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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: ,Flach Feierabend". «Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage"
M 304
1911
Marburg
Freitag, 29. Dezember
ne „Obrrhrllische Rettung" erichcmt täglich mit läusnot jlc «ti und Feiertage. — Der Bezugspreis betrögt vierteljährlich durch die Post bezogen S.26 <H lohne Bestellgeld), bet unseren Leitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <X frei ins Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:
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Das Drarokkoadkommen vor der Senatskommisston.
Paris, 26. Dez. Der Senatskommisston ^ur Beratung des deutsch-französischen Abkommens gab der Minister des Aeuhern de Seines eine Darlegung der verschiedenen Verhandlungen von 1902 und erinnerte daran, daß diese Verhandlungen kein endgültiges Uebereinkom- men gezeitigt hätten. Der Minister beleuchtete das englisch-französische Abkommen von 1904 und antwortete auf die Fragen verschiedener Mitglieder mit der Erklärung, es bestehe bezüglich Marokkos keine andere Abmachung zwischen Frankreich und England als die in den geheimen Artikeln bereits veröffentlichte. Nachdem noch der Minister die Periode des Abschlusses der Akte von Algeciras und die Bestimmungen dieser selbst kurz gestreift hatte, schnitt er die Frage des französisch-deutschen Abkommens von 1909 an, indem er die politische und wirtschaftliche Tragweite des Abkommens näher entwickelte.
Ueber eine vom Ministerpräsidenten Caillaux vor der Senatskommission abgegebene Erklärung wird noch gemeldet, Caillaux habe sich insbesondere bemüht, den Nachweis zu erbringen, daß das deutsch-französische Abkommen von 1909 nicht nur unwirksam geblieben sei, sondern sogar wiederholt Beschwerden hervorgerufen habe, die die französische Regierung nicht habe gleichgültig lassen können. So z. B. habe seiner Zeit England, weil es in der geplanten Marokko-Gesellschaft für öffentliche Arbeiten nur einen Anteil von 7% pEt. erhalten sollte, Einspruch erhoben. Bei der Erörterung des Marsches nach Fez wandten sich mehrere Mitglieder an den früheren Ministerpräsidenten Monis mit der Frage, in welchem Augenblick dieser Marsch beschlossen worden fei. Monis erklärte, daß er sich dessen nicht mehr genau erinnere und deshalb keine bestimmte Antwort geben könne. Der Marsch nach Fez wurde von dem Minister an der Hand von Aktenstücken als notwendig gekennzeichnet.
Paris, 26. Dez. In der Senatskommisston zur Prüfung des deutsch-französischen Abkommens sagte de Selves: Es war einen Augenblick zwischen Frankreich und Deutschland die Rede von Unternehmungen einer internationalen Gesellschaft, die sich insbesondere mit dem Bau von Eisenbahnen in Marokko befaßte. Die Gesellschaft bestand damals aus 50 Prozent Deutschen, 7 Prozent Engländern und 43 Prozent Franzosen. Deutschland sprach den Wunsch aus, Frankreich möchte dieser Gesellschaft in keiner Weise Konkurrenz machen. Trotzdem schien es, als ob dieses Uebereinkommen zu Stande kommen würde. Als dann aber Eruppi das Portefeuille des Auswärtigen übernahm, glaubte er diesen wirtschaftlichen Plänen und Vereinbarungen nicht zustimmen zu dürfen, die im Sinne seines
84 verboten.)
Agnete Kaas.
Roman von Anna Baadsgaard.
* Deutsch von Bernhard Man«.
(Fortsetzung.)
„Dann ist es also abgemacht," sagte sie still. Sie versuchte es, ganz ruhig zu sprechen, als verabredeten sie eine ganz alltägliche Sache. „Wann, meinst du, daß die Trauung stattfinden soll? Meiner Ansicht nach muß es möglichst bald geschehen, während ich noch einigermaßen wohl bin."
„Ich werde morgen mit Pastor Heiden Rücksprache nehmen, dann kann er uns an einem der nächsten Tage trauen."
„Gut, tue es, Harald!"
Sie wollte ihm die Hand geben, er sah es aber nicht. Die Arme um ihre Schultern gelegt, beugte er sich tief über sie nider.
Wie lieb sie doch sein Gesicht hatte--jeden
einzelnen Zug liebte sie. Die Stirn, wo das dunkle Haar über die Schläfen fiel, die grauen, schwer- mütigen Augen, die gerade, kräftige Linie der Nase, die sonnverbrannten, etwas mageren Wangen und den Mund, der ihr von allem das Schönste erschien —
Sie entdeckte eine Runzel über der einen Augenbraue, die sie früher nicht gesehen hatte. Wie sie wünschte, daß sie sie glätten, sie fortküssen dürfte! — Seine Augen waren so traurig, und doch war ein mildes und ruhiges Licht in ihnen, dessen Anblick ihr Wohltat. War mehr Ruhe in seinen Sinn gekommen, war die Bitterkeit fort? Ach, wenn sie ihm nur einen Schritt weiter zu dem Frieden geholfen hätte, so hätte sie nicht vergebens gelebt. So müßte sie dankbar für alles sein, was das Leben ihr gebracht hatte, dankbar auch für den Tod.
Vorgängers schon das Uebereinkommen von 1909 vervollständigen sollten, und die gelegentlich den Bau von Linien von Oran und Casablanca nach Fes zustchern. Minister de Selves gab dann eine kurze Ueberficht über die Besprechungen zwischen dem Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter und dem Botschafter Cambon bezüglich des Marsches auf Rabat. Als Cambon g efragt habe, ob Deutschland sich diesem Marsche widersetzen werde, habe Herr von Kiderlen geantwortet: Im wesentlichen nicht, unter der Bedingung, daß die Franzosen nicht in Rabat bleiben. Als Kiderlen weiter bemerkte, daß sie dann auch nach Fes marschieren müßten, bestritt Cambon dies anfangs, gab dann aber zu, daß die Ereignisse und auch die Bitten des Machfen sie vielleicht zwingen würden, diesen Marsch zu vollenden, indem er hinzufügte, daß sie nicht in der scherifischen Hauptstadt bleiben würden. Kiderlen wollte das nicht glauben und bemerkte, das wäre ohne Beispiel, de Selves verlas sodann 30 Dokumente, die sich auf die Bitten des Machfen um Hilfeleistung bezogen, und legte dar, daß Herr von Kiderlen lange Zeit gegen den Marsch nach Fes Einwendungen erhoben habe, indem er zu bedenken gab, daß er auf die öffentliche Meinung in Deutschland, die damals schon ziemlich ungünstig für Frankreich war, Rücksicht nehmen müsse. Der Staatssekretär habe dann dilatorische Antworten gegeben und schließlich erklärt, die Franzosen könnten ohne Zweifel nach Fes marschieren, aber wenn sie dort blieben, würde Deutschland für sich wieder volle Handlungsfreiheit in Marokko in Anspruch nehmen. Einige Mitglieder der Kommission fragten daraus den früheren Ministerpräsidenten Monis, an welchem Tage der Marsch auf Fes beschlossen worden sei. Monis bat um Entschuldigung, daß er sich des Zeitpunktes nicht mehr genau erinnere. Sodann wurde beschlossen, daß Minister de Selves im Ministerium die Sache feststellen und der Kommission das nöttge Material unterbreiten solle. Auf Befragen erklärte Ministerpräsident Caillaux zum Schluß, daß in Kissingen lediglich die wirtschaftlichen Fragen zur Sprache gekommen seien, während die Kongo-Angelegenheit in keiner Weise berührt worden sei.
Paris, 27. Dez. Der „Temps" schreibt über die gestrigen Erörterungen über das Abkommen vom 4. November in der Senatskm Mission, diese Unterhandlungen sind eine schöne Sache, aber da es nunmehr gewiß ist, daß die Ratifizierung des französisch-deutschen Abkommens um zwei Monate verzögert wird, muß die Regierung unverweilt die Erörterung des französischen Protektorats in Marokko in Angriff nehmen, denn gerade diejenigen, welche an der Verzögerung schuld sind, würden der Regierung später einmal aus dem Aufschub einen Vorwurf machen.
Plötzlich kam ihr ein Gedanke, der sie ängstigte. Mit aller Kraft suchte sie ihn von sich zu stoßen.
„Küsse mich nicht — küsse mich nicht — ich könnte dich anftecken," flüsterte sie.
Er lächelte nur und nahm ihre beiden Keinen abwehrenden Hände in seine rechte Hand. Dann drückte er seine Lippen fest und warm auf ihre. Und sie schloß die Augen und fühlte, wie das Glück ihr ganzes Wesen, Körper und Seele, ein ganzes, in einem einzigen Augenblick gesammeltes Lebensglück durchströmte.
Aber auch nur einen Augenblick. Schon im nächsten fiel ihr ein, daß sie krank war und sterben sollte, und daß es nur ein Handel war, den sie geschlossen hatten.
An der Wand in Agnetes Zimmer hängt ein Bild von Beatrice, wie Rossetti sie gemalt hatte. Sie hat ihren vom Gewicht des Haares beschwerten feinen Kopf zurückgebeugt, die Augen gesenkt und die Lippen halb geöffnet. Ach, was nützt es, daß ihr Geliebter, Dante, dicht neben ihr steht, sie sieht ihn noch nicht — was hilft es, daß das Licht auf den Wogen des Arno, unter dem Bogen der Brücke funkelt, wo sie sich in glücklichen Tagen trafen. Sie wird dort nie wieder wandern. Der Schatten fällt scharf über die Sonnenscheibe an ihrer Seite, als wollte er ihre letzte Stunde angeben, und in ihren Schoß, zwischen ihre gefalteten Hände fliegt ein kleiner Vogel mit einer Mohnblume im Schnabel — der Blume des Todes, die den ewigen Schlaf bringt.
Agnete gleicht dieser Beatrice. Auch sie hat den kalten Hauch aus dem Lande der Schatten gespürt, und ihre Wangen find davon erblaßt, ihre Augen haben den weitschauenden Blick angenommen, den die Augen der Sterbenden bekommen, wenn ste das Dunkel zu durchdringen und in das Unbekannte, da» Kommende zu blicken suchen. Da» Lächeln um ihren
Der Krieg um Tripolis.
Tripolis, 27. Dez. (Agenzia Stefani.) Wie Nachrichten aus zuverlässiger Quelle versichern, sind am Tage nach der Einnahme Ain- zaras über hundert Verletzte, sämtlich Einwohner Zuaras in ihren Heimatsort zurückgebracht worden um verpflegt zu werden. — Ein Tele- gramm aus Benghast besagt, die feindlichen Truppen hätten sich infolge der im gestrigen Treffen erlittenen Verluste anstatt unter dem Schutze der Nacht anzugreifen, zurückgezogen.
Konstantinopel, 27. Dez. Die Kammer nahm das Gesetz an, durch das für Waren italienischer Herkunft ein lOOprozentiger Zoll eingeführt wird. Das Gesetz stellt es der Negierung anheim, ausnahmsweise den elfprozentigen Zoll für italienischen Schwefel, der für den Weinbau unerläßlich ist, beizubehalten.
Deutsches Reich.
— Aus dem Kaiserhaus. Berlin, 27. Dez. Der „Reichsanzeiger" meldet: Die Prinzen August Wilhelm und Oskar wurden zu Ehrenrittern des Johanniterordens ernannt.
— Das Befinden des Kronprinzen, der wegen einer leichten Erkrankung bisher noch in Danzig bleiben mußte und daher seinen Sohn noch nicht gesehen hat, gab englischen Blättern Anlaß zu allerhand unwahren Kombinationen über seinen Gesundheitszustand. Wie gemeldet wird, ist er jetzt wieder außerhalb des Bettes und geht bereits wieder kurze Zeit an die Luft.
— Ein kräftiges Dementi. Berlin, 27. Dez. Der „Berliner Lokalanzeiger" meldet: Einem hiesigen Blatt wird aus Wien als Erzählung aus dortigen politischen Kreisen gemeldet, daß Kaiser^Wilhelm zu dem Rücktritt des Eeneral- stabschefs v. Holtzendorff in Briefen an den Kaiser und Erzherzog Franz Ferdinand Stellung genommen habe. Die Meldung ist gänzlich unbegründet. Briefliche Äußerungen des Kaisers find in dieser Angelegenheit nicht erfolgt, was angeblich in Wiener politischen Kreisen darüber verbreitet wird, ist erfunden.
— Krupp. Essen a. Ruhr, 27. Dez. Die Jahrhundertfeier der Firma Krupp, deren Zeitpunkt noch nicht endgültig festgesetzt ist, findet dem Vernehmen nach etwa Anfang August statt.
— Deutsch-japanischer Handelsvertrag. Berlin, 27. Dez. Nachdem der Reichstag dem vom Bundesrat mit Wirkung vom 17. Juli ab in Kraft gesetzten neuen deutsch-japanischen Handelsvertrag zugestimmt hat, find zwischen dem Auswärtigen Amt und der japanischen Botschaft Noten ausgetauscht worden, nach welchen beide Regierungen von dem Recht, das dem Vertrag -zugehörige Zollabkommen zum 31. Dezember 1912 zu kündigen, keinen Gebrauch machen.
Mund ist erstarrt, sie hat alle frohen, scherzenden Worte vergessen. Alles, was zum Leben gehört, liegt in weiter, weiter Ferne, in einer Welt, die nicht mehr die ihre ist. Nur eins hat sie nicht vergessen — ihre Liebe. Sie wird sie bis zuletzt begleiten, bei ihr leben, solange das Herz schlägt und der Kopf klare Gedanken fassen kann.
Und die Tage verrinnen — gedämpfte, farblose Tage mit Stille draußen und drinnen. Der Schnee fällt unaufhörlich, leise und weich. Die Wiesen draußen vor Agnetes Fenstern — die großen, grünen Wiesen, wo die Kühe in der Septembersonne gegrast hatten, als sie auf dem Birkenhos ankam - sind jetzt wie eine weiße Schneewüste ohne Ziel und Grenze — wie die Gegend, die sie in ihren Träumen sah Auf dem Wege kommt fast niemals einer vorbeigeaangen, Menschen und Tiere halten sich in den Häusern.
Nur die Sperlinge piepen ängstlich und einge- schüchtert, wenn sie stch um die Brotkrumen sammeln. die Tante Gertrud ihnen hinstreut. Und es ist, als sei selbst das Leben in den tiefsten Schlaf gesunken.
Dann kam der Tag, wo Agnetes Hochzeit sein soll. Und an dem Tage schien die Sonne.
Ihr Krankenzimmer ist zur Trauung geschmückt. Schon vom frühen Morgen haben Tante Gertrud und Maja olle Hände voll zu tun gehabt. In den Ecken der Stube stehen große Blattgewächse, und eine kleine Orgel hat hinter dem grünen Hain der Gewächse Platz gesunden. Der Tisch am Bett ist mit einem schneeweißen Tuch bedeckt, wo eine aufgeschlagene Bibel am Fuß eines großen Kreuzes liegt. Das Licht des Wintertages ist durch die herabgelassenen Jalousien ausgesperrt. Im Zimmer herrscht eine schwache Dämmerung, die von dem warmen Schein der Wachskerzen durchbrochen wird. Agnetes Bett ist ganz weiß, weiß wie sie selbst, und auf der Decke liegt ihr Brautbukett, da» Harald für fie gewählt
— lleberseetelegramme. Berlin, 27. Dez. Das neue Amtsblatt des Reichspostamts bringt die Nachricht von der Einführung von Uebersee« telegrammen zu halber Gebühr. Solche Privattelegramme, die in offener Sprache abzufasse« find und deren Beförderung nach Abwicklung de» vollbezahlten Verkehrs erfolgt, werden ab 1 Januar 1912 zunächst zugelassen im Verkehr mit Togo, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika, Deutsch- Ostafrika, bett Vereinigten Staaten von Amerika, ferner mit Schanghai, Peking, Tsingtau, Tientsin und mehreren anderen chinesischen Städten, sowie mit einer Reihe britischer außereuropäischer Kolonien, darunter Britisch Indien, Singapore, Aden, Britisch Ostafrika, Uganda, die südafrik»rtische Union, Rhodes und Zanzibar. Wegen weiterer Ausdehnungen der neuen Einrichtung auf sonstige überseeische Länder führt das Reichspostamt bereits Verhandlungen. Das Amtsblatt veröfentlicht gleichzeitig die Bedingungen, unter welchen Ueberseetelegramme zu halber Gebühr zugelassen werden.
— Eine erfreulich scharfe Antwort. Die „National- liberale Korrespondenz" erhält aus Erfurt folgende interessante Zuschrift, der fie, wie sie ausdrücklich hinzufügt, völlig beistimmt: „Am 30. Oktober abends berichtete das „Berliner Tageblatt", in Erfurt sei für den Fall der Stichwahl ein Abkommen zwischen Nationalliberalen und Konservativen über gegenseitige Unterstützung gegen den Sozialdemokraten zustande gekommen. Danach würde der bürgerlich« Kandidat, nationalliberal oder konservativ, der mit dem Sozialdemokraten in die Stichwahl kommt, von der anderen der beiden Parteien zu unterstützen sein. Das „Verl. Tagebl." knüpft daran einige Ausfälle gegen den nationalliberalen Kandidaten und die läppische Drohung, daß die fortschrittliche Volkspartei bei der Hauptwahl für den nationalliberalen Kandidaten versagen könne, wenn für die Nachwahl ein Abkommen mit den Konservativen getroffen sei. Wir weisen diese Ausfälle und Drohungen zurück, indem wir es für selbstverständlich halten, daß im Falle der Erfurter Stichwahl die Konservativen den Nationalliberalen und die Nationalliberalen den Konservativen unterstützen. Das „Berliner Tageblatt" möge uns mit seinen zudringlichen Eroßblock-Redereien verschonen und versichert sein, daß die nationalliberale Partei alles tun wird, um Deutschland vor der kosmopolitisch- freihändlerisch-demokratischen Gesinnung zu bewahren, in der das „Berl. Tagebl." unseren festgefügten Staat erschüttern möchte." Das ist eine begrüßenswerte Sprache.
— Anwachsen der Eüterschlöchterei. Während die bereits veröffentlichten Resultate über die Wirkung des Güterzertrümmerungsgesetzes in Bayern vom 1. März 1910 bis 1. März 1911 deutlich erkennen lassen, daß in dieser Zeit die Parzellierungen ganz wesentlich zurückgegangen find (es wurden 470 An- wesen weniger zertrümmert als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres), hat sich nach dem letzten amtlichen Bericht in Württemberg eine ziemlich erhebliche Steigerung der ffiüterjertrümmerungen ein» gestellt. Es zeigt sich hier deutlich die Notwendig
hat — dreiundzwanzig weiße Rosen, eine für jedes Lebensjahr.
Das Zimmer füllt sich nach und nach mit Damen, die der Trauung beiwohnen werden. Da ist der Chor von jungen Mädchen aus der Gegend, die vor und nach der Trauung fingen sollen. Sie stehen hinter der, Orgel und verstecken sich ängstlich zwischen den grünen Pflanzen. Junge, weißgekleidete Mädchen, so voller Lebensfteude, daß die Luft in diesem Krankenzimmer und der Anblick des schmalen, ausgezehrten Gesichts mit den fieberkranken Augen ste ängstlich macht und in ihnen die Sehnsucht nach dem kalten frischen Wintertag draußen weckt, wo die Dezembersonne über dem Schnee scheint. Unter ihnen befindet sich Margit Heiden, blasser als sonst, mit ihren goldenen Flechten, zu einem Kranz geordnet, und mit dem Herzen voller wunderlicher Gedanken.
In einem grünen Plüschlehnstuhl sitzt Fräulein Sparte, in schwarzer Seide knitternd, mit dem Gesangbuch und dem zusammengelegten Taschentuch im Schoß. Sie hat ihre stille, sickere Ruhe, ihr gewohntes Gleichgewicht auch an diesem Tage bewahrt. Vielleicht hat fie eine stille Hoffnung, die ste auf- richtet und den Kummer mildert.
Harald Sparte steht an Agnetes Bett. Die junge« Mädchen flüstern sich zu, daß et hübsch ist, daß feine Blässe und der Ernst ihn kleiden. Sie halten ihn fast für zu jung, um an ein brustkrankes, sterbende» junges Mädchen gefettet zu werden. Dann flüster« ste sich aber noch viel mehr zu: von bet schönen Fra« Tholander, die mit ihrem Mann in Scheidung liegt, von den Spielschulden des Gutsbefitzers Sparte und dem großen Vermögen bet Braut, flüstern eifrig unb mit einem schlechten Gewissen und schwel gen erschrocken, als bet Organist stch an bte Oteel setzt.
(Fortsetzung folgt).