Einzelbild herunterladen
 

und den Keilage«: .Literarischer Anzeiger",^ndwirtschaftliche Seitnge" n«d ..Illustriertes KmmtagsdlM"

Erlles Blatt.

Doktor so lebhaft, so greifba

Und als er

Kreise Marburg

mit -em Kretsblatt

Marburg

Mittwoch. 1. Januar 1908.

Erscheint wöchentlich sieben a»L Druck md Verlag' Joh. Ang. Koch, UniversitStS-Buchdruckaei Marburg, Markt 21. Telephon ä5.

bittere, schwere Stunde, in welcher er erfuhr, daß das vergötterte Mädchen sich von ihm abge- wandt und mit einem anderen verlobt habe. Und wenn sie sich von da an begegneten, sahen sie sich nicht mehr an. Nur einmal, in einer Gesellschaft war es, da hing sein Auge an ihrem blaffen, süßen Gesicht hart, mit feindselig, schroffem Ausdruck, aber zugleich rückhaltlos alles sagend, alles bekennend, wie sehr er sie liebte! Und sie mochte diesen Blick wohl fühlen, denn ernst, voll Schmerz und Weh wandte sie den Kopf ab. ,Mein Gott, warum hatte er denn nicht ge- sprachen?" O, mit welch verzweifelndem Ver. langen hatte sie auf seine Werbung gewattet, um den Antrag des jungen Kompagnons ihres Vaters ablehnen zu können. Ihr Vater war kränklich und wünschte so sehnlichst ihre Ver« bindung mit dem bewährten Mitarbeiter. Ja, warum konnte sie ihm nicht diesen Wunsch er­füllen? Ach, wie sie kämpfte kämpfte mit ihrem Herzen, und dabei wartete in wahrer Todesangst wartete auf Steiner. . . . Aber er kam nicht. Und schließlich war ihre Liebe nicht mehr stark genug, sie war nicht mehr freudig und selig, sie war müde geworden. So kam es, datz Rosa Ohlsen dem anderen ihr Jawort gab. Und als sie dann in jener Gesellschaft Steiners Blick fühlte, da siedete es wohl schmerzhaft in ihr auf, aber sie wurde nicht wankend. Doch ihr war, als dränge sich ihr eine Gefahr auf. . . Und seit diesem Tage gingen sie sich aus dem Weg. Eie sahen sich jahrelang nicht. Doch die Erinnerung verblaßte nie sie blieb bei dem

Das Abonnement

<mf dieLberhefsische Zeitung", daS größte, meistgelesenste und weit­verbreitet st e Blatt Marburgs und ber Umgegend kostet vietteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate habe« beste« Erfolg.

in der Rcujahrsnacht seiner einsamen Wohnung zustrebte, ging sie neben ihm her. Und immer schwerer lastete die Reue auf ihm. . . .

Vor seiner Haustür prallte er fast mit einem Diener zusammen, der ihn. den Arzt, zu einem

Wollen befreit . . .

Neujahrs-Skizze von C. Aulepp-Stiibs.

.Profit Neujahr," sagte Doktor Schrader, und hob den mit goldig schimmerndem Rheinwein gefüllten Römer.

Prosit Neujahr!" gab Doktor Steiner zu­rück, und trank dann den köstlichen Wein bis zur Neige aus. Aber trotzdem hatte er schwere Gedanken. ...

Was ist nur mit Dir heut Abend?" Schrader sah dem Freund ins Auge.

(O nichts!"

Doktor Schrader erschien diese Behauptung zwar etwas anfechtbar, aber er fragte nicht weiter. Er ließ gern jedem seine eigenen Ge­danken und Weltanschauungen, und für die etwas allzu pessimistischen Steiners fehlte ihm nun einmal das richtige Verständnis. Denn durch ungemein günstige Verhältnisse waren ja für ihn alle Bedingungen für eine gesunde Le­bensfreude erfüllt, und er gab sich dieser gern hin. Als Abschluß der Feier hielt er dem Freund doch noch einmal das Glas entgegen und sagte herzlich:Für Dich besonders, mein alter Junge, «in fröhliches Neujahr!" Steiner tat ihm Bescheid, aber wie die Gläser zusammen­klangen, vermeinte er ein leises, liebes Lachen zu hören und mit klopfenden, Herzen und heißen Wangen saß ein Mädchen neben ihm. . . Seine Jugend sein Glück, llnd die Erinner­ung, sie pochte heute mit so besonders unruhigem Finger an. . . . Unzerstörbar in jenem lichten Zauber seligster Licbeshofsnung war sie und ließ rhn so qualvoll bereuen: eine pedantische, törichte Zurückhaltung, seine Lebensanschauung, die stets alles grau in grau sah und vor welcher sich schließlich aller Sonnenglanz flüchtete und .verlosch. Und das Ende für ihn war eine

Der Rest der Nacht verfloß unvermutet ruhig. Und als Steiner gegen Morgen ging, war die Krisis vorüber. Aber er wiederholte am Nachmittag seinen Besuch. Er konnte Rosas zaghafter Bitte nicht widerstehen. Ein seltsamer Drängen war in ihm. Als er auf die Straße trat, suchte sein Blick sinnend den Sonnenball, der im Sinken einen glühendroten, glänzenden Schein auf das Trottoir und die Menschen warf, die es belebten. Und seine Füße folgten den Sonnenspuren seine Ohren nahmen den fröh­lichen Zuruf auf, der an sein Ohr klang:Prosit Neujahr prosit Neujahr!" Lin Seufzer! Tief, aualerpreßt. Der eilig dahinschreitende Mann blieb plötzlich stehen. Wohin, wohin verirrten sich seine Gedanken . . .? Er erschrak. Rose Ohlsen war eines anderen Weib . . . Aber war sie glücklich? Es hatte nicht den Anschein. In ihren bleichen Zügen stand soviel Leid. Doch, was ging das ihn an? Trug cr die Verant­wortung? Vielleicht! Denn halte er nicht ihr zartes Gemüt gekannt und hatte cr etwas getan, es festzuhalten, es zu schützen? Verwirrt und zweifelnd, wie es war, überließ er es sich selbst und sah zu, wie Rose eine kalte Vernunftsehe schloß. Das war sein schweres Unrecht! Das Weib ist für die Liebe geschaffen und entbehrt schmerzlich, wenn es nur der Pflicht folgen soll. Viele gehen dann unter. Das ist Tatsache, «nd würde etwa Rose, dieses zatte, holde Weid, auch ja jenen gehören? D, mein Gott, nein nur das nicht! Dottor Steiner stürmte vorwärts. Er rannte. Warum? Er war sich nicht Uar darüber. Ja, seine Gedanken schienen ihn ae- radezu zu verspotten, zu verhöhnen: Du Tor Du was willst Du denn machen? Etwa sie de» andern entreißen? dem andern, dem Du sie einst in die Arme gettieben! Der Mann atmet» schwer. Eine rasende Erregung kam über th».

Patienten rufen sollte. Kurz und knapp war Frage und Antwott, und zehn Minuten später stieg Steiner die Treppe zu einer vornehmen Fremdenpension hinauf. Und vernehm und reich war auch das Gemach, in das er geführt wurde. Eine Frau kniete dort am Boden und lehnte ihren Kopf gegen den Rand einer Kinderbett­stelle.

Rose Ohlsen . . . Mit einer heftigen Eeberde wandte sich der Dottor um schritt wieder zur Tür. . . .

Da regte sich's im Bettchen drüben, stöhnte, röchelte, llnd von den Lippen der Frau brach ein Laut, ein angstvoller, halberstickter Hilferuf. Sie richtete sich jäh auf. Sie kam hinter ihm her. Ueber ihr bleiches Gesicht liefen die Tränen schwer und dicht. Mit finsterer Miene kehrte er zurück. Er hätte, wie sie stammelnd sagte: Der Geheimrat verließ uns erst vor wenigen Stunden. Er glaubte nicht, daß Gretchen kränker würde. Nun traf ihn Friedrich wohl nicht zu Haus und ging zu Ihnen. Verzeihen Sie ich konnte ja nicht wiffen"

Ihre Stimme versagte. Sie rang nach Fassung, llnd zitternd leistete sie ihm dann bei Gretchens Untersuchung Hilfe. Auf ihrer Stirn perlte kalter Schweiß. Des Kindes Atem ging raffelnd, so röchelnd.' Krampfhafte Hustenstöße erschütterten den zarten, kleinen Körper.

Steiners Eesichtsausdruck 6Iie6_ finster o. so finster. Doch heiß« Dankvarreil siedete in Rosa empor, als durch seine Bemühungen das fürchterliche Ringen des Kindes nachließ und das ermattete Geschöpfchen in dumpfen Halb- schlummer sank. Ihre Hände umklammerten plötzlich die Hand des Arztes und sein Auge traf in einen Blick, der aus tranennassen Wim­pern ihn warm umfing.»».

sind die Bestimmungen enthalten, die sich auf» den Arbeiterschutz in den Fabriken beziehen.! Künftig sollen diese Vorschriften sämtlich mit Ausnahme der für Betriebe mit mindesten» zwanzig Arbeiter auch weiterhin gütigen Be­stimmungen über Arbeitsordnungen und Arbei- ierausschüffe auf alle Betriebe angewendet werden, in denen in der Regel mindestens zehn Arbeiter beschäfttgi werden. Datz bei der Durchführung der Arbeiterschutzbestimmungen die Beantwortung der Frage, welche Betriebe als Fabriken im Sinne der Gewerbeordnung an­zusehen sind, Schwiettgkeiten gemacht hat, ist be­kannt. In den Berichten der Gewerbsaussichts­beamten ist schon feit Jahren über die Unsicher­heit geklagt, die sich infolge des Fehlens einer Begriffsbestimmung der Fabrik bei der Anwend­ung der Arbeiterschutzbestimmungen bemerkbar macht. Diese Klagen haben sich verschärft, seit­dem die wirtschaftliche Entwickelung der letzten Jahre den Unterschied zwischen Fabriken einer­seits und Werkstätten andererseits vielfach ver­wischt hat. Seitdem auch die Werkstätten mit Motorbetrieb den Arbeiterschutzbestimmungen zum Teil unterworfen sind, mutz man sich im Einzelfalle nicht bloß darüber schlüssig machen, ob eine Fabrik oder eine Handwerksstätte, son­dern auch darüber, ob eine Fabrik oder eine Werkstätte mit Motorbetrieb in Frage sieht. Infolge der Errichtung der Handwerksorganisa­tionen haben ferner die Streitigkeiten über die Anwendung der Arbeiterschutzbestimmungen um deswillen zugen.mmen, weil die Inhaber von Betrieben, die von jenen Organisationen als zu ihnen gehörig mit Erfolg in Anspruch genom­men werden, sich hinsichtlich der Anwendung der Arbeiterschutzvorschriften nicht als Fabriken be­handeln kaffen wollen. Dazu kommt daß nach den Mitteilungen der Eewerbeaufsichtsbeamten der gegenwärtige Zustand zu einer im hohen Matze unerwünschten Einschränkung bei der An­wendung der ArbeiterschutzvorschkMen führt. Zur Vermeidung einer unzulässigen Einschränk­ung des Arbeiterschutzes hat man deshalb eine klare Umgrenzung des Geltungsbereichs der Ar­beiterschutzvorschriften als unabweislich ange­sehen. Daneben kommt in Betracht, daß die Zu­widerhandlungen gegen die Schutzbestimmungen mit zum Teil hohen gerichtlichen Strafen be­droht sind und deshalb hier wie bei allen durch Strafvorschriften geschützten Bestimmungen der größte Wert darauf gelegt werden muß daß über ihr Geltungsgebiet keinerlei Zweifel herr­schen. Je schwieriger aber in den letzten Jahren die Entscheidung darüber geworden ist, ob es sich im einzelnen Falle um eine Fabrik handelt oder nicht, umsomehr verstößt der gegenwärtige Rechtszustand gegen jenen grundsätzlichen Ge­sichtspunkt. Wenn man die Zahl von mindestens zehn Arbeitern gewählt hat, so find dafür die Erfahrungen maßgebend gewesen, die man bei der Regelung der Verhältnisse in Motorbetrie­ben gemacht hat. Auf Werkstätten mit Motorbe- trieb sollen die bisherigen Bestimmungen auch dann Anwendung finden, wenn weniger als zehn Arbeiter in ihnen beschäftigt werden, jedoch soll die bisher dem Bundesräte gewährte Befugnis zur Zulassung von Ausnahmen aufrecht erhalten bleiben. Auf andere kleinere Werkstätten und

landes zum Ziele haben. Vom Prinzen Rupprecht lief folgende Antwott ein: Der De­legiertenversammlung des bayerischen Landes­verbandes des Deutschen Flottenvereins spreche ich meinen Dank aus für die mir heute zuge­gangene Kundgebung, die mich erkennen läßt, daß der bayerische Landesverband unentwegt festhält an den seither von ihm zum Wohle des Vaterlandes und der Flottensache vertretenen Grundsätzen. Im Laufe einer längeren Dis­kussion wurde allerseits betont, daß der Rücktritt des Generals Keim als geschäftsführender Vor­sitzender die unerläßliche Bedingung für die dringend gewünschte gedeihliche Weiterarbeit sei. Vereinzelte weitergehende Wünsche, daß auch der Fürst zu Salm vom Vorsitze zurücktreten nöge oder daß gleichzeitig mit Keim auch beide Vor­sitzende des bayerischen Landesverbandes ihr Amt niederlegen möchten, stießen auf allge­meinen Widerspruch. Oberstleutnant Spies und Reichsrat Freiherr». Würtzburg wiesen mit großem Nachdruck die Anschauung zurück, als ob der Vorstand des bayerischen Landesverbandes von der Zentrumspartei abhängig wäre. In dem ganzen Ausschüsse befinde sich kein Mitglied der Zentrumspartei, die Mehrzahl der Ausschuh- mitglieder seien Protestanten. Der Ausschuß halte an dem Grundgedanken fest daß der Flottenverein Angehörige aller Parteien um­fassen solle und datz der Verein keine parteipo­litischen Zwecke verfolgen, daher auch keine Wahlagitationen treiben dürfe. General v. Sauer wandte sich gegen die Behauptung, daß Prinz Rupprecht über die Vorgänge im Flotten­verein falsch oder einseitig informiert sei. Das sei schon hur* fein freundschaftliches Verhältnis zum Prinzen Heinrich von Vreutzeu ausge­schlossen. Prinz Rupprecht sei sogar vielfach besser informiert gewesen als die Vorstandsmit­glieder. Er habe als selbständiger Charakter seine Entschlüsse nach ernster Erwägung und längerem Zuwatten gefaßt, auch habe es der Zentralleitt.no nicht an Mahnungen und Warn­ungen im Voraus gefehlt. Am Schlüsse der Dis­kussion, welche nahezu vier Stunden dauerte, wurde einstimmig beschlossen, daß der Landes­verband Vertreter zur Tagung des Flotten­vereins nach Cassel schicken solle. Die Ver­treter sollen dahin wirken, d. an den Be­schlüssen der letzten Tagung des Flottenvereins in Köln, wo Friede zwischen der Zeuiraklettung und dem bayerischen Landesverband geschlossen wurde, festgehalten werde, und datz Keim sein Amt als geschäftsführender Vorsitzender nieder­lege. Nach der Casseler Tagung soll eine neue Delegiertenversammlung des bayerischen Lan­desverbandes einberufen werden. Als Dele­gierte des Landesverbandes wurden Reichsrat Frhr. v. Wuertzburg, Hochschulprofessor Graf du Moulin und Regicrungsrat v. Braun gewählt.

Zur einheitl'ckrn Durchführung der Arbei. terschutzbestimmungen. Eine der wichtigsten Aenderungen, die nach der dem Reichstage vor­liegenden Novelle an der Gewerbeordnung vor­genommen werden soll, ist die, daß aus der letz­teren der Fabrikbegriff ausgeschaltet werden soll. Bekanntlich ist in der jetzigen Gewerbe­ordnung ein besonderer Abschnitt den Verhält­nissen der Fabrikarbeiter gewidmet. In ihm

Bauten sollen die Arbeiterschutzvorschriften durch Bundesratsbeschluß ganz oder teilweise «nsge- dehnt werden können. Hiervon soll in erster Linie für solche Betriebe Gebrauch gemacht wer­den, in denen eine ausgedehnte Verwendung von unter Druck stehenden Apparaten stattfindet, öfern Frauen oder jugendliche Arbeiter b, chäftigt werden. Ferner kommen insbesondett olche Werkstätten in Betracht, in denen die ge» chützten Personen unter einer übermäßigen An ieitszeit leiden. Es darf, wie in der Begründ­ung zur Novelle ausgefüyrt wird, angenommen werden, daß hierdurch eine Regelung geschaffen wird, die ohne Schädigung der Interessen der Kleinbetriebes den Geltungsbereich der Arbei- terschutzvorschriften In dem erwähnten Umfange erweitert und zugleich infolge der klaren und übersichtlichen Gestaltung der Vorschriften die Durchführung des Arbeiterschutzes in erheblich höherem Maße, als dies bisher der Fall war, sichert.

Die Rückwanderung aus den Bereinigten Staaten, auf deren ungewöhnliches Anwachsen schon mehrfach hingewiesen wurde, ist für den preußischen Staat nach zwei Seiten von Bedeu­tung. Zunächst handelt es sich darum, den Staat davor zu schützen, daß ihm unerwünschte nicht- deutsche Elemente zur Last fallen. Mit Rücksicht hieraus hat der Minister des Innern schon im Jahre 1904 die in Deutschland konzessionierten Auswanderungs-Unternehmungen zur Ueber- nahme einer Garantie veranlaßt, wodurch sie sich verpflichtet haben, für die Durchbeförderung der außerdeutschen Rückwanderer in ihre Heimat zn sorgen und dem Staat und den Gemeinden die Kosten abzunehmen, die ihnen etwa durch diese Rückwanderer erwachsen. Gleichzeitig ist durch Anweisung der betreffenden Grenzbehörden da­für Sorge getragen, daß ber Staat auch gegen Ueberflutung durch solche unerwünschte nicht- deutsche Rückwanderer geschützt ist, die sich frem­der Schiffslinien zur Rückfahrt aus Amerika be­dient haben. Sodann kommt in Frage, ob e» möglich ist, die geeigneten Elemente dieser Rück­wanderer für die Arbeit in landwirtschaftlichen und industriellen Betrieben des Inlandes zu ge­winnen. In der Presse ist auf die Bedeutung dieser Frage schon hingewiesen und die Ansicht ausgesprochen worden, daß es wohl möglich er­scheine, für den inländischen Bedarf an Arbeits­kräften aus rückwandernden Volksgenossen we­nigstens teilweise Befriedigung zu schaffen. Diese Möglichkeit ist jedoch schon deshalb sehr beschränkt, weil unter den Rückwanderern nur wenige Deutsche sind: zum überwiegenden Teile bestehen sie aus österreichisch-ungarischen oder russischen Staatsangehörigen. Aber auch abge­sehen hiervon wird der gedachte Zweck jedenfalls nur in beschränktem Maße zu erreichen sein. Ueberwiegend handelt es sich bei diesen Rück­wanderern um verhältnismäßig bemittelt« Leute, die der alten Heimat lediglich einen kur­zen Besuch abstatten und bei besserer wirtschaft­licher Konjunktur alsbald nach Amerika zurück- kehren wollen, also um eine Art von interozeani-

Deutsches Reich.

Falsche Nachrichten über Kaiserreisen. Die Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Es tauchen immer wieder, namentlich in ausländischen Blättern, Angaben auf, die für den Beginn des Frühjahrs «ine Reise des Kaisers nach dem Mittelmeer «nd einen Besuch von Korfu bestimmt in Aus­sicht stellen. Neuerdings werden diese Meldun­gen bereits mit mehreren Einzelheiten und Mo­narchenbegegnungen im Mittelmeer ausge- schmückt, an welchen der Kaiser beteiligt fein soll. Wir möchten dem müßigen Gerede gegen­über betonen, daß über die Auslandsreisen des Kaisers int nächsten Jahre noch kein Entschluß gefaßt ist, und wiederholen die Aufforderung, man möge, bevor man Meldungen von Reise- plänen des Kaisers in die Welt schickt oder au» ausländischen Blättern Übernimmt, sich erst an zuständigen Stellen vergewissern, ob und was tm Einzelfalle davon zutreffend ist.

Zur Krisis im Flottenverein. Mün­chen. 30. Dez. Die gestrige Delegiertenver­sammlung des Bayerischen Landesverbandes des Deutsche:: Flottenvsreins wurde durch den bis­herigen ersten Vorsitzenden Oberstleutnant v. Spies nach einem Hoch auf den Prinzregenten den Kaiser und den Prinzen Rupprecht eröffnet mit einem Bericht über die bekannten Vorgänge, welche den Prinzen Rupprecht veranlaßten, das Protektorat über den Landesverband niederzu­legen, und die im Anschluß daran auch den Rück­tritt des gesamten Ausschusses des bayerischen Landesverbandes zur Folge hatten. Auf den elnftlmmigen Wunsch der heutigen Veriamm- lung erklärte sich der Ausschuß bereit, die Ge­schäfte bis zur neuen Delegiertenversammlung des Landesverbandes weiterzuführen, welche nach der in Cassel bevorstehenden Tagung des Deutschen Flottenvereins in München abgehal­len werden soll. An den Prinzen Rupprecht wurde nun folgendes Telegramm gesandt: Die Delegiertenversammlung des bayerischen Lan­desverbandes des Deutschen Flottenvereins ent­bietet Euerer Königlichen Hoheit ehrerbietigsten tiefsten Dank für die Unterstützung ihrer natio­nalen Bestrebungen. Sie erkennt in dem mann­haften Auftreten Euerer Königlichen Hoheit eine tatkräftige Hilfe zur Aufrechterhaltung der pom bayerischen Landesverband feit feinem Bestehen vertretenen Grundsätze, die das Wohl des Flottenvereins und unseres lieben Vater-

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei ver SxpüÄion 2 AU» TM 4 bet allen Postämtern 2,25 M. cejtl. Bestellgeld).

/«£ x JnferttonSgebühr: die gespalteneZeüe odersereuRrm» 15Pfg.

SJecTnntrn: die ?eire 80 Pfg.

r*x