mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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und den Beilagen. „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Kandwirtlchastliche Beilage«.
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Marburg
Freitag, 15 Dezember -
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46. Jahrg.
1911.
Erstes Blatt.
Frankreichs Offensive
gegen Deutschland.
Nach der Auffassung weiter Kreise soktte der Hauptwert des nun definitiv zum Abschluß kommenden Marokkovertrages darin liegen, daß sich zwei sich so diametral gegenüberstehende Mächte friedlich über einen heiklen Konfliktsstosf geeinigt haben. Diese Auffassung mag auf den ersten Blick etwas für sich haben, sie wird leider durch die Tatsachen nicht gerechtfertigt. Es ist doch bezeichnend, daß vor einigen Wochen zur Zeit des Abschlusses des Abkommens der aktive französische Oberst Boucher innerhalb kurzer Zeit zwei Schriften erscheinen ließ, die sich mit der Offensive Frankreichs gegen Deutschland im Falle eines Krieges befassen. Erlegt« die erste „Das siegreiche Frankreich im Krieg« von morgen" weit über die Fachkreise hinaus Aufmerksamkeit. so gelang es Boucher mit seiner zweiten Schrift: „Die Offensive gegen Deutschland" in Deutschland, Frankreich und England großes Aufsehen zu erregen. Man hätte den privaten Ausführungen des frz. Obersten wohl weniger Beachtung geschenkt, wenn man bei ihm nicht die Benutzung amtlicher Grundlagen vermuten könnt«, da er längere Zeit Chef des Operationsbureaus im Generalstabe war. Die Schriften, die in ihrer Tendenz und ihrer zweifelhaften Beweisführung stark an die vor einigen Wochen erschienenen abfälligen englischen Kritiken in der „Times" des deutschen Kaisermanövers erinnern, gehen von den politischen Ereignissen des letzten Sommers aus. Der Verfasser siebt in der Entsendung des „Panthers" nach Agadir, „die als geschickter Schachzug bezeichnet wurde, einen der schwersten Fehler, an dessen Gewicht Deutschland lange zu tragen haben wird." Sie soll „aom ersten Tage an die Veranlassung zu einem finanziellen Bankerott und einer völligen Kopflosigkeit des deutschen Volkes geführt haben". Herr Boucher sucht nun, um feinem Volke Mut zumachen, zu beweisen, daß die deutsche Armee gar nicht so schlimm sei, wie sie immer hingestellt werde. Zunächst erwartet er im Falle einer Mobilmachung den Generalstreik der Sozialdemokraten. Davon scheint er sich schon ziemlich viel zu versprechen. Dieser erste seiner Rechenfehler ist allerdings weniger auf sein Konto als auf das unserer Genossen zu setzen. Dann scheint der Herr Oberst auch recht wenig aus der Geschichte des letzten Krieges gelernt zu haben, denn er glaubt damit rechnen zu dürfen, daß di« süddeutschen Bundes st aaten unsicher« Kantonisten werden. Im Gegensatz dazu aber soll infolge des Marokkohandels ganz Frankreich einmütig beieinander stehen und in Mariannes Land ein« noch nie dagewesene Einigkeit in der Kriegsstimmung herrschen. Daraus schließt Boucher, daß di« französische Armee diesmal viel sicherer und mit größerem sittlichen Werte in den Krieg ziehen würde als 1870.
Auf Hilfe anderer Mächte habe Deutschland fast gar nicht zu rechnen. Italien ist gebunden in Tripolis und Oesterreich laßt feinen Bundesgenossen im Stiche, da dies ja nur zur Unterftüung verpflichtet ist, im Fall daß Frankreich Deutschland angreife. Nach Herrn Bouchers Ansicht aber ist es stlbstverständlich, daß Deutschland der angreifend« Teil sein wird. Rußland und England stehen natürlich fest auf der Seite von Frankreich. Dies alles soll nun Deutschland zwingen, seine an sich gefürchtet« Armee zu teilen, indem nämlich dar 1., 17., 5. und vielleicht auch das 6. Armeekorps zur Sicherung der Ostgrenze nötig wird, sodaß di« deutsche Heeresleitung im Kriege gegen Frankreich nur 19 Korps, denen 21 französisch« entgegengestellt werden könnten zur Verfügung stehen. Dies rechtfertigt nach Bouchers Ansicht eine sofortige Offensive gegen Deutschland Auf eine Hilfe eines eventuellen englischen Landungskorps leistet er dabei sogar Verzicht. England muß aber auf jeden Fall dazu beitragen, die garstige deutsche Flott« zu vernichten. Sei dies geschehen, so würde die kombinierte französisch-englisch« Flotte, die Oesterreichs und Italiens im Mittelmeer im Schache halten, notabene, roenn dies überhaupt nötig sein wurde. Sollt« nun ab«r Deutschland bei einem Krieg« die Neutralität Belgiens nicht achten und etwa versuchen, durch dieses Land in Frankreich einzudringen, so würde dies ihm auch nichts nützen, im Gegenteil. Die Belgier ständen natürlich — tun einer Annektion seitens Deutschlands zu entgehen — auf Frankreichs Sette.
Nach einer eingehenden Erörterung der belgischen Organisation kommt Boucher zu dem Schluß, daß die Deutschen mindestens 2 Korps gegen Lüttich und Namur stehen lassen müßten und dann am 14. Mobilmachungstage mit 5 Korps an Der belgischfranzösischen Grenze an den Ardennen eintreffen könnten. Inzwischen wären hier aber 8 franzöäsche Neservedivifionen aufmarschiert, auch die 4 belgischen starken Felddioistonen würden inzwischen in der rechten Flanke der Deutschen erscheinen, deren 20 Brigaden nun hier von den 24 französischen und 12
belgischen Brigaden „ein deutsches Sedan, ganz nahe dem französischen Sedan bereitet wird".
In Lothringen würden dann also 13 deutsche Korps 21 französischen gegenüberstehen. Schon am 16. Mobilmachungsrage hätten dann di« Franzosen die Deutschen vernichtet und aus Lothringen hinausgeworfen. Aber auch wenn Deutschland sein« Kräfte nicht durch ein Vorgehen durch Belgien schwächt, sei es angebracht, für Frankreich di« Offensive zu ergreifen. Di« Deutschen würden nach einer für sie unglücklichen Schlacht bei Saarburg den Rückzug an- treten müssen, ihnen fehlte nach Herrn Bouchers An- fickt hauptsächlich die Train- usw. Kolonnen. Der Rückzug geht durch die Pfalz auf Mainz, die Franzosen hinterher nehmen Metz, daß natürlich seine Armierung nicht vollendet hat, und Straßburg. Die Bayern und Württemberger werden sich dann wenigstens, wenn eben nicht schon vorher, in ihre Heimat zurückziehen, da fi« ihr Vaterland bewahren wollen davor, „durch ein einziges französisches Kav/llerie- regiment übel behandelt zu werden". „Mit anderen Worten — so schließt Boucher zuversichtlich, — sobald wir in der Pfalz festen Fuß gefaßt haben, werden wir auch den Weg nach Berlin so gut wie sicher haben."
Soweit die Ausführungen des Herrn Oberst, auf deren militärtechnische Seite hier nicht eingegangen sein soll. Es sei nur daran erinnert, daß sie eine fatale Aehnlichkeit mit den Großsprechereien von einem Spaziergang nach Berlin anno 1870 haben. An sich könnte man dem Herrn sein kindliches Vergnügen gönnen. Uns kann es recht fein, wenn uns jemand überschätzt, noch lieber muß es uns sein, man unterschätzt unsere Stärk«.
Es ist nicht deutsche Art, sich über groteske Phantasien auszuregen, unsere Heeresleitung wird ihrerseits das beachtenswerte aus den Ausführungen sich schon gemerkt haben. Im übrigen verrät der Verfasser eine so kläglich« Kenntnis des deutschen Volkes, daß man nicht nötig bat. sich mit so törichten Voraussetzungen eines Abmarsches der Süddeutschen näher auseinanderzusetzen.
Und doch, das Schriftchen ist ein Zeichen der Zeit und der Stimmung, die in Frankreich und England herrscht (man vergleiche die bereits oben angezogenen Manöverberichte!). Es kommt leider auch diplomatisch-politischen Anschauungen entgegen, die jetzt in Frankreich wieder an die Oberfläche schwimmen und die wenig zu der erwarteten Verminderung der Reibungsflächen paßt. Gerade die Marokko- angetegenheit mit unserem Entgegenkommen hat. so scheint es, den Kampfesmut auch hier gestärkt. Man erinnere sich nur der deutschfeindlichen Reden in England und Frankreich und an die sich daran schließenden Vesvrechungeiz. in der Presse beider Länder. Die Angriff,- haben sich bis in die jetzige Zeit fortgesetzt. Immer wieder wird Deutschland als der Störenfried bezeichnet und als die Macht, gegen die die anderen geschlossen Front machen müssen.
Das alles find Zeichen der Zeit, an denen eine ernsthafte Politik nicht vorübergehen kann. Sie verdienen auch in Deutschland weiteste Verbreitung, da fie geeignet sind, die unklaren Vorstellungen der sogenannten „Frieden.sfreunde" ins rechte Licht zu setzen; denn es hat fich im letzten Sommer gezeigt, daß unsere Schwäche ein Signal für unsere Feinde ist, über uns herzufallen. Man würde fich nicht scheuen, allen Vertragen und Abmachungen zum Trotze uns anzuareifen und zu demütigen, sobald wir schwach genug erickeinen, uns nicht mit Erfolg zur Wehr setzen zu können. Die völkerrechtswidrige Behandlung, die die Türkei und jetzt auch noch Persien ertragen muß. würde auch uns zuteil werden. Der Starke vernichtet eben den Schwachen, wenn er es für nötig und dienlich hält und davon halten ihn weder Verträge noch feierliche Versprechungen. ab. Die wahren Friedensfreunde leben daher in einer gleichmäßigen Verteilung der Kräfte die bell« Gewähr für den Frieden und treten freimütig für eine starke Rüstung zur See und auf dem Lande ein. Davon halten sie keine der vielen Phrasen von Abrüstung, Verständigung, Schiedsaerichtsverträg« usw. unserer „Friedensfreunde" ab. Erst sollen sie einmal die Menschen anders machen, damit aber gefälli-'st beim Auslande anfangen. Wenn ihnen das gelungen ist, dann vielleicht läßt üch weiter reden über die Vorschläge zur Herbeiführung einer internationalen Verständigung und zur Verwirklichung ihres utopistischen Traumes vom ununterbrochenen, ewigen Völkerfrieden.
Der in Leivffa.
W. Leipzig. 13. Dez. In dem Spionageprozeß Schultz und Genossen wurde heute Mittag 2 Uhr 18 Min. vom Senats-Präsidenten Dr. Menge das Urteiz verkündet. Schultz erhielt 7 Jahre Zuchthaus, Ingenieur Hipfich 12 Jahre Zuchthaus, Ingenieur Wulff 2 Jahr« Zuchthaus. Der Kaufmann v. Maack und die Wirtschafterin Eckermann je 2 Jahre Zuchthaus. Die Bürgerlichen Ehrenrechte wurden Schultz und Hipfich auf 10 Jahr«, den anderen auf 5 Jahre I abgerechnet.
In der Urteilsbegründung wird ausgeführt: Durch die Verhaftung des englischen Schiffshändlers Schultz, die am 1. März 1911 in Hamburg erfolgte, ist eine Gesellschaft von Spionen unschädlich gemacht worden, die sich seit mehreren Monaten bemühte. für das englische Spionagebureau militärische Geheimnisse in Deutschland zu erkunden, deren Preisgabe für die Sicherheit des Reiches in höchstem Grade schädlich ist. Die Verhandlung ergab ein erdrückendes Beweismaterial. In fast allen wesentlichen Punkten stützte sich das Gericht auf die Angaben von Schultz. Wenn er auch vielleicht nicht alles gesagt hat, was er weiß, so konnte ihm doch Glauben geschenkt werden. Anscheinend benutzte Schultz Reisen, die ihn als Schiffshändler nach Deutschland führten, um mit allen möglichen Personen zwecks Erkundigung von Militärgeheimnissen erbindungen anzuknüpfen. Er wandte sich insbesondere an die Angeklagten Hipfich, Wulff und v. Maack und vermittelte deren Verkehr mit dem englischen Nachrichtendienst.
Hipfich, ein geborener Oesterreicher, seit mehr als zwölf Jahren an der Weserwerft angestellt, erwarb 1909 die deutsche Staatsangehörigkeit, nachdem das Reichsmarineamt die Beschäftigung von Ausländern in derartigen Betrieben verboten hatte. Durch seine dienstliche Tätigkeit hatte er Gelegenheit, Pläne von Kriegsschiffen kennen zu lernen, und Einsicht in viele geheimhaltende Dinge zu nehmen. Er hatte eine große Sammlung von Plänen und anderem wichtigem Material angelegt und alles an das englische Nachrichtenbureau geliefert.
Der Angeklagte v. Maack lernte im August 1901 Schultz kennen, er gab an Schutz eine schriftliche Aufstellung über die Verwendung der Schifte des Norddeutschen Lloyd, der Hapag usw. im Falle eines Krieges Diese Mitteilung wurde von Schultz nach England geschickt.
Der Angeklagte Wulff ist feit sechs Jahren bei der Norddeutschen Maschinen-Armatürenfabrik in Bremen angestellt. Er erhielt u. a. den Auftrag, über das in Kiel im Bau befindliche Schift „Ersatz Odin" Mitteilungen zu machen. Diesen Auftrag führte er aus.
Die Angeklagte Eckermann war die Wirtschafterin von Wulft, Hipfich hatte zeitweise dieselbe Wohnung tnne. Sie ist der Beihilfe zum Verbrechen gegen 8 1 schuldig.
Was die Strafzumessung betrifft, so war Hipfich am schwersten zu bestrafen. Denn er handelte lediglich aus Gewinnsucht. An zweiter Stelle kommt Schultz in Betracht, obwohl er als Ausländer anzusehen ist und auch ein Geständnis abgelegt hatte. Der Vetteidiger hat für ihn mildernde Umstände be- antragt, die aber nicht zugebilligt worden sind. Maack hat durch unwahre Angaben die Untersuchung erheblich erschwert. Er mußte als ehemaliger Kriegsfreiwilliger von 1870/71 sich ganz besonders der Gefährlichkeit der Spionage von Schultz und Hipfich bewußt fein.
Politische Umschau.
Hofjagd und Teuerung.
Weimar, 13. Dez. Das Eroßherzogliche Hofjagdamt macht folgendes bekannt: Von mehreren Zeitungen, namentlich dem „Berliner Tageblatt", .^Berliner Zeitung am Mittag" und „Frankfurter Zeitung", sind Artikel in sehr gehässiger Form gebracht worden über eine Anordnung des Eroßherzoglichen Hofjagdamtes, nach welcher kürzlich auf einer Hofjagd weit über 100 Hafen eingegraben worden feien, um die Preise nicht zu drücken. — An dieser ganzen Behauptung ist kein wahres Wort. — Das Dementi bezieht sich auf eine Behautpung, die der Landtags- abg. Säubert in einer Sitzung des Eemeinderats der Stadt Weimar aufgestellt hatte. Im Anschluß an eine Forderung, daß die Stadt nach den großen Jagden in der Umgegend größere Posten Hasen aufkaufe und für den Selbstkostenpreis an die ärmere Bevölkerung ablasse, berichtete er nämlich, daß das Großherzogliche Hofjagdamt kürzlich nach einer Hojjagd weit über hundert Hafen einfach habe eingraben lassen, da man keine Abnehmer gefunden habe?
Deutsches Reich-
— Prinz August Wilhelm als Zeuge vor Gericht. Potsdam. 13. Dez. Vor der Potsdamer Strafkammer fand heute der Prozeß gegen den Chauffeur des Prinzen August Wilhelm, Steingrab, statt, der auf Grund von Angaben des Gendarmen Hanisch wegen zu schnellen Fahrens bestraft wurde. Der Prinz erschien persönlich und leistete den Zeugeneid durch Unterschrift. Er gab an, wegen des starken Wagen- und Fuß- aängerverkebrs fuhren wir lehr lanafam: wohl
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wissend, daß ich ohne Krone vielmehr der Gefahr des Aufgeschriebenwerdens ausgesetzt sei, et« 'mahnte ich den Chauffeur, die gesetzliche Geschwindigkeit einzuhalten. Hanisch sah ich unter der Bahnhofsuhr, er bemerkte unser Auto und erkannte mich sofort, was er durch Strammstehen bekundete, er erkannte auch den Wagen und den Chauffeur. Ein Nichterkennen war ausgeschlossen, weil wir ganz dicht an ihm vorbei- fuhren. Der Prinz erklärte, daß die Geschwindigkeit nicht mehr als 15 Kilometer betragen habe, nicht 40 Kilometer. Der Gendarm behauptete, den Prinzen nicht erkannt zu haben, auch habe er genau abgestoppt. Das Gericht hob das erstinstanzliche Urteil auf und sprach den Angeklagten mit der Begründung frei, daß ein Irrtum im Tage oder in der Schätzung des Gendarmen anzunehmen sei.
— Aus den Ministerien. Berlin, 13. Dez. Der Präsident des Eisenbahnzentralamts, Wirkt. Geheimer Oberregierungsrat Hoff ist anstelle des verstorbenen Ministerialdirektors Teßmar zum Ministerialdirektor im Ministerium der Oeffentlichen Arbeiten ernannt worden.
— Der Soldatenmord in Metz. Metz, 13. Dez. Die heute vormittag vorgenommene Obduktion der Leiche des Hoboisten Mansch, bei der die Kugel nach längerem Suchen im Kopfe gefunden wurde, ergab, daß die Kugel tatsächlich aus der Teschinpistole des mitverhafteten Martin Sa- main stammte, der wie bekannt, schon am Montag nach anfänglichem Leugnen gestanden hatte, den Schuß abgegeben zu haben. Die beiden 6a- mains verhielten sich bei der Konfrontierung mit der Leiche ruhig, während Martin in Tränen ausbrach. — Nachdem nach der gerichtlichen Untersuchung die Leiche des Hoboisten Mansch freigegeben worden war, erfolgte nachmittags gegen 5 Uhr unter starker Beteiligung, namentlich durch Militär und besonders des 130. Infanterie-Regiments die Uebersührung des Sarges mit der Leiche nach dem Bahnhof, von wo sie nach der Heimat des Getöteten Fährendorf bei Merseburg weiterbefördert wurde. Hinter dem Leichenzuge schritten an der Spitze des Trauerzuges der Kommandeur der 33. Division und der Kommandeur der 66. Infanteriebrigade, denen ein langer Zug von sonstigen Ofizieren, Unteroffizieren und Abordnungen verschiedener Regimenter der Garnison folgten. Etwa 40 Kränze wurden von den Soldaten verschiedener Regimenter dem Leichenwagen übergeben. In den Straßen, durch die der Trauerzug seinen Weg nahm, staute sich die Menge in stummem Schweigen, ergriffen von der Tragik des Vorfalles.
— Der Chef und Mitherausgeber der „Münchener R. R.", Thomas Knorr f. München, 13. Dez. Thomas Knorr, der Chef und Mitherausgeber der „Münchener Neuesten Nachrichten", ist heute nachmittag nach längerem Leiden im Alter von 61 Jahren plötzlich gestorben.
— Di« Beratungen der Strafrechtskommis« fron. Wie mitgeteilt wird, find die Beratungen der Strafrechtskommifsion, die bekanntlich am 1. April im Reichsjustizamt tagt, an einem bedeutsamen Punkte angelangt, denn fie kamen am Mittwoch mit dem allgemeinen Teil zu Ende. Die Kommission wird nun mit der Beratung des speziellen Teiles beginnen, in die sie nach Weihnachten eintreten wird.
— Keine Novelle zum Spionagegesetz. Wie mitgeteilt wird, ist eine Aenderung des Spionagegesetzes vor der allgemeinen Strafrechts-s reform nicht beabsichtigt. Es besteht an zuständiger Stelle die Absicht, vor der allgemeinen Reform keine Stückarbeit, sondern mit einem Mal« die ganze Arbeit zu machen. Der Reichskanzler hat vor einem Jahre im Reichstage erklärt, daß an die Einbringung von Ausnahmegesetzen nicht zu denken wäre. Eine jetzt eingebrachte Novelle zum Spionagegesetz wäre gewissermaßen ein Ausnahmegesetz.
— Der aus dem Gefängnis entsprunz n, Schutzmann Clauß ist, wie die amtliche Unter- suchung ergeben hat, ohne Helfershelfer aus dem Wilhelmshavener Untersuchungsgefängnis ent« kommen. Entgegen ursprünglicher Annahme ist auch festgestellt worden, daß er nicht mit de« Automobil über die holländische Grenze geflüchtet ist. Die Behörde hält es nicht für ausgeschlossen, daß Clauß sich in Wilhelmshaven vev borgen hält.
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