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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage"

M 303

XteCbtrljenifdn ^cnung" epcheml täglich mit Kuenofc.nt ow « nn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 9.25 dH lohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 "dH frei ins HauS. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:

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Marburg

Donnerstag, 28. Dezember

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46. Jahrg.

1911.

Der Krieg um Tüpolis.

Konstantinopel, 23. Dez. Ein offi­ziöses Kommunique besagt, die Pforte werde ihre unterjochbaren Rechte auf Tripolis und die Cyrenaika bis zum Aeußersten verteidigen.

DieAgenzia Stefani" verbreitet Mitteilun­gen, nach denen die Türken bei Angriffen auf die italienischen Stellungen verlustreich zurück­geschlagen wurden. General Trombi telegra- . phiert aus Derna, der Feind hatte bei dem Kampfe am 18. Dezember 75 Tote; aus Ain Zara, Tadjura und Homs ist nichts neues zu be­richten.

Anders klingen freilich folgende Meldungen aus türkischer Quelle, die derTemps" verbrei­tet, und die besser dazu passen, daß die Türken nicht an Frieden denken.

Paris, 22. Dez. Die Italiener hatten am 15. Dez. 2000 neu angekommene Soldaten aus- geschisft, die sofort aus Khoms auszogen und das türkische Lager angriffen. Nach einer sehr energischen Schlacht, die den ganzen Tag dauerte, zogen sich die Italiener mit 200 Toten, darunter 2 Offizieren, zurück. Die türkischen Verluste sol­len 12 Tote und 13 Verletzte betragen.

Am 17. Dezember machten die Italiener einen Kundschafterausflug in Stärke von einem Regiment Infanterie und einer Batterie Berg­geschütze. Sie warfen 210 Granaten auf den linken Flügel des türkischen Lagers. Dann zogen sie nach Sansur zurück. Als abends die türkischen Truppen einen Angriff auf Sansur machten, mutzten sich die Italiener bis Tripoli» zurück­ziehen.

Am 19. Dezember wurde eine italienische Kundschafterabteilung, die den Osten des türki­schen Lagers umgehen wollte, angegriffen. Rach einem sehr heftigen Gefecht, das bis 2 Uhr dauerte, zogen sich die Italiener zurück. Die Ita­liener verloren in der Wüste den Weg und irr­ten bis zur Nacht umher. Einem Teil der Ita­liener schnitten die Türken den Rückweg ab. Sie eroberten 200 Gewehre, eine ganze Anzahl von Ausrüstungsgegenständen und einige Maulesel. Die Verfolgung der türkischen Truppen ging bis nach Ainzara. Nach türkischer Meldung sollen die Italiener 500 Mann verloren haben. Auf türkischer Seite zählt man zwanzig Tote und 40 Verletzte.

Weiter wird gemeldet:

Paris, 26. Dez. DemTemps" wird von seinem im türkischen Lager befindlichen Kriegskorrespondenten aus Zuagha gemeldet, dah durch die zahlreichen Bombardements der italienischen Kriegsschiffe an fast allen Punkten der Küste bis zur tunesischen Grenze keinerlei nennenswerter Kchaden ungerichtet worden sei. Jnfolgedesien sei auch der von den Italienern vielle'ch- beabsichtigte moralische Eindruck bei

mmhssaw-sag 83 ocrboiex.)

Agnete Kaas.

Roman von Anna Baadsgaard.

Deutsch von Bernhard Mann.

< Fortsetzung.»

Willst du Harald meinen Vorschlag übermitteln, Tante Gertrud?" fuhr Agnete fort.Sage ihm nicht, daß es des Geldes wegen ist. Denn dann tut er es nicht. Latz ihn nur glauben, daß ich als sein Ehe- weib zu sterben wünsche"

Gott segn« dich, du liebes Kind!" Die alt« Dame beugte sich schluchzend über Agnete und küßte sie.Gott segn« dich für dein treues Herz! Ja, ich werde es Harald sagen, und ich weiß im voraus, was er antworten wird. Ich habe ja fein« Verzweif­lung gesehen, als du so krank warst. Du darfst aber nicht immer vom Tode sprechen. Ich glaube, daß du wieder besser wirst und uns erhalten bleibst."

Glaubte ich dasselbe, so würde ich mich Harald unter keinen Umständen anbieten"

Ich verstehe dich, mein liebes Kind." Und Fräulein Sparr« schwieg. Sie fürchtete, daß sie, wenn sie mehr sagte, Agnetes Widerstand wecken würde.

Sie setzte sich wieder auf ihren Platz, trocknet« sich die Augen und griff nach ihrem Strickzeug. Eine ganze Weile sprach keine von ihnen. Das frohe Zwitschern der Sperlinge erklang durch die Stube. Die Sonne fiel in einem klaren Streifen über beit Schreibtisch, wo jedes Staubkörnchen auf der bräun­lichroten, blanken Mahagoniplatte sich abzeichnete. Eine einsame Fliege flog gegen die Fensterscheiben und begann zu summen.

®as Wetter ist heute wundervoll," sagte Tante Gertrud schließlich. Nur ein Grad Kälte und so still und sonnenklar, wie im Frühling, obgleich wir uns Adri nnru'rn " |

den Arabern ausgeblieben. Nur bei der ersten Beschießung von Zuagha habe ein Schrapnelge- schotz in einer Gruppe von Flüchtlingen einge­schlagen und drei Frauen und drei Kinder ge­tötet. Seither sind alle Weiber, Kinder und Greise nach dem Innern des Landes geschickt worden. Weiter berichtet der Korrespondent, daß die Italiener bei einem am 16. Dezember unternommenen Versuch, den strategisch nicht un­wichtigen Erabtempel von Sidi Said zu stür­men, sechs Tote, darunter einen Offizier, hatten und in die Flucht getrieben worden seien.

Konstantinopel, 25. Dez. Wie hier versichert wird, hat die Regierung die Schließ­ung der italienischen Banken und ähnlicher ita­lienischer Unternehmen ungeordnet.

Kairo, 24. Dez. Wie amtlich gemeldet wird, haben die Türken das Fort von Solum der ägyptischen Armee übergeben, ohne daß sich da­bei ein Zwischenfall ereignete.

Rom, 26. Dez. (Agenzia Stefani.) Nach einem aus Benghasi eingetroffenen Funkentele­gramm begann der Feind gestern früh den Vor­marsch auf Benghasi. Gegen 10 Uhr vormittags entwickelte sich die feindliche Schluchtlinie in einer Gesamfftärke von einigen tuusend Mann mit Geschützen vor der östlichen Front der ita- lienischen Stellungen. Dus bewegte Meer hin­derte die Schiffe einzugreifen. Der Feind ging lungsum in der Richtung uuf Foiat und den Schunzen Nr. 4 und Nr. 3 vor. Als er sich ihnen uuf zwei Kilometer genähert hatte, eröffneten die Italiener dus Eeschützfeuer und brachten den Angriff zum Stillstand. Der Feind hatte be­deutende Verluste und zog sich bei Sonnenunter­gang zurück. Die Italiener hatten keine Verluste.

Politische Umschau.

Da« deutsch-französische Abkomme« vor der Senatskommisfion.

Paris, 23. Dez. Die Senatskommisfion, die bestimmt ist, das deutsch-französische Abkom­men zu prüfen, hat ihr Bureau gebildet und Leon Bourgois zum Präsidenten gewählt. Die­ser hielt eine Ansprache, in der er betonte, der Senat Hube dudurch, daß er die Wahlen zur Kommission durch Listen unordnete, seinen Wil­len bekundet, dafür zu sorgen, daß die Diskussion int Geiste höchster Unparteilichkeit stattfinde und nur von der Rücksicht auf die Sicherheit und Erötze Frankreich« geleitet werde. Sarrien und Jean Dupuy wurden zu Vizepräsidenten, Ger­vais, Baudin und d'Estournelles de Eonstunt zu Sekretären gewählt. Die Kommission wird den MiniOerpräsidenten Cuilluur und den Minister des Aentzern de Selves Dienstug hören. Die Kommission beschloß, den Ministerpräsidenten und den Minister des Aeußern sowie den Kolo­nialminister über den Ursprung der Verhund-

Agnete dachte daran, ob sie den Frühling wohl noch einmal zu sehen bekam«. Harald hatte ihr er­zählt, wie schön es dann hier oben im Smaaland sei. Sie konnte sich den Frühling in den großen Birken­wäldern denken. Ein lichter Himmel, der durch das frisch« grüne Laub der Birken drängt, und unten zwi­schen den weißen Stämmen ein lleberfluß von Ane­monen und goldigen Primeln. Und dann der Duft de» jungen Birkenlaubes und der Tannen- und Kiefernadeln der Vogelzug über die großen stillen Seen all das Leben, das in den Mooren und und Sümpfen erwachte.

Sie wollte den Frühling gern noch einmal sehen. War ihr dies nicht vergönnt, so mußte sie dankbar da­für sein, daß sie hier sterben durfte. Was sie von allem am meisten gefürchtet hatte, war die Einsam­keit, der Mangel eines Heims. Und jetzt sollte sie ihre letzten Tage hier sicher und ruhig auf dem Sir« kenhof verleben. Der Tod, nicht das Leben, sollt« sie von Harald trennen.

Tante Gertrud hatte Agnete etwas zu erzählen. Sie meinte, daß die Nachricht ihr willkommen sein würde. Es wurde ihr aber doch schwer, darüber zu sprechen.

Sie räusperte fich einigemal«, bevor fi« begann.

Gestern sind Tholanders abgereist Es sollen in der letzten Zeit zwischen ihnen solche Szenen vorge- kommen sein, daß die Dienstboten draußen auf dem Flur standen, um zu horchen. Di« ganze Gegend spricht von dem Skandal. Man sagt, daß sie sich schei­den lassen wollen, und daß Frau Tholander in Stock­holm zur Bühne gehen will."

Sollte es so weit gekommen sein?" sagte Agnete langsam.Arme Frau Tholander."

Ich kann kein Mitkid mit ihr haben," meinte die alte Dame,wenn sie nur ein buntes, abwech­selndes. an Liebesabenteuern reiche, Leben führen

lungen zu befragen, die zu dem Abkommen füh­ren und wird dabei auf Fragen bis zum Jahre 1902 zurückgreifen. Wie hier angenommen wird, wird die Kommission die Regierung fragen, wa­rum und auf welche Weise sie nach Einleitung der Verhandlungen und Besprechungen über wirtschaftliche Fragen in Uebereinstimmung mit dem Abkommen von 1909 Deutschland gegenüber zu einer Politik gekommen sei, die zu dem gegen­wärtigen Abkommen geführt habe.

Paris, 24. Dez. Senator PoincarS, Mit­glied der Kommission für die Prüfung des deutsch-französischen Abkommens, äußerte einem Berichterstatter gegenüber die Ansicht, daß die Beratung dieses Abkommens im Plenum des Se­nats kaum vor Ende Januar stattfinden werde.

Deutsches Reich,

Ein Wahlerlaß des Reichskanzlers. Die Berl. Morgenpost" erhält von einem Herrn Unbekannt" die Abschrift des folgenden Er­lasses:

Abschrift

Der Reichskanzler.

I. A. 9433.

Berlin, den 8. Dezember 1911.

Bei den bevorstehenden Neuwahlen zum Reichstag ist es als die patriotische Pflicht aller staatstreuen Bürger zu erachten, von ihrem Wahlrechte Gebrauch zu machen. Insbesondere wird dies von den wahl­berechtigten Beamten zu erwarten sein. Um zu verhüten, daß die Erfüllung dieser Pflicht ver­eitelt wird, empfiehlt es sich, daß die Beamten sich darüber vergewissern, ob sie in die Wähler­listen eingetragen sind, und sofern dies nicht der Fall sein sollte, durch rechtzeitige Einsprachen während der Auslegung der Listen deren Berich­tigung herbeizuführen, usw.

gez. von Vethmann Hollweg.

Kein Mensch wird an diesem vernünftigen Erlaß etwas auszusetzen haben. Es ist höch­stens für das linksliberale Organ be­zeichnend, daß es aus der Erinnerung an die patriotische Pflicht aller staatserhaltenden Bürger" eine unzulänglicheWahlbeeinflussung" konstruiert. Völlige Begriffsstutzigkeit!

Auszeichnung Herrn ». Kiderlens. Berlin, 25. Dez. Seine Majestät der Kaiser hat dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. Kider- len-Wächter unter dem Datum des 24. Dezember die Brillanten zum Roten Adler-Orden 1. Klasse mit Eichenlaub zu verleihen geruht.

Ein neuesFallschirm-Leuchtgeschoß" von Krupp. Wie mitgeteilt wird, hat die Firma Krupp auf ein neues Leuchtgeschoß, das mehrere bedeutsame Neueinrichtungen aufweist, ein Pa­tent erhalten. Das Leuchtgeschoß ist nämlich mit einem Fallschirm versehen, dadurch hält sich das

kann, ist sie zufiieden. Das ist alles, was solche Men­schen verlangen."

Ist Harald sehr traurig darüber, daß sie fort ist?" fragte Agnete leise, ohne Fräulein Sperre an­zusehen.

Sehr traurig? Wie kommst du auf den Gedanken! Im Gegenteil! Er ist ftoh darüber. Hoffen wir, daß ihre Wege fich nie wieder kreuzen mögen--

Vielleicht geschieht es doch, wenn ich tot bin und sie beide frei find."

Fräulein Sparre schüttelte den Kopf, daß die Haubenbänder flogen.

Das wird nie geschehen," sagte sie heftig.Jetzt füllst du Haralds Gedanken allein aus. Er vergißt nicht, was du für ihn gewesen bist, und was er dir schuldet."

Agnete sagte nichts mehr. Sie wünscht« nur, daß sie den bitteren Gedanken nicht auszudenken brauchte. Er störte ihren Frieden, und sie fühlt« sich so wohl in der gegenwärtigen vollkommenen Ruhe und bei der sorgsamen Pflege der beiden lieben Men­schen. Alles, was sie in der Zeit gepeinigt hatte, als sie gesund war und am Leben teilnahm, sollte jetzt vergessen sein. Ganz still wollte sie liegen bleiben und ihre letzte Stunde erwarten, so friedlich und still, wie der Tag an einem schönen Abend dahin­stirbt, wenn das Licht langsam erlischt.

Die Tür zum Eartenzaun ging auf. Es war Harald, der kam. Sie hörte, wi« er draußen im Vor­zimmer die Füße vom Schnee reinigt».

Tante Gertrud erhob sich.

Das beste ist, wenn ich gleich mit Harald spreche," sagte sie. Dann streichelte sie Agnete ermunternd die Wange, legte den Strichtrumpf zusammen und ver- kieß das Zimmer.

Der Sonnenstreifen war fort, und es fing an, in den Winkeln dunkel zu werben. Der Himmel glänzt« >olbigrot über den Hasen Wäldern, lege, Mene

Geschoß länger in der Luft. Bekanntlich habe« die Leuchtgeschosse, die zur Beleuchtung des Ge­ländes während des Kampfes zur Nachtzeit jetzt verwendet werden, den Nachteil, daß sie nicht lange genug in der Luft bleiben und ihre Leucht­kraft ausüben. Trotzdem die bisherigen Leuch- gefchosse schon ausgezeichnete Leistungen aufzu­weisen haben, würden sie ihrer Bestimmung noch mehr entsprechen, wenn es eine Möglichkeit gäbe, ihre Leuchtdauer, d. h. ihren Aufenthalt in der Luft, zu verlängern. Das neue Kruppsche Leucht­geschoß scheint diese Vorteile aufzuweisen, denn es ist mit einem Fallschirm versehen, der sich öffnet, sobald das Geschoß durch die Luft fliegt. Dadurch wird die Flugdauer vergrößert, da da» Geschoß langsamer zur Erde herniedergeht.

Geständig. Wilhelmshaven, 22. Dez. Der in die Landesverratsaffäre verwickelte Ober­signalmaat E. legte heute ein völliges Geständ­nis ab.

'Ausland.

** Aus Marokko. Madrid, 25. Dez. Ein amtliches Telegramm aus Melilla besagt, daß in dem Kampfe am 22. Dezember weitere vier Sol­daten verletzt und acht getötet worden find. Der Angriff, der Eingeborenen erstreckte sich auf di« spanische Front in einer Ausdehnung von fast 60 Kilometer. Am Mittag des 23. Dezember wurde das Gefecht von neuem ausgenommen. Paris, 26. Dez. Nach Blättermeldungen aus Madrid wird der Eesamtrerlust der Spanier in dem Gefecht von Taurizar auf 22 Tote, darunter einen Oberstleutnant, einen Hauptmann und zwei Leutnants, sowie auf 47 Verwundete ange­geben. Aus Larrasch wird gemeldet: Anläß­lich eines Wortwechsels zwischen einem französi­schen Journalisten und einem eingeborenen Die­ner kam es zwischen dem Ersteren und spanischen LfjiZicr:n, welche für den Eingeborenen Partei ergriffen, zu einem Streit, wobei einer der Offi­ziere den Journalisten mit einer Reitpeitsche schlug und ihn schließlich festnehmen ließ. Der frarL,<. Konsul bat über den Vorfall eine A::Versuchung eingeleitet. Nach einer Blätter­meldung aus Fes haben in der Gegend von Se- fru neuerdinT^ große Ansammlungen zweier au, udifchen Stämme stättgefunden, welche von der Besatzung von Sefru und mehreren aus Fe« a''gr^ond^en Reiter- und ^-^ruppsntabors mit beträchtlichen Verlusten in die Flucht geschlagen w:::d?n. Die Militärbehörde beschloß, die im Jt-ij.g der Juden n->n W«*>nes befindlichen Waf­fen- und Munitionsnorräte genau zu über­wachen, da man sie im Verdacht hat, Waffen­schmuggel zu treiben. Melilla, 24. Dez. Bei b-'*n Zusammenstoß mit der Harka, die am 22. Dezember den Kerthfluß überschritten hat, fiel auf feiten der Spanier ein Leutnant, während

Schatten glitten über den Schnee hin. Das Gezwit­scher der Vögel verlor sich in einem schläfrigen Piepsen.

Agnete wartete.

Als die Tür sich öffnete, verbarg sie bas Gesicht in den Kissen. Sie hörte Haralds Schritte. Dann beugte er fich über sie mit einem leichten Kuß auf ihre Hand, die auf der Decke lag.

Sie erhob den Kopf und blickte ihn mit einem schwermütigen Lächeln an. Weshalb hatte sie eigent­lich ihr Gesicht versteckt? Sie hatte ja keinen Erunb, sich zu schämen. Seine Liebe forderte sie ja nicht. Sie bat ihn nicht um bas Glück bes Lebens. Die» ihr, der Sterbenden, zu schenken, lag ja in keine« Menschen Macht. Sie bat nut um seinen Namen, um zum Dank dafür seine Zukunft sichern zu ton­nen, indem sie ihm alles gab, was sie besaß.

Ich bin dir so von Herzen dankbar," fuhr Harald fort, daß du daß du gern meine Frau werden möchtest. Ich verstehe es aber sehr wohl, daß du diesen Wunsch nur meinetwegen, aus reiner Güte zu mir hegst. Ich will nicht länger stolz sein, Agnete, ich will dein« große Gabe annehmen, obgleich ich dir keinen Gegendienst leisten kann. And doch etwa» habe ich vielleicht zu geben meine Fürsorge» meine Pflege und meine Liebe

Das Blut schoß ihr plötzlich warm in die Wangen, ihr« Lippen öffneten fich tn einem glücklichen Er­staunen. Was für ein Wort war es, bas sie gehört hatte, und was für ein Blick war es, der aus seine» Augen leuchtete? 6o hatte er sie noch nie ange­sehen. Hatte sie ihn jetzt gewonnen, jetzt, wo es M spät war? Ach nein, nein, es war wohl nur MG­leib, das ihm die Güte zu ihr einflöfrtc Es könnt» nicht anders sein seinetwegen.

(Fortsetzung folgt).