mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Marburg
Donnerstag. 9. Januar 1908.
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Druck und Verlagr Joh. Aug. Koch, UniversttätSbuchdruckerei, 0^9*8*
Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt21.—Telephon 55.
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Ende der Parlamentsferien.
r Heute Huben die parlamentarischen Weih- «achtsferien ihr Ende erreicht. Sowohl der Reichstag als auch das Abgeordnetenhaus werben an diesem Tage ihre Tätigkeit wieder sort- setzen und sehr bald sich ernsten, schwierigen Aufgaben gegenübcrstehen. Für den Reichstag ist am Mittwoch ein Schwerinstag angesetzt. Der lange Mittelstandsantrag des Zentrums, der schon dis beiden bisherigen Schwerinstage beschäftigt hat, soll endlich erledigt werden. Hoffentlich gelingt dies recht rasch, damit der zweite »uf der Tagesordnung stehende Initiativantrag, der konservativen Fraktion über die Pen- fions- und Hinterbliebenenversicherung der Privatangestellten, noch zur Verhandlung kommen kann.
Die Frage, welche Geschäftsdispositionen der Reichstag seinen weiteren Arbeiten zugrunde legen wird, dürfte den Gegenstand einer Besprechung des Seniorenkonvents bilden, der nach der Mittwochssitzung zusammcntreten soll. Vermutlich werden zunächst Lesungen einiger bereits vorliegender Gesetzentwürfe stattfinden, bis die Budgetommission genügenden Stoff für den Beginn der zweiten Etatsberatung sertigge- ftellt haben -.Ard. Das Bestreben, die Etatsdebatten möglichst knapp zu halten und womöglich eine Kontigenticrung zu vereinigen, besteht allgemein. Selbst „Genosse" Heine hat sich dafür ausgesprochen. Man wird also abwarten müssen, ob es in dem Seniorenlonvent gelingt, in dieser Frage die Fraktionsvertreter unter einen Hut zu bringen. Schlösse sich, wie der -Vorwärts" ankündigt, die sozialdemokratische Fraktion trotz des Gutachtens ihres Mitgliedes Heine aus, so wäre zu befürchten, daß die Kontingentierung nicht zur Durchführung gelangen könnte, wie ja ein solcher Plan schon im vorigen Iah« an dem sozialdemokratischen Widerstande scheiterte.
Die Aufgaben, die den Reichstag nach den Ferien erwarten, sind wichtige und schwierige. Der Block wird in mehr als einer Hinsicht seine Trag- und Leistungsfähigkeit erproben müssen. Der Ausklang vor der Weihnachtspause war ein freundlicher und hoffnungsvoller; aber während der Ferien sind in einem großen Teile der Presse wieder allerlei Fäden gesponnen worden, die das Blockbild getrübt haben. Es wird neuer Mühen bedürfen, um wieder Klarheit zu schaffen. Und Klarheit ist bei der Fortführung der Blockpolitik ein unabweisbares Erfordernis. Wer den soge-
88 (Nachdruck verboten-!.
Unter der Maske.
H Roman von Lady Georgina Robertson,
6E ~ (ForNetzung.)
' Jhro Vermutung erfüllte sich. Ein einfacher, aufrichtiger Mann ist immer in die Hand einer klugen Frau gegeben. Und Lady Fordes hatte eine so teilnehmende, wohlwollende Art, zu reden, daß niemand Hintergedanken bei ihr suchte. Sie sprach von der kleinen Dora, sagte ihr ein paar Worte über die verstorbene Lady Chesleigh und fragte dann beiläufig nach ihrer Verwandten, der schönen Miß Burton, für die Lord Brendon sich sehr interessierte.
Ihrem scharfm Blicke entging es nicht, daß über Lord Chesleigh Antlitz ein Zug des Unmuts flog.
„Wer sagte Ihnen, daß Lord Brendon sich «Ni Miß Burton bewirbt?" fragte er schnell.
„Das weiß jeder, der Lord Brendon kennt," war die Antwort. Ich hörte ein: al, wie et von ihr sprach, er s^te ja nicht viel, man merkte ihm an, wie er sie liebte."
„Das ist Unsinn — Verzeihung, ein Mißverständnis," warf Lord Chesleigh ein. „Lord Brendon hat gar keine Aussichten bei Miß Burton. Sie sind seit langem befreundet, weiter nichts."
Lady Forbes sah ein, daß ihre Tochter recht hatte und Mathilde ihm nicht gleichgültig war. Immerhin war sie nicht anwesend, dadurch hatte 2'onika eine große Chance mehr und sie mußte sehen, wie sie dieselbe ausnutzte.
Lady Forbes hatte von der Wirtschastcriii gehör^ daß sie eine Näherin im Hause hatte und da sie geine hier und da sparte, nahm sie sich «vr^sich einiges nebenbei mitarbeiten zu lassen.
Wen» sie etwas erreichen wollig war sie
nannten Blockgedanken dazu benutzen will, um auf eigene Rechnung im Trüben zu fischen, der muß gründlich zurecht gewiesen werden.
Der erste, verhältnismäßig leichteste Abschnitt der Reichstagssession ist mit günstigem Erfolge zu Ende gefjjhrt worden, die beiden „Blockvorlagen" sind Kommissionen überwiesen und harren dort eingehender Beratung. Wichtiger jedoch und schwieriger dürste der bevorstehende zweite Sessionsabschnitt sein. Nicht nur handelt es sich jetzt um die Erledigung der Vereinsgesetzvorlage und der Börsengejetznovelle, die an und für sich schon staatliche Belastungsproben des Blocks darstellsn, sondern es muß nun auch an die weit wichtigere und jedenfalls nicht leichte Aufgabe herangegangen werden, dem Reiche die für seine steigenden Bedürfnisse erforderlichen Mehreinnahmen zu verschaffen. Und hierbei wird der Block ganz besonders seine Tragfähigkeit zu beweisen haben.
In einzelnen liberalen Blättern sucht man dem Reichskanzler die Geneigtheit nachzusagen, den liberalen Wünschen nach Einführung direkter Reichssteuern entsprechen zu wollen. Man stellt die Sache so dar, als stünde der Erfüllung dieser Wünsche hauptsächlich nur der Widerstand des preußischen und sächsischen Finanzministers entgegen. Da aber nach der Erklärung des Reichsschatzfekretärs die verbündeten Regierungen sich einmütig und unbedingt gegen direkte Reichssteuern ausgesprochen haben, ist es klar, daß diese Darstellungen unrichtig sein müßen. Es dürste jedoch immerhin als geboten erscheinen, ihnen von maßgebender Seite entgegenzutreten, um den Glauben nicht aufkommen zu lasten, als werde der Politik des leitenden Staatsmannes durch Mitglieder der Regierung entgegengearbeitet.
Von den Steuerplänen, die doch in nicht allzuferner Zeit dem Reichstage unterbreitet werden müßen, verlautet noch nichts bestimmtes. Es mag auch schwierig sein, sie festzustellen. Vielleicht denkt man dabei auch an die von Herrn Grafen Kanitz-Podangen im vorigen Jahre vorgeschlagene Weinsteuer. Mag aber das Steuerbukett, das demnächst präsentiert werden soll, auch die schönsten und duftigsten Blüten enthalten, so wird man doch dar..af gefaßt sein dürfen, daß es von diesen und jenen Jnter- estenten und Doktrinären bald zerpflückt sein wird.
So wird der Reichstag zu mancherlei schwieriger und harter Arbeit gerüstet sein müssen. Hoffentlich haben die Reichsboten sich durch die Ferienpausen so genügend gekräftigt und durch Fühlungnahme mit ihren Wählern so gut über die Stimmung unterrichtet, daß sie frischem Mutes und mit freudiger Arbeitskraft ans Werk gehen können.
Deutsches Reich.
— Das Kaiscrpaar legte gestern morgen am Sarge der Kaiserin Augusta im Mausoleum zu Charlottenburg Kränze nieder.
außerordentlich liebenswürdig. Mrs.Bird kannte sie und durchschaute, warum sie Ellen sehen und sprechen wollte.
Diese s'.ß eifrig bei der Arbeit, als die Tür fid) öffnete und eine elegante, stattliche Dame eintrat. •
„Es ist Lady Forbes," dachte sie und wunderte sich, was sie wohl hier wollte. Mit der Zeit hatte sie ihre Verlegenheit über die Verkleidung etwas verloren, wenn sie mit Menschen verkehrte, welche unter ihr standen. Ihrer Standesgenossin gegenüber trat sie doppelt hervor. Sie wurde rot, sah so verschüchtert aus, daß Lady Forbes noch liebenswürdiger wurde. Sie brachte ihre Bitte vor und war überrascht, wie bereitwillig dieselbe gewährt wurde.
„Welch ein angenehmes Organ die Person hat," dachte Lady Forbes, „und welch gute Manieren." Laut sagte sie: „Ich werde Ihnen die Sachen, die geändert werden müssen, herüber schicken, meine Tochter und ich haben zusammen nur eine Jungfer und die hat genug für uns zu tun. Es freut mich, daß Sie uns helfen wollen, Mrs. Moore - so heißen Sie doch?"
Ellen vergaß einen Augenblick ihre Rolle und machte als Bejahung eine so vollendete Verbeugung, daß die Dame sie erstaunt ansah.
„Sie haben wohl bestere Tage gesehen?" fragte sie mitleidig und ihre Worte trafen Ellen ins Herz.
„Ja, das habe ich," erwiderte sie, „aber es lag eine Abweisung in ihrem Tone, die Lady Forbes nicht weiter fragen ließ.
„Eins muß ich Ihnen sagen, Mrs. Bird," bemerkte diese, als sie die Wirtschafterin das nächste Mal traf, „die Näherin, welche Sie an-, genommen haben, ist eine feine Person. Wenn sie auch jetzt für ihr Brot arbeitet, so sehe ich es -ihr doch an. Sie hat gut gepflegte Hände und ausgezeichnete Manieren. Sie hat mir fehr gefallen,"
— Som Bundesrat. Berlin, 7. Jan. In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde der Entwurf des Scheck-Gesetzes angenommen.
— Der Wechsel im ReichsbankprSstdiurn. Die Verabschiedung des Reichsbanrpräsidenten Koch ist heute unter Verleihung des Eroßkreuzes des Roten Adlerordens unterzeichnet worden. Gleichzeitig wurde der Präsident der Seehandlung, Havcnstein, zu feinem Nachfolger ernannt.
— Die alljährliche Konferenz dcr preußische« Oberpräsidenten im Ministerium des Innern hat gestern unter Vorsitz des Ministers v. Moltke begonnen. Zu dem abends 7 Uhr bei dem Minister stattfindenden Festmahl hat auch der Kaiser sein Erscheinen zugesagt. Die Konferenz, die Verwaltungsangelegenheiten behandelt, und mehrere Tage dauern soll, wird vertraulich geführt.
— Die Landtagsersatzwahl für den verstör, denen Abgeordneten Dasbach (Zentr.) im Wahlkreise Trier fand am 7. Januar statt. Der Kandidat der Zentrumspartei, Landgerichtsrat Schreiner, wurde ohne Gegenkandidat gewählt.
— Tod eines Landtagsabgeordneten. Breslau, 7. Jan. Die „Schles. Ztg." meldet: Der Landtagsabgeordnete für den Wahlbezirk Frau- stadt-Lissa-Rawitsch-Eostyn, Stadtrat Schmidt- Rawiisch (freikons.) ist gestorben.
— Eine Fernsprechgebührenreforrn in Eicht. Berlin, 7. Jan. Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Krätke fand eine Besprechung der beabsichtigten Fernsprechreform zwischen den Vertretern der Reichstelegraphenverwaltung, der bayrischen Telegraphenverwaltung und den Vertretern des Handels, der Industrie, der Landwirtschaft und des Handwerks statt. Die Mehrheit stimmte der gänzlichen Beseitigung des Pauschgebuhrentarifes und der Ersetzung desselben durch die Erhebung von Crundgesprächs- gebühren zu. Die vorgeschlagene Stufenfolge der gegen den bisherigen Tarif um je 10 Mk. ermäßigten Grundgebühren wurde mit der Maßgabe gebilligt, daß eine weitere Herabsetzung der Grundgebühr von 50 auf 40 Mark für Netze mit weniger als 500 Teilnehmern befürwortet wurde. Eine einheitliche Festsetzung der Gesprächsgebühr auf 4 Pfg. wurde allgemein gewünscht und die Schaffung einer neuen Stufe von 75 Pfg. für Ferngespräche von 100 bis 250 Kilometern allseitig begrüßt.
— Echeckämter. Wie die „Information" von authentischer Seite erfährt, ist in dem neuen Postscheckgesetzentwurfe die Errichtung besonderer Scheckämter vorgesehen. Ebenso beabsichtigt man, für die Leistungen der Behörde Gebühren zu erheben, die aber voraussichtlich nur sehr gering bemessen sein werden. Wenn gemeldet wurde, daß der Entwurf bereits in nächster Zeit dem Bundesrat zugehen würde, so ist das nicht zutreffend, doch hofft man, das Gesetz noch
„Daß sie gebildet ist" entgegnete Mrs. Bird," „habe ich gleich bemerkt, denn sie ist bescheiden und denkt auch an andere."
Der kleine Pfeil prallte übrigens an Lady Forbes ab, sie verstand die Meinung ihrer Feindin wohl kaum.
Ellen mußte einige Stunden Schlaf opfern, um die Wünsche der Damen zu erfüllen, aber es wurde ihr nicht schwer, denn sie waren freundlich gegen Dora.
Eines Morgens, als sie sehr fleißig bei der Arbeit saß, kam Mrs. Bird ganz verzweifelt herein.
„Was hat man doch für Unannehmlichkeiten!" rief sie aus. „Nun hat eines der Mädchen mit dem Besenstiel ein Loch in einen von den kostbaren Gobelinvorhängen gestoßen, die Mylords Stolz sind. Entdeckt das Lady Forbes, so gibt es einen Höllenlärm. Können Sie mir nicht helfen, Mrs. Moore?"
„Sehr gern, wenn es mir möglich ist."
„Wenn Sie etwas farbige Seide haben, werden Sie den Schaden ausbessern können, es wird freilich mühsam sein."
„Ich will mein Bestes tun," sagte Ellen, die sich darauf freute, auch die anderen Räume des Schlosses zu sehen.
Mrs. Bird kam am Nachmittage, um sie zu holen, nachdem die Gäste alle ausgefahren waren. Das erste, was sie erblickte, als sie den Salon betrat, war ihr eigenes, lebensgroßes Bild, an das sie gar nicht mehr gedacht hatte. Es überwältigte sie so mehr, daß sie auf den nächsten Stuhl sank und einen leisen Schrei aus- stieß.
Dis Wirtschafterin fragte besorgt, was ihr fehlte und erhielt nur die Antwort: „O nichts, ein altes Leiden, welches immer plötzlich auf« tritt.“
„Ach, wohl eine Art Herzleide«," entgegnete
im Laufe des Etatsjahres einzubringen. Für die Verzinsung der im Scheckverkehr eingezahlten Gelder, die bei dem im Jahre 1900 aufgestellten Entwürfe vorgesehen war, und für bit von einigen Seiten eingetreten wird, war der Reichstag damals nicht zu haben, da er die Konkurrenz der Genossenschaften und Sparkasse« fürchtete.
— Ueber die Fahrkartensteuer schreibt Präsident von Mühlenfels in bet „Zeitung bet Der. Dtsch. Eisenbahnverwaltungen": Sie sei t« ihrer für die Benutzung der oberen Klassen höchst schädlichen, die Abwanderung in die niederen Klassen begünstigenden Wirkung erkannt unb sehe einer Reform in der Richtung entgegen, daß bei Freilassung der Zweipfennigklassen die drei oberen Klaffen gleichmäßiger als bisher getroffe» werden. Was die Tarifreform anbeireffe, ft seien die Eisenbahnverwaltungen mit dem Er« folge „im ganzen zufrieden". Natürlich wäre« mit dem llebergange einige Mißstände verbunden gewesen, die bet Abhilfe bedurften. Der Verbefferung bedürften noch das Eepäckabsertig« ungsverfahren und die Fahrkartenausgabe; et müsse bei der Natur des Eepäcktarifs und des Schnellzugszuschlages innerhalb der großen Der- waltungsgebiete möglichst von jeder Schnellzugsstation zur anderen direkte Fahrkartenausstel- lung und Gepäckabfertigung ermöglicht werde».
— Die Revision beim Reichsgericht hat Harden jetzt, wie das „W. B." mitteilt, ein- gereicht.
— Zu bet Strafverfolgung, welche Aba. O e s e r gegen sich selbst beantragt hatte, schreibt die „Frkf. Ztg.": Im Reichstag war der Anttag eingelaufen, die Erlaubnis zur Einleitung eines Strafverfahreno gegen den Abg. Oeset zu erteilen. Der Abg. Oeset wat im Frühjahr 1906 i» einem Zivilprozeß als Zeuge vernommen worden, und seine damalige Aussage wurde von bei im Prozeß unterlegenen Partei als falsch angefochten. Der Antrag im Reichstag wat aber nicht etwa vom Staatsanwalt, oder von einer sonstigen amtlichen Stelle ausgegangen, sonder» der Denunziant selbst hatte sich an das Parlament gewendet. Das preußische Abgeordnetenhaus, an das der gleiche Antrag gelangt wat, hatte deshalb diesen sofort zurückgegeben, da der Antragsteller dem Parlament gegenüber z» seinem Vorgehen in keiner Weise legitimiert erschien. Als indeffen der Abg. Oeser von der gegen ihn gerichteten frivolen Denunziation erfuhr, richtete er selbst an den Reichstag die dringende Bitte, die Erlaubnis zur Einleitung eines Strafverfahrens zu erteilen, damit ihm die Möglichkeit geboten sei, im Interesse seiner Ehre der gegen ihn gerichteten Anklage unverzüglich entgegenzutreten. Nachdem der Reichstag diesem Wunsch entsprochen hatte, hat sich nunmehr der erste Staatsanwalt am Landgericht I in Berlin mit der Prüfung der Angelegenheit befaßt. Auf Grund dieser Prüfung lehnte er
Mrs. Bird leicht, „daran leiden jetzt viel« Menschen."
Die kühlen Worte gaben Ellen ihre Selbstbeherrschung schnell wieder. Sie sagte sich, daß sie nur Luise Moor?, die Näherin sei und kein Recht habe, ihre bezahlte Zeit zu vergeuden. Das half, ein freundliches Wort würde sie iw dem Moment ganz faffungslos gemacht haben.
Sie schritt durch den Salon, ohne noch eine« Blick auf das Bild zu werfen und sah sich bet Schaden an.
„Werden Sie es ausbeffern können?" fragt« Mrs. Bird besorgt.
„Ja, machen Sie sich keine Sorge. .Der Riß geht ja gerade durch die Blume, ich kann bi< Stickerei so ergänzen, daß ihn niemand steht."
Mrs. Bird brachte ihr ein Glas Wein.
„Trinken Sie,“ sagte sie, „Sie sehen blaß aus. Ich wollte, ich könnte Ihnen anfcieten, sich etwas auszuruhen, aber die Arbeit muß ge- macht werden, bevor die Herrschaften zurück- kehren.".“
Eine ganze Stunde arbeitete Ellen emsig weiter, dann f nte sie dem Wunsch, ihr Bild noch einmal zu betrachten, nicht widerstehen. War es möglich, daß sie jemals diesem strahlenden sonnigen Geschöpf geglichen hatte, in dessen Augen ein Himmel von Glück und Seligkeit lag?. Sie sah in den Spiegel und lächelte schmerzlich; bette sie noch irgend etwas gemein mit ihrem früheren Ich?
„Wenn ich wirklich einst so aussah, ^acht, sie, „wie ist es möglich , daß Artur mich nicht liebte?“
Sie konnte den Blick nicht von dem blühende» Gesicht abwenden, das so lächelnd aus sie z» schauen schien, als ob cs sagen wollte: „Wir beide haben ein Geheimnis zusammen, aber fal ruhig, ich verrate Dich nicht."
______ (Fortsetzung folgt.)'