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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kuchhain

und den Beilagen.Nach Feierabend",Fürs Haus" und »Fandwiüjchastliche Beilage".

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und Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt vierteijährlich t.irch die Post bezogen 9.25 Jt lohne Bestellgeld), bet unseren ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 X frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. 8. Koch (Inh.: Dr. Hitzerothl, Mark: 21. Telephon 55.

Marburg

Donnerstag, 14 Dezember

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46. Jahrg.

1911.

Erstes Blatt.

Offiziöses Resümee über die letzte Legislaturperiode des Reibstages

Berlin, 11. Dez. In ihrem Rückblick auf die abgeschlossene Legislaturperiode des Reichstags jchreW dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" u. a.: Man hat es dem Nachfolger Bülows zum Vorwurf machen wollen, baß er als der erste Mitarbeiter des porigen Reichskanzlers zur Zeit der Blockpolitik mit der Gegenzeichnung des Finanzreformgesetzes sein neues Amt begonnen hat. Keiner dieser Kritiker vermochte aber anzugeben, mit welchen anderen Mitteln die Geschäfte des Reiches ohne di« schwersten inneren Erschütterungen über dentoten Punkt" hätten hinweggebracht werden sollen. Für den Nach­folger Bülows, wer er auch sein mochte, lag eine zwingende Situation vor, bei der die Aufgabe hieß: te make bcst of it. Ihr ist die Regierung in spar­samer Finanzwirtschaft gerecht geworden. Mit Be­zug auf die Mängel, die dem Reformwerke inbezug auf die einzelnen Steuern wie auf ihre Zusammen­setzung anhasten mögen, kann nicht widerlegt wer­den, daß die Vermehrung der Reichseinnahmen um mehrere hundert Millionen Mark eine auch nach An­sicht des früheren Kanzlers unaufschiebbare Not­wendigkeit war. Tatsächlich begann mit dem Zeit­punkt des Zusammenbruchs des Blocks bereits der Kampf um die Mehrheit im kommenden Reichstag. Aber trotz des Bedürfnisses der Parteien, Ver­gangenes zu rechtfertigen und Künftiges wieder vor­zubereiten, nahm die sachliche Arbeit einen ruhigen erfolgreichen Fortgang. Die Thronrede hatte ein sehr nüchternes, aber reichhaltiges Arbeitsprogramm vorgezeichnet. Der Reichskanzler stellt« in ber ersten Etatrebe dem Streit um Geschehenes den Zwang zum Schaffen gegenüber. Dieser Zwang, roenn er fuch die Parteien nicht versöhnen konnte, setzt« sich in tüchtigen Werken durch. Die Parteikonstellattonen, dte großen Teilen des Reichstags eine Stellung in das Negative zuwiesen, hatten stets den Charatter des Vorübergehenden, weil sie der Vielgestaltigkeit »nseres Parteilebens in Verbindung mit der Dauer ntcht standhalten konnten. Das wachsende Bedürf­nis aller bürgerlichen Parteien, den vaterländischen Forderungen ihrer Wähler nicht nur in d«r Kritik sondern auch durch die Tat Ausdruck zu geben, macht die Wiederkehr solcher Konstellationen immer un­wahrscheinlich; es sei denn, daß st« fich in später Zu- kunst in der Zweiteilung unseres gesamten politi­schen Lebens vollziehen sollte. Politisch völlig un­möglich war es, daß an die Stelle des zusammen­gebrochenen Blocks sofort ein neuer trat, nachdem gerade die Exklustvität des alten zur Katastrophe geführt, hatte. Parteipolitisch war allerdings der Wunsch der linksstehenden Parteien begreiflich, daß sich ein solcher der Regierung dienstbarer neuer Block bilden möge, um gegen beide im Hinblick auf die be­vorstehenden Wahlen ein« konzentriert« Opposition inszenieren zu können. Praktisch mußte diesem Wunsch die Erfüllung versagt bleiben, so oft auch ros von Herrn von Bethmann-Hollweg richtig zitierte Wort des Fürsten Bismarck von den gott- gegebenen Abhängigkeiten" unter Entstellung seines Wortlauts und Sinnes als Stütze für eine partei­taktische Fiktion mißbraucht worden ist. Der Reichs­kanzler konnte tatsächlich die Geschäft« nur unab­hängig von ben Parteien in bem Sinne führen, daß er nicht den persönlichen Anspruch auf die Gefolg­schaft bestimmter Parteien für die Gesamtheit der zu erledigenden Arbeiten erhob. Die Sache mußt« sich jedesmal selbst ihre Mehrheit suchen. So trägt die Arbeitsleistung der Seffion, die mit wechselnden Mehrheiten zustande gebracht wurde, auch nicht den Stempel eines einseitigen Parteieinfluffes. Es geht in keiner Weise an, diese Seffion als eine Periode politischer Reaktion zu bezeichnen. Der Artikel führt zum Beweise die Behandlung der Verfaffungsfragen an, insbesonder« die elsaß-lothringische Verfassung, ferner die sozialpolitischen Gesetz« und schließt mit den Worten:Die bürgerliche Linke sch«int im Blockreichstag endgültig den Bruch mit ihrer kriti­schen Haltung zu den Wehr- und Kolonialfragen vollzogen zu haben. Die alten Schlagwort«, mit denen früher der Freude am kolonialen Besitz ent­gegengearbeitet wurde, find au- den Debatten fast ganz verschwunden; nur als gegen unseren neuen Kolonialerwerb zu Felde gezogen wurde, sah man einrge der mißtrauischen alten Bekannten wieder­kehren. Auch hier wird die Zeit lehren, ob wir wirklich einkrankes Kind" oder nicht vielmehr »inen wackeren Zuwachs ins Haus bekommen haben. Schließlich wird in diesem Reichstag das kraftvolle patriotische Gefühl nicht vergeffen werden, in dem er sich in seiner letzten Sitzung, ohne Unterschied der Parteien mit der Regierung dem Ausland gegen­über wieder zusammenfand. War in all d-m inneren Streit und Hader so oft und schmerzlich vermißt wurde, das wurde uns zum Abschied von diesem Reichstag nach beschieden: Ein klarer, heller und eherner Zusammenklang. So gesellte fich der Zwang i t»m Stoffen, den wir im Innern nicht entbehren »

konnten, und der freie Wille zu fester Selbstbe­hauptung in allen Stürmen unseres nationalen Schicksals."

Der Soldalenmord in Metz.

Metz ist wegen der Bluttat in größter Auf­regung. Man hört allgemein dem Gedanken Ausdruck verliehen; daß die Gebrüder Samain hier ihren vielen Dreistigkeiten der letzten Mo­nate die Krone aufgesetzt haben. Die behördliche Untersuchung wird mit größtem Jntereffe ver­folgt, denn es steht immer noch nicht fest, wer der wirklich Schuldige ist. Der Tatbestand ist so weit aufgeklärt, daß die beiden Brüder Samain mit drei Gesinnungsgenossen in einem Caf6 Streit mit einem älteren Pförtner bekamen, weil sie Meinungsverschiedenheiten über die Frage hat­ten, wie man Gräber schmücken solle. Als der Pförtner das Lokal verließ, folgten die fünf. An der Ecke der Römerftraße versetzte Samain senior dem Manne einen Schlag ins Gesicht, den dieser aus Angst vor der Ueberzahl nicht er­widerte. Da kam aus einem nahen Bierlokal (es war 2y2 Uhr nachts) der Unteroffizier Maasch in Zivil mit einem Herrn und zwei Da­men. Wieso Maasch sich in den Streit mischte, ist noch nichtaufgeklärt. Es kam zum Handge­menge zwischen diesem und dem älteren Samain, in desien Verlauf dem Hoboisten eine Kugel von hinten in den Kopf geschaffen wurde. Er fiel sofort tot hin. Die fünf Gesellen ließen ihn lie­gen und ergriffen die Flucht. Als zehn Minu­ten später der Polizeikommiffar in der Wohnung der Samains erschien, hatten diese die Kleider ausgezogen und stellten sich schlafend. Ein Zeuge hatte behauptet, der jüngere Samain im grauen Mantel habe den Schuß abgegeben. Als die bei­den mit dem Kommiffar mitgingen, hatte er einen schwarzen Mantel an. Er gibt zu, vorher einen grauen getragen zu haben. Bei dem ver­hafteten Martin, der jetzt behauptete, geschaffen zu haben, wurde auch ein Revolver gefunden. Man hofft, bald Licht in die Affäre zu bekom­men, der die hiesige Presse eine gewisse politische Bedeutung zuspricht.

DieL. N. N." widmen dem Mord einen Leitartiel, da er ihr einen durchaus politischen Hintergrund zu haben scheint. DieFrankfurter Ztg.", die immer besorgt ist, es Knute einem Französling ein Haar gekrümmt werden, ist na­türlich auch jetzt bemüht, die Sache als relativ harmlos und jeder politischen Bedeutung bar hinzustellen.

Diesen Bestrebungen derFrankfurter Ztg." ist aber die Behandlung der Angelegenheit durch französische Blatter recht wenig günstig. So schreibt derMatin" von der bekanntenRoh­heit der Polizei." Er ärgert sich, daß sein Schüb­ling nicht sofort wieder freigelassen wurde und glaubt, daß die ganze Sache nur zu Wahl- und Stimmungsmache von denEingewanderten" benutzt wurde. Sehr richtig schreibt dazu die Köln. Ztg.":Wer Lothringen kennt, weiß, mit welch heimtückischer Frechheit gewisse französische Bürschchen auftreten, weil sie wissen, daß ihnen in den Pariser Blättern eine Krone geflochten wird, deren Disteln sie für Lorbeeren halten. Es ist zu wünschen, daß die elsaß-lothrin­gischen Behörden diesen Zusam­menhang erkennen. Die unverfrorene Einmischung desMatin", der fast das ganze Jahr hindurch für den radaulustigen Samain den Tamtam geschlagen hat, kennzeichnet diesen als einen besonderen Schützling des Blattes, wenn nicht als einen Agenten des niedrigen Francquillinismus, der in allen Erenzländern von Genf bis Vliisingen mit Trompetenschall und Trikolore die Begeisterung des Pöbels für ein Frankreich entfacht, dessen Ausbreitung, wenn überhaupt, eher in Marokko als in Europa wünschenswert erscheint. Der Totschlag von Metz ist eine würdige Aeußerung dieser plebeji­schen Preßmache, von der man auswärts mehr spürt als von Frankreichs wahrer Kultur."

Der Krieg um Tripolis.

Rom, 12. Dez. Die Agenzia Stefani meldet aus Benghast: Inder Nacht zum 10. Dezember griff der Feind heftig einen Teil der vorgescho­benen italienischen Stellungen an, wurde aber nach kurzem heißem Kampfe durch einen von dem dritten Bataillon des 79. Infanterieregiments glänzend durchgeführten Bajonettangriff zurück- geworfen. Die Verluste de» Feindes waren 36

Tote, die auf dem Kampffelde liegen gelassen wurden, und äußerem rablreilbe Tote und Ver­wundete, die unter dem Schutz der Nacht fortge- schafst wurden. Die Italiener hatten drei Tote und zwölf Verwundete.

K o n st a n t i n o p e l, 12. Dez. Nachrichten aus Smyrna bestätigen, daß die Ausweisung ter Italiener aus Smyrna zurückgezogen wurde, weil es sich dabei um eine falsche Auslegung des betreffenden Auftrages durch die Lokalbehörden gehandelt hat.

Nom, 12. Dez.Popolo Romano" hebt die große» Anstrengungen hervor, die der deutsche Votschaster in Konstantinopel macht, um die in der Türkei lebenden Italiener zu beschützen und ermahnt gleichzeitig die deutsche und die italie­nische Preffe, die Polemik abzubrechen, die, wenn sie fortgesetzt werde, einen gefährlichen Nieder­schlag in der öffentlichen Meinung der beiden Staaten zurücklaffen würde, die mehr als drei­ßig Jahre verbündet, jetzt mehr noch als bisher ein hervorragendes Jntereffe haben, auch weiter­hin eng verbündet zu bleiben.

Wien, 12. Dez. Der Rennfahrer Bartel, der seit einiger Zeit Pilot ist, ließ sich von der Türkei anwerben. Er geht in den nächsten Ta­gen mit einem Etrich-Eindecker nach Tipolis. '

Paris, 12. Dez. Nach einer Blättermel­dung erstattete der Kapitän des heute in Mar- saille eingetroffenen Glasgower Postdampfers Baron Eolwarth" der dortigen Handelskam­mer einen Bericht, wonach auf sein Schiff am 30. November im Roten Meer von einem italie­nischen Kreuzer fünf Kanonenschüsse abgefeuert wurden. Eine Kugel traf denBaron Gol- warth" am Vordersteven und richtete beträcht­liche Havarie an. Der Befehlshaber des italie­nischen Kriegsschiffes beeilte sich, als er den Irr­tum erkannt hatte, dem engli'chen Kapitän seine Entschuldigungen auszusprechen.

Politische Umschau.

Aufklärung nötig!

In Wilhelmshaven war, wie wir bereits kurz meldeten, der Schutzmann Clauß unter dem Verdachte des Landesverrates verhaftet worden. Zn seiner Wohnung hatte man 75 000 J*. gefun­den, die ihm von englischer Seite als Lohn für seine Tätigkeit gezahlt worden war. Clauß war, wie aus den beschlagnahmten Aufzeichnungen hervorgeht, das Haupt einer gutorganisierten Spionenbande. Jetzt nun ist diese gewichtige Persönlichkeit plötzlich aus der Haft ausgebro­chen und geflohen. Diese Tatsache erregt natür­lich in der gesamten Presse Befremden und es wird den zuständigen Behörden der Vorwurf der aral'en Nachlässigkeit und Saumseligkeit gemacht. Ganz unbegreiflich aber ist, was dieBraun­schweigische Landesztg." meldet: Das genannte Blatt erzählt nämlich, daß die nach der Verhaf­tung von Clauß vorgenommene Untersuchung die Notwendigekit ergab, mehrere andere Perso­nen gleichfalls festzusetzen, die in einem Garten- Hause unangemeldet wohnten. Man wollte, als man sich tagsüber zu dieser Erkenntnis durchge­rungen hatte, nun in der folgenden Nacht das Nest ausnebmen. Als man dort aber eindrang, fand man keine Spur mehr von ihnen vor; sie waren auf unerklärliche Weise verschwun­den (!!?). Gleichzeitig entdeckte man im Mili­tärgefängnis, daß auch der verhaftete Schutz­mann Clauß entflohen war, vermutlich mit Hilfe der bereits aus dem Eartenhause entwichenen Helfershelfer, die, wie fich später herausgestellt hat, durch einen unterirdischen Gang nach einer nahegelegenen Villa entflohen waren. Alle Spuren der Flüchtlinge weisen nach Homburg.

Es ist an der Zeit, daß die Behörden ihr Schweigen brechen und Aufklärung über den mysteriösen Fall geben.

Deutsches Reich-

Prinz August Wilhelm von Preußen, der den Eingemeindungs-Verhandlungen zwischen Lichtenberg und Rummelsburg beigewohnt hat, hat folgendes Schreiben dem Bürgermeister von Lichtenberg, Ziethen, gesandt:Sehr verehrter Herr Oberbürgermeister! Für die freundliche telegraphische Mitteilung verbindlichst dankend, spreche ich Ihnen und allen Vertretern von Lich­tenberg herzliche Glückwünsche zu diesem glän­zenden Ergebnis aus und bitte Sie gütigst, die­sen meinen Wunsch Ihren Kollegen in Box-

hagen-Rummelsburg gleichfalls mit der Bitte um Uebermittlung an die dortigen Vertreter weiter zu geben. Ihrer Beratung beiwohnen $tt dürfen, war für mich nicht nur im höchsten Maße instruktiv, es wurde mit dadurch vielmehr auf- neue klar, welch schönen bedeutungsvollen Ruf ich ergriffen habe, als ich mich entschloß, die Der» waltungslaufbahn einzuschlagen. Schön und be­deutungsvoll namentlich darum, wiel mir da­durch in ganz anderer Art wie sonst in unserem Stande Gelegenheit geboten wird, mit allen Kreisen und Schichten unserer Nation in Berüh­rung engster Art zu kommen und aus ihrem eige­nen Munde ihre Urteile, ihre Sorgen und Wünsche zu vernehmen. Mit dem nochmaligen Wunsch, für eine blühende Zukunft des geeinten Großlichtenberg" und wiederholten Dank auch für die gestern Abend an mich gerichteten Worte verbleibe ich Ihr August Wilhelm."

Eine neue Kriegsschule. Vromberg, 12. Dez. Die im nächsten Heeresetat geforderte elfte preußische Kriegsschule wird in Bromberg er­richte werden.

Der Streit um das Bismarck-National­denkmal. Hamburg, 12. Dez. Eine Anzahl von Mitgliedern des Kunstausschuffes für das Bis- ^rck-. tational-Denkmal hat folgende Erklärung erlassen: Nachdem der Entscheidungsausschuß für das smarck-National-Denkmal den Entwurf von Kreis für die Ausführung gewählt hat, der fich nicht unter den vier von der Majorität der Jury als Grundlage für die Ausführung emp- f'-hlenen Entwürfen befindet, sehen fich die Un- terzel/reten nicht in der Lage, an den Arbeiten des Kunstausschuffes für das Bismarck-National- Denkmal ferner K'lnehmrn zu können und rr- kl.iren ihren Austritt. Dr. Denken, Prof. L. Till* Pr f. Dr. Fischer^ Prof. Fleßmann, Dr. Flies, Prof. A. Gaul, Dr. L. Hoffmann, Pr^f. Graf von Kalckreuth, Prof. Klinger, Dr. Licht- tucrf, Dr. Hoffmann, Prof. Eraf.U^tzgfftzerönon wark, Dr. Ratbenau, Wilhelm Schäfer-Valen- dar, Prof, von Stuck, Prof. Dr. Tuo'--n.

Das Motuproprio in der sächsischen Kam­mer. Dresden, 12. Dez. In der Zweiten Kam­mer wurde heute die Interpellation über Mo­dernisteneid und Motuproprio verhandelt. Da­bei erklärt der Kultusminister Dr. Beck, ihm sei soeben ein Schreiben des sächsischen Gesandten in München zugegangen, nach dem anzunehmen sei, daß eine authentische Erklärung Roms bevor­stehe, die ausspricht, daß das Motuproprio auf Deutschland keine Anwendung finden solle.

Ausrand.

** Die Kaiserkrönung in Indien. Delhi, 12. Dez. In dem heute mittag abgehaltenen Krö- nungsdurbar ist der König von England förm­lich zum Kaiser von Indien proklamiert worden. Die Feierlichkeit fand in malerischer orientali­scher Prachtentfaltung statt. Die Straßen waren von Tausenden von Zuschauern gefüllt. Die bri­tischen Gouverneure in Indien fuhren in Staats­equipagen, die indischen Fürsten in mit Gold und Silber bedeckten Wagen vor. Der König und die Königin verließen das Lager um 11^4 Uhr unter einer Eskorte von Husaren, Artillerie und anderen Truppenteilen. Bei ihrer Ankunft im Kaiserzelt wurden sie von dem Vizekönige von Indien Lord Hardinge empfangen. Der König und die Königin schritten zu der von einem vergoldeten Thronhimmel überdachten Plattform, die im Mittelpunkt eines ungeheuren Amphitheaters errichtet ist. Der König eröffnet« die Feierlichkeit des Durbar mit einer Rede, die mit anhaltendem enthusiastischem Beifall aus­genommen wurde. Die Kapellen spielten den Krönungsmarsch. Sodann erfolgte die Verlesung der Krönungsproklamation, durch einen Herold, während welcher der König und die Königin vor ihren Thronen stehend verharrten. Hierauf kün­digte Lord Hardinge eine Anzahl von Gnaden- beweisen an, die zum Gedächtnis an die Festlich­keit erteilt worden sind. Unter ihnen befindet fich eine Spendung von 5 Millionen Rupien für Zwecke des Volksunterrichts, ebenso eine Anzahl von Gnadengeschenken an untergeordnete Beamte und Soldaten, sowie die Begnadigung gewisser Klaffen von Gefangenen. Die Zeremonie schloß mit dem Schmettern der Fanfaren und den sich immer wiederholenden Hochrufen der Menge auf den Kaiser und die Kaiserin von Indien.

** Das deutsch-französisch« Abkommen in der französischen Kammer. Paris, 12. Dez. Die Re­gierung «Märte fich damit einverstanden, datz