Einzelbild herunterladen
 

Landwirtschaftliche Leilage

zur

Oberhessischen Zeitung in Marburg. P llllll IHUB MaEBMMM JIIIIHF 1g1M

1 Mittwoch, den 1. Januar 1908

v_

Die Ernte in Preußetl 1907.

DieStatistische Korrespondenz" veröffent­licht in einer Sondernummer die Ergebnisse der diesjährigen Ernte. Darnach wurde an Getreide 17,5 Millionen Tonnen geerntet, darunter 8,6 Millionen Tonnen Wintergetreide. Im Ver­gleich mit den Vorjahren hat das Jahr 1907 die größte Getreideernte, 11,5 Prozent mehr als der Durchschnitt der Jahre 1899 bis 1906 beträgt. Die Witterung brachte allerdings 2,4 Prozent weniger gegen den Durchschnitt, die überreich­liche Sommerung gab mit ihrem Mehr von 29,4 Prozent den Ausschlag.

Die ungünstige Ernte des Wintergetreides rührt von dem vergangenen kalten Winter Her, der die Landwirte zwang, einen beträchtlichen Teil der Winterung umzupflügen. Am schwer­sten hat der Weizen gelitten, von dem nach dem Berichte über den Saatenstand im Mai d. I. 34,03 Hundertteile vernichtet wurden. Haupt­sächlich betroffen waren die Provinzen Sachsen, Hannover und Ostpreußen; auch Raps und Rüb­sen, Spelz, Klee und Luzerne hatten große Ein­bußen, weniger der Roggen. Im letzten Jahr­zehnte war nur der Winter von 1901 noch ver­derblicher.

Ueber den Anteil der einzelnen Provinzen en der Getreideernte sei erwähnt: Wenn man den Durchschnitt aus den Jahren 1899 bis 1906 als Mittelernte gelten lassen will, so ist 1907 mit 117,7 Prozent einer solchen die Getreide­ernte der Provinz Schleswig-Holstein, noch Hohenzollern mit 119,5 am günstigsten, worauf Posen, Sachsen, Rheinland und Hannover mit 117,6, 116,0, 115,8 und 115,5 Westfalen, West- preußen und Hessen-Nassau mit 112,7, 112,6 und 111,9, Pommern, Schlesien, Brandenburg u. Ost­preußen mit 109,1, 107,2, 104,2 und 102,6 fol­gen. Also in sämtlichen Provinzen ist 1907 das Mittel überschritten.

Die Kartoffelernte dieses Jahres übertrifft mit 31086 Tausend Tonnen die vorjährige um 6,6 Prozent und das Mittel aus den acht Vor­jahren (29 435) um 5,6. Die Erkrankungsziffer ist aber 1907 sehr hoch, und zwar im Staats- durchschnitte 7,5 Prozent gegen 3,8 im Vorjahre, am höchsten in den Provinzen Oft und West- preußen mit 12,1 und 10,7, in Schleswig-Holstein Posen und Westfalen mit 8,7, 8,2 und 8,0; auch Brandenburg und Pommern sind mit 7,8 und 7,7 Prozent noch über dem Durchschnitte.

In der Provinz Heffen-Naffau stellt sich das Resultat wie folgt: Es wurden geerntet 764 000 Tonnen Getreide gegenüber 723 000 Tonnen im Vorjahre. In den letzten 8 Jahren ist diese Menge nicht erreicht worden. Die Heuernte war schlechter, denn es wurden nur 1059 000 Tonnen gegenüber 1 235 000 in 1906 geerntet. Im Ein­zelnen stellte sich das Ergebnis, pro Hektar in Kilogramm gerechnet, wie folgt: Winterweizen 2051 (1895), Sommerweizen 2036 (1697), Win- terroggen 1874 (1674), Sommerroggen 1153 (1091), Sommergerste 1864 (1630), Hafer 2145 (1852), Kartoffeln 16 713 (12 937), Klee und Luzerneheu 5788 (10 440), Wiesenheu 4274 (9018). Die Durchschnittsstatistik zeigt, daß die Berechnungen der Vertrauensmänner, die sich meistens aus tüchtigen Mitgliedern der land­wirtschaftlichen Vereine znsammensetzen, ein richtiges Bild des Ernteertrages zu geben im Stande sind.

Heber die Zubereitung der Futtermittel.

' Auf die Arten der Konservierung von Fut­termitteln, die ja allgemein bekannt sein dürf- 1 ten, soll hier nicht eingegangen werden, sondern nur die Zubereitung kurz vor der Fütterung be­sprochen werden. Leider bestehen hierüber ja . heutzutage vielfach noch gegenteilige Ansichten und soll deshalb in folgendem der Wert der ge­bräuchlichsten Zubsreitungsmethoden kurz be­sprochen werden.

In erster Linie wäre die Frage zu erörtern, vb die Futtermtttel in rohem oder gekochtem resp. gedämpftem Zustande verfüttert werden sollen. Es ist ja genügend bekannt, daß ein un­gekochtes oder nur weichgekochtes Ei weit leichter verdaulich ist, als ein hartgekochtes. Dieselben Mer ähnlichen Vorgänge wie beim Kochen des Gies spielen sich beim Kochen oder Dämpfen Miese beiden Methoden können wohl als gleich­bedeutend betrachtet werden) eiweißhaltiger Futtermittel ab. Auch hier werden durch di?

Erhitzung die Eiweißstoffe zum Gerinnen ge­bracht und dadurch schwerer verdaulich, denn sie müßen im Verdauungskanal des Tieres erst wieder aufgelöst werden. Alle eiweißreichen Futtermittel, z. V. Körnerfrüchte, das daraus hergestellte Schrot, Kleie usw. wird man des­halb nicht dämpfen» kochen oder brühen, sondern zweckmäßiger roh verfüttern.

Stärkemehlreiche Futtermittel, vornehmlich Kartoffeln, werden dagegen besser ausgenutzt, wenn sie in gekochtem Zustande verabreicht wer­den. Durch das Dämpfen werden die Stärke­körner zum Aufquellen gebracht und die Zell­wände werden infolge der Volumenvergrößer­ung zerrissen. Die Kartoffeln zerfallen, wer­den mehlig. Die Stärkekörner können dann selbstverständlich leichter von den Verdauungs­säften angegriffen werden und werden infolge­dessen auch besser verdaut. Außer Kartoffeln empfiehlt es sich, angefrorene oder angefaulte Hackfrüchte, sowie solche Futtermittel, die mit Pilzen (Schimmel usw.) behaftet sind, zu däm­pfen. Werden diese Futtermittel ungedämpft verfüttert, so rufen sie starke Verdauungsstörun­gen, Verwerfen und dergleichen mehr hervor. Durch das Dämpfen wird die schädliche Wirkung in den meisten Fällen behoben.

Da außerdem gekochte Futtermittel im allge­meinen erschlaffend auf die Verdauungsorgane wirken, empfiehlt es sich auch schon deswegen nur in den oben erwähnten Fällen das Dämpfen resp. Kochen vorzunehmen, sonst aber die Futter­mittel roh zu verfüttern.

Es fragt sich nun, soll man das Futter in kon­sistenter Form oder aber in Form von Tränke verabreichen. Diese Frage könnte sich jeder selbst beantworten, wenn er an das alte Sprich­wortGut gekaut ist halb verdaut" denken würde. Trotzdem findet man noch vielfach die falsche Ansicht verbreitet, daß die Futtermittel den Tieren in Form von Tränke am zweckmäßig­sten verabreicht werden.

Bei der Aufnahme des Futters in Form von Tränke wird das Futter nicht gekaut, das Kauen ist ja dabei nicht notwendig damit aber auch nicht genügend eingespeichelt. Ist die Einspeichelung aber eine nur mangelhafte, so wird ein großer Teil der Nährstoffe, vor allem die Stärke, nicht verdaut, denn die Einspeichel­ung ist zur Erzielung einer guten Verdauung unbedingt notwendig. Durch die großen Flüs­sigkeitsmengen, die die Tiere durch die Verab­reichung des Futters in Form von Tränke auf­zunehmen gezwungen sind, wird auch eine starke Verdünnung der Magensäfte herbeigeführt und dadurch ebenfalls die Verdauung beeinträchtigt. Wird das Futter dagegen in konsistenter Form verabreicht, so sind die Tiere gezwungen, es gründlich zu kauen. Das Futter wird dabei gut eingespeichelt, die Verdauungssäfte werden auch nicht verdünnt, infolgedessen ist die Verdauung eine bessere, als wenn es in Form von Tränke gegeben wird. Um das Verstäuben gewisser Futtermittel zu verhindern, sind diese nur mit etwas Wasser anzufeuchten. Die nötige Flüssig­keit verabreicht man dann den Tieren in Form von reinem Wasser. Das Tränken ist am zweck­mäßigsten wenigstens eine halbe Stunde vor dem Füttern vorzunehmen und nicht nach dem­selben, weil dann die Verdauung auch wieder aus dem oben erwähnten Grunde beeinträchtigt würde. Es empfiehlt sich auch, den Tieren täg­lich Gaben von 610 Gramm Salz pro 100 Klg. Lebendgewicht zu geben. Die Salzgabe soll dazu dienen, das Futter schmackhafter zu machen und die Freßlust der Tiere anzuregen. Bei jungen Tieren sollte die Beigabe von Kall auch nie un­terlassen werden; denn die Futtermittel enthal­ten meist sehr wenig Katt. Die jungen noch wachsenden Tiere haben aber zum Aufbau ihres Knochengerüstes den Katt unbedingt nötig. Lei­der wird diese Tatsache noch viel zu wenig ge­würdigt und deshalb sieht man heutzutage auch noch so oft Tiere, die sich nicht auf ihren Beinen halten können, weil die Entwickelung des Knochengerüstes nicht in gleichem Maße mit der Entwickelung der weichen Körperteile fortschrei­ten konnte. Ob der kohlensaure Katt ebenso gut wirkt wie der phosphorsaure Katt, ist noch nicht mit Sicherheit aufgeklärt. Man wird deshalb vorläufig dem phosphorsauren Katt den Vorzug zu geben haben. Je nach dem Futter und dem Alter der Tiere wird man 1030 Gramm pro 100 Klg. Lebendgewicht verabreichen. Das Salz sowie den phosphorsauen Katt vermischt man am besten mit dem Futter.

Aus dem bisher Gesagten ergeben sich fol­gende Regeln für die Fütterung:

1. Das Kraftfutter in möglichst konsistenter Form verabreichen.

2. Die FuttermittelKartoffeln ausgenom­men weder dämpfen noch kochen.

3. Das Tränken vor der Kraftfuttergabe vor­nehmen. : «

4. Täglich kohlensauren resp. phosphorsauren Kalk und Salz beifüttern. .

7 ' -:gr ÖäHVV

1 frii ' - AI I i! tS 4

Landwirtschaftliche Erzeugnisse auf der 22. Wan­derausstellung der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft zu Stuttgart.

Die Schauordnung für die 22. Wanderaus­stellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesell­schaft, welche in den Tagen vom 25.30. Juni 1908 zu Stuttgart auf dem Cannstatter Wasen stattfinden wird, enthält in ihrer zweiten Ab­teilung die Bestimmungen und die Preisaus­schreiben für die Ausstellung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und Hilfsmittel für den landwirt­schaftlichen Betrieb. Der Schluß des Anmelde­termins ist mit geringen Ausnahmen der 29. Februar 1908. Zugelassen werden alle land­wirtschaftlichen Wirtschafts- und Felderzeugnisse, Hilfsmittel aller Art, welche in landwirtschaft­lichen Betrieben und deren Nebengewerben Ver­wendung finden können, sowie wissenschaftliche Darstellungen, die sich auf die Landeskultur, das Vereins-, Eenossenschafts- und Versicherungs­wesen beziehen, und landwirtschaftliche Litera­tur. Die Ausstellung erfolgt in 18 verschiedenen Gruppen. Für Samen, frisches Obst, Obsterzeug- nisse, Obstwein, frisches Gemüse, Milch, Butter, Käse, lebende Bienen, Bienenerzeugnisse uno Bienenwohnungen sind Preisausschreiben er­lassen, und es sind für diese erhebliche Geld­beträge und eine Anzahl Preismünzen zu Prei­sen zur Verfügung gestellt worden. In reich be­schickten Klassen ist die Aussetzung von Sieger­preisen in Aussicht genommen. Kostproben der Erzeugnisse der deutschen Landwirtschaft werden in einer Traubenweinkosthalle und in einer Kosthalle für Apfel-, Schaum- und Beerenweine geboten werden. Auch ist eine solche Halle für alkoholfreie Getränke vorgesehen. In einer Molkereikosthalle werden die von den Ausstel­lungskühen gewonnene Milch sowie Proben von der ausgestellten Butter und dem Käse zur Ab­gabe kommen.

Interessenten wollen die porto- und kosten­frei zur Versendung gelangenden Anmeldescheine mit der Schauordnung von der Deutschen Land­wirtschafts-Gesellschaft, Berlin SW., Dessauer- straße 14, einfordern.

Die Schätze der Atmosphäre und deren Bedeut­ung für die Landwirtschaft.

Aus Berlin wird unter dem 17. d. M. ge­meldet: Professor Linde hielt heute einen Vor­trag bei dem Reichskanzler über die Schätze der Atmosphäre. Der Vortragende erklärte ins­besondere, erfolgreiche Bemühungen, technisch die Bestandteile der atmosphärischen Luft zu Pro­dukten von volkswirtschaftlicher Bedeutung zu verarbeiten und gab sodann eine Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der atmosphäri­schen Forschung; er erwähnte die Erfindung Toricellis und Otto v. Euerikes, die Erfindung der Kraftmaschinen, die Verflüssigung der Gase, ferner die chemische Erschließung der Atmosphäre durch Lovoisier, die technische Anwendung des flüssigen Sauerstoffs, von dem sich der Jahres­bedarf für die Metallurgie innerhalb der letzten zehn Jahre verzehnfacht hat, sowie die Anwen­dung des Stickstoffs bei der Herstellung von elektrischen Metallfadenlampen. Besonders in­teressiert zur Zeit die Herstellung von Stickstofs- verbindungen für die Zwecke der Landwirtschaft. Durch die in wenigen Jahrzehnten bevorstehende Erschöpfung der Salpeterlager wird nicht bloß die Landwirtschaft, sondern auch die Technik der Schieß- und Sprengstoffe und die chemische In­dustrie auf die Erzeugung von Salpeter ange­wiesen; es werden also ernste nationale Fragen berührt. Die erste industriell brauchbare Lösung des Problems haben die Norweger Birkeland und Eyde gefunden. Neuerdings ist die Führ­ung dieser wichtigen Aufgabe an die Badische Anilin- und Sodafabrik dadurch Lbergegangen, daß sie mittels neuer einfacher Apparate höhere Ausbeuten erzielt. Nach dem Zusammenschluß der beiden Konzerne sind in Norwegen Wasser­kräfte mit nahezu 300 000 Pferdestärken erwor­ben worden, welche mit eis-? Anfangskapital von 40 Millionen Mark für die Erzeugung der Salpetersäure auegebaut werden sollen. Auch in Südbayern plant die Badische Anilin- und

Sodafabrik eine solche Anlage. Einen anderen Weg haben die Berliner Chemiker Frank und Caro angegeben. In eisernen Retorten wird erhitztem Calciumcarbid reiner Stickstoff zuge- führt und begierig ausgenommen. Der so er­zeugte Kalkstickstoff hat eine jahrelange agri­kulturchemische Probe als wirksames Dünge­mittel bestanden. Die Salpetersäure und der Kalkstickstoff scheinen die Ausnützung der Was­serkräfte einer neuen Entwicklung zuzuführen, da sie für zahlreiche, ja für die größten, von den Industriezentren weit entfernten Wasserkräfte die bisher fehlende stetige Verwertbarkeit ga­rantieren. Eine größere Anzahl von Fabriken für Kalkstickstoff ist eröffnet oder in der Erricht­ung begriffen: in den Apeninnen und den savoy- ischen und schweizerischen Alpen, in Norwegen, Dalmatien und Südbayern. Es geht in Erfül­lung, was aus dem Laboratorium des Natur­forschers hervorgegangen, durch die technische Chemie und die Jngenieurkunst in verwertbare Gestalt gebracht ist und nunmehr aus den neuen Werkstätten des Gewerbefleißes erwartet wer­den darf. So stellen die neuen Schätze der At­mosphäre eine bedeutsame Mehrung der Güter dar, welche unser naturwissenschaftlich-technisches Zeitalter hervorgebracht hat.

Landwirtschaftliche Mitteilungen aus der Umgegend.

Cassel, im Dezember. Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten hat als mustergültige Staatswirtschaften im Sinne der Tarifermäßig- ung für das Jahr 19071908 im Regierungs- Bezirk Cassel diejenigen des Herrn Domänen­pächters Rusche zu Klein-Englis und die des Herrn Rittergutspächters Kaufmann zu Lud- wigseck erkannt.

Cassel, im Dezember. Dieser Tage fand bei Königlicher Regierung, Abteilung für Domänen und Forsten, die öffentliche Verpachtung der Do­mäne Marienrode statt. Die 4 Kilometer vom 'Bahnhof Borken gelegene Domäne umfaßt ein Areal von 253,8646 Hektar, erbrachte einen Erundsteuerreinertrag von 1615,79 Taler und ergab zuletzt einen Pachtzins von 7832,82 Mk. Die Zahl der Pachtlustigen war eine geringe. Höchstbietende blieben Liepke mit 7005 und Hoh- mann-Steinau mit 7000 Mk. Sie bleiben bi» zur Entscheidung des Herrn Ministers an ihr Gebot gebunden, doch dürfte inanbetracht des ge­ringen Gebotes ein anderweiter Termin an- gesetzt werden.

Wiesbaden, im Dezember. Einen Hahn, der Eier legt, besitzt laut demWiesb. Tagebl." ein Eättner in Sonnenberg. Derselbe bezog jüngst einen Transport Perlhühner mit zwei Hähnen, von denen der eine anfing, kurz nach dem Ein­treffen . . . Eier zu legen. Dies kam nun dem biederen Landmann mit Recht so absonderlich vor, daß er dem Hahn einen eigenen Stall atu wies, um ja zu konstatieren, daß er sich nicht irre. Doch der merkwürdige Hahn legte nach wie vor jeden Tag sein Ei in sein isoliertes Heim. Ein Tierarzt konstatierte schließlich, daß es sich hier um eine seltene Abnormität handle. Der Hahn war trotz seines Kammes und Gefieders ein regelrechtes Huhn.

Wiesbaden, im Dezember. In der Vollve« fammlung der Landwirtschaftskammer für den Reg.-Bez. Wiesbaden berichtete Landwirtschafts- infpettor Keifer über die Verhandlungen mit dem Magistrat zu Frankfurt a. M wegen Er­richtung einer Fleischverkaufszentrale. Der Ma- gistrat hat sich an die Kammer mit der Anfrage gewandt, ob sie angesichts der hohen Spannung zwischen Vieh- und Fleischpreisen eine öffent­liche Verkaufsstelle für Schweinefleisch einzu­richten bereit fei. Ein derartiger direkter Ver­kauf des Fleisches würde sich nach Ansicht des Kammervorstandes als lohnend erweisen; er verkennt aber auch nicht die großen technischen Schwierigkeiten, die dem Unternehmen entgegen* stehen. Man werde event. den Viehzüchtern all Norm den Frankfurter Schlachthofpreis bezahlen und ihnen den etwaigen Mehrerlös später zu- führen. Schwierigkeiten werde die regelmäßige Viehbeschafsung machen, denn die Landwirte schickten nicht gern ihr Vieh nach Frankfurt, fe lange sie sonst Abnehmer hätten; dadurch könnte vielleicht Fleisch nach Frankfurt kommen, wa» sonst schwer Abnehmer finde. Zm Adrige» werde der Frankfurter Marktpreis de» 614* züchtern schon bezahlt und im allgemeine» tat eine Mehreinnahme von 34 Mk. zu Vkrtelet