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und den Beilagen: »Mach Feierabend",Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage

/ vvt/uviiwmv ^vuu'ii mit dem Rreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Jo 302

iteCötrwnUAe äenung" eqc^emt laglrcy nnt tiu* . h h i cjtn> und Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 9.25 Jt lohne Bestellgeld), her unseren Zeitungkstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 '* frei in8 Hau». (Für unver­langt zugesandte Manuskripte überninnnt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Truck der Univ.^vuchdruckerei I. St. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 31. Telephon 65.

Marvurg

Sonntag, 24. Dezember

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46. Jahrg.

1911.

Erstes Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Weihnachten.

Di« den ganzen Erdball umspannende christlich« Religion kennt kein schöneres Fest als Weihnachten, das Fest der Geburt des Heilandes. Allüberall, wo sich Menschen finden, die sich zu Christus bekennen, mögen sie nun in Palästen oder in armseligen Hütten wohnen, mögen sie an Stätten der höchsten Kultur weilen, oder in gänzlich unzivilisterte Länder ver> schlagen sein, richtet sich am Weihnachtsfeste der Blick nach Bethlehem, von wo vor jetzt fast zwei­tausend Jahren bi« Botschaft des Friedens und der Liebe ausging, die dem Armen wie dem Reichen, den Dienenden wie dem Herrscher galt. Keinem Volke aber ist das Weihnachtsfest so ans Herz ge­wachsen, wie dem deutschen. Es gibt eben kein Fest, b^ei dem sein Sinn und Gemüt so ganz beteiligt sind, wie beim Weihnachtsfeste. Dieses Fest hat sich Kreise erobert, die dem Christentum sonst recht fern stehen, und wo nur ein Rest des alten Glaubens noch vor­handen ist, offenbart er sich zu Weihnachten. Und wenn sich das zumeist auch nur in Aeußerlichkeiten zeigt, so ist und bleibt doch immer ein gewisser Unter­ton vorhanden, der auch in diesem Falle an den christ­lichen Ursprung des Festes erinnert.

Weihnachten ist das Fest der Liebe, der christ­lichen Nächstenliebe. Wohl flutet auch in diesen Tagen das täglich« Leben unaufhaltsam fort, und dieses Leben, heißt Kampf, Kampf auf allen Ge­bieten, aber für die kurze Spanne des Festes besinnt sich doch wohl jeder auch darauf, daß dieser Kampf nicht Selbstzweck ist und sein darf, sondern nur die Betätigung des Strebens, für die Allgemeinheit und dadurch auch für jeden Einzelnen das Best« zu «r- ringen. Wo dieser Gedanke in Vergessenheit geraten ist, wo er von Selbstsucht und Eigennutz überwuchert zu werden droht, da mahnt das Weihnachtsfest, zur Einkehr und Umkehr. Auch in dem politischen Kampf, der gerade jetzt, zur Weihnachtszeit, die deutschen Gauen durchtobt. Der Gottesfriede des Weihnachts­abends wird und kann ja nicht lange währ«n, aber er sollte doch ausreichen, auch mit Bezug auf diesen politischen Kampf dem Gedanken nachzugehen, was dem deutschen Volke am besten frommt, um auch in politischen und wirtschaftlichen Dingen den Sinn der Botschaft von Bethlehem zu erfüllen.

Daß das nicht durch das Niederreißen alles Be­stehenden, durch die Aussaat von Haß und Feind­schaft zwischen den verschiedenen Bevölkerungsklasien, durch Verhetzung der einzelnen Stände und Gewerbe gegen einander geschehen kann, sondern nur durch eine vorsichtige Ausgleichung der immer vorhanden gewesenen und niemals ganz verschwindenden Gegen­sätze, durch eine sorgsame Bereinigung der Pflege des

32 < verboten.)

Agnete Kaas.

Roman von Anna Baadsgaard.

Deutsch von Bernhard Mann.

(Forts ehnng.)

So? Du bist also mit der Scheidung einver­standen? Dann beabsichtigst du wohl, dich mit Sparr« zu verheiraten?"

Tholander hatte sich nach Lotte umgewandt. In seinem durchdringend fragenden, eifersüchtigen Blick lag ein Funke seiner früheren Liebe zu ihr.

Lotte aber achtete nicht darauf. Claus Tholander und seine Gefühl« für sie waren ihr vollständig gleich­gültig. Sie schüttelte den Kopf und lächelte bitter.

Ach nein, du sollst sehen, daß er mich, wenn es darauf ankommt, nicht haben will. Es geht mit ihm wie mit Gösta. Ich bin ihnen gut genug, am eine Zeit lang mit mir zu spielen. Sobald sie mei­ner überdrüssig werden, gehen die Männer aber zu den Idealen. Ich bin keine Ideale mehr"

Sie fühlte plötzlich zu ihrem eigenen Erstaunen, daß ihr Tränen in die Augen traten. Sie sentt« den Kopf und hielt die Hände vor das Gesicht.

In einem Augenblick der Selbsterkenntnis sah sie, wie ihr Leben verspielt war. Si« hatt« es nicht verstanden, auch nur einen Menschen an sich zu fes- sein, nicht einmal ihn, den sie doch geliebt hatt«, so wie sie zu lieben vermochte, und um deswegen jetzt ihre Eh« geschieden werden sollte. Vor ihr lag eine Zukunft voller Reu« und unnützer Selbstvorwürfe, vielleicht auch voller neuer Liebesabenteuer. Viel­leicht würde sie immer tiefer und tiefer finken, fie, die doch ein unschuldiges und heiteres junges Mäd­chen gewesen war, als sie auf ihrem ersten Ball mit Harald tanzte.

Lotte wußte nicht, wie lange sie dagesessen und geweint hatte. Als sie schließlich aufblickte, war fie allein im Zimmer. Ihr Mann war gegangen, Gösta «var gegangen. Keiner von ihnen hatte es der Mühe wert gehalten, sie zu tröste«. |

10. I

Große weit« Ebenen, wo der Sch«« langsam und 1

historisch Gewordenen mit besonnenem Fortschritt, ist klar. Nur wo dieses Streben vorhaiäen ist, darf auf einen Erfolg gerechnet werden, der sich auf festen Boden gründet und Dauer verheißt. Aber wo bildet heut« noch dieses Streben die Grundlage der politischen Betätigung? Der Blick auf das Ganze und auf eine weitere Zukunst ist den meisten ver­loren gegangen, und daher auch im letzten Grund« di« Verwirrung in politischen Dingen di« unser Volk durchz'eht.

Wohl ist «g möglich, daß fortgesetzte äußere Ver­hetzung in Lagen, di« so recht dazu geeignet scheinen, einmal einen Erfolg hat. Da» Weihnachtsfest er­innert uns aber daran, daß sich die Erundkräste der Menschenseele nicht wegdisputieren lassen, daß find die religiösen und die vaterländischen. Diejenigen, die sie gering einschätzen oder gar als Privatsache aus dem öffentlichen Leben verschwinden machen wollen, weil si« ihrer Arbeit unbequem find, werden erkennen müsien, daß fie das Volk selbst, wenigstens unser deutsches Volk und sein« Seele nicht kennen.

Weihnachten mahnt uns, daß di« Pflege dieses Geistes zu den Dingen gehört, die Bestand haben. Vorwärts" geht unser Weg, das alte lleberlebt« muß nach ehernem Naturgesetz dem lebens­kräftigen Neuen fallen, das lehrt in erster Linie auch die Geschichte des Heilandes, besten Eeburtsfest heute von der Christenheit gefeiert wird und der Religion, die er gebracht hat. Aber sie lehrt ruch, daß das schöne und wahre trotz manches zeitlichen Verdunkelung immer wieder sich durchringt und nur umso glänzender in die Erscheinung tritt. Das find die Worte, die uns niemand rauben kann, und die in den deutschen Weihnachten beschlossen liegen.

Der Krieg um Tripolis.

Konstantinopel, 22. Dez. Nach einer Depesche des Oberbefehlshabers vor Tripolis versuchten die in Zanzur befindlichen Italiener die türkische Telegraphenleitung in der Nähe von Zanzur zu zerstören, mußten sich jedoch in­folge des Widerstandes der Türken und Araber nach Zanzlrr zurückziehen. Am nächsten Tage griffen die Türken und Araber Zanzur an. Die Italiener mußten die Stadt räumen und ver­loren 48 Tote, darunter 3 Offiziere und hatten über 300 Verwundete. Auf Seiten der Türken und Araber fielen 9 Mann, verwundet wurden 40 Mann.

London, 22. Dez. Nach einer Lloydmel- dung aus Alexandria wurde der ägyptische Post­dampferNenzaleh", der sich mit 30 000 Pfund Sterling an Bord nach Hodeidah unterwegs be­fand/von dem italienischen KriegsschiffPu- glia" beschlagnahmt.

R o l, 22. Dez. Wie dieAgenzia Stefani" erfährt, ist die Meldung, daß italienische Kriegs- -.....=g====== '.£. ----- ==========

still vom blassen Himmel auf bi« weglose Debe fällt. Hier unb ba steckte ein halbvergrabenes Gebüsch seine blattlosen Zweige vor, als seien «s die Arme eines Ertrinkenben, bi« sich aus dem weißen Schneemeer herausstrecken. Durch bie Stille drang ber Klang von Glockengeläut«, ein Leichenzug kam über bie Ebene gezogen. Erst erschien er verwischt und undeutlich, wie kleine schwarze Punkte auf der weihen Schnee­fläche, nach und nach nahm das Schwarz« aber feste Formen an und wurde zu schwarzbehangenen Pfer­den vor einem Leichenwagen, zu schwarzgekleideten Männern und Frauen, die gebeugten Hauptes und mit gefalteten Händen in langen, stillen Reihen folgten.---

Signete schlief und träumte.

Wer war der Tote? Sie wußte es im Traum nicht, und sie konnte auch nicht in bie gebeugten Ge­sichter der Trauernden sehen. Die Kälte und Stille drang aber durch ihr ganzes Wesen. Sie fühlte, daß ihr die Glieder erstarrten, daß das Herz langsamer und langsamer schlug. Bald würde es sie wohl er­reichen, alles das Weiße, Kalte, Stille, und bie Glocken würben zu ihrem Begräbnis läuten.

Aber da, plötzlich welch ein Dust war das, der zu ihr drang? Sprangen dort Blumen im Schnee hervor, frische Frühlingsblumen? Wie stark st« dufteten, wie nahe ste ihrem Antlitz waren--

Sie erwachte und schlug bie Augen auf;

Fräulein Sparte stand an ihrem Bett. Sie hatte einen Blumenstrauß auf bie Decke zwischen bie durch­sichtigen Hände des jungen Mädchens gelegt. Weiße Hyazinthen, deren wachsbleiche Glocken sich vor Süße schwer beugten, und tiefblaue Veilchen, ganz dicht zu­sammen, von breiten grünen Blättern wie in einem Rahmen gehalten.

Habe ich dich geweckt, Kind?" fragt« Fräul«in Sperre.Das tut mir leib.

Ach nein, Tante Gertrud, es war gut, daß ich aufwachte. Ich hatt« einen so häßlichen Traum. Wi« entzückend die Blumen sindl Hat bet Gärtner In Stockholm sie gesandt?"

Nein, ste sind von Harald. Er hat fie in bet Stecht gekauft."

Da glitt ein leichter Freudenschtrnmer toet Ag-

schisfe vor Durazzo erschienen seien, vollkommen falsch.

Konstantinopel, 22. Dez. Auf der Pforte verlautet angeblich, daß die Türkei für die Abtretung des Hafens von Solum England folgende Bedingungen gestellt habe: Wohlwol­lende Neutralität Englands an der ägyptischen Grenze. England verpflichtet sich, eine italie­nische Flottenaktion im Archipel zu verhindern. England leiht der Türkei seine Unterstützung zur Durchsetzung der bekannten Forderungen an Italien, wonach Benghast türfische Provinz bleibt und Tripolis unter italienischer Verwal­tung, aber unter türkischer Oberhoheit verbleibt. Falls England diese türkischen Forderungen an­erkennt, woran man hier nicht zweifelt, wird die Türkei die Operationen gegen Italien in englische Antwort jedoch noch nicht eingegangen, englische Antwort jedoch no chnicht eingegangen.

Rußland und Persien.

Petersburg, 22. Dez. Von der Peters­burger Telegraphenagentur werden zu dem gestrigen Kampf zwischen russischen Truppen und Persern in Täbris noch folgende Einzelheiten gemeldet: Nachdem eine russische Patrouille in der Nähe des Hauses des Gouverneurs beschaffen worden war, eröffneten die Fidai ein Eewehr- feuer auf die russische Abteilung. Der Straßen­kampf dauerte bis in die Nacht. Die alte Zita­delle wurde bombardiert. Wegen der ernstlichen Gefahr für die russischen Untertanen bat der Generalkonsul um Verstärkungen. Aus Rescht wird derselben Agentur gemeldet: Gestern nach­mittag wurden russische Kosaken aus einem Hinterhalt beschaffen. An dem Uekierfall waren außer einheimischen Banden auch türkische Ar­menier, Gendarmen und Polizisten beteiligt, die qi^ dem Hause des Gouverneurs unter Leitung des Polizeimeisters schaffen. Die Angreifer wur­den aus dem Hinterhalt vertrieben und die Ka­rawanserei von den Ruffen genommen. Ein Teil der Angreifer versteckte sich in dem fran­zösischen Konsulat. Die Ruffen hatten keine Verluste. Bei den Persern wurden bei ihrer Entwaffnung russische Gewehre gefunden.

Petersburg, 22. Dez. Der persische Geschäftsträger erschien im Aus­wärtigen Amt und erklärte na­mens der Regierung, Persien nehme alle Forderungen des rus­sischen Ultima tu ms an. Der Mi­ni st er des Aeußern nahm von der Mitteilung Kenntnis.

r.etes Wangen ganz, ganz schwach, wie bas Licht ber Abenbröte über ben Schnee. Sie nahm ben Strauß auf unb atmete ben Dust ein. Ah, biefer Duft vom Frühling, von ber jungen, starken Lebenskraft ber Erde, bet sie aus ihrem Traum vom Winter unb Tob erweckt hatte.

Er wat jetzt gut zu ihr, Haralb. Währenb ber schlimmsten Zeit ihrer Krankheit hatte fie bisweilen in ben wenigen lichten Augenblicken, wenn bas Fieber fie verließ, fein Gesicht gesehen, daß sich voll Angst unb llenruhe über sie beugte, so daß fie am liebsten zu ihm gesprochen unb ihm gesagt hätte, er möge sich ihretwegen nicht sorgen. Sie sollte aber nicht sprechen, unb es fiel ihr auch schwer, bie Worte zu finden.

Jetzt ging es ja etwas besser. Es war aber nut eine kurze Frist. Sie wußte, bas sie Lungenblutungen hatte, unb baß ihre Brust angegriffen war. Im Grunde genommen trauerte fie nicht weiter darüber. Jetzt, wo bie Schmerzen nachgelassen hatten, ging es ihr ganz gut. Unb wie Tante Gertrud und Harald wetteiferten, ihre Wünsche zu erraten! Wenn diese Tage ihre letzten sein sollten, so waren ste jedenfalls licht und glücklich.

Sie fürchtete nicht mehr ben Tob, wie ste es ge­tan hatte, als er ihr seine erste Botschaft sandte. Nur etwas bedrückte ste, daß sie, ehe bie Geldfrage erlebigt war, aus biefer Welt scheiden könnte. Sie hatte nochmals davon angefangen, Harald war ihr ausgewichen. Wahrscheinlich fürchtete et, daß es fie zu sehr anstrengen würde. Jetzt hatte fie einen neuen Gedanken. Sie wußte, wie alles sich ordnen ließ, daß Haralds Zukunft gesichert war. Noch heute wollte fie mit Tante Gertrud über ihren Plan sprechen.

Wovon träumtest du denn, als ich dich weckte?" fragte Fräulein Sparte. Sie hatte sich mit ihrem Strickzeug an Agnetes Bett gesetzt. Da fiel ein schmaler Streifen Wintersonne ins Zimmer, unb bie Sperlinge piepten braußen im Garten unb träumten vom Frühling, obgleich bie Erde mit Schnee bedeckt wat. Die Schleife auf Tante Ger­truds Spitzenhäubchen nickte Im Taft mit ben rast- I losen Stricknadeln, bet wollige gaben glitt übet ihr« *

Politische Umschau.

Die erste Folge de» englischen Ueberfalloersuche» auf di« deutsche Flotte.

Der geplante Uebersall Englands auf die deutsche Flotte im Sommer dieses Jahres hat bereits die ersten bedeutsamen Folgen vonseiten anderer Mächte aufzuweisen, die sich durch der­artige unerhörte Dinge in ihrer staatlichen Sicherheit aufs höchste gefährdet fühlen unt Maßnahmen dagegen ergreifen. Besonders Nor- wegen ist in größter Unruhe und die militäri­schen Kreise erörtern die Sachlage. So weiß: Hauptmann Nörrgaard imMorgenbladet" auf die Folgen hin, die für Norwegen hätten ent stehen können, wenn beim Aufenthalt der deut­schen Flotte in norwegischen Eewäffern ein Krieg entstanden wäre. Der Angriff der eng­lischen Flotte auf die deutsche Schlachtflotte in den norwegischen Eewäffern hätte einen schweren Neutralitätsbruch bebeeNt und es ist anzuneh­men, daß Norwegen tzch für eine der beiden kriegführenden Parteien hätte entscheiden müs­sen. Eine Neutralität hätte Norwegen wohl kaum aufrechterhalten können. Die deutsch« Flotte hätte sich in den norwegischen Schären aufgehalten und dadurch die englische Flotte in Schach halten können. Hier hätte die brutsch« Flotte leicht Gelegenheit gefunden, die englischen Verbindungen zu beunruhigen und Zeit gehabt, die Angriffe vonseiten Englands abzuwarten. Norwegen wäre aber im Jntereffe der Neutra­lität gezwungen gewesen, die deutschen Kriegs­schiffe aufzufordern, die norwegischen Gewässer innerhalb 24 Stunden zu verlosten. Die deutsche Flotte hätte dies natürlich nicht getan, so daß Norwegen in die schwerste Gefahr gekommen wäre. Aus diesem Grunde geht ein Sturm der Entrüstung durch ganz Norwegen, der sich gegen die englische Hinterlist und Freibeutermanier wendet. Diese Entrüstung gegen England hat bereits mehrere feste Pläne gezeitigt. Neben der Bildung einer Flottenvereins geht die nor­wegische Regierung daran, die Befestigungen auszubauen und das ganze Verteidigungswefen bedeutend zu verstärken. Die Flotte wird durch zwei neue Panzerschiffe und vier Unterseeboote ergänzt werden. Es werden fernerhin Maß­nahmen getroffen werden, die zur Unterstützung der norwegischen Flotts in einem ähnlichen Falle, wie in diesem Sommer, dienen werden. Die Küstenbefestigungen der wichtigsten Art sol­len verstärkt und neue sollen zu den bisher be­stehenden errichtet werden. Außerdem sollen zwei neue Flottenstatiönen angelegt werden.

knochigen Finger. Das Birkenholz im Karnin knit­terte unb buftete. Hatalbs Blumen waren in Waste« gefetzt unb standen auf einem Tisch am Fenster. Signete konnte fie sehen, ohne ben Kopf vom Kisten zu erheben.

Ich träumte, baß ich über große Schneefelder schaute, da begannen bie Kirchenglocken zu läuten unb ein Leichenzug kam vorbei. Das bedeutet wohl, daß ich bald sterben muß."

Nein, liebes Kind, glaube das nicht!" sagte Tante Gertrud eifrig.In jedem Traumbuch wirst bu fin­den. baß ein Leichenzug Hochzeit bedeutet."

Agnete lächelte schwach.Vielleicht kann es beide» bedeuten," sagte sie.Beides, Hochzeit unb Tod "

Sie lag mit geschloffenen Augen ba unb ließ bie Spitzen des lleberzugs durch ihre Hände gleiten. Dann begann fie wieder mit unsicherer Stimme:

Tante Gertrud, ich habe in ben letzten Tagen einen Gedanken gehabt. Glaubst du, daß Harald mich jetzt heiraten würde?"

Aber Kind, wie kommst du so plötzlich daraus!" Fräulein Spane ließ in ihrem Erstaunen das Strick­zeug sinken unb starrte Agnete mit weit aufgeriffenen Augen an.

Ich meine bes Geldes wegen. Bin ich feine Frau, so erbt er alles, was ich besitze. Und bu kannst es mir wohl nachfühlen, daß ich mein von ben El­tern ererbtes Vermögen in bie Hände desjenigen legen möchte, den ich liebe. Ich könnt« ja zu Harald» Gunsten ein Testament machen. Doch fürcht« ich, daß meine englischen Verwandten es angreifen würden, unb daß baraus ein langwieriger Prozeß entstehen könnte, der vielleicht auch noch zu Haralds Ungunften entschieden würde. Die Rechtsgültigkeit unserer Eh« aber würde niemand anfechten können. Dabei läuft Harald keine Gefahr, daß er sich längere Zeit an mich fettet. Schon in wenigen Wochen wird et frei unb unabhängig sein."

Sie sprach ruhig unb leife, ohne ein« Sput von Bitterkeit. Tante Gertrud hatte ihr Tuch aus bet Tasche gezogen unb war eifrig damit beschäftigt, ihr« Brille zu putzen.

(Fortsetzung folgt).