund mangelhafter Informationen um seiner politischen Ansicht von der Schädlichkeit einiger Männer zu einem Erfolge zu verhelfen, zu öffentlicher, schwerer Beleidigung gegriffen hat. Ein Publizist, der sich der Wirkung seiner Worte so bewußt ist, wie Harden, durfte diese Anklagen nicht nach diesen Quellen ausstellen. Mag man ihm als Beweg- gründ auch „Patriotismus" zugestehen; ein für allemal mutzt« sestgestellt werden, daß persönlich« Schmähungen nicht zum erlaubten Mittel im politischen Kamps gehören und das; die persönliche Ehre de» Einzelnen noch vor den Gerichten wirksamen Schutz sindet. — Für uns Deutsch« hat bte» scharf« aber klare Urteil noch eine sehr bedeutsame Seite. Die erste Verhandlung hatte ja im Auslande eine wahre Schadenfreude hervorgerufen. Also auch in Deutschland! Tamarilla! Homosexuelle find die Rargeber de» Kaisers! hieß es da. Ganz an- der» klingt da» jetzt. Der „Temps", der alte Feind Hardens, urteilt fteilich nicht au» ganz reinen Motiven: Wir lieben zu sehr den Freimut, als datz wir aus unserer Genugtuung über Hardens Sturz ein Hehl mache» könnte«. Seit Jahren lästert dieser Mann Frank- reich und regt durch verleumderisch« Unterstellungen die Meinung Deutschland» gegen uns auf. Wenn er aber heute mit dem Verlust seine» Kredit» ein« schädlich« Laufbahn be- schließt, so haben wir keinen Grund, dies« Tat- fach« zu beklagen.
Die „Jnd6pendance belge" begrüßt bte Verurteilung Harden» al» eine Reinigung Deutschland», da» heute moralisch ebenso hoch daftehe wie jede andere Kulturnation; Harden habe sein Schicksal vollauf verdient. '
Auch di« „Itmes“ erklärt da» Urteil für gerecht: Bi» zum Ende hat Harden nicht offen widerrufen obet um Verzeihung gebeten, und es scheinen in seiner Schlußrede sogar Stellen gewesen zu sein, bte in sich genügend bedeutungsvoll waren. Er lehnte es ab, um milde Strafe zu bitten, und «r kann sich nicht beklagen, daß da» Über ihn verhängte Urteil übermäßig sei...
Demgegenüber können wir es leicht verschmerzen, daß stch ausgerechnet bte Italienischen Blätter auf Halben» Setten stellen, bes Landes, in dem der Fall Rast und die Tätigkeit der Camorra einfach alles übersteigt. Die „Vita" hält Harden für da» Opfer jener hohen Sphären, welche in reaktionären (!) Ländern die Macht besitzen. Hardens Verurteilung nach feinem jüngsten Triumphe sehe geradezu wie eine Ver-
Me heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
Rüüblick.
, Der Pr o zeß Harden ist durch das Urteil der Strafkammer zu einem gewissen Abschluß gekommen. Und wenn auch Harden selbst auf seine Revision beim Reichsgericht große Hoffnungen zu setzen scheint, so wird er darin ziemlich allein ftehen. Jedenfalls aber hat man in weiten Kreisen das Gefühl, dem P. Marx im „Tag" Ausdruck gibt: Schluß mit der ganzen Schmutz- tzeschichte, Schluß vor allem mit den fortgesetzten Beweisdrohungen, Schluß mit der ganzen Ma- -lier, die allmählich bedenklich an die berüchtig- len Ahlwardtakten zu erinnern beginnt, mit die- fern Prahlen mit neuem Material, neuen Beweisen, neuen Enthüllungen. Das Land, das er <icb hat, will Schluß; der Augenblick ist gekom- gnen, wo sein verfrühter Ausspruch vor dem Schöffengericht volle Geltung gewinnt: causa Anita."
1 lieber die Bedeutung des Urteils, daß einem schwer Beschuldigten und Verdächtigten sein Recht geworden ist, kann man nur Befriedigung Mpfinden. und dieses Resultat der Strafkam- imerverhandlung hat auch die Stimmen zur Ruhe gebracht, die die Aufnahme des Verfahrens als einen unberechtigten Eingriff in den Gang de» Rechtes verurteilten. Harden selbst und sein Schicksal findet noch unausgesetzt Veruteilungen In der Presse. Im großen und ganzen ist man sichdarüber einig, daß eine Verurteilung erfolgen »nutzte, über das Strafmaß aber schwanken die Meinungen und nicht wenige halten es für zu hoch, wie denn auch allerhand Pläne auftauchen, »ine Milderung des Urteils herbetzuführen; so soll von Herren in hoher gesellschaftlicher Stellung ein Gnadengesuch an den Kaiser eingereicht werde«, in dem um eine Umwandelung der Gefängnisstrafe in Festungshaft gebeten werden solle. Zu milde scheinen uns auch die „Leipz. R. Nachr." zu verfahren, wenn sie schreiben: Aber auf das Haupt Hardens fällt keine moralische Unehre, denn er hat nicht frivol und aus Sen- sationslust gehandelt, unb nur der Hatz bei Par- teteit kann anders von ihm meinen. Aber er ist aus dem Kampfe als der Besiegte geschieden und muß die Kriegskosten zahlen. Allzu sehr ist der Maßstab der Objektivität verschwunden, und da» forensische Drama ist zu einem politischen Ereignis geworden. Um so nötiger ist es, sich vor Uebertreibungen zu hüten, das rechte Augen- maß zu bewahren und sine ira et studio sein Urteil zu fällen.
gewaltigsng aus. Unter dem Titel „Sie Richter von Berlin" beleuchtet „Jtalie" den unerklärlichen Zwiespalt zwischen dem ersten unb zweiten Urteil im Harden-Prozeß und schreibt: „Was soll man zu diesen Richtern von Berlin sagen, wie tief sind sie seit de'". Großen Friedrich gesunken!"
Kaurn ist der Harden-Prozeß zu Ende, so tagt in Köln schon wieder eine Verhandlung, deren Gegenstand auch weit Über Deutschlands Grenze« Beachtung gefunden hat und findet. D r. Karl Peters, der Eroberer und früher« Reichskommissar von Deutsch-Ostafrika sucht in dem zweiten Akt seines Reinigungsdramas vor dem Kölner Schöffengericht sein Recht. Die Verhandlung, die manche interesiante Punkte auf« weist — ist doch Peters Gegner, von Bennigsen, auch Kenner der kolonialen Verhältnisie —, beansprucht nicht da» Jnteresie, wie die Münchener Verhandlung. Dem Ausgang des Prozesses darf man aber um so gespannter entgegen« sehen, als es ja Peters weniger an der Verurteilung seines Gegners als letzten Endes darum zu tun ist, auf diesem Wege endlich eine Revision des Urteils de» Disziplinargerichtshofes herbeizuführen.
Daß wir in Peters eine ungewöhnliche Natur vor uns haben, „übertrieben in Worten unb Taten", rote ein Zeuge sich ausdrückte, ist nicht schwer zu erkennen. Aber der friedliche Bürger wird gewiß nicht daran denken, ein Land in Afrika für das deutsche Reich zu erobern. Auf solche Menschen wird man zu solchen Taten immer rechnen müssen. Bedenkt man noch, datz auch gegen Peters mit dem Mittel der Lüge unb Fälschung gearbeitet ist, so kann man nur wünschen, daß es Peter» gelingt, stch von den schweren Vorwürfen bes Mordes usw. zu reinigen, wie schon der Kronzeuge dieser Anschuldigung, der Tuckerbries, dahin gefallen ist. Ein solcher Erfolg würde unserer Kolonialgeschichte, die ja gewiß viele dunkle Stellen aufweist, nur zum Nutzen gereichen, denn der Name Dr. Peters ist nun einmal aufs innigste mit ihr verbunden.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhain
und tat Kkilag-u: „WerariU" Aiqeigrr«, „r«dmirtschastliche Keila«" imd ^u-firiert-, z—utag-bl«»«.
anzupassen gewußt. In der Tat erinnert Mar« bürg noch heute in seiner Bauweise an ein« mittelalterliche Stadt, einem Dornröschen gleich scheint fie drei Jahrhunderte in stillen Schlummer versunken zu sein.
Bei der Einweihung der neuen Universität»« aula am 19. Juli 1891 wurde das von Proseffo» Th. Birt gedichtete Lied nach der Melodie: „Wohl auf die Lust geht frisch und «in", gesungen:
Wohl auf! nun stimmet hell unb laut Und singt mit Jubelschalle.
Dies Haus ist nun zu End erbaut, Erbaut — wir sind es alle.
Die Burg der universitas. Der geistigen Mäothik, Wie schmuck sie prangt im Ebenmaß, In allerliebster Gotik.
Vallrie, vallra, vallerie, vallera! In allerliebster Gotik.
Nur Klosterschutt sah «inst ins Tal, Die Zeit schlug arge Bresche.
Wie naß hing dort im Sonnenstrahl, Zum Trocknen oft die Wäsche!
Da hub's aus Schutt sich Phönix gleich^ Kein Kloster gleich dem vor'gen, Ein' feste Burg im Eeisterreichl Nur fehlfs an Refektorien!
Palleri rc. rc.
Was Schlafsaal einst bet Mönchlein Der Schlummeret auf Erden, Ist Hörsaal jetzt bet wachen Schaar Und soll nie Schlafsaal weiden!
Doch ach! noch hing das junge Hau» Unfertig auf dem Hügel
Und seufzte bang ins Land hinaus: „Ich rooll't mit wüchsen Flügel!"
f Das Konsistorium dessen Bezirk begriff den oberen Verwaltungsbezirk Marburg und den Verwaltungsbezirk Ziegenhain in sich. Es bestand aus 1 Direktor, 3 Mitgliedern, 1 Sekretär und Probator, 1 Kanzlisten unb Nepositar, 1 Rechnungsführer und 1 Pedell. Der letzte hieß Rauch.
Die erste Diözese (6 Pfarrei-Klassen um« fassend), deren Vorstand Superintendent ist.
Die zweite Diözese (4 Pfarrei-Klassen umfassend) Vorstand, 1 Inspektor.
Das evangelische lutherische Ministerium bestand aus 1 Oberpfarrer und 3 Pfarrern, L Kantoren, 2 Org. isten, 1 Opfermann, 1 Zinsmeister und 1 Administrator.
Das evangelisch - reformiert« Ministerium bestand aus 2 Pfarrern, 1 Kantor, 1 Organisten und 1 Opfermann.
Die Zahl der Geistlichen hat sich gegen früher, obgleich sich Marburg bedeutend vergrößert hat, nicht vermehrt.
Schon die einfache Statistik lehrt uns, daß die Stadt, welche 1850 noch 7900 Einwohner hatte, unter denen sich 300 Studenten befanden, seit dieser Zeit bedeutend vergrötzerte; ergao doch die diesjährige Zählung über 20 000 Ein« prohner.
Wenn heute der Wanderer die traulichen Ltraßen und Gäßchen emporsteigt zur Höhe, um Me Krone Marburgs, das alte Schloß, zu beschauen, so braucht er sich nicht mehr mit Scheu abzuwenden von den sonderbaren Gesellen, di« unfreiwillig in den herrlichen Hallen, wo bte Wege des Landgrafen Philipp, stand, gehaust —
Die WahlrechLsftage vor dem Preußischen Landtage.
Berlin, 10. Jan. 1908.
Der prächtige Wintertag hatte Scharen Schaulustiger in die belebten 6tr<>en gelockt. Die gestrigen Agitationsversammlungen der Sozialdemokratie haben das ihrige dazu beigetra« gen, dem Preußischen Abgeordnetenhause heute eine besondere Anziehungskraft zu verleihen, kurz, es hatte sich vor ihm eine große Menschenmenge angesammelt. Diese versuchte durch das Absingen der Arbeiter-Marseillaise den von der sozialdemokratischen Presse geforderten „Wahlrechtssturm" zu demonstrieren. Auf den
nein, schöne Anlagen und anmutige Ruheplätze laden zum Genusie der entzückenden Fernsicht ein. Der prächtige, alte Rittersaal, die Kapelle mit dem hl. Christophorus, wie er das Kindlein durch den Fluß trägt, das Türmchen mit seinem Umgang, von dem man aus schwindelnder Höhe weit in die Lande schaut, sind wieder dem Beschauer zugänglich geworden. Di« übrigen Räume bergen seit 1873, nachdem 1869 die Strafanstalt verlegt wurde, einen edlen Schatz, das Kgl. Staatsarchiv des Regierungsbezirks Cassel und bes Kreises Biedenkopf. Die Tore zum Schlöffe, die ehedem abends um 9 Uhr geschloffen wurden, sind aus ihren Angeln gehoben, der Turmwächter, welcher all« Viertelstunden vorn Turm abblies, ist in Ruhestand versetzt und nicht mehr hört man den Ruf der Posten: „Schildwacht munter" in der Stille der Nacht. Lenkt man die Schritte nach Westen, so hat sich hier alles zum Vorteil verändert. Wo einst in der Vorzeit bet kriegerischen Epoche Festungswerke und Kasematten sich befanden unb infolge bet Sprengung durch die Franzosen im Jahre 1807 wüste Steintrümmer Gärten und Weg« bedeckten, wo später die Schullehrer im Schweiße ihres Angesichtes die ihnen überwiesenen Be- soldungsländer bearbeiteten, wandelt jetzt der Naturfreund in dem herrlichen Stadtpark, der mit seinen modernen Anlagen einen angenehmen Aufenthalt mit herrlicher Rundstcht bietet. Von der Hexenkanzel aus, einem idyllischen Plätzchen, übersieht man den nördlichen Teil der Stadt. Da, wo ehedem das 1741 erbaute Wacht- haus stand, sind seit 1870 schöne Anlage« entstanden. Der südliche Schloßberg ist jetzt bi» zur Höhe von einem Kranze üppiger Gärten und Anlagen lachender Villen gekrönt. Fröhlicher Stu« dentensang erschallt aus den zahlreichen hier befindlichen Kneipen, deren romanttsche Lage recht zur Poesie deutschen Studentenlebens stimmt
In der Ebene nach Süden ferner breitet sich ein ganz neuer Stadtteil aus, von regelmäßigen, zum Teil mit Bäumen bepflanzten Straßen durchschnitten, bis zu dem nahen Ockershausen. äm Vergleich zu den alten winkligen Gaffen der Itstadt fühlt man sich veranlaßt, mit Schiller zu rufen: „Regel wird alles, alles wirb Wahl und alles Bedeutung!"
Bedenkt man, daß 1869 die Kaserne als erstes Gebäude hier im C rtcnlanb sich erhob und die nach der Kaserne benannte Straße die erste war, welche bebaut und angelegt wurde, so muß man sich nur freuen über den Aufschwung, ben~ die Stadt genommen hat. Auch an Schmuckplätzen ist Marburg etwas reicher geworden, z. B. durch den Friedrichsplatz, Wilhelmsplatz und neben der Schützenpfuhlorücke durch die Schuleran- agen. An den neuen Straßen im Südoiertel ind entstanden: Am Eingang der Kasernen- iraße 1865 das Gymnasium mit seinem Erweiterungsbau, die verschiedenen Schulen mit der Hora, die Synagoge, das Amtsgericht, die Bibliothek und das Untersuchungsgefängnis. Seit 16 Jahren befindet sich eine Zweigpost- anftalt in der Universitätsstraße. Die Straße ist nach dem Fronhof durchgebrochen und an der Stelle der alten stehen jetzt schöne neue Gebäude. Die Perle von allem ist jedoch der 1873 begonnene und vom 27.—30. Mai 1379 eingeweihte neue Prachtbau bei Alma mater Philippina mit der im gotischen Stil erbauten, am 19. Juni 1891 kinaeweihten Aula. Das umfangreiche Gebäude erhebt sich auf demselben Platz, welchen die frühere Universität, ein ehemal. Dominikanerkloster, einnahm, wovon noch die große Klosterkirche vorhanden ist. Der Baumeister, der treffliche Karl Schäfer, hat e» in äußerst geschickter Weise verstanden, die verschiedenartigen Elemente zu verschmelzen, und hat dadurch de» jieuen Bau bet Eeunntarchitektur bes Stabt
(Sang der Verhandlungen im Abgeordneten« Hause hatte diese Demonstration indes nicht bee geringsten Einfluß, nur daß der eine oder anbett Redner, einschließlich bes Ministerpräsidenten, ausdrücklich die Wirkungslosigkeit solcher Be» einsluffungsversuche feststellte. Auf der Tage», ordnung stand bet freisinnige Wahlrechtsantrag; er forderte im ersten Teil die Hebet« tragung des Reichstagswahlrecht» auf de» Preußischen Landtag und in feinem zweite» Teile eine Aenderung der Wahlkreiseinteilung.
Die Begründung des freisinnigen Wahlrechts» antrages übernahm der Abg. Traeger, deff« Stimme aber die allgemeine Unruhe im Haus, nur dann zu übertönen vermochte, wenn ihm der Präsident von Kröchet durch Glockenzeichen Gehör verschaffte. Et stellte das bis zum Hebet« druß zu Tode gehetzte und wie später bet kon- servative Abgeordnete Malkewitz nachwies, tn einem ganz anderen Zusammenhang gebraucht« Bismarcksche Wort vom „elendesten aller Wahl, systeme" wieder einmal in den Vordergrund seiner Betrachtungen, die nach dem Anträge in dem Verlangen nach dem allgemeinen, direkte« Wahlrecht mit geheimer Stimmabgabe gipfelten.
Alsdann erhob stch unter allgemeiner Still« Fürst Bülow. Er führte aus, wie wir durch Exttablatt bereits gestern mitteilen konnten:
Die königliche ©taatsregierung habe stch schon seither bemüht, die Vorschriften deS preußi« schen Wahlrecht» zu betbeffern. Sie erkennt an, baß da» geltende Wahlsystem auch jetzt noch Mängel aufweist unb hat seit längerer Zeit erwogen, wie auch diese Mängel aufgehoben werben können. Ob bte» im Rahme» des bestehenden Wahlrechts ober durch gründ« sätzliche Aeuberung möglich fein wird, läßt sich noch nicht übersehen. Wie inbeffen schon jetzt erklärt wird, steht e» für die königliche Staats« tegietung nach wie vor fest, daß die liebet« tragung be» Reichstagswahlrechts aus Preußen dem Staatswohl nicht ent« sprechen würde und deshalb abzulehnen sei. Auch kann die kgl. Staatsregierung die Ersetzung der öffentlichen Stimmabgabe durch die geheime nicht in Aussicht stellen. Die gesund« Reform des preußischen Wahlrechts wird den Einfluß der weiten Schichten de» Mittelstände» auf da» Wahlergebnis aufrecht erhalten unb sichern sowie auf eine gerechte Abstufung be» Gewichtes bet Stimmen Bedacht nehmen müssen. Deshalb wird geprüft, ob dies Ziel erreicht werden kann lediglich mit der Zugrundelegung von Steuerleistungen oder ob und wieweit da» Stimmrecht von anderen Merkmalen roie Alter, Besitz, Bildung u. bergt, zweckmäßig abgeftuft werden kann. Sowie die kgl. Staats» tegietung füt ihre Entschließung eine feste Unterlage gewonnen hat, wird sie mit einet entsprechenden Vorlage an den Landtag herantreten, jedoch nicht in dieser Tagung. (Lebh. Beifall rechts, Zischen links.)
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