mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: »Flach Feierabend", »Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage"
M 300
Die „Cberlitfhfdie Zeitung- er,che»nl tagUch mit «uq»c!0 nt o« e> nn« und Feiertage. — Der Bezugspreis betrügt vierteljährlich durch die Post bezogen S.25 Jl lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei ins Hau?. (Fü, unser» langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Freitag. 22. Dezember
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46. Jahrg.
1911.
Erstes Blatt.
Sie besetzen weiter.
Die gestern gemeldete Besetzung von Solum hat allenthalben großes Aufsehen erregt. Die Italiener sind natürlich entrüstet über das Vorgehen Englands: Ist doch der Hafen von Solum nächst dem von Alexandria der beste an der ganzen südlichen Mittelmeerküste und daher für den von den Italienern besetzten Hafen von Tobruk ein sehr gefährlicher Rivale. Hervorzuheben ist noch, daß das Gebiet von Solum nicht als zu Aegypten gehörig anzusehen ist, denn die Türkei Hai einen Anspruch Aegyptens in diesem Sinne nie anerkannt. Aegypten, oder was dasselbe ist, England hat einen Teil des Gebiets, das Italien am 5. November feierlich annektiert hat, mit Beschlag belegt, vorläufig bis zur Beendigung des Krieges. Siegt dann Tripolis, so wird es englisch, behält die Türkei die Oberhand, so bleibt es ägyptisch. Beides aber läuft auf dasselbe hinaus, nämlich Englands Macht zu vergrößern. Sehr nett liest stch, was sich die „Times" aus Kairo melden laßt. Sie schreibt, daß über die Solum-Frage kürzlich ein Meinungsaustausch zwischen der Pforte und Aegypten stattgefunden habe, als dessen Folge die Türkei das Recht Aegyptens auf vorläufige Okkupation von Solum während der Dauer des Krieges anerkannte und den Abzug der wenigen türkischen Soldaten anordnete. Am Montag gingen'80 ägyptische Soldaten unter einem britischen Offizier nach Solum ab. Dies sei nötig, um den Schmuggel von Waffen für die Türkei in Tripolis zu verhindern. (!) Wenn letzteres als Grund für die Besetzung richtig wäre, so würde die Türkei kaum gerade jetzt in die Zession gewilligt haben, zu der sie bisher niemals bereit war. Auch die vom britischen Auswärtigen Amt veröffentlichte Erklärung, wonach die an die Entsendung der Truppen geknüpften Kommentare übertrieben seien und nur der Wunsch obwalte, einen Grenzposten in Solum zu errichten, klärt die Lage wenig auf.
Aber noch nicht genug, daß das von Italien beanspruchte Gebiet von Tripolis und der Eyre- neika an der ägyptischen Grenze verkleinert wird, auch nach dem Westen hin scheinen sich der Ausdehnung des neuitalienischen Gebietes ge- wisie Schwierigkeiten in den Weg zu stellen. Nach einer Pariser Depesche haben französische Truppen die Oase schanet besetzt, „um die Sicherheit des westlichen Afrikas ebenso wie die von Algerien und Tunis in jeder Hinsicht gewährleisten zu können".
Von französischer Seite wird hierzu offiziös gemeldet: Diese Maßnahme sei durch den Abmarsch der türkischen Truppen von Chat nach
81 ' ' >Ti'ä verboten.)
Aqnete Kaas.
Roman von Anna Baadogaard.
Deutsch von Bernhard Mann.
(Fortsetzung.)
Tholander murmelt« einen Fluch zwischen den Föhnen.
„Nun, ich sollt« doch meinen, daß zwischen Männern und Frauen in dieser Beziehung ein Unterschied ist. Mein« Vergangenheit geht dich nichts an, aber deine--— Ich hätte mich dafür bebanft, dich zu
heiraten, wenn ich gewußt hätte, daß du dich schon von einem anderen Mann« hast küsien und umarmen lasten, und daß du gleich beim ersten Wiedersehen wieder mit ihm anbinden würdest----
Weshalb hast du Spar« nicht geheiratet, in den du wohl verliebt warst---nud vielleicht heut« noch
verliebt bist?"
Lotte zuckte di« Achseln.
„Er hatte kein Geld," sagt« fi« in gleichgültigem Tone.
„Und das hatte ich. Du hast mich also nur des Geldes wegen genommen. Das ist ja nett! — Und »nsereins geht hier umher und opfert sein« besten Gefühle einer Frau deiner Art, einer herzlosen Kokette, einer---"
„Seine besten Gefühle!" wiederholt« Lotte höhnisch.
„Ja, verspotte mich nur. Bisher hast du mir all« Peine Liebe und Aufopferung nur mit Spott und pohn gedankt. — Ich wäre vielleicht ein besterer Mensch geworden, wenn ich eine liebevolle Frau bekommen hätte! Du machst mich aber rasend, du kufft alles Böse in mir wach. Ich geh« deti«tweg«n ßlgrund«."
dem Norden von Tripolis veranlaßt worden, da infolgedesten in der Gegend Unruhen zu befürchten gewesen feien. Die Besetzung Djanets durch die französischen Truppen sei übrigens nur vorübergehender Natur (!). Seit langem erheben sowohl die Franzosen wie die Türken Anspruch auf diese Oase.
Diese „vorübergehenden" Besetzungen sind zur Genüge bekannt, als daß man glauben könnte, daß die Franzosen die Oase wieder ver- I lasten würden. Es stellt stch jedenfalls als Tat- I fache heraus, daß England sowohl wie Frank- | reich es wieder einmal meisterhaft verstanden haben, die gegebenen Verhältniste auszunutzen und im Trüben zu fischen. Sie lasten niemandem einen Quadratmeter Land, sie erhalten denn einen großen Teil davon ab. Und Deutschland?! Deutschland schafft „friedliche Ausgleiche" und bemüht stch, die „Interesten" anderer Länder ja nicht zu berühren. Zum Danke dafür werden Deutsche in Italien boykottiert und in der Türkei die herbsten Verdächtigungen gegen Deutschland ausgesprochen. Sehr richtig schreibt die „Post": „Sowohl in Italien wie auch in Konstantinopel wird man nun wohl bald einsehen, daß es ein gar gefährliches Ding ist, sich freundschaftlicher Zuneigungen gegenüber den Westmächten zu befleißigen. Sowohl England wie Frankreich, die beide nicht genug tun können, in Rom und Konstantinopel ihre Freundschaft anzupreisen, nutzen die Lage nach Kräften aus, um türkisches Gebiet, das der Apenninenstaat schon „annektiert" hat, einfach ihren Taschen verschwinden zu lasten. Peinlich für Rom sowohl wie für Konstantinopel, für ersteres allerdings in weit höherem Maße. Ob man in Rom aus diesen Erfahrungen die richtige Folge ziehen und rückhaltlos sich dem Dreibund anvertrauen wird, darf allerdings füglich bezweifelt werden. Auch die Türkei scheint sich lieber allmählich auffresten zu lasten, als den einzig richtigen Weg, den Anschluß an die beiden mitteleuropäischen Kaiserstaaten anzustreben, zu betreten."
Weiter liegen noch folgende Meldungen vor: Konstantinopel, 20. Dez. Der „Tanin" erfahrt zu der Solum-Frage, daß nach vor- aufgegangenen Unterredungen zwischen den Vertretern der ägyptischen und der türkischen Regierung beschlossen worden ist, Solum bis zur Beendigung des türkisch-italienischen Krieges durch Aegypten provisorisch militärisch zu besetzen.
T r i p o l i 9, 20. Dez. („Agenzia Stefani".) Gestern morgen nahmen zwei Bataillone Ber- saglieri, ein Bataillon Grenadiere und eine Abteilung Gebirgsartillerie eine Rekognoszierung von Ain Zara nach Birtobras vor. Durch feindlichen Widerstand kam es zu einem Kampf, der _.i _ ui j ______ '«.. ___l1
Tholanders Stimme klang jetzt heiser und weinet- lich, und Tränen traten ihm in die hellblauen Augen. Lotte blickte ihn mit eisiger Verachtung an. Plötzlich streckte sie die Hand aus und zeigt« auf sein« Westentasche.
„Du hast dort ein Taschentuch," sagt« fi«. „Es wäre ganz gut, Claus, wenn du dir die Augen trocknen und — die Rase putzen wolltest."
„Lotte!" Er stampfte mit dem Fuß« erbittett auf den Boden. „Nimm dich in acht, daß du mich nicht zum Aeußersten treibst! Selbst meine Geduld hat Grenzen. Ich könnte sonst auf den Gedanken kommen, mich zu rächen — an euch beiden zu rächen."
Lotte war ganz bleich geworden. Sie holt« tief Atem und wandt« den Kopf ab.
„An ihm hast du dich wohl schon gerächt," sagt« fi« leise.
„Sieh, da hab« ich dich an der wunden Stell« getroffen! Jawohl — ich besitze von ihm einen Schuldschein, in dem er sich verpflichtet, mir ein« Summe zu zahlen, di« er, der arme Schlucker, unmöglich auf« treiben kann Er ist also in meinen Händen, und ich werde ihn baldmöglichst auf die Landstraße setzen."
„Dann wirst du wohl auch falsch gespielt haben." „Was unterstehst du dich! Du beschuldigst mich des Falschspiels?" Er packte fie fest am Arm. „Wage es nicht, das noch einmal zu sagen."
„Laß mich los, Claus — es schmerzt."
„Laß es nur schmerzen Du verdienst, daß ich dich wie einen Hund peitsche, du — du —“
Er stand über fie gelehnt und hatte ihr« Schultern mit eiserner Faust umklammert, während er ihr mit einem wütenden zornerfüllten Blick ins Auge schaut«. Sie zitterte vor Angst, bewahrt« aber ihr« äußer«, sich«re Ruhe.
„Ich rufe um Hilfe, wenn d» mich nicht losläßt," sagte fi« leife und deutlich.
mit dem Rückzug des Feindes endete. Die italienischen Truppen verbrachten die Nacht auf dem Platze. Um gegen alle Möglichkeiten geschützt zu sein, wurden drei weitere Bataillone und eine gemischte Brigade mit zwei Feldbatterien als Verstärkung dorthin gesandt. Heute morgen vor Sonnenaufgang wurde noch ein Regiment Kavallerie aus Florenz auf den Kampfplatz geschickt. Da jedoch der Feind verschwunden war, kehrten alle Truppen gegen 9 Uhr nach Ain Zara zurück.
Deutsches Reich.
— Ernennung. München, 20. Dez. Der Prinzregent ernannte den Kriegsminister Grafen Horn zum Bevollmächtigten Bayerns zum Bundesrat.
— Zusammentritt des neuen Reichstages. Berlin, 20. Dez. Eine hiesige Korespondenz wirft die Frage auf, wann der nächste Reichstag zusammentreten werde. Beschlüste über den Tag des Zusammentrittes sind noch nicht gefaßt. Nach der Verfastung muß der Reichstag spätestens 60 Tage nach seiner Auflösung versammelt werden. Der späteste Zeitpunkt würde also für das Zusammentreten des neuen Reichstages der 7. März sein. Was den früheren Zeitpunkt des Zusammentrittes anlangt, so wird es darauf ankommen, wann die Stichwahlen statt- finden werden. Ist es richtig, daß sie im allgemeinen am 25. Januar vorgenommen werden sollen, so würde der Reichstag frühestens am 7. Februar zusammentreten können, da die amtliche Ermittlung des Stichwahlergebnistes nicht vor dem 29. Januar stattfinden könnte und da den gewählten Abgeordneten eine Frist von acht Tagen zur Erklärung gekästen werden muß. Daß der Reichstag möglichst früh zusammentreten wird, liegt auf der Hand. Man wird also annehmen dürfen, daß er etwa für den 7. Februar einberufen werden wird.
— Einen Aufruf zur Bildung eines deutschen Wehrvereins erläßt der bekannte General Keim. Dieser wendet sich gegen die Bestrebungen internationaler Verbrüderung, deren Organisationen er ein Gegengewicht schaffen will. Als vornehmste Forderung bezeichnet der Aufruf die Ausdehnung der Dienstpflicht auch auf die Ersatzreserve) auch verlangt er Abhilfe gegen die Ueberalterung des Offizierkorps. Der Wehrverein soll unabhängig sein nach jeder Richtung. Er soll alle Kreise und Schichten unseres Volkes ohne Unterschied der Partei und der Konfession aufweisen.
— Nochmals die Agitationshasen. Weimar, 20: Dez. In der gestrigen öffentlichen Sitzung des Weimarer Eemeinderats nahm der Vorsitzende, Geh. Kommerzienrat Döllstedt, Veranlassung, die von dem Landtagsabgeordneten Baudert in der letzten Sitzung getane Aeuße-
„Tue es nur, es ist niemand da, der dich hört."
Kaum hatte er dies gefatg, als di« Tür geöffnet wurde — Gösta stand da in hohen Stiefeln und mit der Peitsche in der Hand, frisch gerötet von dem Ritt im Schneewetter. Einen Augenblick blickte er die beiden mit seinen hellen, blauen Knabenaugen erstaunt an. Dann wurde es ihm klar, daß Tholander sein« Gattin mißhandelt«, und kurz entschlosten eilte er hinzu und stellte sich drohend mit erhobener Peitsche hinter Lottes Stuhl.
Tholander ließ den Arm sinken und blickte Gösta mit einem spöttischen Lächeln an.
„Aha — gehört der auch zu deinen Verehrern?" fragte er seine Frau.
Lotte holte erleichtert Atem und ließ stch mit halb- geschlofienen Augen in den Stuhl zurücMnken.
„Ach, nein, ich glaube vielmehr, daß Gösta mir untreu geworden ist," sagte fie mit einem nervösen Lachen. „Es scheint mir, als schwärme et für die hübsche Pfarrerstochter mit den blonden Zöpfen."
Gösta wurde feuerrot. Ihm war es unangenehm, aus Lottes Munde Margits Namen zu hören. Nicht mir, weil sein Geheimnis verraten wurde, sondern auch, weil er instinktiv den großen Unterschied zwischen den beiden Frauen herausfühlte. Di« kleine Margit mit dem offenen klaren Blick! Ein reines, männliches Bedürfnis, fie zu beschützen und zu verteidigen, erwachte in ihm. Soweit es in seiner Macht stand, sollte fie nie das Häßliche und Roh« im Leben kennen lernen.
„Wer war übrigens Fräulein Heidens Mutter?" fuhr Lotte boshaft fort. Die Frage sollte eine Strafe für Göstas Abtrünnigkeit fein.
Margits Mutter — ja, was war es denn nur mit ihr? Es war von ihr gemunkelt worden, den Sinn hatte er aber nicht verstanden. Auch hatte man niemals in {einer Gegenwart von einer Fra« Pastor
rung bezüglich der Vergrabung von über 100 Hasen durch das Eroßherzogliche Hofjagdamt als eine tiefbedauerliche zu bezeichnen, zumal an der ganzen Sache kein wahres Wort fei. Der Erste Bürgermeister Dr. Donndorf gab eine ebenso das ganze Verfahren des sozialdemokratischen Eemeindevertreters verurteilende Erklärung im Namen des ganzen Eemeindevorstandes ab. Baudert mußte zugeben, die von ihm bestrittene Aeußerung getan zu haben und erklärte, von seinem Gewährsmann düpiert zu sein.
— Den Uebermut in der dänischen Partei kennzeichnet die heftige Tonart ihres eben erschienenen Wahlaufrufs. Sie hält die alte Losung des Protestes aufrecht, welche umschreibend die Lostrennung von Preußen-Deutschland fordert. Außerdem zeigt sich der Uebermut der schleswigschen Iredenta in der scharfen Bearbeitung, welcher der Kreis Flensburg durch Wahlversammlungen unterzogen werden soll, sowohl auf dem Lande, wie auch in der Stadt Flensburg selbst, wo sich eigentlich von Dänen nur ein kleiner Stamm eingewanderter Arbeiter findet. Das sind Zeichen, daß die Dänen in Flensburg ernstlicher als feit geraumer Zeit auf wirklichen Stimmenfang in der Arbeiterklasie ausgehen wollen. Die Angriffslust der Partei scheint im Wachsen zu sein.
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Ausland.
* * Ein neues Motuproprio. Rom, 20. Dez. „Osservaiore Romano" veröffentlicht heute abend ein Motuproprio des Papstes, wodurch das Brevier reformiert wird.
* * Die spanisch-französischen Verhandlungen. Madrid, 19. Dez. „Correfvondencia de Espana" und „Correspondencia Militär" glauben zu wissen, daß der Minister des Aeußern Garcia Priesto heute dem französischen Botschafter Geofsray ein Dokument zustellen sollte, das den spanischen Standpunkt bezüglich Marokkos dar- legt. Das Dokument fei verfaßt worden, nachdem die französischen Vorschläge genau geprüft worden seien und nachdem Ministerpräsident Canalejas und der Minister des Aeußern Ear- cia Prieto zuvor die bedeutendsten Staatsmänner und Diplomaten, die ehemaligen Ministerpräsidenten sowie die Führet aller parla- mentarischen Gruppen zu Rate gezogen hätten. Auch Oberst Sylvester sei um Rat angegangen worden. ,
* * ei« russisch-türkischer Konflikt. Köln. 20. Dez. Die „Köln. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Amtliche türkische Meldunoen stellen fest daß in ein Gebiet, das seit den sechziger Jahren zwischon der Türkei und Persien streitig ist und zum Teil in den letzten Iabren von türkischen Truppen besetzt wurde, russische Tr-ippen eingerückt find. Die türkischen Truppen erbiel-
------- - - - - - — — ~"1 Heiden gesprochen. Der junge Mensch blickte verwirrt zu Herrn Tholander auf. der plötzlich und ganz unerwartet feine Partei ergriff.
Mach' dir deshalb keine Sorg«, mein Junge. Er "klopfte Gösta kameradschaftlich auf die Schulter. Das Mädchen kann sehr brav fein. Es kommt schließlich alles auf das Herz an. Auf das Herz, vergiß das nicht, Gösta Sandell. Der Mann, der ein herzloses Weib hat, muß zugruckde gehen."
„Bravo, Claus, bravo. Als Gemütsmensch habe ich dich bisher noch nicht kennen gelernt. Vielleicht wirst du auf deine alten Tage sogar noch häuslich.
.Ich wäre immer häuslich gewesen, wenn ich nur die'Frau gehabt hätte, die mir eine gemütlich« Häuslichkeit zu schäften verstand. So. wie du es jetzt treibst, halte ich es mit dir nicht länger aus. Ich werde ohne Verzug nach Haufe fahren und die Scheidungsklage einreichen."
„Damit erfüllst du meinen höchsten Wunsch. Gösta ist Zeuge deiner Worte.
Gösta blickte ganz verwundert von dem einen zum andern. Allerdings hatte er auch schon manchen unerquicklichen Auftritt zwischen seinen Eltern er. lebt, noch nie hatte er aber zwei Menschen gesehen, die sich mit fo haßerfüllten Blicken ansahen wie hier das Ehepaar Tholander. Eine unbestimmte Angst vor dem Leben ergriff ihn. Es gab so viel Trauriges und Schlechtes, das man kaum ahnte. Diese schön« Frau Tholander, für die er zwei lange Monate geschwärmt hatte, was für eine Frau war sie eigentlich? Konnte man sich so an einem Menschen irren? — Ja, Margit war ganz anders. Auf sie konnte man fichver lasten. Schon ihr Händedruck war ehrlich und fast wie der eines Mannes
Bei dem Gedanken an ihren Händedruck und ihr lichtes Lächeln wurde ihm ganz warm »ms Herz.
| (Fortsetzung folgt).